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AT HARVARD COLLEGE, CAMBRIDGE, MASS,
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Deposited by ALEX. AGASSIZ.
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PALAEONTOGRAPILHUCA.
BDEUERINEGE
ZUR
BENTURGESCHICHTE DER VORZENE
Herausgegeben
von
KARL A. v. ZITTEL,
Professor in München. _
Unter Mitwirkung von
E. Beyrich, Freih. von Fritsch, M. Neumayr, Ferd. Römer und W. Waagen
als Vertretern der Deutschen Geologischen Gesellschaft.
Vierunddreissigster Band.
Mit 3ı Tafeln.
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Stuttgart.
E. Schweizerbart’sche Verlagshandlung (E. Koch).
1857. 1858.
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Erste Lieferung.
Juli 1837.
Riess, Joh., Ueber einige fossile Chimaeriden-Reste im Münchener palaeontologischen Museum.
(ats JE) 152 1 ea ee SE REN:
Holzapfel, E., Die Mollusken der Aachener Kreide. (Taf. IV. V.) . . ee) 9)
Zweite bis vierte Lieferung.
März 1888.
Holzapfel, E., Die Mollusken der Aachener Kreide. (Taf. VI-XXL) . . 2. 2.2.2.2... 73—180
Fünfte bis sechste Lieferung.
Mai 1888.
Rüst, Beiträge zur Kenntniss der fossilen Radiolarien aus Gesteinen der Kreide (Taf. XXI
bISERRURE 2: een ee oe
Oppenheim, Paul, Die Insectenwelt des lithographischen Schiefers in Bayern. (Taf. XXX. XXXL) 215—247
ng
Ueber einige fossile Chimaeriden-Reste
Münchener palaeontologischen Museum.
Von
Johann Riess in Miltenberg.
Mit Taf. I-IN.
Einleitung.
Die Aehnlichkeit gewisser eigenthümlicher, in englischen Jura- und Kreideschichten gefundener
Zähne mit denen der jetzt lebenden Chimaeren erkannte zuerst BuckLann im Jahre 1835. Er vereinigte
dieselben mit der Gattung Chimaera und beschrieb vier Arten: Oh. Townsendü, Egertoniü, Agassizii und
Mantelliit. Auf die Nothwendigkeit einer generischen Trennung der bald zahlreicher werdenden Funde
verwies daraufhin EGERTon, und unterschied die Genera Ischyodon, Ganodus, Elasmodus, Psaliodus. Von
den wichtigeren Ischyodon und Ganodus sollte sich ersteres durch ansehnlichere Grösse des Unterkieferzahns,
grobe innere Struktur und grosse, getrennte Reibflächen auf der Innenseite desselben auszeichnen, Ganodus
dagegen kleine Unterkieferzähne von zartem Bau in sich begreifen, deren Reibflächen zu einer einzigen Er-
höhung verschmolzen sind. EGErToN’s diesbezügliche Abhandlung erschien zwar erst nachträglich im Druck ?,
jedoch schon Acassız führte 1843 in seinem Werke „Poissons fossiles“ III, pag. 339 die Eserrox’schen
Genera einstweilen als Subgenera von C’himaera auf, „bis man im Stande sein würde, dieselben genauer zu
charakterisiren“. Er fügte sodann denselben ein weiteres hinzu, als dessen Typus die Chim. Mantellü gelten
und das sich durch den verlängerten Schnabel des Unterkieferzahns und das Fehlen einer „Emailschicht“
auf dessen Aussenfläche auszeichnen sollte, und schlug dafür den Namen Psittacodon vor.
Im Jahre 1838 hatte auch BuckLanp® zwei Genera aufgestellt, Zdaphodon und Passalodon.
Ersteres ist Ischyodon ähnlich, der hintere obere Zahn besitzt jedoch statt wie dort 4 nur 3 Reibflächen;
Acassız rechnete hiezu seine Species Bucklandi, leptognathus und eurygnathus aus dem englischen Tertiaer.
Die Passalodon genannten Zähne erkannte EGERTON 1847* als vordere obere Zähne von Edaphodon; dem-
“1 Proc. geol. Soc. London II, 205.
2 Proc. geol. Soc. IV, 153.
3 Proc. geol. Soc. II, 687.
* Quart. journal geol. Soc. London III, 350.
Palaeontographica. Bd. XXXIV.
selben Genus ordnete dieser Forscher das Acassız'sche Subgenus Psittacodon unter und gab 1852 genaue
Beschreibung und Abbildung von Elasmodus-Zähnen aus dem Eocaen von Sheppey. 1858 führte QuExstEDrT
in seinem „Jura“ p. 339 und 347 Bruchstücke von chimaerenartigen Zähnen als Ohimaera personati (aus Br.
Jura 8) und Ch. Aalensis (aus den Eisenerzknollen von Aalen) auf; zu letzterer stellte er (l. c., p. 347)
den Abdruck eines etwa 6 cm langen Flossenstachels mit 2 Dornenreihen und benannte denselben Chimaera-
canthus Aalensis. Endlich beschrieb er einen grössern, leider ziemlich zerbrochenen Unterkieferzahn aus dem
Weissen Jura der Teck in Württemberg als Chimaera Schübleri.
Das erste vollständige Skelet einer Chimaere fand sich im lithographischen Schiefer von Bayern und wurde
von Prof. WAGxeEr in München als „Chimaera (Ischyodon) Quenstedti“, allerdings unvollständig, beschrieben ?.
1859 bildete Heru. v. Meyer? aus Portland-Schichten von Hannover zwei zusammengehörige Unter-
kieferzähne, dazu einen vordern obern Zahn als Ischyodus rostratus, ferner einen isolirten vordern obern
Zahn als Isch. acutus ab. Derselbe gab 1862* Beschreibung und Abbildung des zweiten vollständigen Skelets
aus dem lithographischen. Schiefer unter der Bezeichnung „Chimaera (Ganodus) avita*.
Hınmy fand (1866) bei Boulogne einen hinteren oberen Zahn mit 5 Reibflächen, den er Ischyodus
Sauvagei nannte’. Im darauffolgenden Jahre beschrieb Sauvacr® aus Kimmeridge und Portland von
Boulogne-sur-mer Unterkieferzähne von 5, Oberkieferzähne von 2 Ischyodus-Arten, ferner einen Ischyodus-
Unterkieferzahn aus dem Gault von Wissant.
Im Jahre 1871 liess Ecerrox”? eine in ihren vordern Theilen etwas vollständiger erhaltene Chimaere
aus dem Lias von Lyme Regis in England als Ischyodus orthorhinus abbilden. Dieselbe zeigt eine Ver-
längerung der Nasenregion ähnlich dem lebenden Callorhynchus. Darüber findet sich ein als männlicher
Stirnstachel zu deutendes Organ, das im Gegensatz zu dem von recenten Chimaeren in ein beträchtliches,
an der Basis leicht gekrümmtes Rostrum von 5t/2 engl. Zoll Länge entwickelt ist; seine Unterseite trägt
bedornte Erhöhungen, welche ähnlichen auf der Oberseite des Nasalfortsatzes entsprechen, während die
Oberseite mit grobkörnigem Chagrin bedeckt ist. . Ferner ist erhalten der 6 Zoll lange Rückenflossenstachel,
der auch auf seiner Vorderseite Dornen trägt, vom Gebiss die zwei Unterkieferzähne und einer der hintern
obern; von erstern besitzt jeder 1'/2 Zoll Länge, letzterer eine solche von 1'/s; EGERTON nennt sie in jeder
Hinsicht Ischyodus ähnlich.
In seiner „Beschreibung des Elbthalgebirgs in Sachsen“® gibt GEmrTz (1875) an, dass Bruchstücke
von „Ischyodon Agassizü“ als Seltenheiten im Plänerkalk von Strehlen sich fänden. Die Abbildungen lassen
auf einen ziemlich zerbrochenen Zustand schliessen; die „Zuwachsstreifen“ der Fig. 10 Taf. 39 am vordern
Zahnrande scheinen eher innere Lamellen zu sein; die Innenseite Fig. 9 ist nach Gemıtz dem Rand parallel
gestreift und fast glatt, was wohl dem Fossilisationsprocess zuzuschreiben ist. Ferner gibt genannter
1 Memoirs of the geological survey of the United kingdom. Decade VI.
? Anzeigen d. bayr. Akad., 1859, II. Classe, IX. Bd., p. 9.
® Palaeontographica VII, p. 14.
* Palaeontographica X, p. 87.
5 Bull. Soc. geol. de France. 2me serie. XXIII, p. 654.
Sauvage, catalogue des poiss. des format. second. du Boulonnais.
” On a new Chim. Fish etc. Quart. journ. geol. Soc. XXVI, 1. Th., p. 275.
® Palaeontographica XX, 2. Abth., p. 206.
|
[Sb]
|
Forscher Beschreibung und Abbildungen eines Unterkieferzahnbruchstücks, das er als „Ischyodon Mantellü*
bestimmt. Die äussere Seite soll nach ihm längs des Schnabels von einer erhabenen scharfen Kante durch-
zogen sein (Taf. 39 Fig. 11); die Abbildung lässt zwar im Allgemeinen das Genus Edaphodon vermuthen,
zu dem ja.]. Mantellii zu rechnen ist, spricht jedoch eher für eine Innenseite.
E. T. Newron? unterwarf 1878 alle bis dahin bereits beschriebenen Arten, die in der eng-
lischen Kreide vorkommen, einer genauen Durchsicht, und das ihm zur Verfügung stehende reichhaltige
Material erlaubte ihm nicht allein, Vieles zu berichtigen, sondern auch mehrere neue Species aufzustellen.
So stellte derselbe die Charaktere der Gattung Ischyodus gegenüber Edaphodon genauer fest, indem er
beide folgendermassen abgrenzt: der Unterkieferzahn von Edaphodon ist nach vorn in einen längeren, fast
sichelförmigen Schnabel verlängert; die Symphysenfläche ist breit, ihre Ränder, hinten einander parallel,
nähern sich von der Stelle des Symphysialreibhügels an, der etwa in der Mitte des Rands liegt, gegen die
Spitze hin, wo sie zusammentreffen. Bei Ischyodus ist der Schnabel kurz, die Symphysis schmal und deren
oberer Rand bildet einen erhabenen, gerundeten Längsrücken, unter welchem die Fläche ausgehöhlt ist; die
beiden Ränder der Symphysis laufen bis weit nach dem Schnabel hin parallel; erst vor der Symphysialreib-
fläche, die hier weit nach vorn liegt, laufen sie zusammen. Der hintere obere Zahn von Edaphodon besitzt
typisch drei, der von Ischyodus vier Reibflächen; bei letzterem Genus zeigt endlich sowohl der Unterkiefer-
wie der hintere obere Zahn eine verdickende Schicht auf der Aussenfläche, soweit dieselbe frei in die Mundhöhle
ragte. Zu Edaphodon sind ausser den schon erwähnten Mantellii und Bucklandi Ac. namentlich Agas-
sizii Bekı. und Sedgwickii Ag. zu rechnen. Newrox gibt Beschreibung und Abbildung von 7 Edaphodon-
und 5 Ischyodus-Arten aus der englischen Kreide, von denen einige, wie Ed. Sedgwickii und Isch. brevi-
rostris As. vom Neocom bis Turon (lower Chalk) verbreitet sind.
Einen kleinen hintern obern Zahn aus dem untern Grünsand (Neocom) von Neu-Seeland beschreibt
derselbe als Callorhymehus Hectori, ferner Unterkieferzähne aus Turon von England als Elasmognathus
Willettüi; die letztern besitzen keine grössere Reibfläche, sondern viele kleine längs der Symphysis und am
Oralrand. Abgesehen von dem Genus Chimaera, das im Tertiaer vorzukommen scheint (Chim. deleta Presrt.,
mioc. Molasse), haben wir sonach in Europa 7 Gattungen fossiler Chimaeriden: Ischyodus, Ganodus, Eda-
phodon, Elasmodus, Psaliodus, Elasmognathus, Callorhynchus.
Auch die amerikanischen Forscher stellten auf ihre Funde hin viele neue Genera und Species auf.
Bereits im Devon finden sich nach Newserry? in Ohio chimaerenartige Zähne der Gattung Rhynchodes,
ferner errichteten Core und Leipy eine Anzahl Genera, namentlich auf mesozoische Funde; ein Ischyodus
(T. eocenus Core) soll auch im Eocaen vorkommen. Meist sind jedoch die Aufzählungen ohne Abbildungen.
Wenn auch eigenthümliche Formen vorliegen dürften, so würde sich doch wahrscheinlich bei einer Prüfung
und Vergleichung der Originalexemplare die Zahl der Species wie die der Genera vermindern. So
meint auch Newrox (l. c., p. 46), dass z. B. Cops als Gattungsmerkmale das auffasse, was er (NEwrox)
für Speeiescharakter gelten lasse, und Eigenschaften, die er auf Grund der Untersuchung einer grossen
Anzahl von Stücken auf Rechnung individueller Variationen, Abkauung oder anderweitiger Abnutzung
schreibe, scheine Core zur Unterscheidung von Arten zu benützen.
1 Mem. geol. Survey, Monograph IV, the Chimaeroid fishes of the British Cretaceous Rocks.
? Geol. Surv. of Ohio I, 2. Th., p. 5307 (1873).
Zieht man den fragmentarischen Charakter der Stücke in Betracht, so möchte man auch zweifeln,
ob alle die von SauvacE in dessen Fisch-Katalog aufgezählten Arten aufrecht zu erhalten sind, z. B.
Ischyodus suprajurensis und Rigauxi scheinen sich ziemlich nahe zu stehen. — Es scheint häufig die Form
eines theilweise zerbrochenen Reibhügels, wie diejenige eines Zahns, dem irgendwelche Ränder weggebrochen
sind, als bezeichnend für die Species beschrieben zu werden.
Vgl. für amerikanische Funde:
Leıpy, Edaph. mirificus und Mylognathus priscus. Proc. Acad. Philadelphia, 1856, p. 221 u. 312.
Leiy in Trans. Amer. Phil. Soc., 1860, XI, p. 153.
Copz in Proc. Amer. Phil. Soc., 1869, p. 243.
Core in Proc. Boston Soc. Nat. Hist., 1869, p. 313.
Cope in Proc. Amer. Phil. Soc., 1870, p. 384.
Leipy in U. S. Geol. Surv. of the Territories, 1873, I, 1. Th., pag. 306. i
CopzE in U.-8. Geol. Surv. of the Territ., 1875, II, Vertebrata of the eretaceons formations of
the West, pag. 281—293.
Ueber Nomenclatur.
In der Bezeichnungsweise der Kauwerkzeuge der Chimaeren herrscht in der palaeontologischen
Literatur ziemliche Verschiedenheit. Man benannte dieselben einerseits als wirkliche Zähne und zwar meist
die obern „Ober- und Zwischenkieferzähne *, seltener Zähne des Palatoquadratums und Vomerzähne, —
andrerseits wirkliche Kiefer. Dass sie letzteres nicht sind, dass ferner die untern Zähne dem Mecker’schen
Knorpel angehören, also „Unterkieferzähne“ sind, unterliegt wohl keinem Zweifel. Es kann sich sonach nur‘
um richtige Deutung der obern handeln.
In dieser Hinsicht war schon Cuvrer der Meinung, dass die Selachier überhaupt keine eigentliche
Maxilla und Praemaxilla besässen, dass vielmehr der obere zahntragende Knorpelbogen dem Gaumen- und
Flügelbein der Knochenfische entspräche, und er stützte diese Ansicht auf die Entdeckung der Labialknorpel,
deren man in den Selachiern bei typischer Entwicklung jederseits drei findet, zwei obere und einen dem
hintern derselben angehefteten unteren Knorpel; die beiden obern betrachtete Cuvıer als der Maxilla und
Praemaxilla entsprechend. Bei den Chimaeren, insbesondere bei Callorhynchus fand man jederseits 3 obere
Labialknorpel und einen untern sehr grossen, der mit dem entsprechenden der andern Seite vorn verbunden
ist, wie dies Jom. MÜLLER! genauer beschreibt; bei Chimaera monstrosa sind nach RosextHan’s ichthyoto-
mischen Taf. 27 Fig. 2 die obern in etwas andrer Form vorhanden, während der untere wohl fehlt.
Der Deutung genannter Knorpel als Maxilla und Praemaxilla trat J. MürzLer? auf das Ent-
schiedenste entgegen. Nach ihm gehören dieselben nicht in den Bauplan des Wirbelthierskelets, sondern
sind einzelnen Knorpelfisch-Gattungen eigenthümliche, äusserst varüirende Bildungen, welche bei einzelnen, z. B.
bei den Rochen gänzlich fehlen sollen. Namentlich bewiese auch die Existenz des grossen untern Knorpels
von Callorhynehus, „gleichsam eines 2. Unterkiefers vor dem wahren“, dass auch die obern Knorpel keine
typischen Gebilde sein könnten.
1 Jos. Mütter, Myxinoiden. Abh. d. Akad. d. Wiss. zu Berlin, 1834, pag. 217 etc.
? Myxinoiden, besonders ab pag. 197.
GEGENBAUR! wies jedoch auf Grund umfassender Untersuchungen das ziemlich allgemeine Vor-
kommen der Labialknorpel bei Haien und Rochen nach. Die in der Nasenklappe der letztern liegenden
Knorpel betrachtet er nur als modifieirte Labialknorpel, deren Besonderheit durch die Entstehung der
Nasenfurche bedinst sei. Gerade die Fähigkeit, unter so verschiedenen Verhältnissen sich zu erhalten, so
variiren zu können, spricht nach GEGENBAUR für ein hohes Maass typischen Verhaltens. Maxilla und Prae-
maxilla der Knochenfische stimmen nun in fast allen wesentlichen Punkten mit den obern Labialknorpeln
überein, die wesentlichste Differenz besteht im Gewebe. Den vordern obern Knorpel, die Praemaxilla, be-
trachtet GEGENBAUR als Rudiment eines ersten innern Visceralbogens, den hintern, homolog der Maxilla,
nebst dem untern als folgenden Bogen, womit auch für den untern Knorpel eine Erklärung gefunden wäre.
Entsprechen sonach die obern Lippenknorpel der Chimaeren dem Ober- und Zwischenkiefer, so können wir
ihre obern Zähne nur als dem mit dem Cranium verwachsenen Palatoquadratum angehörig betrachten, müssen
sie also „Gaumenzähne“ benennen.
Eine grosse Aehnlichkeit mit den Chimaeren im Baue des Schädels u. s. w. bietet Ceratodus. Es
hat hierauf besonders Huxtey? hingewiesen. Wie bei den Chimaeren trägt hier der Unterkiefer 2 grosse
Zähne mit Reibhügeln, während oben jederseits zwei vorhanden sind; die hintern derselben bezeichnet
Huxtey als „palatoquadrate teeth“, die vorderen als „vomerine teeth“. Auch bei Ceratodus sind zwei
kleine obere Lippenknorpel nachgewiesen worden.
Die vordern Zähne gerade als Vomerzähne zu bezeichnen, dürfte ungenau sein, da ja dem Vomer
als Hautknochen kein Knorpel am Primordialeranium entspricht.
Newrox bezeichnet in seinem für die Systematik fossiler Chimaeren wichtigen Werke? die Zähne
als „Kiefer“: Praemaxilla, Maxilla, Unterkiefer. Die erhabenen Reibflächen derselben nennt er dann „Zähne“,
und vergleicht sie den Reibplatten von Cochliodus und Fischen ähnlichen Charakters. Er gibt an, es bei
seinen Beschreibungen bequemer zu finden, kurze Worte, wie tooth statt dentinal-area oder dentinal-tuberele
zu gebrauchen, da die Namen ja so häufig wiederkehrten. Es ist jedoch nicht räthlich, hauptsächlich der
Abkürzung halber eine nicht zu begründende Bezeichnungsweise durchzuführen.
Was jedoch die Benennung der einzelnen Flächen, Ränder etc. der Zähne anlangt, so folge ich
hier ganz der in diesem Punkt zweckmässigen Nomenclatur Newrox’s?, die, einmal durchgeführt, keine
Verwechselungen zulässt.
1 GEGENBAUR, Kopfskelet der Selachier, 1872.
? On Ceratodus Forsteri. Proc. zool. Soc., 1876, 1. Th., pag. 24.
Sleep:
2]. c,p.4.
Ueber Ischyodus Quenstedti Won.
Tara His Ta 7
Das erste vollständig gefundene Skelet einer Chimaere der Urzeit, aus dem lithographischen Schiefer
Bayerns wurde von WAGNER „Ohimaera (Ischyodon) Quenstedti* benannt und, jedoch ungenügend, be-
schrieben (I. c.).
Ich hatte nicht allein Gelegenheit, das Originalexemplar einer nochmaligen Prüfung zu unterwerfen,
sondern auch andere als dieser Art zugehörig erkannte Funde von derselben Localität zu untersuchen, welche
yermöge ihres besseren Erhaltungszustands die Charakterisirung der Art vollständiger ermöglichten als das
Original. Letzteres ist in Taf. I Fig. 1 in !/s natürlicher Grösse abgebildet. Mit einer Länge von 11/, Metern
reiht es sich den grössten Chimaeren, welche in der Blütezeit dieses Geschlechts existirten, zur Seite. Die
einzelnen erhaltungsfähigen Teile der Art werden nach ihren äussern Eigenschaften wie ihrer mikroskopischen
Struktur in Folgendem näher betrachtet werden.
1. Unterkieferzahn.
WAGNER meinte, das Gebiss seines Exemplars sei zu unvollständig erhalten, als dass er mit Sicher-
heit über die Einreihung in eine bestimmte Gattung urteilen könnte. Es schien ihm jedoch zu Ischyodon
zu gehören; denn „der Unterkieferzahn sei in Grösse und Umriss dem Ischyodon Townsendii ähnlich, blos
am Vorderrand etwas höher.“ Weitere Beobachtungen an den Unterkieferzähnen hat WAGNER nicht gemacht.
Während der linke der sehr massiven, kräftigen Zähne frei liegt, ist der rechtsseitige grösstenteils
von Gestein verhüllt und auch mehr zerbrochen. Besser erhalten ist an letzterem Zahn nur der untere
Teil der etwa 2 cm breiten Symphysis, wo sich auch der gerundete Oberrand. derselben und darunter die Aus-
höhlung erkennen lässt, wie solches der Gattung Ischyodus zukommt.
Der linke Zahn ist zwar auch vielfach zerbrochen, doch lassen sich Symphysenoberrand teilweise,
ferner Postoral- und Oralrand aufs deutlichste wahrnehmen. Längs des letztern finden sich auf der Aussen-
fläche Reste der gewöhnlich bei Ischyodus vorkommenden glänzenderen Schicht. Der Vorderrand fehlt, ebenso
die vordere Spitze, der Schnabel. Was die Reibhügel der Innenseite betrifft, so ist direkt unter dem Vor-
sprung des Oralrands deutlich die Vertiefung zu sehen, welche von der Substanz des vordern Reibhügels
erfüllt war, dicht darunter beginnt ein grosser medianer, im hintern Theile nicht erhaltener. Am Anfang des
Postoralrands ist der hintere äussere Reibhügel in ähnlicher Weise wie der vordere angedeutet.
Isolirt gefundene Zähne. Durch den Nachweis genannter Reibflächen wurde es namentlich
möglich, einen bei Kelheim isolirt gefundenen, rechtsseitigen Zahn von bräunlicher Färbung, der in Grösse
und sonstigen Eigenschaften mit oben beschriebenen übereinstimmt, als dieser Art zugehörig zu erkennen.
Derselbe, von guter Erhaltung, zeigt namentlich die Reibhügel der Innenseite, sowie die Aussenseite
ziemlich gut; auch der obere Rand der Symphysis ist vorhanden. Vorderrand nebst Schnabel sind weg-
gebrochen.
Ferner zeigten sich hieher gehörig zwei zusammengehörige Unterkieferzähne von einem kleinern
Thiere, schwärzlich gefärbt, von denen der eine den oberen Symphysenrand der ganzen Länge nach, sowie
oben den Vorderrand erkennen lässt.
Nach den genannten Funden charakterisirt sich der Unterkieferzahn vorliegender Art folgender-
massen (vgl. hiezu Taf. I Fig. 2):
Der Unterkieferzahn des ausgewachsenen Thieres, wie ein solches in dem Originalexemplar vorliegen
dürfte, ist von robuster Beschaffenheit, seine Dicke beträgt unterhalb der Medianreibfläche bis zu 1,4 cm;
die Form ist ungefähr rhomboidisch. Der Vorderrand ac von etwa 10cm Länge ist abgerundet, schwach
convex verlaufend, der Oralrand ab, etwa Scm lang, schwach concav mit wenig vorspringender Erhebung in
der Mitte, allmählig in den Postoralrand de übergehend, welch’ letzterer, etwa 6cm lang, schwach convex
bis an den Unterrand verläuft. Der Schnabel « war nach Analogie ähnlicher Arten sicherlich kurz.
Die Aussenfläche (Fig. 2A) zeigt, soweit sie im Leben frei in die Mundhöhle ragte, längs des
Oralrands eine glänzende, Zuwachsstreifen besitzende Schicht s mit scharfer, unterer Grenze aufgelagert t;
der andere Theil der Fläche hat ein matteres Aussehen und besitzt parallel dem Vorderrand laufende breite,
flache Längsgruben, deren hinterste, tiefste, unter der Schicht s fortgesetzt gedacht, in der hintern Concavität
des Oralrands endigen würde, während dessen vorderer Einsenkung zwei flachere Längsgruben entsprechen.
Die ganze Fläche ist mehr weniger schwach längs gerieft. Während die Aussenfläche im Allgemeinen nicht
bedeutend von einer ebenen Fläche abweicht, so ist die Innenfläche (Fig. 2B) nur in den untern Teilen
ebener; von der obern Grenze des Medianreibhügels m an und vor demselben jedoch fällt sie nach dem
Oralrand hin ab, der deshalb eine zugeschärfte Kante bildet. Drei Reibhügel waren nachzuweisen:
unmittelbar unter dem Vorsprung des Oralrandes der vordere äussere v, klein und von rundlicher Gestalt,
ferner längs des Postoralrandes der schmale hintere äussere h. Dicht unter und etwas vor dem vordern
‘beginnt die grosse Medianreibfläche m, welche, dem Oralrand ziemlich parallel, unmittelbar am hintern
Reibhügel vorüberzieht; ihr Vorderende ist abgerundet, ihr oberer und unterer Rand einander gleichlaufend,
ihre Breite 2cm. Von der Symphysis ist sie durch einen beträchtlichen Zwischenraum getrennt. Die Be-
schaffenheit der Symphysis (Fig. 2B, acd) lässt die Einreihung der vorliegenden Art in die Gattung
Ischyodus unzweifelhaft erscheinen. Relativ schmal (an 2 cm), besitzt sie einen erhöhten, gerundeten
Oberrand od und unter diesem eine Aushöhlung.
Eine Reibfläche am Schnabel, sowie eine „Symphysialreibfläche“, wie Newrox diese sonst kleine und
nicht immer deutliche Reibfläche nennt, waren des zerbrochenen Zustands der betreffenden Zahnteile halber
nicht zu beobachten. Innere Lamellen, welche einer lamellösen Schnabelreibfläche entsprechen würden und
wie solche bei anderen Arten später Erwähnung finden werden, lassen sich auf den vorhandenen Bruch-
flächen nirgends wahrnehmen.
Der innere Bau des Unterkieferzahns wird zugleich mit dem der anderen Zähne betrachtet werden.
! Dieser Schicht erwähnt Newrox von Isch. brevirostris, latus, Townsendü, incisus als „well-defined bony layer“ oder
„bony thickening“.
%, Hinterer Gaumenzahn.
Obwohl teilweise zerbrochen oder von Gestein bedeckt, lässt der linksseitige hintere Zahn doch
Einiges gut beobachten. WAGNER gibt von diesem Zahn nur an, dass er „vorn in eine scharfe Spitze
auslaufe“, was jedoch unrichtig ist.
Die dem Beschauer zugewandte Aussenfläche besitzt, wie dies auch von anderen Ischyodus-Arten
angegeben wird, entlang des Randes eine besondere Schicht; es ist deren obere Grenze im hintern Theile
des Zahnes deutlich (vgl. Fig. 1). Die nur theilweise sichtbare obere Fläche fällt nach innen hin ab; die dort
befindliche Längsgrube ist jedoch durch Gestein verdeckt. Sichtbar ist die dem Vorderzahn zugewandte
Fläche, deren vorderer Rand nach innen und hinten verläuft. Auf der blos vorn der Beobachtung zugäng-
lichen Unterseite treten vordere innere, sowie äussere Reibfläche deutlich hervor, letztere am Vorsprung
des Aussenrands, beide von derselben Lage wie die entsprechenden des unten beschriebenen isolirt gefundenen .
Zahns. Die Aussenfläche misst von ihrem Vorderende bis zum Vorsprung ihres Aussenrandes 4cm, von
diesem an lässt sie sich noch 7cm weit, allerdings stellenweise undeutlich, weil von Gestein verdeckt,
verfolgen.
Ein übereinstimmender, isolirt aufgefundener, rechtsseitiger Zahn von sehr guter Erhaltung, der
einem etwas kleineren Thiere angehörte, gewährt uns vollständige Kenntniss der in systematischer Hinsicht
wichtigen Reibflächen. Derselbe ist in Taf. I Fig. 3 abgebildet.
Unter Zugrundlegung hauptsächlich dieses Fundes lässt sich der in Rede stehende Zahn wie folgt
kennzeichnen:
Wie der Unterkieferzahn ist er stark, massiv. Von den Rändern verläuft der Vorderrand Fig. 3 ao
schief nach innen und hinten, die Ränder der Innenfläche ocd gerade oder etwas gebogen nach hinten;
ähnlichen Verlauf nimmt der Oberrand «e der Aussenfläche. Der Aussen-(Oral-)rand ab ist im Ganzen
schwach concav, wendet sich vom Vorderende a nach hinten und auswärts, so dass die Aussenfläche aeb
nach hinten zu sich verbreitert; in einiger Entfernung von «a besitzt er einen Vorsprung.
Auf der oberen Fläche bemerkt man die tiefe, scharf begrenzte Längsgrube g. Dieselbe, während
des Lebens mit Weichtheilen bedeckt, zeigt auf ihrem Grunde Längsrinnen und Poren von eintretenden
Gefässkanälen. Nach vorn ist sie gegen den frei in die Mundhöhle ragenden Theil der obern Fläche
scharf abgegrenzt, der der Länge nach schwach vertieft und glänzend ist und dem Vorderrand der Grube
parallele Zuwachsstreifen erkennen lässt (s. Fig. 3A). Zur Begrenzung der Grube nach aussen hin bildet
die obere Fläche eine erhöhten Wall, der auf seiner innern Seite ebenfalls zahlreiche Poren besitzt, während
er auf der andern Seite in die sich nach aussen und unten wendende Aussenfläche übergeht. Längs
des Aussenrands zeigt letztere eine sehr charakteristische, der Zahnfläche aufgelagerte harte, glänzende
Schicht s mit bogenförmigen Zuwachsstreifen. Diese Schicht entspricht derjenigen auf der äusseren Seite
des Unterkieferzahns. Ihr innerer Rand ist scharf gegen die übrige Zahnfläche abgesetzt und lässt sich
von dieser ablösen, während die Verwachsung weiterhin eine innigere ist. Die Strukturverhältnisse dieser
eigentümlichen Aussenschicht finden später nähere Erörterung.
! Auch von andern Ischyodus-Arten wird diese Schicht des hintern Gaumenzahns erwähnt, z, B. von Isch. brevirostris
als „definite bony thickening“ (Newron, 1. c., p. 29).
Nach innen zu reicht die Grube 9 bis zu der schmalen, ziemlich ebenen Innenfläche ocd, auf welcher
man da und dort Riefen, die dem vordersten Theil ihres obern Randes gleichlaufen, darüberhin auch Längs-
streifen bemerkt.
Die untere, dem Kauen dienende Fläche, Fig. 3B, zeigt den vordern innern Reibhügel » schmal, bis
nahe zum hintern A reichend; der äussere äu beginnt an dem Vorsprung des Aussenrands und zieht längs
des letztern nach hinten; er ist etwas schmäler als der vordere; der hintere innere Reibhügel % ist der
grösste, beginnt vorn gerundet, worauf er sich verbreitert und vom innern Rand der Fläche bis zum Median-
reibhügel »» reicht. Der letztere ist sehr klein und dem äussern so dicht anliegend, dass man ihn auf den
ersten Blick leicht für einen Theil desselben ansehen kann; der hintere Zahntheil ist jedoch bei vorliegendem
Exemplar abgebrochen und man erkennt auf der Bruchfläche sehr deutlich die sich zwischen den beiden
Reibhügeln trennend heraufschiebende dichtere übrige Zahnsubstanz. Es sind somit 4 Reibflächen constatirt.
Der ganze Zahn ist in seinem hintern Theile schwach nach unten gekrümmt, was bei dem Original-
exemplar deutlich hervortritt (vel. Fig. 1).
Die Maasse, wie sie einem Thier von der Grösse des letztern entsprechen, sind etwa folgende:
Gesammtlänge vielleicht 11cm, Breite der obern Fläche ca. 2,5, der Aussenfläche in ihren hintern
Partieen ca. 2, der Innenfläche in der Mitte des Zahns etwa 1,8 cm.
Auch Fragmente eines den erwähnten schwärzlich gefärbten Unterkieferzähnen entsprechenden
hinteren Gaumenzahns waren vorliegend und zeigten namentlich, dass hier, also bei jüngeren Thieren,
die Aussenfläche etwas steiler nach unten abfällt, als dies bei den grossen Zähnen der Fall ist.
3. Vorderer Gaumenzahn.
An dem Originalexemplar ist einer der vordern Zähne erhalten. WaAGner vergleicht ihn mit einem
„halbirten Hufe“. (s. Taf. I Fig. 4.) Von der Seite gesehen, zeigt dieser ebenfalls sehr kräftige Zahn
seine gewölbte, mit Längsriefen versehene Aussen-, sowie theilweise die dem hintern Zahn zugewandte Fläche,
während der grösste Theil der Innenseite im Gestein verborgen ist. Sein Vorderrand ac, 5—6cm lang,
verläuft convex, der diesem ziemlich parallele Postoralrand bad (an 4cm) bildet eine erhöhte, etwas gerundete
Kante; längs dieser befindet sich auf der Aussenfläche eine schwache Vertiefung. Von ihrem untern Ende
aus verläuft der Oralrand ba (4cm) bogenförmig nach vorn und unten bis zum Vorderrand. Ueber Reib-
hügel am Oralrande lässt sich nichts angeben. R
Ausser einem ähnlichen Zahn von schlechterer Erhaltung fanden sich isolirt zwei zusammengehörige,
mit ihren Innenseiten dicht aneinander geschobene Zähne, die nach ihrem Erhaltungszustand und ihrer
Grösse den mehrfach erwähnten, kleinern, schwarzen Unterkieferzähnen entsprechen dürften. Ueber die
untern Ränder ist ein Stück Chagrinhaut herumgeschlagen, in der auch noch Ringe von Schleim-
kanälen liegen.
Soweit dies zu beobachten, zeigt sich die Innenfläche, wie die Symphysis der Länge nach ausgehöhlt.
xD
Palaeontographica. Bd. XXXIV
4. Ueber die innere Struktur der Zähne.
Bereits Owen untersuchte die Zahnstruktur lebender Chimaeren, besonders von Callorhynchust. Bald
darauf gab Acassız? eine genauere Untersuchung derselben heraus. Abgesehen von Callorhynchus bildet
nach Genanntem bei C’himaera monstrosa die Hauptmasse des Zahns ein Netzwerk von Medullarkanälen mit
schwachen Dentinwandungen; um dieses Gewebe herum liegt eine Schicht compacten, harten Dentins mit
Kanälchen, die weder von gemeinsamen Stämmen, noch von benachbarten Medullarkanälen herzukommen
scheinen; Schmelz ist nirgends wahrzunehmen. Es möge nur Einiges hinzugefügt werden:
Die Zähne zeigen sämmtlich durchschimmernde weissliche Streifen, welche fast perlschnurartig aus-
sehen. Es zeigt solche der Unterkieferzahn unmittelbar unter seiner Aussenfläche, parallel dem Vorderrand
verlaufend und am Öralrand endigend, dazu einen auf der innern Seite; der hintere Gaumenzahn zeigt
mehrere auf der obern Seite, gerade nach vorn bis zum Aussenrand laufend, deren vorderster der stärkste
ist, ausserdem einen starken an der Unterfläche, der den Aussenrand nicht erreicht. Der vordere obere
Zahn endlich zeigt sie unter seiner Aussenfläche, parallel dem Vorderrand angeordnet und am Oralrand
endigend. Diese weisslichen Streifen treten mit ihren Enden an die Oberfläche der Zähne hervor und bilden
hier härtere „Reibhügel“. Es besitzt aus diesem Grunde der Unterkieferzahn auf der Innenfläche einen
grössern und zahlreiche kleinere am Oralrand, der hintere Gaumenzahn auf der Unterfläche einen grössern
etwas entfernt vom Vorderende, einen ebensolchen an demselben und mehrere kleine am Aussenrand; der
vordere obere Zahn einige am Oralrand. f
Diese Gebilde bestehen, wie mikroskopische Untersuchung erkennen lässt, aus Dentin. (Vgl. Taf II,
Fig. 13c.) Von benachbarten Havers’schen Kanälen nämlich treten grössere Dentinröhren heran und ver-
ästeln sich büschelförmig in unzählige Kanälchen; diese einzelnen Büschel und Gewirre von Dentinkanälchen,
auf einem Schliff wie hintereinandergereihte Kugeln erscheinend, setzen jene Streifen zusammen. (Die Reib-
hügel von Ischyodus besitzen andere Struktur).
Eine abgegrenzte Schmelzschicht auf der Oberfläche gelang mir so wenig aufzufinden, wie früheren
Beobachtern; es findet sich hier nur eine Lage festeren Dentins (Taf. II, Fig. 13 a), in welchem Netze
ausserordentlich feiner Kanälchen sich ausbreiten. Gegen Salzsäure zeigt diese Schicht kein anderes Verhalten,
wie die übrige Zahnsubstanz. Unter derselben folgt, wie z. B. ein Schliff senkrecht zur Aussenfläche des
hintern Gaumenzahns (erwähnte Figur) zeigt, Vasodentin mit groben Kanälen (b), hierauf die oben erwähnten
Züge von Dentinballen (ce), darauf Gewebe mit abwechselndem, dichteren Dentin und streifiger Masse (f),
welch’ letztere an nicht zu dünnen Schlifien an ihren Rändern eigenthümliche Faltungen zeigt, endlich
wieder festes Dentin als Abschluss nach der untern Zahnfläche.
Was die Struktur der Zähne fossiler Arten von Chimaeriden anlangt, so gab Acassız (. c.) einige
Bemerkungen über Ischyodon Townsendii und Egertonii und eine unbestimmte Art aus dem Schweizer Jura.
Er fand hier „in der Horizontalebene des Zahns verlaufende parallele Kanäle, die nach der Aussenfläche
zu enger werden, so dass die im Innern schwammige Masse in eine harte, homogene übergeht; in den
1 Odontography, p. 67.
? Poissons fossiles III, 352.
ee
Reibhügeln bildet die Zahnsubstanz dendritische Verzweigungen, deren einzelne Aeste im Innern je einen
Medullarkanal bergen.“ In der porösen Substanz bemerkte Acassız keine Dentinkanälchen, während sie in
der dichtern häufig sind; die dendritische Substanz der Reibflächen ist nach ihm ohne Kanälchen, klar und
durchsichtig. Die die Chimaerenzähne überhaupt zusammensetzende Substanz ist nach Acassız nur Dentin,
ohne Schmelz.
Meine eigenen Untersuchungen in dieser Hinsicht, zunächst bei Ischyodus Quenstedti liessen mich
folgende Verhältnisse erkennen:
Das ganze Innere der Zähne durchziehen einander parallel verlaufende, ziemlich weite, anastomo-
sirende Havers’sche Kanäle, oft relativ wenig Dentinsubstanz zwischen sich lassend; die Richtung derselben
ist im Unterkieferzahn parallel dem Vorderrand, ebenso im vordern Gaumenzahn, während sie im hintern
von hinten nach vorn, in der Längsrichtung des Zahns, ziehen. Von diesen Kanälen gehen überall in die
umgebende Zahnsubstanz verästelte Dentinröhrchen ab; die einzelnen Systeme werden durch eine Masse
verbunden, die nur undeutlich hie und da feine Kanalverästelungen zeigt. (Vel. Taf. II, Fig. 1.)
Nach den Oberflächen der Zähne zu, auch gegen die Reibhügelmasse hin nehmen die Markkanäle
an Weite ab; sie werden spärlicher und es bildet sich so eine festere, noch unter der Lupe homogen
erscheinende Schicht. Besonders an diesen Stellen ist oft der concentrisch lamellöse Aufbau der Dentin-
substanz deutlich zu beobachten, wie dies z. B. ein Verticalschliff durch die Aussenfläche des hintern Gaumen-
zahns (Taf. II, Fig. 2 d) zeigt, wo um jeden Medullarkanal zahlreiche concentrische Lamellen hervortreten,
recht deutlich in polarisirtem Licht.
Was die Oberfläche der Zähne betrifft, so erscheint dieselbe matt an den im Leben bedeckten
Stellen, sowie auf den dem Kaugeschäft dienenden Flächen; glänzend dagegen erscheinen besonders die
Oberflächen der Schichten s, (Taf. I, Fig. 2 und 3,) auch der obere Symphysenrand des Unterkieferzahns, in
weniger starkem Maasse andere Theile, sowie die Aussenfläche des vordern Gaumenzahns. Abgesehen
von den Schichten s gelang es jedoch nirgends, eine besondere, schmelzartige Schicht aufzufinden. Im
obern Symphysenrand findet man nur Havers’sche Kanäle, welche sich nach der Oberfläche zu in Dentin-
kanäle auflösen; in andern Fällen findet sich eine Lage reinen Dentins an der Oberfläche, dessen Kanäle
von letzterer aus nach dem Innern hin sich verzweigen, z. B. auf der Innenfläche des hintern Gaumenzahns
(Taf. II, Fig. 1 0).
Die Aussenschichten s verdienen besondere Beachtung. Wenn dieselben auch unter dem Mikroskop
sich eontinuirlich mit der Unterlage verbunden zeigen, besitzen sie doch ein von der letztern getrenntes
Kanalsystem, was die Annahme einer gesonderten Bildungsweise wahrscheinlich macht. Die Hauptmasse der
genannten Schicht (untere und obere Zähne zeigen übereinstimmende Verhältnisse) bildet ein System von
Havers’schen Kanälen, denen zahlreiche, verästelte Dentinröhrchen entspringen (Taf. II, Fig. 2 und 3 b), also
Vasodentin. Ihre Oberfläche wird von einer dünnen, homogen erscheinenden Lage a gebildet, an deren
Grenze die Dentinkanälchen ihre Endverästelungen bilden; nur einzelne von ihnen sieht man in die Schicht
eindringen (stärker vergrössert in Fig. 4). Im polarisirten Lichte zeigt diese äusserste Lage senkrecht oder
etwas schief zur Oberfläche gerichtete Faserung, wie Schmelz.
Die Unterlage zeigt zunächst der eben geschilderten Schicht einen Aufbau aus einigen sehr dünnen
Lagen. Die den Havers’schen Kanälen der Schicht s entspringenden, nach unten sich richtenden Dentin-
röhrchen biegen sich an der Grenze jener Schicht nach einer gewissen Richtung um und durchdringen nun
IF
in paralleler Anordnung dicht rasenartig die darunter folgenden dünnen Lagen (Fig. 2 und 3,c). Von den
Kanalsystemen der Unterlage sind sie in ähnlicher Weise abgegrenzt, wie diese unter sich.
In den von der Schicht s unbedeckten Theil der Zahnfläche setzt sich’ die erwähnte Lage paralleler
Dentinkanälchen in ähnlicher Weise fort. Die Oberfläche dieses Theils wird somit von einer Dentinschicht
gebildet, in welcher die etwas schief zur Oberfläche angeordneten Dentinröhrchen nach innen zu sich ver-
zweigen. (So z. B. am untern Theil der Aussenfläche des Unterkieferzahns).
Eine weitere Complication des Zahnbaues wird durch folgenden Umstand hervorgebracht. In allen
vorliegenden Unterkieferzähnen, sowie unter der Aussenfläche der vorderen Gaumenzähne von Ischyodus
Quenstedti findet sich eine durch ihre Färbung und Consistenz von dem übrigen Zahninnern scharf unter-
schiedene, dünne Schicht, bei allen Zähnen in derselben Lage. Beim Unterkieferzahn beginnt dieselbe unter
der Aussenfläche an einer Linie, die man sich von der Mitte der vordern Concavität des Oralrands parallel
dem Vorderrand abwärts gezogen denken kann. Nach vorn sich fortsetzend, wendet sie sich von der Zahn-
aussenfläche weg und endigt dicht unter der Symphysenfläche neben dem Vorderrand. Bei dem vordern
obern Zahn ist die Schicht parallel der Aussenfläche. Schon bei der Betrachtung mit der Lupe zeigt sich
eine Zusammensetzung dieser Schicht aus wechselnden, dichtern, braun gefärbten und weichern, kalkigen
Lagen. Erstere erweisen sich unter dem Mikroskop als Vasodentin mit zahlreichen Medullarkanälen (vgl.
Taf. II, Fig. 3, t), deren Wandungen von verästelten Dentinröhrchen durchzogen werden, während die andern
weniger dichte Gewebsschichten vorstellen, die mit Kalk infiltrirt smd und nur stellenweise noch streifiges
Gewebe erkennen lassen. Die Lagen sind nicht sehr regelmässig, sondern vielfach auch gebogen; an den
Rändern der Schicht zeigen sie an etwas dickeren Schlifften eigenthümliche Faltungen, ganz Ähnlich wie dies
vom Zahngewebe der Chimaera monstrosa p. 10 erwähnt wurde. — Nach beiden Seiten hin ist das Vaso-
dentin continuirlich mit der übrigen Zahnmasse verbunden.
Die Reibflächen, hügelartig sich erhebend, bestehen aus Vasodentin. Ihre Substanz ruht in Ver-
tiefungen des Zahns und die in ihnen verlaufenden Medullarkanäle lassen sich oft weiterhin in den Zahn
verfolgen nach der Richtung, die dessen Markkanäle einschlagen. Im Reibhügel selbst finden sich nur ganz
enge Medullarkanäle, auf dem Grunde noch in der Ebene der Zahnfläche laufend, dann sich senkrecht gegen
die Oberfläche wendend. Jeder dieser Kanäle ist von einer harten Dentinhülle umgeben, in welche derselbe
verästelte Dentinröhrchen sendet, und welche concentrische Schichtung erkennen lässt. Die diese einzelnen
Hüllen verbindende Substanz ist bei den abgeriebenen Kauflächen der fossilen Stücke durch eingedrungenen
Kalk ersetzt. (Taf. II, Fig. 5 stellt einen Quer-Schliff am Grunde eines Reibhügels dar; zwischen den
Anfangs in derselben Richtung wie die übrigen laufenden Kanälen m desselben ist der ausfüllende Kalk %
angedeutet). ;
Glatt abgeriebene, mit Kalk durchsetzte Reibflächen, übrigens auch manchmal andere abgeriebene
Theile der Zahnfläche zeigen in Folge ihrer Struktur ein eigenthümliches, punktirtes Aussehen, das längst
aufgefallen ist: dunkle Punkte, umgeben von einem lichten Kreise und zwischen den hellern Kreisen wieder
dunklere Masse, wie z. B. QuEensteor dies abbildet‘. Die Punkte sind die Medullarkanäle, der hellere Kreis
die feste Dentinhülle.
! Petrefaktenkunde, 3. Aufl. Taf. 23 Fig. 26x.
5. Stachel der vordern Rückenflosse.
An dem Originalexemplar ist dieser Stachel unvollständig erhalten, es fehlt der obere Theil; auch
die Ansatzstelle ist nicht mehr intact (vgl. Taf. I, Fig. 1).
Bei Kelheim fand sich isolirt ein vollständiger, gut erhaltener Rückenflossenstachel, der mit dem
des Originals völlig übereinstimmt, auch ungefähr von denselben Grössenverhältnissen ist, so dass wir uns
auf die Beschreibung dieses Exemplars beschränken können. Auch ein dritter Stachel dieser Art, von ähn-
licher Grösse, fand sich fragmentarisch.
Die Länge des Stachels (vgl. Taf. I, Fig. 5, welche denselben in '/, nat. Gr. darstellt) beträgt 42,
die grösste Breite von vorn nach hinten 2,6 cm. Seitlich ist er etwas zusammengedrückt. An der Ansatz-
stelle ist er auf 10cm Länge schief nach oben und hinten abgeschnitten. Mit seinem obern Ende krümmt
er sich nach hinten. Der Vorderrand ist anfangs gerundet und schärft sich nach den oberen Theilen hin
etwas zu, zeigt aber nirgends einen Kiel wie der Stachel der lebenden Chimaera. Die seitlichen Flächen
sind längsgerieft. Die hintere Fläche, deren grösste Breite bis 9 mm betrug, ist ausgehöhlt und ihre äussern
Ränder tragen kleine, rückwärts gerichtete Dornen. Diese sind nicht allenthalben erhalten, die ersten bemerkt
man in ca. 17cm Entfernung vom untern Ende, von da an stehen sodann auf 6cm Länge jederseits 23.
Weiterhin nach der Spitze zu werden sie allmälig kleiner. Neben der ausgehöhlten Ansatzstelle befinden
sich noch Reste von Chagrinhaut des Thieres.
Mikroskopische Struktur. (Vgl. hiezu Taf. II, Fig. 6.) Der Rückenflossenstachel dieser Art zeigt
die Thatsache einer Zusammensetzung aus zwei ihrer Struktur nach verschiedenen Theilen. Der äussere, der
Oberfläche zunächst gelegene Theil besteht aus Vasodentin, nämlich der Länge nach verlaufenden Medullar-
kanälen, von denen sich Dentinröhrchen abzweigen; stellenweise ist die concentrische Schichtung um die
Kanäle deutlich zu bemerken. Der innere Theil, welcher die centrale Höhlung des Stachels umgibt, besteht
aus reinem Dentin mit radial nach aussen gerichteten verästelten Dentinkanälchen. Concentrische Schichtung
ist zu bemerken. Die manchmal recht zierlichen, netzartigen Endverzweigungen der Dentinröhren bieten
reizende mikroskopische Bilder. — Beide Theile sind continuirlich verbunden.
(Fig. 6a stellt die Form des Stachelquerschnittes in nat. Gr. dar, ein Theil desselben, unter dem
Mikroskop betrachtet, wird durch Fig. 6 repräsentirt).
Die dem Stachel aufsitzenden Dornen besitzen am Grunde eine Pulpahöhle, von welcher ein stärkerer
nach der Spitze sich verjüngender Kanal ausgeht; aus diesem und der Höhle entspringen zahlreiche Dentin-
kanälchen. Die Oberfläche wird von einer homogenen Lage gebildet, die derjenigen auf den oben be-
schriebenen Schichten s der Zähne ähnlich sich verhält.
6. Chagrin der Haut.
Wenn auch die lebenden Chimaeren einer Chagrinhaut entbehren, so lehren uns doch die Funde aus
dem lithogr. Schiefer, dass das Geschlecht in seiner Blütezeit wohl eine solche besass. Bei Besprechung
der Zähne sowie des Rückenflossenstachels ist diejenige des Isch. Quenstedti bereits erwähnt worden.
Mikroskopische Untersuchung von Schliffen durch dieselbe lässt mehrere Lagen unregelmässig rundlicher
==, de =
Chagrinkörner übereinander- erkennen. Wenn auch nicht mehr sehr gut erhalten, zeigen diese doch noch
deutlich ihren concentrisch lamellösen Aufbau, besonders im polarisirten Licht. (Taf. IL, Fig. 7 gibt einen
Horizontalschliff.)
%. Kalkringe der Seitenlinie.
WAGNER gibt an, an dem grossen Skelete bestehe das Schwanzende der Wirbelsäule aus unzähligen
gesonderten kleinen Wirbeln mit ausgehöhlten Gelenkflächen und vorliegendes Thier zeige durch diese seine
verknöcherte Wirbelsäule eine viel höhere Ausbildung als die lebenden Chimaeren. Diese Beobachtung ist
jedoch eine sehr irrige. Es liegen durchaus keine biconcaven Wirbelkörper, sondern der sogen. Seitenlinie
angehörige Kalkringe vor, welche, dicht aneinander gedrängt, vom Schwanzende an mit Unterbrechungen
eine gute Strecke weit einwärts sich verfolgen lassen und welche dem Anschein nach nicht völlig geschlossene
Ringe darstellen. Ihr Durchmesser beträgt ca. Imm. (Auf Taf. I, Fig. 1 sind sie relativ zu gross dargestellt.)
Abgesehen davon, dass die Kalkringe in der Chordascheide am Schwanzabschnitt der Chimaeren verschwinden,
sind die vorliegenden Ringe, welche sich auch nach der Mitte des Thieres zu nicht vergrössern, zu klein,
um für Chordaringe gelten zu können. Diese vermeintlichen Wirbel untersuchte Hasse '. Derselbe fand
auch Differenzen in ihrer Struktur mit derjenigen der Wirbelringe recenter Chimaeren, schrieb diese aber
auf Rechnung des Fossilisationsprocesses; die betreffenden Schliffe zeigen nämlich blos unregelmässige grössere
Lücken und stellenweise angedeutete Faserung (vgl. Hasse’s Fig. 15 und 16 auf seiner Tafel 5).
Verwandtschaft dieser Art.
Nahestehend ist Ischyodus Townsendiü, der wahrscheinlich ebenfalls bloss im obern Jura sich findet. -
Der Unterkieferzahn dieser in England gefundenen Art ist noch grösser als der von Ischyodus Quenstedti;
auf dem Oralrand, der ähnlich der vorliegenden Art zweimal nur schwach ausgeschnitten ist, findet sich in
der Nähe des Schnabels eine Reihe kleiner Reibflächen; eine grosse, mediane ist vorhanden und an Stelle
des vordern äussern Reibhügels finden sich mehrere kleinere, während der hintere fehlt. Die von NEwTox
zu Townsendi gestellten hintern Gaumenzähne bieten von den zu Quenstedti gehörigen ganz verschiedene
Verhältnisse dar. (Vgl. Newrox, ].c., Taf. 11, Fig. 5—6.)
Aehnliche Arten aus dem obern Jura sind ferner Ischyodus Egertoni Bexwn. (Acassız, 1. c. Taf. 40 c),
Ischyodus Deaumontii (SAUVAGE, 1. c. Taf. 4), suprajurensis (l. e.), etc.
Ueber Ischyodus avita Myr. sp.
Taf. I, Fig. 6 und 7. Taf, II, Fig. 8.
Das zweite vollständig gefundene Skelet einer fossilen Chimaere beschrieb 1862 Herm. v. MEYER
als Chimaera (Ganodus) avita. (Vgl. Einleitung.) In Grösse stand dieses Thier weit hinter dem Ischyodus
Quenstedti aus denselben Schichten zurück. Die Höhe des Unterkieferzahns betrug nur etwa 0,8, die Breite
1 6. Hasse, Das natürl. System der Elasmobranchier. Besondrer Theil, pag. 35 (1882).
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desselben kaum 2cm. Wegen der geringen Grösse und „dem glattern Schmelz der Zähne“ glaubte Meyer
das Thier der Gattung Ganodus einreihen zu müssen. Allerdings mangelte die Kenntniss der Innenseite
mit den Reibflächen. Es sind nun im lithogr. Schiefer weitere hieher gehörige Funde gemacht worden.
1) Zunächst auf einer Platte ein kleines Gebiss nebst Chagrinhautresten, Zügen von Schleimkanal-
ringen und dem Rückenflossenstachel. — Man sieht den linksseitigen Unterkiefer- und hintern Gaumenzahn
von aussen, der vordere fehlt. Die beiden Zähne bieten denselben Anblick wie Meyer’s Fig. 2, Taf. 12, 1. c.,
sind aber kleiner als Mrver’s Original. Am obern Zahn fällt auf, dass seine Aussenfläche ziemlich steil
nach abwärts gerichtet ist, sowie dass der hintere Rand dieser Fläche eine relativ bedeutende Länge besitzt,
während der obere verhältnissmässig kurz und dem hiniern an Länge nahezu gleich ist. Unter den Zügen
der Schleimkanäle bemerkt man Ringe von zweierlei Grösse, solche von t/ und solche von Imm Durch-
messer, ohne Uebergänge. Die deutlicheren, grösseren zeigen sich nicht völlig geschlossent. Der Rücken-
flossenstachel ist von 4cm Länge; nicht merklich gekrümmt, kommt er dem des Meyer’schen Originals
ziemlich gleich. Der Vorderrand ist gerundet, nicht gekielt. Auf den Rändern der Hinterseite sitzen auf
eine Länge von 2cm von der Spitze an je 19 spitzige, abwärts gerichtete Dornen.
2) Des Weitern fand sich ein isolirter Rückenflossenstachel von 4,7 cm Länge. Dieser, sonst mit
Obigem übereinstimmend, trägt auf eine Strecke von 3cm jederseits 18 Dornen. Nach Meyer ist der 5,5 cm
lange Stachel des Originals vorn ebenfalls in keiner Weise gekielt; über die obere Stachelhälfte herunter
stehen hier 22—23 Zähnchen. Die Zahl der letztern ist sonach variabel.
3) Neben dem obern Theil eines wenig grössern Rückenflossenstachels und Fragmenten von Chagrin-
haut fanden sich auf einer Platte auch Hohlringe, stellenweise dicht zusammengedrängt;; dieselben, geschlossene
dünne Reifen darstellend, die am Rande etwas einwärts gebogen sind, geben sich schon durch ihre Grösse
— ihr Durchmesser ist 0,5 cm bei einer Länge des Stachels von vielleicht 6em — als Kalkringe der
Wirbelsäule zu erkennen.
Ihre mikroskopische Struktur lässt ähnliche Verhältnisse erkennen, wie dies von lebenden
Chimaeren angegeben wird. Es finden sich, wie ein Querschliff (Taf. II, Fig. S) erkennen lässt, zahlreiche
kleine, längliche Hohlräume, oft von spindelförmiger Gestalt, die mit fremden Substanzen infiltrirt sind.
4) Hier möge ein bei Eichstaedt gefundenes drittes, vollständiges Skelet betrachtet werden, an dem
man die linksseitigen Zähne von aussen, sowie den Rückenflossenstachel und namentlich die Schleimkanäle
des Kopfes beobachten kann. Das Gebiss stellt Taf. I, Fig. 6 dar. Die Form des Unterkieferzahns ist ganz
Ischyodus ähnlich, der Schnabel nicht verlängert; der Oralrand ist ziemlich stark concav mit starkem,
mittleren Vorsprung. Die Aussenfläche zeigt eine Schicht s, ähnlich, wie dies von Ischyodus Quenstedti
erwähnt wurde, der übrige Theil der Fläche besitzt die gewöhnlichen Längsgruben, eine tiefere hintere und
schwächere vordere. Auch Längsstreifung ist zu bemerken. Der Oralrand misst in gerader Linie 2,5, der
Vorderrand ist auf 2,Scm Länge erhalten, der Postoralrand auf 1,8 cm.
Der hintere obere Zahn besitzt oben die gewöhnliche Grube; die Aussenfläche trägt eine besondere
Schicht s. Auch hier fällt diese Fläche ziemlich steil nach unten ab. Der vordere der obern Zähne, von
ähnlichem Umriss wie bei Meyer’s avita, ist aussen schwach gewölbt und sonst dem grossen des Ischvodus
Quenstedti ähnlich.
! Bei Chim. monstrosa bilden sie offene Ringe, deren Enden verästelt sind, vgl. Leypıs in Mürzer’s Archiv 1551, p. 251.
— 16 —
Sind auch die Kauflächen der Zähne der Beobachtung unzugänglich, so unterliegt es doch keinem
Zweifel, dass dieselben der Gattung Ischyodus angehören.
Der Rückenflossenstachel, der bei den kleinern Exemplaren ziemlich gerade gerichtet ist, krümmt
sich bei vorliegendem Thier mit seiner Spitze nach hinten. Er ist im Wesentlichen von ähnlicher Form
wie der grosse des Ischyodus Quenstedti. Seine Länge beträgt ca. 13 cm.
In der Gegend der Schnauze sind zahlreiche Schleimkanäle mit ihren Kalkringen erhalten.
Die kleinen, vor dem Gebiss liegenden, „ring- oder halbringförmigen Theile“, die Meyer erwähnt
und abbildet und welche derselbe für „Lippen- oder Nasenflügelknorpel“ hält, scheinen nichts anderes als
derartige Schleimkanalringe zu sein, die an der betreffenden Stelle zufällig zusammengeschwemmt sind.
Das Vorkommen an derselben Localität mit dem kleineren Ganodus avita lässt es nicht unwahr-
scheinlich erscheinen, dass das eben beschriebene Thier derselben Art angehöre. Zwar ist bei avita selbst
der Oralrand des Unterkieferzahns nur schwach concav mit geringer Erhebung in der Mitte, auch zeigt die
Zahnform ausserdem Differenzen, es ist jedoch anzunehmen, dass beim Weiterwachsen des Thieres und damit
verbundener stärkerer Entwicklung der Reibhügel ein kräftigeres Vorspringen des Schnabels, der mittleren
Erhöhung am obern Rand, sowie der Stelle, wo der Postoralrand beginnt, eingetreten sei. Beobachtet sind
die Reibhügel allerdings nicht, es würden sogar, wenn die kleineren Zähne Ganodus wären, nach der Definition
dieses Genus Reibhügel am Schnabel und am obern Rande fehlen; ich werde jedoch später Gründe angeben
(s. Ischyodus Aalensis), welche die Anwesenheit solcher Reibhügel bei den kleinen rhomboidischen Chimaeren-
zähnen, die Eserron als Ganodus abtrennte, sehr wahrscheinlich machen. Aus eben diesen Gründen hielt
ich es für richtig, die Art der Gattung Ischyodus zuzuweisen. Weitere Differenzen zwischen dem grössern
Exemplar und dem eigentlichen Ischyodus avita betreffen die Form des Rückenflossenstachels, dieselbe ist.
oben geschildert. Es müsste nach erwähnter Annahme eine Krümmung desselben ebenfalls bei weiterem
Wachsthum eingetreten sein.
Männlicher Stirnstachel.
Bereits in der Einleitung wurde der Auffindung eines derartigen Organs bei dem eigenthümlichen
Ischyodus orthorhinus EGERTON aus englischen Liasschichten gedacht. Ein zweiter solcher Fund wurde im
bayrischen lithogr. Schiefer (Kelheim) gemacht.
Das Organ (vgl. unsere Abbildung Taf. I, Fig. 7) liegt auf einer Platte neben Fragmenten von
Chagrinhaut, Zügen von Schleimkanalringen und dem untern Ende eines Rückenflossenstachels, von dem
Ansatzstelle, sowie noch eine Strecke des hintern mit Dornen besetzten Randes erhalten sind. Dem ganzen
Anschein (auch der Grösse) nach gehören diese Reste zu Ischyodus avita und zwar einem etwas grösseren
Exemplar als das Meyer’sche Original. Der Stirnstachel selbst, 1,6 cm lang, durch das Gestein von oben
nach unten zusammengedrückt, verräth ähnliche Beschaffenheit wie derjenige der lebenden Chimaeren. Mit
einer breitern, runden Platte sass er dem Cranium auf, war an der Spitze jedenfalls etwas abwärtsgekrümmt,
und das vordere Ende trug unten wie an den Seiten zahlreiche spitze Dornen, deren Spitzen sich rück-
wärts richten.
Anhang.
Bei Beschreibung des fossilen Stirnstachels möge anhangsweise der Genitalstacheln des männ-
lichen Geschlechts gedacht werden. Fossil sind solche mit Sicherheit bis jetzt nicht nachgewiesen, und wenn
auch Funde aus dem lithogr. Schiefer in Bezug auf Form die Zugehörigkeit zu Chimaeren vermuthen liessen,
so bietet doch ihre mikroskopische Struktur zu verschiedene Verhältnisse dar, als dass man die Chimaeren-
natur annehmen könnte.
Die Struktur der Stacheln von Chimaera monstrosa ist folgende: Jeder der drei Arme eines Stachels
besteht im Innern aus Knorpelgewebe ; dieses wird von einer verhältnissmässig dünnen, verkalkten Hülle
umgeben, welche wieder mit Haut bedeckt ist. Längs- wie Querschnitt der knöchernen Umhüllung lassen
sehr zahlreiche, wenig verästelte, kleine Hohlräume in der verkalkten Bindesubstanz erkennen, denen jedoch
eigentliche Primitivröhrchen fehlen (ein Bild eines Querschnittes gibt Taf. II, Fig. 12). Es ist dies ein
ähnliches Gewebe, wie solches in den Kalkringen der Chordascheide vorkommt.
Ueber Ischyodus Schuebleri Quest. sp. (rostratus Myr.)
Taf. I Fig. 8.
Zwei einander entsprechende Unterkieferzähne aus Kelheim mögen hier Erwähnung finden, die am
meisten dem von H. v. Meyer beschriebenen Ischyodus rostratus (vgl. Einleitung) gleichen, und welche gute
Aufschlüsse über den inneren Bau gewähren. Ihre Grösse ist ungefähr die von rostratus, die Länge des
Oralrandes ist 4 cm.
Der eine zeigt die Aussenfläche ziemlich gut; am Oralrand bemerkt man die gewöhnliche Aussen-
schicht, der vordere Theil der Fläche lässt eine feine Querstreifung durch Linien erkennen, die schwach
bogenförmig bis zum Vorderrand verlaufen.
Der andere (linke) in Taf. I Fig. 8 dargestellte Zahn liegt noch theilweise und zwar mit der Innen-
seite dem Gestein auf, die mittleren und hinteren Theile, nicht mehr erhalten, haben Abdrücke der Reibhügel
hinterlassen. An dem erhalten gebliebenen Theil ist die Aussenfläche weggebrochen und es tritt dadurch die
Struktur des Innern hervor. Hier findet man längs des Vorderrands lauter einander theilweise deckende
Lamellen, aus härterem Vasodentin bestehend, deren Ebene nach aussen und unten gerichtet ist. Dieselben
liegen nahe der Aussenfläche, erstrecken sich vom Vorderrand etwa durch die Breite der Symphysis und
reichen bis in die Spitze des Schnabels. Während sie an letzterem und dem zunächst gelegenen Theil des
Oralrandes an die Oberfläche treten, sind sie ausserdem (am unverletzten Zahn) mit der übrigen Zahnmasse
umhüllt. Die weichere Masse, welche die einzelnen Blätter trennte, ist jetzt durch Kalk ersetzt. Auf jeder
Lamelle, mit Ausnahme der obersten, steht wieder eine harte Leiste (s. Figur) nach der Aussenfläche des
Zahns zu, diese ist immer gleich unterhalb des Randes der vorhergehenden Lamelle angebracht.
Diese Lamellen, am Schnabel hervortretend, bilden hier die bei Ischyodus u. s. w. so häufig vor-
kommende lamellöse „Schnabelreibfläche“.
Erwähnte Struktur scheint bei Zdaphodon- und Ischyodus-Arten mit lamellösen Schnabelreibflächen
immer etwas zu Tage zu treten, wenn die äussere Fläche zerbrochen oder abgerieben ist. Entsprechende
o
Palaeontographica. Bd. XXXIV. 6)
Zen let
Zeichnungen werden gegeben von Ed. Agassizü (Ac., l. c. Taf. 40a Fig. 4), Ed. Mantellüi (Newros, 1. c.
Taf. 4 Fig. 3), Ed. crassus (l. c. Taf. 7 Fig. 3), auch von Isch. brevirostris (l. e. Taf. 9). Bei all diesen
Zähnen scheinen sich die Lamellen vom Schnabel durch den Zahn fortzusetzen.
Höchst wahrscheinlich ist Isch. rostratus nur als Varietät der O’himaera Schuebleri QuENSTEDT’S
aufzufassen. Letztere Art, auf einen fragmentarischen Unterkieferzahn basirt?, besass, wie ein im hiesigen
Museum vorhandener vollständiger Unterkieferzahn zeigt, neben dem mittlern Vorsprung des schwach con-
caven Oralrands einen kleinen Reibhügel, den Quexsteor in Folge des Zustandes seines Originals nicht
erwähnen konnte. Die andern Reibflächen, auch die lamellöse am Schnabel, sind wie bei Isch. rostratus
beschaffen. Die Symphysis ist schmal, und die ganze Beschaffenheit des Zahns lässt die Zugehörigkeit zu
Ischyodus ‘erkennen. Im Vergleich mit rostratus finden wir nur einige Formdifferenzen vom Werthe einer
Varietät: der Zahn von Schuebleri ist niedriger, nach vorn spitzer, der Vorderrand macht mit dem Oralrand
einen spitzern Winkel als dies bei rostratus der Fall ist.
Ueber Chimaerenreste aus den Eisenerzen von Aalen.
Taf. I Fig. 9 und 10; Taf. III Fig. 11.
Der Erhaltungszustand der Chimaerenreste in den Eisenerzknollen (Brauner Jura 8) von Aalen ist
ein ganz eigenthümlicher. Die Hauptmasse des Zahns, von Eisenoxyd durchdrungen und theilweise auf-
gelöst, bildet jetzt eine schwärzliche, lockere, schwammähnliche Masse, die beim Auseinanderschlagen der
Kugeln leicht zerfällt. Die Reibhügel dagegen sind hauptsächlich mit kohlensaurem Kalk von der Ober-
fläche her imprägnirt; ihre Medullarkanäle findet man hohl, während das Dentin mehr weniger mit Kalk
erfüllt ist; mit ihrer Oberfläche dem Erz aufliegend, erscheinen sie weiss mit zahlreichen Punkten von ein-
tretenden Kanälen, sind härter und besser erhalten als die übrige Zahnmasse. Gleiches wie von den Reib-
hügeln mit senkrecht zur Oberfläche stehenden Kanälen gilt von den innern Lamellen am Vorderrand des
Zahns. Mikroskopisch untersucht, lassen die Reibhügel wohl noch die von den Medullarkanälen horizontal
abgehenden, verästelten Dentinröhrchen, die Lamellen jedoch wenig deutliches mehr erkennen. Ein Umstand
ist ferner bei diesen Resten beachtenswerth. Häufig wurden nämlich Fragmente von Zähnen zuerst abge-
rieben und dann von Eisenerz umlagert, und können so die Täuschung veranlassen, man habe vollständige
Stücke vor sich: bei genauerer Vergleichung stellen sich dieselben als Bruchstücke heraus.
Für Chimaerenreste aus diesen Erzkugeln stellte Quexsteor seine Chimaera Aalensis auf (vgl.
Einleitung). Nach demselben („Jura“, p. 347) zeigen sich bei dieser Art (Quexstepr meint offenbar den
Unterkieferzahn) zwei weisse, poröse Reibplatten, eine schmälere und eine breitere, parallel neben einander;
über letzterer klebt ein durch den ganzen Zahn fortsetzender „Basalcylinder* aus derselben weissen Masse
wie die Reibplatten; auch weisse Lamellen daneben werden erwähnt, „ähnlich den Barten der Wale“.
Nach Quexstepr's Abbildung in seinem „Handbuch d. Petref.-Kunde“ 3. Aufl., Taf. 23 Fig. 24, welche das
am vollständigsten erhaltene Stück darzustellen scheint, besass genannte Art einen Unterkieferzahn mit
einer grösseren, länglichen, medianen Reibfläche, welche die Symphysis nicht erreichte, ferner einer schmalen
i Quesstept, Der Jura, p. 782.
I A
am Postoralrand und einer kleinen auf der mittlern Hervorragung des Oralrands. Den von andern Stücken
erwähnten Lamellen am Vorderrand zufolge war auch am Schnabel eine Reibfläche von lamellösem Bau vor-
handen. Nach erwähnter Figur zu urtheilen, die einen Abdruck der innern Seite darstellt, war die Sym-
physis sehr schmal, und es dürfte diese Art sonach nicht wesentlich von der Gattung Ischyodus abweichen,
folglich als Ischyodus Aalensis bezeichnet werden.
Quexsteor’s Fig. 25 auf Taf. 23, 1. c., aus Braunem Jura 6, als Chimaera bifurcati bezeichnet, ist
nichts weiter als ein Abdruck des vordersten Theils der Aussenseite eines Unterkieferzahns, bei dem die
innern Lamellen erhalten sind, ob ein etwas grösseres Exemplar von Isch. Aalensis oder eine andere Art?
Fig. 9 auf unserer Taf. I stellt einen kleinen, linksseitigen Unterkieferzahn aus einer Eisenerzkugel
dar, von welchem beide Hälften vorliegen.
An dem Abdruck der Aussenfläche A ist längs des Vorderrands und senkrecht zu diesem
eine Anzahl paralleler niedriger Lamellen zu bemerken. In der Mitte wird er parallel dem Vorderrand von
einem cylindrischen Gebilde durchzogen, das am mittlern Vorsprung des Oralrandes endigt. Von derselben
Beschaffenheit wie die Lamellen oder die Reibhügel, ist dieses Gebilde nichts anderes als dasjenige Vaso-
dentin, welches, an genanntem Vorsprung an die Oberfläche tretend, hier einen kleinen Reibhügel bildet;
es entspricht Quexstepr’s Basalcylinder. Sowohl dieser als die Lamellen sind sonach nahe unter der
Aussenfläche des Zahnes gelegen. Wie der Abdruck deutlich erkennen lässt, war letztgenannte Fläche
gegen den Oralrand hin, besonders in den hintern Theilen verdickt, in ähnlicher Weise wie dies von Isch.
Quenstedti beschrieben wurde.
Nach Entfernung der das Zahninnere erfüllenden Masse Zeigt der Abdruck der Innenseite DB vorn
die abgebrochenen Enden der Lamellen, ferner eine einzige, relativ grosse Medianreibfläche, welche nahe
dem Vorsprung des Oralrands beginnt und sich dann nach unten verbreitert; ihr hinterer Rand hält sich
ungefähr 1,5 mm vom Postoralrand, ihr vorderer noch 3mm von der Symphysis entfernt.
Der Zahn ist von rhomboidischer Form, breiter als hoch, der im Ganzen nur schwach concave
ÖOralrand hat eine Länge von 9, der schwach convexe Vorderrand eine solche von etwa 6 mm. Eine be-
merkbar abgegrenzte Symphysenfläche findet sich nicht.
Grösse und Form harmoniren völlig mit den als Ganodus beschriebenen Formen (vel. z. B. Gan.
Oolei bei Acassız p. foss. III, Taf. 40 Fig. 8). Auch das Vorhandensein und die Lage der einen grössern
Reibfläche auf der Innenseite stimmen zur Charakteristik jener Gattung. Nun befand sich offenbar bei vor-
liegender Art noch eine allerdings kleine Reibfläche oben am ÖOralrand und eine lamellöse am Schnabel;
bei nicht sehr gutem Erhaltungszustand würde man jedoch die beiden letztgenannten Reibflächen kaum
bemerken, wenn der Zahn im Ganzen erhalten wäre; denn es ist ja bei vorliegenden Stücken hauptsächlich
die Fortsetzung derselben in’s Zahninnere, was in die Augen fällt. Eine schmale Reibfläche am Postoral-
rand endlich kann wohl vorhanden gewesen, aber beim Zerschlagen des Erzes verloren gegangen sein. Es
scheint mir aus obigen Gründen wahrscheinlich, dass die genannten Reibflächen bei den ohnehin ziemlich
schlecht erhaltenen englischen Ganodus-Arten wohl vorhanden, jedoch unkenntlich sind. Damit fiele dann
jeder wesentliche Unterschied gegenüber Ischyodus, und ich halte es für richtiger, die Ganodus-Formen
unter Ischyodus einzureihen. Manche derselben dürften Jugendformen von Ischyodus-Arten sein (vgl. auch
oben Isch. avita!). Von eben beschriebener Art liegen auch Fragmente von grössern Exemplaren vor, die der
QueEnstepr'schen OR. Aalensis (]. ce.) nur wenig an Grösse nachgeben. Ich rechne diese Funde zu Isch. Aalensis.
BE
Ischyodus ferrugineus nov. Sp.
Weiter fand sich in einer Erzkugel ein Unterkieferzahn von grössern Dimensionen. Auf den ersten
Blick ziemlich eigenartig aussehend, stellt sich der Abdruck, dessen beide Hälften erhalten sind, bei ge-
nauerer Vergleichung als die hintere Hälfte eines Unterkieferzahns heraus, welcher bis zum medianen Vor-
sprung des Oralrandes hin erhalten ist. (Siehe Taf. I Fig. 10).
Nach verwandten Arten zu urtheilen, hatte der ganze Zahn rhomboidische Form. Der Oralrand,
eine zugeschärfte Kante bildend, war concav, sein mittlerer Vorsprung stark, der Postoralrand schwach
concav, im Winkel an den Oralrand stossend. Der vorhandene hintere Abschnitt des letztern hat eine Länge
von 2 cm, der Postoralrand ist an dem Abdruck fast 3 cm lang.
Der Abdruck der Aussenfläche A lässt deutlich erkennen, dass wie bei Ischyodus am Oralrand eine
besondere Schicht vorhanden war, auch wie dort hinten am dicksten. Bemerkenswerth sind die Reibhügel
der Innenseite 3. Dieselben, deren Substanz noch wohl erhalten ist, liegen mit ihrer Oberfläche dem
Eisenerz auf und sind, wie es scheint, ganz auf die hintere Zahnhälfte beschränkt. Ein langer schmaler
zeigt sich entlang des ganzen Postoralrands, medianwärts findet sich dann eine grössere, 1,5 cm breite
Reibfläche, mit ihren seitlichen Rändern dem Postoralrand ziemlich parallel. Nach oben zu theilt sich die-
selbe in zwei abgerundet endigende Hälften. Auch im Innern des Zahns zeigt sie eine entsprechende Zwei-
theilung; erst gegen die Oberfläche hin vereinigen sich beide Theile. Diese so weit nach hinten gelegene
getheilte Medianreibfläche unterscheidet sich von derjenigen bei Aalensis. Die Substanz dieser Reibflächen
erstreckt sich tief in’s Innere des Zahns hinein bis nahe zur äusseren Fläche, so hat die vordere Hälfte
eine Dicke von 0,7 cm bei einer Zahndicke an dieser Stelle von ca. 1cm. Die Reibhügel bestehen‘ nach
mikroskopischer Untersuchung aus lauter senkrecht zur Oberfläche stehenden Medullarkanälen, welche
aussen offen endigen, umgeben von Dentinsubstanz, welche noch die aus den Kanälen abzweigenden Dentin-
röhrchen erkennen lässt, Im Dentin, besonders gegen die Oberfläche zu, findet sich viel kohlensaurer Kalk
abgelagert. Taf. III Fig. 11 zeigt ein Stück eines Verticalschliffes durch einen der genannten Reibhügel.
In der die einzelnen Kanalsysteme verbindenden Masse sind Kanälchen nicht mehr zu erkennen.
Ueber einen Reibhügel am Oralrand lässt sich nichts angeben, da dort Zahnsubstanz nicht erhalten
geblieben ist.
Edaphodon Kelheimensis nov. sp.
Taf. I Fig. 11.
Im cretaceischen Grünsand von Kelheim, aus dem Chimaerenreste bis jetzt unbekannt waren, fand
sich neuerdings ein vollständiger linksseitiger Unterkieferzahn. Sein langer, vorragender Schnabel, sowie
seine breite Symphysis ohne die für I/schyodus bezeichnenden Merkmale charakterisirt diesen Zahn als
Edaphodon. Seine allgemeine Form ist ähnlich der von Edaphodon Sedgwickii oder Agassizi. Während
jedoch diese Arten bedeutende Grösse besitzen und ihr Unterkieferzahn eine Länge des Oralrands von
6 bis über 15 cm aufweist, misst der Zahn vorliegender Art am Oralrand nur 3,5 cm. Der Vorderrand,
auf eine Länge von 3,6 cm erhalten, ist leicht convex; der Vorsprung des ÖOralrands ist dem hintern Ende
desselben genähert; der Postoralrand, etwa 1,5 cm lang, verläuft geradlinig.
Der Oberrand der vorn mehr ebenen, hinten schwach ausgehöhlten. Symphysis zieht von dem
Schnabel in leichtem Bogen als scharfe Kante herab und wird etwa in seiner Mitte dem Vorderrand parallel,
hier zugleich niedriger. Längs des Vorderrands zeigt die Symphysis eine erhöhte Leiste.
Die Reibhügel der Innenfläche DB sind zwar stark abgerieben und undeutlich; ein kleiner rundlicher
ist jedoch neben dem Vorsprung des Oralrands noch zu erkennen; wahrscheinlich befand sich ein weiterer
am Postoralrand und ein nicht sehr breiter median.
Die Aussenfläche A, gegen den Vorderrand etwas gewölbter, in der Mitte mehr eingesenkt, ist
schon etwas verbrochen. Eine besondere Aussenschicht in den obern Theilen ist nicht zu bemerken.
Da die Zahnsubstanz durch die Fossilisation schon stark verändert ist, lässt sich über die Be-
schaffenheit einer Schnabelreibfläche nichts angeben.
Ueber Chimaeropsis paradoxa Ziırteı.
Taf. II Fie. 9-11; Taf. III Fig. 1—10.
Schon vor längerer Zeit wurde auf einer Platte Solenhofener Schiefers ein Gebiss der in Rede
stehenden Art gefunden und von Herm. v. Meyer beschrieben. Welcherlei Thier jedoch die eigenthümlich
gestalteten Knochen angehörten, ja ob dieselben überhaupt Zähne seien, war MEyEr zweifelhaft. (Die
Platte befindet sich in der Münchener Sammlung). Vgl. unsere Abbildung Taf. III Fig. 10.
Dieser Fund konnte erst eine bestimmtere Deutung erfahren nach Entdeckung eines vollständigen
Skelets, resp. Abdrucks des Thieres, bei Eichstätt, das sich ebenfalls jetzt im Münchener Museum befindet,
und dessen Zähne mit denen des oben erwähnten Gebisses völlig übereinstimmen. Bei dem Skelete, das
einem mehr .als 1/z mal so grossen Thiere entspricht als das isolirte Gebiss, liegt Platte und Gegenplatte
vor. Wir haben es hier mit einem fast Im langen Thiere zu thun, das mit sehr grossen Brust-, sowie
kleinern Bauchflossen versehen, eine nach dem Schwanzende allmählig zugespitzte Form besass. Schädel
wie Wirbelsäule sind nur durch Eindrücke oder Verknotungen des Kalksteins angedeutet: das Thier war
ein Knorpelfisch. Ausser den Zähnen sind der Stachel der Rückenflosse, sowie eigenthümliche knöcherne
Platten an den Seiten des Halses erhalten. Die Form der Unterkiefer- wie die Zahl der obern Zähne
erinnert an Chimaeren, die Gestalt der obern Zähne, sowie das Vorkommen eines eigenthümlich stachel-
förmigen Zahns, die Beschaffenheit des Rückenflossenstachels und das Vorkommen knöcherner Hautplatten
sind jedoch wesentlich von denselben abweichend. Herr Prof. vox Zırret, welcher gleich nach Auffindung
des Thieres die Natur desselben erkannte, bezeichnete dasselbe Chimaeropsis paradoxa.
1. Das Gebiss.
Erhaltungszustand. Das Innere der Zähne ist allenthalben von den Stellen des Wachsthums aus mehr
oder weniger zerstört, durch eingedrungenen Kalk völlig ersetzt, und meist erhielten sich blos noch die dichtern
Oberflächenschichten, so dass MEvEr zu der Ansicht geführt werden konnte, die Knochen jener Platte seien hohl.
1 Münster, Beiträge zur Petrefactenkunde. 1. Heft. 2. Aufl. p. 96. (1843).
Unterkieferzähne.
Was zunächst die Unterkieferzähne des grossen Skelets betrifft, so sind dieselben ungefähr in
natürlicher gegenseitiger Stellung erhalten, an der Symphysis jedoch nicht völlig zusammenstossend. Augen-
scheinlich sind nur die frei in die Mundhöhle ragenden Theile vorhanden und auch bei diesen ist das
Innere grösstentheils durch Kalkstein verdrängt.
Taf. III Fig. 1 stellt den linken Zahn dar. Bei f, ebenso bei % bemerkt man Kalk, bei %» ist der-
selbe mit Chagrinhautresten bedeckt.
Bei der Ansicht von aussen (1A) erblickt man zwei Flächen; die untere derselben acde, mit der
Aussenfläche von Ischyodus verglichen, zeigt sich gewölbter als diese, indem sie von vorn nach hinten stark
convex ist, und besitzt einen Oberrand, der nahezu S-förmig gekrümmt, zuerst herabsteigt, dann nach hinten
und schliesslich wieder nach unten sich wendet. An diesen Rand stösst eine schmale dreiseitige Fläche
abc, die, eigenthümlich gewunden, im vordern Theil nach aussen, im hintern dagegen nach oben sich kehrt..
Ihr kurzer vorderer Rand ab verläuft schräg aufwärts, der obere be dagegen dem untern ähnlich, den er
in ce erreicht. Das Ansehen beider Flächen ist dicht, fast glänzend, die untere zeigt schwache Zuwachs-
streifen parallel ihrem obern Rand, sowie feine Längsriefen parallel dem Vorderrand, stellenweise auch
feine Runzelung.
Bei Betrachtung von der innern Seite (1B) zeigt sich die Innenfläche des Zahns dbf, sowie die
Symphysis abfe, letztere blos theilweise erhalten. Der untere Theil der Innenfläche ist dichter und glatt,
der obere (in Fig. 1 B punktirt) ist stellenweise stärker angegriffen und bietet das Aussehen von Reib-
flächen grosser Chimaerenzähne. Dieser Theil bildete jedenfalls die dem hintern obern Zahn entgegen
wirkende Reibfläche.
Die Symphysis scheint ziemlich eben gewesen zu sein, in ihrem jetzigen Zustande zeigt sie zwei
Längsfurchen. Der Zahn hat eine ungefähre Länge von 7 cm, die grösste Höhe misst 4, die Symphysis ist
1,5 breit. (Der weggebrochene Vorderrand ist bei e restaurirt.)
Bei dem isolirten Gebiss wiederholen sich die geschilderten Verhältnisse. (S. Fig. 10A). Die beiden
Zähne stossen hier zusammen. Auch bei ihnen zeigt sich der obere Theil der Innenfläche einer Reib-
fläche ähnlich.
Obere Zähne.
Die obern Zähne, auf jeder Seite, wie es scheint, zu zweien vorhanden, ihrer‘ Zahl nach an
Chimaeren erinnernd, weichen jedoch in ihrer Form von den Zähnen der letztern stark ab. Während bei
diesen der hintere Zahn der grössere ist und nach vorn sich verschmälert, während ferner der vordere
nach abwärts sich richtet und unten eine Kante besitzt, finden wir bei vorliegender Art den hintern Zahn
fast kleiner als den vordern und in seinem vordern Theil die grösste Breitenausdehnung besitzend;
der vordere Zahn ist von eigenthümlicher Gestalt, eine breite Fläche mit Reibhügeln statt einer Kante
nach unten kehrend. Taf. III Fig. 2 zeigt den hintern Zahn theilweise restaurirt, 2A den linken
Zahn des Skelets von aussen, Fig. 3 endlich die beiden linken obern Zähne desselben in ihrer gegen-
seitigen Lage.
Hinterer oberer Zahn. Dieser scheint der Länge nach über dem grossen Unterkieferzahn, von
dessen Spitze b, Fig. 1 an, gelegen zu haben. Derselbe ist ziemlich massiv, vorn verdickt und hier in
einen nach aussen gerichteten schmalen Fortsatz f, Fig. 2, verlängert; dieser, bei dem Zahn des Skelets
abgebrochen, ist an beiden Zähnen des isolirten Gebisses (siehe Fig. 10 B und C) vorhanden. Nach hinten
ist der Zahn verschmälert. Bei der Ansicht von aussen (Fig. 2A) finden wir die etwas gebogene Aussen-
fläche a, dieselbe ist schmal, vorn verbreitert und schwach vertieft, hinten flach. An ihrem vordern Ende
verlängert sie sich nach aussen und oben in den hier befindlichen Fortsatz f des Zahns.
| Die Form der Unterseite « ist aus Fig. 2 und 3 ersichtlich; in ihren vordern Theilen breiter und
etwas gewölbt, zeigt sie fast der ganzen Länge nach eine Reibfläche, in dem gewölbten Theil breiter, von
da aus nach vorn und hinten in schmälere Streifen sich: fortsetzend. Dieselbe scheint derjenigen des
Unterkieferzahns gegenüber gewirkt zu haben. Deutlich ist der hintere Theil dieser Reibfläche auch bei
dem kleinen Zahn Fig. 10B, ihr vorderer Theil ist hier weggebrochen, so dass die ins Zahninnere ge-
drungene Kalkmasse zu Tage tritt.
Nur wenig geneigt gegen die Unterfläche ist die Fläche ©, Fig. 2 und 3, die wir als Innenfläche
bezeichnen wollen; dieselbe ist glatt, vorn ebenfalls gewölbt und zieht sich um den Zahn herum bis in die
Spitze des Fortsatzes f. Vgl. auch Fig. 10 B und C, letztere, den Zahn von der entgegengesetzten Seite
zeigend wie B, lässt rechts einen Theil der fraglichen Fläche, bis zur Spitze hin erkennen.
Was die obere Seite des Zahns betrifft, mit welcher derselbe festsass, so ist hier nur der nach
aussen hin gelegene Theil zu beobachten. Die etwas ausgehöhlte, glatte Fläche o, Fig. 2A, grenzt an die
Aussenfläche a und ist auch an der Bildung des Fortsatzes betheiligt. Entsprechend ist die bei dem Buch-
staben C befindliche Fläche in Fig. 10C. Der andere Theil der Oberseite ist zerstört; die porösere Zahn-
masse an der Stelle des Zuwachses bot der Zerstörung weniger Widerstand.
Die Länge dieses Zahns an dem Skelete ist ca. 5/2, die grösste Breite bis 21/z, der am isolirten
Gebisse misst in Länge 31/, cm.
Vorderer oberer Zahn. Dieser ist gross, ziemlich flach und besitzt ungefähr die Gestalt eines
rechtwinkligen Dreiecks, dessen Hypotenuse der Mittellinie des Thiers und dessen kürzere Kathete dem
anliegenden hintern Zahn zugewandt war. Bei beiden Gebissen ist rechter und linker Zahn erhalten, am
Skelet befindet sich der eine nahezu in natürlicher Lage vor dem hintern Zahn (Fig. 3), während der andere
oberhalb des Schädels liegt. Von diesen beiden und dem einen (rechten) des kleinern Gebisses (Fig. 10 D)
ist die Kaufläche zu beobachten. Dieselbe «, sowie die Innenfläche ? sind aus Fig. 3A ersichtlich. Erstere
Fläche, von dreiseitiger Form wie der Zahn überhaupt, besitzt zwei Reibhügel, die ganz das gleiche punk-
tirte oder röhrige Ansehen bieten wie die der fossilen Chimaerenzähne. Der hintere davon ist der grössere,
liegt in der hintern innern Ecke der Fläche und würde, die oben für den hintern Zahn angenommene Lage
als richtig vorausgesetzt, dem Schnabel des Unterkieferzahns entgegen gewirkt haben. Ein viel kleinerer,
runder Reibhöcker liegt weiter vorn. Die Innenfläche /, nach Aussehen und Lage der Fläche © am hintern
Zahn entsprechend, erstreckt sich mit parallelen seitlichen Rändern entlang der grössten Seite des Zahns;
gegen die Kaufläche « ist sie nur wenig geneigt. Stellenweise etwas wellig, ist sie doch im Ganzen
ziemlich eben.
Was die obere Zahnseite anlangt, so ist dieselbe in ähnlicher Weise zerstört wie beim hintern Zahn.
Man erkennt jedoch eine schmale, schwach ausgehöhlte Fläche in spitzem Winkel an die Kaufläche stossend;
in ähnlicher Weise stösst eine derartige Fläche an. die kürzeste Zahnseite. Der andere Raum, die Stelle
des Wachsthums, ist mit Kalk erfüllt.
Der beschriebene Zahn an dem Skelete misst an seinen drei begrenzenden Kanten bezw. 6,3, 5,3 und
4,4 cm, der des kleinen Gebisses entsprechend 4, ferner 3,2 und 2,5 cm.
Mikroskopische Struktur der beschriebenen Zähne. Die erhalten gebliebenen äussern Theile
der Zähne zeigen sich allenthalben aus Vasodentin zusammengesetzt; eine dem Schmelz zu vergleichende
Öberflächenschicht konnte nirgends wahrgenommen werden. Neben Lagen mit engern Havers’schen Kanälen.
finden sich oft diekere Schichten, die fast nur von Dentinröhrchen durchzogen werden, wie dies z. B. ein
Verticalschliff durch die Aussenfläche des Unterkieferzahns erkennen lässt. (Taf. II Fig. 9; a bezeichnet die
Aussenseite). Die dünne Lage, welche die Fläche o, Fig. 2A Taf. III, bildet, besteht nur aus Dentin.
. Die Masse, welche die Reibhügel bildet, zeichnet sich wie bei den Chimaerenzähnen dadurch aus,
dass die Zwischenmasse zwischen den dichten, festen Dentinhüllen der Markkanäle von relativ grosser
Dicke, sowie dass dieselbe meistens durch Kalk verdrängt ist. Die Dentinhüllen sind nach aussen gut abge-
grenzt. Die Kanäle, anfangs in horizontaler Richtung verlaufend, steigen bald gegen die Oberfläche auf;
man sieht sie an Schliffen sich hie und da gabeln. Ein glatt abgeriebener Reibhügel bietet daher ein ganz
ähnliches Aussehen mit Punkten und lichtern Kreisen um dieselben, wie dies bei den Chimaerenzähnen
weiter oben erwähnt wurde.
Der stachelförmige Zahn.
Ein solcher ist erhalten an dem Skelet, einer von ähnlicher Grösse wurde isolirt gefunden; auch
ist einer bei dem kleinern Gebiss vorhanden. Der ersterwähnte, dargestellt in Taf. III Fig. 4, ist etwas
seitlich zusammengedrückt.
Der Zahn besitzt eine fast kahnförmig zu nennende Gestalt, die Vorderseite ist gewölbt, die hintere
dagegen ausgehöhlt. Im Profil gesehen, ist der Umriss vorn convex, hinten gerade bis schwach concav.
An der Ansatzstelle breiter, verschmälert er sich nach oben und endigt in eine abgerundete Spitze. Die
Oberfläche ist glatt, nicht sehr glänzend, stellenweise Längsriefen zeigend. Durchschimmernde, der Länge
nach verlaufende und vielfach anastomosirende Medullarkanäle geben der Oberfläche ein ähnliches Ansehen,
wie solches z. B. die Schicht s in Taf. I Fig. 2 zeigt, feine helle Streifen wie Aederchen auf dunk-
lerem Grunde.
Was die innere Struktur betrifft, so ist der Zahn nach der Untersuchung von Dünnschliffen nur
aus Vasodentin zusammengesetzt, auf dessen Oberfläche irgend eine unterschiedene, schmelzartige Schicht
nicht zu sehen ist. Die Medullarkanäle verlaufen im allgemeinen der Länge nach. Die äusseren Lagen
rings herum bestehen aus dichterem Vasodentin; im Innern des Zahns jedoch, der hintern Seite genähert,
lässt sich eine poröser und heller erscheinende Lage unterscheiden. Mikroskopisch untersucht, zeigt die-
selbe ganz ähnliche Verhältnisse wie die Reibhügelmasse bei Ischyodus. Es finden sich ziemlich gleich-
weite Markkanäle, umgeben von einer festen Dentinhülle mit verästelten Dentinröhrchen; das Gewebe
zwischen den einzelnen Hüllen ist aufgelöst und theilweise durch Kalk ersetzt (vgl. den Längsschliff Taf. III
Fig. 7). Die Schicht setzt sich durch den Zahn bis in die Spitze fort.
Die beiden grössern Zähne zeigen gleiche Strukturverhältnisse, der kleinere konnte zu einer Unter-
suchung nicht verwendet werden. Die Länge der grossen beträgt ca. 6,5, die des kleinen über 4,5 cm.
Es entsteht nun die Frage, ist das beschriebene Gebilde wirklich ein Zahn oder vielleicht ein
Stachel, der möglicherweise auf der Stirn aufsass. Ist es im erstern Fall ein solcher des obern oder des
oe
untern Kiefers? Bevor wir näher auf die Erörterung dieser Frage eingehen, wollen wir ähnliche Funde aus
England erwähnen. Bereits Acassız? beschrieb aus dem Lias von Charmouth ein Gebiss als Ischyodon
Johnsonii, das jedoch von dieser Gattung ziemlich abwich. Namentlich ist ein Zahn davon auffallend, den
Acassız für einen Praemaxillarzahn hält und der in seiner Form dem Zahne unserer Ohimaeropsis sehr
ähnlich sieht.
Eserron, der dieses Zahns halber schon lange Zweifel über die richtige Stellung dieser Art heste,
hatte später die günstige Gelegenheit, einen vollständigeren Fund aus dem Lias von Lyme Regis unter-
suchen zu können, der einige Aufklärung brachte?. Auch hier ist ein den Schneidezähnen der Nagethiere
vergleichbarer Zahn vorhanden, ganz ähnlich dem von J. Johnsonü. Nach EGErToN liegt seine Basis in einer
seichten Alveole, und ist eine ebensolche für den zweiten verloren gegangenen Zahn vorhanden; auch EGERTON
hält diese Zähne für die Praemaxillarzähne. Was die andern Zähne anbelangt (die Abbildung ist leider
sehr undeutlich), so war hinter den genannten eigenthümlichen Zähnen jederseits noch ein grosser 3seitiger
im obern Kiefer vorhanden; dem Unterkiefer gehören nach EsErrox jederseits 3 Zähne an; der hinterste
derselben, zugleich der grösste, soll dem Unterkieferzahn von Ischyodus gleichen; vor diesem sässen dann
noch, vergleichbar allenfalls einigen Gattungen von Cochliodonten, ein kleiner gleichseitig dreieckiger, sowie
ein noch kleinerer Zahn von längerer Form, beide mit mehreren Reibhöckern. In Bezug auf den Bau nähern
sich die Zähne nach gen. Forscher eher den Chimaeren als Cochliodus. Ob wohl EGErToN mit der Deutung
der vorhandenen Zähne das Richtige getroffen, darüber lässt sich nach der Abbildung nicht urtheilen.
Aus den Eindrücken etc. auf der Platte will Eserrox schliessen, dass die Kopfform ähnlich der
von Zygaena gewesen sei und das Vorhandensein einer höckerigen, knöchernen Platte am Ende des seit-
lichen Fortsatzes des Schädels, in welcher er eine Supraorbitalplatte sehen will, führt EGERTON zu der
Vermuthung, dass das knorplige Cranium gänzlich mit Platten bedeckt war, ähnlich wie bei unsern
Knorpelganoiden.
Um wieder auf den fraglichen Zahn unserer Chimaeropsis zu kommen, so ist, abgesehen von dem
isolirten Gebiss, : dessen einzelne Zähne ohnehin zerstreut sind, an dem Skelete seine Lage vor dem einen
Unterkieferzahn, anscheinend ebenfalls dem Unterkiefer angehörig. Sollte hier der Zahn nahezu in natür-
licher Lage überliefert sein, so würde er dem kleinen Reibhöcker des vordern obern Zahns entgegen gewirkt
haben. Die obern Zähne waren sicherlich nicht so weit rückwärts gelegen, dass der genannte Reibhöcker
dem Schnabel des grossen Unterkieferzahns gegenüber zu liegen kam; entspricht ja doch die Reibfläche des
hintern obern Zahns, wie erwähnt wurde, ganz der des Unterkieferzahns, und in Folge dessen die grössere
Reibfläche des vordern dem Schnabel desselben. Wenn diese Annahme richtig ist, ragte der vordere Zahn
über den Unterkieferzahn hinaus, und es musste vor letzterem noch ein Zahn sitzen, dem der kleine Reib-
höcker correspondiren konnte, welcher Anforderung der eigenthümliche Zahn genügen mochte, eher zum Er-
greifen von Beute als zum Zermalmen geeignet
Gegen die Annahme, dass vor den grossen Unterkieferzähnen noch weitere vorhanden waren, spricht
allerdings die Thatsache, dass bei dem isolirten Gebisse die genannten Zähne in der Symphysis vereinigt
sind (Taf. II Fig. 10A). An dem Skelete ist dies nicht der Fall. Man begegnet jedoch ähnlichen Schwierig-
s
1 Poissons fossiles II, p. 344 mit Taf. 40c Fig. 22.
? On Prognathodus Güntheri. Quart. journ. geol. soc. London. 28. Band. 1872. p. 233.
Palaeontographica. Bd. XXXIV. 4
keiten, wenn man den fraglichen Zahn in den obern Kiefer verlegen und wie EGERToON den entsprechenden ‘
von Prognathodus als „Praemaxillarzahn“ betrachten will; es müsste der untere Kiefer dann umsomehr noch
einen oder mehr Zähne enthalten haben. In dieser Hinsicht ist die Thatsache zu beachten, dass bei den zwei
getrennt aufgefundenen Gebissen nicht ein einziger von solchen Unterkieferzähnen vorliegt; es finden sich
in beiden Fällen absolut die gleichen Zähne in gleicher Zahl. Der fragliche Zahn kommt in beiden Gebissen
nur je einmal vor, auch von Prognathodus Johnsonii und Guentheri wird er nur einzeln erwähnt; dass wir
es aus diesem Grunde mit einem unpaaren Gebilde zu thun hätten, was für einen Stachel der Stirn oder
dergleichen sprechen könnte, wäre jedoch ein voreiliger Schluss.
Während die aussen liegenden Hautgebilde, Rückenflossenstachel und Hautplatten mit Dornen be-
setzt sind, hat das fragliche Gebilde eine glatte Oberfläche; während erstere in ihrer mikroskopischen
Struktur unter sich völlig übereinstimmen (vgl. unten), zeigt das letztere, von ihnen wesentlich abweichend,
auch in dieser Hinsicht Uebereinstimmung mit den Zähnen. Sollte ein Stirnstachel vorliegen, wie ein
solcher z. B. den männlichen Chimaeren eigenthümlich ist, so wäre es auffallend, dass an dem sonst so
vollständig erhaltenen Abdruck des Knorpelfisches keinerlei Andeutung von Genitalstacheln vorhanden ist.
Man kommt nach den gegebenen Thatsachen immer wieder auf eine Deutung als Zahn zurück; die Richtig-
keit derselben jedoch müssen geeignete weitere Funde darthun.
2, Der Stachel der Rückenflosse.
Der kräftige Stachel der Rückenflosse (abgebildet in Taf. III Fig. 9) besitzt eine Länge von 16 cm.
Derselbe ist seitlich etwas zusammengedrückt, an der Ansatzstelle schief nach hinten und oben abgeschnitten
und mit seiner Spitze schwach nach hinten gekrümmt. Seine Seiten sind mit zahlreichen glatten, spitzen
Dornen besetzt; der Vorderrand trägt eine Reihe etwas längerer, schwach nach oben gekrümmter Dornen,
während solche am Hinterrand nicht zu bemerken sind.
Ziemlich weit hinein ist der Stachel mit Kalk ausgefüllt, und bildet hier nur eine dünne Lage auf
letzterem. Wahrscheinlich ist die innere Substanz theilweise aufgelöst und durch Kalk ersetzt.
Die Strukturverhältnisse, welche auffallende Uebereinstimmung mit denen der Hautplatten zeigen,
werden wir in Gemeinschaft mit letzteren behandeln.
3. Die Hautplatten.
In der Haut liegen an gewissen Stellen knöcherne Platten. Drei von ihnen, die gleiche Seite nach
oben wendend, liegen hinter dem Schädel, ferner bemerkt man eine umgekehrt und verworfen über dem
Rückenflossenstachel. Die Form derselben (s. Taf. III Fig. 5) ist rundlich; nach einer Seite, wie es scheint,
nach hinten, verlängern sie sich in einen längs seiner Mittellinie erhöhten Fortsatz. Sie sind ziemlich
dünn und völlig mit spitzen Dornen besetzt, die nach Grösse und sonstiger Beschaffenheit denen auf dem
Flossenstachel ähnlich sind. Ihrer Lage an dem gefundenen Skelet zu Folge waren diese Platten an den
Seiten des Halses angebracht. Ihre wirkliche Zahl anzugeben, ist selbstverständlich nicht möglich; doch
scheinen jederseits wenigstens drei vorhanden gewesen zu sein.
Mikroskopische Struktur. Diese Platten bestehen ebenso wie der Rückenflossenstachel aus
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Vasodentin; nirgends zeigt sich echte Knochensubstanz. Sehr charakteristisch sind zahlreiche, einander
parallele Kanälchen, welche, mit eingedrungener Masse erfüllt, die erwähnten Gebilde durchziehen; neben
ihnen finden sich weite Havers’sche Kanäle, nach verschiedenen Richtungen dieselben kreuzend; aus diesen
Markkanälen entspringen feine verästelte Dentinröhrchen. Taf. II Fig. 10 gibt einen Vertical-, Taf. III
Fig. 6 einen Horizontalschliff der Platten; die Figuren könnten ebenso gut für Schliffe aus dem Flossen-
stachel gelten. Bei der erstgenannten Figur ist zugleich ein Dorn getroffen. Die aufsitzenden Dornen
zeigen am Grunde eine Höhle, die, mit Havers’schen Kanälen der Platte in Verbindung steht und nach
aussen durch einen Kanal sich öffnet. Von der Höhle aus geht ein Kanal nach der Spitze des Dornes, dem
ebenso wie den übrigen Kanälen zahlreiche Dentinröhrchen entspringen, die sich vielfach verzweigen. Nach
der Oberfläche zu endlich liegt eine verhältnissmässig dicke Schicht, in der nur stellenweise noch die feinsten
Ausläufer der Dentinkanälchen zu sehen sind. Im polarisirten Lichte gibt diese Schicht nicht sehr regel-
mässige Erscheinungen, stellenweise zeigt sich allerdings senkrecht zur Oberfläche gerichtete Faserung wie
bei Schmelz.
4. Der Chagrin der Haut.
Die ganze Körperoberfläche des Thieres war mit Chagrin bedeckt. Am Kopfe war derselbe fein-
körnig, er ist z. B. sichtbar als Ueberzug des Kalksteins unterhalb des linken Unterkieferzahns, s. Taf. III
Fig. 1A bei h; einen Verticalschliff durch denselben an dieser Stelle versinnlicht Taf. III Fig. S; man
findet eine Lage ziemlich grosser, dicht zusammengedrängter Körnchen, jedes nach aussen etwas zugespitzt
und von concentrisch lamellösem Aufbau; ferner ist derartiger Chagrin erhalten neben der Hautplatte in
Fig. 5 und an andern Stellen. Nach der Mitte des Körpers zu werden die Körner gröber, stehen nicht mehr
so dicht und weisen allmälig immer deutlicher eine zierliche, sternförmige Zeichnung auf, indem die untern
Theile der erhöhten, spitzen Chagrinkörner mit feinen radialen Leistchen verziert sind. Bis an das Körper-
ende bleibt diese Zeichnung zu beobachten. Stellenweise ist der Chagrin selbst erhalten geblieben, stellen-
weise bemerken wir nur noch dessen Abdruck. Ein vergrössertes Bild desselben gibt Taf. II Fig. 11.
Ich möchte den Knorpelfisch, obwohl er ja manche Aehnlichkeit mit den Chimaeren aufweist, doch
nicht geradezu zu diesen rechnen; es scheint mir vielmehr richtiger, denselben in Gemeinschaft mit dem
englischen Prognathodus einer eigenthümlichen, ausgestorbenen Selachiergruppe zuzurechnen. Vielleicht ge-
hören manche bis jetzt noch isolirt dastehende Flossenstacheln, etwa Asteracanthus, Myriacanthus etc.
hieher; hoffentlich werden neue vollständigere Funde die vielen hier auftauchenden Fragen in nicht allzu
ferner Zeit zur Entscheidung bringen.
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67
2
Die Mollusken der Aachener Kreide
von
E. Holzapfel.
Mit Taf. II—XX.
Einleitung.
Die ersten genaueren Nachrichten von den Versteinerungen der Aachener Kreideformation finden
sich, wenn man von den: Juliae et Montium subterranea des Pater Brurm! und der Naturgeschichte Nieder-
deutschlands des Freiherrn von Hürscm? absieht, bei v. SchLorHeim®, welcher eine Anzahl Arten „aus der
Gegend von Aachen“ oder aus „dem neueren Sandstein von Aachen“ beschreibt, ohne dass es in den
meisten Fällen möglich wäre, die betreffenden Formen wiederzuerkennen. Dasselbe ist der Fall bei den
Arten, die HönıneHaus in dem Verzeichniss seiner Petrefacten-Sammlung* als bei Aachen vorkommend an-
führt. Nach Uebergang der Hönmenaus’schen Sammlung in den Besitz der Universität Bonn wurden
übrigens die betreffenden Stücke bei Bearbeitung des grossen Werkes von GoLpruss? mitbenutzt. In
diesem wurden zum erstenmale eine Reihe von Aachener Kreidefossilien abgebildet, leider oft nach ungünstig
erhaltenen Exemplaren, die eine Reconstruction nothwendig machten, die nicht immer glücklich ausfiel.
Auch F. A. RoEmER, dessen Werk über die norddeutsche Kreide® nach Erscheinen der die Lamelli-
branchiaten umfassenden Lieferungen der Petrefacta Germaniae herausgegeben wurde, bildet eine Reihe von
Aachener Kreideformen ab, und beschreibt dieselben in seiner kurzen Weise, und zwar z. Th. bereits von
GoLpruss beschriebene und benannte Arten unter neuem Namen. Andererseits benannte auch GoLDFUss
in den späteren, die Gasteropoden enthaltenden Lieferungen die eine und andere, bereits von ROEMER ge-
taufte Art auf's Neue. Die Zeichnungen des Rormer’schen Werkes, obschon im Allgemeinen roh ausge-
führt, und in ihren Details nicht immer genau, sind doch meist recht charakteristisch und lassen trotz der
1 Juliae et Montium subterranea. Düsseldorf 1776.
2 Neue in der Naturgeschichte von Niederdeutschland gemachte Entdeckungen etc. Frankfurt 1768.
® Die Petrefactenkunde etc. mit Nachträgen. Gotha 1820—23.
* Jahrbuch für Mineralogie 1830.
5 Petrefacta Germaniae 1823—43.
6 Die Versteinerungen des Norddeutschen Kreidesebirges 1841.
Palaeontographica. Bd. XXXIV. 4*
genannten Mängel in einzelnen Fällen die Art deutlicher erkennen, als die schönen Horr’schen Zeichnungen
der Petrefacta Germaniae.
Waren auf diese Weise bereits einzelne Arten mit zwei verschiedenen Namen versehen, so kam bei
einigen derselben noch ein dritter durch n’Orsıcny‘! hinzu. Entsprechend seiner Ansicht über die verticale
Verbreitung der Arten benannte der Autor des Prodrome diejenigen Arten, welche GoLpruss mit Blackdowner
Formen identifieirt hatte, auf’s Neue, und da er wohl kaum Aachener Stücke hatte untersuchen können,
hielt er idente, aber von RoEMmER und Gotnpruss unter verschiedenen Namen aufgeführten Formen auch für
wirklich verschieden und führt die beiden Namen der deutschen Autoren nebeneinander an.
Bereits vor Erscheinen des Prodrome hatte Mütter den ersten Theil seiner Monographie der
Aachener. Kreideversteinerungen veröffentlicht, deren zweiter, die Gasteropoden umfassender Theil einige
Jahre später (1851) erschien, während 1859 noch ein Supplement veröffentlicht wurde. In diesem an sich
gewiss verdienstlichen Werke werden eine grosse Anzahl von Versteinerungen beschrieben und abgebildet.
Die Zeichnungen sind indessen, mit Ausnahme einzelner, so mangelhaft, dass manchmal selbst die betreffen-
den Origimale nur mit Mühe wiedererkannt werden konnten, zumal die Müruer’sche Sammlung, welche
nach dem Tode des Besitzers von der technischen Hochschule zu Aachen erworben war, sich in einem be-
dauerlichen Zustande der Unordnung befand, und daher in vielen Fällen die Etiquetten ganz fehlten, oder
verwechselt waren. Die Mangelhaftigkeit der Abbildungen fällt freilich dem Autor weniger zur Last, da er
dieselben von einem in solchen Sachen ungeübten Zeichner ausführen lassen musste; sie ist auch nicht
grösser als die der Zeichnungen in dem Werke von GEmıTz ? über die sächsisch-böhmische Kreide. Indessen
sind auch in dem Text der Monographie, welcher zwar eine Reihe von trefflichen Detailsbeschreibungen
und richtigen Beobachtungen enthält, so viele falsche Bestimmungen und unrichtige Beobachtungen enthalten,
dass dadurch die Benutzung der Schrift mindestens erschwert wird. So lange man es nur mit den
häufig vorkommenden oder mit relativ leicht erkennbaren Arten zu thun hat, zeigt sich diese Schwierig-
keit freilich nicht besonders gross, sie wird indessen sehr gross, wenn man die ansehnliche Zahl der
seltenen und sehr seltenen Arten berücksichtigen muss, so dass die Besitzer der reichsten Sammlungen
Aachener Kreideversteinerungen mehrfach daran verzweifelten, ihre Schätze nach MüLtEr bestimmen zu
können, wie dies auch klar aus den Listen, welche Bosourr veröffentlichte, zu ersehen ist. Die Haupt-
mängel der Monographie sind: MÜLLER hat in den meisten Fällen gar nicht versucht, seine Sachen zu
präpariren, wohl nicht, weil dies besonders schwierig gewesen wäre, sondern weil er anscheinend den wich-
tigsten Charakteren keine oder nur eine geringe Bedeutung beimass, wie z. B. aus einer Anmerkung
(I. pag. 24) hervorgeht, in welcher „doppelschaligen Exemplaren“ eine ganz besondere Bedeutung beigelegt
wird. In der That kannte er nur von wenigen Zweischalern das Schloss. Weiterhin berücksichtigt MÜLLER
den Erhaltungszustand zu wenig, und war sich namentlich über das Verhältniss von beschalten Exemplaren
und Steinkernen völlig unklar. Trotz seiner Versicherung, keine Steinkerne zur Aufstellung von Arten be-
nützen zu wollen, ist dies bei einer ganzen Reihe von Arten der Fall gewesen, so bei sämmtlichen Actaeonina-
Arten, (Actaeon bei MÜLLER) mit einer Ausnahme. Er beschrieb sogar ausdrücklich Steinkerne als beschalte
! Prodrome de Paleontologie stratigraphique 1847 —50.
? Charakteristik der Schichten und Petrefacten des sächsisch-böhmischen Kreidegebirges und: Die Versteinerungen
von Kieslingswalde.
Stücke, so seine von StoLıczkA und Pıcrer besprochene Pyramidella involuta, welche weiter nichts als der
Steinkern der später als Triptycha Iymnaeiformis beschriebenen Form ist. Dieses Verkennen des Verhält-
nisses vom Steinkern zur Schale hatte auch zur Folge, dass Mürtwer in den Muschelbänken nur die
ersteren sammelte, was um so mehr zu bedauern ist, als sich in der reichen Sammlung, die er zusammen-
brachte, eine Reihe solcher losen Steinkerne ohne die zugehörigen Abdrücke befinden, die sich nur schwierig
oder gar nicht auf vorliegende beschalte Stücke beziehen lassen. Leider sind darunter auch Formen, die
in den übrigen mir zugänglichen Sammlungen von Steinkernen und Abdrücken fehlen.
| Da Mürrer ferner Altersunterschiede zu wenig berücksichtigte, so kommt es aus allen den ge-
nannten Gründen mehrfach vor, dass dieselbe Art unter zwei, drei, auch wohl vier verschiedenen Namen be-
schrieben wird. So gehören z. B. zusammen:
Strombus fenestratus, Melongena rigida, Fusus Schöni;
Capulus Troscheli, Crepidula cretacea;
Pirula fenestrata und Mitra Murchisoni.
Rostellaria striata, Rostellaria Parkinsoni, Oerithium Geinitzii und Scalaria striatocostata z. Th.
Hiezu kommt noch der gänzliche Mangel eines Systems, so dass die Monographie für den der kein
reiches Material von Aachen zum Vergleich hat, ganz unbrauchbar ist. Daher ist der Standpunkt von
GEınıTz wenigstens erklärlich, der in seinem Elbthalgebirge die MüLzer’sche Monographie gar nicht erwähnt.
Es ist daher auch erklärlich, dass dort, wo in der Literatur Münver’sche Arten eitirt werden, die mannig-
fachsten Irrthümer unterlaufen.
Die Listen von Aachener Kreideversteinerungen, welche BInkHorst in seinem „Esquisse g6ologique
et pal&ontologique des couches cretacees du Limburg“ giebt, enthalten, soweit sie sich auf die der eigent-
lichen Kreide von Aachen, d. h. dem Quadratengrünsand und den Vaalser Mucronaten-Mergeln angehörigen
Formen beziehen, lediglich die Mürver’schen Namen, und sind zum Theil von Mürner selbst zusammen-
gestellt worden.
In dem Verzeichniss der Fossilien der Kreide Limburgs, welches BosquEr in Starıne’s Werk: „De
Bodem van Nederland‘ giebt, werden einzelne Correcturen versucht, sowie einige neue Arten namhaft ge-
macht, deren Beschreibung im dritten Theil der „Verhandelingen voor de geologische Beschrejving van
Nederland‘ in Aussicht gestellt wird. Dieser Theil ist jedoch nicht mehr erschienen, die erwähnten neuen
Namen können daher nicht berücksichtigt werden, zumal sie in der späteren Liste Bosgver's fehlen.
In den „Materiaux pour la paleontologie suisse, Fossiles de Ste. Croix“ giebt Pıcrer ein kritisches
Verzeichniss aller bis dahin bekannten Kreideversteinerungen. Die zahlreichen von MÜLLER aufgestellten
Arten werden hier meist ohne Kritik, die auch ohne Vergleichsmaterial kaum möglich ist, registrivt, nur bei
einzelnen besonders zweifelhaften Arten vermuthet Pıcrer eine falsche generische Bestimmung.
Einen eingehenderen Versuch, die Aachener Kreidefauna wenigstens in ihren Hauptformen klar zu
stellen, machte dann SrtoLıczka in seinem grossen Werk über die indische Kreide? SrozıczkA hatte die
Mürter’sche Sammlung, sowie die von Bosqurr gesehen, und von letzterem auch die häufigeren Arten als
Vergleichsmaterial erhalten. Es dürfte die Mürner’sche Sammlung indessen bereits damals in Unordnung
! Veröffentlicht bei DrwAargue: Prodrome d’une description geologique de la Beleique.
? Cretaceous Pelecypoda and Cretaceous Gasteropoda of Southern India. Caleutta 1367 und 1871.
gewesen sein, so dass mehrere Originale nicht aufzufinden waren. Es blieben daher eine ganze Reihe von
Arten unentschieden.
Das zweite, bereits erwähnte Verzeichniss von Bosquver berücksichtigt die meisten der Bestimmungen
von STOLICZKA, daneben werden auch mehrfach von SrorıczkA gebrauchte Gattungsnamen ohne Berechtigung
auf andere Mürver’sche Arten übertragen, und zahlreiche Müruer’sche Namen einfach eitirt, woraus hervor-
zugehen scheint, dass Bosguver sich in der Müruer’schen Monographie nicht zurecht finden konnte. Die
Kenntniss der Aachener Kreidefauna wurde daher durch diese Liste nicht wesentlich gefördert.
In neuester Zeit hat dann J. Bönm eine Anzahl Arten aus dem Grünsand von Vaals in einer Ab-
handlung ? beschrieben, in der ebenfalls mehrfache falsche Deutungen Mürter’scher Arten vorkommen.
- Es erschien in Folge der erwähnten Umstände wünschenswerth, eine neue Bearbeitung der ganzen
Fauna vorzunehmen, und dies um so mehr, als eine solche eine grössere Bedeutung als die mancher anderen
Localfauna hat, sowohl wegen ihres Reichthums, namentlich an Gasteropoden, als wegen des ausnahmsweise
günstigen Erhaltungszustandes, besonders an den Fundorten Vaals und Terstraeten.
Das zur vorliegenden Arbeit benutzte Material befindet sich theils in der Sammlung der technischen
Hochschule, welche die ehemalige Mürter’sche Sammlung besitzt, in welcher mit 2 oder 3 Ausnahmen im
Laufe der Zeit MüLuer’s Originale sämmtlich wieder aufgefunden werden konnten, zum Theil ist dasselbe
in der schönen Sammlung des städtischen Museums, welches diesselbe der Liberalität des Herrn J. BEIssEL
verdankt, zum Theil in den Sammlungen des verstorbenen Dr. Desry?, des Herrn C. Usasns in Mastricht,
und namentlich in der des Herrn J. Beıssen vorhanden. Allen den Herren, welche mich durch Ueber-
lassung von Material unterstützten, bin ich zu lebhaftem Danke verpflichtet, in ganz besonderem -Maasse
Herrn J. BersseL, welcher mir sein gesammtes, überaus reiches Material mit der grössten Bereitwilligkeit
anvertraute.
1 Der Grünsand von Aachen und seine Molluskenfauna. Bonn 1885.
? Diese Sachen sind jetzt ebenfalls im Besitz der technischen Hochschule.
Geologische Uebersicht der Aachener Kreide.
Die unteren sandigen Ablagerungen der Aachener Kreide sind schon so oft Gegenstand von Be-
schreibungen gewesen, dass ich mich darauf beschränken kann, hier nur eine kurze allgemeine Charak-
teristik der Schichtenfolge zu geben. Bezüglich der speciellen Beschreibung der an den verschiedenen
Stellen entblössten Profile verweise ich auf die bereits erwähnte Abhandlung von J. Börm, welche auch
eine vollständige Zusammenstellung der einschlägigen Literatur bringt, besonders aber auf die Arbeit
Beısser’s, des unzweifelhaft gründlichsten Kenners der Aachener Kreideablagerungen, welche eine genaue
Beschreibung der gesammten Kreidebildungen bringt, die sich auf eine mehr als 40jährige höchst sorg-
fältige Beobachtung stützt.
Die Gliederung der senonen Kreide von Aachen-Limburg in 4 Etagen, wie sie von Dumoxr her-
rührt, ist in dem ganzen Gebiete eine recht scharfe, und wenn dieselbe in den synchronistischen Tabellen,
welche von französischen und deutschen Geologen gegeben wurden, nicht immer scharf zum Ausdruck
kommt, so mag das z. Th. seinen Grund in der mangelhaften palaeontologischen Begründung der Glieder
haben, da die vorhandenen Listen der Versteinerungen Formen enthalten, die den in anderen Gegenden ge-
wonnenen Erfahrungen direct widersprechen. Finden sich doch noch in Bosqurr's letzter Liste im Pro-
drome von DEwALQUE, welche mit wenig Aenderungen in die Werke von Uracns? und Mourvox? über-
gegangen ist, Formen wie Inoceramus concentricus, Cuvieri und Brongniarti im Senonien, also als Begleiter
von Belemmitella mueronata angegeben, und eitirt DrwAuguE (pag. 170) Scaphites aequalis aus Schichten
mit Actinocamax quadratus.
Es ist deshalb wiederholt mit Bestimmtheit hervorzuheben, dass bei Aachen Schichten, die älter
sind als das Senon, und zwar in der Umgrenzung, wie es von den deutschen Geologen aufgefasst wird, also
exclusive der cor-anguinum- und cor-testudinarium-Zone, nicht bekannt sind, und dass keine Leitversteinerungen
vorkommen, die dieser Thatsache widersprechen. Die erwähnten Citate Bosquver’s und DEewArquE's von
Leitformen des Gault, Cenoman und Turon beruhen lediglich auf unrichtigen Bestimmungen. Bei den
Inoceramen geht der Irrthum von MÜLLER aus, welcher mangelhaft erhaltene und verdrückte Exemplare
von Inoceramus Cripsiü auf die Formen des Gault und Turon bezog.
1 Der Aachener Sattel. Aachen 1386.
? Description geologique et paleontologique du sol du Limbourg.
3 Geologie de la Belgique.
Palaeontographica. Bd. XXXIV
OU
l. Das Unter-Senon.
(Schichten mit Actinocamax quadratus).
1. Die Aachener Sande.
Dumoxt bezeichnete die an der Basis der Limburger Kreide liegenden mächtigen hellgefärbten
Quarzsande als System Aachenien !, eine Bezeichnung, die dadurch unbrauchbar wurde, dass er sie auch auf
sandige Ablagerungen an der Basis der Kreide des Hennegau anwandte, welche indessen ein weit höheres
Alter besitzen, nach Corxer z. Th. älter sind als Gault, z. Th. sogar gleichalterig dem Wealden sind ?.
Es ist daher auffällig, dass DewALgur den Namen System Achenien auch für die genannten Schichten des
Hainaut beibehält?, obwohl er deren höheres Alter hervorhebt, und dass er die betreffenden Ablagerungen
in seiner Uebersichtskarte von Belgien mit der gleichen Farbe und der gleichen Signatur bezeichnet, wie
die Sande von Aachen. Auch Corner, in seiner erwähnten Abhandlung, und Cr. Barroıs* benutzen noch
den Namen Syst. Aachenien für die betreffenden Schichten des Hennegau, ebenfalls unter Betonung des
verschiedenen Alters.
Die Aachener Sande bestehen aus mächtigen, meist hell gefärbten, glaukonitfreien, losen Quarz-
sanden, deren Körner gerundet und von verschiedener, meist geringer Grösse sind. Die Farbe der
Sande ist vorwiegend ein lichtes strohgelb, doch kömmen auch rein weisse, durch Eisenhydroxyd intensiv
gelb oder gelbbraun und durch Kohle grau gefärbte Partien vor. Ein Bindemittel fehlt in der Regel
vollständig, so dass die Sande in zahlreichen Gruben als Streusand gewonnen werden. Häufig finden
sich in einzelnen Schichten Concretionen, in denen die Sandkörner durch ein kieseliges, oft nur spärlich
vorhandenes Bindemittel mehr oder weniger fest verkittet sind. Diese Knollen haben meist eine ganz un-
regelmässige, oft wie zerfressen aussehende Oberfläche, und finden sich vorwiegend in den oberen Lagen.
Stellenweise gehen sie in zusammenhängende Sandsteinbänke über, wie in dem Einschnitt der Eisenbahn
zwischen dem Bahnhof Ronheide und dem Tunnel. An einzelnen Stellen, so am Kapellchen bei Moresnet
erreichen solche Sandsteinbildungen eine so beträchtliche Entwickelung, dass sie in Steinbrüchen abgebaut
werden, und als Pflastersteine Verwendung finden. So ist z. B. auch ein grosser Theil der Lütticher
Chaussee mit solchen, dem Aachener Sand angehörigen, durch Sequoia Reichenbachi HEER ausgezeichneten
Sandsteinen gepflastert, deren Herkunft aber wohl von verschiedenen Fundorten herzuleiten ist.
Manchmal nimmt das Bindemittel zu, und werden die Sandsteine fest und quarzitisch, und erinnern
dann wohl an tertiäre Knollensteine. Eine eigenthümliche, sehr feste, etwa Im mächtige Bank von Quarzit
findet sich auf der Höhe des kleinen Tunnels zwischen Ronheide und Hergenrath, welche durch das
häufige Vorkommen von Versteinerungen, die freilich nur als Steinkern und Abdruck erhalten sind, ausge-
zeichnet ist.
! Memoire sur la constitution geologique de la province de Liege. 1830.
? Bull. soc. geol. France, Ser. III, Vol. VIII, pag. 515.
> Prodrome etc., pag. 166 und 181.
* Bull. soc. geol. France, Ser. III, Vol. III, pag. 257.
Häufig trifft man den Sanden reichlich Thon beigemengt, sowie Thongallen von linsenförmiger Ge-
stalt, welche zuweilen bedeutende Dimensionen erreichen, so dass man an einem einzelnen Aufschlusspunkte
durchgehende Thonschichten zu sehen glaubt. Die Thone, die sich besonders in den mittleren Lagen finden,
und die im östlichen Theile des Stadtgebietes, am Wingerts-, Salvator- und Lusberge, eine wichtige Rolle
spielen, sind meist violettgrau gefärbt, blättrig und zerfallen oft an der Luft in scharfkantige Stücke, be-
sonders wenn sie reichlich Sand beigemengt enthalten, wie im Wegeinschnitt vor dem Sandkaulthor.
Hier findet sich auch in dem Thon eine 3—4cm mächtige Lage von homogener Braunkohle, die
beim Trocknen etwas aufblättert. In den darüber liegenden Sanden befindet sich eine Schicht, welche durch
beigemengte Kohlentheilchen violettgrau gefärbt ist, und einzelne bis kopferosse Kohlenbrocken einschliesst.
Diese Kohle ist eine bituminöse, leicht und mit stark russender Flamme brennende Steinkohle, deren Her-
kunft zweifelhaft ist. Die Brocken sind stets rundlich und sehen abgerollt aus. Möglich, dass es die Reste
erodirter Kohlenflötze des Carbon sind.
Bezüglich der Schichtung ist als besonders hervortretendes Merkmal zu bezeichnen, dass es nicht
möglich ist, eine Schicht auch nur auf eine geringe Entfernung hin zu verfolgen, wie dies für die Thon-
lagen bereits bemerkt wurde. An allen Aufschlussstellen fast sieht man mächtige Sandschichten sich
auf wenige Meter Entfernung hin auskeilen, und neue sich anlegen. Es ist daher auch unmöglich, zwei
Profile an selbst nur in geringer Entfernung von einander gelegenen Punkten in vollständige Uebereinstim-
mung zu bringen. Dieses Nichtübereinstimmen der Profile ist am deutlichsten an den Aufschlussstellen, an
denen die obere Grenze des Aachener Sandes, die eine scharfe ist, blossliegt. Ferner ist eine transversale
Schichtung innerhalb einzelner Lagen eine gewöhnliche Erscheinung. Die Sande stellen deutlich eine Ab-
lagerung am Strande dar, jede Fluth lagerte neue Massen auf und an die bereits vorhandenen, nicht in
regelmässiger Weise das ganze Ablagerungsgebiet bedeckend, sondern hier weniger, dort mehr deponirend,
andere Stellen ganz freilassend, oder die bereits abgelagerten Sandmassen wegführend.
Versteinerungen aus dem Thierreiche gehören zu den Seltenheiten, namentlich deutliche und gut
erhaltene Sachen sind sehr selten, dagegen finden sich pflanzliche Ueberreste verbreitet und häufig. In
den losen Sanden sind es fast nur verkieselte Hölzer, meist von Bohrmuscheln mehr oder minder stark
durchlöchert. In den Sandsteinknollen und in den Thonen finden sich die Reste der reichen Flora, die
Desey und ErrinssHausen' z. Th. beschrieben haben. Coniferenreste, besonders Zweige und Früchte von
Sequoia Reichenbachi, Geinitzia formosa und Cunninghamites sqguamosus H., in den Sandsteinen verkieselt, in
den Thonen verkohlt, sind am häufigsten. Daneben finden sich alle übrigen Classen des Pflanzenreiches,
und manche Thonlagen und Sandsteine sind ganz angefüllt von pflanzlichem Detritus.
Die älteren Angaben Drsry’s? über das Vorkommen mariner Mollusken im Aachener Sand lassen
sich nicht mehr controlliren, da Belegstücke zu denselben in der Sammlung Desry’s nicht vorhanden sind.
Offenbar stammen aber die sämmtlichen specifisch angeführten Formen aus den höheren Schichten des Glau-
konitsandes, ebenso wie die Arten, welche Bosquer als „Akensch“ bei Staring ceitirt. Diese letzteren An-
gaben beziehen sich augenscheinlich auf solche Arten, bei denen MüLter in seiner Monographie den
Aachener Wald als Fundort angibt.
! Die urweltlichen Thallophyten des Kreidegebirges von Aachen und Mastricht. Denkschr. d.k. k. Acad. Wien 1859.
?® Entwurf zu einer geognost.-geol. Beschreibung der Gegend von Aachen. 1849.
[S)1
Ebenso vermag ich die Angaben, welche Purves'! über die Fossilien des Aachener Sandes macht,
nicht zu controlliren; nach meinen bisherigen Erfahrungen scheinen indessen mancherlei Verwechselungen
und unrichtige Bestimmungen untergelaufen zu sein. J. Bönm hat aus sämmtlichen älteren Angaben eine
Liste zusammengestellt (1. ec. pag. 29), in der-nur die Angaben Bosgurr’s bei Staring nicht berücksichtigt
wurden. Von den angeführten Formen kommen indessen eine Reihe von Arten nicht im Aachener Sand
vor, und sind unbedingt folgende Arten auszuschliessen:
Rostellaria Parkinsoni Mxr., dieselbe findet sich bei Aachen überhaupt nicht.
Anceillaria eretacea MÜLLER, dies ist eine tertiäre Art.
Cardium Becksii MÜLLER, Leitform des Grünsandes.
L Pecten ceretosus DErR., charakteristisch für die Mucronaten-Schichten bei Aachen.
Die anderen Arten mögen vorkommen, indessen habe ich die meisten derselben in den mir zugäng-
lichen Sammlungen nicht gesehen.
Die folgende Liste ist keineswegs eine vollständige, sie enthält indessen nur solche Arten, die mir
in genügend sicher bestimmbaren Exemplaren vorliegen.
* Pyrgorhynchus rostratus Rön. Tellina strigata GOLDF.
Ostrea laciniata NILss. „ costulata GOLDF.
Avicula caudigera v. ZImT. » biearinata Brauns
Inoceramus Cripsü Mant. Teredo voracıssima MürL. sp.
<= nn lobatus MNsır. Turritella acanthophora MüLr.
Pectumeulus Sp. z Natica cf. cretacea GoLDF.
Trigonarca Sp. Mesostoma Bosqueti Mir.
*Arca Sp. *Pyrgulifera Decheni Hzı.
Trigonia Vaalsensis Böum *Pyrenella Münsteri Kerst.
Crassatella arcacea Rön. * Actaeonella gigantea Sow.
*Cardium pectiniforme Mürı. “ 5 eretacea MüLt..
Eriphyla lenticularis GOoLDF. *Volvulina laevis Sow.
*Oytherea proxima Hzu. *Siphonaria variabilis Hzı.
Von diesen sind die angesternten bis jetzt nur im Aachener Sand vorgekommen, die übrigen gehen
in den Grünsand, z. Th. in die Mucronaten-Mergel hinauf.
Bezüglich der genaueren Fundstellen der genannten Fossilien muss hervorgehoben werden, dass die-
selben in der Regel sehr beschränkte Ausdehnung besitzen. Fast immer ist nur eine einzige von vielen
Knollenlagen versteinerungsführend, in den übrigen findet man höchstens ein Stück verkieseltes Holz. Am
Salvatorberg ist es eine etwa Im über den mächtigen Thonen, und mindestens 35 m unter der-oberen Grenze
des Sandes liegende Schicht, die zahlreiche, z. Th. gut erhaltene verkieselte Schalen einschliesst, aber nur
auf eine geringe horizontale Entfernung. Am Altenberge ist ebenfalls nur die tiefste der aufgeschlossenen
Knollenlagen fossilführend. Es macht den Eindruck, als seien durch eine besonders hohe Fluthwelle eine
beschränkte Anzahl von Schalen auf den Strand, oder in Tümpel auf denselben geworfen und dann von
neuen Sandmassen bedeckt worden.
Depey beschreibt als Inoceramen-Sandstein ein in losen Blöcken vorkommendes quarzitisches Ge-
stein von wachsbrauner Farbe mit lebhaftem Fettglanze, welches zahlreiche Exemplare von Inoceramus Oripsii
{ Sur les depöts fluvio-marins d’äge senonien de la province de Liege. 1885.
Tg
einschliesst, sonst aber keine Versteinerungen enthält. Er leitet dieses Gestein aus zerstörten Mucronaten-
Schichten her. Indessen hat dasselbe nicht die geringste Aehnlichkeit mit den in dem Oberen Senon
häufigen kieseligen Gesteinen (Hornstein und Feuerstein), und möchte ich eher glauben, dass dasselbe zer-
störten Schichten des Aachener Sandes entstammt, da quarzitische Gesteine in diesem Horizont keine
seltene Erscheinung, und auch Färbungen durch Eisenhydroxyd häufig sind.
2. Der Grünsand.
Auf den im Allgemeinen glaukonitfreien Aachener Sand folgt eine Schichtenreihe von mehr oder
minder glaukonitreichen Sanden. Die Grenze wird überall durch eine schwache Schicht gebildet, die
aus losem Sand besteht, in welchen mehr oder minder zahlreiche Gerölle einheimischer Gesteine ein-
gebettet liegen. Undeutlich wird die Grenzschicht zuweilen dadurch, dass die Gerölle fast ganz zurück-
treten. J. Bömm nimmt an, dass die feste Sandsteinschicht über dem zweiten Ronheider Tunnel,
welche zahlreiche Steinkerne enthält, als Aequivalent dieser Grenzschicht zu betrachten sei. Nach den dort
vorkommenden Versteinerungen gehört diese Sandsteinschicht noch dem Aachener Sande 'an, was freilich
nicht gegen die erwähnte Gleichalterigkeit sprechen würde, da die Geröllschicht sonst keine Fossilien führt,
und auch noch zum Aachener Sande gehören könnte. Mehr spricht gegen die Gleichalterigkeit, dass un-
mittelbar neben der betreffenden Stelle in höherem Niveau echter Aachener Sand liegt.
Der Grünsand ist im Allgemeinen an dem Vorhandensein des Glaukonits zu erkennen, wenn auch an
einzelnen Stellen, wie im Burtscheidter Wald, der Sandstein arm an Glaukonit ist, ein gröberes Korn hat
wie gewöhnlich und daher dem Aachener Sand ähnlich wird, und andrerseits auch in den tieferen Schichten
als freilich sehr vereinzelte Glaukonitkörner vorkommen.
Im Uebrigen ist die Beschaffenheit des Grünsandes verschieden, je nach den Localitäten. Die
Hauptmasse wird von feinen, staubartigen, braungefärbten, losen Sanden gebildet, welche am Lusberg, vor
dem Königsthor und im Aachener Wald Sandsteinbänke einschliessen, die oft ein reines Muschelconglomerat
darstellen. Diese Bänke haben ein kalkig-thoniges Bindemittel, und sind am Lusberg stellenweise mit
dunkelweingelbem Kalkspath ganz durchwachsen.
Bei Vaals liegen statt der zusammenhängenden Bänke in dem losen Glaukonitsande unregelmässig
gestaltete Knollen, in denen die Sandkörner durch ein spärlich vorhandenes kieseliges Bindemittel lose ver-
kittet sind. Dieselben verdanken ihre Entstehung organischen Wesen, Spongien, da das Bindemittel nach
den Untersuchungen des Herın J. Brıssen ganz mit Spongien-Nadeln durchwachsen ist. Diese Knollen sind
die Lagerstätte der von dem Fundorte Vaals berühmt gewordenen Versteinerungen, deren Schalen in dunkel-
rauchgraue oder gelbgraue Feuersteinmasse, mit 97—98°/o SiO, umgewandelt ist. Die in der Müuver’schen
Monographie angegebenen Fundorte Vaals und Vaalsbruch beziehen sich nur auf den Wegeinschnitt am
protestantischen Kirchhofe von Vaals. Leider ist diese beste aller Fundstellen nicht mehr ergiebig, da beide
Böschungen des Hohlweges bereits so ausgebeutet sind, dass man bergmännischer Anlagen bedürfte, um
an noch unberührte Schichten zu gelangen.
An den Abhängen des Preussberges stellen sich in den oberen Lagen des Grünsandes psam-
mitische Gesteine ein, welche sehr feinkörnig sind, eine lichtgraugrüne Farbe besitzen und im Aussehen
manchen Kreidemergeln aus den Mucronatenschichten nicht unähnlich sind. Zuweilen enthalten sie Kalk im
. Gement, und brausen lebhaft mit Säure, ebenso oft aber fehlt der Kalk vollständig, und ist das Bindemittel
ein thonig-kieseliges. Bei Terstraeten hat dieses Gestein eine blaugraue Grundfarbe und enthält grosse,
intensiv gefärbte Glaukonitkörner. Im diesen Schichten finden sich zahlreiche Versteinerungen, und zwar
Steinkerne, oder Verkieselungen, die namentlich bei Terstraeten prächtig erhalten sind.
Diese letzt erwähnten Gesteine werden von Drery als Gyrolithen-Grünsande bezeichnet, obwohl die
Schlangenwülste bei Gymnich, Holset ete. nicht vorkommen. Häufig finden sich diese an Rhizocorallium
oder Spongia saxonica erinnernden Gebilde in der benachbarten belgischen Provinz Lüttich bei Aubel u. a. O.,
in Gesteinen, welche den Grünsanden vom Gymnicher Loch sehr ähnlich sind.
Aehnliche Gesteine treten auch im Maasthale gegenüber von Vise bei Heure le Romain im Liegenden
der dortigen Mucronatenkreide auf, Bei Vise selbst lagert auf den Köpfen der Kohlenkalkschichten in
geringer Mächtigkeit ein glaukonitisch, mergelig-sandiges Gestein, welches sich namentlich durch Ostreen,
Spondylus spinosus und Actinocamaz quadratus auszeichnet. Ausserdem führt Horrox ! noch eine Reihe von
Aachener Formen an.
Erwähnen will ich hier noch eine Ablagerung, welche ps RyckHour? beschrieben hat. Während
bei Vise auf der Höhe die eben erwähnten Gesteine liegen, kommen im Thale graue Thone vor, welche
DE RYCKHOTT für senon erklärt, und aus denen er eine Fauna, namentlich kleine Leda-, Nucula-, Astarte- etc.
Arten beschreibt. Keine dieser Formen findet sich indessen mit Sicherheit im Senon von Aachen-Mastricht
wieder, und glaube ich, dass die betreffenden Schichten tertiären Alters sind.
Die Fauna des Aachener Grünsandes ist eine reiche, besonders an Lamellibranchiaten und Gastero-
poden, und haben namentlich die Fundorte der nächsten Umgebung Aachens eine reiche Ausbeute geliefert.
Die Muschelbänke am Lusberg, vor dem Königsthor und im Aachener Wald, die Knollen am protestantischen
Kirchhofe zu Vaals, die Sandsteine im Gymnicher Loch und bei Terstraeten sind die Hauptfundstellen.
Ausserdem kommen aber Versteinerungen noch an vielen anderen Orten vor, auch in den losen Sanden.
Hier indessen meistens so schlecht erhalten, dass man nur an natürlichen Entblösungen die Steinkerne, die
ebenfalls aus losem Sande bestehen, aus den Schichten hervorragen sieht; dieselben zerfallen indessen schon
bei leiser Berührung. Ein Punkt nur lieferte in den losen Sanden schön erhaltene Versteinerungen, es ist
das die Böschung an der Lütticher Strasse, auf der Höhe des Aachener Waldes, schräg gegenüber dem
Meilenstein. Hier finden sich namentlich zahlreiche Foraminiferen, kleine Austern und Anomien, in einer
über den Muschelbänken liegenden Schicht.
Die häufigsten und wichtigsten Fossilien des Aachener Grünsandes sind:
Ostrea laciniata Nıuss. Leda Försteri Müır.
* ,, semiplana Sow. *Trigonia Valsensis J. Böhm
*Pecten virgatus NILss. *Eriphyla lentieularıs GLDF.
*Vola quadricostata Sow. *Cardium productum Sow.
*Inoceramus Oripsüi Mut. En Becksii MüLL.
* Pectunculus dux J. Bönm *Cytherea ovalis GLDF.
*Qucullaea subglabra D’ORR. Tellina strigata GLDF.
n Matheroniana vD’ORR. „ costulata GLDF.
1 Bull. soc. geol. Fr. 1859. pag. 655.
? Melanges paleontologiques. II. Einleitung.
[
*Glyeimeris Geiniteü Hzı. Tudiela Monheimi Mürı.
Gastrochaena amphisbaena GLDF. sp. Hemifusus Burkhardi Miır. (= Pyrula coronata Rorn.).
Turritella nodosa Rorn. Voluta subsemiplicata D’ORB. Sp.
> sexlineata Roen. * Volutoderma fenestrata Roen. sp.
”s alternans Ron. Cinulia Humboldtü Müuı. sp.
Natica cretacca GwDr. Ringieula Hagenowi MüLı. sp.
* 7, .exaltata, GLDF. Oylichna Mülleri Bosgv. sp.
*Cerithium binodosum Rorn. Scaphites aquisgranensis ScHLür.
"Aporrhais stenoptera GLDF. es hippocrepis DEKAY
“ ” Schlotheimi Rorn. Sp. *Baculites incurvatus Dur.
Fusus gracilis J. Böum sp. "Actinocamaz quadratus BLaısv.
In den oberen Schichten bei Testraeten, Teuven und Gymnich kommt neben Actinocamax quadratus
bereits Belemnitella mucronata vor.
Die Pflanzenreste, welche im Aachener Sand eine so grosse Rolle spielen, fehlen im Grünsand
nicht ganz, gehören indessen zu den Seltenheiten. Ganz zurücktretend sind in der Fauna die Echino-
dermen, Bryozoen, Brachiopoden, Crustaceen und Vertebraten, welche sämmtlich in den höheren kalkigen
Schichten mit Belemnitella mucronata eine grosse Bedeutung erlangen. Dieselben fehlen indessen nicht
gänzlich, und hat namentlich der Vaalser Fundort Vertreter dieser Abtheilungen in einzelnen Exemplaren
geliefert wie: Rhynchonella plicatilis, Magas pumilus, Micraster sp., Oncopareia Bredai, Mosasaurus, Coraz,
Ancistrodon, Otodus, Enchodus etc.
Bemerkenswerth ist die Aenderung, welche die Fauna des Grünsandes erleidet, wenn man von
Aachen aus nach Nord-Westen fortschreitet, sich also von der alten Küste des senonen Meeres entfernt.
Bereits bei Vaals treten Echinodermen und zwar Echiniden, Asteriden und Ophiuren, von denen man bei
Aachen nur Spuren findet, etwas weniger selten auf, ebenso Brachiopoden, und es finden sich als grosse
Seltenheit echte Ammoniten. Bei Gymnich und noch mehr bei Teuven spielen Echiniden bereits eine gewisse
Rolle, dort finden sich Ananchytes ovata, Micraster sp. u. a. Arten, und Ammoniten sind dort in mehreren
Exemplaren gefunden worden, während eine ganze Reihe der bei Aachen so ungemein häufigen, strand-
bewohnenden Mollusken selten wird, oder ganz zu fehlen scheint.
Il. Das Ober-Senon.
(Schichten mit Belemnitella mucronata).
Die obere Abtheilung der Aachener Kreide besteht im wesentlichen Unterschiede zu den tieferen
Schichten aus kalkig-mergeligen und kreidigen Gesteinen. Ueber dem Grünsand folgt das untere Glied
der Mucronaten-Kreide:
1. Der Kreidemergel (Systeme Senonien Dumoxr).
Derselbe besitzt eine gelblichweisse oder gräuliche Farbe und enthält oft, namentlich an der Basis,
reichlich Glaukonitkörner. Eigentliche Schreibkreide findet sich erst in einiger Entfernung von Aachen, bei
Si
Henry-Chapelle und im Maasthale bei Heure le Romain. Feuerstein- und Hornsteineinlagerungen finden sich
nur in den oberen Schichten, welche auch palaeontologische Verschiedenheiten zeigen, so dass man bereits
früh die untere Mucronaten-Kreide in zwei Horizonte getheilt hat, in die Kreide ohne Feuersteine, und in
die Kreide mit Feuersteinen.
Die tieferen Partien der Mergel sind in der Regel ungeschichtet, weich und zerreiblich, und gehört
diesem Horizont die Kreide von Henry-Chapelle und Heure le Romain an. Namentlich am Königsthor bei
Aachen, bei Melaten und Seffent, am Friedrichsberge, am Fuss des Schneeberges, bei Slenaken und Lanzereth
sind diese Schichten aufgeschlossen. Sie sind das Hauptlager der Brachiopoden, besonders der Terebratula
Gisei, der Foraminiferen und Cirripeden.
“ Ueber diesen ungeschichteten Mergeln folgen regelmässig und. manchmal dünngeschichtete Parthien,
welche bei Lemiers und Vaals in vielen Steinbrüchen aufgeschlossen sind, wo das Gestein, welches ziemlich
fest und klingend ist, und in der Regel weniger Glaukonit enthält, gewonnen und zu Backofensteinen ver-
arbeitet wird. Ihre Fauna ist besonders ausgezeichnet durch grosse Exemplare von JImoceramus Oripsii,
Ostrea vesicularis und Scaphites tridens. Namentlich die beiden letztgenannten Formen erscheinen charac-
teristisch, so dass man diese geschichteten Mergel als die Zone der Scaphites tridens bezeichnen könnte,
da dieses Fossil in den tieferen Schichten nicht vorzukommen und auch nicht in die feuersteinführenden
Mergel aufzusteigen scheint.
Hierüber folgen dann die Mergel mit Feuersteinen. Diese Feuersteine bilden unregelmässige, oft
wunderlich geformte Knollen, die zuweilen in zusammenhängende Schichten übergehen, wie solche namentlich
im Maasthale, südlich von Mastricht, am Fusse des Peterberges entblösst sind. Neben den eigentlichen
Feuersteinen kommen auch Hornsteine vor. Es sind das knollige Partien verkieselten Mergels von gelb-
grauer oder grauer Farbe, welche in der Regel eine weniger unregelmässige Form besitzen als die
Feuersteine, und oft noch einen Kern von unverändertem Mergel einschliessen. Diese Hornsteine sind
wesentlich anderen Ursprungs, als die Feuersteine. Während der der letzteren auf organische Wesen,
namentlich Spongien, zurückzuführen ist, ihre Entstehung also gleichzeitig mit den umgebenden Ge-
steinen erfolgte, sind die Hornsteine später entstandene Verkieselungen, und nicht organischen Ursprungs.
Zuweilen sehen sie manchen Mühlsteinkieseln des pariser Oligocaen zum Verwechseln ähnlich. Bei
Erosion der leicht zerstörbaren Mergel bleiben sowohl die Hornsteine als auch die Feuersteine. zurück
und finden sich im Diluvium und Alluvium überall in grosser Menge. Es gehören hierher. die Horn-
steine des Aachener Waldes, welche auf den Höhen und an den Abhängen Ablagerungen von be-
trächtlicher Mächtigkeit bilden, und die darunterliegenden anstehenden Gesteine meist vollständig verhüllen.
Die Fauna der Mucronatenmergel zeigt einen von dem der tieferen Quadratenschichten vollständig
abweichenden Charakter. Die strandbewohnenden Mollusken fehlen, bis auf einzelne Exemplare, die sich als
Seltenheiten gefunden haben. Neben Bryozoen, Foraminiferen, Echinodermen und Brachiopoden geben Ce-
phalopoden und Monomyarier, namentlich Ostreiden, Pectiniden und Limiden der Fauna ihr Gepräge. Es
ist eine typische Kreidefauna an Stelle der Strandfauna getreten. Naturgemäss sind noch eine Reihe von
Arten aus den tieferen Schichten vorhanden, wie:
Ostrea hippopodium NıLss. Pecten virgatus NiLss.
„ semiplana Sow. Orenella inflata Müır.
Inoceramus Oripsü Mnrt. Hemifusus Burkhardi Mür. Sp.
Oucullaew Matheroniana D’ORB. Aporrhais stenoptera GLDF. Sp.
Doch haben hiervon nur die Ostrea- und Pecten-Arten, und besonders Inoceramus Oripsii eine
Bedeutung.
Ausserdem finden sich als wichtigste Formen, abgesehen von den Spongien, Foraminiferen und
Bryozoen !.
Bourguetierinus ellipticus MILLER *Magas pumilus Sow.
Diplotagma altum ScuLür. *Orania antiqua DEFR.
Cidaris subvesiculosa D’ORB. „ Ignabergensis Rerzıus
Phymosoma Sp. *Ostrea vesicularıs Lan.
Salenia anthophora MüLı. „ lateralis Nıuss.
Micraster glyphus SchLür. Pecten membranaceus Nıuss.
Cardiaster Ananchytes LEsKE Spondylus Dutempleanus D’ÖÜRR.
Ananchytes ovata L. » striatus GLDF.
Rhynchonella plicatilis Sow. Monopleura ciplyana vE Ryckn.
Terebratula carnea Sow. *Nautilus Vaalsiensis Bınku.
*Terebratulina Gisei v. Has. "Scaphites tridens KNEr
“= ” gracilis v. SCHLIH. Belemnitella mucronata v. SCHLTH.
"Megerlia Lima Drrr.
Hiervon sind die angesternten nur in den Mergeln ohne Feuersteinen vorhanden, die übrigen gehen
in höhere Schichten hinauf, wo sich noch als charakteristische Formen zu ihnen gesellen:
Hemiaster breviusculus D’ORB.
Hemipneustes radiatus D’ORB.
sp. n.
Ueber den Mergeln folgen als oberstes Glied der Aachen-Limburger Kreide:
2. Die Mastrichter Schichten (System Mastrichtien Dvm.).
Diese haben in der Gegend von Aachen nur eine geringe Entwickelung. Nur am Vetschauer
Berg ragen hierher gehörige Gesteine in das Gebiet hinein und auf dem Gipfel des Lusberges haben sich
stellenweise über den feuersteinführenden Mergeln, resp. in Klüften derselben Reste der Mastrichter Schichten,
ausgezeichnet durch das Vorkommen von Pyrgopolon Mosae gefunden, die „Lusberger Breccie“ DEBEY'S.
Ich habe dieses Gestein nicht aufgeschlossen gesehen, Desey fasst dasselbe als „diluvial regenerirte“ ältere
Schichten auf. Bei Vetschau fehlen ebenfalls seit Jahren alle Aufschlüsse, und kenne ich die dortigen, wohl
den Schichten von Kunraed gleichaltrigen Ablagerungen nur aus Sammlungen. Da überdies die Fauna dieser
höchsten Schichten der Limburger Kreide nicht in den Rahmen der vorliegenden Arbeit fällt, so verzichte
ich auch auf eine Beschreibung der complicirten Schichtenfolge, und verweise auf die detaillirten Beschrei-
bungen, die Usagns gegeben hat?.
1 Diese sind bei Brısser, Der Aachener Sattel, pag. 137 ff. aufgeführt.
?2 Sol du Limbourg. pag. 63 ff.
Palaeontographica. Bd. XXXIV. ; 6
Verbreitung der Aachener Kreide und ihrer verschiedenen Etagen.
Von dem Plateau des hohen Venn senkt sich das Terrain in nördlicher Richtung allmählich in
die Niederrheinische Ebene. Das Venn bildet einen grossen, SW—NO streichenden, nach NW über-
kippten Luftsattel, in dessen Kern die von den belgischen und französischen Geologen als Cambrisch be-
zeichneten Quarzite und Schiefer liegen, während auf dem im Allgemeinen widersinnig fallenden Nordflügel,
vielfache Falten bildend, die ganze Schichtenreihe des Devon und Carbon folgt. Am Nordrande des links-
rheinischen paläozoischen Gebirges fehlt das Rothliegende und die Zechsteinformation; die Trias lagert
ungleichförmig auf den Schichtenköpfen der älteren Formationen, und zeigt eine vollständige Entwickelung,
wie dies namentlich aus den neueren Untersuchungen BLANcKENHOoRN’s! hervorgeht. Die Faltung des Venn-
sattels erfolgte demnach im wesentlichen nach Ablagerung des flötzführenden Carbon, wobei sich das Ge-
birge über den Meeresspiegel erhob. Nach Ablauf der Zechsteinperiode trat eine Senkung ein, das Trias-
meer überfluthete einen ansehnlichen Theil des linksrheinischen Schiefergebirges, und lagerte Bunten
Sandstein, Muschelkalk und Keuper ab. Welche Ausdehnung ehemals die Trias in diesem Gebiete besessen
hat, lässt sich bei der später eingetretenen beträchtlichen Erosion nicht mit Sicherheit feststellen. Diese
Erosion zerstörte auch die über der Trias abgelagerten Juraschichten. Wenigstens deuten einzelne Vor-
kommen, wie das einer kleinen Partie Lias bei Drove, unweit Düren, und das von hellfarbigem, dem
Weissen Jura zugerechneten Oolith in den vulkanischen Gebilden des Laacher Sees darauf hin, dass auch
die ganze Serie der Juraschichten zur Ablagerung gelangte, aber später bis auf die erwähnten spärlichen
Ueberreste weggewaschen wurde. Hiernach muss diese Erosion nach der Jurazeit stattgefunden haben, und
scheint mit Beginn der Kreideperiode ein Zurückweichen des Meeres eingetreten zu sein. Zum Wenigsten
finden sich Schichten, die der älteren Kreide, dem Neocom und Gault angehören, erst in grösserer Ent-
fernung, im Osten im Teutoburger Walde, im Westen in der Gegend von Tournay und Mons, an letzterem
Orte vielfach aus lacustren und vielleicht auch terrestrischen Bildungen, im Teutoburger Walde aus Strand-
bildungen anzeigenden Sandsteinen bestehend. Heute liegen diese Schichten z. Th. in grösserer Meereshöhe
als die palaeozoischen Schichten der Gegend von Aachen, und wenn die untere Kreide hier nicht zur Ab-
lagerung kam, so kann das seinen Grund nur darin haben, dass zur Zeit ihrer Bildung die Gegend von
Aachen relativ höher lag wie heute, und erst später durch Denudation oder Einsenkung in ihre jetzige
Höhenlage gebracht worden ist. Dass beträchtliche Einbrüche am Nordrande des Eifel und des hohen Venns
stattgefunden haben, lässt sich aus den thatsächlichen Verhältnissen beweisen, und wahrscheinlich hat zur
Zeit der unteren Kreide das ältere linksrheinische Gebirge weit über seine jetzt bekannte nördliche Ver-
breitungsgrenze himausgereicht.
Die palaeozoischen Schichten des nordwestlichen Flügels des Vennsattels werden von 2 Systemen
von Verwerfungen durchsetzt, welche in beträchtlicher Weise die Schichten gegeneinander verschoben haben.
Das grösste Ausmaass der Dislocation weisen die Ueberschiebungen auf, deren bedeutendste, die Faille du
midi oder Faille eifellienne der belgischen und französischen Geologen, die belgische Ueberschiebung von
t Die Trias am Nordrande der Eifel. 1855.
an
DechHen’s aus dem Pas de Calais bis in die Aachener Gegend verfolgt werden kann, und welche in Belgien
silurische Schichten auf das Carbon geschoben hat. Innerhalb der Stadt Aachen liegt der oberdevonische
Kalk unmittelbar auf dem flötzführenden Steinkohlengebirge, und wird hierdurch angedeutet, dass die be-
treffende Dislocation, oder ein Seitenast derselben durch die Stadt Aachen hindurchstreicht. Ob bei der
Entstehung dieser gewaltigen Störung lediglich eine Aufwärtsbewegung des Hangenden, oder auch gleich-
zeitig eine Senkung des Liegenden statthatte, lässt sich bei Aachen mit Sicherheit nicht ermitteln, doch
dürfte das letztere wahrscheinlich sein.
Die zweite Art von Störungen streicht quer zu den Schichten. Dieselben haben sowohl eine seit-
liche Verschiebung der Schichten gegeneinander zur Folge gehabt, als auch ein Absinken des im Hagenden
befindlichen Gebirgstheiles. Die Anzahl dieser Querverwerfungen ist beträchtlich, fast jedes Querthal folgt
dem Verlaufe einer solchen, und einzelne derselben haben bereits auf grosse Entfernungen verfolgt werden
können. Namentlich in den durch alten Bergbau gut gekannten Steinkohlenmulden an der Inde und Wurm
sind viele dieser Störungen genau bekannt geworden.
Die Münstergewand durchschneidet den westlichen Theil der Indemulde. Nach Süden hin ist sie
am Brockenberg, Büsbacher Berg und Breiniger Berg beim Durchsetzen der Kalkzüge als erzführender Gang
bekannt. Nach Norden hin wird das Ausmaass der Verwerfung erheblich grösser, sie begrenzt im Osten
den Sattel, welcher Inde- und Wurmmulde trennt, den Haarener Sattel, und durchsetzt die letztere Mulde
als Feldbiss. Oestlich von der Münstergewand streicht ihr parallel die Sandgewand durch Inde- und Wurm-
mulde. Beide Störungen haben die östlich liegenden Schichten gesenkt. In dem eingesunkenen Gebiete
liegen, wie zahlreiche Bohrversuche gezeigt haben, über den Schichten der Steinkohlenformation nur Sande
und Thone des Ober-Oligocän und Miocän. Es ist wahrscheinlich, dass die Kreideformation in der ganzen
Bonner Bucht, welche als eingesunkenes Gebiet des gefalteten alten Gebirges zu betrachten ist, nicht
zur Ablagerung gelangte. Erst am Nordrande des rechtsrheinischen Uebergangsgebirges, bei Duisburg und
Mühlheim a. Ruhr zeigen sich wieder Kreideablagerungen, beginnend mit dem cenomanen Grünsande von Essen.
Man erhält hierdurch einen Anhalt für die Zeit dieses Einbruches, welcher in der älteren Tertiärzeit vor
Ablagerung des Ober-Oligocän stattgefunden haben muss.
Auch westlich des Haarener Sattels fehlen über den palaeozoischen Schichten die Ablagerungen der
Kreideformation, dagegen ist der Höhenzug, aus dem Lusberg, dem Salvatorberg und dem Wingertsberg
bestehend, welcher ein kesselförmiges Thal im Westen begrenzt, lediglich aus Schichten der senonen Kreide
zusammengesetzt. Dieser Höhenzug bildet die östliche Grenze der Aachener Kreidebucht, welche vom Lus-
berg durch das Thal der Soers auf Richterich zuläuft. Oestlich von dieser Linie lagert auf den Steinkohlen-
schichten der Wurmmulde nur Tertiär resp. Diluvium, westlich bis zur Maas nur Kreide, und zwar Senon,
erst viel weiter westlich finden sich auch ältere Kreideschichten. Unter dieser Bedeckung lagert das ältere
Gebirge in verschiedener, bis jetzt erst an wenig Stellen bekannter Tiefe. So traf man durch Bohrungen
bei Vetschau die Steinkohlenformation 70,6 m, und das Geuthal ist noch ziemlich tief in die palaeozoischen
Schichten eingeschnitten, deren Oberfläche kaum tiefer liegt, als die Sohle des östlich gelegenen Thales von
Vaals, wo noch die Schichten der Mucronatenkreide anstehen.
Die Aachener senone Kreide füllt eine Bucht aus, die durch Einsenkung des alten Gebirges
entstand. In diese trat das Kreidemeer hinein, nur wenig weiter südlich als Aachen reichend, und
lagerte zunächst die Strand- und Dünenbildung des Aachener Sandes ab, dessen Tiefseeaequivalente im
6*
a
ganzen Gebiete nicht hervortauchen. Das Venn war zu dieser Zeit Festland, und auf ihm wuchsen die
Pflanzen, deren massenhafte Reste in die Schichten des Aachener Sandes eingebettet wurden.
Die obere Grenze dieser Ablagerungen wird durch eine schwache Geröllschicht gebildet, welche auf
ein stärker bewegtes Meer deutet, und es folgt dann der Grünsand, dessen gesammte Verhältnisse auf ein
tieferes Meer hinweisen. Heute hat der Grünsand nahezu die gleiche Verbreitung nach Süden, wie der
Aachener Sand, und es lässt sich kaum feststellen, ob er weit über die älteren Schichten hinübergrift, und
später erodirt wurde, zumal ihm Gesteine fehlen, welche schwer zerstörbar sind, und deren Uebrigbleiben
Schlüsse auf eine ehemalige grössere Verbreitung gestatten. Da indessen der Grünsand südlich von Aachen,
im Burtscheider Walde, vielfach dem Aachener Sand ähnlich wird, so scheint zur Zeit seiner Ablagerung
die Küste nicht bedeutend nach Süden gerückt worden zu sein, vielleicht hat man nur ein weiteres Sinken
des bereits vom Kreidemeere bedeckten eingebrochenen Gebietes anzunehmen.
Die höheren Schichten der Aachener Kreide besitzen nun in hervorragender Weise solche Gesteine,
die der Zerstörung trotzen, bei der Erosion der Schichten liegen bleiben, und so die ehemalige Verbreitung
der Mucronaten-Kreide anzeigen. Es sind dies die Feuersteine und Hornsteine. Wenn schon die Fauna
der höheren Schichten, sowie die Gesteinsbeschaffenheit auf eine beträchtliche Vertiefung des Kreidemeeres
nach Ablauf der Zeit des Actinocamaz quadratus hindeutet, so beweist die Verbreitung der Feuersteine, dass
diese Vertiefung durch eine Senkung weiter Gebietstheile erfolgte, durch welche ein grosser Theil des hohen
Venn unter den Spiegel des Kreidemeeres getaucht wurde. An einer Reihe von Stellen auf den höchsten
Punkten des Venn sieht man diese Feuersteine als Zeugen der ehemaligen Bedeckung mit Kreideschichten
herumliegen, so bei der Baraque St. Michel, bei Francorchamps, und namentlich sind sie in dem Eisenbahn-
einschnitte zwischen diesem Ort und Slavelot angehäuft. Eine genaue Grenze ihrer Verbreitung lässt sich
freilich nicht ziehen, besonders nicht wegen der Torfmoore, welche die Plateaus bedecken, doch würde man
sie wahrscheinlich unter diesen ganz jugendlichen Bildungen antreffen.
Eine kleine Scholle Mucronaten-Kreide, an einen Bruchrand angelehnt, bei Irnich unweit Commern,
welche v. Decuen' erwähnt und welche BLANCKENHORN (l. c. pag. 79) beschreibt, zeigt ebenfalls auf das
deutlichste, dass die oberen Schichten der Aachener Kreide eine weite Verbreitung nach Süden gehabt
haben, doch ist es zur Zeit nicht möglich, die Grenzen derselben festzustellen.
Nach Ablauf der Kreidezeit trat das Meer zurück, und erst mit Beginn des oberen Oligocän er-
folgte der Einbruch der Bonner Bucht, in welcher das Meer wieder bis an die Abhänge des Venn und
der Eifel reichte, während an dem nordwestlichen Rande des Gebirges, im Hennegau namentlich, auch ältere,
paleocäne und eocäne Schichten zur Ablagerung gelangten. |
Die Geschichte des Nordrandes des linksrheinischen palaeozoischen Gebirges ist demnach übersicht-
lich folgende:
Zur Permzeit Faltung der Schichten und Erhebung über den Meeresspiegel ?.
! Erläuterungen der geol. Karte der Rheinprovinz und Westfalen II. pag. 441.
? Die von belgischen Geologen angenommene Erhebung des Venn über den Meeresspiegel während der Silurzeit, vor
Ablagerung des System Gedinnien ist nicht wahrscheinlich, und selbst bei Annahme der mehrfach bestrittenen Discordanz
zwischen Vennschichten und Devon nicht nothwendig anzunehmen.
N Al
Zur Triaszeit allgemeine Senkung des Landes, Ablagerung der Trias und wahrscheinlich des
ganzen Jura.
In der älteren Kreidezeit Rücktritt des Meeres, Beginn der Erosion, welche bis heute den ge-
sammten Jura, und einen beträchtlichen Theil des Trias zerstört hat. Mit Beginn der Senonzeit Einbruch
der Aachener Bucht, Ablagerung der Quadratenkreide innerhalb derselben. Hierauf beträchtliche Senkung
bedeutender Landstriche bei Eintritt der Mucronatenzeit.
Bei Beginn der Tertiärzeit Rücktritt des Meeres, Beginn der Erosion der Kreideschichten. Im
Anfang der Oligocänzeit Einbruch der Bonner Bucht, Ablagerung des marinen Ober-Oligocän auf dem ge-
sunkenen Gebiet. Von Beginn des Miocän an langsames Zurückweichen des Meeres, zunächst angezeigt durch
die auf dem marinen Ober-Oligocän liegenden miocänen niederrheinischen Braunkohlenschichten.
Das Alter der Aachener Kreideschichten.
Aus der Fauna des Aachener Sandes erhellt unzweifelhaft, dass auch die tiefsten Schichten der
Aachener Kreide senonen Alters sind. Es sind daher Citate von Leitformen älterer Kreideetagen irrig und
auf falsche Bestimmungen zurückzuführen. So wenn MüLter i Imoceramus concentricus, I. Brongniarti etc.
beschreibt, Formen, welche auch BosquEr in seinen Listen eitirt, und wenn DewarquvE? Scaphites aequalis
als Leitform des Grünsandes erwähnt.
Zum Vergleich der einzelnen Etagen der Aachener Kreide müssen zunächst die entsprechenden
Schichten Westfalens herangezogen werden, deren stratigraphische und palaeontologische Gliederung beson-
ders durch die Arbeiten Schvürer’s scharf durchgeführt ist. Hierbei zeigt sich aber von vorn herein der
grosse Uebelstand, dass diejenige Gruppe von Versteinerungen, nach deren Vertheilung die westfälische
Kreide hauptsächlich gegliedert ist, die Cephalopoden, bei Aachen eine verschwindende Rolle spielen, und
namentlich, dass die echten Ammoniten fast ganz fehlen. Bezüglich der übrigen Molluskenclassen, besonders
der Glossophoren und Lamellibranchiaten, sind andrerseits die westfälischen Kreideschichten noch nicht ge-
nügend untersucht, so dass man einen Vergleich zuweilen auf Umwegen durchführen, oder ihn auf einzelne
wichtige Arten stützen muss. Wenn nun noch Faciesunterschiede hinzutreten, so lässt sich eine Paralleli-
sirung oft nur schwach palaeontologisch unterstützen, und müssen allgemeine Betrachtungen und Gründe den
Ausschlag geben.
Unter den Fossilien des Aachener Sandes sind die beiden Inoceramus-Arten für die Altersbestim-
mung am wichtigsten. Während Inoceramus Cripsii in Westfalen sowohl wie bei Aachen noch bis in die
Schichten mit Belemnitella mucronata hineinreicht, ist die andere Art, Imoceramus lobatus bereits im Grün-
sand erloschen. In Westfalen beginnt diese Art nach Schtürer? über dem Emscher, reicht indessen nicht
in die Zone der Becksia Soekelandi. Es ist daher der Aachener Sand in die Zone des Inoceramus lobatus
und der Exogyra laciniata, in das Untersenon im Sinne SCHLÜTER’S zu versetzen.
t Monographie I, pag. 30.
? Prodrome, pag. 170.
3 Palaeontographica, Bd. 24, 1876/77, pag. 276.
o
8.
A
Schwieriger zu beantworten ist die Frage, ob der Aachener Sand diesem gesammten Untersenon
ScHLÜTEr’s entspricht, oder nur einer der Zonen, in welche sich dasselbe gliedert. Diese Zonen sind:
1. Zone des Marsupites ornatus.
De „-. Pecten muricatus.
3. 99 Seaphites binodosus.
Die Versteinerungen, nach denen diese Zonen benannt sind, kommen bei Aachen nicht vor, ebenso
fehlen die sämmtlichen als Leitformen betrachteten Arten, ausser Inoceramus lobatus und Ostrea laciniata,
welche durch die sämmtlichen 3 Zonen hindurchgehen. Umgekehrt fehlen in Westfalen die wenigen Formen,
welche auf den Aachener Sand beschränkt sind. Es ist daher ein directer Vergleich mit den einzelnen
Etagen des Westfälischen Untersenon nicht durchzuführen. Zu diesem Resultate kommt auch J. Bönm
(l. c. pag. 148), welcher überhaupt keine bestimmte Ansicht über das specielle Alter der einzelnen Etagen
der Quadratenkreide ausspricht. Doch scheint derselbe der Ansicht zuzuneigen, dass der Aachener Sand
ein Aequivalent der Zone des Pecten muricatus 'sei, und zwar wegen des Vorkommens von Crednerien
und einiger petrographischen Aehnlichkeit. Dem entsprechend möchte er den Aachener Grünsand der
Zone des Scaphites binodosus gleichstellen, also noch zum Untersenon im ScHLürer’schen Sinne ziehen, zu
den Schichten mit Imoceramus lobatus und Ostrea laciniata. Da der Aachener Grünsand unmittelbar von
den Mergeln mit Belemnitella mucronata überlagert wird, so würde eine Lücke entstehen, es würde die Zone
der Becksia Soekelandi fehlen, welche in Westfalen das Hauptlager des Actinocamax quadratus bildet.
SCHLÜTER! giebt als Aequivalent dieser Zone den „Gyrolithen-Grünsand“ an, und BöHnm betrachtet es als
wahrscheinlich, dass der Grünsand von Holset, der eine abweichende Fauna besitzen soll, in die Zone der
Becksia Soekelandi gehöre. Wie gesagt, gestatten die palaeontologischen Verhältnisse keinen directen Ver-
gleich des Aachener Sandes, mit einer oder mehreren der Zonen der westfälischen Quadratenkreide Man
kommt jedoch zu einem befriedigenden Resultat, wenn man von dem Grünsande ausgeht. Dieser führt
Actinocamax quadratus und wird von den Mucronatenschichten überlagert, er stellt daher sicher den oberen
Theil der Quadratenkreide dar. Es fragt sich nur, lässt sich der Grünsand in mehrere Abtheilungen
theilen, resp. entspricht er mehreren der westfälischen Zonen der Quadratenkreide. Börm sowohl wie
ScHLürter bejahen diese Frage, wie dies bereits früher Desey gethan hat. Bei genauer Prüfung der palae-
ontologischen und stratigraphischen Verhältnisse ist dieselbe jedoch unbedingt zu verneinen. Vor dem
Königsthor und am Lusberg besteht der Grünsand aus feinen, losen, glaukonitischen Sanden, in welchen
einzelne Sandsteinbänke eingeschaltet sind, die eine reiche Fauna einschliessen. Wollte man eine Grenze
ziehen, so könnte diese allein durch die Sandsteinbänke bezeichnet werden. Am Königsthor würden dann
die oberen, 5—6 m der losen, versteinerungsfreien Grünsande der Becksia Soekelandi-Zone, die petrographisch
von ihnen nicht zu unterscheidenden unteren Lagen einem tieferen Horizont angehören. Es würde also die
Grenze zwischen dem oberen und unteren Senon, wie sie von SCHLÜTER gezogen wird, mitten in den Grün-
sand fallen, in eine Zone, die sich überhaupt weder palaeontologisch noch petrographisch theilen lässt.
Weiter nach Westen, bei Gymnich, Terstraeten, Holset etc. treten in dem Grünsand Ge-
steine auf, die bei Aachen nicht vorkommen, die „Gyrolithen-Grünsande“ Deery’s. Es fragt sich nur,
nehmen diese einen anderen Horizont ein als die Grünsande von Aachen. An und für sich ist dies schon
! Spongitarienbänke etc., pag. 25.
nr
unwahrscheinlich, weil durch eine derartige Annahme bei Aachen an den Orten, an welchen ein vollständiges
Profil vorhanden ist, von dem Aachener Sand bis in die Mergei mit Feuersteinen eine Lücke supponirt würde,
und zwar eine beträchtliche, die ganze Zone der Becksia Soekelandi umfassende. Indessen gestatten auch
die palaeontologischen Verhältnisse eine solche Trennung nicht. Wenn J. Bönm aus dem Vorkommen eines
einzigen Exemplars einer Crassatella, welche von Orassatella arcacea Rom. abweicht, den Schluss auf eine
verschiedene Fauna ziehen will, und in Folge derselben den Grünsand von Holset in ein anderes Niveau
versetzen möchte, so ist das nur durch ein unzureichendes Material zu erklären. Es kann durchaus nicht
auffallen, wenn jede Localität einige Formen aufweist, welche einer anderen fehlen. Wollte man allemal
hierauf ein verschiedenes Alter begründen, so müssten die Muschelbänke vom Lusberg in eine andere Zone
versetzt werden, als die am Königsthor und im Aachener Wald. Die thonigen Grünsande von der Schafs-
kaul, von Gymnich, Terstraeten und Teuven besitzen eine ärmere Fauna, als die Grünsande von Aachen
und Vaals, und dazu kommen hin und wieder Formen vor, die an den letztgenannten Localitäten fehlen,
oder es finden sich z. B. an der Schafskaul einzige Formen recht häufig, die bei Aachen ungemein selten
sind, wie z. B. Natica acutimargo u. a. Es ist bereits früher erwähnt worden, dass die petrographischen
und palaeontologischen Verhältnisse des Grünsandes sich ändern, je weiter man nach Westen resp. Nord-
westen kommt, sich also von der alten Küste entfernt, und bei Sweyberg kommt Actinocamax quadratus,
wie Bönum selbst erwähnt (pag. 151), in glaukonitischen Mergeln vor. Auch im Maasthal bei Heure
le Romain liegen glaukonitische Mergel, in mergelige Grünsande übergehend, unter der Kreide ohne
Feuersteine.
Auf jeden Fall umfasst der Grünsand die Zone der Becksia Soekelandi, da von einer Lücke
keine Andeutung vorhanden ist. Da derselbe sich aber als ein nicht weiter zu gliederndes Ganze darstellt,
so muss er in seiner Gesammtheit als Aequivalent der Zone der Becksia Soekelandi betrachtet werden, da-
gegen nicht die mergeligen Grünsande von Gymnich allein. Gegen diese letztere Annahme spricht auch das
Vorkommen von Belemmitella mucronata, welche sich in einzelnen Exemplaren bei Gymnich, Terstraeten und
an der Schafskaul im Grünsand gefunden hat. Es wird dadurch angedeutet, dass diese, hoch im Grünsand
liegende Partie bereits einen Uebergang zu den Mucronaten-Mergeln darstellen, während die Zone der
Becksia Soekelandi in Westfalen das Hauptlager des Act. quadratus ist. Ferner kommt bei Aachen und Vaals
Scaphites hippocrepis DEKAY (Se. Cuvieri MorToN) vor, eine Form, die nach SchLüöter in Westfalen bisher
nur in der Zone der Decksia Soekelandi gefunden wurde‘. Dieses Vorkommen spricht sehr für die oben
angenommene Gleichstellung, wie auch das Fehlen von Inoceramus lobatus, auf welches besonders Gewicht
zu legen ist.
Wenn SchuLürer hervorhebt?, dass in der Zone der Becksia Soekelandi die für die tieferen Hori-
zonte charakteristischen Mollusken, Ostrea armata, O. laciniata, Liopistha uequivalwis, die grossen Trigonien
aus der Gruppe der Scabrae erloschen seien, so ist dies nur relativ richtig. Auf die Zone des Scaphites
binodosus folgen in Westfalen ausgesprochene Tiefseebildungen, welche durch ihre vorwiegend aus Hex-
actinelliden und Lithistiden bestehende Spongienfauna ausgezeichnet sind. Die Mollusken der Litoral-Zone
sind aber keineswegs ausgestorben, sondern nur ausgewandert. Im Aachen-Mastrichter Kreidebecken finden
i Schuürer, Palaeontographica, Bd. 24, pag. 163.
? Palaeontographica, Bd. 24, pag. 243.
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sich diese Formen z. Th. im den Mastrichter Schichten bei Kunraed wieder, wie Liopistha aequwivalvis, Tri-
gonien aus der Gruppe der Scabrae und einige andere, obwohl in den zwischenliegenden Mucronaten-Mergeln
keine Spur von ihnen gefunden wurde.
Ein solcher, obschon sehr in die Augen fallender Unterschied in dem Charakter der Faunen des
Aachener Grünsandes und der Decksia Soekelandi-Zone in Westfalen schliesst daher eine Gleichalterigkeit
der genannten Ablagerungen nicht aus, er beweist, dass die Vertiefung des Kreidemeeres in Westfalen nach
Ablagerung der Zone des Scaphites binodosus eine bedeutendere war, dass bei Aachen der Beginn der
Tiefseebildungen in eine etwas spätere Zeit fällt, und zusammenfällt mit dem Auftreten von Belemnitella
mucronata.
“Wird so der Grünsand in die Zone der Becksia Soekelandi gestellt, so hat man in dem Aachener
Sand einen Repräsentanten des gesammten Untersenons SCHLÜTER'S zu sehen, oder des oberen Theiles
desselben. $
Hierdurch wird die Grenze zwischen Obersenon und Untersenon im Sinne Schtürer’s eine auch
für ‘das Aachen-Mastrichter Kreidebecken erkennbare, und wenn diese Scheide auch nicht von solcher Be-
deutung ist, dass man nach ihr das ganze Senon in seine Hauptabschnitte zerlegen könnte, so ist sie doch
vorhanden, und natürlicher, als wenn man sie mitten in den untheilbaren Grünsand verlegen wollte.
Die Fauna des Aachener Sandes entspricht in ihren Elementen, bis auf die Actaeonellen und Ce-
phalopoden, der Fauna der. Scaphites binodosus-Zone. Die Actaeonellen fehlen in Westfalen, die Cephalo-
poden bei Aachen. Die petrographische Aehnlichkeit der Gesteine von Haltern und der hohen Mark mit
dem Aachener Sand, und das Auftreten von Crednerien mag die Annahme bestätigen, dass man im Aachener
Sand die Zone des Pecten muricatus mit vertreten hat.
Gänzlich ohne Anhalt dagegen ist man m der Frage, ob bei Aachen auch das älteste Glied des
Senon, die Zone des Marsupites ornatus vertreten ist. Lediglich aus allgemeinen Gründen glaube ich
indessen, dass bei Aachen das ganze Senon, in der Ausdehnung, wie es von den deutschen Geologen be-
grenzt wird, also exclusive der cor-testudinarium-Zone vertreten ist. Das Einsinken eines so bedeutenden
Landstriches, wie die Aachener Kreidebucht, bezeichnet wohl einen Hauptabschnitt innerhalb der Kreide-
periode in einem Gebiete, wie es der Nordrand des rheinisch-westfälischen Uebergangsgebirges dar-
stell. Und wenn weiter im Westen und Nordwesten in grösserer Entfernung von der Küste die Ent-
wickelung der Kreide eine stetige war, so dass die Grenze zwischen Senon und Turon an der englischen
und französischen Küste mitten in die echten Kreidegesteine gelegt werden muss, und nur palaeontologische
Befunde eine solche Hauptgrenze festzustellen erlauben, so liegen die Verhältnisse an der Küste, namentlich
dort, wo Fossilien fehlen, oder die vorhandenen keinen Anhalt geben, anders, dort wird man aus be-
deutenden Veränderungen in der Vertheilung von Land und Meer Schlüsse auf die Hauptabschnitte einer
Formation ziehen dürfen.
Von grossem Interesse ist ein Vergleich der Aachener Quadratenkreide mit den subhereynischen
Senonschichten. Nach den grundlegenden Arbeiten Beyzıc#'s sind mannigfache Abhandlungen erschienen,
welche dieses wichtige Gebiet theils zum Hauptgegenstand ihrer Betrachtungen haben, theils dasselbe in
Verbindung mit anderen Dingen besprechen. Die wichtigste derselben ist die Discussion über die Glie-
derung der westfälischen Kreide durch ScHLÜTER im Anschluss an die monographische Bearbeitung der
Cephalopoden der oberen deutschen Kreide, sowie die Besprechung über die Verbreitung der Inoceramen
eo,
(Palaeontographica, Bd. 26, pag. 207 fi. u. pag. 251 ff.). So vielfach aber auch über das subhereynische
Senongebiet geschrieben worden ist, so enthält die Literatur doch nur wenig Angaben über die Faunen
der einzelnen Schichten. Abgesehen von Beschreibungen einzelner Arten, die sich in Arbeiten über die
Kreideformation, namentlich älteren, zerstreut finden, sind nur die untersten Senonschichten der Quedlin-
burger Mulde durch Brauns‘ und des Sudmerberges durch F. A. Römer? palaeontologisch bearbeitet
worden. Die erstere dieser beiden Arbeiten enthält indessen viele irrthümliche Bestimmungen, die z. Th.
bereits durch GIEBEL rectifieirt worden sind.
Auch für die obersten Quadratenschichten des Harzrandes, die Ilsenburger Mergel existirt eine Zu-
stellung der Fauna von JAascHz ®, deren Angaben indess unzuverlässig sind.
Das Unter-Senon im subhereynen Kreidegebiet zeigt zwei verschiedene Ausbildungsweisen, indem
im westlichen Theile die „Sudmerberg-Facies“ vorherrscht, während in der Quedlinburger Mulde eine grosse
Mannigfaltigkeit der Ablagerungen beobachtet wird, und schliessen hier die sämmtlichen Etagen zahlreiche
Versteinerungen ein, die eine grosse Uebereinstimmung mit denen des Aachener Untersenon zeigen. Aus
diesem Grunde mag, obwohl meine Kenntniss der Fauna der einzelnen Ablagerungen am Harzrande eine
lückenhafte ist, eine etwas eingehendere Besprechung gerechtfertigt erscheinen. Vorauszuschicken ist, dass
die aufgeführten Listen nur die häufigen und besonders charakteristischen Formen enthalten, die mit einiger
Sicherheit bestimmt werden konnten. Vorwiegend sind es solche, die sich auch bei Aachen finden; wegen
der nicht sonderlich guten Erhaltung war eine Bestimmung der übrigen oft unmöglich.
Das unterste Glied der senonen Kreide, welche einen grossen Theil des Innern der Quedlinburger
Mulde erfüllt, sind die Salzbergschichten, glaukonitische Sandmergel, mit Einlagerungen von festen Mergel-
knollen. Auf dem Nordflügel erstrecken sie sich vom Salzberg bei Quedlinburg bis Langenstein, während
sie auf dem Südflügel nur an vereinzelten Stellen angetroffen wurden, so bei Kattenstaedt, östlich von
Blankenburg, und am Kirschberg westlich dieses Ortes.
Die häufigsten und wichtigsten Arten der reichen Faune sind:
Ostrea laciniata NıLss. Trigonocoelia galeata MürL. sp.
Pecten virgatus Nıuss. Cardium pectiniforme Mür.
Vola quadricostata Sow. Orassatella arcacea Ron.
Inoceramus lingua GLDF. Cyprimeria faba Sow.
Cueullaea subglabra D’ORB.
Unter diesen, sowie unter den sonst noch vorkommenden sind viele, die bei Aachen im Grünsand
liegen, zwei indessen gehören zu den Leitfossilien des Aachener Sandes, Inoceramus lingua (= lobatus),
sowie Cardium pectiniforme.
Ueber den Mergeln des Salzberges liegen an der Altenburg Quadersandsteine mit Einlagerungen
von Thonen, welche wie die Salzbergmergel nach Süden fallen. Diese Schichten haben die von Her be-
arbeitete Flora geliefert, die besonders Coniferen aufweist. Sequoia Reichenbachi HEErR, Geinitzia formosa
HEER, Ounninghamites squamosus HEER sind die wichtigsten derselben. Alle diese Formen finden sich in
i Die senonen Mergel des Salzberges bei Quedlinburg. Berlin 1376.
o
Die Quadratenkreide des Sudmerberges. Palaeontographica, Bd. 15, 1865.
® Die Gebirgsformationen der Grafschaft Wernigerode. Nordhausen 1863.
Palaeontographica. Bd. XXXIV. [
— 50 —
dem Aachener Sand wieder. Es sind das die Formen, welche Deszy ehemals als Cycadopsis aquis-
granensis etc. aufführte. Es ist also hier eine wichtige Uebereinstimmung zwischen dem Aachener Sand
und dem Quader der Altenburg vorhanden. Auch petrographische Aehnlichkeiten, sowohl der Sandsteine
als auch der Thone sind hervorzuheben, sowie eine auffällige Aehnlichkeit in der Erhaltungsweise der
Pflanzen !.
Südöstlich von der Altenburg, wo die Chaussee von Quedlinburg nach Suderode die Eisenbahn
schneidet, wurden vor 2 Jahren bei Anlage eines Brunnens neben dem Bahnwärterhause dunkle Thone mit
Kalkknollen aufgeschlossen, die eine reiche Fauna in vorzüglichem Erhaltungszustand einschliessen, welche
FrecH? bearbeitet hat. Diese Thone bilden die Fortsetzung der in den Quader der Altenburg eingelagerten,
Pflanzen führenden Thone, welche nach Osten hin an Mächtigkeit zunehmen, und statt der Pflanzen eine
brakische Fauna haben. Die geologisch wichtigsten Formen sind:
Turritella acanthophora MüLı.
Pyrenella Münsteri Kersr.
Cardium pectiniforme MüLt.
Die beiden erst genannten Arten sind durch ihre Häufigkeit besonders wichtig. Es sind das weitere
wesentliche Punkte der Uebereinstimmung zwischen den beiden genannten Ablagerungen, welcher auch
die Thatsache keinen Abbruch thut, dass im den Suderoder Thonen Arten vorkommen, die bei Aachen nur
in dem Grünsand gefunden werden. Man muss in dieser Hinsicht berücksichtigen, dass die Aachener untere
Fauna eine ärmliche, und daher die Bedeutung einzelner häufiger, nicht in höhere Schichten hinaufgehender
Arten eine grosse ist.
Auf dem Südflügel der Quedlinburger Senonmulde liegen über den Mergeln von Kattenstaedt die
steil aufgerichteten glasigen Quadersandsteine der Teufelsmauer, über denen am Nordabhang des Heidel-
berges durch mehrere Steinbrüche aufgeschlossen, Sandsteinbänke mit Zwischenlagen von roth und gelb-
gefärbten sandigen Letten lagern. Diese nach N fallenden Thonsandsteine enthalten in einzelnen Bänken
zahlreiche Versteinerungen aus dem Thier- und Pflanzenreiche, z. Th. als scharfe Abdrücke erhalten, und
daher wohl bestimmbar. Von den Pflanzen stimmen die trefflich erhaltenen Crednerien und Seguoia Reichen-
bachi Hzer mit den Formen des Aachener Sandes überein. Von thierischen Resten sah ich in der reichen
Sammlung des Herrn Rittmeisters v. Harmmveın in Blankenburg neben manchen anderen:
*Inoceramus Oripsii Mur. *Cardium pectiniforme MüL.
= ” lobatus Mnst. Mactra Bosquetiana Miu:
*Trigonia Vaalsiensis J. Bönn Tudicla Monheimi MiLı.
*Orassatella arcacea Rorn. Voluta Damesi Hzı.
*Tellina Renauxii Mara. Actaeonella Beyrichi DRESCHER
Tapes fragilis D’OR. *Pyrgorhynchus rostratus.
Von diesen sind die angesternten sicher im Aachener Sand vorhanden, und drei derselben, Ino-
ceramus lobatus, Cardium pectiniforme und Pyrgorhynchus rostratus auf diesen beschränkt. Es zeigen also
auch auf dem Südflügel der Quedlinburger Mulde die Quadersandsteine mit den Aachener Sanden eine
grosse Uebereinstimmung.
1 Auf diese macht mich Herr Geheimerath Schenk aufmerksam.
? Zeitschr. d. D. Geol. Ges. 1857. pag. 203 ft.
ln
Als Gegenflügel der Quadersandsteine von der Teufelsmauer und des Heidelberges sind die Schichten
des Regensteines aufzufassen. Dieselben liegen auf losen Sanden, und fallen nach S ein. Herr Prof. Damzs,
dem ich mich vollständig anschliesse, betrachtet die Regensteinschichten als den Gegenflügel der Heidelberg-
schichten, und die liegenden losen Sande als solchen des Teufelsmauer-Quaders, und bezeichnet erstere als
Crednerien-Quader. Ueber dem Regensteinquader liegen lose Sande mit eingelagerten Sandsteinbänken und
Knollen, mit kalkigem Bindemittel und reicher Fauna. Sie bilden den Plattenberg, eine Anhöhe zwischen
Blankenburg und dem Regenstein, der eben von den zahlreichen herumliegenden Sandsteinplatten seinen
Namen hat. Die wichtigsten Formen, die ich beobachtete, sind die folgenden:
Credneria Sp.
Ostrea laciniata Nıuss.
Pecten virgatus Nıuss.
Avicula caudigera Zur.
Tapes fragilis D’ORB.
Orassatella arcacea Ron.
Corbulamella striatula GLDF.
Mactra Bosquetiana SroL.
Inoceramus lobatus MNsıR. Turritella nodosa Rorn.
Septifer tegulatus MüL. n sexlineata Rorı.
Aporrhais vespertilio GLDF.
Volutoderma fenestrata Roru.
Actinocamax quadratus Buaınv.
Marsupites ornatus Mııı.
Trigonocoelia galeata MüLt.
Trigonia Vaalsiensis J. Bönm
Pectunculus sp.
Cardium pectiniforme.
Astarte similis Mxsık.
Auch hier haben wir wieder mehrere der für den Aachener Sand charakteristischen Formen, Avicula
caudigera, Inoceramus lobatus, Cardium pectiniforme, Oredneria, neben Arten des Grünsandes. Hervorzuheben
ist, dass eine ganze Anzahl Arten des Plattenberges im Aachener Grünsand fehlen, und dort durch andere
verwandte Arten ersetzt werden, so Aporrhais vespertilio durch A. stenoptera, Pectunculus sp. durch P. dux
ete. etc. Die betreffenden Formen sind an beiden Orten durch Häufigkeit ausgezeichnet, und zeigen so bei
der sonstigen Uebereinstimmung in dem Charakter der Fauna und der Gesteinsausbildung, dass die Platten-
bergschichten und der Aachener Grünsand ein verschiedenes Alter haben. Die Aequivalente der Plattenberg-
schichten sind noch im Aachener Sand vorhanden.
Am Bahnhof Blankenburg folgen graue Sandmergel mit Einlagerungen harter Mergelknollen, die
Heimburgmergel Ewarv’s, welche weiter nach Westen hin, bei Heimburg selbst, mehrfach aufgeschlossen
sind. Das Gestein hat viele Aehnlichkeit mit den Sandmergeln von Recklinghausen. Die Fauna enthält
neben vielen anderen folgende Arten:
Ostrea armata GLDF. Cyprimeria Geinitzii MüL.
Tellina strigata GLDF.
Tudicla Monheimi MüLL. sp.
Volutilithes subsemiplicata D’Orr.
Nautilus Neubergicus Rept.
Placenticeras syrtalis Morr.
» laciniata Nıuss.
Pecten virgatus Nıuss.
„. laminosus GLDF.
Vola quadricostata Sow.
Gervillia oblonga J. Bönn
Pinna decussata GLDF.
Qucullaea subglabra D’ORB.
5 Mülleri Hzı.
Orassatella arcacea Rorn.
Oytherea ovalis GLDF.
Scaphites binodosus Ron.
Actinocamax quadratus Br.
Hemivaster cf. ligeriensis D’ORB.
Oredneria integerrima ZENK.
NO
Unter diesen ist keine der für die unteren Sande bei Aachen charakteristischen Arten, sie kommen
dagegen sämmtlich im Grünsand vor, mit Ausnahme der Cephalopoden, die bei Aachen überhaupt fehlen.
Man könnte daher die Heimburger Mergel mit dem Grünsand von Aachen parallelisiren, also in die obere
Quadratenkreide versetzen, zumal auch Inoceramus lingua zu fehlen scheint, freilich auch Jnoceramus
Oripsii, der sonst noch bis in die Mucronatenschichten aufsteigt. Man gelangt indessen zu einem anderen
Resultat, wenn man die bereits betrachteten Schichten mit dem westfälischen Senon vergleicht. Hier gliedert
ScHLÜTER die untere Quadratenkreide in die 3 Zonen:
1) Sandmergel von Recklinghausen,
2) Quarzgesteine von Haltern,
3) Kalkige Mergel von Dülmen.
Am Harz folgen einander:
1) Glaukonitische Mergel vom Salzberg,
2) Quadersandstein und Plattenbergschichten,
3) Sandig-kalkige Mergel von Heimburg.
Es liegt nahe, bei übereinstimmender Ausbildungsweise der auf einander folgenden Schichten die
einzelnen Zonen einander gleich zu setzen. Eine Betrachtung der palaeontologischen Verhältnisse unter-
stützt diese Gleichstellung in wesentlichen Punkten. Aus der Zone von Dülmen führt SchLürer als
Leitformen unter anderen an: Nautilus Neubergicus ReoT., Scaphites binodosus Rom. und Micraster cf.
ligeriensis, die sich auch im Heimburger Gestein wiederfinden. Von diesen ist namentlich Scaphites binodosus
wichtig, nach dem ScHktürer die Zone von Dülmen benennt. Auch eine Reihe von Zweischalern und
Gasteropoden hat die Zone des Scaphites binodosus mit den Heimburg-Mergeln gemeinsam, doch haben
diese offenbar keine grosse Bedeutung, da sie meist in mehreren Abtheilungen vorkommen, und z. Th. durch
das ganze Senon hindurchgehen, während die drei genannten Arten aus höheren Schichten nicht bekannt
sind. Man darf daher wohl die Heimburger Mergel als ein Aequivalent der Zone von Dülmen betrachten,
wonach dieselben noch zur unteren Quadratenkreide gehören. Hieraus und aus den obigen Ausführungen
folgt, dass bei Aachen die Aequivalente der Heimburger Schichten noch mit in dem Aachener Sand stecken.
Es ist weiterhin die Frage zu erörtern, nach der genaueren Stellung der Plattenbergschichten, welche
unter den Heimburger Mergeln und über dem Quader des Regensteins liegen. Der Nordflügel der Quedlin-
burger Mulde bei Blankenburg hat folgendes Profil: ie
1) Salzbergmergel (bei Langenstein und Boerneke),
2) Lose Quarzsande,
3) Quader des Regensteines,
4) Plattenbergschichten,
5) Heimburgmergel.
Der Südflügel dagegen zeigt:
1) Salzbergmergel (bei Kattenstaedt),
2) Quader der Teufelsmauer,
3) Crednerienquader des Heidelberges.
Höhere Schichten sind hier nicht zu beobachten. Die Heimburgschichten am Bahnhof Blankenburg
zeigen durchgehends südliches Fallen, sie gehören daher dem Nordflügel an.
Petrographisch bilden die Plattenbergschichten einen Uebergang von den liegenden Sandsteinen
zu den höheren Sandmergeln, indem in vielen der Sandsteinplatten und Knollen ein so reichlicher
Kalkgehalt vorhanden ist, dass man den Blätterbruch des Kalkspathes deutlich beobachten kann.
Gegen die Ansicht, dass die Plattenbergschichten mit Marsupites ein selbständiges Glied in der
Serie der Senonablagerungen darstellen, spricht vor allem ihr beschränktes Vorkommen. Sie sind nur am
Plattenberge bekannt. Zudem fehlen, trotz der reichen Fauna, alle eigentlichen Leitversteinerungen, obschon
Marsupites in Westfalen einen bestimmten Horizont, den der Mergel von Recklinghausen einnimmt. Da
diese indessen das unterste Glied des Senon, d. h. der Belemnitellenkreide darstellen, am Harz aber unter
den Schichten mit Marsupites noch die mächtigen Quaderablagerungen, sowie die Salzbergmergel, als unzweifel-
hafte Senonschichten liegen, so ist eine Parallelisirung der Sandmergel von Recklinghausen mit den Plattenberg-
schichten ausgeschlossen, und dem Marsupites ornatus kommt daher der Rang eines Leitfossils für eine bestimmte
Zone des Untersenon nicht zu, sondern nur des Untersenon überhaupt, welche Möglichkeit übrigens bereits
SCHLÜTER ins Auge fasst. Durch Inoceramus lobatus sind die Plattenbergschichten mit dem liegenden Crednerien-
quader verknüpft, durch Placenticeras syrtalis mit den hangenden Heimburgschichten, doch ist diese letzte Form
bereits in den Salzbergmergeln vorhanden. Während aber die Schichten des Quaders ausgesprochene Strand-
bildungen darstellen, in welche vielfach brakische Schichten eingelagert sind, wie die Actaeonellen führenden
Lettenlagen am Heidelberg und die Thone mit Potamides, Pyrgulifera und Glaukonia bei Suderode, enthalten
die Schichten des Plattenberges eine rein marine Fauna, und stimmen in dieser Hinsicht mit den Heimburg-
mergeln überein. Es trat also nach Ablagerung des Quaders eine Aenderung in den physikalischen Eigenschaften
an den Ufern des senonen Kreidemeeres ein, und aus diesem Grunde erscheint es nothwendig, die Grenze
der Zonen über den Quader zu legen und nicht über die Plattenbergschichten, diese letzteren müssen viel-
mehr als locale Ausbildung eines Theiles der Heimburgschichten betrachtet werden.
Die Crednerienquader des Heidelberges und Regensteines würden so zu Aequivalenten der Zone von
Haltern, was auch den palaeontologischen Befunden nicht widerspricht. Ob die glasigen Quader der Teufels-
mauer und die losen Sande im Liegenden des Regensteines sich von dem Crednerienquader trennen lassen,
vermag ich nicht anzugeben, da palaeontologische Anhalte fehlen. Vorläufig scheint mir eine Stellung der-
selben in einem anderen Niveau nicht begründet, und sehe ich dieselben gleichfalls als zu den Aequivalenten
der Zone von Haltern gehörig an, zumal auf dem Nordflügel bei Quedlinburg eine gleiche Gliederung nicht
beobachtet wird. Hiernach werden die Salzbergmergel zu Aequivalenten der Zone von Recklinghausen, ob-
wohl sich dies lediglich aus Lagerungsverhältnissen ergibt, und z. Z. nicht palaeontologisch begründet
werden kann, da die wenigen Arten der betreffenden Schichten in Westfalen, welche SchLürer anführt,
sämmtlich eine ‚grössere verticale Verbreitung haben, auch Marsupites.
Nach dieser Auffassung würden in der Quedlinburger Mulde nicht nur die Quader, sondern auch
deren Liegendes und Hangendes als Aequivalente des Aachener Sandes zu betrachten sein.
Bei Goslar folgen über den oberturonen Plänern mit Inoceramus Cuvieri am Petersberge blaugraue,
an der Luft zerfallende Thonmergel, mit sehr spärlichen und unbestimmbaren Fossilresten, und über diesen
sandigmergelige Gesteine mit Spongien. Diese bilden auch die Basis des Sudmerberges, und auf ihnen
liest das eigentliche Sudmerberggestein. SCHLÜTER (l. c. pag. 298) hält die spongienreichen Schichten
ee
sammt den Thonmergeln für Aequivalente seines Emscher, so dass die höheren Kalkconglomerate dem Unter-
senon angehören würden, was durch das Vorkommen von Inoceramus Cripsii bestätigt wird.
Bei Vienenburg treten nun in höherem Niveau kalkig-mergelige Gesteine auf, aus denen ScHLürer !
Scaphites hippocrepis Dexay beschreibt, eine-Form, die in Westfalen der Becksia Soekelandi-Zone angehört.
Nach Osten hin, am Butterberge bei Harzburg wechsellagern die Kalkconglomerate mit mergeligen Gesteinen,
und bei Wernigerode am Galgenberge liegen über denselben die Ilseburgmergel. Noch weiter östlich, bei
Heimburg finden sich in den Heimburgmergeln einzelne Bänke von Kalkconglomerat eingelagert. Aus diesen
Thatsachen geht hervor, dass das Sudmerberggestein beim Vorschreiten nach Osten allmählich durch andere
Gesteine verdrängt wird, und dass es nicht nur die unteren, über dem Emscher liegenden Partien des Senon,
sondern, das ganze unter den Ilseburgmergeln liegende Untersenon repräsentirt, also ein Aequivalent der
mannigfachen untersenonen Schichtenreihe der Quedlinburger Mulde darstellt.
Die Ilseburgmergel liegen bei Heimburg über den Heimburggesteinen und erreichen weiter westlich
eine grosse Ausdehnung. Sie führen Actinocamazx: quadratus, sind daher Untersenon. Die übrige Fauna ist
indessen noch wenig bekannt, da die Aufstellung bei JascHhe gründlicher Revision bedarf. Nach den
Lagerungsverhältnissen würden sie der oberen Quadratenkreide angehören, der Zone der Becksia Soekelandi
und dem Aachener Grünsand entsprechen.
Bezüglich der Parallelisirung der Aachener Quadratenschichten mit den Ablagerungen der übrigen
Kreidegebiete Deutschlands habe ich meine Ansicht bereits an einem anderen Orte ausgesprochen? Nach
diesen Ausführungen halte ich für Aequivalente des Aachener Sandes die senonen Quader der Löwenberger
Mulde, die Chlomeker Schichten Böhmens und deren Aequivalente im Elbsandsteingebirge, während die Sand-
steine von Kieslingswalde wahrscheinlich die gesammte Quadratenkreide repräsentiren.
Nach Ablagerung des Grünsandes fand bei Aachen die bedeutende Senkung statt, und im wesentlich ver-
tieften Meere lagerten sich die Kreidemergel mit Belemnitella mucronata ab, welche man in zwei Zonen zu theilen
hat, von denen die obere Feuersteine und Hornsteine einschliesst, während dieselben der unteren Abtheilung
fehlen. Schwürer lest in Westfalen die Grenze zwischen Ober- und Untersenon, zwischen die Zonen des
Inoceramus lobatus und der Becksia Soekelandi, und rechnet so abweichend von der üblichen Gliederung
einen Theil der Quadratenschichten zum Obersenon. Diese Eintheilung wird dadurch begründet, dass in
Westfalen bereits Coeloptychien mit Actinocamax quadratus vorkommen. Auf das Aachen - Mastrichter
Kreidebecken lässt diese Eintheilung sich nicht gut anwenden. Hier liegt unzweifelhaft der Hauptabschnitt
zwischen der Quadraten- und Mucronatenkreide, so dass man zweckmässig hierher die Grenze zwischen Ober-
und Untersenon verlegt, und dies um so mehr, als mit dem Auftreten der Belemnitella mucronata in vielen
anderen Kreideterritorien Europas bedeutende Umwälzungen verknüpft sind. In Schlesien, Sachsen, Böhmen °
und am Harzrande sind Aequivalente der Quadratenschichten vorhanden, Mucronatenschichten dagegen fehlen.
Das Meer trat demnach beim Erscheinen der Belemnitella mucronata aus diesen weiten Gebieten zurück,
' Palaeontographica, Bd. 24, pag. 163.
? Zeitsch. d. D. Geol. Ges. 1835. pag. 595.
® Fritsch nimmt zwar an, dass alle Schichten der böhmischen Kreide älter seien, als Actinocamax quadratus (Iser-
schichten, pag. 6), doch möchte ich mit SchLornsacH die Chlomeker Schichten (ebenso wie dies für die Kieslingswalder Sand-
steine allgemein angenommen wird) und die Teplitzer Schichten als der Quadratenkreide angehörig betrachten. Vel. Zeitsch. d.
D. Geol. Ges. 1885. pag. 606.
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ebenso wie nach H£serr’s freilich vielfach bestrittener Ansicht im südwestlichen Frankreich Aequivalente der
Kreide mit Belemnitella mucronata fehlen. Es scheint daher zwischen der Quadraten- und Mucronaten-
kreide ein bedeutungsvollerer Abschnitt in der Entwickelung des Senon vorhanden zu sein, als zwischen dem
Ober- und Untersenon im Sinne Schuörer’s, und daher dürfte auch die alte Srromseer’sche Gliederung
zweckmässiger sein als die SchLürer’sche.
In Westfalen gliedert SchLürer die Mucronatenkreide in zwei Zonen, deren untere durch Ammonites
Ooesfeldensis, Micraster glyphus und Lepidospongia rugosa charakterisirt wird, während die obere Hetero-
ceras polyplocum, Ammonites Wittekindi und Scaphites pulcherrimus als Leitformen enthält. Von diesen
kommt nur Micraster glyphus in dem Aachen-Mastrichter Kreidebecken vor.
Da aber die unter dem Danien liegenden Mucronatenschichten sich in dem ganzen Gebiete scharf
in zwei auch palaeontologisch charakterisirte Zonen gliedern lassen, so liegt es nahe, dieselben mit den
betreffenden westfälischen Zonen zu parallelisiren.
Von den Versteinerungen, welche SCHLÜTER (l. c. pag. 125) aus den unteren Mucronatenschichten
aufführt, kommen die folgenden Arten bei Aachen ebenfalls nur in den unteren Kreidemergeln, welche
keine Feuersteine führen, vor:
Diplotagma altum ScuLür. Pecten cretosus DErR.
Micraster glyphus ScaLür. Lima granulata Nırss.
Ostrea vesiceularis Lan. Pholadomya decussata GLDF. Sp.
Monopleura costulata Müuı.?
Also eine beträchtliche Zahl der Arten ist auch für die untere Zone bei Aachen charakteristisch.
Nun lässt bei Aachen diese untere Abtheilung der Mucronatenschichten wiederum eine Zweitheilung
zu, welche petrographisch und palaeontologisch begründet ist. Die unteren, keine Schichtung zeigenden
Mergel sind durch ihre zahlreichen Foraminiferen, sowie ihre kleinen Brachiopoden ausgezeichnet. In dieser
Zone kommt wesentlich die Terebratulina Gisei v. Has. vor, welche als Leitfossil dienen kann. Die oberen
geschichteten Mergel sind durch grosse Exemplare von Ostrea vesicularis Lam., sowie durch Scaphites tridens
ausgezeichnet, welche beide sich nicht in den tieferen Lagen finden.
Es stimmt eine solche Trennung mit den westfälischen Verhältnissen überein, da Schtürer (pag. 247)
ausdrücklich hervorhebt, dass namentlich unter den Cephalopoden der unteren Mucronatenschichten eine
Anzahl nur in der oberen Abtheilung dieser Zone gefunden werde, welche man vielleicht als mittlere Mu-
eronatenschichten abtrennen könne. Leider kommt von diesen Cephalopoden keiner bei Aachen vor, und
umgekehrt fehlt die einzige Aachener Form, Scaphites tridens, dem westfälischen Obersenon, kommt dagegen
bei Lüneburg vor in Schichten, deren Stellung SCHLÜTER unentschieden lässt, und sie mit den Aachener
Schichten vergleicht. Man könnte hiernach die betreffenden Schichten von Lüneburg den unteren Mucronaten-
schichten zutheilen. i
Mit der Zone des Heteroceras polyplocum beginnt in Westfalen bereits eine deutlich bemerkbare
Facies-Aenderung. Wenn auch Hexactinelliden in den oberen Mucronatenschichten noch häufig vorkommen,
U — „alles spricht dafür, dass die letzte dieser Schichten (der Kreide Aquitaniens) bereits abgelagert war, als Belem-
nitelle mucronata in Europa erschien“. Bul. Soc. g£ol., Ser. III, Vol. V, pag. 9.
? — (hama Moritzi Stroms. Zeitsch. d. D. Geol. Ges. 1863. page. 156.
u
so treten andrerseits zahlreiche Lamellibranchiaten und Glossophoren auf, die sonst einer typischen Kreide-
fauna fremd sind. Eine Anzahl Pflanzenreste, z. Th. dikotyledonische Laubhölzer, weist auf die nicht ent-
fernte Küste hin, so dass sich ein Rückzug des Meeres bemerklich macht.
Etwas anders liegen die Verhältnisse bei Aachen. In den oberen Mucronatenschichten, den Kreide-
mergeln mit Feuersteinen treten zwar ebenfalls eine Anzahl derartiger Formen auf, die auch in den Mergeln
ohne Feuersteine nicht ganz fehlen, sie spielen jedoch nur eine untergeordnete Rolle und Echinodermen
und Brachiopoden sind die vorwiegenden Versteinerungen.
Da in Westfalen und in Norddeutschland die in unserer Gegend über den Mergeln mit Feuersteinen
liegenden Schichten des Danien fehlen, so hat man bei dem Mangel an Uebereinstimmung in den Leit-
versteinerungen keinen sicheren Anhalt, ob die beiden Abtheilungen des Aachen-Mastrichter Obersenon den
beiden Zonen des westfälischen Obersenon entsprechen, wenn diese Annahme auch viel Wahrschemlichkeit
für sich hat. Man hätte dann in den Kreidemergeln mit Feuersteinen ein Aequivalent der Zone des Hetero-
ceras polyplocum zu Sehen. i
Es stimmt so die Gliederung des Aachen-Mastrichter Senon genügend mit der des westfälischen
Senon überein, wenn auch bei der oft nur geringen palaeontologischen Uebereinstimmung eine Parallelisirung
auf beträchtliche Schwierigkeiten stösst.
Die Fauna der Aachener Kreide.
Die Erhaltungsweise der Versteinerungen.
Die Fossilien der Aachener Kreide zeigen manche bemerkenswerthe Eigenthümlichkeiten in ihrer
Erhaltung, welche bedingt sind durch die Beschaffenheit der Gesteine und die Natur der organischen Reste,
und zeigt sich ein ganz auffälliger Unterschied zwischen kalkspath- und aragonitschaligen * Mollusken, der-
art, dass erstere weit erhaltungsfähiger sind als letztere.
In den losen sandigen Ablagerungen sind die Schalen meistens aufgelöst, oder in eine mehlartige
Masse verwandelt, welche bei der leisesten Berührung zerfällt, mit sammt dem aus losem Sande bestehenden
Steinkerne. Nur an einer Stelle im Aachener Wald, unmittelbar an der Lütticher Landstrasse, kommen im
losen Grünsand treftlich erhaltene Fossilien vor, indessen finden sie sich hier neben massenhaften Foramini-
feren fast nur kleine Austern und Anomien. Anscheinend ist hier der Sand durch eine darüber liegende,
undurchlässige Schicht vor Sickerwassern geschützt, da er auch in der nassen Jahreszeit verhältnissmässig
trocken erscheint.
An manchen Stellen finden sich im losen Grünsand Concretionen von Markasit, die oberflächlich in
Limonit umgewandelt sind, und auf schmalen Kluftflächen feine Lamellen von Gyps zeigen. Mit diesen zu-
sammen finden sich in Limonit umgewandelte Molluskenschalen. Dieselben bestanden ehemals auch aus
! Die Substanz der meisten Molluskenschalen ist nach den neueren Untersuchungen GüuserL’s kein Aragonit, die be-
treffende Bezeichnung ist indessen hier beibehalten worden, hauptsächlich der Kürze halber, da bisher die Untersuchungen
Günzer’s vorwiegend negative Resultate ergeben haben.
en
Markasit oder Pyrit. Bei der Umwandlung hat der Brauneisenstein zahlreiche Sandkörner an der Oberfläche
der Schale verkittet, so dass alle Seulptur verloren und meist nur die allgemeine Form zu erkennen ist.
Desey fand die so erhaltenen Fossilien im Aachener Wald, an den Abhängen von Hügeln, die aus
Aachener Sand bestehen, und leitet sie demgemäss aus diesen unteren Schichten des Aachener Senon her.
Nach einer Mittheilung des Herrn J. BeEıssen, fanden sich diese Sachen im Abhangsschutt, zweifellos auf
secundärer Lagerstätte. Da ich diese Versteinerungen auch niemals im Aachener Sand, wohl aber an
mehreren Stellen im Grünsand, namentlich in einem Hohlwege südlich des „Blockhauses“ fand, so glaube
ich, dass auch die von Deszry gesammelten Exemplare ursprünglich dieser Etage angehörten.
In den Sandsteinen des Grünsandes und des Aachener Sandes sind in den meisten Fällen die Ara-
gonitschalen als Steinkern und Abdruck erhalten, die Arten mit Kalkspathschalen, besonders Ostreiden und
Pectiniden, haben dagegen meist noch ihre mehr oder weniger veränderte Schale. Die grösseren Austern
zeigen meistens Kieselringe, und sind oft in eine fast schwarze Kieselmasse verwandelt.
Sehr häufig beobachtet man, dass die Hohlräume, welche ehemals von den Molluskenschalen einge-
nommen waren, später mit einer neuen Mineralsubstanz ausgefüllt worden sind. Am Lusberg ist stellen-
weise die muschelführende Sandsteinschicht ganz mit weingelbem bis bernsteinfarbigem Kalkspath durch-
wachsen, welcher auch Pseudomorphosen nach den Molluskenschalen bildet, und zwar stets derart, dass jede
Schale einem Kalkspathindividuum entspricht, wie es für die fossilen Echinodermen die Regel ist. Diese
Erhaltungsweise ist eine recht günstige, da die Sculpturen scharf und deutlich sind. Der Kalkspath ent
stammt wohl den über dem Grünsand liegenden Mucronatenmergeln. Die Austern- und Peeten-Arten sind
indessen in dieser Schicht stets mit ihrer ursprünglichen blättrigen Schale erhalten. — Am Königsthor
sind in den Sandsteinen die Hohlräume, welche ehemals die Schalen einnahmen, mit einer dunkelbraunen,
eisenreichen Kieselmasse ausgefüllt, besonders die der grossen Formen, Pectunculus dux, Cueullaea sub-
glabra, Turritella nodosa ete. Auch diese Erhaltungsweise ist eine günstige, namentlich wenn die Ausfüllung
eine vollständige ist, was freilich nicht immer zutrifft.
Die trefflichste Erhaltung zeigen die Versteinerungen, welche sich in losen Grünsandblöcken finden,
die auf secundärer Lagerstätte im Aachener Wald vorkommen. In diesen ist die Zersetzung des Glau-
konites weit vorgeschritten, meist findet man statt desselben Körnchen eines porösen Brauneisensteins, die
Kieselsäure ist fortgeführt und hat die Hohlräume im Gestein ausgefüllt. Diese Kieselschalen sind von
licht graugelber Farbe, und zeigen im Innern oft Drusen von Quarzkrystallen. Es liegt indessen nur eine
beschränkte Zahl in dieser Weise erhaltener Versteinerungen vor.
Als Ausfüllungspseudomorphosen von Kieselsäure müssen auch die Sachen aus dem mergeligen Grün-
sand von Gymnich und Terstraeten betrachtet werden. Die Ausfüllung ist nur selten eine vollständige, es
sind in der Regel nur die nach unten liegenden Theile, bei den Zweischalern z. B. die Ränder und das
Schloss verkieselt, die oberen Theile sind meist als Steinkerne erhalten. Von eimer Zersetzung des Glau-
konites ist in diesem Falle nichts zu bemerken, und zeigt namentlich das Gestein von Terstraeten einen
reichlich vorhandenen lebhaft grünen Glaukonit. Dagegen enthält das Cement dieser Grünsande beträcht-
liche Mengen von Kieselsäure.
Am eigenthümlichsten ist die Erhaltung der Fossilien an dem Fundorte am protestantischen Kirch-
hofe zu Vaals. Die Fossilien liegen in ziemlich losen knolligen Sandconcretionen, aus denen sie am besten
durch Waschen und Bürsten herauszuarbeiten sind. Die Aragonitschalen sind in eine dunkelgraue Feuerstein-
Palaeontographica. Bd. XXXIV. 3
Re
masse verwandelt, welche bis 98° SiO, enthält. Bei den grossen Arten, den Cyprinen und Cucullaeen
namentlich, fehlt oft ein Theil der Schale, meist der Wirbel oder ein Theil des Randes oder Schlosses.
Der Rand nach dem fehlenden Stück ist hohlkehlenartig und rauh, die Schale ist daher nicht als zerbrochen
anzusehen. Von einer Struktur der Schale ist nichts mehr vorhanden. Die gröbere Skulptur ist meistens
gut erhalten, die feineren Details sind dagegen vielfach undeutlich und verwischt, und nicht so gut wie bei
den Kalkspathpseudomorphosen des Lusberges; sie ist am undeutlichsten in den festesten, mit reichlicherem
Bindemittel versehenen Concretionen, in manchen aus schwach cementirten Sandkörnern bestehenden Partien
ist sie schärfer. Viele Exemplare sind verdrückt, oft nur an einer Stelle, und zuweilen sind die Schalen
ohne dass man einen Bruch bemerken kann. Gewöhnlich sind die Spitzen der Gasteropoden mit der gleichen
Kieselmasse ausgefüllt, und dieser Kieselsteinkern ist mit der Schale fest verwachsen, so dass eine Grenze
beider nicht zu sehen ist. Oft ist auch die Spitze nur als Steinkern erhalten, während vorne nur die ver-
kieselte Schale vorhanden ist. Häufig erscheint die Oberfläche feinkörnig rauh, in anderen Fällen glatt und
glänzend, bei Eulima-.z.. B. ist noch deutlich der Schmelzüberzug der Schale zu sehen.
Wesentlich abweichend hiervon sind die kalkspathschaligen Mollusken erhalten. Die Austern kommen
nicht selten als Steinkerne mit einem mehr oder weniger dünnen Kieselüberzug vor, der meist am Wirbel
verdickt ist. In anderen Fällen sind die inneren Schalenlagen und nur selten die ganzen Schalen erhalten.
Dieselben sind dann wie die übrigen Versteinerungen verkieselt, unterscheiden sich aber wesentlich dadurch,
dass die blättrige Textur der Schale erhalten ist, und dass die Kieselmasse weissgrau und opak ist.
Eine Erklärung dieser Verkieselungen zu geben ist nicht leicht. Das Vorkommen von Kieselstein-
kernen zeigt, dass die Ausscheidung der Kieselsäure bereits begann, als die ursprüngliche Schale noch vor-
handen war. Die Concretionen, in denen die Fossjlien liegen, sind mit meist einaxigen Kieselnadeln voll-
ständig durchspickt, das Bindemittel ist ein kieseliges. Sie verdanken, wie die Feuersteine der Kreide,
ihre Entstehung Organismen, wahrscheinlich Spongien, welche durch ihre organische Substanz die Kiesel-
säure fällten. Die Concretionen sind daher auch wie die Feuersteine gleichalterig mit dem umgebenden
Gestein. Diese Umstände würden dazu führen, in den Verkieselungen Verdrängungspseudomorphosen
zu sehen, wozu auch die Beschaffenheit der Ränder nach fehlenden Theilen bei den dickschaligen grossen
Formen passen würde. Es ist jedoch auffällig, dass bei den Aragonitschalen alle Struktur verloren ist.
Aehnlich liegen die Verhältnisse am Salvatorberge, wo im losen Aachener Sand durch Kieselsäure
lose cementirte, mit Kieselnadeln durchspickte Sandconcretionen liegen, welche verkieselte Molluskenschalen
einschliessen. Feuersteinconcretionen finden sich hier ebensowenig wie bei Vaals.
In den Kreidemergeln zeigen die Versteinerungen die für solche Gesteine gewöhnliche Erhaltung.
Die Kalkspathschalen sind erhalten, und zeigen oft Kieselringe, die aragonitschaligen Mollusken sind dagegen
stets als Steinkern, und zwar als Skulpturensteinkern erhalten.
Beschreibung der Arten.
Bezüglich der Benennung der Arten bemerke ich, dass nur solche Namen angenommen worden sind,
welche sich auf erkennbare Abbildungen beziehen. Listennamen, wie sie sich zahlreich in den ver-
schiedenen Verzeichnissen von BosQUET, HönıneHAUs etc. finden, sind daher ausgeschlossen, und höchstens
fraglich unter die Synonyme gestellt worden. Aus dem gleichen Grunde sind auch die Namen, welche
VON SCHLOTHEIM in seiner Petrefaktenkunde aufstellte, nicht berücksichtigt, sofern nicht ein späterer Autor
dieselben durch eine erkennbare Abbildung des näheren erläutert hat. Entgegen der Ansicht des Herrn
Damzs' ist daher z. B. in Folgendem die vielbesprochene Rostellaria papilionaces GLDF. als Aporrhais
Schlotheimii Roem. beschrieben worden und nicht als Ap. papilionata v. Schu. sp., da A. RoEMER der erste
war, welcher diese Art erkenntlich unter dem angegebenen Namen abbildete.
Unter die Synonyme sind die Namen aus den Listen von MOURLoN und UpasHs nicht aufgenommen,
da dieselben nur wenig veränderte Abdrücke des bei DEwALquE veröffentlichten Verzeichnisses von BosQuET
sind. Des Letzteren Liste aus Staring ist ebenfalls nur ausnahmsweise eitirt, sie stimmt im wesentlichen
mit der revidirten Liste aus dem Prodrome überein.
I. Classe: Cephalopoda.
I. Ordn.: Dibranchiata.
Familie: Belemnitidae.
Genus: Actinocamax Mırn.
Actinocamax quadratus Bramv.
1876. Actinocamax quadratus Schuür., Palaeontogr. Bd. 26, pag. 197. Taf. 53 Fig. 20—25, Taf. 54 Fig. 1—4. cum Syn.
Diese allgemein bekannte, und zuletzt von ScHLÜürTErR eingehend beschriebene Art kommt fast allent-
halben im Grünsand vor, wenn auch im Allgemeinen selten. Nur von Vaals kenne ich sie nicht. Am Lus-
berg fand ich in einem Grünsandblock etwa ein Dutzend Exemplare, darunter eins mit theilweise erhaltenem
{ Zeitschr. d. D. Geol. Ges. 1885. pag. 883.
ee
Phragmokon. Ein anderes der in dem recht festen Kalksandstein liegenden Stücke zeigt den scharfen
Rand der Alveole. Oberhalb desselben ist ein eylindrischer Hohlabdruck in dem Gestein, welcher genau
den Durchmesser des Belemniten und eine Länge von 17 mm hat, und die Fortsetzung der Scheide
bildet. Der obere Rand dieses Abdruckes ist flach ausgebuchtet, ähnlich wie es SchLürzer bei dem ver-
drückten Phragmokon (Taf. 54 Fig. 1) zeichnet. Denkt man sich diesen Phragmokon bei ScHLürTER
in seiner ursprünglichen kegelförmigen Gestalt, so wird der Durchmesser desselben wesentlich geringer, als
der der Scheide am oberen Ende, während bei dem vorliegenden Aachener Stücke der Phragmokon (denn
als der Abdruck eines solchen ist der erwähnte Hohlraum nur zu deuten), gleich über dem oberen
Rande der Scheide den gleichen Durchmesser wie diese hat, und von hier nach oben nahezu cylin-
drisch verläuft.
DewaAngue führt im Prodrome (pag. 178) Actinocamazx quadratus als häufig in Mastrichtien von Jauche
an, eine Angabe, die wohl auf irgend einer Verwechselung beruht, sei es der Art oder der Schichten.
Genus: Belemnitella.
Belemnitella mucronata v. Schr.
1876. Belemnitella mucronata SCHLüteR, Palaeontogr. Bd. 26, pag. 200. Taf. 53 Fig. 1—2. cum Syn.
Diese Art zeigt sich bereits als Seltenheit in den obersten Grünsandschichten, zusammen mit
Actinocamax quadratus. So fand ich beide Arten zusammen in den thonigen Grünsanden des Schafskaul am
Preusberg, sowie in der Wolfsgracht im Gymnicher Loch. Auch bei Terstraeten kommen beide Arten zu-
sammen vor, wie aus Belegstücken der Brısser’schen Sammlung hervorgeht. In den nach ihr benannten
Schichten ist Belemnitella mucronata allenthalben vorhanden, in unmittelbarer Nähe von Aachen, jedoch
nicht häufig. Bei Vaals am Schneeberg begegnet man ihr ziemlich häufig, massenhaft findet sie sich in der
Umgegend von Gülpen, namentlich bei Slenacken. In den losen Hornsteinen des Aachener Waldes findet
sie sich als Abdruck und Steinkern, sie steigt auch in die Mastrichter Schichten auf, bis an deren obere
Grenze, und ist in diesen allenthalben nicht selten.
I. Ordn.: Tetrabranchiata.
A. Ammonoidea
Wie zu erwarten, treten in den unteren sandigen, in der unmittelbaren Nähe der Küsten abge-
lagerten Quadratenschichten die Ammoneen sehr zurück. Der Aachener Sand hat bisher überhaupt noch
keinen Cephalopoden geliefert, der Grünsand ausser Actinocamazx quadratus nur 2 Scaphiten und mangel-
hafte Bruchstücke von Hamiten und Baculiten. Eigentliche Ammoniten sind in den Aachener Quadraten-
schichten überhaupt erst in etwa 3 oder 4, ungenügend erhaltenen Stücken gefunden worden, welche eine
Bestimmung kaum zulassen. Ein Bruchstück eines Ammoniten aus dem mergeligen Grünsand von Gymnich
erinnert in der Vertheilung der Rippen etwas an Pachydiscus Dolbergensis Schür. (Palaeontogr. Bd. 24,
pag. 149. Taf. 44 Fig. 1—4). Dasselbe befindet sich in Herrn Berssen’s Sammlung.
ee
BinkHorst’s Ammonites colligatust, ebenfalls der Gattung Pachydisceus Zırr. angehörig, kommt als
Seltenheit bereits im Grünsand vor. Das von Bısk#oxst Taf. 7 Fig. 1 abgebildete Bruchstück eines grossen
Individuums 'stammt aus dem Grünsand (craie silicieuse glauconifere BrskHorsr's) von Slenaken bei Gülpen,
und wurde seiner Zeit von Herrn UsAcHs gefunden, in dessen Sammlung sich noch ein kleineres Bruch-
stück desselben Exemplars befindet.
In einer Thongalle des Grünsandes am protestantischen Kirchhofe zu Vaals fand sich das Taf. V
Fig. 9 abgebildete Stück eines kleinen, vielleicht der Gattung Schloenbachia angehörigen Ammoniten. Der-
selbe zeichnet sich durch geringe Involubilität aus. Die ersten 21» Umgänge sind vollständig glatt, die
folgenden tragen scharfe, etwas schräge Rippen, welche sich dicht an der Externseite verdoppeln, so dass
die folgende Windung diese gespaltene Rippen vollständig verhüllt. Auf der Externseite befindet sich ein
sehr schmaler, ungetheilter Kiel, welcher bei der ungünstigen Erhaltung nur an einer Stelle wahrnehmbar
ist. Die Lobenlinie ist unbekannt.
Die Art ist nicht benannt worden, weil sie nach dem betreffenden Stück nicht genügend charak-
terisirt werden kann. Wahrscheinlich gehören zu derselben Art eine Anzahl kleiner, aus 2 bis 3 Um-
gängen bestehender glatter Kieselschalen von der gleichen Localität, welche ich anfangs für Serpulen
hielt, bis bei einigen derselben eine Kammerung beobachtet werden konnte. Es scheinen die ersten
glatten Umgänge der abgebildeten Art zu sein, welche übrigens einige Aehnlichkeit mit Ammonites Neptuni
Gesetz? aus dem Scaphiten-Pläner hat, namentlicn mit den kleinen, von Schnürer Taf. S Fig. 6—9 abge-
bildeten Stücken. i
Das Original zu der Abbildung Taf. V Fig. 9 befindet sich m der Sammlung der technischen
Hochschule. £
In den Schichten der Aachen-Limburger Mucronatenkreide smd Ammoniten überhaupt noch nicht
gefunden worden. C. UBacns citirt aus der Weissen Kreide von Heure le Romain, zwischen Mastricht und
Lüttich, emen Ammoniten. Es ist dies ein abgerolltes Stück, welches augenscheinlich bereits als Ver-
steinerung in die betreffenden Schichten eingebettet worden ist, und irgend einer älteren Kreideablagerung
entstammen mag.
Genus: Scaphites Park.
1. Scaphites aquisgranensis ScHLür.
araVertlio92:
1868. Scaphites compressus Bosqv. bei Drw., pag. 405.
1876. n aquisgramensis Scutür., Palaeontogr. Bd. 21, pag. 81. Taf. 24 Fig. 7—9.
Das kleine flache Gehäuse hat einen eng genabelten spiralen Theil, ein ziemlich langgestrecktes
Mittelstück, und einen grossen, hakenförmig aufgebogenen Theil. Die Skulptur des spiralen Theiles besteht
ı Monographie des Gasteropodes et Cephalopodes de la craie sup6erieure du Limbourg. III. page. 25. Taf. 6 Fig. 3,
Taf. 7 Fig.1, 2, Taf. 8 Fig. 1—5, Taf. Sa Fig. 1-3, Taf. Sb Fig. 3.
? Palaeontographica. Bd. 21, pag. 56. Taf. 11 Fig. 1—9.
® Description geologique et pal&eontologique du Sol de Limbourg. pag. 129.
aus abwechselnden längeren und kürzeren Radialrippen, welche in gleicher Stärke über die Externseite hin-
wegsetzen. Das gestreckte Mittelstück ist ungerippt, dagegen bilden sich hier zu beiden Seiten der flach-
gewölbten Aussenseite hohe zahnartige Knoten aus, welche nach der Mündung zu wieder schwächer werden.
Es sind deren 8—12 auf jeder Seite vorhanden. Auf der Aussenseite des aufgebogenen Theiles der Röhre
stellen sich wieder schmale, gleich starke Rippen ein. Neben der Nahtkante stehen hier 3—4 zahnartige
Knoten. Die Mündung ist oval oder gerundet vierseitig, mit einer schmalen Einschnürung. Der zahnartige
Fortsatz auf der Innenseite ist bei allen untersuchten Exemplaren abgebrochen. Die Lobenlinie ist einfach,
der erste Lateralsattel ist sehr breit, durch zwei ungleiche, dreispitzige Secundärloben dreitheilig, jeder
dieser Theile ist wieder durch eine kleine einfache Einbiegung in zwei nahezu gleiche Theile getheilt. Der
erste Laterallobus und der zweite Sattel sind zweitheilig, der zweite Lobus dreispitzig. Nach der Naht
folgen noch einige kleine Loben und Sättel.
Bemerkenswerth ist, wie SchLürteEr hervorhebt, dass der gestreckte Theil der Röhre noch theilweise
gekammert ist. Die Merkmale, welche nach Schnürer diese Art von Scaphites constrietus unterscheiden,
kann ich nach Untersuchung einer grösseren Anzahl von Exemplaren bestätigen: die theilweise Kammerung
des Mitteltheiles, das Fehlen der Rippen auf demselben, die geringe Anzahl der Knoten nahe der Nahtkante,
sowie die relativ grosse Länge des Mittelstückes.
Welcher von den Scaphites-Namen, die Bosgurr (nach Angaben von MÜLLER) citirt, auf die vor-
liegende Art Bezug hat, liess sich nur aus den Etiquetten der Mürter’schen Sammlung ersehen.
Vorkommen. Ziemlich selten im Grünsand am Lusberg! und Königsthor als Steinkern. Eben-
falls ziemlich selten, und nur sehr selten vollständig, mit verkieselter Schale im Grünsand zu Vaals.
In der Regel ist nur der spirale Theil erhalten. Zur Untersuchung lagen etwa 20 grösstentheils defecte
Stücke vor. {
Erklärung der Figuren. Taf. V Fig. 2a beschaltes Exemplar von Vaals; Original im städtischen
Museum. Fig. 2b Lobenlinie eines Stückes vom Lusberg; Original in der Sammlung der technischen Hochschule.
2. Scaphites hippocrepis DexAy.
Taf. V Fig. 3.
Ammonites hippocrepis DekAay, Annals of the New-York Museum. Vol. II. Taf. 5 Fig. 5. (teste Morton).
1834. Scaphites Cuvieri Morron, Synopsis of the org. rem. of the cret. group of the U. S. pag. 41. Taf. 7 Fig. 1.
1568. n constrietus BosquEr in Drew. pag. 407.
1376. H Cuvieri Seutür., Palaeontogr. Bd. 24, pag. 162. Taf. 42 Fig. 1—3.
Der spirale Theil ist eng genabelt, mit kräftigen, gegen die Aussenseite dichotomirenden Radial-
rippen, zwischen denen zuweilen Zwischenrippen eingeschoben sind. Auf dem kurzen, aber hohen, ge-
streckten Mitteltheil werden die Rippen undeutlich, sind indessen, namentlich auf der Externseite, immer
wahrzunehmen. Auf dem kurzen aufgebogenen Theil werden sie wieder kräftig, jedoch nur auf der Aussen-
t Die Fundortsangabe Scutürer’s: „Die braunen sandigen Schichten am Fusse des Lusberges .. das älteste Glied der
Aachener Kreide. .“, könnten die Vermuthung wachrufen, als ob diese Art dem Aachener Sand entstammte. Dem ist indessen
nicht so, die betreffenden Schichten liegen ziemlich hoch am Lusberg, nicht weit unter dem Plateau, während der Fuss und
der grösste Theil der Abhänge vom Aachener Sand gebildet wird.
seite, auf den Seitenflächen fehlen sie. Zur Seite des gerundeten Bauches stehen 10—12 gerundete Knoten,
und nahe der Nahtkante entwickeln sich einige nicht sehr scharfe, lang gestreckte, rippenartige Knoten.
Die Mündung ist gross, mit schmaler Einschnürung. Die Lohenlinie ist derjenigen der vorigen Art ähn-
lich, der erste Lateralsattel ist breit, dreitheilig, der folgende zweitheilig, ebenso die sämmtlichen Loben.
Von Scaphites aquwisgramensis ist die Art durch die grössere Breite und bedeutendere Höhe des
Mittelstückes, sowie durch die Ausbildung der Knoten leicht zu unterscheiden.
Die vorliegenden Stücke stimmen genau mit Schrürer’s und Morrovw’s Abbildungen überein.
Schnürer führt die Art als Scaphites Cuwieri Morton auf. Obwohl mir die „Annals of the New-York
Museum“ nicht zugänglich sind, und ich daher die Abbildung Dexay’s nicht kenne, so habe ich den DerAY-
schen Namen angenommen, im Gegensatz zu SCHLÜTER, da Morton den Namen Scaphites Cuvieri aus-
drücklich zurückgezogen hat.
Von den Bosqver'schen Namen bezieht sich Scaphites constrictus auf die vorliegende Form, die mit
demselben auch Aehnlichkeit hat, aber schon durch die rippenartigen Knoten nahe der Nabelkante zu unter-
scheiden ist.
Vorkommen. Etwas seltener als die vorige Art im Grünsand von Aachen und Vaals. Zur Unter-
suchung lagen etwa ein Dutzend, z. Th. vollständige Stücke vor.
Erklärung der Figuren. Taf. V Fig. 3 Steinkern aus den Sandsteinbänken vom Lusberg. Fig. 3b
Lobenlinie desselben Exemplars. Original in der Sammlung der technischen Hochschule.
3. Scaphites pygmaeus n. sp.
Taf. VII Fig. 19.
Das kleine flache Gehäuse besitzt einen ziemlich weit genabelten spiralen Theil, das Mittelstück
ist kurz, schwach gekrümmt, der aufgebogene Theil gross. Die Skulptur ist über die ganze Schale gleich-
mässig vertheilt, sie besteht aus flachen, breiten, sichelförmigen, geschwungenen Radialrippen, die sich auf
der Mitte der Seitenflächen gabeln. Die Mündung ist gerundet, vierseitig, mit schmaler, hohlkehlenartiger
Einschnürung. Die Lobenlinie konnte nicht beobachtet werden, da dieselbe an dem einzigen vorliegenden
Exemplare ganz undeutlich ist.
Vorkommen. Nur ein Exemplar aus den Sandsteinen am Königsthor in der Sammlung der tech-
nischen Hochschule.
4. Scaphites tridens Kxer.
Taf. V Fig. 1.
1850. Scaphites tridens Kner, Haıınser’s Abhandl. III, page. 10. Taf. 2 Fig. 1.
1368. > pulcherrimus et binodosus Bosqu. bei Drew. pag. 402.
1872. n) tridens Schuür., Palaeontogr. Bd. 21, pag. 94. Taf. 28 Fig. 1-4. (cum Syn.)
Diese grosse Art, nach ScHLürTEr die grösste bekannte, besitzt einen sehr grossen spiralen Theil,
dagegen nur ein sehr kurzes Mittelstück, so dass der aufgebogene den spiralen Theil berührt, in Folge
dessen das Gehäuse ammonitenartig aussieht. Sämmtliche vorliegenden Exemplare sind mehr oder weniger
verdrückt. so dass das Verhältniss der Höhe zur Breite nicht bestimmt werden kann. Die Skulptur besteht
u le
normal aus radialen Rippen, welche sich an einer nicht weit von der Nabelkante gelegenen Knotenreihe in
drei oder vier Rippen theilen. Auf der Externseite befinden sich drei weitere Knotenreihen, die eine über
der Siphonallinie, die beiden andern neben der durch stark gerundete Kanten begrenzten Aussenseite.
Zwischen je zwei dieser Knoten laufen 1—2 der Radialrippen hindurch. Die Lobenlinie war an keinem
Exemplar zu beobachten. Neben dieser Normalform kommen nicht selten Exemplare vor, die in der Aus-
bildung der Knoten wesentlich abweichen, und scheint das Alter die Skulptur in der Weise zu beeinflussen,
dass zunächst die Knoten auf den Seitenflächen undeutlich werden, und bei grossen Exemplaren ganz ver-
schwinden. Auch die übrigen Knotenreihen sind oft undeutlich, fehlen bei grossen Stücken auch wohl ganz,
während sie bei jungen Stücken oft hoch, manchmal stachelförmig sind. Diese so verschiedenartig aus
sehenden Formen können indessen, wie dies SCHLÜTER (l. c.) nachgewiesen hat, nicht von einander getrennt
werden. Scaphites tridens und Sec. trinodosus gehören daher einer Art an.
Bosquer citirt neben Scaphites tridens und trinodosus Kser noch Scaphites binodosus und pulcher-
rimus RoEm. aus den Mucronatenmergeln. Ich habe Stücke, welche sich auf diese beiden Arten beziehen
könnten, nicht beobachtet, und glaube daher, dass beide Namen sich auf verschiedene Varietäten der einen
Art beziehen, der einzigen in den betreffenden Schichten vorkommenden.
Vorkommen. Nicht selten in den Mucronatenmergeln des Schneeberges, innerhalb deren sie einen
bestimmten Horizont einzunehmen scheint. Sie findet sich nur in den geschichteten Mergeln, der oberen
Partie der Kreide ohne Feuersteine.
Original von Vaals in der Sammlung der technischen Hochschule.
Familie: Lytoceratidae New.
Genus: Baculites Lam.
1. Baculites incurvatus Dur.
Taf.-IV Fig.5, 6; Taf. V Fig. 10.
1835. Baculites incurvatus Duvs., Mem. soc. geol. Fr. pag. 232. Taf. 17 Fig. 13.
1868. hs nodosus, Knorri, compressus und anceps (pars) Bosqaver bei Dew. pas. 404.
5
1876. 5 incurvatus SCHLÜTER, ]. c. pag. 142. Taf. 39 Fig. 6, 7; Taf. 40 Fig. 5. (cum Syn.)
Gehäuse sehr schlank, stabförmig, mit geringer Breitezunahme. Der Querschnitt ist eiförmig, die
Siphonalseite wesentlich schmaler wie die entgegengesetzte, zu beiden Seiten derselben verlaufen flache, ge-
rundete Längsfurchen. Auf den Seitenflächen der Röhre bilden sich nahe der Antisiphonalseite bei einer Höhe
des Gehäuses von 8 mm gerundete flache Knoten aus, welche ziemlich entfernt von einander stehen. Beim
Weiterwachsen werden diese Knoten allmählich höher, schärfer und halbmondförmig. In höherem Alter
werden sie breiter, relativ niedriger und verschwinden schliesslich ganz. Die Schale zeigt kräftige, oft
wulstige Anwachsstreifen, welche nahe den Furchen an der Siphonalseite schwach und undeutlich werden,
über diese selbst aber als schmale, gedrängt stehende Rippen hinwegsetzen, und hier auch wohl auf Stein-
kernen, namentlich solchen junger Stücke sichtbar sind. Die Lobenlinie ist ziemlich einfach, der Siphonal-
lobus ist klein, die Seitenloben und Sättel sind zweitheilig, aber vielzackig, der Antisiphonalsattel ist sehr
— burn
ist sehr breit, durch einen kleinen Lobus getheilt. Wo eine Lobenlinie gerade über einen der Knoten läuft,
zeichnet sich der zweite Laterallobus durch besondere Höhe aus.
Sämmtliche vorliegenden Baculiten-Bruchstücke des Grünsandes liessen sich unter Berücksichtigung
der Wachsthumsverhältnisse auf diese eine Art zurückführen, deren Hauptcharakter in der geringen
Breitenzunahme der Röhre und in den beiden Furchen zu Seiten der Siphonalseite liest. Diese letzteren
sind stets wahrzunehmen, wenn auch nur bei den kleineren und mittelgrossen Bruchstücken sehr deutlich,
Je älter die Schale, desto undeutlicher werden dieselben, aber selbst ein Stück von 26 mm Breite und
37 mm Höhe zeigt noch Andeutungen von ihnen. Am auffälligsten weichen die verschiedenen Alters-
stufen durch die Ausbildung der Knoten von einander ab. Taf. IV Fig. 5 sind verschiedene Stücke
zusammengestellt. Das untere, kleinste Stück zeigt nur eine Andeutung von Knoten, das zweite hat
unten einen kleinen gerundeten Knoten, nach oben werden dieselben höher und der obere ist sehr hoch
und deutlich halbmondförmig. Leider liegen nur verhältnissmässig kurze Stücke zur Untersuchung vor,
welche keinen Aufschluss darüber geben, in welcher Entfernung im höheren Alter die Knoten stehen. Ich
bin daher im Zweifel, ob das Taf. IV Fig. 10 abgebildete ganz ungeknotete Stück, welches sonst mit den
geknoteten vollständig übereinstimmt, dieser Art angehört.
Die Art ist als Baculites incurvatus Duvs. bestimmt worden, obschon eigentlich keine der vorliegenden
Abbildungen dieser Art vollständig auf die Aachener Stücke passt. Die Zeichnung von D’Orzıcny ! zeigt
nur ganz kleine gerundete Knoten, dagegen deutlich die beiden Furchen neben der Siphonalseite, noch
deutlicher als sie auf den Aachener Stücken hervortritt. Schuörer’s Abbildungen (1. ec.) zeigen diese
Furchen nicht, oder nur undeutlich, dagegen ist bei Fig. 6 die Neigung der Knoten zu erkennen, in der
Richtung der Anwachsstreifen halbmondförmig zu werden. Zudem hat Schnürer selbst Aachener Exem-
plare als Baculites incurvatus bestimmt. Die Lobenlinie, wie sie Grmitz? zeichnet, ist im Allgemeinen
mit der der vorliegenden Stücke übereinstimmend, nur ist bei diesen der Antisiphonallobus weniger tief, er
reicht noch nicht bis zur halben Tiefe des zweiten Laterallobus, während er bei Geisırz mit diesem die
gleiche Tiefe hat. Auch der erste Laterallobus ist schmäler.
Vorkommen. Ziemlich selten in den Muschelbänken des Grünsandes bei Aachen, sowie mit ver-
kieselter Schaale bei Vaals.
Originale in der Sammlung der technischen Hochschule.
2. Bacnlites cf. vertebralis Lau.
1872. SCHLÜTER, ]. c. pag. 145. Taf. 39 Fig. 11—13.
In den geschichteten Partien der Mucronatenmergel des Schneeberges kommen nicht ganz selten
plattgedrückte, glatte Baculiten vor, welche zuweilen beträchtliche Dimensionen erreichen. Lobenlinien sind
niemals sichtbar, und erscheint eine Bestimmung dieser höchst mangelhaften Reste unmöglich. Bezüglich
ihrer Breitenzunahme haben sie mit dem von Sc#vürer Taf. 39 Fig. 11 abgebildeten Stücke Aehnlichkeit,
und könnten daher zu der namentlich in Mastrichter Schichten verbreiteten und häufigen Art gehören.
! Pal. fr. I. pag. 562. Taf. 139 Fig. S—-10.
? Kieslingswalde. pag. 9. Taf. 1 Fie. 5.
Palaeontographica. Bd. XXXIV. 0)
— 66 —
Genus: Hamites.
Aus den Quadratenschichten von Vaals und Aachen liegt eine grössere Zahl meist kleiner Bruch-
stücke von Cephalopoden vor, welche in diese Gattung gehören könnten, deren Lobenlinie wenigstens auf
die Familie der Lytoceratiden verweist. Die Stücke sind indessen im Allgemeinen wenig charakteristisch, und
so unzureichend, dass es kaum möglich erscheint; dieselben in den Rahmen von gut charakterisirten Species
zu bringen. Nicht einmal das Gesetz der Krümmung konnte ermittelt werden, da fast jedes Stück in dieser
Hinsicht geringere oder grössere Verschiedenheiten zeigt. Solche, welche die für Hamites charakteristische
knieförmige Umbiegung zeigen, sind nie beobachtet worden, so dass man an die Gattung Crioceras, in dem
Umfange wie v. Zırreu dieselbe nimmt, denken könnte, speciell an Tozxoceras, wohin SCHLÜTER die eine noch
ziemlich charakterisirte Art stellte. Indessen ist die Lobenlinie deutlich die der Lytoceratiden. Auch in
Form und Anordnung der Rippen zeigen die meisten Stücke geringere oder grössere Abweichungen, ohne
dass es bei dem vorliegenden Material immer möglich wäre, darauf eine specifische Trennung zu begründen.
Indessen liessen sich einigermassen 3 Formen unterscheiden, wobei freilich eine ganze Reihe von Bruch-
stücken unberücksichtigt bei Seite gelegt werden musste.
1. Hamites aquisgranensis ScHLür.
Taf. V Fig. 8.
1872. Toxoceras? aquisgranensis SCHLÜTER, ]. c. pag. 102. Taf, 39 Fig. 6—8.
Die ziemlich gleichmässige Krümmung, die dicht stehenden niedrigen, etwas nach rückwärts ge-
bogenen Rippen, die entfernt stehenden Kammerscheidewände lassen diese Art relativ leicht erkennen. Die
Lobenlinie ist einfach, wenig zerschnitten, wie sie von SCHLÜTER gezeichnet wird.
Das abgebildete Stück, welches vom Lusberg stammt, zeigt eine etwas stärkere Krümmung, wie das von
SCHLÜTER dargestellte, doch scheint die Zugehörigkeit bei der sonstigen Uebereinstimmung wohl sicher zu sein.
Vorkommen. Nur in den Sandsteinbänken am Lusberg und zwar selten.
Das Original in der Sammlung der technischen Hochschule.
2. Hamites Vaalsiensis n. sp.
Nat OVEAR1ONL6 7.
Diese Form unterscheidet sich von der vorhergehenden durch im Allgemeinen schwächere Krüm-
mung, durch höhere, nach vorwärts gebeugte Rippen, die auf der convexen Seite schwächer sind als auf
der concaven, und durch eine einfachere, sehr schwach gezackte Lobenlinie.
Das grösste, Fig. 7 abgebildete Stück mit verkieselter Schale zeigt eine fast vollständig erhaltene,
ganzrandige Mundöffnung, und hinter derselben 4 kräftige, nahezu in gleichen Entfernungen stehende Wülste.
Das betreffende Stück ist etwas verdrückt, daher erscheint die Krümmung unregelmässig.
Vorkommen. Ziemlich selten mit verkieselter Schale bei Vaals, und als Steinkern am Lusberg
und Königsthor.
Originale vom Königsthor (Fig. 6) und Vaals (Fig. 7) in der Sammlung der technischen Hochschule.
— 61 —
3. Hamites Roemeri Gin.
Taf. V Fig. 4, 5.
1841. Hamites intermedius Rorn., Kreide. pag. 92. Taf. 14 Fig. 9.
1850. h Roemeri Gein., Quadersandstein. pag. 118.
1868. n a Bosquer bei Dew. pag. 404.
1872. " 6 SCHLÜTER, 1. c. pag. 103.
Eine Anzahl Stücke eines Hamites zeigt höhere, entfernter stehende Rippen, als die vorstehend
beschriebenen, und eine abweichende Lobenlinie, welche durch die Ungleichheit der Sättel ausgezeichnet ist.
Der zweite, zweitheilige Lateralsattel ist breiter, aber bedeutend niedriger als der erste‘, sein zum ersten
Laterallobus abfallender Schenkel ungewöhnlich schräge, der Internlobus breit und tief. Die Krümmung
scheint eine stärkere zu sein, als bei der vorigen Art. In Fig. 5 sind einige Stücke versuchsweise zu-
sammengestellt, um den Grad der Krümmung wenigstens annähernd zu bestimmen.
Ob die beschriebenen Stücke in der That zu der von ROEMER als Hamites intermedius beschriebenen
Art gehören, ist nicht sicher, die entfernt stehenden Rippen passen am besten zu derselben.
Vorkommen. Diese Form ist die bei Vaals am häufigsten vorkommende, während von Lusberg
nur das Fig. 4 abgebildete, als Steinkern erhaltene Bruchstück vorliegt.
Das Original zu Fig. 5 befindet sich in der Sammlung des Herrn J. BEisseL, zu Fig. 4 in der
Sammlung der technischen Hochschule.
B. Nautiloidea.
Genus: Nautilus.
Wenn schon die Bestimmung der oben als Hamiten beschriebenen Cephalolopodenreste erhebliche
Schwierigkeiten bot, so ist das in noch höherem Maasse der Fall bei den Nautilus-Arten. Aus dem Grün-
sand liegen nur defecte oder unausgewachsene Stücke vor, die im Allgemeinen wenig charakteristisch
sind, dass es schwer fällt, daraus eine oder mehrere Arten zu machen, zumal die Lage des Sipho in den
meisten Fällen nicht festgestellt werden konnte.
2. Nautilus aquisgranensis Hzr.
Taf. IV Fig. 1, 2.
Das bauchige, sehr enggenabelte Gehäuse hat niedergedrückte und seitlich etwas abgeplattete Win-
dungen. Der Sipho liegt über der Mitte. Die Lobenlinie ist nur schwach gebogen. Bei beschalten Stücken
findet sich auf der Internseite eine Schicht abgelagert, wohl der schwarzen Schicht des lebenden Nautilus
entsprechend, die mit geraden parallelen Spiralstreifen bedeckt ist. Dies erscheint als das bedeutsamste
Kennzeichen der Art.
t In der Zeichnung ist die Lobenlinie aus Versehen verkehrt gestellt, sie steht auf dem Kopfe.
erg
Von bereits beschriebenen Arten steht Nautilus depressus Bıskt#.i am nächsten, unterscheidet sich
indessen durch die fast geradlinig verlaufenden Loben, sowie durch die Lage des Sipho, welcher nach
SCHLÜTER? unter der Mitte liegt.
Vorkommen. Im Grünsand von Vaals mit verkieselter Schale, in den Grünsandbänken am Lus-
berg und Königsthor meist als Steinkern. Ueberall ziemlich selten. Zur Untersuchung liegen 6 Exem-
plare vor.
Taf. IV Fig. 2 beschaltes Exemplar von Vaals in Herrn Beısser’s Sammlung. Fig. 1 Steinkern vom
Königsthor in der Sammlung der technischen Hochschule.
2. Nautilus sp.
Taf. IV Fig. 3.
Nur ein einziges beschaltes Stück aus dem Grünsand von Vaals liegt vor, welches sich durch
kugeligere Form und die Beschaffenheit der Runzelschicht auszeichnet. Dieselbe zeigt keine spiralen,
sondern flach wellig gebogene Querstreifen. Lage des Sipho konnte nicht beobachtet werden. Die Loben-
linie ist ziemlich stark geschwungen.
Das betreffende Stück stellt offenbar ein unausgewachsenes Exemplar dar, und ist eine Species aus
diesem Grunde auf dasselbe wohl kaum zu begründen.
3. Nautilus Vaalsiensis Bısk#.
Taf. IV Fig. 4.
1561. Nautilus Vaalsiensis Bınku., ]. ec. pag. 15. Taf. 5c Fig. 2.
1376. ” n SCHLÜTER, ]. c. pag. 177. Taf. 51 Fig. 3—4.
Diese leicht kenntliche Art ist durch ihre flache Scheibengestalt, den weiten Nabel und die kantig
begrenzte Aussenseite leicht erkennbar. Die Oberfläche ist mit kräftigen Anwachsstreifen versehen.
Vorkommen. In den geschichteten Mucronatenmergeln des Schneeberges bei Vaals. Selten.
Es liegen 5 Exemplare von dort vor. Original in der Sammlung der technischen Hochschule.
4. Nautilus sp.
Mit der vorigen Art findet sich ziemlich häufig ein glatter Nautilus, der bedeutende Dimensionen
erreicht. (Die Sammlung der technischen Hochschule besitzt ein Stück von 35 cm Scheibendurchmesser).
Alle Exemplare sind indessen so stark verdrückt, dass die ursprüngliche Form nicht mehr zu erkennen ist.
Loben sind höchstens angedeutet und die Lage des Sipho ist nicht zu bestimmen, so dass die Art vollständig
unbestimmbar erscheint.
! Gasterop. et Ceph. de la craie sup. du Limbourg. III. pag. 12. Taf. 5 Fig. 9.
? ScHLüTER. 1876. pag. 181.
Kiefer von Nautileen (Rhyncholithen).
1. Rhyncholithes aquisgranensis MÜLL.
Taf. IV Fig. 9.
1846. Rhyncholithes cretaceus Mürr., Mon. I. pag. 13. Taf. 1 Fie. 4.
1546. 9 aquisgranensis id. ibidem pag. 45.
Dieser Oberkiefer von Nautilus ist lang und schmal, hochgewölbt, hinten gerade abgestutzt, vorn
mit einer stumpfen Spitze versehen; die Unterseite ist fast flach. Der vordere Theil, der Schnabel, nimmt
die halbe Länge ein, und ist fast quadratisch. Die Oberfläche ist glatt.
Viel Aehnlichkeit hat dieser Kiefer mit Rhyn. hirundo aus dem Muschelkalk, bei dem indessen der
Schnabel dreieckig ist.
Mürver’s Figur zeigt die sonderbare Gestalt deshalb, weil das Original dicht hinter dem Schnabel
durchgebrochen ist.
Welcher Nautilus-Art diese Kiefer angehören, ist nicht zu ermitteln. Der Häufigkeit nach
müsste er zu der nicht seltenen, aber stets verdrückten und daher unbestimmbaren Form der Mucronaten-
mergel gehören.
Vorkommen. Selten in den geschichteten Mergeln des Schneeberges.
2 Exemplare in der Sammlung der technischen Hochschule, 2 in Herın Beısser’s Sammlung.
2. Rhyneholithes Vaalsiensis n. sp.
Taf. IV Fig. 7.
Von der vorhergehenden Form unterscheidet sich diese durch ihre relativ geringere Länge, die be-
deutendere Breite des spitzen Schnabels und die kurze Wurzel. Die Unterfläche ist concav, mit einem
Längswulst.
Dieser Kiefer, von dem nur ein einzelnes Exemplar vorliegt, fand sich mit der vorigen Art zu-
sammen in den geschichteten Mergeln des Schneeberges, und könnte dem in diesen vorkommenden Nautilus
Vaalsiensis BiInKH. angehören.
Das Original befindet sich in der Sammlung der technischen Hochschule.
3. Rhyncholithes Debeyi Müzr.
Taf. IV Fie. 8.
1851. Rhyncholithes Debeyi Mürr., Mon. II. pag. 61. Taf. 6 Fig. 14.
Diese dritte Art gehört dem Grünsand an, und wurde das einzige Exemplar in den thonigen Sanden
des Preussberges gefunden.
Mürrer’s Zeichnung stimmt mit dem betreffenden Stück nicht überein, wenigstens nicht in der
Gestalt des Schnabels, welcher an dem Original kürzer und breiter ist. Da indessen Mürner das
einzige vorliegende Stück als Rhyn. Debeyi etiquettirt hatte, so ist wohl die Zeichnung falsch. Der
N) ee
Schnabel ist kürzer, die Wurzel länger als bei der vorhergehenden Art. Das Stück ist theilweise ver-
kieselt, auf der Unterseite mit Kieselringen, daher die Skulptur, die auch die Zeichnung bei MÜLLER zeigt.
Das Original befindet sich in der Sammlung der technischen Hochschule.
MÜLLER beschrieb noch Rhyn. Buchi (Mon. 1I. pag. 60. Taf. 6 Fig. 13) aus den dem Mastrichtien
angehörigen Schichten vom Vetschauer Berg. Es ist dies kein Nautilus-Kiefer, sondern ein Neritopsis-Deckel.
II. Classe: Glossophora.
Die Systematik der Glossophoren ist eine künstliche, und jeder, der sich mit dieser Classe be-
schäftist hat, wird die Worte, mit welchen v. ZrrrzL‘ die Betrachtungen über deren zeitliche Ver-
breitung schliesst, zütreffend finden. Man trifft denn auch fast in jedem Werk eine andere Gruppirung
und Eintheilung. Bedeutende Schwierigkeiten erwachsen namentlich aus der Begrenzung der Gattungen, und
stimmen hierin kaum zwei Autoren überein. Während auf der einen Seite manche Palaeontologen an den
alten Lamare’schen Gattungen festhalten, welche zuweilen einen ungemein grossen Umfang haben,
sind auf der anderen Seite ganz unwesentliche Merkmale zur Aufstellung neuer Genusnamen benutzt
und einzelne Lawarr’sche Gattungen in mehrere Dutzend neue zerlegt worden. Namentlich haben
die amerikanischen Palaeontologen eine ausserordentlich grosse Zahl solcher neuen Gattungen geschaffen.
Dass die Lamark’schen Gattungen heute nicht mehr ausreichen, wenn man nicht in denselben heterogene
Elemente vereinigen will, dürfte wohl klar sein. Die Palaeontologie muss gleichen Schritt mit der Zoologie
halten, wenn anders sie nicht lediglich eine Hilfswissenschaft der Geologie bleiben will. „Die Formation des
Geologen muss ein belebtes Meer sein, oder das Interesse ist verloren“ wie sich SroLiczkA” trefiend aus-
drückt. Der Palaeontologe befindet sich indessen in der üblen Lage, die für die Systematik schliesslich
doch allein massgebenden Weichtheile seiner Untersuchungsobjekte nicht zu kennen. Er muss sich daher
auf den etwas künstlichen Standpunkt stellen, dass Verschiedenheiten der Gehäuse durch Verschiedenheiten
des Thieres bedingt werden, obgleich er weiss, dass bei lebenden Formen oft sehr verschieden gebaute
Thiere ganz ähnliche Schalen absondern, wie z. B. Ampullaria und Natica, und andererseits sehr ver-
schiedenartige Schalen von ähnlichen Thieren bewohnt werden. Es fragt sich nur, welche Schalenmerkmale
hat man bei den Glossophoren als Gattungskennzeichen anzusehen, und sind Gattungen bestimmt und
scharf umgrenzte Formenkreise? Nach den neueren Ansichten über die Entwickelung der organischen Welt
ist diese letztere Frage bestimmt zu verneinen, und besonders muss dies Seitens der Palaeontologie ge-
schehen, deren eine Hauptaufgabe es ist, die im System der heutigen Thierwelt vorhandenen Lücken aus-
zufüllen. Hieraus entspringt ein Theil der Schwierigkeiten, die bei der Begrenzung der Gattung zu über-
winden sind.
Die Form des Embryonalendes, der Mündung, die Beschaffenheit der Spindel und der Mundränder
sind in Verbindung mit den aus ihnen resultirenden Eigenthümlichkeiten der Schalenoberfläche die wich-
! Handbuch II. pag. 326.
? Revision der Gosau-Gasteropoden. pag. 7.
tiesten Gattungscharaktere, und doch ist nicht immer die Verschiedenheit in einem dieser Kennzeichen hin-
reichend zu einer generischen Trennung.
Das Vorhandensein von deutlichen Spindelfalten ist wohl stets ein durchgreifender Gattungsunter-
schied, daher ist Borsonia von Pleurotoma zu trennen. Ob indessen 1 oder 2 oder mehrere Falten vor-
handen sind, scheint für eine Trennung von Gattungen nicht hinreichend zu sein. Besondere, eigenartige
Organe, wie sie z. B. einige der in dem folgenden neu beschriebenen Gattungen besitzen, z. B. Cultrigera,
Ficulomorpha und Pseudorapa, verlangen unbedingt eine generische Trennung. Besonders schwierig ist eine
solche in einzelnen Familien, wie Natieidae, Fusidae, Volutidae. Bei Natica sind durch v. Zırren! die viel-
fachen Uebergänge zwischen den durch die Ausbildung des Nabels und der Innenlippe charakterisirten
Gattungen, in welche die Conchyliologen das LamAark’sche Genus Natica zerlegsten, nachgewiesen worden.
Ganz ähnlich verhält es sich bei dem grossen Formenkreis der alten Gattung Voluta, resp. der Familie der
Volutidae. In der oberen Kreide kommen zahlreiche Formen vor, die man mit fast gleichem Recht
zu Mitra, vesp. Derrieula und Voluta stellen kann, wie Vol. Gasparini n’Ore., Vol. acuta Sow. etc.,
Formen, an die sich einzelne tertiäre, namentlich eocäne Formen von ähnlicher schlanker Form anschliessen,
wie Vol. angusta Dest., welche auch in der Faltung der Spindel übereinstimmt. Von Mitra unterscheiden
sich diese Arten lediglich dadurch, dass bei ihnen nicht die hintere, sondern die vordere Spindelfalte die
stärkere ist, und dass die Falten im Allgemeinen schwächer entwickelt sind. Die innerlich verdickte Aussen-
lippe der typischen recenten Mitren fehlt bereits einzelnen eocänen Formen, z. B. der Mitra elongata Lam.
Wenn bei den recenten Formen die Anatomie der Thiere von Mitra und Voluta solche Verschiedenheiten
zeigt, dass mehrere Forscher eine besondere Unterfamilie, andere sogar eine besondere Familie der Mitridae
annehmen, so wird die generische Bestimmung der oben erwähnten Formen aus der oberen Kreide
nur noch mehr erschwert. Von manchen Formenkreisen, die zur alten Gattung Voluta gehören, ent-
fernen sich die betreffenden Arten viel weiter, als von Mitra resp. Turricula, so von den als Atletha,
Volutifusus, Gosavia unterschiedenen Formen, mit denen sie eigentlich nur darin übereinstimmen, dass die
vordere Spindelfalte die stärkere ist. Diesem Merkmale kann man indessen eine so durchgreifende Be-
deutung nicht beilegen, um es als den wichtigsten Gattungs- oder gar Familienunterschied zu betrachten.
Andererseits stehen auch einzelne der genannten obercretacischen Arten der Gattung Fasciolaria
so nahe, dass eine Abgrenzung von dieser, einer ganz anderen Familie angehörigen Gattung nicht immer
leicht ist.
SrorıczkA stellt die gedachten Formen, von denen sich bei Aachen eine Reihe finden, zu Voluti-
lithes Swaıns?, welche er als selbständige Gattung ansieht, während v. Zırteu dieselbe als Untergattung zu
Voluta stellt. Der Typus dieser Gattung ist die eocaene Vol. spinosa Lam., und stimmen die zahlreichen
Kreideformen trotz ihrer viel schlankeren Gestalt im Habitus am besten mit dieser Gruppe überein. Es ist
nun die Frage, soll man Volutilithes als selbständige Gattung betrachten oder als Untergattung. Die An-
wendung von Untergattungen hat ihre grossen Bedenken, hauptsächlich weil die Nomenclatur dadurch in
bedenklichem Maasse complieirt wird. Mit gleichem Rechte bezeichnet man auch innerhalb einer Species
t Handbuch II. pag. 222.
? StoLiczkA, Revision, pag. 70. Cret. Gast. pag. 92.
° Handbuch I. pag. 281.
die verschiedenen Abänderungen mit besonderem Namen, und wir hätten dann eine Menge von Formen, die
durch 4 Namen bezeichnet werden müssten. Da ich dies für einen durchaus nicht wünschenswerthen Zu-
stand halte, so schliesse ich mich in dieser Hinsicht an Bronx resp. KrrErstein ! an, und verwerfe Unter-
gattungen überhaupt, zumal die Gattungen kein von der Natur gegebenes systematisches Element sind.
Hieraus folgt indessen auch, dass sich Regeln über die Abgrenzung von Gattungen nicht allgemein geben
lassen, ganz besonders nicht innerhalb einer künstlich gegliederten Classe, wie sie die Glossophoren dar-
stellen. Es kommt daher auf die subjective Ansicht eines Autors an, wie weit er ein Genus fassen will.
Doch ist es im höchsten Grade wünschenswerth, möglichst discret in dieser Hinsicht zu verfahren, und wenn
irgend möglich die Aufstellung neuer Gattungen zu vermeiden, da neben der Einfachheit auch die Ueber-
sichtlichkeit der Nomenclatur und des ganzen Systems möglichst zu erstreben ist.
A. Gastropoda Cvv.
I. Ordn.: Pulmonata Cvv.
Familie: Auriculidae Bramv.
Genus: Auricula Lam.
Auricula lagenalis Mürt. sp.
Taf. VI Fig. 1—.
1851. Eulima lagenalis MürL., Mon. II. pag. 9. Taf. 3 Fig. 9.
id. Bosquer, PictEr etc.
1851. Pyramidella inwoluta Mürr., 1. c. pag. 9. Taf. 3 Fig. 10.
1859. Triptycha limnaeiformis MürL., Suppl. pag. 22. Taf. S Fig. 11.
id. BosquET, StoLiczkA etc.
1885. Obeliscus lagenalis J. Böun, Verh. d. nat.-hist. Ver. Bonn. pag. 49.
1885. Pyramidella limnaeiformis J. Böun, ibidem. pag. 48.
Höhe des Gehäuses . . . 2. ..2..2.....10mm
Höhe der Schlusswindung . . 2 22. 55,
Grösste Breite Ss SR RER IESMED)
Das dickschalige, spindelförmige Gehäuse besteht aus 5 oder 6 gleichmässig und flach gewölbten
Umgängen, welche mit flacher Naht aneinander schliessen. Die Schlusswindung nimmt etwas mehr als die
Hälfte der Gesammthöhe ein. Die Mündung ist weit, eiförmig, hinten spitz, vorn breit, mit breitem Ausguss.
Die Aussenlippe ist scharf, innen mit Spiralfalten, die den Mundsaum nicht ganz erreichen. Der Spindel-
rand ist vorn etwas umgeschlagen, die Spindel trägt drei Falten, welche von hinten nach vorn schräger
werden, und von denen die vordere dicht hinter dem Ausguss liegt. Die mittlere Falte ist bedeutend höher
als die beiden anderen. Die Oberfläche ist nur mit kräftigen Anwachsstreifen verziert.
Bezüglich der Breitenzunahme der Windungen variürt die Art bedeutend: neben sehr schlanken
1 Classen und Ordnungen des Thierreiches III. 2. pag. 1028.
Formen, welche der Zulima lagenalis MÜLLER’s entsprechen, finden sich vielfache Uebergänge zu der
breiteren Form, der typischen Triptycha Iymnaeiformis, daher denn auch der Spitzenwinkel schwankt, wie
dies aus den gegebenen Abbildungen hervorgeht.
Mürver kannte nur zwei Exemplare, für die er je eine Art machte. Das Original zu seiner Bulima
lagenalis ist Fie. 5 neu abgebildet. Müuter hatte die Mundöfinung nicht freigelegt, daher die etwas sonder-
bare generische Bestimmung. Sein Original zu Triptycha limnaeiformis ist unter der Spitze verdrückt,
daher die verhältnissmässig grosse Breite und die stumpfe Spitze. Den Steinkern dieser Art beschrieb
Mörver als Pyramidella involuta. Die Vermuthungen, welche Prerer! und SrorıczkA”? an diese zweifel-
hafte Form knüpfen, dürften hierdurch erledigt sein.
Die generische Bestimmung ist bei den verschiedenen Autoren, eine verschiedene. Bosqurr eitirt
einfach die MüLter’schen Namen. SrorıczrA (l. ec. pag. 402) stellt Zriptycha zu den Actaeoniden, spricht
aber die Vermuthung aus, die Gattung könne zu den Auriculiden gehören, und ident sein mit Marinula.
v. Zırteu 3 stellt die Münver’sche Gattung als Untergattung zu Actaeon. J. Börm (l. c. pag. 48, 49) bringt
die beiden von MÜLLER beschriebenen Arten bei zwei Gattungen, bei Pyramidella und Obeliscus unter, welche
wohl ident sind. Es besitzt die vorliegende Form indessen weder ein links gewundenes Embryonalende,
noch hat sie sonst irgend etwas mit der Gattung Pyramidella gemein, welche schlank thurmförmige Gehäuse
mit kleiner Schlusswindung umfasst, die vorn an der gedrehten Spindel eine oder mehrere Falten haben.
Eine innerliche Furchung der Aussenlippe kommt bei vielen Gattungen vor. Der Apex ist nicht wie Bönm
angiebt „pupaeform“, sondern spitz. Aber auch zu-den Actaeoniden speciell zur Gattung Actaeon zeigt die
vorliegende Form wenig oder gar keine Beziehungen. Der Mangel einer jeden Spiralsculptur, und vor allem
die Vertheilung und Ausbildung der Spindelfalten lassen eine Zurechnung zu Actaeon nicht gerechtfertigt
erscheinen. Actaeon hat eine oder zwei dicht neben einander liegende parallele Spindelfalten, während
die vorliegende Form 3 Falten hat, die nach vorne zu schräger werden, sehr verschieden in ihrer Höhe
sind, und von denen die hintere sehr weit zurück auf der Innenlippe liegt. Die Untersuchung von einem
Dutzend Exemplare hat die Vermuthung von Srorıczxa, dass die Art zu den Auriculiden gehöre, bestimmt
bestätigt, und zwar haben wir in derselben eine typische Azwieula, welche am ersten zu vergleichen ist
mit der miocänen Auricula pisolina Desm.*, die in ihrem Gesammthabitus ähnlich ist, und namentlich
in der Lage und Stärke der Spindelfalten nahe steht. Von lebenden Formen ist bezüglich der Lage und
Gestalt der Falten die an den Küsten der Adria lebende Aurieula Firmini vergleichbar, bei der indessen
die hintere Falte stärker ist.
Auricula lagenalis ist die einzige Landschnecke der Aachener Kreide, und kommt mit marinen
Formen zusammen vor, was nicht auffallen darf, da sich auch im Miocän der Touraine ete. Auricula pxso-
lina in marinen Ablagerungen findet.
Vorkommen. Selten im Grünsand zu Vaals mit verkieselter Schale, von wo etwa 12 Exemplare
1 Cret. Gast. pag. 178 u. 353.
? Ste. Croix III. pag. 462,
® Handbuch II. pag. 293.
* Tournouer: Auriculidees foss. des Faluns. 1872. page. 17. Taf. 3 Fig. 3.
10
Palaeontographica. Bd. XXXIV.
a
vorliegen. Sehr selten, vielleicht nur wegen der wenig characteristischen Eigenschaften des Steinkernes
übersehen, in den Muschelbänken am Lusberg, von wo 2 Stück vorliegen.
Erklärung der Figuren. Sämmtliche Stücke von Vaals. Fig. 1, 2, 4 in der Sammlung des
Herrn Beısser. Fig. 3 und 5 in der Sammlung der technischen Hochschule.
Genus: Siphonaria An.
Siphonaria variabilis n. sp.
EYE OR fe, I,
Die Schale ist napfförmig,. sehr flach im Allgemeimen, doch etwas verschieden in ihrer Wölbung.
Der Umriss ist gerundet vierseitig bis oval. Der wenig. hervorragende Wirbel liegt excentrisch, zuweilen
dem Schalenrand genähert. Meist erscheint derselbe corrodirt. Von ihm strahlen kräftige, verschieden
starke, unregelmässig gestaltete Radialrippen aus, die oft geradlinig verlaufen, oft gebogen, oder auch
wohl winkelig geknickt sind. Das Innere, namentlich die Form der Muskeleindrücke konnte nicht be-
obachtet werden.
Die Art ist in ihrer Gestalt und Skulptur ungemein veränderlich, so dass man bei kleinem Material
leicht mehrere Species unterscheiden kann, es gleicht eben kein Exemplar dem anderen. Durch die ganz
unsymmetrische Gestalt und Skulptur entfernt sich die Form von den Patelliden, und glaube ich sie
zu Siphonaria stellen zu dürfen, obwohl diese Gattung bislang noch nicht aus der Kreide eitirt wird. Zu
vergleichen ist am ersten noch die von Fr. Schmipr als Heleion giganteus von Sachalin beschriebene grosse
Art‘. Dieselbe zeigt ebenfalls sowohl eine ungemeine Variabilität, als einen Mangel aller Symmetrie, und
da diese fehlende Symmetrie das einzige äussere Unterscheidungsmerkmal von Patella, resp. Helcion ist, so
dürfte wohl zweckmässig auch die bis 1 Quadratfuss grosse Form aus der Kreide von Sachalin am ehesten
ihre Stellung bei Siphonaria finden, wenn man fossile Formen überhaupt zu dieser Gattung ziehen darf, die
indessen aus tertiären Schichten eitirt wird.
Vorkommen. Nicht selten, aber stets nur als Steinkern und Abdruck erhalten in der quarzitischen
Bank, welche in dem Aachener Sand auf dem kleinen Ronheider Tunnel liegt, mit Actaeonellen und Pyrenella
Müinsteri. Es ist die Art, welche mehrfach ohne Benennung citirt wird, namentlich von J. Beıssen? und
Purvgs®.
. Die Zeichnungen nach Wachsabdrücken von Originalen. in Herrn Beısser’s Sammlung.
! Teber die Petrefacten der Kreideformation von der Insel Sachalin. pag. 19. Taf. 2 Fig. 17—18, Taf. 3 Fig. 1—10,
Taf. S Fig. 2—5.
? „Trois especes inedites de Fissurella“. Ann. soc. g6ol. Belg. VIII, pag. CXXX.
° „Emarginula sp. und Patella sp.“ Sur les depots fluviomarins d’age senonien, page. 165.
I. Ordn.: Opisthobranchia M. Epw.
Familie: Bullidae v'Oke.
Genus: Cylichna Lov&x.
1. Cylichna Mülleri BosqavEr sp.
Taf. VI Fie. 9, 10.
1851. Bulla crelaces Mürr., ]. c. II., pag. 7. Taf. 3 Fig. 4 (non v’Orr.).
1561. Mülleri Bosqv. bei Starına Nr. 316.
id. Pıcrer, SrorLıczkA, BosquEr bei Dew. etc.
1884. Oylichna Mülleri J. Böun, 1. c. pag. 73.
Ganze Höhe des Gehäuses . . . . . 10 mm
(Grösste@Br eltern Emm!
Die ziemlich kräftige Schale ist schwach bauchig, vorn und hinten etwas verschmälert, hat ein tief
eingesenktes Gewinde, und einen engen Nabel. Die schmale Mündung ist etwas höher wie der letzte Um-
gang, bei ausgewachsenen Stücken etwa um I mm. Sie ist vorne erweitert und gerundet, hinten stumpf
zugespitzt. Die Spindel hat eine weit zurückliegende schwache Falte, die erst sichtbar wird, wenn man
einen grossen Theil des letzten Umganges wegbricht. Die Oberfläche ist schwach spiral gestreift, vorn und
hinten oft etwas deutlicher. :
Der Name Bulla eretacea, den MÜLvER für diese Art anwandte, war bereits von D’ÖRBIGNY für
eine indische Form vergeben, die sich durch mehr eylindrische Form unterscheidet, und namentlich hinten
weniger verschmälert ist!. Später spricht Mütter? die Ansicht aus, die Bulla ovordes D’Arca.? sei ident
mit der vorliegenden Aachener Form. Die südfranzösische Art hat indessen einen weiteren Nabel, eine
vorn mehr verbreiterte Mündung und eine gedrungenere Gestalt, abgesehen von dem Mangel einer Spiral-
streifung, welcher eine Folge des Frhaltungszustandes sein kann.
J. Bönm nennt das Gehäuse cylindrisch, flach: convex und nach vorn verbreitert. Diese Angaben
7
beruhen wohl auf einem Irrthum.
Vorkommen. Nicht selten im Grünsand zu Vaals, von wo etwa 60 Exemplare vorliegen. Bei
mangelhafter Erhaltung nicht immer mit Sicherheit von der folgenden Art zu unterscheiden. Ebenfalls
ziemlich häufig in den Sandsteinbänken der oberen Quadratenschichten bei Aachen.
Die Originale von Vaals in der Sammlung der technischen Hochschule.
2. Cylichna Bosqueti nov. nom.
ar AL eılr 7%, 8%
1351. Bulla Pallasaui Mürr., Suppl. pag. 20 (non v’ArcuıAc).
1865? „ Archiaci Bosqv. bei Drw., pag. 401.
1 cf. Sroriczka, 1. c. Taf. 27 Fig. 9.
? Suppl. pag. 20.
3 Bull. soc. geol. Fr. 1853. pag. 216. Taf. 4 Fig. 2.
10*
Höherdes@Gehäusesy. 2. rn rze5,mm
Gmosste- Breiter Wlan Kar re En
Höhe : Breite . . . Er DANESIU TER
Von Oylichna Milleri ist die Form durch ihre schlankere Gestalt, die geringere Wölbung und den
Mangel einer spiralen Streifung verschieden; nur einzelne Stücke zeigen vorn eine Andeutung einer solchen.
Die Mündung ist etwas länger wie der letzte Umgang, eine schwache Spindelfalte liegt weit zurück.
In der Benennung waltet offenbar ein Missverständniss zwischen MÜLLER und Bosquer. Ersterer
bestimmte die Art als Bulla Pallassaui w’ArcnH.!, mit der sie indessen nur geringe Aehnlichkeit hat, da
sie höher ist, eine engere Mundöffnung und einen engeren Nabel besitzt. Man könnte eher die folgende
als Cyl..gradata beschriebene Art mit der B. Pallassauwi p’ArcH. vergleichen. Wahrscheinlich that dies
Bosouer, und benannte daher die vorliegende Art neu, so dass B. Pallassawi MÜLLER eine andere Form
wäre als B. Pallassaui Bosquer. Da indessen hierüber etwas sicheres nicht ermittelt werden kann, so ist
ein neuer Namen gewählt worden.
Vorkommen. Etwas seltener als die vorige Art bei Vaals im Grünsande, von wo einige 20 Exem-
plare vorliegen. Selten in den Sandsteinbänken bei Aachen.
Die Originale von Vaals in der Sammlung der technischen Hochschule.
3. Cylichna gradata n. sp.
Taf. VI Fig. 6.
1851. Volvaria tenuis Müır., 1. ce. II, pag. 10 (non Reuss!)
1851. Conus eylindraceus MüLr., ibid. pag. 42 (non Gemırz!)
idem BosQurr, MoURLoN, Uracns.
1868? Bulla Pallassaui Bosguer bei Drw. pag. 411.
Höhe des Gehäuses. . . 2... =. 255mm
Grösste Breiten m. u ee at 22er
Höhe : Breite . . . ER AED
Das Gehäuse ist dünnschalig, in der hinteren Hälfte fast eylindrisch, hinten gerade abgeschnitten,
vorn verschmälert. Man zählt 5 Umgänge, welche ein treppenartig vertieftes Gewinde bilden, so dass
man in dem weiten Nabel sämmtliche Windungen sehen kann, von denen ‚jedesmal die folgende die vorher-
gehende mit einer scharfen Kante überragt. Die Mündung ist schmal, vorn wenig: verbreitert, und etwas
höher als die Schlusswindung. Die Aussenlippe ist scharf, die Spindel anscheinend ohne Falten.
Cylichna tenuis Reuss?, welche in der Gestalt und in der Form des Nabels ähnlich ist, hat eine
spirale Streifung und soll drei Spindelfalten besitzen (?).
Mürrer’s Conus cylindraceus sind kleine, mangelhafte Steinkerne aus den Sandsteinbänken, bei
denen das Gewinde nicht vertieft, sondern flach erscheint.
Bulla Pallassaui w’Arcn.? ist vorn breiter und hat eine weitere Mündung. Ueber die Benennung
1! Bull. soc. geol. Fr. 1853. pag. 216. Taf. 4 Fig. 1.
? Bönn, Kreide, pag. 50. Taf. 10 Fig. 20.
3 Bull. soc. geol. Fr. 1855. pag. 216. Taf. £ Fig. l.
bei BosouET, welcher auch noch Volvaria tenwis Reuss aufführt, sind bei der vorigen Art die nöthigen
Bemerkungen gemacht.
Vorkommen. Ziemlich selten im Grünsand zu Vaals, von wo ein Dutzend Exemplare untersucht
wurden. Sehr selten, vielleicht wegen der Kleinheit nur übersehen in den gleichen Schichten am Lusberg
und Königsthor.
Original von Vaals in der Sammlung der technischen Hochschule.
Familie: Actaeonidae D'ÖRR.
Genus: Actaeonina D’ORB.
1. Actaeonina doliolum MÜrLLEr sp.
Taf. VI Fig. 15, 16.
1851. Actaeon doliolum MüLter, ]. c. pag. 11. Taf. 5 Fig. 11.
id. BosQUET, PICTET, STOLIczKA etc.
Höhe des Gehäuses rs emm
ler Schlusswindunsse er Er lser
Ganzes Gehäuse : letzte Windung . . . x .146:100 „
GrösstenBreiten. meh ee 2
Elöher#breiter nm era ee 218310‘
Das stumpf spindelförmige bis eiförmige Gehäuse besteht aus 6 bis 7 Umgängen, die ein treppen-
förmig abgestuftes Gewinde bilden, und von denen der letzte etwa 3/5 der Gesammthöhe einnimmt. Die
Nähte sind tief, ausgehöhlt, die Mündung ist schmal, hinten spitz, die Aussenlippe scharf, die Spindel
ohne Falten. Die Skulptur besteht aus kräftigen, vertieften Spirallinien.
Auf welche Beobachtung die Bemerkung SrtoLiczkA’s gegründet ist, die Art zeige Spindelfalten,
vermag ich nicht zu sagen. Die vorliegenden Stücke, unter denen MÜLLER’s Original, zeigen keine.
Vorkommen. Sehr selten im Grünsand von Vaals, von wo nur die eine Fig. 15 abgebildete
defecte Schale vorliegt. Weniger selten als Steinkern, oft mit anhängenden Schalenresten in den Sandstein-
bänken des Grünsandes bei Aachen, von wo 10 Stücke vorliegen. Das Fig. 16 abgebildete Stück, MÜüLLEr’s
Originalexemplar, vom Königsthor. Nach Brauss in den Salzbergmergeln bei Quedlinburg.
Originale in der Sammlung der technischen Hochschule.
3. Actaeonina Binkhorsti nov. nom.
Taf. VI Fig. 1
jo.)
1851. Actaeon cylindraceus MüLr., ]. c. II, pag. 11. Taf. 3 Fig. 12. (non Actaeonina cylindracea D’ORR.!)
id. Bosquer, Srouiczka, Pieter. .
Höhe des Gehäuses . . . . . Ban
2 der2Schlusswinduneg gr rl
”
Höhe des Gehäuses : Schlusswindung . . . 183: 100 mm
Grosste@Breiteren u ec 98
HöheröBreiter 2.00 Dr ee OA,
Von dieser Art liegen nur Steinkerne vor, welche schlank spindelförmig sind. Die Schlusswindung
ist nur wenig höher als das halbe Gehäuse. Die Oberfläche war, wie Abdrücke zeigen, mit dicht gedrängten
Spirallinien verziert. Die Mündung ist vorn verbreitert, hinten spitz, die Spindel glatt.
Von den übrigen Actaeoninen unterscheidet diese Art sich durch schlanke Gestalt, bei relativ
stumpfen Gewinde.
Der Name cylindracea, welchen MÜLLER dieser Art gegeben, musste geändert werden, da derselbe
bereits von D’OrBıcnY ! für eine jurassische Form vergeben war.
Vorkommen. Ziemlich selten in den Sandsteinbänken am Lusberg und Königsthor, von wo
6 Steinkerne und ein Abdruck vorliegen.
Original vom Königsthor in der Sammlung der technischen Hochschule.
3. Actaeonina lineolata Reuss sp.
Taf. VI Fig. 17.
1846. Phasianella lineolata Reuss, Kr. pag. 49. 'Taf. 10 Fig. 20. (non Taf. 7 Fig. 25).
Das sehr schlank spindelförmige Gehäuse besteht aus 5 flach gewölbten Umgängen, von denen der
letzte etwa die Hälfte der Gesammthöhe einnimmt. Die Naht ist flach. Die Oberfläche ist mit spiralen
Streifen verziert, welche bei den vorliegenden Stücken meist undeutlich sind, namentlich auf den älteren
Windungen, während sie auf dem vorderen Theil der Schlusswindung in der Regel kräftig werden. Die
Mündung ist ziemlich weit, die Aussenlippe scharf, die Spindel glatt.
In der Gestalt stimmt die Form mit der Abbildung bei Reuss (Taf. 10 Fig. 20) überein, sie unter-
scheidet sich wesentlich nur dadurch, dass Spiralstreifen nur auf dem vorderen Theil der Schlusswindung scharf
sind, während bei Reuss Abbildung und Beschreibung eine gleichmässige Vertheilung der Streifen angeben.
Taf. 7 Fig. 25, welche Reuss auf dieselbe Art bezieht, hat mit Taf. 10 Fig. 20 kaum Aehnlichkeit,
und dürfte wohl eine andere Art darstellen. Reuss stellt seine Art zu Phasianella, indess sagt schon
STOLICZRKA (1. ce. pag. 407), es sei eine Actaeonina. — Von den übrigen Aachener Formen ist Actaeonina
Binkhorsti am nächsten verwandt, doch ist diese viel grösser, gedrungener und hat ein stumpferes Ge-
winde, so dass eine Verwechselung kaum möglich ist.
Vorkommen. Bis jetzt nur aus dem Grünsand von Vaals, von wo 6 z. Th. defecte Stücke vorliegen.
Original im städtischen Museum.
4. Actaeonina acutissima Mürr. sp.
Taf. VI Fig. 23.
1851. Actaeon acutissimus Mürr., 1. c. II, pag. 11. Taf. 5 Fig. 13.
id. Pıoter, StoLiczka, Bosquer.
1 Prodrome II, pag. 58.
Diese kleine Art hat die Gestalt eines Conus, und besitzt ein hohes spitzes Gewinde und eine
langsam nach vorn sich verschmälernde Endwindung. Die Mündung ist schmal, spaltförmig, die Oberfläche
fein spiral gestreift, die Spindel glatt.
Mürver's Original, welches nach der Zeichnung nahezu vollständig war, ist nicht mehr vorhanden,
und die S vorliegenden Stücke sind sämmtlich defeet, so dass genaue Abmessungen des Gehäuses nicht
angegeben werden können. Indess ist die Art an der charakteristischen Form des Gewindes leicht zu erkennen.
Vorkommen. Bis jetzt nur im Grünsand von Vaals, selten.
Original in der Sammlung der technischen Hochschule.
5. Actaeonina coniformis MÜLL. sp.
Taf. VI Fig.
[80]
wo
1851. Actaeon coniformis MüıL., ]. ce. pag. 11. Taf. 3 Fig. 14.
1851. ” bulliformis Müur., ibid. pag. 11. Taf. 5 Fig. 4.
id. BosqQUET, SToLiczkA etc.
1387. ? Actaeonina coniformis Frecn, Z. d. D Geol. Ges. pag. 197 Tab. 15 Fig. 23.
Die kleine, eiförmige Schale besteht aus 4 Umgängen, von denen der letzte doppelt so hoch ist,
wie die übrigen zusammen. Die Mündung ist hoch und weit, die Spindel glatt, die Oberfläche spiral gestreift.
Actaeon bulliformis Mürn. ist wohl ident mit der vorliegenden Art, von der MÜLLER nur Stein-
kerne kannte. Uebrigens sind auch die Stücke von Vaals ohne Ausnahme mangelhaft erhalten, namentlich
ist bei allen ein Theil der Aussenlippe abgebrochen, dass die genaue Gestalt der Mündung unbekannt ist.
Actaeon granulato-lineatus BınkH.! ist in der Form übereinstimmend, nach BinkHorst nur durch
die Sculptur verschieden, was wohl dem Erhaltungszustande zuzuschreiben ist; BıkHorsr's Figur zeigt in-
dessen eine eigenartige Mündung, welche auf die Gattung Bullinula hindeutet. Die vorliegenden Stücke
gestatten indessen kein Urtheil über diese Frage.
Vorkommen. Selten im Grüusand von Vaals, von wo 3 Exemplare vorliegen. Nach MÜLLER am
Lusberg und Königsthor, wo ich die Art indessen nicht beobachtete.
Original von Vaals in der Sammlung der technischen Hochschule.
6. ? Actaeonina nana Mürr. sp.
Taf. VI Fie. 14.
1851. Globiconcha nana Mürn., ]. c. pag. 13. Taf. 3 Fig. 18.
Nur ein Steinkern eines kleinen Opisthobranchiers liegt vor, das Origimal von Mürzer’s Globi-
concha nana, welcher sich durch sein sehr kurzes Gewinde und die schmale, spaltförmige, verengte
Mündung auszeichnet. Spindelfalten fehlen, und die Oberfläche zeigt an anhaftenden Schalenresten eine
Spiralstreifung.
Im Uebrigen ist das Stück so mangelhaft, dass eine genaue Charakterisirung und eine Bestimmung
der Gattung kaum möglich erscheint. Es ist daher die Benennung eines solchen Fossils eigentlich werthlos.
U BinKHoRst, 1. c. pag. 63. Taf. 5 Fig. 5, 4.
ae RO
Da indessen der Mürver’sche Namen, und das Originalstück, auf welches sich derselbe bezieht, einmal vor-
handen ist, so habe ich denselben der Vollständigkeit halber aufgeführt.
Vorkommen. Das betreffende Stück stammt aus den Muschelbänken des Lusberges, und befindet
sich in der Sammlung der technischen Hochschule.
Genus: Bullinula Beck.
In diese Gattung werden actaeonartige Schalen gestellt, die eine faltenlose, gedrehte Spindel und
einen deutlichen Ausguss besitzen.
Der Umfang der Gattung wird sehr verschieden angenommen, Woopwarn t hält Bullinula für ident mit
Aplustrum Scrun.?, und stellt die Gattung unter diesem letzteren, älteren Namen zu den Bullidae. In der That
hat die einzige lebende_Aplustrum-Art, A. aplustre Lısst sehr viel Aehnlichkeit mit typischen Bullinula-Arten. i
Nach Srorıczra 3 unterscheidet sich Aplustrum von Bullinula im wesentlichen nur durch die dünnere Schale,
niedergedrückteres Gewinde und abgestutzte Columella. Beide Gattungen werden von SroLiczkA neben-
einander zu den Actaeoniden gestellt. v. Zırres* bringt Bullinula zu den Actaeoniden, Aplustrum zu den
Bulliden, und bei Cuexu? und Kerersteiv® bilden die beiden Gattungen mit Hydatina eine besondere
Familie, die Aplustridae.
Da von Bullinula sowohl wie von Aplustrwm noch Arten leben, so kann nur die Beschaffenheit der
Weichtheile Aufschluss über die Stellung der Gattung geben. In der mir zugänglichen Literatur vermochte
ich indessen hierüber genauere Angaben nicht aufzufinden, und ich folge daher der Mehrzahl der Syste-
matiker, und halte die beiden Gattungen Aplustrum und Bullinula getrennt, obwohl Woopwarp’s Ansicht
manches für sich hat, wenn man allein das Gehäuse vergleicht. Die systematische Stellung scheint am
zweckmässiesten bei den Actaeoniden zu sein, wenigstens zeigen die Schalen mehr Verwandtschaft mit
diesen als mit den Bulliden.
Wahrscheinlich ist die Gattung Pseudobuceinum Merx ’ und Hayven® ident mit Bullinula. Die
amerikanischen Autoren und nach ihnen v. Zırren° stellen dieselbe neben Duccinum. Der Habitus von
Ps. nebrascense ist der eines Opisthobranchiers, und kann, wenn die Form zu dieser Abtheilung gehört, nur
die Gattung Baullinula in Frage kommen.
Die Arten der Gattung sind in der Kreide wenig verbreitet. SrorıczkA führt drei auf:
Actaeon Icautensis Pıcr. und Camr.; Bulla ornata Gukr.;, Bullinula obtusiuscula StorL. aus Südindien.
i Manuel of the Molluska, pag. 518. Taf. 14 Fig. 11.
H. u. A. Anpıns: Genera of rec. Moll. II, pag. 6.
3 Öret. Gast., pag. 404.
2 Handbuch II, pag. 295 und 296.
5 Manuel de Conchyliologie I, pag. 386.
6 Bronn, Classen und Ordnungen III, pag. 799.
7 Proceed. Acad. Nat. sc. Philad. VIII, pag. 67.
® Invertebrate Palaeont., pag. 349. Taf. 31 Fig. 5.
° Handbuch II, pag. 266.
vo
ee
Hierzu kommen dann noch einzelne andere, wie:
Avellana inerassata Kxer‘ (non Sow.!); Actaeon granulato-lineatus BıisxH.?; Naticella Strombecki Mürn.°,
sowie eine neue Art aus der Aachener Quadratenkreide.
1. Bullinula Strombecki Mürr. sp.
Taf. VII Fig. 9,
1851. Naticella Strombecki Mürr., Mon. II, pag. 16. Taf. 3 Fig. 20.
id. BosQquEr, MourLon, Usacns.
1568. Vanikoro Strombecki SıoL., Oret. Gast., pag. 308.
Das aus 4 Umgängen bestehende Gehäuse hat eine fast kugelige Gestalt, die Endwindung ist
sehr gross, die Spira sehr kurz. Die Oberfläche ist spiral gestreift. Die Mündung ist gerundet trapez-
förmig, hinten spitz, vorm mit breitem Ausguss. Die Aussenlippe ist scharf, einfach, die Spindel gerade,
ohne Falten.
Mürver kannte von dieser nicht seltenen Art nur unvollständige Stücke, die sämmtlich die Mündung
nicht zeigen. — Durch ungemein bauchige Gestalt entfernt sich Bullinula Strombecki von allen anderen
Arten der Gattung.
Vorkommen. Nicht selten, aber fast stets defect in dem Grünsand von Vaals und in den Muschel-
bänken am Lusberg und Königsthor.
Origimal in der Sammlung der technischen Hochschule.
2. Bullinula Frechi n. sp.
Taf. VII Fig. 8.
Gehäuse aus 4 Umgängen bestehend, welche stark gewölbt sind. Endwindung gross, Oberfläche
dicht spiral gestreift. Mündung fast halbmondförmig, vorn mit langem und spitzem Ausguss. Die Aussen-
lippe ist scharf, die Spindel vorn etwas gedreht, ohne Falten.
Von der vorigen Art ist diese durch ihre wesentlich schlankere Gestalt unterschieden, sowie durch
die viel schmalere Mündung, welche fast übereinstimmt mit der der lebenden B. Brugieri. Diese ist
indessen noch schlanker, ebenso die sonst auch sehr ähnliche B. striato-sulcata Zırr. und Govp. aus
dem Coralrag.
Vorkommen. Sehr selten im Grünsand von Vaals, von wo nur ein vollständiges und ein defectes
Stück vorliegen.
Original in der Sammlung der technischen Hochschule.
1 Neue Beiträge. Taf. 2 Fig. 3.
? Gasterop. etc. Taf. 3 Fig. 3, 4.
> Mon. II, pag. 16. Taf. 3 Fig. 10.
Palaeontographica Bd. XXXIV. 11
Genus: Actaeonella D’Ore.
1. Actaeonella gigantea Sow.
Taf. VII Fig: 12, 13.
1835. Tornatella gigantea Sow., Geol. soc. Trans. III, pag. 718. Taf. 33 Fig. 9.
1851. Actaeon giganteus Sow., Mürr. ]. c. II, pag. 10.
id. BosQuer, MourLon, UÜpacns etc.
1865. Actaeonella gigantea Sıor., Eine Revision der Gosau-Gasteropoden, pag. 36. Hier die Synonyma.
Es liegen 6 Exemplare einer grossen Actaeonella vor, welche im Allgemeinen ziemlich ungünstig
erhalten sind, sich indessen auf die Sowersy’sche Art beziehen lassen. Die Oberfläche ist glatt, das Ge-
häuse conusartig nach vorn verschmälert, das Gewinde in seiner Höhe ziemlich variabel, hoch bis niedrig
kegelförmig, die Mündung schmal; die Spindel hat 3 kräftige parallele Falten, von denen die hintere
bedeutend stärker ist.
Die Bestimmung der glatten Actaeonellen bietet erhebliche Schwierigkeiten, da dieselben in ihrer
Gestalt beträchtlichen Schwankungen unterworfen sind, so dass eine ganze Reihe von Arten aufgestellt
worden sind. Es geht dies namentlich aus den Bemerkungen von SrtoLıczkA hervor, der 5 von den
Arten, die Zekerı aus den Gosau-Schichten beschrieben, zu Act. gigantea Sow. zieht. Fasst man die
Art in diesem weiten Sinne, wie man dies wohl thun muss, so gehören auch die Aachener Exemplare
derselben an. ;
Vorkommen. Die betreffenden Stücke mit roh verkieselter Schale fand MüLLer im Aachener
Sand des Aachener Waldes, wahrscheinlich bei Ronheide.
Originale in der Sammlung der technischen Hochschule.
2. Actaeonella eretacea Mürr. sp.
Taf. VII Fig. 11, 14, 15, 16.
1851. Cassidaria cretacea MürL., pag. 17. Taf. 3 Fig. 21.
1869. Globiconcha maxima Mür., Suppl., pag. 23.
Das aus 6—7 Umgängen bestehende Gehäuse hat im Allgemeinen eine conusähnliche Gestalt, und
varirt ziemlich in der Höhe des kegelförmigen Gewindes. Die Sculptur besteht aus einer Reihe von
wulstigen Knoten dicht vor der Naht. Vor dieser Knotenreihe ist der letzte Umgang mehr oder weniger
concav eingebogen, und in seinem vorderen Theile trägt derselbe einen kräftig hervortretenden Wulst, der
oft mit ein oder zwei Knotenreihen verziert ist. Die Mündung ist schmal und lang, die Spindel trägt vorn
drei kräftige Falten.
Sämmtliche vorliegenden Exemplare sind als Steinkerne erhalten, gute Abdrücke fehlen, da das
Gestein, in welchem sie vorkommen, ein lose verkitteter rauher Sandstein, für die Erhaltung nicht günstig ist.
Die Art variirt beträchtlich, namentlich in der Ausbildung der Knotenreihen, welche bei manchen
Stücken undeutlich sind, und manchmal ganz fehlen. Bei gutem Material an beschalten Stücken wäre es
vielleicht möglich, innerhalb der hier als Act. cretacea zusammengefassten Formenreihe gut charakterisirte
Species zu unterscheiden, zur Zeit ist dies unmöglich. Münver’s Original von Cassidaria eretacea, deren
Zeichnung ganz misslungen ist, gehört mit in diesen Formenkreis, es ist ein mangelhafter Steinkern, dessen
Schlusswindung nicht die concave Fläche zeigt. In derselben Schicht, in welchem derselbe sich fand,
kommen auch grosse, freilich bis jetzt immer sehr defecte Stücke mit dieser Concavität vor, und mag wohl
das Alter des Thieres von Einfluss auf die Ausbildung derselben gewesen sein.
Actaeonella Beyrichi DrESCHER!, aus dem oberen Quadersandstein von Giersdorf, hat viel Aehn-
lichkeit mit der Aachener Form, ist aber viel schlanker.
Vorkommen. Ziemlich verbreitet und nicht ganz selten im Aachener Sand, am Salvatorberge, in
dem Hohlwege bei Schneller Wind, am Zollhause bei Altenberg (Fig. 11 und 16), bei Laurensberg (Fig. 15),
und in der festen Quarzitbank auf dem kleinen Tunnel bei Ronheide (Fig. 14).
Originale zu Fig. 11, 15 und 16 in der Sammlung des Herrn Berissen, zu Fig. 14* (Original
MÜrLLERr’s) im der Sammlung der technischen Hochschule.
3. Actaeonella laevis Sow.
Taf. VII Fig. 10.
1835. Volvaria laevis Sow., Trans. geol. soc. II, Taf. 39 Fig 33.
id. D’ORBIGNY, ZEKELI, STOLICZKA.
Am Salvatorberge finden sich in Concretionen des Aachener Sandes nicht selten verkieselte Exem-
plare dieser in den Gosauschichten der Alpen verbreiteten Form, und stimmen die freilich meistens defecten
Exemplare in der Gestalt des Gehäuses und der Ausbildung der Spindelfalten gut mit alpinen Exemplaren
überein. Der Darstellung dieser Art durch Zekeuı? vermag ich neue Beobachtungen nicht hinzufügen.
Es liegen 14 Exemplare vor. Original in der Sammlung der technischen Hochschule.
Genus: Actaeon MonTE. ;
Actaeon Mülleri Bosauer.
Taf. VI Fig. 11, 12.
1851. Actaeon affınis Mürr., 1. ec. II, pag. 10. (non Sow.!)
1861. » Mülleri Bosqu. bei STArING.
id. SrorLıczkA, Bosquer bei Drw., MoUuRLoN etc.
1884. Solidula Mülleri J. Bönn, 1. c. pag. 71.
Gehäuse schlank eiförmig bis spindelförmig, aus 5 langsam anwachsenden Umgängen bestehend, die
flach gewölbt sind, und von denen der letzte ?/ der Gesammthöhe einnimmt. Die Nähte sind flach, das
Gewinde stumpf. Die Oberfläche trägt dicht stehende, vertiefte Spirallinien, in denen sich eingestochene
Punkte befinden. Die Mündung ist ziemlich weit, hinten spitz, vorn gerundet, mit einer Art Ausguss. Die
Aussenlippe ist scharf, innen gekerbt, die stark gedrehte Spindel trägt zwei einfache wulstige Falten.
Jugendexemplare unterscheiden sich von ausgewachsenen durch gedrungenere Gestalt. Solche jungen Stücke
it Zeitsch. d. D. Geol. Ges. 1864. pag. 337. Taf. 9 Fig. 1.
? Gosau-Gasterop., pag. 44. Taf. 7 Fig. 11.
ul
eV
haben mit Actaeon affınis Sow.‘ manche Aehnlichkeit, doch ist bei der Form von Blackdown die Mündung
weiter, und die Spiralstreifung weitläufiger. Actaeon elongatus Sow.? ist schlanker wie die Aachener Form.
J. Bönm stellt die Art zu Solidula, eine Gattung, die sich von Actaeon durch das Vor-
handensein von zwei Spindelfalten unterscheidet, während Actaeon deren nur eine besitzt. Ein solcher
geringfügiger Unterschied bei sonst vollkommener Uebereinstimmung erfordert indessen keine generische
Trennung.
Vorkommen. Nicht selten im Grünsand zu Vaals und Aachen, von wo etwa 40 Exemplare vor-
liegen. Ein Exemplar aus dem Aachener Sand vom Salvatorberg im städtischen Museum.
Originale von Vaals in der Sammlung der technischen Hochschule.
Genus: Cinulia Gray.
1. Cinulia Humboldtii Mürz. sp.
Taf. VI Fig. 19—21.
1851. Avellana Humboldtii Mürr., Monogr. II, pag. 12. Taf. 3 Fig. 15.
1551. " Archiaciana Mütr., ibid. pag. 12.
1851. » paradoxa Müun., ibid. pag. 12. Taf. 5 Fig. 17.
Gehäuse gedrungen eiförmig, aus 5 schnell breiter werdenden Umgängen gebildet, ‘von denen der
letzte 3a der Gesammthöhe einnimmt. Die Skulptür besteht aus zahlreichen vertieften Spirallinien, 25 bis
30 auf der Schlusswindung, in deren Grunde sich entfernt oder näher stehende vertiefte Punkte befinden.
Die Mündung ist mässig weit, spitz eiförmig, mit verdickter Innen- und Aussenlippe. Letztere trägt innen
3 oder 4 grobe zahnartige Vorsprünge, welche indessen oft undeutlich sind, und manchmal ganz fehlen.
Die Spindel trägt eine hohe, meist gespaltene, die Innenlippe eine schwache, oft rudimentäre obere und
eine kräftigere untere Falte. Die beiden letzteren sind nicht durchlaufend, sondern verflachen sich sehr
bald und sind einen Umgang zurück nicht mehr wahrnehmbar.
D’Orgısny hatte aus dem Aachener Wald (den er als Bois d’Aix nach Belgien verlegte) eine
Cinulia Archiaciana® beschrieben. Unter den zahlreichen von mir untersuchten Exemplaren (mehr wie 30),
welche zu dieser Gattung zu rechnen sind, und welche zum grossen Theile ebenfalls aus dem Aachener
Wald stammen, befindet sich keins, welches eine ähnlich schlanke Gestalt besitzt, wie sie D’ORBIeny zeichnet.
Die schlanksten Exemplare haben ein Verhältniss der Höhe zur Breite von 150 :100, während die Zeich-
nung der Paleontologie francaise, 170:100 aufweist. Es ist daher entweder der Fundort falsch angegeben
worden, oder die Zeichnung ist ungenau und lässt die Art nicht erkennen. Es ist daher auf jeden Fall
der p’Orzıgny’sche Name für die Aachener Senonform zu verwerfen, in letzterem Falle auch für die übrigen
in der Literatur als ©. Archiaciana aufgeführten Formen.
Avellana Archiaciana bei Frrrsch* aus Weissenberger Schichten, hat mit der Figur bei D’ORBIGNY
! bei Fırrox. Taf. 18 Fig. 9.
= 221bid. Taf Hio1E
® Pal. franc. II, pag. 137. Taf. 169 Fig. 7—9.
2 Weissenberger Schichten, pag. 111. Fig. 61.
wenig Aehnlichkeit, der Gestalt nach könnte sie zu €. Humboldtii gehören, da sie indessen keine Mündung
zeigt, bleibt eine Bestimmung ganz unsicher.
©. Archiaciana bei Nöruıne t aus baltischen Cenomangeschieben, hat eine noch schlankere Gestalt,
wie die Abbildung bei D’OrBIGNY.
Ringieula Archiaciana Geinırz? von Kieslingswalde (im Text ist dieselbe als Aurieula incrassata
Sow. aufgeführt), könnte zu ©. Humboldtii gehören, da sie die ungefähre Gestalt besitzt, mangels aller
sonstigen Charaktere ist die Bestimmung indessen ganz unsicher.
Mürrer verstand unter Avellana Archiaciana sicher die vorstehend beschriebene Art, von der er
indessen einige Abweichungen zeigende Formen als selbständige Arten abtrennte. Bei genügendem Material
und unter Berücksichtigung des Erhaltungszustandes überzeugt man sich indessen von der Unhaltbarkeit
dieser Arten. Die best erhaltenen Schalen vom Lusberg zeigen in den Spirallinien eingestochene kreisrunde
Punkte (Fig. 21c), die weniger gut erhaltenen vom Königsthor und die rohen Verkieselungen von Vaals da-
gegen unregelmässige breite Vertiefungen (Fig. 19d und 22d). Bei Fig. 20 sind dieselben ganz undeutlich.
Die stärkere oder schwächere Verdickung der Aussenlippe ist gleichfalls kein Grund zur Trennung, und
was die Zähnelung der Aussenlippe anbelangt, so liegen alle Uebergänge zur vollständig glatten Form vor,
und scheinen namentlich ganz alte Exemplare eine stark gezähnte Aussenlippe zu besitzen. Die Spindelfalte
ist meistens gespalten, doch finden sich neben Exemplaren mit einfacher Spindelfalte auch solche, bei denen
die Spaltung eben angedeutet ist. Die obere Falte der Innenlippe, die überhaupt schwach ist, kann
ganz fehlen. Alle diese Verschiedenheiten sind indessen nicht hinreichend für eine Trennung. C. Hum-
boldtii MÜLLER gehört zu den im Aachener Senon mehrfach vorkommenden, sehr veränderlichen Formen,
von denen man kaum 2 gut erhaltene Exemplare findet, die vollständig mit einander übereinstimmen.
Wollte man Arten abtrennen, so würde man leicht auf die doppelte und dreifache Zahl der MüLLEr’-
schen kommen.
Vorkommen. Allenthalben im Grünsand nicht selten, besonders in den Sandsteinbänken des
Aachener Waldes. Es wurden etwa 30 Exemplare untersucht.
Originale in der Sammlung der technischen Hochschule.
2. Cinulia aquensis n. sp.
Taf. VII Fig. 17.
Die Sammlung der technischen Hochschule besitzt 2 Exemplare einer Oinulia-Art von Vaals, welche
im wesentlichen die Gestalt der ©. Humboldtii Münner haben, sich von derselben indessen durch eine
dichtere und kräftigere Spiralstreifung, sowie durch die Ausbildung der Mündung unterscheiden. Die Lippen
sind nicht oder kaum verdickt, die Aussenlippe ist innen sehr fein gezähnelt, die Innenlippe ohne Falten
oder zahnartige Vorsprünge. Die Spindel ist mit einer einfachen, schwachen Falte versehen. Es scheinen
diese Unterschiede auszureichen, eine Trennung von C. Humboldti zu begründen, trotz der bedeutenden
Veränderlichkeit dieser letzteren Art.
! Fauna der baltischen Cenomangeschiebe. 1885. pag. 40. Taf. 22 Fig. 16.
? Kieslingswalde. Taf. 1 Fig. 26.
|
[0 0)
2
|
:Cinulia sp.
Taf. VII Fig. 18.
Ein mangelhaftes Stück eines kleinen Opisthobranchiers aus dem Grünsand von Vaals, hat ein
schlankeres Gewinde, als die im Vorstehenden besprochenen Cinulia-Arten, eine ziemlich weite Mündung,
scharfe einfache Aussenlippe, und eine gespaltene Falte auf der Spindel. Die Querhöcker, welche die Ab-
bildung zeigt, sind an dem Originalstück undeutlicher und unregelmässiger, und vielleicht nur in dem Er-
haltungszustande des kleinen Exemplares bedingt, welches nicht ausreichend ist, eine Species zu begründen.
Das betreffende Stück befindet sich in Herrn Beısser’s Sammlung.
Genus: Ringicula Desn.
Eu Ringieula Hagenowi Mürr. sp.
Taf. VII Fig. 1—7.
1851. Avellana Hagenowi MüL., Monographie II, pag. 13. Taf. 3 Fig. 16.
1853. Ringieula Verneuili Arcı., Bull. soc. geol. Fr. pag. 126. Taf. 4 Fig. 2.
1359. cn pinguis MüıL., Supplement, pag. 22. Taf. 8 Fig. 15.
1885. n » J. Böum, Grünsand, pag. 72.
Das kleine, dickschalige, spitz eiförmige Gehäuse besteht aus 5 ziemlich rasch anwachsenden Um-
gängen, von denen der letzte ungefähr ?/3s der Gesammthöhe einnimmt. Die Skulptur besteht aus schmalen,
vertieften Spirallinien, welche bald enger, bald weitläufiger stehen, und feine, oft undeutliche, eingestochene
Punkte zeigen. Die Mündung ist schmal, halbmondförmig, und verlängert sich nach hinten in eine schmale
Rinne, die auf der Oberfläche der letzten Windung fortsetzt, und zuweilen bis an die vorhergehende Naht
reicht. Aussenlippe stark verdickt, innen gezähnt, Innenlippe stark schwielig, vor der Mitte eingebogen,
und mit zwei Falten hinter dieser Einbiegung, von denen die hintere schwächer ist. Die Spindel ist stark
gedreht und trägt eine hohe gespaltene Falte. Der kanalartige Ausguss ist kurz.
Ringicula Hagenowi ist eine sehr veränderliche Form. Sie schwankt zunächst beträchtlich in der
Höhe des Gewindes. Ein schlankes Stück vom Lusberg bildete MürtLer als Avellana Hagenowi ab‘, das-
selbe zeigt keine Mündung. Diese hohe Form kann indessen von den niedrigen nicht getrennt werden, da
sie mit denselben durch zahlreiche Uebergänge verbunden ist. Ebenso verschiedenartig ist die Mündung:
die Innenlippe ist bald sehr dick, bald ganz dünn, kaum wahrnehmbar; die Verdickung der Aussenlippe ist
bald stark, bald schwach, oft reicht sie bis an die vorhergehende Naht, oft nur bis in die Mitte der vor-
letzten Windung. Die Spiralstreifen stehen bald dicht, bald weitläufig, die Spindelfalte ist oft hoch, deut-
lich gespalten, oft niedrig und nur undeutlich gespalten. Alle diese mannigfachen Unterschiede konnten bei
dem reichen vorliegenden Material eine Trennung in mehrere Arten nicht veranlassen, da nur selten zwei
ganz gleiche Stücke zu finden sind.
Die Angabe Srouıczra’s (l. c. pag. 411), dass die Art nur eine Falte auf der Innenlippe zeige. und
dass die hintere nur ein nicht durchgehender zahnartiger Vorsprung, keine durchlaufende Falte sei, kann
1 Dasselbe ist Fig. 7 von Neuem gezeichnet.
ich bestätigen. STOLICZKA Spricht ferner die Vermuthung aus, es möchte Ringicula Vernewli D’Arcn. ident
sein mit R. pinguis. Die Abbildung bei p’ArcHıac stimmt in der That mit niedrigen Formen der R.
Hagenowi in der Gestalt vollständig überein. Die Innenlippe der Form von Rennes zeigt jedoch nur eine
Falte, und die Spindelfalte ist nicht gespalten. Letzteres kommt jedoch auch bei Aachener Stücken vor,
und das Fehlen der schwachen hinteren Falte kann durch den Erhaltungszustand bedingt sein, so dass die
südfranzösische Form mit der Aachener wahrscheinlich ident ist. Der Mürter’sche Namen R. Hagenowi
hat indessen die Priorität.
Vorkommen. Häufig im Grünsand von Vaals, von wo mehrere hundert Exemplare vorliegen;
seltener und leicht übersehen in den Sandsteinbänken bei Aachen.
Erklärung der Figuren. Fig. 1 und 7 vom Lusberg, Fig. 2—6 von Vaals.
Originale in der Sammlung der technischen Hochschule.
II. Ordn.: Prosobranchia.
A. Syphonostomata.
Familie: Pleurotomidae Stoı.
MÜLLER beschreibt aus der Aachener Kreide 2 Pleurotoma-Arten, welche auch in den Listen von
BosQauET, MOURLON etc. citirt werden. Beide gehören jedoch anderen Gattungen und Familien an. Pleuro-
toma Heysiana Müun. (l. ec. pag. 46. Taf. 5 Fig. 12) ist auf Spitzen und Jugendexemplare von Trichotropis
Koninckii Müur. gegründet, und die andere, Pleurotoma induta (l. ec. pag. 46), welche übrigens nach meinen
Beobachtungen überhaupt bei Aachen nicht vorkommt, ist wohl am besten bei Voluta unterzubringen.
Neuerdings beschrieb auch J. Bönm (l. c. pag. 70. Taf. 1 Fig. 5) eine Pleurotoma (Raphitoma gracilis
J. Bönm) von Vaals. Auch dies ist keine hierhergehörige Art, sondern ein typischer Fusus. Es kommen
aber im Aachener Grünsand einige Arten vor, welche in diese vorzugsweise im Tertiär verbreitete Familie
gehören, sich indessen von den tertiären und lebenden Formen so weit entfernen, dass besondere Gattungen
für sie aufgestellt werden müssen.
Genus: Volutoderma GAB.
Im Jahre 1831 beschrieb SowErgy aus den Gosauschichten ein Fossil als Pleurotoma spinosai,
welches von ZEKELI? zu Fasciolaria gestellt wurde. SToLıczkA ? verwies dasselbe in die Gattung Borsonia,
weil vor der Naht ein Sinus der Aussenlippe vorhanden ist, dem der Verlauf der Anwachsstreifen ent-
spricht. Bei dieser Gelegenheit macht SrouLıczka auf in ähnlicher Weise bogenförmig verlaufende Anwachs-
streifen aufmerksam, welche er bei gut erhaltenen Stücken der Voluta elongata D’Orp. beobachtete, und hält es
! Geol. soc. Trans. Taf. 59 Fig. 21.
? Gosau-Gasteropoden, pag. 95. Taf. 16 Fig. 11.
3 Revision etc., pag. 89.
für wünschenswerth, diese Beobachtung an besseren Exemplaren zu vervollständigen. Die Exemplare
aus der Gosau und Neuen Welt, sowie von den meisten übrigen Fundorten eignen sich wenig für diese
Untersuchung, da die Oberfläche die Anwachsstreifen nicht in genügender Deutlichkeit- zeigt, und die
Mündung gewöhnlich unvollständig erhalten ist. Es tritt denn auch bei keiner der mir bekannten Zeich-
nungen von Voluta elongata das Band mit den nach rückwärts gebogenen Anwachsstreifen hervor, welches
Srtorıczka beobachtete. Aus den Aachener Quadratenschichten liegen nun einige offenbar einer Gattung
angehörige Arten vor, von denen die eine, welche MürLer als Mitra Murchisoni beschrieb, der Voluta
elongata »’OrB. so nahe steht, dass SroLiczkA, welcher dieselbe nur aus unvollkommenen Abbildungen
kannte, beide vereinigte. Die drei Arten von Aachen stimmen darin überein, dass die Aussenlippe einen
Sinus unmittelbar vor der Naht besitzt, dem ein bogenförmiger Verlauf der Anwachsstreifen entspricht.
In den übrigen Charakteren stimmen die gedachten Arten mit Voluta elongata überein. Nach den Beob-
achtungen SrtouıczrA’s dürfte es daher keinem Zweifel unterliegen, dass Voluta elongata und die Aachener
Formen einer Gattung- angehören. ®
Erstere wurde anfangs von Storıczkat zu Volutilithes gestellt, später? zu Fulguraria. Letztere
Gattung kann, abgesehen von dem Sinus, nicht in Betracht kommen, da sie auf Formen mit warzenförmigem
Apex und verdickter Aussenlippe gegründet ist. Für Voluta elongata und ähnliche Formen stellte späterhin
GAzB die Gattung Volutoderma auf?, welche von v. Zırren* als Untergattung zu Voluta gestellt wird.
Es ist nun der Gattungsname Volutoderma Ga» auch für die Aachener Arten anzunehmen, und
die Gattungsdiagnose entsprechend dem Pleurotoma-artigen Bau der Mündung zu erweitern, wobei als Typus
der Gattung Voluta elongata D’Orp. betrachtet wird, und nicht die übrigen von GABB hierher gerechneten
Formen, welche wie Voluta assimilis Stor. (l. ec. Taf. 10 Fig. 6—7) besser bei Volutilithes untergebracht werden.
Es kann nun keinem Zweifel unterliegen, dass Volutoderma zu den Pleurotomiden zu stellen ist.
Es fragt sich nur, ob sie eine selbständige Gattung ist, oder mit Dorsonia zusammenfällt. Borsonia umfasst
zwar sehr verschiedenartige Formen, allein der ganze Habitus der obercretacischen Arten ist ein von den
echten Borsonia-Arten sich so weit entfernender, dass man zweckmässig Volutoderma als selbständige Gat-
tung betrachtet. Namentlich ist die sehr grosse Endwindung, der sehr kurze und weite Kanal, die scharfe
Ausbildung der Spiralskulptur, und der lamellenartige Charakter der Anwachsstreifen eigenthümlich.
Die Diagnose der Gattung Volutoderma, die zu Pleurotoma in ähnlichem -Verhältniss steht, wie
Gosavia zu Conus, würde hiernach lauten:
Grosse Formen mit sehr grosser Schlusswindung und kurzem weitem Kanal. Spindel gefaltet.
Oberfläche kräftig spiral und quergerippt. Aussenlippe dicht vor der Naht mit Sinus, dem ent-
sprechend die oft sehr hohen und blättrigen Anwachsstreifen bogenförmig verlaufen. Embryonal-
ende spitz. i
1 Revision, pag. 74.
? Cret. Gast., pag. 86.
® Proceed. Acad. nat. sc. Phil. 1876. pag. 259 ft.
* Handbuch II, pag. 287.
1. Volutoderma fenestrata A. Rön. sp.
Taf. VIII Fig. 2, 5, 6.
1841. Pyrula fenestrata A. Röm., Kreide, pag. 79. Taf. 11 Fig. 14.
1850. . » p’Ors., Prodr. II, pag. 230.
1851. Melongena fenestrata Müır., 1. c. pag. 39.
1851. Mitra Mwrchisoni Müır., ibid. pag. 23. Taf. 3 Fig. 23
1860. ,„ 5 Bosquer bei Starına Nr. 213.
1861. Pyrula fenestrata Gase, Synopsis, pag. 73.
1867. Fulguraria elongata var. b. Sror., Cret. Gast., pag. 86.
1368. en Murchisoni und Pyrula fenestrata Bosqu. bei DEwALgQUE, pag. 408.
1875. 2 n elongata Brauxs, Salzbergmergel, pag. 347.
1885. Volutoderma fenestrata Hoızarreı, Z. d. D. Geol. Ges., pag. 477. Taf. S Fig. 9.
Höhe des Gehäuses : Höhe der Schlusswindung . . 145:100 (70:48 mm)
Hohes WBre ie 3501008020)
Spivawinkelr Ser A450
Gehäuse aus 6—7 Umgängen Besteheng, die langsam anwachsen, durch flache Nähte getrennt sind,
und vor der Naht eine breite Einschnürung besitzen. Schlusswindung sehr gross, ?/s der Gesammthöhe ein-
nehmend. Die Skulptur besteht aus dichten und schmalen Querrippen, welche auf der Einschnürung un-
deutlich werden oder fehlen, und kräftigen Spiralleisten, welche mit den Querrippen gerundete Knoten
bilden. Die Rippen werden auf dem letzten Umgang schwächer, und verschwinden nahe der Mündung voll-
ständig. Die Anwachsstreifen, welche auf den früheren Windungen nicht besonders deutlich sind, treten
auf der Schlusswindung hoch blättrig hervor, und häufen sich auf der Aussenlippe wohl derart, dass dieselbe
verdickt erscheint, doch ist ein eigentlicher Mundwulst nicht vorhanden. Auf der Einschnürung werden die
Anwachsstreifen besonders hoch, und machen hier einen Bogen nach rückwärts. Sind sie abgerieben, so
treten hier drei Spiralleisten hervor. Die Mundöffnung ist lang und schmal, hinten verengt, vorn erweitert
und weit ausgerandet. Der Kanal ist kurz, die Aussenlippe scharf, einfach, dicht vor der” Naht mit Sinus.
Die Spindel ist schwach gedreht, und trägt in der Mitte drei nach vorn zu schwächer werdende, schräge,
parallele Falten. Der Apex ist spitz.
Diese prächtige Art hat sehr viel Aehnlichkeit mit Voluta elongata D’Org., dass Srorıczka beide
vereinigte. Die Unterschiede bestehen hauptsächlich darin, dass die Aachener Art eine schlankere Gestalt,
schmälere und zahlreichere Querrippen hat, welche niemals breit, knotenartig, sondern stets leistenartig
sind. Die Windungen sind ferner vor der Einschnürung nicht niedergedrückt und gekantet, sondern ent-
sprechend der schwächeren Wölbung gerundet.
Römer beschrieb seine Pyrula fenestrata vom Plattenberge bei Blankenburg, und bildete ein etwas
verdrücktes Exemplar ab, welches indessen die eigenartige Skulptur deutlich erkennen lässt.
MüÜLtErR hatte anfangs das Bruchstück einer Schlusswindung richtig auf die Harzer Form bezogen,
ein später gefundenes vollständigeres Stück wurde seine Mitra Murchisoni.
Späterhin wurde unsere Form mehrfach zu Voluta elongata D’ORE. gezogen und damit die Synonymik
dieser Art noch verwirrter gemacht. Auch durch die vielfach zutreffenden Bemerkungen StoLiczka’s wurde
keine Klarheit geschaffen, da auch er die Vol. fenestrata Röm. für ident mit Voluta elongata D'Orp. hielt.
Palaeontographica. Bd. XXXIV 12
oe
Voluta fenestrata Zuxenıt ist eine zu Volutilithes gehörige Form, und daher von den hier er-
wähnten Volutoderma-Arten generisch verschieden, und muss ihren Namen behalten, wenn auch nicht aus
den von SrorıczkA ? angegebenen Gründen.
An anderer Stelle? habe ich den Versuch gemacht, die Synonymik von 4 in der Literatur vielfach
falsch citirten Arten klar zu stellen. Darnach gehören zu Volutoderma fenestrata Röm. nur die oben auf-
geführten Citate, von denen das Vorkommen in den Salzbergmergeln fraglich ist, da Bravss eine Abbildung
nicht giebt, und mir Vergleichsmaterial nicht zur Verfügung steht.
Volüuta fenestrata ZeKELı ist nur aus der Gosau bekannt.
Zu Volutoderma elongata v’Ore. gehören: Voluta elongata, Voluta perlonga und Fusus Dupinianus
Zerevıt; Volutilithes elongata und Fulguraria elongata Stouıczka? und Voluta elongata v. ZITTEL®, viel-
leicht auch Voluta elongata Reuss".
Zu Fasciolaria elongata Sow.® gehören: Pyrula fenestrata und Pleurotoma remote-lineata GEISITZ",
Voluta elongata Gein.t', Fasciolaria nitida und Fusus tesselatus ZEKELL!,
Vorkommen. Ziemlich selten im Grünsand von Vaals, Terstraeten und Aachen, am letzteren Orte
als Steinkern und Abdruck.
Es liegen im Ganzen 6 beschalte Exemplare vor, darunter 2 ganz vollständige, und einige Steinkerne.
Originale in der Sammlung des Herrn Beıssen und der technischen Hochschule.
2. Volutodermäa Zitteliana sp. n.
Taf. VIII Fig. 4.
Ganze Höhe : Höhe der Schlusswindung . . . 147:100 (53:36 mm)
Höhe Breite. . 2 2240100 22mm)
Spirawinkelan le 9255
Gehäuse aus 6 ziemlich schnell anwachsenden, flach gewölbten Umgängen bestehend, welche vor
der flachen Naht eingeschnürt sind. Die Schlusswindung ist hoch, nahe 2/3; der Gesammthöhe einnehmend,
sie verschmälert sich nach vorn schnell, daher der Kanal verhältnissmässig länger ist, wie bei der vorigen
Art. Die Skulptur besteht aus leistenförmigen Querrippen und kräftigen Spiralleisten. Die Anwachsstreifen
sind auf der letzten Windung ungemein hoch, blättrig, und bilden dort, wo sie über eine Spiralleiste hin-
1 Gosau-Gast., pag. 73. Taf. 13 Fig. 6.
? Revision, pag. 74.
? Zeitschr. d. D. Geol. Ges., pag. 477 ft.
2]. c. pag. 75, Taf. 13 Fig. 10. pag. 78, Taf. 14 Fig. 5. pag. 87, Taf. 15 Fig. 12.
5 Revision, pag. 94. Cret. Gast., pag. S6.
% Handbuch I, pag. 281.
? Kreide II, pag. 111.
8 Geol. soc. Trans. 1835. pag. 419. Taf. 39 Fig. 22.
9 Charakteristik, pag. 70. Taf. 18 Fig. 5 u. 6.
10 Elbthalgebirge II, pag. 172. Taf. 31 Fig. 1.
11]. c. pag. 92. Taf. 16 Fig. 10.
men
wegsetzen, eine stark vorragende ohrförmige Schuppe. Besonders hoch sind sie auf der Einschnürung, wo
sie einen tiefen und scharfen Bogen nach rückwärts machen. Die Mündung ist lang, schmal, die Aussen-
lippe scharf, mit tiefem Sinus vor der Naht. Die. Innenlippe ist dick schwielig, besonders vorn, wo sie
einen engen und rauhen Nabel bedeckt. Die Spindel ist schwach gedreht, und trägt hinter der Mitte drei
kräftige, fast gleich starke und eine schwache vordere, weit zurückliegende Falte, welch’ letztere erst sicht-
bar wird, wenn ein grosser Theil der Aussenlippe fehlt.
Von der vorigen Art ist diese durch stärkere Wölbung des letzten Umganges, gedrungenere Form,
stärkere Innenlippe und längeren Kanal leicht zu trennen.
Vorkommen. Sehr selten im Grünsand von Vaals (2 Stücke), von Terstraeten (2 Stücke) und in
den Muschelbänken am Lusberg (1 beinahe vollständiges Stück).
Das Original, das einzige* vollständige beschalte Stück von Vaals, im städtischen Museum.
3. Volutoderma Gosseleti sp. n.
Taf. VIII Fie. 3.
Das Gehäuse hat ein kurzes Gewinde, und eine sehr grosse Schlusswindung, welche sich nach vorn
stark verschmälert. Die Skulptur besteht nur aus kurzen, knotenartigen Querrippen; Spiralstreifen fehlen.
Die Mündung ist schmal und lang, die Spindel trägt hinten drei kräftige schräge Falten, von denen die
hintere die stärkste ist. Die vordere Falte liegt weit zurück, so dass sie bei vollständig erhaltener Mündung
nicht bemerkt wird. Die Aussenlippe hat einen tiefen Sinus vor der Naht, dem entsprechend die schup-
pigen Anwachsstreifen einen Bogen machen. Weiter nach vorn treten dieselben nur undeutlich hervor.
Durch das Fehlen einer Spiralskulptur ist diese Art von den übrigen der Gattung leicht zu unter-
scheiden. Auch sonst sind vielfache Unterschiede vorhanden, die beim Vergleich der Figuren leicht hervortreten.
Vorkommmen. Sehr selten im Grünsand von Vaals, von wo ein vollständiges und zwei defecte
Stücke vorliegen. Ein Exemplar von Terstraeten im städtischen Museum, ein Stück von Teuven in Herrn
UgacHs’ Sammlung.
Das Original von Vaals im städtischen Museum.
Genus: Koenenia nov. gen.
Diese, auf nur eine Species gegründete Gattung unterscheidet sich von Volutoderma lediglich durch
den Mangel der Spindelfalten. Die Form ist gross, kräftig quer und spiral skulpturirt, die Umgänge sind
vor der Nath eingeschnürt, die hier hoch schuppigen Anwachsstreifen haben einen bogenförmigen Verlauf,
entsprechend einem Sinus der Aussenlippe. Die Mündung verlängert sich in einen Kanal. Die Innenlippe
ist stark schwielig, bei der vorliegenden Art vom Gewinde etwas losgelöst. Die Gattung steht in demselben
Verhältniss zu Pleurotoma wie Volutoderma zu Borsonia.
12*
Koenenia speciosa n. Sp.
Taf. VIII Fig. 1.
Gehäuse hoch spindelförmig, aus zahlreichen Umgängen bestehend, welche vor der Nath eine schmale
Einschnürung zeigen. Vor derselben sind sie stark gewölbt, so dass eine deutliche Kante entsteht. An
derselben entspringen kräftige breite Querrippen, welche von dicht stehenden Spiralleisten geschnitten werden.
Die mässig hohe Schlusswindung ist nach vorn stark verschmälert, so dass ein ziemlich langer Kanal ent-
steht, welcher indessen an keinem der vorliegenden Stücke vollständig erhalten ist. Die Mündung ist weit,
aber kurz, die Aussenlippe scharf, hinten mit schmalem, tiefem Sinus, dem der bogige Verlauf der auf der
Einschnürung hoch schuppenförmigen Anwachsstreifen entspricht. Die Innenlippe ist dick schwielig, etwas
vom Gewinde abgelöst. Die Spindel ist einfach, ohne Falten. a
Vorkommen. Selten im Grünsand zu Vaals. 2 defecte Exemplare in der Sammlung der tech-
nischen Hochschule, das: Original von dort in Herrn Beısser’s Sammlung.
Familie: Cancellariidae Avans.
Genus: Cancellaria Av.
BosgteEr citirt bei STARInG aus dem Grünsand eine Cancellaria Staringi BosQuET, welche in dem
späteren Verzeichniss bei DewALquE fehlt. Es ist daher nicht zu entscheiden, welche Art gemeint ist, da
mehrere im Grünsand vorkommen. SrorıczkaA citirt 5 Arten! aus der Kreide und beschreibt 5 andere, wo-
durch die Zahl der eretacischen Arten auf 10 erhöht wurde. Durch die weiterhin beschriebenen 4 Aachener
Arten würde die Zahl auf 14 steigen.
1. Cancellaria nitidula Mürr. sp.
Taf. IX Fig. 4—-6, Taf. XXI Fig. 9, 10.
D
d.
2.
1. Voluta nitidula Miır., 1. c II, pag. 41. Taf. 5 Fig.
1. Rissoa Sandbergeri Müır., ibid pag. 77. Taf. 6 Fig.
id BosguEt, SroLiczkA, MOURLoN etc.
18
18
m
5
5
Ausgewachsene Stücke bestehen aus 5 mässig gewölbten Umgängen, von denen der letzte etwas
höher ist, wie die übrigen zusammen. Die Nähte sind tief, vor denselben ist die Schlusswindung
niedergedrückt, wodurch sie eine scharfe Kante erhält, ‚welche den früheren Windungen fehlt, so dass un-
ausgewachsene Stücke eine gleichmässig gewölbte Endwindung zeigen. Die Oberfläche ist spiral- und quer-
gerippt, wodurch eine zierliche Gitterskulptur entsteht. Auf den Durchschnittspunkten stehen gerundete
Knoten. Die Mündung ist kurz eiförmig, weit, nach vorn verschmälert, und in einen kurzen Kanal aus-
laufend. Die schwach gedrehte Spindel trägt zwei kräftige, gleich starke, schräge Falten. Die Aussenlippe
ist scharf, innerlich gekerbt. ;
1 Cretac. Gast,, pag. 160 ff.
a
Unausgewachsene Stücke, welche MÜLLER als Voluta nitidula abbildete, haben viel Aehnlichkeit
mit Voluta radula Sow.*, unterscheiden sich indessen wesentlich durch die Gestalt ihrer Mundöffnung, welche
kürzer ist, einen viel kürzeren Kanal und eine gekerbte Aussenlippe hat. Die indische Form hat dagegen
bedeutendere Dimensionen bei gleicher Windungszahl, und keine niedergedrückte Endwindung.
Rissoa Sandbergeri Mürr. ist ein defectes ausgewachsenes Stück, bei welchem MÜLLER die Mündung
nicht freigelegt hatte.
Vorkommen, Nicht selten im Grünsand von Vaals und Aachen.
Zur Untersuchung liegen etwa 20, zum grossen -Theil unausgewachsene Stücke vor.
Originale in der Sammlung der technischen Hochschule.
2. Cancellaria Dunkeri n. sp.
Taf. IX Fig. 2.
Ganze Höhe : Höhe der Schlusswindung . . . 144 :100 (13 : 9 mm)
Hohes DBreitegre ee er 1620 Sm)
Spirawinkelrage re erca 63%
Das bauchige dickschalige Gehäuse besteht aus 5 schnell anwachsenden, stark gewölbten, durch tiefe
Nähte getrennten Umgängen, von denen der letzte über doppelt so hoch ist wie die übrigen zusammen. Die
Skulptur besteht aus kräftigen, etwas schrägen, nach vorn allmählich auslaufenden Querrippen, welche von
kräftigen Spiralleisten geschnitten werden. In unregelmässigen Zwischenräumen stehen einzelne hohe schmale
Mundwülste, welche mit den Querrippen spitze Winkel bilden. Die Mündung ist weit, gerundet vierseitig,
da die Aussenlippe hinten fast unter rechtem Winkel gebogen ist, obschon die Schlusswindung fast gleich-
mässig gewölbt erscheint. Der Kanal ist kurz, weit, ausgussartig, die vorn abgeplattete Spindel trägt drei
schräge, kräftige, von hinten nach vorn schwächer werdende Falten, von denen die vordere weit nach dem
Rande des Kanals zu liegt Die Aussenlippe ist stark wulstig verdickt, innen kräftig gezähnt.
Vorkommen. Sehr selten in den Muschelbänken am Lusberg, von wo zwei Steinkerne mit den
zugehörigen Abdrücken in der Sammlung der technischen Hochschule liegen. 2 Exemplare, darunter ein
ganz vollständiges (das abgebildete) von Vaals im städtischen Museum.
3. Cancellaria globulosa sp. n.
Taf. IX Fie. 1.
Das fast kugelige Gehäuse besteht aus 4 sehr rasch anwachsenden Umgängen. Letzte Windung
sehr gross, fast */;s der Gesammthöhe einnehmend. Skulptur aus dichten, niedrigen geschwungenen Quer-
rippen bestehend, mit welchen kräftige Spirallinien eine zierliche Gitterskulptur bilden, mit gerundeten
Knötchen auf den Durchschnittspunkten. Der Kanal ist kurz, die Spindel trägt zwei kräftige Falten, von
denen die vordere schwächer ist. Ein grosser-Theil der Aussenlippe ist an dem einzigen vorliegenden
Exemplare weggebrochen, so dass die Form der Mündung nicht genau festgestellt werden kann, doch scheint
1 StoLiczka, ]. c. pag. 95, Taf. 9 Fig. 6.
Non
dieselbe weit, hinten gerundet, vorn verschmälert zu sein. Die generische Bestimmung ist wegen der nicht
vollständig bekannten Mündung nicht ganz zweifellos.
Skulptur und äussere Form erinnern an Cancellaria obtusa Bısx#', welche indessen drei Spindel-
falten und eine Mündung besitzt, wie sie die vorliegende Form nicht wohl gehabt haben kann.
Aehnlich in Gestalt und Skulptur sind auch die Jugendformen von ©. nitidula Mürr.” sp., doch sind
diese schlanker, und erreichen bei der gleichen Windungszahl nur den dritten Theil der Grösse.
Auch Voluta radula Sow. ist schlanker, und liegen bei derselben die Spindelfalten weiter zurück.
Vorkommen. Höchst selten im Grünsand von Vaals, von wo nur das eine vorliegende defecte
Stück, in der Sammlung des Herrn Beıssen befindlich, vorliegt.
4. Cancellaria sp.
Taf. IX Fig. 3.
Aus dem Grünsand von Vaals befinden sich in der Sammlung der technischen Hochschule einige
sehr mangelhafte Gasteropodenreste, deren einer auf Taf. IX Fig. 3 abgebildet ist. Dieselben haben viel
Aehnlichkeit mit Cancellaria nitidula, und stelle ich dieselben daher in die gleiche Gattung. Die Unter-
schiede von der genannten Art bestehen in gleichmässiger gewölbten Umgängen und wesentlich kräftigerer
Skulptur. Besseres Material kann indessen erst über die Zugehörigkeit der betreffenden Stücke entscheiden.
Familie: Olividae D'ÖRR.
Mürter beschrieb als Ancillaria eretacea? ein Fossil, welches angeblich aus den Feuersteinen des
Aachener Waldes stammt, und wird diese Art mehrfach, so auch von v. Zırren* citirt, um das: Vorkommen
der Gattung Aneillaria in der Kreide darzuthun. Nachdem ich Gelegenheit hatte, das jetzt im städtischen
Museum befindliche, von Dr. DEegzy aufgefundene Original zu untersuchen, muss ich bestreiten, dass dasselbe
der Aachener Kreide entstammt. Dasselbe findet sich nicht, wie MÜLLER angibt, in dem Hornstein, sondern
in dem kieseligen Cement eines Conglomerates, welches aus gerollten Feuersteinen, Hornsteinen und Quarz-
körnern besteht. Nach der Angabe Dezry’s ’ soll dies Conglomerat, welches z. Th. sehr fest ist, zwischen
dem Grünsand und dem Aachener Sand liegen, also ident sein mit der Geröllschicht, die fast überall diese
Grenze kennzeichnet. Es ist dies aber unmöglich, weil das Material des Conglomerates weit jüngeren
Schichten, der jüngeren Mucronatenkreide entstammt. Aehnliche Conglomerate, aber bis jetzt ohne Fossilien,
finden sich westlich von Aachen ziemlich verbreitet in losen Blöcken im Diluvium und Alluvium.
Ausser der erwähnten Ancillaria beobachtete ich in dem von Deseyr gesammelten Stück noch
mehrere Fossilien, so einen Fusus und eine Limopsis, welche mit der Oligocaenen Limopsis Goldfussi Aehn-
1 Monogr., pag.5. Taf. 2 Fig. 2,
2]. c. pag. 95. Taf. 9 Fig. 6.
® Mon. II, pag. 79 Taf. 6 Fig. 23,
* Handbuch II, pag. 283.
5 Desey’s Etiquete zu dem betrefi. Stück.
on
lichkeit hat. Es ist zweifellos, dass das betreffende Gestein tertiären Alters ist, wenn auch das genauere
Alter sich bei der Mangelhaftiekeit der Versteinerungen noch nicht fesstellen lässt.
Die Gattung Aneillaria ist daher aus der Liste der Aachener Kreideversteinerungen zu streichen, und
bleibt für die Kreide nur die von GaBB? aus Californien beschriebene Art übrig.
Familie: Volutidae Grar.
Genus: Volutilithes Swaıns. ?
Die Familie der Volutidae ist in der Aachener Kreide durch eine grössere Anzahl Arten vertreten,
welche sämmtlich einer Gruppe angehören, die sich durch schlanke fususartige Gestalt, spitzen Apex und
kurzen Kanal auszeichnen. Es ist die Gruppe, in welche aus der Kreide noch Voluta latiseptata Ston.°,
Vol. Gasparini »’Ore.* und Ähnliche Formen, aus dem Eocaen Voluta angusta Dese. etc.
Srouiczka® und v. Zırren® stellen diese, oft nicht mit Sicherheit von Mitra oder Fasciolaria zu unter-
scheidenden Arten zur Gattung (Sror.) oder Untergattung (v. ZıtrTeL) Volutilithes, welche ursprünglich für
eine lebende Form V. abyssicola Swaıns. aufgestellt wurde, und welche auch Formen mit kurzem Gewinde,
wie die bekannte V. spinosa Lam. begreift. Ich folge hier dem Vorgange von SToLıczka und betrachte
Volutilithes als Gattung aus bereits früher angegebenem Grunde.
1. Volutilithes subsemiplicata D’ORB. sp.
Taf x Hier 3,
1844. Pleurotoma semiplicata Guor., Petr. Germ. III, pag. 19. Taf. 170 Fig. 11 (non V. semiplicata Nysr. 1343!)
1850. Fusus subsemiplicatus D’Ore., Prodr. I, pag. 229.
1851. Voluta eingulata Mürr., 1. c. I, pag. 41. Taf. 5 Fi
1851 » laticostata Mürr., ib. Taf.5 Fig. 23
8 „ eincta Miur., ib. pas. 79.
1851. Fusus Hüpschianus Miur., ib. II, pag. 37.
1868. Volutilithes Mülleri et laticostata Bosquer, bei Drw., pag. 408.
1885. Volutoderma laticostata Bönn, Grünsand, pag. 69.
24.
oO
e}
Ganze Höhe : Höhe der Schlusswindung . . 173 :100 (83 :
Höhe Breite 360100
Soenilkel o oo 8 02 0 0.0 0 0 0 BANN
Das schlanke spindelförmige Gehäuse besteht aus 7—S langsam breiter werdenden Windungen, welche
flach gewölbt und vor der Naht schwach eingeschnürt sind. Die Schlusswindung nimmt etwas über die
1 Pal Calif. I, pag. 100. Taf. 18 Fig. 54.
? cf. oben, pag. 71.
3 Cret. Gast., pag. 93. Taf. 9 Fig. 1.
= 2a), san, Alan 2RX0) IN, 6%
51, & er BR
Salze. pao72S1.
48 mm)
23 mm)
Hälfte der Gesammthöhe ein. Die Skulptur besteht aus faltenartigen Querrippen, welche unmittelbar vor
der Einschnürung beginnen, sich nach vorn allmählich verflachen, und auf der Schlusswindung sich vor der
Mitte in feine Querlinien auflösen, während sie auf den vorhergehenden Windungen bis zur folgenden Naht
reichen. Auf der Einschnürung sind nur kräftige Anwachsstreifen vorhanden. Bei sehr guter Erhaltung
bemerkt man noch feine und dichte Spirallinien. Die Mündung ist lang und schmal, nach hinten entsprechend
der Einschnürung in eine schmale Rinne verengt. Der Kanal ist kurz und weit, die Spindel schwach ge-
dreht, mit 3 schrägen Falten, von denen die hintere schwach ist, und so weit zurück liegt, dass man sie
erst nach Zerstörung eines Theiles der letzten Windung wahrnehmen kann.
Es ist wohl sicher, dass Voluta laticostata Münz. mit Pleurotoma semiplicata Gupr. von Haldem
übereinstimmt, wie ein Vergleich mit Haldemer Stücken zeigt, und spricht auch schon MÜLLER diese An-
sicht aus. Da Nyst bereits ein Jahr vor Goupruss den Namen V. semiplicata gebraucht hatte für eine
ebenfalls zu Volutilithes gehörige tertiäre Form, so muss für die Kreideart der aus 1850 stammende Namen
von p’Orgıcny gewählt werden, trotz seiner nicht gerade geschmackvollen Form.
Voluta eineta« MÜLLER (olim cingulat«) ist ein junges Individuum und unterscheidet sich, wie dies
aus der Mürter’schen Abbildung mit voller Deutlichkeit hervorgeht, lediglich durch ihre Dimensionen.
Fusus Hüpschianus MÜLLER sind die in den Sandsteinbänken bei Aachen häufig vorkommenden
Steinkerne. MÜLLER identifieirt dieselben mit Rostellaria elongata Röm.*, einer ganz abweichenden Form.
Es giebt eine Reihe mit Voluta subsemiplicata D’OrB. nahe verwandte Arten. V. suta GuLor.? von Haldem
hat eine kürzere, stärker gewölbte Schlusswindung und ist vor der Naht nicht eingeschnürt, was GEINITZ®
zutreffend hervorhebt. Wenn derselbe aber Vol. Renauxiana »’Orp.* als Synonym zu Vol. suta GLDF.
zieht, so ist das nicht richtig. Die Figur bei p’OrzıcnY ist offenbar verschönert und stimmt nicht mit der
Beschreibung, welche eine Höhe von 57 und eine Breite von 21 mm angibt, während in der Zeichnung diese
Abmessungen 67 resp. 22 mm sind. Die Höhe der Schlusswindung ist °/5 der Gesammthöhe, welches Ver-
hältniss besser zu V. subsemiplicata als zu suta passt. Ohne Vergleichsmaterial ist über die Zugehörigkeit
der französischen Art bei dem Widerspruch in den Angaben p’OrgBıGsy’s nichts zu entscheiden, zumal auch
die Zeichnung nur eine Andeutung einer Einschnürung zeigt. Mitra Zekelü Pıcr.° (Fasciolaria gracılis
Zexeı® ist schlanker und hat drei gleich starke, weniger schräge Falten. Die Zurechnung dieser Gosau-
form zu Mitra erscheint nicht so zweckmässig, als zu Volutilithes, mit der die Uebereinstimmung bei den
von ZEKELI gegebenen Abbildungen deutlich hervortritt. : Voluta acuta Sow.” stimmt in Berippung und
Faltung der Spindel überein, ist aber bauchiger und hat, soweit man nach den Abbildungen von SOWERBY
und ZekeLr urtheilen kann, eine abweichend gestaltete Mündung. Voluta latiseptata Sron.® hat keine
”
1 Kreide, pag. 78. Taf. 11 Fig. 5.
2 Petr. Germ. III. Taf. 170 Fig. 13.
3 Elbthalgebirge II, p. 172. Taf. 31 Fig. 1. Der Name V. suturalis, den Geinıtz hier braucht, muss geändert werden,
da Nysr denselben 1843 bereits für eine oligocaene Art verwandte, die Kreideform muss Vol. suta Gwor. sp. heissen, ein
Namen, der in der zweiten Auflage der Petrefacta Germaniae gebraucht wird.
* Pal. fr. I. Taf. 221 Fig. 3.
5 Ste. Croix III, pag. 648.
S7I-zc. Tat. 160E10:212.
7 Geol. soc. trans. III. Taf. 39 Fig. 41. Vol. Brami Zex. ]l. c. Tab. 13 Fig. 9,
8]. c. Taf. 9 Fig. 1—2.
Be
Einschnürung, sie könnte ident sein mit Vol. suta Guor. Fasciolaria rigida Bayue ! ist ebenfalls gedrungener
und hat eine schmalere Einschnürung der Endwindung.
Voluta suturalis A. Fritsch? aus dem unterturonen Wehlowitzer Pläner von Sadska u. a. O. ist
jedenfalls der Vol. subsemiplicata D’Orp. näher verwandt wie der Vol. suta Guor., durch die Form ihrer
Querrippen und der Einschnürung. Sie hat indessen eine grössere Schlusswindung, welche ein Verhältniss
zur Gesammthöhe von 100 : 140 zeigt, und dürfte daher specifisch verschieden sein.
J. Bönn 3 stellt die Art zur Gattung Volutoderma GaBB wesentlich auf Grund der kräftigen Spindel-
falten. Abgesehen davon, dass grössere oder geringere Stärke von Spindelfalten kein Gattungscharakter ist,
hat Volutoderma, deren Typus Voluta elongata D’OrB. ist, wesentlich andere Charaktere, so dass von einer
Zugehörigkeit der vorliegenden Art zu derselben keine Rede sein kann, wie dies aus den oben angeführten
Bemerkungen hervorgeht (cf. pag. 87 ff.).
Vorkommen. Ueberall häufig im Grünsand, am häufigsten in den Sandsteinbänken bei Aachen
als Steinkern und Abdruck, mit erhaltener Schale, jedoch nur selten vollständig, bei Vaals. Zur Untersuchung
liegen 10 ganze oder nahezu vollständige Exemplare und zahlreiche Bruchstücke und Steinkerne vor.
Originale im städtischen Museum (Fig. 2) und in der Sammlung der technischen Hochschule (Fig. 1 u. 3).
2. Volutilithes Orbignyana MüLr.
Taf. IX Fig. 8, 9.
1851. Voluta Orbignyana Miır., ]. ec. pag. 40. Taf. 5 Fig. 27.
8
1868. Volutilithes Orbignyana Bosqu. bei Dew., page. 408.
id. Mourton, Ügasus, StoLiczkA, J. BöHm.
Das ziemlich schlank spindelförmige Gehäuse besteht aus 7 durch tiefe Nähte getrennten Umgängen,
von denen der letzte ?/; der Gesammthöhe einnimmt. Die Skulptur besteht aus 16—20 schmalen, ziemlich
scharfen Querrippen, welche an der Naht beginnen, und auf der Endwindung bis vor die Mitte reichen.
Zwischen denselben bemerkt man feine Spirallinien, welche auf dem vorderen Theil der Schlusswimdung
kräftiger werden. Die- Mündung ist lang eiförmig, die Spindel ist schwach gedreht, und trägt etwa in der
Mitte drei wenig schräge Falten, von denen die vordere kräftig ist, während die beiden anderen schwach
sind und so weit zurückliegen, dass sie bei vollständig erhaltener Aussenlippe nicht wahrnehmbar sind.
Storiczka hält seine Voluta accumulata (1. c. pag. 94. Taf. 9 Fig. 3—4) für möglicher Weise
ident mit der MürLtEer’schen Art, sie soli sich nur durch kürzeres Gewinde und ihre drei Spindelfalten
unterscheiden. Diese Bemerkung ist durch MüÜrrer’s mangelhafte Zeichnung hervorgerufen. Die indische
Form hat tiefere Nähte, stärker gewölbte Windungen, sowie kürzere, weitläufigere und stärker gerundete
Querrippen. Ausserdem liegen die Spindelfalten, welche wohl in der Zahl, nicht aber in ihren Stärke-
verhältnissen übereinstimmen, weiter nach vorne. Die Aehnlichkeit zwischen beiden Formen ist daher nur
eine geringe. Vie] ähnlicher in ihrer äusseren Gestalt ist Voluta Gasparini vD’Ore.*, mit der MÜLLER seine
I StoLiczkA, 1. c. Taf. 10 Fig. 10—16.
? Weissenberger Schichten, pag. 110. Fig. 55.
° Grünsand etc., pag. 69.
* Pal. fr. II., pag. 325. Taf. 220 Fie. 5.
Palaeontographica. Bd. XXXIV. 13
ge
Art vergleicht. Dieselbe hat indessen 4 Spindelfalten.* In der Faltung der Spindel stimmt unsere Form
genau mit Vol. subacuta D’OrB., doch sind bei dieser Art die Umgänge vor der Naht deutlich eingeschnürt
und gekantet.
Vorkommen. Ziemlich selten im Grünsand von Vaals, von wo 10 vollständig erhaltene Exem-
plare vorliegen.
Die Originale befinden sich in der Sammlung der technischen Hochschule.
3. Volutilithes Briarti n. sp.
Taf. IX Fig. 10, 11.
Ganze Höhe : Höhe der Schlusswindung . . . 170:100 (13,5:8 mm)
Eiöheg- EB reiten Alle: 2 0 oA 100 (3, 3 Bra)
Gehäuse aus S- Windungen beson, deren letzte wenig höher wie die anderen zusammen ist.
Die Skulptur besteht aus kräftigen Querrippen, welche auf der Schlusswindung bis zur Mitte reichen.
Spiralstreifen fehlen. Die Mündung ist schmal, der Kanal verhältnissmässig lang, die Innenlippe trägt 4
gleich starke, kräftige Falten.
In dem letzteren Kennzeichen stimmt V. Briarti überein mit V. Gasparini D’ORB.?, wenigstens
nach Angabe Storıczra’s?, der Unterschied von dieser Art liegt hauptsächlich in dem Mangel der spiralen
Skulptur, und in der geringen Länge der Rippen, welche bei V. Gasparini nach den Darstellungen
D’ORBIGNY'S und ZEKELT's auf der Schlusswindung bis .an den vorderen Rand reichen. Es ist übrigens
nicht ganz sicher, dass V. Gasparini D’Orzıeny ident mit der gleichnamigen Form bei Zekerı ist, da
letzterer eine Einschnürung vor der Nath zeichnet, von welcher p’Orsıeny’s Figur nichts erkennen lässt.
Vorkommen. Sehr selten bei Vaals, von wo 2 vollständige und mehrere defecte Exemplare vorliegen.
Originale in der Sammlung der technischen Hochschule.
4. Volutilithes Nöggerathi Müzr. sp.
Taf. IX Fig. 7
1. Fusus Nöggerathi Müur., 1. c. II, pag. 35. Taf. 5 Fig. 20
on » Humberti v’Arcn., Bull. soc. g£ol. Fr., pag. 223. Taf. 5 Fig. 4.
1568. Volutilithes Nöggerathi Bosqv. bei Drw., pag. 408.
»
oO
Das Gehäuse ist stumpf spindelförmig, und besteht aus 6—8 flach gewölbten, durch flache Nähte
getrennten Umgängen, von denen der letzte, der sich nach vorne stark verschmälert, ?/s der Gesammthöhe
einnimmt. Die Oberfläche trägt 14 scharfe, aber kurze, nicht bis zur Mitte reichende Querrippen, von
denen vor der Naht durch eine scharfe Einschnürung eine spirale Knotenreihe abgetrennt wird. Bei guter
Erhaltung werden noch sehr feine und dichte Spirallinien bemerkbar. Die Mündung ist lang, nach vorne
stark verschmälert, die Spindel ganz vorne etwas gedreht, dahinter mit einer dünnen Schwiele. Hinter der
1 Nach SroLiczka. Revision, pag. 82.
Pal. franc. II, pag. 325. Taf. 220 Fig. 5.
3 Revision, pag. 72.
»
_ 9
Mitte befinden sich drei parallele, gleich weit von einander abstehende Falten, von denen die hintere
schwächer ist; alle liegen so weit zurück, dass sie bei erhaltener Mündung nicht sichtbar sind.
Die Skulptur und Gestalt dieser Art stimmt gut überein mit Vol. carinata Zex. (l. c. Taf. 13 Fig. 13),
wenigstens mit den Abbildungen bei ZERELI, so dass ich kein Bedenken tragen würde, beide zu vereinigen,
wenn nicht nach den Beobachtungen Stouıczra’s! die Gosauform 4 von hinten nach vorne schräger werdende
Spindelfalten hätte. Ebenfalls übereinstimmend in Gestalt und Skulptur ist Fusus Humberti D’ArcrH., und
glaube ich die Identität der beiden Arten annehmen zu dürfen, wenn auch p’ArcHıAc keine Spindelfalten
beobachtete. Dieselben liegen auch bei der Aachener Form so weit zurück, dass MÜLLER sie nicht kannte
und die Art ebenfalls als Fusus beschrieb.
Vorkommen. Selten im Grünsand von Vaals, von wo 5 Exemplare vorliegen.
Original m der Sammlung der technischen Hochschule (MürLLer’s Originalstück).
5. Volutilithes Damesi n. sp.
Taf. IX Fig. 15, 16; Taf. X Fig. 4.
Ganze Höhe : Höhe der Schlusswindung . . . 150:100 (31:20 mm)
line 3 tale 5 0 000 0 0 oe a 0 0 0 0 al 8 Es mm)
Spirawinkeleser ; 45—50°.
Schale kegelförmig, aus 10 niedrigen, dachförmigen, flachen Umgängen bestehend. Schlusswindung
hoch, gleichmässig und flach gewölbt, vor der Naht eingeschnürt. Die Skulptur besteht aus breiten, ge-
schwungenen Querrippen, welche bei jungen Exemplaren wohl knotenartig sind, bei grossen Stücken dagegen
bis über die Mitte der Schlusswindung reichen; dieselben werden von dichtstehenden, kräftigen Spirallinien
geschnitten. Die Mündung ist lang und schmal, die Aussenlippe scharf, die Innenlippe mit dünner Schwiele.
Die gerade Spindel trägt über der Mitte drei hohe, gleich starke Falten, von denen die vordere schräger
ist. An den zahlreichen, sehr niedrigen und flachen Umgängen, sowie an der relativ kräftigen Spiralstreifung
ist diese Art immer leicht zu erkennen, und nicht leicht mit einer anderen zu verwechseln.
Vorkommen. Nicht selten im Grünsand zu Vaals, selten in dem thonigen Grünsand von Ter-
straeten und in den Sandsteinbänken von Aachen. Von ersterer Localität liegen 15 Exemplare vor, von
den beiden letztgenannten 1 resp. 3 Stücke. Am Harz in den Quadern des Heidelberges.
Originale in Herrn Beıssen’s Sammlung.
6. Volutilithes Decheni Mürt. sp.
Taf. IX Fig. 14.
1851. Fusus Decheni Mürr., ]. c. pag. 35. Taf. 6 Fig. 16.
id. BosquEr, MourRLoN etc.
1854. Fusus Leymerü v’Arcu., Bull. soc. g6ol. Fr., pag. 222. Taf. 5 Fig. 2.
Ganze Höhe : Höhe der Schlusswindung . . . 170:100 (19: 11mm)
Hohes pBreite se 31051008 AO Z6mm)
! Revision, page. 76.
— . 10). —
Gehäuse schlank, aus 7 langsam anwachsenden, flach gewölbten Umgängen bestehend, welche vor
der flachen Naht schwach eingeschnürt sind. Die Schale trägt auf jedem Umgang 7—8 kräftige Querrippen,
welche auf der Schlusswindung bis etwas über die Mitte hinausreichen, und kräftige Spirallinien. Die
Mundöffnung ist schmal, halbmondförmig, nach hinten schwach verengt, nach vorn in einen mässig langen
Kanal übergehend. Die Aussenlippe ist scharf, die Innenseite dünn schwielig, die Spindel gerade, mit 6 schwa-
chen, weit zurückliegenden parallelen Falten, welche bei vollständig erhaltener Mündung kaum wahrnehmbar sind.
Der Gesammthabitus dieser Art erinnert mehr an Fusus wie an Voluta, wegen des längeren Kanals,
und kann man deshalb zweifelhaft sein, ob man sie nicht besser bei Fasciolaria unterbringen soll. Wegen
der geraden, nicht convexen Spindel, und der schwachen Entwickelung der zahlreichen Falten, habe ich sie
indessen noch zu Volutilithes gestellt, zumal manche Aehnlichkeit mit Vol. subsemiplicata vorhanden sind.
Fusus Leymeriü »’Arcn. (l. c.) stimmt nach der Zeichnung mit den besten vorliegenden Stücken so
gut überein, dass ich glaube, beide vereinigen zu. müssen. DBetreffs der Spindelfalten gilt dasselbe, was
oben bei Fusus Humberti.»’Arcn. (Vol. Nöggerathi) bemerkt wurde, dieselben liegen so weit zurück, dass
sie leicht übersehen werden.
Vorkommen. Häufig im Grünsand von Vaals, allenthalben in den Sandsteinbänken bei Aachen.
Zur Untersuchung liegen etwa 50, meist wenig gut erhaltene Exemplare vor.
Originale in der Sammlung der technischen Hochschule.
%. Volutilithes nana MÜLL. sp.
Taf. IX Fig. 12.
1851. Mitra nana Mürr., 1. c. U, pag. 23. Taf. 3 Fig. 24.
id. Bosquer bei Starıng, PICTET, STOLICZKA.
1368. Volutilithes nana Bosqurr bei Dew.
Das kleine, wenig charakteristische Eigenschaften zeigende Gehäuse besteht aus 6—7 flach ge-
wölbten Umgängen, welche schmale, dicht stehende, oft kaum bemerkbare Querrippen tragen. Die End-
windung nimmt etwa die Hälfte der Gesammthöhe ein. Die Mündung ist eng, der Kanal ziemlich lang, die
Aussenlippe ist einfach, die Spindel trägt drei fast gleich starke Falten, die weit zurückliegen.
Auch diese Form gehört zu denjenigen, bei denen die generische Stellung unsicher ist, und von denen
bemerkt wurde, dass eine Trennung von Fasciolaria unsicher sei. Namentlich der lange Kanal ist in
dieser Hinsicht von Bedeutung. Durch denselben entfernt sie sich übrigens noch mehr von Mitra, wohin
MÜLLER und Stouıczka sie stellten. Jedenfalls gehört sie mit der vorigen Art einer Gattung an.
Vorkommen. Nicht selten im Grünsand von Vaals, von wo einige zwanzig nur mässig erhaltene "
Stücke vorliegen.
Original in der Sammlung der technischen Hochschule.
8. ?Volutilithes Roemeri Geın.
Taf. IX Fig. 13.
1875. Voluta Roemeri Geın., Elbthalgebirge II, pag. 172. Taf. 50 Fig. 15. cum syn.!
Es liegen nur einige mangelhafte Steinkerne und Abdrücke eines Gasteropoden von schlank spindel-
—, 1017 —
förmiger Gestalt vor, welche in der schwachen Wölbung der Umgänge, in den kräftigen Querrippen und
den abwechselnd stärkeren und schwächeren Spiralleisten mit der eitirten Abbildung bei Geinitz überein-
stimmen. Die Mündung und die Faltung der Spindel konnten nicht beobachtet werden.
Vorkommen. Selten in den festen Grünsanden des Gymnicher Loches. Gemrrz führt die Art
vom Lusberg an, wahrscheinlich nach Mürter, welcher die Steinkerne von Vol. subsemiplicata als Fusus
Hipschianus — Rostellaria elongata Röm. — Voluta Römeri Geis. von dort eitirt.
9. Volutilithes sp. indet.
Taf. X Fig. 8.
Ein mangelhaft erhaltenes Exemplar einer Volutilithes aus dem Grünsand von Vaals, welches
Aehnlichkeit mit V. d’Orbignyana und V. Briarti hat, von ersterer aber durch die undeutlichen Quer-
rippen und 4 Spindelfalten, von letzterer durch ihre kräftige Spiralstreifung unterschieden ist, lässt keine
sichere Bestimmung zu. Vielleicht kann man es zu V. Gasparini D’ORB. rechnen, worüber besseres Material
entscheiden muss.
Genus: Fieulomorpha noy. gen.
Gehäuse birnförmig, nach vorn stark verschmälert, hinten bauchig aufgetrieben. Apex warzen-
förmig, abfallend. Oberfläche spiral gestreift. Mündung halbmondförmig, hinten spitz, sich m eine feine
Rinne verlängernd, welche auf der Oberfläche des Gewindes bis an die Spitze fortsetzt, und beim Weiter-
wachsen des Gehäuses stehen bleibt. Aussenlippe scharf, innerlich gekerbt. Spindel gedreht, mit mehreren
kräftigen Falten.
Auf den ersten Blick erinnert die einzige, hierher gehörige, von MürLver als Mitra piruliformis be-
schriebene Art an die Gattung Ficulopsis Stor. (l. ec. pag. 74), zu welcher sie auch anfänglich von StouıczkA
gestellt wurde, während er sie später (l. ec. pag. 454) zu Volutomitra bringt. Die oben angegebenen Kenn-
zeichen, vor allem die feine hintere Rinne, lassen jedoch die betr. Form als zu keiner der genannten Gat-
tungen gehörig erscheinen, und dürften hinreichen, die Aufstellung einer neuen Gattung zu rechtfertigen.
Die systematische Stellung derselben würde am besten bei den Volutiden sein, wegen der allgemeinen Form,
des warzenförmigen abfallenden Apex und der Spindelfalten. Eine hintere Rinne besitzt indessen keine
andere der zu dieser Familie gehörigen Gattungen.
Fieulomorpha piruliformis Mörr. sp.
Taf. IX Fig. 17, 18.
1851. Mitra püruliformis Müut., 1. c. II, pag. 23. Taf. 3 Fig. 25.
1859. Pirula Binkhorsti Mür., Suppl., pag. 26. Taf. S Fig. 10.
1367. Volutomitra piruliformis Stor., 1. c. pag. 454.
1568. ; Y Bosquer bei Drew.
1835. ” 5) J. Bönn, l. c. pag. 67.
1385. Voluta aquisgranensis id., 1. ec. pag. 68. Taf. 1 Fig. 4.
Das birnförmige Gehäuse besteht aus 4 spiralgestreiften Windungen, welche vor der sehr flachen
Naht kaum merklich eingeschnürt sind. Die sehr grosse, nach vorn sich stark verschmälernde Endwindung
nimmt ca. %/5 der Gesammthöhe ein. Der Apex ist warzenförmig, abfällig, nur an einem vorliegenden
Stück deutlich erhalten. Die Mündung ist lang, halbmondförmig, hinten eng, in die charakteristische Rinne
verlängert. Nicht ausgewachsenen Exemplaren fehlt dieselbe, das grösste der vorliegenden Stücke hat deren
zwei, von denen die ältere nur wenig hinter dem Rand der Aussenlippe liegt. Diese letztere ist scharf,
innerlich gekerbt, die Innenlippe schwach schwielig, der Kanal mässig lang, ziemlich stark nach aussen ge-
bogen. Die Spindel trägt drei dicht neben einander stehende wulstige Falten.
Mit Mitra, wohin MÜLLER diese Art stellte, hat dieselbe nichts gemein, ebensowenig mit Voluto-
mitra. -Schon der warzenförmige Apex unterscheidet sie zur Genüge von letzterer Gattung, wozu übrigens
auch die von Srorıczka als Volutomitra canaliculata* aus Südindien beschriebene Form nicht gehören
dürfte. Mitra piruliformis Müur. und Pirula Binkhorsti sind zweifellos ident, was auch StoLIczkA” aus-
spricht. J. Börm. besehreibt neben Volutomitra piruliformis Müut. noch als neue Species eine Voluta aquis-
granensis; beide lassen schon nach der fast gleichlautenden Beschreibung erkennen, dass sie zusammen-
gehören, auch die Abbildung zeigt dies deutlich. Leider versäumt es J. Bönum bei dieser auffälligen Ueber-
einstimmung die Unterschiede der beiden Arten anzugeben. Ich habe bei reichem Material keine 2 Arten
unterscheiden können, und halte sie daher für übereinstimmend. Ganz unklar ist, worauf Böhm die
generische Verschiedenheit begründet.
Vorkommen. Nicht sehr selten im Grünsand von Vaals und Aachen. Von ersterer Localität
wurden ca. 30 Exemplare untersucht.
Originale in der Sammlung der technischen Hochschule.
Familie: Fusidae Trvon.
Genus: Chrysodomus SwAins.
Chrysodomus Buchi Mörn. sp.
Taf. X Fig. 9—12.
1851. Fusus Buchi Mürr., 1. c. II, pag. 35. Taf. 3 Fig. 15.
1851. ,„ _ Göpperti Müur., ibid. pag. 37. Taf. 6 Fig. 6.
1867. Tritonidea Requieniana Stou., 1. c. pag. 124. pars!
1568. 9 n Bosqurr bei Dew.
1875. Tritonidea Buchi Brauns, Salzbergmergel, pag. 345. .
n Göpperti und Fusus Buchi bei BosQuer, MouRLoN, UsacHs und J. Bönn.
Gehäuse bauchig, aus 6—7 stark gewölbten Umgängen gebildet, welche durch tiefe Nähte getrennt
sind, und schnell an Breite zunehmen. Die Skulptur besteht aus ca. 12 kräftigen Querwülsten, welche vor
der Mitte allmählich auslaufen. In den verschiedenen Altersstufen zeigen diese Rippen eine verschieden-
1 Cret. Gast., pag. 100. Taf. 9 Fig. 12, 13.
? jbid. pag. 454.
— 1037 —
artige Ausbildung. Bei jungen Stücken nehmen sie von hinten bis zur Mitte, die sich auf dem höchsten
Theile der Windung befindet, gleichmässig an Stärke zu, und verflachen sich von hier aus nach vorn ziem-
lich schnell. Solche Stücke stellen den typischen Fusus Ducht dar, bei dem die Schlusswindung gleich-
mässig gewölbt erscheint. Im mittleren Alter besteht die Querskulptur aus hohen und scharfen Knoten, die
nach vorn und hinten in flache Rippen auslaufen, so dass die Schlusswindung scheinbar gekantet ist.
Erst im Alter bildet sich eme deutliche und scharfe hintere Kante aus, während die Querrippen undeutlich
werden. Die Spiralskulptur besteht aus abwechselnd stärkeren und schwächeren Leisten. Die Mündung
ist entsprechend dem verschiedenen Querschnitt der Schlusswindung oval bis gerundet vierseitig, ihre Ränder
sind einfach. Der Kanal ist lang und etwas seitwärts gedreht.
Es liegen zahlreiche Exemplare vor, welche den oben beschriebenen Uebergang von Fusus Buchi
Mürz. zu Fusus Göpperti Müuz., dessen Original ein mangelhafter Steinkern mit Schalenresten ist, deutlich
zeigen. Eben wegen dieser schlechten Erhaltung ist der Name des besseren Stückes für diese Art ge-
wählt worden.
STOLICZKA (l. €. pag. 124) vereinigt Fusus Buchi mit Fusus Reqwenianus D’Ore.‘, welcher durch
seine in geringerer Anzahl (nur S) vorhandenen kräftigeren Querrippen und die gleich starken Spirallinien
unterschieden ist. Bei ausgewachsenen Stücken kann auch schon der gekanteten Schlusswindung des Fusus
Buchi wegen eine Verwechselung nicht stattfinden. Bezüglich der generischen Bestimmung bin ich StoLıczkA
nicht gefolgt, da die Gattung Pollia Gray — Tritonidea Swams. eine verdickte Sekerbte Aussenlippe hat. Die
einfache Mündung, das stark gewölbte Gehäuse passt am besten zu Ohrysodomus, doch gehört die Art zu
denen, die wegen des etwas gedrehten Kanals vielleicht zu der epidermislosen Siphonalia? gehören.
Vorkommen. Nicht selten im Grünsand von Vaals, von wo etwa 2 Dutzend Exemplare unter-
sucht wurden. Selten in festen Grünsandbänken bei Gymnich und Aachen.
Originale in der Sammlung der technischen Hochschule.
Genus: Fusus Lam.
1. Fusus scala n. sp.
Taf. XI Fig. 3.
Das ziemlich schlanke Gehäuse besteht aus 6 Umeängen, welche vor der sehr flachen Naht stark
eingeschnürt sind, so dass sich der hintere Theil der Windung eng auf die vorhergehende auflegt. Dann
verbreitert sich die Windung plötzlich, so dass eine ziemlich breite, senkrecht zur Längsachse des Gehäuses
stehende Fläche entsteht, wodurch das Gewinde treppenartig abgestuft erscheint. An den durch diese Ab-
stufung entstandenen Kanten entspringen hohe und breite wulstige Rippen, von denen 10 auf der Schluss-
windung vorhanden sind, dieselben werden von kräftigen, gleich starken Spiralrippen geschnitten. Die
Mündung ist einfach, hinten gerundet, und da der eingeschnürte Theil sich dicht anlegt, nicht verengt. Der
Kanal ist nicht lang, etwas seitwärts gebogen.
i Pal. frang. II. Taf. 225 Eie.5.
? Zimmer, Handbuch II, pag. 271.
— . WM —=
Vorkommen. Sehr selten im Grünsand von Vaals, von wo 2 Stücke, darunter ein nahezu voll-
ständiges vorliegen.
Original im städtischen Museum.
2. Fusus gracilis J. Börnm sp.
Taf. XI Fig. 1, 2
1851. Fusus Renauxianus Mürr., ]. c. pag. 34. non D’ORR.
id. Bosquer, MouRLoN, UBacnHs.
1885. Raphitoma gracilis J. Bönm, 1. ce. pag. 70.
“Das schlank spindelförmige Gehäuse besteht aus 7—8 langsam anwachsenden Umgängen, die durch
mässig tiefe Nähte getrennt sind. Jede Windung trägt S—10 kräftige wulstige Querrippen, welche von
zahlreichen, gleich starken Spiralleisten geschnitten. werden. Die ovale Mündung ist weit, einfach, der
Kanal gerade und sehr lang, länger wie das halbe Gehäuse.
Mürver und nach ihm Bosquver hielten diese Art für ident mit F. Renauxianus D’OrB.? Die
Untersuchung zahlreicher Exemplare liess als wesentlichen Unterschied eine niedrigere Mündung und vor
allem den bedeutend längeren Kanal erkennen, welcher letztere bei der Aachener Form fast doppelt so lang
ist, wie bei der französischen, wenn anders das Original D’Orgıeny’s vollständig war, und nicht falsch er-
gänzt wurde. Auch die Aachener Stücke haben sehr selten den vollständigen Kanal.
J. Bönu stellt diese Art zu Pleurotoma vesp. Raphitoma, doch habe ich selbst bei den best erhal-
tenen Stücken nichts von einem Sinus der Aussenlippe und einem entsprechenden Verlauf der Anwachs-
streifen erkennen können, und vermag auch in der von J. Bömm gegebenen Abbildung nichts zu finden,
was eine Zurechnung zu Pleurotoma vechtfertigen könnte. Ein flach sichelförmiger Verlauf von Querrippen
und Anwachsstreifen, wie ihn Bönw’s Figur zeigt, ist bei typischen Fusus-Arten etwas ganz gewöhnliches,
und ist die Art auch ein solcher typischer Fusus.
Aus den Mucronatenmergeln beschrieb Mürter einen Fusus tenerrimus?, von dem nur wenige
Stücke in sehr mangelhafter Erhaltung vorliegen. Nach der allgemeinen Gestalt und Skulptur zeigen sich
dieselben mit F. gracilis verwandt, doch ist es nach dem vorliegenden Material nicht möglich, ein be-
stimmtes Urtheil abzugeben, ob beide Formen wirklich zusammengehören, ebenso wenig gestattet dasselbe
aber auch eine Species genügend zu charakterisiren.
Vorkommen. Nicht selten im Grünsand von Vaals, seltener in den Sandsteinbänken bei Aachen.
Zur Untersuchung liegen ca. 30 Stücke vor.
Originale in der Sammlung der technischen Hochschule.
! An den gezeichneten Stücken ist der Kanal nicht vollständig erhalten.
® Pal. franc. II, pag. 39. Taf. 223 Fig. 16.
3 Suppl., pag. 25. Taf. 8 Fig. 7.
— 105 —
Genus: Hemifusus Swaıns.
Hemifusus coronatus Rom. sp.
Taf. XI Fig. S—13.
1841. Pyrula coronata Rorn., Kr., pag. 78. Taf. 11 Fig. 13.
1851. Fusus Burkhardi Müır., ]. c. II, pag. 36. Taf. 5 Fig. 17.
1851. ,„ Olementinus Mürr., ibid. pag. 34.
1859. »„ muriciformis Mürr., Suppl., pag. 25.
1868. Rapa Burkhardi und Fusus murieiformis bei Bosgr. etc.
1875. Tritonidea Burkhardi Brauns, Salzbergmergel, pag. 359. {
1887. Tudicla Monheimi Freen, Zeitschr. d. D. Geol. Ges., pag. 197. Taf. 19 Fig. 6-8.
Das ziemlich dünnschalige Gehäuse besteht aus 6 vor der Naht eingeschnürten Umgängen, welche
hinten scharf gekantet sind, und auf dieser Kante hohe Knoten tragen, welche nach vorn in niedrige Rippen
auslaufen. Die kräftigen Spiralstreifen sind von gleicher Stärke. Die Schlusswindung ist gross, und ver-
schmälert sich nach vorn ziemlich stark, die Mündung ist weit, gerundet dreiseitig, nach hinten in eine
schmale Rinne verengt. Der Kanal ist ziemlich lang und gerade, die Innenlippe ist schwielig, besonders
hinten, die Aussenlippe scharf. Die Höhe des Gewindes variirt beträchtlich, was MÜLLER veranlasste, zwei
Arten zu unterscheiden, von denen die niedrige, Fusus muriciformis Möur. mit Pyrula coronata Roem. über-
einstimmt. Da indessen diese verschiedene Höhe des Gewindes der einzige Unterschied ist, und viele
Uebergänge vorkommen, wenn sie auch bei der Seltenheit der Art noch nicht die ganze Reihe ausfüllen,
so glaube ich beide Formen vereinigen zu müssen. Die Verschiedenheiten, die sich noch sonst in der Aus-
bildung der Knoten zeigen, sind bei beiden Varietäten vorhanden.
MüÜrLeEr’s Fusus coronatus ist ein schlecht erhaltenes Exemplar seines Fusus Monheimi, was sich
schon aus der Abbildung erkennen lässt; AFusus Olementinus Müvrr. ist der Steinkern der vorliegenden Art.
Auch bei dem Original Mürrer’s (Fig. 13 abgebildet) ist von einer Streifung nichts zu bemerken. Der
echte Zrusus Olementinus D’ORB., wie ihn D’Orgıcny ! und Pıcter? darstellen, zeigt auch im Alter gleich-
mässig gewölbte Umgänge, während bei den Mürrver’schen Steinkernen die Endwindung gekantet ist, wenn
auch nicht so scharf, wie bei beschalten Stücken.
RoEMmER beschrieb seine Pyrula coronata vom Salzberg, von wo auch Brauns diesselbe aufführt.
Wenn letzterer indessen Pyrella Beuthiana Müvrv. als Synonym aufführt, so ist das nicht richtig, da diese
keine gekanteten Windungen besitzt.
Auch Frec# beschreibt von Suderode eine Form mit gekanteter Endwindung als Tudiela Monheimi,
und vermuthet deren Identität mit Pyrula coronata Roem. Nach Untersuchung der Mürver’schen Originale,
sowie eines reichen Materiales an gut erhaltenen Stücken lässt sich feststellen, dass Rapa Monheimi Mvrr.
— Rapa coronata Mürr. (non Roemer!) —= Pyrella Beuthiana Mir. (Steinkern!) ist, der der erstere
dieser 3 Namen zukommt, welcher sich auf ein kleineres, aber guterhaltenes, beschaltes Exemplar (MÜLLER
Taf. 5 Fig. 22) bezieht?. Diese Art, welche J. Börm als Pyropsis Deuthiana Mürr. beschreibt und ganz
! Pal. franc. II. Taf. 225 Fig. 8.
? St. Croix III. Taf. 95 Fig. 4—5.
3 ef. unter Tudicla Monheimi.
Palaeontographica. Bd. XXXIV. 14
— 106 —
richtig abbildet, hat nicht die scharfe Kante der Pyrula coronata Roem. Die hier gegebenen Abbildungen
dürften die Uebereinstimmung der Suderoder Form mit dem Fusus Burkhardi Mürr., den ich nach dem
Vergleich von Stücken in allen Erhaltungszuständen mit solchen vom Salzberg und Blankenburg (Heimburg-
schichten) für ident mit Pyrula coronata Rorm. halte, mit genügender Sicherheit darthun. Dass Frec#
dieselbe nicht erkannte, hat seinen Grund wohl lediglich mn dem Umstand, dass Mürzer die Abänderung
mit sehr hohem Gewinde abbildete, und diese noch dazu in höchst mässiger Weise. Ä
F. FrecH stellt die vorliegende Form in die Gattung Tudicla. Vergleicht man indessen die abge-
bildeten Exemplare mit dem eocänen Fusus subcarinatus Lam. der Sables de Beauchamps, dem Typus der
Gattung Hemifusus, so wird die generische Uebereinstimmung mit diesem sofort klar.
Vorkommen. Selten im Grünsand von Vaals, von wo etwa ein Dutzend Exemplare vorliegen,
ebenfalls selten als Steinkern und Abdruck in den Sandsteinbänken bei Aachen. Ein deutlich erkennbares
Exemplar auch aus den Mucronatenmergeln von Teuven in Herrn Beıssen’s Sammlung.
Originale im städtischen Museum (Fig. 8) und in der Sammlung der technischen Hochschule.
Genus: Tudicla BoLTEnx.
1. Tudiela Monheimi Mivrr. sp.
Taf. XI Fig. 4—7.
5l. Rapa Monheimi Mürr., Mon. II, pag. 40. Taf. 5 Fig. 22, 23.
coronata Mürr., ibid. Taf. 3 Fig. 23 (non Rorn.)
1
[02]
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(0)
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2 »
51. Fusus Salm-Dickianus Mürr., ibid., pag. 36. Taf. 5 Fig. 19.
1851. Pyrella Beuthiana Mörr., ibid., pag. 39. Taf. 6 Fig. 7.
1867. Hemifusus Monheimi StoL., Cret. Gast., pag. 457.
1885. Pyropsis Beuthiana Bönm, 1. ec. pag. 63. Taf. 7 Fig. 3.
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Das dickschalige birnförmige Gehäuse besteht aus 5 Umgängen, welche sehr schnell breiter werden,
und von denen der letzte viermal so hoch ist, wie das übrige Gewinde. Die Oberfläche ist mit kräftigen
spiralen Leisten versehen, und jeder Umgang trägt 12 hohe, gerundete, vorn und hinten ziemlich scharf
begrenzte Querfalten. Die Umgänge sind hinten verengt, und dieser verengte Theil lest sich der vorher-
gehenden Windung dicht an. Die Endwindung verschmälert sich nach vorn plötzlich, und läuft in einen
langen geraden Kanal aus. Die Mündung ist weit, hinten verenst, die Aussenlippe scharf, einfach, die
Innenlippe stark schwielig verdickt, besonders hinten. Der Apex ist spitz.
Dass Rapa coronata und Rapa Monheimi Mir. ident sind, geht aus der.Zeichnung hervor; mit
Pyrula coronata Rorm., die hinten scharf gekantete Umgänge hat, haben sie nichts zu thun. Fusus Salm-
Dickianus Müur. ist ein junges Individuum, bei dem ein beträchtlicher Theil des letzten Umganges weg-
gebrochen ist, wodurch der Kanal so verlängert erscheint. Die Zeichnung ist ausserdem mangelhaft, und
dem vorliegenden Original kaum ähnlich. Pyrella Beuthiana Mürr. ist der Steinkern dieser Art (Fig. 7).
J. Bönm wählt diesen letzteren Namen, was nicht angängig ist, da MüLver Taf. 5 Fig. 22 ein
zwar kleines, aber vollständig erkennbares, beschaltes Stück unter dem hier angenommenen Namen ab-
bildet, die Abbildung des Steinkerns jedoch nur mit Hilfe des zugehörigen Abdrucks zur Bestimmung
brauchbar wird.
— 107 —
SToLIczkA stellt die Art anfänglich zu Rapa (l. ec. pag. 148), später zu Hemifusus (pag. 457), welch’
letztere Bestimmung manches für sich hat, da eine Aehnlichkeit z. B. mit dem oben beschriebenen Hemi-
fusus eoronatus A. Rom. vorhanden ist. Der wesentlichste Unterschied ist der längere und schärfer abge-
setzte Kanal, wodurch sich die Art mehr an Tudiela anschliesst, von deren typischen Formen sie sich
durch den spitzen Apex und den Mangel der Spindelfalte unterscheidet. Das erstere Kennzeichen ist
namentlich charakteristisch für die von Coxran als Pyropsist abgetrennte P. Bairdi M. u. H., welche sich
von unserer Art durch ihre durchbohrte Spindel entfernt. Die Uebereinstimmung von Pyropsis und Tudiela
ist indessen so gross, dass ich mit v. Zırren? beide Gattungen für nicht wesentlich verschieden ansehe.
Vorkommen. Nicht selten bei Vaals im Grünsand, von wo etwa ein Dutzend Exemplare vorliegen.
Ebenfalls nicht selten in den Sandstembänken bei Aachen.
Originale in der Sammlung der technischen Hochschule.
2. Tudiela cf. planissima Bise#. sp.
Taf. XI Fig. 15.
1551. Pyrella planulata Mürr., Mon. II, pag. 39. (non Nıtss.)
1861. Pyrula planissima Bınk#., Gast. et Ceph., pag. 8. Taf. 5a Fig. 3.
Es liegen zwei Steinkerne, ohne die zugehörigen Abdrücke, aus der Mürver’schen Sammlung vor,
welche mit der von BiskHorst gegebenen Zeichnung nahe übereinstimmen. Mürter bestimmte sie als
Pyrula planulata Nıuss.?, und führt als Synonym P. planulata Rorm.* auf. Die Art bei Niıvssox ist in-
dessen von der. bei ROEMER sehr verschieden, sie hat sehr scharf gekielte Umgänge, während die nord-
deutsche Form auf der Endwindung zwei Hauptkiele und 1—2 schwächere hat. Brauns? hebt diesen
Unterschied zutreffend hervor. Die Aachener Stücke schliessen sich hierin der RoEmer'schen Art an. Wenn
indessen Brauns die Pyrula planulata Roem. auf Pyrula clathrata Sow. von Blackdown® bezieht, so ist
dies bei dem mangelhaften Stück, welches Sowergy abbildete, mindestens zweifelhaft. Sicher falsch ist die
Identifieirung mit Pyrula costata Rom."
Da von Aachen nur die erwähnten 2 Steinkerne vorliegen, so vermag ich die Art nicht weiter zu
charakterisiren und beschränke mich auf den Vergleich mit der von BıskHorsrt gegebenen Abbildung.
Vorkommen. In den Sandsteinbänken am Königsthor.
1 Journ. Acad. Nat. Sc. Phil. IV, pag. 288. Rep. of the U. S. Geol. Surv. 1876. pag. 368. Taf. 31 Fig. 10.
2 Handbuch, 1. c. pag. 276.
3 Petr. Suec., pag. 13. Taf. 3 Fig. 5.
% Kreide, pag. 78. Taf. 11 Fig. 11.
5 Salzbergmergel, pag. 346.
6 Bei Fırron, Taf. 18 Fig. 19.
? Kreide, Taf. 11 Fig. 10. Geimırz, Kiesl., Taf. 1 Fig. 12, 13.
14*
— 108 —
3. Tudicla quadricarinata Mürr. Sp.
Taf. XI Fig. 14, 15.
1859. Pyrella quadricarinata Mürr., Supplem., pag. 26.
Das grosse, birnförmige Gehäuse besteht aus vier Umgängen, von denen der letzte mit vier Spiral-
kielen versehen ist. Das Gewinde ist niedrig, der Kanal lang und gerade, der Apex konnte nicht be-
obachtet werden.
Von der vorigen Art ist diese durch höheres Gewinde, gleichmässiger gewölbte und mit vier
Kielen verzierte Schlusswindung leicht unterscheidbar, Eigenschaften, die auch bei Steinkernen deutlich
hervortreten. ;
Vorkommen. Selten in den Mucronatenmergeln des Schneeberges bei Vaals, sowie in den Horn-
steinen des Aachener Waldes.
Original in Herrn Berıssen’s Sammlung.
'
Genus: Palaeatracius GABB.
Für Formen, welche in ihrer äusseren Gestalt mit der namentlich im Eocän verbreiteten Gattung
Leiostoma Swaısson übereinstimmen, sich indessen durch mehr oder weniger kräftige Skulpturen auszeichnen,
schuf Gags das Genus Palaeatractus‘. ;
Die hierher gehörigen Gehäuse nähern sich durch diese Eigenschaften der Gattung Fieula, unter-
scheiden sich aber durch kräftige Ausbildung der Querrippen und kürzeren Kanal. Auch die tertiären
Strepsidura-Arten zeigen Aehnlichkeit, doch ist auch hier die Verschmälerung der Endwindung viel stärker,
und der Kanal stark seitwärts gedreht.
v. Zırten? stellt Palaeatractus als Untergattung zu Fiusus, neben Leiostoma. Vielleicht wäre es
zweckmässig, die Gattung Leiostoma so zu erweitern, dass auch skulpturirte Formen darin einbegriffen
werden könnten und die Hauptcharakteristik in der Gestalt der Umgänge und der Mündung zu sehen,
obwohl. die glatte und glänzende Schale ursprünglich eines der Hauptkennzeichen von Leiostoma ist
1. Palaeatractus minimus (Hönmen.) GLDF. Sp.
TaraXx@oBiosals:
1830. Pyrula minima Höxınen., Jahrb. f. Mineral., pag. 462.
id. GoLDFUSS, D’ÜRBIGNY, MÜLLER, BoSQUET etc. -
Das birnförmige, bauchige Gehäuse besteht aus 4 gewölbten, sich schnell verbreiternden Windungen,
von denen die letzte 5mal so hoch ist, wie das übrige Gewinde. Die Oberfläche ist spiral gestreift, und
mit schmalen Querrippen versehen. Die Mündung ist weit, halbmondförmig, der Kanal ziemlich kurz und
weit. Die Innenlippe ist schwach schwielig, die Aussenlippe innerlich schwach gekerbt.
ı Pal. Calif., pag. 147.
® Handbuch II, pag. 273.
— 09) —
Vorkommen. Sehr selten in den Muschelbänken am Lusberg und Königsthor. Nur ein voll-
ständiges beschaltes Exemplar von ersterem Fundort in der Sammlung der technischen Hochschule, ausser-
dem mehrere defecte Stücke und Steinkerne.
: 2. Palaeatractus Roemeri sp. n.
Taf. X Fig. 16.
Spirawinke er ee ga
Das Gehäuse ist dickschalig, birnförmig, und besteht aus 5—6 Windungen, welche vor der Naht
eingeschnürt und etwas niedergedrückt sind. Die Endwindung ist gross, */; der Gesammthöhe einnehmend.
Die Oberfläche ist kräftig spiral gestreift und quergerippt. Die Aussenlippe ist scharf, innen glatt, die
Mündung halbmondförmig, hinten verschmälert, die Spindel gerade, der Kanal kurz und weit. !
Von Pal. minimus unterscheidet sich diese Art leicht, durch die kräftigeren Querrippen, das höhere
Gewinde und die vor der Naht eingeschnürten Windungen.
Die kleinen Steinkerne, welche MÜLLer als Strombus inermis (l. ec. pag. 17. Taf. 3 Fig. 32) beschrieb,
gehören vielleicht z. Th. zu dieser Art, mit der sie in der Gestalt ziemlich übereinstimmen, doch lässt sich
dies ohne die nicht vorliegenden Abdrücke nicht entscheiden.
Vorkommen. Ziemlich selten im Grünsand von Vaals, von wo 10 ziemlich gut. erhaltene
Stücke vorliegen.
Original in Herrn Beıssen’s Sammlung.
Genus: Pollia Gray.
Pollia fenestrata Mörr. sp.
Taf. X Fig. 15, 14.
1851. Strombus fenestratus Mürr., Monogr. II, pag. 17. Taf. 3-Fig. 22.
1851. Melongena rigida Mürr., ibid. pag. 78.
1859. Fusus Schöni Mütr., Suppl., pag. 24. Taf. S Fig. 5.
1860. Pyrula rigida und Schöni Bosquver bei STArınG.
1868. Volutilithes rigida und Schöni id. bei DEwALgQUE.
Spirawinkellse em en,
Das dickschalige Gehäuse besteht aus 6—7 rasch anwachsenden, vor der flachen Naht stark einge-
schnürten Windungen, von denen die Schlusswindung etwa ?a der Gesammthöhe einnimmt. Die Skulptur
‘ besteht aus 15 kräftigen Querwülsten, welche an dem vorderen Rande der Einschnürung beginnen, nach
vorn schwach geschwungen sind, und allmählich auslaufen. Durch zahlreiche kräftige Spiralleisten erscheinen
sie grob gekörmt. Die Mündung ist schmal und lang, nach hinten im eine Rinne verengt. Der ziemlich
lange Kanal ist weit, etwas seitwärts gebogen. Die Innenlippe ist stark schwielig, die Aussenlippe inneglich
verdickt, aber glatt, die Spindel ist schwach gedreht, ohne Falten.
Die Bestimmung dieser schönen Art als Volutilithes durch Srourczka und Bosqurr beruht auf der
Unkenntniss der Mündung. Am besten passt dieselbe zu Polliu Gray, wenn auch einzelne beträchtliche
Unterschiede von den typischen Arten aus Tertiär und Jetztzeit vorhanden sind. Diese Unterschiede be-
— 110 —
stehen namentlich in dem Mangel einer innerlichen Zähnelung der Aussenlippe, obschon dieselbe verdickt
erscheint. Von den Arten, welche Srorıczra als Tritonidea (= Pollia GrAY) beschreibt, kommt unserer
Art am nächsten Pollia granulata Stov. Dieselbe hat indess breitere Querrippen, viel kräftigere Spiral-
leisten und zeigt keine so stark verdickte Innenlippe.
MüLter’s Strombus fenestratus, welcher Name später auf Grund der neuen Gattungsbestimmung in
Melongena rigida umgeändert wurde, ist ein stark abgeriebenes Stück der später als Fusus Schöni be-
stimmten Art (Fig. 14).
Vorkommen. Selten im Grünsand von Vaals, von wo ein vollständiges und vier mehr oder
weniger defecte Stücke vorliegen.
Original im städtischen Museum (Fig. 13) und in der Sammlung der technischen Hochschule.
Genus: Latirus MonTr.
1. Latirus Benedeni Mvrr. sp.
Taf. IX Fig. 20.
1851. Voluta Benedeni Mürr., Mon. II, pag. 41. Taf. 5 Fig. 25.
1561. cn n Bosquer bei STArınG.
1867. Fasciolaria Benedeni SıoL., Cret. Gast., pag. 70.
1868. Volutilithes Benedeni Bosquer bei Drw., pag. 408.
Die 5 gewölbten Umgänge sind durch tiefe Nähte getrennt, die Schlusswindung nimmt etwas mehr
wie die Hälfte der Gesammthöhe ein. Die Skulptur besteht aus sehr kräftigen Spiralstreifen und kräftigen
Querwülsten, von denen jedesmal der vierte besonders hoch, varixartig ist. Die zwischen je zwei solcher
hohen Wülste gelegenen 3 schwächeren sind nicht gleich stark, sondern der mittlere ist höher und breiter,
und die beiden anderen liegen dichter an diesem mittleren, wie an den äusseren, höchsten. Die hinten ge-
rundete Mündung ist eiförmig, der Kanal ist kurz, etwas seitwärts gedreht. Die Aussenlippe ist scharf,
innerlich gekerbt, die Innenlippe sehr dünn, so dass hinten die Spiralstreifen der Oberfläche bis weit in
die Mündung hinein sichtbar werden. Die Spindel ist neben dem Kanal schwach ausgehöhlt, und trägt
etwas vor der Mitte zwei kräftige, schräge, parallele Falten.
Diese zierliche Art passt wohl am besten zu Latirus, wenn auch die hintere Rundung der Mund-
öffnung ihr ein an Cancellaria erinnerndes Gepräge giebt, zu welcher Gattung indessen die Gestalt des
Kanals nicht passt. Die Gattung Volutilithes, wohin Bosourr die Art stellt, kann schon wegen des ab-
weichenden Habitus, noch mehr aber wegen der Gestalt der Mündung nicht in Betracht kommen.
Jugendexemplare zeigen, besonders wenn die Mündung nicht vollständig ist, ziemlich viel Aehn-
lichkeit mit Fusus Requienianus »’Org.t, unterscheiden sich indessen durch kürzeren Kanal, und die
eigenthümliche Stellung der Querrippen. Bei erhaltener Mündung kann, auch abgesehen von der sehr ver-
schiedenen Grösse, eine Verwechselung nicht wohl stattfinden. Ein Theil der von MüLtLEr als Strombus
inermis? beschriebenen Steinkerne mag zu dieser Art gehören.
1 Pal. frang. II. Taf. 225 Fig. 3.
?2 Monogr. II, pag. 17.
— ll —
Vorkommen. Selten im Grünsand zu Vaals, meist mit zerbrochener Aussenlippe. Nur zwei voll-
ständige Exemplare und etwa 10 defecte konnten untersucht werden.
Original in der Sammlung der technischen Hochschule.
2. Latirus Dewalquei n. sp.
Taf. IX Fig. 19.
Das ziemlich dickschalige Gehäuse besteht aus 5 schnell anwachsenden, flach gewölbten, dach-
förmigen Windungen, welche durch flache Nähte getrennt sind, und eine stumpf kegelförmige Spira bilden.
Die Schlusswindung ist bauchig, nach vorn stark verschmälert, und nimmt 2/3 der Gesammthöhe ein. Jeder
Umgang trägt etwa 10 breite, aber niedrige und kurze Querrippen, und zahlreiche kräftige Spirallinien.
welche über die Querrippen in gleicher Stärke hinwegsetzen. Die Mündung ist weit halbmondförmig, der
Kanal kurz, die Innenlippe schwielig, besonders hinten. Die schwach gedrehte Spindel hat im der Mitte
einen schwachen Vorsprung, und vor demselben vier Falten, von denen die vordere stärker und schräger
ist, als die drei parallelen hinteren. Die Aussenlippe ist innerlich gekerbt.
Auch diese Art scheint am besten in die Gattung Latirus zu passen, zu der auch StoLıczkA eine
ähnliche Form stellte, Z. Reussianus StoL., welche kräftigere Querrippen und gewölbtere Umgänge hat, wie
L. Dewalquei.
Vorkommen. Ziemlich selten im Grünsand von Vaals, von wo 3 Exemplare vorliegen.
Original in der Sammlung der technischen Hochschule.
Ausser den aufgeführten Formen beschrieb MüLter noch eine ganze Reihe von Fusus-Arten, die
anderen Gattungen und Familien zugehören. Es sind dies:
Fusus Decheni Münr. — Volutilithes Decheni.
„ Nöggerathi Müur. — 5 Nöggerathi.
„ Hüpschianus = 5 subsemiplicata D’ORB.
Nysti — Aporrhais Schlotheimi Röm.
„. glaberrimus — Steinkern derselben Art.
„ Dunkeri und Budgei = Aporrhais stenoptera GLDF.
». Nanus — Brut von Aporrhais-Arten.
BosavEr citirt noch Frusus undatus GLDr., was wohl indutus heissen soll. Mir ist diese, wohl zu
Volutilithes gehörige Art von Aachen nicht bekannt.
Familie: Purpuridae Gray.
Genus: Pseudorapa nov. gen.
Diese neue Gattung ist auf eine Species, Murex pleurotomoides Mürr., begründet, welche in der
Gestalt einer Rapana gleicht. Sie hat ein bauchiges Gehäuse, mit stark quergerippten Umgängen, eine
weite, in einen langen offenen Kanal auslaufende Mündung und einen weiten rauhen Nabel. Die scharfe
— 1a
Aussenlippe hat etwa in der Mitte einen grossen gerundeten Vorsprung, und vor demselben einen tiefen
schmalen Sinus mit parallelen Rändern, dem auf der Schalenoberfläche ein deutlich begrenztes Schlitzband
entspricht, auf welchem die Anwachsstreifen in scharfem Bogen nach rückwärts umbiegen. Sinus und
Schlitzband erscheinen als die charakteristischsten Eigenthümlichkeiten dieser Form, und wohl geeignet, die
Aufstellung einer neuen Gattung zu begründen, deren systematische Stellung indessen zweifelhaft ist. Zu
den Pleurotomiden kann die Gattung ihrer sonstigen Eigenschaften wegen nicht gestellt werden, zumal auch
der Sinus einen wesentlich anderen Charakter besitzt, wie in dieser Familie. Zu Rapana, mit der die
Aachener Art auch die breit umgeschlagene Innenlippe gemein hat, steht Pseudorapa in einem ähnlichen
Verhältniss wie Pseudoliva zu Cominella, wenn auch hier nie ein so tiefer Spalt vorkommt. Da allgemein
Pseudoliva zu den Bucciniden gestellt wird, v. ZITTEL sie sogar nur als Untergattung von Buceinum be-
trachtet, so wird man mit gleichem Recht Pseudorapa zu den Purpuriden stellen können.
Pseudorapa pleurotomoides Mvrr. sp.
Taf. VIII Fig. 7—9.
1851. Murex pleurotomoides Mürr., Mon. II, pag. 24. Taf. 5 Fig. 31.
id. BosQuEr, PICTET, STOLICZKA.
1885. Trophon pleurotomoides J. Bönn, Grünsand, pag. 66.
Das bauchige, ziemlich dickschalige Gehäuse besteht aus 7—S Umgängen, welche vor der Naht
eingeschnürt sind. Die Skulptur besteht aus sehr hohen, aber kurzen Querrippen, und breiten, aber flachen
Spiralleisten. Die Mündung ist weit eiförmig, nach hinten verengt, nach vorn in einen langen und weiten,
offenen Kanal verlängert, der stark auswärts gebogen ist. Neben demselben befindet sich ein ziemlich
weiter rauher Nabel. Die Innenlippe ist breit, schwielig, die Aussenlippe scharf, in der Mitte mit grossem
serundetem Vorsprung, davor mit einer schmalen, von parallelen Rändern begrenzten Einbiegung, der ein
Schlitzband entspricht.
MÜLLER kannte von dieser Art nur ein unvollständiges Exemplar, welches er, hauptsächlich wegen
des weiten und rauhen Nabels zu Murex stellte, unter welchem Gattungsnamen die Art von Bosquer und
STOLICZKA citirt wird, das Vorhandensein von Sinus und Schlitzband lässt jedoch eine solche generische Be-
stimmung nicht zu, ebenso wenig wie die als Trophon, welche Gattung auch durch die Ausbildung ihrer
lamellösen Varices typisch verschieden ist. ae
Vorkommen. Selten im Grünsand von Vaals und Aachen. Zur Untersuchung liegen 7 vollstän-
dige Exemplare, und mehrere Bruchstücke vor, sowie einige Steinkerne und Abdrücke aus den Sandstein-
bänken vom Königsthor.
Originale in Herrn Beısser’s Sammlung.
Familie: Buccinidae An.
Mürter beschrieb aus dem Grünsand von Vaals und vom Lusberg eine kleine Form als Duceinum
Steiningeri. Das Originalstück fand sich in der Mürter’schen Sammlung nicht mehr vor, eine Abbildung
— 13 —
existirt nicht und unter dem Material, welches mir zur Verfügung stand, befindet sich keine Form, die sich
auf Buccinum, oder die Familie der Buccinidae beziehen liesse. Ich vermag daher nicht anzugeben, welches
Fossil MÜLLER unter dem oben angegebenen Namen verstanden hat.
Familie: Tritoniidae An.
Genus: Tritonium Link.
Tritonium eretaceum Mivrr.
Taf. X Fig. 5—7.
1851. Tritonium eretaceum Mürr., Mon. II, pag. 47. Taf. 5 Fig. 2.
1851. Rissoa costata Mürr., ibid. pag. 8. Taf. 3 Fig. 5.
1851. „ inerassata Mürr., ibid. pag. 76.
id. BosquEr, StoLiczkA, PIcIET etc.
Das dünnschalige Gehäuse besteht aus 5 flach gewölbten, durch tiefe Nähte getrennten Umgängen,
welche langsam an Breite zunehmen, die Skulptur aus schmalen, dicht stehenden Querrippen und Spiral-
linien, welche abwechselnd stärker und schwächer sind. Jeder Umgang besitzt ferner zwei hohe Varices,
welche schräge zu den Querrippen stehen, und oft so vertheilt sind, dass sie auf den verschiedenen Win-
dungen schräge über einander stehen. Die Mündung ist kurz und weit, der Kanal kurz, ausgussartig. Die
Aussenlippe ist wulstig verdickt, innerlich schwach gezähnt, die Wülste sind innen hohl. Die Spindel ist
gedreht, die Innenlippe mit mehreren, sehr schwachen, zahnartigen Vorsprüngen. ,
STOLICZEA (l. c. pag. 133) macht namentlich auf die eigenartige schräge Stellung des Varices auf-
merksam, und glaubt die Art zu Epidromus stellen zu können, wenn dieselbe nicht eine Spitze einer
Aporrhaide sei. Er kannte die Art nur nach der mangelhaften Mürter’schen Zeichnung. Exemplare mit
vollständiger Mündung zeigen die Zugehörigkeit zu Tritonium, und ist der zu den Querrippen winklig ge-
richtete Verlauf des Varices charakteristisch, wenn auch nicht bei allen Exemplaren die Neigung eine so
grosse ist, wie bei dem Mürrer’schen Originalstücke, und sogar Stücke vorkommen, bei denen die Varices
kaum gegen die Rippen geneist sind.
MÜLLER’s Rissoa incrassata ist ein mangelhaft erhaltenes Exemplar vom Lusberg, wovon ich mich
durch Herausnehmen aus dem Gestein und Freilegen der Mundöffnung überzeugt habe.
Vorkommen. Nicht selten im Grünsand von Vaals, selten indessen gut erhalten, da wegen der
grossen Zerbrechlichkeit die Aussenlippe meistens beschädigt ist. Unter etwa 40 vorliegenden Exemplaren
sind nur 5 mit vollständiger Mündung. Nicht selten in den Muschelbänken am Lusberg und Königsthor.
Originale in Herrn Beıssev’s Sammlung und der technischen Hochschule.
Palaeontographica, Bd. XXXIV. 15
— ]14 =
Familie: Aporrhaidae Phıuırei.
Genus: Aporrhais Da Costa.
1. Aporrhais granulosa Mvrr. sp.
Taf. XII Fig. 10.
1851. Rostellaria granulosa Mürr., Mon. I, pag. 21. Taf. 5 Fig. 27.
id. BosQuET, STOLICZKA etc.
Das spindelförmige Gehäuse besteht aus 8 gewölbten Windungen, welche dicht stehende, scharfe
Querrippen tragen, zwischen denen man feine, entfernt stehende Spirallinien bemerkt, welche sich auf der
Schlusswindung zu kräftigen Kielen ausbilden. Von diesen ist der hinterste am schwächsten, und verliert
sich nach der Mündung zu wieder. Der zweite und höchste wird nach der Mündung zu kräftiger, während
der dritte, der anfangs so hoch ist, wie der zweite, sich auf der Aussenlippe wieder verflacht, der vierte
hat nahezu die gleiche Stärke wie der zweite, vor demselben liegen noch drei oder vier schwächere Leisten.
Auf der ersten Hälfte der Schlusswindung bilden die vier hinteren Spiralkiele mit den hier etwa gleich
starken Querrippen eine zierliche Gitterskulptur, mit knotigen Durchschnittspunkten, auf der zweiten Hälfte
dagegen verlieren sich die Querrippen allmählich, und sind hier ausser den Spiralkielen nur Anwachsstreifen
vorhanden. Die Mündung ist schmal, die schwielige Innenlippe weit ausgebreitet, der vordere Kanal ist
ziemlich kurz, der rückwärtige reicht bis zur Mitte‘ der drittletzten Windung. Die Aussenlippe verbreitert
sich in einen grossen dünnen Flügel, auf welchen der zweite und vierte Kiel der Schlusswindung als scharfe
Rippen fortsetzen, die lang und nach oben resp. unten gekrümmt sind; zwischen ihnen ist der Flügel ein-
gebogen. Neben dem vorderen Kanal befindet sich in dem Flügel ein seichter Ausschnitt.
In der Gestalt des Gehäuses und der Skulptur der oberen Windungen steht Ap. gramulosa der Ap.
anserina bei RÖMER (pag. 78, Taf. 11 Fig. 7) und Reuss (II, pag. 111. Taf. 45 Fig. 19) nahe, allein der
Flügel, den diese Autoren zeichnen, ist gänzlich abweichend gestaltet. Was Müurer (l. c. pag. 20) als
Rost. anserina beschreibt, mag sich z. Th. auf die vorliegende, z. Th. auf die folgende Art beziehen.
Rost. pyriformis Kner von Nagorzany ist ebenfalls ähnlich, und stimmt namentlich in der Aus-
bildung des Flügels überein, indessen ist der Spirawinkel ein grösserer, und die früheren Windungen tragen
nach den Zeichnungen von Kxert, Gemerz? und Favre? gekörnte Querrippen, während die’ der Aachener
Form glatt sind.
Vorkommen. Ziemlich häufig im Grünsand von Vaals, meist mit zerbrochener Aussenlippe. Unter
etwa 25 vorliegenden Stücken zeigen nur 6 einen erhaltenen Flügel. Ziemlich selten als Steinkern und
Abdruck in den Sandsteinbänken des Grünsandes bei Aachen.
Original in der Sammlung der technischen Hochschule.
1 Kner, Kreidemergel von Lemberg. Taf. 1 Fig. 3.
? Geinızz, Quadersandsteingebirge. Taf. 9 Fig. 3.
® Favre, Gasterop. v. Lemberg. Taf. 9 Fig. 16.
2. Aporrhais Beisseli n. sp.
Taf. XII Fig. 4—5.
21851. Rostellaria vespertilio Mürr., Monogr. II, pag. 20.
Gehäuse schlank, spindelförmig, aus 8, mit etwas schrägen, dichten und scharfen Querrippen ver-
zierten Umgängen bestehend. Auf der Schlusswindung bilden sich 2 Spiralkiele aus, von denen der höhere
hintere auf dem höchsten Theil der Wölbung liest. Anfangs reichen die Querrippen bis an den unteren,
später nur bis an den oberen Kiel. Auf dem vorderen Theil der Schlusswindung befinden sich noch zahl-
reiche, feine Spiralstreifen. Die Mündung ist kurz und ziemlich weit, die Innenlippe stark schwielig ausge-
breitet, der vordere Kanal ist eng und kurz, der rückwärtige reicht bis zur drittletzten Windung. Die
Aussenlippe verbreitert sich in einen kleinen Flügel, auf welchen die beiden Spiralkiele der Schlusswindung
als Rippen fortsetzen. Dieselben haben verschiedene Stärke und Richtung, der kräftigere obere behält seine
Richtung bei, der schwächere untere dagegen ist abwärts geneigt und kürzer. In der Jugend ist die Aussen-
lippe verdickt, und tragen demgemäss die Jugendwindungen Varices, welche im unregelmässigen Zwischen-
räumen stehen.
Flügellose Exemplare haben Aehnlichkeit mit A. calcarat« Sow., dass sie kaum zu unterscheiden
sind. Abgesehen von dem gänzlich verschiedenen Flügel dieser zu Helicaulax gehörigen Form, ist die grössere
Breite und geringere Höhe des vorderen Kieles auf der Schlusswindung als Unterschied hervorzuheben.
Ob Mürver und BosquEr diese Art kannten, weiss ich nicht, es fanden sich in der Müuver’schen
Sammlung zwei flügellose Exemplare zwischen solchen von Ap. stenoptera liegen, welche MÜLLER für ident
mit A. calcarata Sow. hält. Vielleicht gehört auch die von MÜLLER als R. vespertilio bestimmte Form
hierher. Auch hierüber habe ich kein Urtheil, da die Etiquetten verwechselt waren.
Vorkommen. Selten im Grünsand von Vaals, von wo 8 Exemplare, darunter zwei mit vollstän-
digem Flügel vorliegen.
Original in der Sammlung des Herrn BeısseL (Fig. 4) und der technischen Hochschule (Fig. 5).
Genus: Helicaulax GABB.
Die Gattung Helicaulax GaBB enthält die Formen solcher Aporrhaiden, bei denen sich die Aussen-
lippe in einen säbelförmigen Flügel fortsetzt, während die hintere Rinne dem Gewinde bis zur Spitze folgt.
J. S. GARDNER! stellte später die Gattung Dimorphosoma für solche Formen auf, bei denen die
hintere Rinne nicht bis zur Spitze geht, sondern bei denen der Flügel sich nur an die 2 oder 3 letzten
Umgänge anheftet. Dieser Unterschied scheint bei sonstiger vollständiger Uebereinstimmung zu einer
generischen Trennung nicht ausreichend. Bei Helicaulax entwickelt sich die hintere Rinne erst im ausge-
wachsenen Zustande, und geht ein Stadium vorher, bei dem Helicaulae mit Dimorphosoma zusammen-
fällt, und Formen, wie Rostellaria costata Sow.?, bei der nach SroziczkA® die hintere Rinne ge-
1 Geological Magazine. 1875. pag. 396.
2 Trans. Geol. soc. III, pag. 419. Taf. 36 Fig. 21. Zekeuı, Gosau-Gasterop., pag. 55. Taf. 12 Fig. 1.
3 Revision, pag. 66.
15*
— 110 —
wöhnlich bis zur viertletzten Windung reicht, kann man beliebig zu Helicaulax oder Dimorphosoma
stellen. Helicaulax und Dimorphosoma sind daher generisch nicht verschieden, und ist der erstere
Namen als der ältere anzuwenden.
1. Helicaulax stenoptera GoLDF. Sp.
Taf. XII Fig. 1—3.
1844. Rostellaria stenoptera Goupr., Petref. Germ. III, pag. 16. Taf. 170 Fig. 6.
1851. ” calcarata MürrL., Mon. II, pag. 19.
1551. Fusus Budgei und Dunkeri Mütr., ibid. pag. 37. Taf. 5 Fig. 14 u. 18.
1569. Aporrhais stenoptera Favre, Lemberg, pag. 76. Taf. 10 Fig. 2, 3.
1885. Dimorphosoma stenoptera J. Böun, Grünsand, pag. 55.
Gehäuse schlank, thurmförmig, aus 12 flachgewölbten Umgängen bestehend, welche kräftige, bogen-
förmige, vorn scharfe , nach hinten sich verflachende Querrippen tragen. Auf der neunten oder zehnten
Windung treten feine Spirallinien auf, welche allmählich kräftiger werden, und sich auf der Schlusswindung
zu ziemlich breiten, leistenförmigen Rippen ausbilden, während die Querrippen allmählich schwächer werden
und schliesslich verschwinden. Die Spiralrippen haben verschiedene Stärke, zeigen indessen keine Regel-
mässigkeit in ihrer Anordnung. Nach der Mündung zu werden sie wieder schwach, und verschwinden auf
der Aussenlippe meist ganz. In unregelmässigen Zwischenräumen stehen ziemlich kräftige Mundwülste, was
darauf deutet, dass die Art in der Jugend, vor Ausbildung des Flügels, eine verdickte Aussenlippe besitzt.
Die Mündung ist schmal eiförmig, die Innenlippe stark schwielig, der vordere Kanal kurz. Der rückwärtige
Kanal reicht bis zur Mitte der vorletzten Windung. Die Aussenlippe verlängert sich in einen dünnen,
schmalen, säbelförmigen Flügel, welcher über der Mitte einen Kiel trägt, der in eine kurze stumpfe Spitze
ausläuft. Auf der Unterseite entspricht diesem Kiel eine flache Furche.
Von mehreren Autoren, so von Mürter, Reuss!, Geisırz?, wird die besprochene Form zu A.
calcarata Sow. gestellt. Von dieser Blackdowner Form unterscheidet sich die Aachener indess ganz be-
stimmt durch grössere Dimensionen, durch die charakteristische Form der Querrippen und vor allem durch
die gleichmässig gewölbte Schlusswindung, welche bei calcarata deutlich gekantet ist. Auch die Flügelform
ist eine wesentlich andere, H. calcarata hat einen dicken, mit hohem, scharfem Kiel versehenen Flügel, der
in eine lange, nach oben gebogene Spitze ausgezogen ist. Die Verschiedenheit der beiden Formen wird
denn auch von E. Favre? und J. S. GARDNER* bestimmt ausgesprochen.
Mürter’s Fusus Budgei und Dunkeri sind unvollständige, flügellose Exemplare dieser Art.
Frec#?’ bildet als H. cf. stenoptera ein Exemplar von Suderode ab, welches einen bis zur Spitze
des Gewindes aufsteigenden hinteren Kanal besitzt, und daher schon aus diesem Grunde verschieden ist.
Vorkommen. Sehr häufig im Grünsand bei Vaals aınd Aachen, seltener bei Aubel, Terstraeten
! Böhm. Kreide, pag. 45.
? Elbthalgebirge II, pag. 170.
® Lemberg, 1. c.
* Geol. Magazine. 1875. pag. 130. :
° Zeitsch. d. D. Geol. Ges. 1887. pag. 194. Taf. 19 Fig. 9, 10.
— 1171 —
und Gymnich. In der Regel ist der Flügel abgebrochen, und meistens nur dann vollständig erhalten,
wenn Serpulen oder Austernschalen sich aufgeheftet, und so eine Verstärkung bewirkt haben.
Ein Exemplar aus den unteren Mucronatenmergeln bei Aachen.
2. Helicaulax granulata Sow. sp.
Taf. XII Fig. 6—9.
1832. Rostellaria granulata Sow., Geol. soc. Trans. III. Taf. 38 Fie. 23.
1344. e) striata Guor., Petr. Germ. III, pag. 18. Taf. 170 Fig. 7.
1851. " Parkinsoni (pars!) et striata Mürr., Mon., pag. 21. _
1851. Oerithium Geinitzü Mütr., ibid. pag. 49. Taf. 9 Fig. S.
1852. Rostellaria granulata und gibbosa ZEKELI, Gosau-Gast., pag. 66 u. 68. Taf. 12 Fig. 5, 7, 8.
1354? N pyrenaica v’Arcu., Bull. soc. geol., pag. 225. Taf.5 Fig. 9.
5. Alaria granulata Sror., Rev., pag. 67.
1568. Chenopus gibbosus, Westfalicus und striatus Bosquer bei DEWALQTE.
7. Aporrhais granulata Frecn, Zeitsch. d. D. Geol. Ges., pag. 193. Taf. 19 Fig. 10, 12—14.
Gehäuse schlank, thurmförmig, aus 10—12 flach gewölbten Umgängen bestehend, welche ziemlich
hohe, flach geschwungene Querrippen tragen, die im Alter flacher und zuletzt undeutlich werden. Die-
selben werden von kräftigen, nicht sehr dicht stehenden Spirallinien geschnitten, deren sich 6—8 auf jedem
Umgang befinden. Bei guter Erhaltung bemerkt man zwischen denselben je 3—4 feine Zwischenlinien.
Diese letzteren treten auf den Jugendwindungen allein auf, die stärkeren Leisten entwickeln sich erst im
mittleren Alter. Von diesen letzteren sind die zweite und dritte, zuweilen auch die dritte und vierte be-
sonders hoch, und entwickeln sich auf der Schlusswindung zu kräftigen, meist in Knotenreihen aufgelösten
Kielen. Auch die übrigen Leisten erscheinen hier geknotet, oder in Knotenreihen aufgelöst. Die Mündung
ist eng, die Innenlippe stark schwielig, die Aussenlippe in der Jugend wulstig verdickt, daher tragen die
Jugendwindungen in unregelmässigen Abständen stehende Varices. Später verlängert sich die Aussenlippe
in einen langen, säbelförmigen, scharf gekielten Flügel, mit weit yorragender, schräg nach oben gerichteter,
scharfer Spitze. Auf der Innenseite entspricht dem Kiel eine Furche. Der vordere Kanal ist kurz, der
hintere steigt an dem Gewinde bis zur Spitze auf.
Wie aus der obigen Synonymik hervorgeht, habe ich unter dem Namen H. granulata Sow. eine
Reihe von Formen zusammengefasst, die vielfach getrennt aufgeführt werden. Kostellaria striata GLDF. ist
ein aus 4 Umgängen bestehendes Bruchstück, bei dem die hohen Kiele noch nicht entwickelt sind, was auch
MÜLLER veranlasst haben mochte, solche Stücke von denen mit Kielen zu trennen, und letztere als Rostel-
laria Parkinsoni nach Gemsırz (non Manr.) aufzuführen. Mit den Abbildungen von Gemırz ist übrigens
nichts anzufangen, ebenso wenig wie mit der als Rostellaria Burmeisteri” benannten Form. Nach Storıczra °®
unterscheidet ‚sich die Abbildung bei GorLpruss von der Gosauform im wesentlichen nur durch das Vor-
handensein von nur 4 Spiralstreifen, die vorliegenden Stücke zeigen indessen stets mehr, ich glaube daher
1 Char., Taf. 18 Fig. 3.
? ibid. Taf. 15 Fig. 2.
3 Revision, pag. 67.
le
die beiden Arten vereinigen zu müssen. Rostellaria pyrenaica D’Orp.! zeigt nach der Abbildung nur feine
Spiralstreifen, während die unter demselben Namen von p’ArcHıac abgebildete Form gut zu den Aachener
Stücken passt. Auch spricht p’ArcHıAc bereits die Vermuthung aus, seine Rost. pyrenaica sei ident mit
Rost. granulosa Sow.
Mürver’s Oerithium Geinitzii ist ein unvollständiges, sonst aber gut erhaltenes Stück (cf. Fig. 6)
dieser Art, an welchem fast der ganze rückwärtige Kanal erhalten ist, die Mürver'sche Gattungsbestimmung
ist daher nicht verständlich.
Vorkommen. Nicht selten im Grünsand von Vaals, Terstraeten und Aachen, jedoch meistens
recht mangelhaft erhalten. Exemplare mit erhaltenem Flügel gehören zu den grössten Seltenheiten. Ausser-
dem sind die Stücke meist stark abgerieben.
- Originale in der Sammlung der technischen Hochschule (Fig. 6, 7,9) und im städtischen Museum (Fig. 8).
Genus: Lispodesithes WHITE.
1. Lispodesthes Schlotheimi Rön. sp.
Taf. XII Fig. 11—13.
1841. Rostellaria Schlotheimi Rön., Kreide, pag. 27. Taf. 11 Fig. 6.
1843. ch papilionacea Gupr., Petr. Germ. III, pag. 17. Taf. 170 Fig. S.
1850. = n et Schlotheimi v’Orz., Prodr. II, pag. 225.
1550. in emarginulata Geim., Quad. Taf. 9 Fig. 7—9.
1851. cn papilionacea, inornata et Roemeri Mürr., Mon. II, pag. 13 u. 19. Taf. 5 Fig. 5.
{9}
1851. Fusus glaberrimus Mürı., ibid. pag. 36. Taf. 5 Fig. 21.
1851. ,„ Nysti Mütr., ibid. pag. 36. Taf. 5 Fig. 13.
1869. Aporrhais emarginulata Favre, Lemberg, pag. 75. Taf. 10 Fig. 1.
1885. Rostellaria Schlotheimi J. Bönn, Grünsand, pag. 53.
Das spindelförmige Gehäuse besteht aus 10 flach gewölbten Windungen, welche unregelmässige,
schwach geschweifte Querrippen tragen, die auf der grossen Schlusswindung weitläufig und undeutlich werden.
Im Alter bedeckt sich das Gewinde zunächst über der Mündung, später ringsum mit einer dicken, glatten
Schwiele. Die Mundöffinung ist schmal, die Innenlippe dick schwielig, der vordere Kanal ziemlich lang, der
hintere kurz, bis zur Mitte der vorletzten Windung reichend. Die Aussenlippe verbreitert sich in einen
grossen und breiten Flügel, der hinten und vorn gerundete Ecken, und an seinem hinteren Rande eine
flache gerundete Einbiegung hat. In der Jugend muss die Aussenlippe verdickt gewesen sein, da in un-
regelmässigen Abständen kräftige Varices stehen. Bemerkenswerth ist, dass weder von dieser, noch von
den vorstehend beschriebenen, ebenfalls mit Varices versehenen Arten, selbst von den häufigsten, bis jetzt
keine solche Jugendformen, sondern nur ausgewachsene Exemplare gefunden wurden.
In der Berippung ist die Art sehr variabel, da sich neben ganz scharf gerippten, welche MÜLLER,
wenn sie flügellos sind, als Fusus Nysti bestimmte, auch fast glatte oder kaum gerippte Stücke finden
(Rostellaria inornata Mvrr.). Zwischen diesen Extremen kann man bei der Häufigkeit der Art alle Ueber-
1 Pal. france. II, pag. 295. Taf. 210 Fig. 3.
— 119 —
gänge beobachten. Ob die Rostellaria inornata n’Orp.* indessen hierher gehört, ist zweifelhaft, da der zu-
gehörige Flügel nicht bekannt ist.
Die eitirte Abbildung bei RÖMER passt, obschon sie unvollkommen ist, gut auf die bei Aachen
häufig vorkommenden defecten Stücke, und da RÖMER seine Art nur von Aachen kennt, so kann es einem
Zweifel nicht unterliegen, dass er die oben beschriebene Form gemeint hat. Der Römer’sche Namen hat
daher den Vorzug vor dem von GoLDFuss gegebenen, um so mehr, als die Zeichnung von Rost. papilio-
nacea GLDF. eine Flügelform zeigt, wie sie die Aachener Form nicht besitzt. Jedes der zahlreichen unter-
suchten Stücke mit vollständigem Flügel hat die beschriebene Einbiegung, und jüngere Stücke, bei denen
der Flügel noch nicht vollständig ausgebildet ist, haben keinen vierseitigen, sondern einen dreiseitigen
Flügel (ef. Fig. 12). Ausserdem haben alle untersuchten Exemplare gerundete Ecken an dem Flügel, wenn
daher das Original von GorLpruss von Aachen ist, so ist die Zeichnung unrichtig.
Der Name, welchen v. SCHLOTHEIM in seiner Petrefactenkunde diesem Fossil gegeben hat, ist aus
den bereits in der Einleitung angegebenen Gründen nicht gewählt worden, nach denen nur solche Namen
Anwendung finden können, die sich auf erkennbare Abbildungen beziehen ?.
Eine Reihe von Autoren bilden unter dem Namen papilionacea Guor. Formen ab, die ebenfalls
keinen ausgerandeten Flügel besitzen, so GEmnırz°?, Reuss®, Mürter? und Srorıczka®. Ohne Vergleichs-
material ist über die Zugehörigkeit dieser Arten kein Urtheil zu fällen, und sind die betreffenden Angaben
daher auch nicht in die Synonymik aufgenommen, obschon die betreffenden Zeichnungen in ihren übrigen
Charakteren wohl mit der Aachener Form übereinstimmen.
Mürter’s Abbildung von Rostellaria Römeri ist sicher falsch, das Original besitzt die für unsere
Art charakteristische Flügelausbuchtung.
Mürter’s Fusus glaberrimus ist ein Steinkern dieser Art, über die unter gleichem Namen von
BiskHorst”? beschriebene Form habe ich kein Urtheil.
In der Gestalt des Gehäuses und der Skulptur stimmt unsere Species gut überein mit der
L. Parkinsoni Maxr.°, beide sind jedoch durch ihre Flügelform verschieden. Die letztere Art hat den
Ausschnitt am äusseren Rande, und hinten einen fingerförmigen Vorsprung.
1 Pal. france. II, pag. 296. Taf. 210 Fig. 4—5.
? Petrefactenkunde, pag. 154. Herr Danes wendet sich in der Zeitschr. d. D. Geol. Ges. 1884, pag. 883, gegen meine
in demselben Bande, pag. 481 ff., stehenden Erörterungen über den diesem Fossil zukommenden Namen. Der v. ScuLoruzın-
sche Namen kann aus dem bereits angegebenen Grunde nicht acceptirt werden, die Priorität zwischen A. Römer und GoLpruss
ist leicht zu entscheiden. Röner’s Kreidewerk datirt von 1841, die Lieferung der Petrefacta Germaniae, in welchem Gowpruss
seine Rostellaria papilionacea beschrieb und abbildete von 1843. Von dem Gesetze der Priorität abzuweichen, scheint mir in
diesem Falle kein genügender Grund vorhanden zu sein. Es ist daher auch hier der Röner’sche Namen gewählt worden, zumal
die Abbildung bei Röner nicht falsch ist, sondern nur ein defectes Stück darstellt, wenn auch defecter als das Original von
Gorpruss, dafür aber nicht falsch ergänzt ist.
® Char. Taf. 18 Fig. 8.
* Kreide, pag. 44. Taf. 9 Fig. 6.
5 Rostellaria Römeri Mürr., Mon. II, pag. 19 Fig. 5.
6 Cret. Gast., pag. 31. Taf. 2 Fig. 9, 10.
? Ceph. Gaster., pag. 1. Taf. 1 Fig. 11, Taf. 5a Fig. 10.
Nicht die Art, welche Geiırz (Elbthalgeb. II, pag. 168) so nennt, denn diese ist nicht ident mit der Art von
—. 19) —
Rostellaria emarginulata Gen. von Nagorzany ist nach den Abbildungen von GEmITz ident mit
L. Schlotheimi, die Zeichnung bei FAvrE zeigt einen sonderbar ausgebuchten Flügel, den ich nicht für voll-
ständig, sondern für zerbrochen halten möchte.
Bezüglich der generischen Bestimmung schliesse ich mich an v. ZırreL an, mit der Abweichung,
dass ich Lispodesthes als selbständige Gattung ansehe. Das Gewinde ist thatsächlich incerustirt, und eine
hintere Rinne geht bis zur Mitte des vorletzten Umganges, was J. Bönm an seinem Material nicht be-
obachtete. Es kann daher die Art nicht zu Rostellaria gestellt werden.
Vorkommen. Sehr häufig, aber fast stets mit abgebrochenem Flügel im Grünsand zu Vaals und
Aachen, sowie bei Gymnich, Terstraeten, Teuven und Aubel. Von Vaals liegen nur 4 Exemplare mit voll-
ständigem Flügel vor. Stücke aus den Sandsteinbänken von Aachen und Aubel, welche die Flügelform
deutlich zeigen, 12.
Originale in der Sammlung des Herrn Beisser.
2. Lispodesthes minuta Mürr. sp.
Taf. IX Fig. 15.
1851. Rostellaria minuta Mürr., Mon. II, pag. 19. Taf. 5 Fig. 16.
Von dieser kleinen Form liest nur ein Steinkern vor, welcher indessen die Flügelform deutlich er-
kennen lässt, und sich durch denselben von den übrigen bei Aachen vorkommenden Aporrhaiden bestimmt
unterscheidet. Bereits bei einer Höhe von 10 mm bei 6 Windungen (es fehlen die beiden oberen) besitzt
das Stück einen grossen, anscheinend vollständig ausgebildeten Flügel, der wesentlich andere Formen hat,
wie sie Mürver zeichnet. Er gleicht vielmehr, nachdem das bedeckende Gestein entfernt war, der Rost.
pauperata »’OrB. von Uchauxt. Er hat einen geschwungenen Hinterrand und eine spitze, ziemlich weit
vorgezogene, gekielte, hintere Ecke, von der aus der gleichfalls geschwungene Aussenrand schräge nach dem
kurzen Kanal läuft, in den er allmählich übergeht, so dass die Gestalt des Flügels dreieckig ist. Mündung
und Skulptur konnten an dem einzigen vorliegenden Stück nicht beobachtet werden. Ich vermag daher
auch kein Urtheil darüber abzugeben, ob die Art mit Rost. pauperata »’Ore., die fast die 5fache Grösse
hat, ident ist.
Von Vaals liegt noch das Taf. IX Fig. 14 abgebildete Bruchstück einer Lispodesthes-Art vor, bei
dem das Gewinde ganz durch eine dicke Schwiele bedeckt wird. Vom Flügel ist nur der hintere Theil er-
halten, welcher zeigt, dass die Hinterecke mit einem weit vorgestreckten, fingerförmigen Fortsatz endigt,
der auf der Oberfläche nahe dem Aussenrande einen Kiel, auf der Innenseite eine Furche trägt. Vielleicht
Blackdown, woher nach Pırxınson’s Zeugniss seine ohne Namen abgebildete Art stammt. Das erste vollständige Exemplar
wurde von Sowerey bei Fırron Taf. 18 Fig. 12 abgebildet, während Geinırz das in der Mineral-Conchologie Taf. 558 Fig. 6
abgebildete Stück als den Typus nimmt. Nach Sowersv’s Versicherung ist indess das auf derselben Tafel Fig. 5 abgebildete
Stück Pırkınson’s Original, auf welches sich die Manterr’sche Benennung bezieht; dasselbe ist von dem Fig. 6 abgebildeten
Stück, welches gar nicht von Blackdown, sondern von Felmersham stammt, sicher verschieden. Die von Geinıtz als R. Reussi
beschriebene Form ist wohl die echte R. Parkinsoni Manı. Vergl. die eingehenden Erörterungen von Pıcrrr, Ste. Croix III,
pag. 604, sowie von J. S. GARDNER, Geol. Mag. 1875, pag. 200.
t Pal, france. II. Taf. 210 Fig. 1.
— 1a —
gehört dies Stück ebenfalls zu Z. minuta Mürr., doch vermag erst ein besseres Material dieser sehr seltenen
Form Gewissheit hierüber zu geben.
Die Originale in der Sammlung der technischen Hochschule.
Genus: Cultrigera J. Börm.
Gehäuse thurmförmig, Umgänge* mit dachförmigen Spiralkielen, ohne Querskulptur. Mündung lang
oval, gegen die Längsachse der Schale geneigt, Innenlippe vom Gewinde losgelöst. Vorderer Kanal sehr
lang, stark seitwärts gebogen, nach beiden Seiten einen langen gebogenen Seitenast aussendend, zwischen
denen ein sehr dünner Flügel ausgespannt ist. Aussenlippe in einen sehr grossen Flügel verbreitert, auf
den der eine Spiralkiel der Endwindung als Rippe fortsetzt, von welcher nach oben und unten je ein langer
Seitenast abzweigt. Neben dem unteren Ast befindet sich in dem Flügel ein grosses nierenförmiges Loch
mit wulstigem Rand. Ein hinterer Kanal fehlt, der obere Seitenast ist die innere Grenze des Lippenflügels.
Diese sehr eigenthümliche Gattung ist hauptsächlich auf die von MÜLLER nach unvollständigen
Stücken beschriebene Rostellaria arachnoides begründet, und namentlich durch die Form der Mündung, und
durch das Loch im Flügel ausgezeichnet. Eigentlich smd zwei Flügel vorhanden, ein Kanalflügel und ein
Lippenflügel, beide sind äusserst dünn und gebrechlich, daher trotz des nicht seltenen Vorkommens der Art
nur sehr selten erhalten, und bis jetzt überhaupt noch nicht ganz vollständig bekannt. Namentlich ist nicht
klar, auf welche Weise die Verbindung zwischen den beiden Flügeln neben dem nierenförmigen Loch her-
gestellt wurde. Ueberhaupt ist die äussere Grenze der Flügel nicht ganz bestimmt, sicher ist nur, dass er
über die nach oben gerichtete Rippe des Lippenflügels nach innen nicht hinausreicht, sich also nicht an das
Gewinde anlegt, und dass die nach aussen gerichtete Rippe des Kanalflügels die rückwärtige Begrenzung
bildet. Ob das Loch, welches wohl dem Ausschnitt neben dem Kanal in dem Flügel der übrigen Aporrhaiden
entspricht, rings geschlossen war, lässt sich mit Sicherheit nicht sagen, doch scheint es, als ob nicht bloss
eine nierenförmige Ausbiegung vorhanden sei. J. Bökn benannte die Gattung Cultrigera „Messerträgerin‘,
ein nicht sehr glücklich gewählter Name, welcher dadurch veranlasst wurde, dass Bönm nicht wusste, dass
die Finger der Müruer’schen Zeichnung nur Rippen in einem grossen Flügel bilden, da er nur von lappen-
artigen Schalenausbreitungen an denselben spricht.
Ob ausser den bei Aachen und Lemberg vorkommenden Arten noch sonstige Formen zu dieser
Gattung gehören, lässt sich schwer sagen, da die Hauptmerkmale in dem wenig erhaltungsfähigen Flügel
liegen. Manche Stücke von CO. arachnoides Mürr. mit verletztem Flügel haben Aehnlichkeit mit Rostellaria
macroptera Sow.! Von dieser Art ist bislang nur ein defectes Stück im Blackdowner Grünsand gefunden
worden, welches von J. S. GARDNER ? von neuem gezeichnet wurde. Die Form des Gehäuses stimmt mit
Oultrigera überein, nach der Zeichnung von SowErsy, welcher auf der vorletzten Windung nur einen dach-
förmigen Kiel zeichnet, während GARDNER deren drei angibt, sogar specifisch mit der Aachener C. Nilssoni.
Das Blackdowner Stück hat ferner einen Kanalflügel, in welchem der als Mittelrippe dienende Kanal gerade
so verläuft, wie bei Oultrigera arachnoides, Seitenäste sind nicht zu sehen, ebenso zeigen beide Abbildungen
1 Bei Fırron, pag. 334. Taf. 18 Fie. 23.
? Geol. Magaz. 1875. Taf. 7 Fig. 2.
Palaeontographica. Bd. XXXIV. 16
nur einen Kiel auf dem Lippenflügel. An der Stelle, wo Cultrigera das Loch trägt, ist bei Rostellaria
macroptera ein grosses Stück ausgebrochen. GARDNER stellte später! die Art zu Pferocerella MEEx, welche
indessen einen am Gewinde aufsteigenden Flügel hat, was weder bei Sowergy’s noch bei GarDxer’s Ab-
bildung zu sehen ist. Ich halte es für möglich, dass die Blackdowner Art zu Cultrigera gehört, nicht aber
die von Brrart und Corser als Rostellaria macroptera beschriebene Form, die mit der englischen kaum
Aehnlichkeit hat.
Bezüglich der Form des Gehäuses stimmen eine Anzahl von Arten, die nD’Orgıcny beschrieben, mit
Cultrigera überein, so Rostellaria pyramidalis D’Ore.?, und einige als Cerithium aufgeführten Formen, wie
Cer. tectum »’Or».3 und Cer. neocomiense v’Ore.* Sicher gehört wohl Aporrhais Nagorzanyensis FAvRr’
zu Oultrigera, welche ident scheint mit der von Gemımz® als Strombus arachnoides abgebildeten Form.
Durch das Fehlen des rückwärtigen Kanals schliesst sich die Gattung an Alaria an, zu der Formen mit
ähnlicher Mundöffnung gestellt wurden, wie Alaria eingulata Pıcr. et Roux, die auch sonst manche Aehn-
lichkeit mit Oultrigera zeigt. Durch das Loch im Flügel sind dagegen Beziehungen zu Aporrhais vorhanden.
Z 1. Cultrigera arachnoides Mvürr. sp.
Taf. XIII Fig. 3—8.
851. Rostellaria arachnoides Mürr., Mon. II, pag. 22. Taf. 5 Fig. 28.
1551. p furca Miütr., ibid. pag. 21. Taf. 3 Fig. 29.
1868. Chenopus arachnoides und furca, Bosquer bei Dew.
1569. Aporrhais arachnoides FAvRE, Lemberg, pag. 78.
1885. Qultrigera arachnoides J. Bönm, pag. 58.
Die durch tiefe Nähte getrennten 6—7 Umgänge bilden ein thurmförmiges Gehäuse, und tragen je
zwei kräftige Spiralkiele, zu denen sich auf der Schlusswindung noch ein dritter gesellt. Die Mündung
ist schmal, fast spaltförmig, und steht sehr schräge gegen die Längsachse des Gehäuses. Die Innenlippe
ist losgelöst, so dass die Mündung vom Gehäuse weit absteht. Die Aussenlippe geht in einen grossen
Flügel über, auf dem der hintere Spiralkiel der Schlusswindung als schmale Rippe fortsetzt, der auf der
Innenfläche eine Furche entspricht, die nach rückwärts allmählich in die Mündung übergeht. Diese Rippe
entspricht also dem hinteren Kanal bei Aporrhais. Dicht vor der Mündung sendet sie unter rechtem Winkel
einen langen Seitenast nach oben, der die innere Grenze des Flügels bildet. Von der Mittelrippe geht
schräge nach unten ein zweiter, anscheinend kurzer Seitenast ab. Zwischen demselben und der Mündung
liegt das nierenförmige Loch, welches von einem wulstig verdickten Saume umgeben ist, in ‚welchen die
beiden vorderen Spiralkiele der Schlusswindung auslaufen. Zuweilen ragt über den verdickten ein dünner
Schalensaum hervor, was darauf hindeutet, dass das Thier das Bestreben hatte, das Loch zu ‚schliessen oder
1 Geol. Magaz. 1850. pag. 252.
2 Pal. franc. II. Taf. 206 Fig. 7.
3 jbid. Taf. 230 Fig. 5.
2 ibid. Taf. 232 Fig. 8.
5 Lemberg, pag. 73. Taf. 10 Fig. 4.
& Quader, pag. 1358. Taf. 9 Fig. 5.
—, ae —
zu verengen. Der vordere Kanal ist sehr schmal, aber sehr lang, in Folge der schrägen Stellung der
Mündung stark seitwärts geneigt, und sendet nach rechts und links lange, säbelförmig gebogene, schmale
Seitenäste ab, zwischen denen ebenfalls ein dünner Flügel ausgespannt ist, welcher wahrscheinlich neben der
Mündung mit dem Lippenflügel in Verbindung steht, ohne dass das vorliegende Material diese Verbindung
selbst zeigte.
Mürtver’s Originalexemplar zeigt nur die Rippen, ohne die zwischen denselben liegenden Flügel,
deren Vorhandensein MÜLLER indessen vermuthet.
Rostellaria furca Mvur. ist ein Steinkern mit defectem Flügel, wovon ich mich durch Herausnehmen
aus dem Gestein überzeugt habe.
Der Steinkern, den GEmITz als Strombus arachnoides i abbildet, ist specifisch unbestimmbar, gehört
aber trotz des sonderbaren Flügels wohl zu Cultrigera.
Vorkommen. Häufig im Grünsand von Vaals und Aachen, meist flügellos, selten mit theilweise
erhaltenem Flügel, ganz vollständige Stücke sind bislang noch nicht gefunden worden. Nach FAvrE bei
Lemberg. Zur Untersuchung liegen etwa 25 flügellose Stücke vor, und 10 mit defeetem Flügel.
Origmale in der Sammlung des Herrn Brıssen (Fig. 2, 3, 5, 6) und der technischen Hochschule
(Fig. 7, 8).
2. Cultrigera Nilssoni Mürr. sp.
Taf. XIII Fig. 1, 2.
1551. Rostellaria Nüssoni Mürr., Mon. II, pag. 21. Taf. 3 Fig. 36.
1568. Chenopus Nilssoni BosquEr bei Dew.
1569. ? Aporrhais Nagorzanyensis Favre, Lemberg, pag. 78. Taf. 10 Fig. 4.
Diese Art ist mit der vorher beschriebenen nahe verwandt, und unterscheidet sich von derselben
dadurch, dass jede der Windungen nur einen hohen, dachförmigen Kiel trägt, zu dem auf der Schluss-
windung noch vier andere hinzukommen, von denen der hinterste sehr schwach ist. Der Hauptkiel, der
zweite von hinten, geht als Rippe in den Lippenflügel über, der vierte läuft in den verdickten Saum des
Flügelloches, und ragt mit einer stumpfen Ecke über denselben hervor. Die Mündung stimmt mit der von
©. arachnoides überein, und die Flügel haben, soweit das vorliegende mangelhafte Material erkennen lässt,
dieselbe Gestalt wie bei der vorigen Art.
Aporrhais Nagorzanyensis FAyRE hat ebenfalls nur einen, aber flacheren Kiel auf jeder Windung.
Ob die von Brauns als Aporrhais Nilssoni citirte Art von Quedlinburg hierher gehört, vermag ich
ohne Vergleichsmaterial nicht anzugeben.
Vorkommen. Selten im Grünsand von Vaals, von wo 5 Exemplare vorliegen, darunter nur eines
mit Resten des Flügels.
Die Originale in Herrn Berısser’s Sammlung (Fig. 1) und der technischen Hochschule (Fig. 2,
MÜLLErR’s Original).
! Quadersandst. Taf. 9 Fie. 5.
16*
— 124 —
3. ?Cultrigra acuta sp. n.
Taf. XIII Fig. 9.
Das kleine, kegelförmige Gehäuse besteht aus 9 sehr niedrigen Umgängen, welche je einen sehr
hohen, dachförmigen Spiralkiel haben, von dem aus die Schale nach rückwärts concav, nach vorwärts flach
convex ist. Die Basis ist flach, stumpf kantig begrenzt, die Mündung gerundet fünfseitig, die Aussenlippe
einfach, die Innenlippe schwach schwielig, der Kanal kurz, ausgussartig. :
Die Bestimmung des einzigen vorliegenden Exemplares als Cultrigera scheint nicht sicher. In der
Gestalt der Umgänge und der Skulptur stimmt es mit der genannten Gattung überein, indessen ist kein
Flügel vorhanden, und die Mündung hat eine zu Cerithium passende Gestalt. p’Orgıcny beschrieb zwei
ähnliche Formen aus Gault und Neocom als Cerithium, nämlich ©. neocomiense* und ©. tectum?, von denen
die vorliegende Art durch viel niedrigere Umgänge abweicht.
Obwohl von den beiden oben beschriebenen Oultrigera-Arten Jugendexemplare, bei denen der
Flügel noch nicht ausgebildet ist, nicht vorliegen und daher auch die Gestalt der Mündung solcher Stücke
unbekannt ist, so halte ich doch das vorliegende Stück für ein jugendliches Exemplar einer neuen Oultrigera-
Art. Bevor die Aporrhaiden im ausgewachsenen Zustande den Flügel ansetzen, haben sie eine Mündung,
welche dem Querschnitt des Umganges entspricht» oft mit äusserem verdicktem Mundsaum. Es werden
daher junge Individuen von Cultrigera arachnoides eine Mündung haben, welche der der vorliegenden Art
ähnlich ist, da auch anzunehmen ist, dass die Loslösung der Innenlippe vom Gewinde erst im Alter vor
sich geht.
Von den anderen Cultrigera-Arten unterscheidet sich diese durch die niedrigen Windungen, sowie
durch die concave Fläche zwischen dem Spiralkiel und der folgenden Naht.
Vorkommen. Das einzige vorliegende Exemplar von Vaals befindet sich in Herrn Bzıssew’s Sammlung.
Familie: Cerithiidae Menke.
Genus: Cerithium Apanson.
1. Cerithium binodosum Rön.
Taf. X Fig. 10—14; Taf. XXI Fig. 10.
1841. Cerithium binodosum Rön., Kreide, pag. 79. Taf. 11 Fig. 16.
1845. R fasciatum Reuss, Kreide I, pag. 42. Taf. 10 Fig. 4.
1850. 5 subfasciatum und binodosum v’Ore., Prodrome II, pag. 231.
1851. fasciatum und binodosum Mürr., Mon. II, pag. 48, 50.
1851. n Sartoriü Mürn., ibid. pag. 49. Taf. 6 Fig. 4.
1368. # subfasciatum, binodosum und Sartorii Bosgurr bei Dew.
1855. Pyrenella granulosa J. Bönn, Grünsand, page. 51.
! Pal. franc. II. Taf. 232 Fig.
? ibid. Taf. 230 Fig. 5.
[0 0)
Spirawınke lu Er 2
Das thurmförmige Gehäuse besteht aus 16—18 flachen Windungen, mit flachen Nähten. Die
Skulptur ist nach dem Alter verschieden. Die Jugendwindungen zeigen drei fast gleich starke, gekörnte
Spiralleisten, von denen die hintere etwas feiner gekörnt ist. Später tritt die untere Reihe stärker hervor,
indem ihre Knoten höher und quer verlängert werden, während die obere Reihe noch mehr zurücktritt.
Später nimmt die untere Reihe weiter zu, die Knoten werden wulstig, und sind weniger zahlreich, wie die
der zweiten Reihe. Auf der 12. bis 15. Windung sind die zweite und dritte Reihe gleich stark, besitzen
gleich viele Knoten von ansehnlicher Stärke, welche schräg oder senkrecht über einander stehen, und oft
mit ihrer Basis in einander übergehen, so dass es den Anschein hat, als seien wulstige Querrippen vor-
handen, welche durch eine flache gerundete Furche getheilt seien. Selten verschmelzen die Knoten der
beiden Reihen vollständig, so dass die spirale Skulptur in eine Querskulptur übergeht. Auf der 16. oder
17. Windung schiebt sich zwischen der ersten und zweiten Reihe noch ein sehr fein gekörntes Spiralreifchen
ein. Auf der Schlusswindung werden die Knoten der beiden Hauptreihen wieder schwächer und weitläufiger.
Die Basis ist flach, durch einen hohen und scharfen, undeutlich gekörnten Kiel begrenzt, welcher zuweilen
auch auf den früheren Umgängen wahrnehmbar ist. Vor demselben befindet sich, bereits auf der fein spiral
gestreiften Basis, noch ein zweiter, glatter Kiel. In unregelmässigen Zwischenräumen stehen kräftige Mund-
wülste, ein besonders hoher, bei erwachsenen Individuen schräg über der Mündung. Diese ist gerundet vierseitig,
die Innenlippe mässig dick, die Aussenlippe stark wulstig. Der ziemlich lange Kanal ist stark seitwärts gebogen.
In der Stellung und Stärke der Knotenreihen variirt diese Art beträchtlich, doch sind stets die
zweite und dritte besonders hervortretend.
Römer bildete ein aus 2 Umgängen bestehendes Bruchstück dieser Art ab, welches die charakteri-
stische Skulptur deutlich zeigt, dagegen die Zunahme der Windungen offenbar nicht richtig angiebt, da
beide Windungen gleich breit sind. Cerithium fasciatum Rezuss stimmt nach der eitirten Abbildung mit
den vorliegenden Stücken vollständig überein, dagegen halte ich die von Geiz unter gleichem Namen
abgebildeten Stücke wegen ihrer abweichenden Skulptur für verschieden. Ebenso gehört wohl das von
Gemitz? als Cerithium binodosum abgebildete Stück einer anderen Art an, da dasselbe schlanker ist, und
neben den zwei besonders hervortretenden Knotenreihen noch mehrere gekörnte Spiralkiele hat, die ich bei
Aachener Exemplaren nicht beobachtete.
Cer. subfasciatum bei Frırsch ? ist nach dem gegebenen Holzschnitt unmöglich zu erkennen.
Die sämmtlichen oben in der Synonymik aufgeführten Arten MürLuer’s gehören ohne Zweifel einer
Art an, dem (er. binodosum Röm., welches Mürver angeblich nicht beobachtete, oder vielmehr nicht er-
kannte. Das Original von (er. Sartorii ist Fig. 11 von neuem gezeichnet, leider ist die Abbildung gleich-
falls nicht gelungen, da sie die Entwickelung der Knotenreihen, wie sie im Vorstehenden beschrieben ist, nicht
gut zeigt, ebenso sind die Fig. 10—14 zu schematisch. Dagegen ist die Abbildung Taf. XXI Fig. 10 genauer.
J. BöHm beschreibt als Pyrenella gramulosa n. sp. ein Exemplar von Vaals, welches nach der ge-
gebenen Beschreibung nur zu Cer. binodosum gehören kann.
ı Elbthalgebirge II. Taf. 31 Fig. 5.
? jbid. Fig. 4.
? Weissenberger Schichten, pag. 111. Fig. 54.
Vorkommen. Nicht selten im Grünsand von Vaals und Aachen. Am häufigsten in den thonigen
Grünsanden des Preussberges, hier indessen ungünstig als Steinkern erhalten.
Zur Untersuchung kamen einige zwanzig beschalte Stücke.
Originale von Vaals in der Sammlung der technischen Hochschule.
2. Cerithium Decheni GLDr.
Taf. X Fig. 15.
1844. Cerithium Decheni Guor., Petr. Germ. III, pag. 52. Taf. 174 Fig. 3.
1851. 5 foveolatum Mürr., Mon. II, pag. 48. Taf. 6 Fig. 3.
id. Bosquer, Movrron, J. Bönn.
Spirawınkelums ran ar Sr a EI DD,
Gehäuse schlank thurmförmig, aus zahlreichen niedrigen, flachen Umgängen bestehend, die durch
ziemlich tiefe Nähte getrennt sind. Ein Stück von 28 mm Höhe und 10 mm grösster Breite, hat 15 Win-
dungen, wobei jedoch die Spitze fehlt, welche schlanker gewesen zu sein scheint, wie die erwachsene Schale,
so dass wohl noch 3—4 Windungen fehlen, obschon die Breite an der abgebrochenen Spitze nur 1 mm be-
trägt. Dicht vor der Naht befindet sich ein niedriger glatter Spiralstreifen, und ein eben solcher auf dem
vorderen Theil der Windungen, dicht hinter der folgenden Naht. Dieser letztere wird häufig von der
späteren Windung bedeckt. Zwischen beiden befinden sich auf jedem Umgang 16—18 schmale hohe Quer-
rippen, welche von drei gleich starken Spiralleisten in quer verlängerte Knoten zerschnitten werden. Die
Basis ist glatt, kantig begrenzt, die Mündung, welche an keinem der vorliegenden Stücke vollständig er-
halten ist, hat eine gerundete, vierseitige Gestalt, die Innenlippe ist schwach schwielig, die Aussenlippe
scharf, der Kanal kurz und eng, stark gedreht. :
Die Abbildung bei GouLpruss, welche ein Stück von Haldem darstellt, stimmt unter Berücksichtigung
der Erhaltung genügend mit den Aachener Stücken überein. Gorpruss giebt 4 Spiralkiele in der Be-
schreibung an, seine Figur zeigt auf der Schlusswindung deren 5, aber nur die drei vorderen resp. mitt-
leren bilden mit den Querrippen Knoten. Nahe verwandt erscheint auch Cer. reticulatum Reuss! von
Meronitz, doch ist die Abbildung nicht ausreichend, um nach derselben eine Identität feststellen zu können.
Cer. trimonile Rzuss?, welches sich wohl von der von p’Orsıcny* dargestellten Form speeifisch unter-
scheidet, hat runde, knopfförmige Knoten, ist aber sonst ziemlich ähnlich. Nahe verwandt sind auch einige
Typen aus der Gosaukreide, welche von Srorıczka* zu Üer. reticosum Sow. gezogen werden, namentlich
die Form, die Zerkuı als Cer. cribriforme’ abbildet.
Vorkommen. Ziemlich selten im Grünsand von Vaals, von wo 8 Exemplare vorliegen.
Original in der Sammlung der technischen Hochschule.
i Kreide. Taf. 11 Fig. 22.
® ibid. I, pag. 42. Taf. 10 Fig. 2.
3 Pal. franc. II, pag. 369. Taf. 230 Fig. 7—9.
* Revision, pag. 47.
5 Gosau-Gast. Taf. 20 Fig. 2.
3. Cerithium Koeneni n. sp.
Taf. X Fig. 17.
Das Gehäuse besteht aus zahlreichen Umgängen, welche anfangs sehr langsam an Breite zunehmen,
dann schnell und zuletzt wieder langsam anwachsen. Dieselben sind flach gewölbt, mit zahlreichen feinen
Spiral- und Querrippchen verziert. In der Jugend sind diese ziemlich gleich stark, später werden die Quer-
rippchen undeutlich, und verschwinden zuletzt fast ganz, während die Spirallinien breiter werden, und sich
zwischen je zwei noch eine feine Linie einschiebt. Die Mündung ist gerundet vierseitig, hinten spitz, der
Kanal ist kurz, stark gebogen, die Aussenlippe ist scharf, die Innenlippe gross, vorn weit abstehend.
Die Gestalt von Gehäuse und Mündung passen gut zu Vertagus, indessen fehlt die Spindelfalte.
Eine ähnliche Form ist Cer. arcotense Sror.‘, welche sich durch abweichende Skulptur, namentlich die
breiteren Querrippen unterscheidet.
Vorkommen. Sehr selten im Grünsand von Vaals, von wo sich nur ein einziges, indessen fast
vollständiges Stück im städtischen Museum befindet.
4. Cerithinm sp.
Taf. X Fig. 20.
Ein Bruchstück eines Cerithium von Vaals befindet sich in der Sammlung der technischen Hoch-
schule, von dem sowohl die Spitze als auch die letzten Umgänge fehlen, welches bei einer Höhe von 10 mm
und 21, mm grösster Breite bereits 12 Windungen? hat, die flach sind, und eine feine Gitterskulptur
tragen, indem schmale gerade Querleisten von zwei resp. drei ebenso schmalen Spirallinien geschnitten
werden. Diese Skulptur hat viel Aehnlichkeit mit der der vorigen Art, welche indessen weniger schlank
ist, und gewölbtere Windungen hat. Das Stück erinnert auch an Cer. sociale Zex. bei Gzinıtz?, welches
sich von der von ZERELT gegebenen Abbildung* durch schlankere Form unterscheidet, und daher wohl ver-
schieden von der Gosau-Art ist. Die ungenügende Erhaltung der anscheinend neuen Art gestattet indess
keine genügende Charakterisirung.
9. Pyrenella Münsteri Krreast.
Taf. X. Fig. 16.
7. Ceritiium Münsteri Krrersr., Deutschl. VIII, pag. 99.
1843 s; 5 Gopr., Petr. Germ. III, pag. 36. Taf. 174 Fig. 14.
1852. » ” ZekeLı, Gosau-Gast. Taf. 21 Fie. 1, 2.
1365 » > StoL., Rev., pag. 101.
1383. Cerithium sp. Purves, Dep. fluv. mar. ete., pag. 163.
7 » Münsteri F'recn, Zeitsch. d. D. Geol. Ges., pag. 192. Taf. 16 Fig. 16, 17.
i Cret. Gast., pag. 197. Taf. 15 Fig. 2—5.
In der Zeichnung treten dieselben nicht deutlich genug hervor.
> Elbthalgebirge I. Taf. 60 Fig. 9.
* Gosau-Gast. Taf. 17 Fig. 4.
o
a
Das kleine Gehäuse ist spindelförmig, die einzelnen Umgänge sind etwas gegen einander abgestuft,
Die Oberfläche trägt schmale Querrippen, welche entweder über die ganze Breite des Umgangs fortsetzen,
oder vor der Mitte aufhören, sie werden durch 4—5 kräftige, ziemlich gleich starke Spiralstreifen ge-
schnitten, und dadurch körnig. Die Basis ist gewölbt, die Mundöffnung konnte nicht beobachtet werden.
Die Identificirung dieser Form mit der in den brakischen Schichten der oberen alpinen Kreide so
verbreiteten und häufigen Art beruht nur auf einem Vergleich der Form des Gehäuses und der Skulptur,
welche mit der einzelner Varietäten der Gosau-Art vollständig übereinstimmt. Bei Aachen und am Harz
bei Suderode variirt die Art indessen nur innerhalb geringer Grenzen, während die Gosau-Form zahlreiche
Abänderungen zeigt, welche Zexerı zur Aufstellung mehrerer Arten veranlassten, die Srorıczka wieder
vereinigte.
"Vorkommen. Sehr häufig in der Quarzitbank auf dem kleinen Tunnel bei Ronheide mit Actaeonella
gigantea und Siphonaria variabilis, stets als Steinkern und Abdruck erhalten.
Genus: Cerithina nov. gen.
Gehäuse thurmförmig, spiral und quer gerippt oder gestreift, Apex spitz, Mündung gerundet vierseitig,
mit engem und kurzem Kanal. Aussenlippe dünn, Innenlippe mit einer schmalen, aber sehr hohen Falte.
Das Gehäuse gleicht in seiner äusseren Gestalt und in der Form der Mündung vollständig der
Gattung Cerithium, unterscheidet sich von derselben indessen sehr wesentlich, durch die ungewöhnlich
hohe und scharfe Spindelfalte.
1. Cerithina Vaalsiensis n. sp.
Taf. X Fig. 18, 19.
Die schlanke, thurmförmige Schale besteht aus zahlreichen, ebenen Umgängen, welche 3 niedrige
und breite Spiralgürtel und zahlreiche schmale Querrippen tragen. Die Basis ist flach, kantig begrenzt,
die Mündung ist gerundet vierseitig, die Spindel mit einer ungewöhnlich hohen und scharfen durchlaufenden
Falte, welche an der Mündung den engen, zurückgebogenen Kanal fast ganz verdeckt.
Vorkommen. Sehr selten im Grünsande von Vaals, von wo sich 3 defecte Exemplare in der
Sammlung der technischen Hochschule befinden.
2. Cerithina granulata n. sp.
Taf. X Fig. 21.
Schale klein, thurmförmig, aus 12 dachförmigen Umgängen gebildet, die je 3 kräftige, spirale
Knotenreihen tragen. Die flache Basis ist kantig begrenzt, die Mündung gerundet vierseitig, mit scharfem
Aussenrand, der Kanal ist kurz, zurückgebogen, die Spindel trägt eine hohe und kräftige Falte. Von der vorher-
gehenden Art ist diese durch die kräftigere Skulptur und ihre viel weniger schlanke Gestalt gut unterschieden.
Vorkommen. Höchst selten im Grünsand von Vaals, von wo nur ein einziges, indessen vollstän-
diges Exemplar sich in der Sammlung der technischen Hochschule befindet.
Genus: Mesostoma DesH.
(Animaux sans vertebres II, page. 529.)
DesHayes stellte die Gattung Mesostoma für einige eocäne, bisher meist zu Cerithium gerechnete
Formen auf, welche sich durch ein Scalaria-artiges Gehäuse, und durch eine rundliche, mit kurzem, engem
Ausguss versehene Mündung auszeichnen, und welche, wie DesHaves sagt, „die Eigenschaften von Cerithium
und Diastoma vereinigen“. Die Aussenlippe ist innen glatt und gekerbt. Ueber die systematische Stellung
der Gattung differiren die Ansichten der Autoren. Drsmayzs meint, man könne Mesostoma mit dem
gleichen Recht zu den Cerithiiden und den Rissoiden steilen. Er selbst stellt sie zu der letzteren Familie,
worin ihm v. Zırren‘ folgt, während Srorıczka? sie zu den Cerithiidae, in die Nähe von Brachytrema
Morr. und Lyc. bringt, die er für sehr nahe stehend, wenn nicht ident hält. Diese letztere jurassische
Gattung besitzt indessen einen deutlichen, zurückgedrehten, wenn auch kurzen Kanal, und ist daher von
Mesostoma verschieden. Sie wird von v. ZırTen zu den Buceinidae gestellt. Wenn auch so die Existenz
von Mesostoma im Jura noch nicht erwiesen ist, so finden sich in der Aachener Kreide mehrere Arten
dieser Gattung. Zum Theil sind es Formen, welche vollständig den Habitus von Scalaria besitzen und als
solche auch beschrieben worden sind. Sie besitzen indessen eine gerundet vierseitige Mündung, keine zu-
sammenhängenden Mundränder und einen deutlichen Ausguss. Der Bau der Mundöffnung verbietet daher
bestimmt ihre Zurechnung zu Scalaria resp. den Scalaridae, und passt am besten zu Mesostoma. Wenn
so einige Arten sich von den Typen aus dem Eocän durch das Zurücktreten der Spiralskulptur unter-
scheiden, so lassen sie sich doch nicht von den Arten mit sehr kräftiger spiraler Streifung trennen, da
Zwischenstufen vorhanden sind. Eine der hier zu Mesostoma gerechneten Formen, welche von Müuver als
Rissoa beschrieben wurde, und welche auch SroLıczka zu dieser Gattung rechnet, unterscheidet sich von
den anderen Arten durch eine innere Kerbung der Aussenlippe, welche indessen auch bei der eocänen
Mesostoma cancellarioides Desn.? vorhanden ist. An die erwähnte Kreideart Mesostoma Bosqueti Mürı. sp.
schliessen sich eine Anzahl anderer Kreideformen an, welche bisher ebenfalls als Rissoa beschrieben worden
sind. Bereits Schwarz v. Monrexsrerx® bestreitet die Richtigkeit der generischen Bestimmung bei den
als Rissoa beschriebenen Formen, die älter als Tertiär seien. Die genannten, sich an die Rissoa Bos-
queti Mürn. anschliessenden Formen, werden sich wohl, wenn man ihre Mundöffnung kennen wird, als zu
Mesostoma gehörig ausweisen, z. B. Rissoa Reussi Gein.’, R. Oldhamiana Sron.® u.a. m.
Vielleicht stecken auch unter den Kreide-Scalarien manche Mesostoma-Arten. So zeichnet J. S.
GARDNER? bei seinem Pyrgiseus Woodwardi eine Mesostoma-artige Mündung, sagt allerdings in der Be-
schreibung nur: „Aperture oblong or ovate“. Cerithium arcotense Pıcr. und Camp.® hat die Scalaria-artige
Handbuch I, pag. 232.
? Cret. Gast., pag. 189.
3 te 2 a I:
* Ueber die Familie der Rissoiden. Denkschr. der k. k. Academie. 1861. Bd. 19.
° Bei Frırscn, Weissenberger Schichten, pag. 106. Fig. 46. (non Geinırz, Elbthalgeb.!)
5 Cret. Gast., pag. 287. Taf. 16 Fig. 9.
?” Geo]. Magaz. 1876. pag. 112. Taf. 3 Fie. 19.
Ste. Croix III. Taf. 70 Fie. 12.
Palaeontographica. Bd. XXXIV. 17
[e.)
Gestalt und Skulptur, wie Mesostoma striato-costata Mürr. sp., und den gleichen kurzen Ausguss. Es
scheint daher die Gattung bereits im Neocom vorzukommen, und ist nach einer Mittheilung des Herrn
v. Koenen noch im Mittel-Oligocaen vorhanden.
1. Mesostoma striato-costata Mvxr. sp.
Tat. XIV Fig. 4—6.
1851. Scalaria striato-costata Mürr., Mon. II, pag. 7. Taf. 5 Fig. 5.
1885. Turbonilla striato-costata J. Bönm, Grünsand, pag. 49.
SPirawin ke] ee 3D
Das thurmförmige Gehäuse besteht aus 8 ziemlich stark gewölbten Umgängen, welche durch tiefe
Nähte getrennt werden, und schmale aber hohe Querrippen tragen, welche von wenigen abwechselnd
stärkeren und schwächeren, kräftigen Spirallinien geschnitten werden. Die Basis ist flach, kantig be-
grenzt, die Mündung gerundet vierseitig, die Aussenlippe scharf, die Spindel schwach concav, der Aus-
guss breit.
Mürver’s Originalexemplar von Scalaria striato-costata ist abhanden gekommen, seine Abbildung
der Art ist sehr mangelhaft, und bei der Etiquette Scalaria striato-costata lagen in der Sammlung alle
möglichen Sachen, namentlich Spitzen von Helicaulax granulata Sow., die in der That manche Aehnlichkeit,
indess nie so scharfe Querrippen und so stark gewölbte Windungen haben (vergl. Taf. IX Fig. 9). Es ist
trotzdem wohl unzweifelhaft, dass die vorstehend beschriebene Form die MüLrer’sche Art ist, als welche
sie auch J. Bönnu auffasst. Es liegt aber kein Grund vor, dieselbe zu Trurbonilla zu stellen, welche keine
ausgegossene Mündung, dagegen ein links gedrehtes Embryonalende hat, welches die vorliegende Art nicht
besitzt. Srorıczra’s! Scalaria striato-costata hat eine runde Mündung und nur angedeutete Spiralstreifen,
ist daher generisch und specifisch verschieden.
Vorkommen. Selten im Grünsand von Vaals, von wo 6 Exemplare vorliegen.
Originale in der Sammlung der technischen Hochschule.
2. Mesostoma Beyrichi n. sp.
Taf. XIV Fig. 8.
Spirawinkelae = 2. re re al2
Gehäuse thurmförmig, aus S gewölbten Umgängen bestehend, die durch tiefe Nähte getrennt sind.
Jeder derselben trägt 12 hohe, scharfe, leistenförmige Querrippen, und sehr feine, entfernt stehende, oft
undeutliche Spirallinien. Die Basis ist flach gewölbt, glatt, von einem scharfen glatten Kiel begrenzt. Die
Mundöffnung ist weit, eiförmig, binten gerundet, vorn deutlich ausgegossen. Die Innenlippe ist schwach
concav, hinten etwas umgeschlagen. In der Gestalt und Skulptur der Scalaria striato-costata SToL. (non
Mürr.) nahe stehend, unterscheidet sich M. Beyrichi von derselben durch die Form des Ausgusses und die
glatte Basis, welche bei der indischen Form gefurcht ist.
1 Cret. Gast. Taf. 18 Fig. 4, 5.
— 131 —
Vorkommen. Sehr selten im Grünsand von Vaals, von wo ein vollständiges Exemplar, und mehrere
Bruchstücke vorliegen.
Original in der Sammlung der technischen Hochschule.
3. Mesostoma Mülleri nov. nom.
Taf. XIV Fig. 7; Taf. XV Fig. 1.
1551. Scalaria pulchva Mürr., Mon. II, page. 7. (non Sow.!)
Spirawinkelea rs 92950:
Das Gehäuse ist schlank thurmförmig, und besteht aus zahlreichen, mässig gewölbten Umgängen,
welche durch tiefe Nähte getrennt sind. Die Skulptur besteht aus hohen, leistenförmigen, schrägen Quer-
rippen, welche auf den auf einander folgenden Windungen schräge über einander stehen. Auf den letzten
Umgängen tragen dieselben eine schwache Längsfurche; Spiralstreifen sind sehr fein, meist undeutlich. Die
Basis ist flach, kantig begrenzt, und die Rippen setzen auf derselben als Furchen fort. Die Mündung ist
gerundet vierseitig, mit geradem Spindelrande, scharfer Aussenlippe und deutlichem Ausguss.
Mes. Miilleri gleicht in der Gestalt und Skulptur vollständig einer echten Scalaria, allein der deut-
liche Ausguss verbietet die Zurechnung zu Scalaria und dürfte wohl am besten hier der Platz für diese Art sein.
Von der vorigen Art unterscheidet sie sich durch schlankere Form, grössere Feinheit der Spiral-
streifen, die gespaltenen Rippen und die gefurchte Basis. Mit Scalaria pulchra Sow., womit sie MÜLLER
vereinigte, hat die Art gar keine Aehnlichkeit.
Vorkommen. Ziemlich selten im Grünsand von Vaals und am Lusberg. Zur Untersuchung liegen
10 meist defecte Stücke vor, die indessen theilweise die vollständig erhaltene. Mündung zeigen.
Originale in der Sammlung der technischen Hochschule.
4. Mesostoma eingulato-lineata Mürr. sp.
Taf. XIV Fig. 1.
1851. Twrritella cingulato-lineata Mürtr., Mon. II, page. 33. Taf. 6 Fie. 5.
Spirawinkelsrgben a RT:
Das kleine, sehr schlank thurmförmige Gehäuse besteht aus zahlreichen niedrigen flachen Um-
gängen, ein Exemplar von 11 mm Höhe besitzt deren bereits 185. Ummittelbar hinter der flachen Naht be-
findet sich ein hoher, kräftiger, oft undeutlich gekerbter Spiralkiel, hinter demselben ist die Windung
eingeschnürt, und hinter der Einschnürung trägt sie kurze, gerundete, knotenartige Querrippen, welche bald
schräge, bald gerade zur Naht verlaufen, und namentlich bei jungen Exemplaren schräger und schmäler zu
sein pflegen. Dieselben werden von 3—5 kräftigen Spiralleisten geschnitten, und erscheinen dadurch grob
gekörnt!. Die Basis ist flach, glatt, kantig begrenzt, die Mündung gerundet vierseitig, die Aussenlippe
scharf, vorn entsprechend der Einschnürung der Windung etwas eingezogen, der Spindelrand gerade, ein
breiter und seichter, aber deutlicher Ausguss ist vorhanden.
! Die Zeichnung bringt diese Skulptur nicht deutlich zum Ausdruck.
Die Skulptur dieser zierlichen Art erinnert schon mehr an die eocänen Mesostoma-Arten, wie die
der vorstehend beschriebenen Formen, namentlich durch die kräftige, über die Querrippen hinwegsetzende
und dicke körnende Spiralstreifung.
In der Gestalt und Skulptur scheint. Scalaria pulchra Geisırz * (non SowErBy) viel Uebereinstim-
mung zu besitzen, doch lässt die mangelhafte Zeichnung bei Geisırz kein bestimmtes Urtheil zu.
Vorkommen. Nicht selten im Grünsand von Vaals und Aachen, von wo einige zwanzig Stücke
vorliegen, darunter indessen nur 3 mit vollständiger Mündung.
Original in der Sammlung der technischen Hochschule.
5. Mesostoma Beisseli n. sp.
Taf. XIV Fie. 3,
Gehäuse klein, scklank thurmförmig, aus 8S—10 schwach gewölbten Umgängen gebildet, die durch
flache Nähte getrennt sind, jeder Umgang trägt 9—12 breite, gerundete, mässig hohe Querrippen, welche
von zahlreichen, abwechselnd stärkeren und schwächeren Spirallinien geschnitten werden. Die Basis ist
flach gewölbt, die Aussenlippe scharf, die Innenlippe ausgebreitet, der Ausguss ist breit und seicht.
In der Gestalt hat diese Form manche Aehnlichkeit mit Scalaria pulchra Sow.? aus dem Grünsand
von Blackdown, von der sie sich, abgesehen von der Gestalt der Mündung, durch ihre kräftigere Spiral-
skulptur und ihre gewölbte Basis unterscheidet.
Vorkommen. Sehr selten im Grünsand von Vaals.
Ein Exemplar (das Original) in der Sammlung der technischen Hochschule. Zwei Exemplare in
Herrn Beısser’s Sammlung.
6. Mesostoma Koeneni n. Sp.
Taf. XIV Fig. 2
Gehäuse klein, thurmförmig, aus 7—8 stark gewölbten, durch tiefe Nähte getrennten Umgängen
bestehend. Die Skulptur besteht aus wenigen, entfernt stehenden, hohen und leistenförmigen Querrippen,
6—7 auf jedem Umgang, und schmalen Spiralleisten, deren 4 auf jeder Windung vorhanden sind. Die
Basis ist gewölbt, die Mündung gerundet, vorn in einen langen und schmalen Ausguss übergehend.
Diese Art hat viel Aehnlichkeit mit Mes. grata Dest#. Die wichtigsten Unterschiede von dieser eocänen
Form sind, die grössere Anzahl der Umgänge bei wesentlich geringerer Grösse, die mehr leistenförmige
Gestalt der Querrippen, sowie die grössere Anzahl der Spiralleisten, welche bei der pariser Art über die
Querrippen hinwegsetzen, während diese bei der senonen Form nur undeutlich geknotet erscheinen.
Vorkommen. Höchst selten im Grünsand von Vaals, von wo sich nur ein einziges, aber vollstän-
diges- Exemplar in der Sammlung der technischen Hochschule befindet.
t Char. Taf. 15 Fig. 4 (non Fis. 5).
? Bei Fırron, pag. 345. Taf. 18 Fig. 11.
%. Mesostoma Bosqueti Mürr. sp.
Taf. XIV Eig. 11, 12.
1559. Rissoa Bosqueti Mürr., Supplement, pag. 21. Taf. S Fig. 9.
Gehäuse ziemlich dickschalig, thurmförmig, mit 7—8 gewölbten, durch tiefe Nähte getrennten Um-
gängen, von denen der letzte nicht ganz "Js der Gesammthöhe einnimmt. Die Skulptur besteht aus zahl-
reichen niedrigen und scharfen Querrippen, deren sich 18—20 auf der Schlusswindung befinden. Vor der
Mitte werden dieselben schwächer, noch weiter nach vorn verschwinden sie allmählich. Zahlreiche, dicht
stehende Spirallinien schneiden diese Rippen. Die Mündung ist gerundet vierseitig, weit, mit zusammen-
hängenden Rändern. Die Aussenlippe ist schwach verdickt, innerlich gekerbt, die Innenlippe ist dick, etwas
concav, vorn ist ein seichter und schmaler Ausguss vorhanden.
Die vorliegende Form wurde von Mürter als Rissoa beschrieben, und als solche auch von STOLIczKA
aufgeführt. Der Bau der Mündung verbietet indessen diese Bestimmung, und schliesst sich die Art an
einzelne der eocänen Mesostoma-Arten, speciell M. cancellarioides Desn.! an.
Vorkommen. Nicht selten im Grünsand von Vaals, sowie in den Muschelbänken bei Aachen.
Selten in den Concretionen des Aachener Sandes am Salvatorberg. Es liegen etwa 20 Exemplare vor.
Originale von Vaals in der Sammlung der technischen Hochschule.
DB. Holostomata,
Familie: Pyramidellidae Grar.
Genus: Chemnitzia D’Ore.
1. Chemnitzia turritelliformis Mövrr.
Taf. XIV Fig. 13.
1551. Chemnitzia Kochi Mürr., Mon. II, pag. 9. Taf. 4 Fie. 7.
1851. = turitelliformis Mütr., ibid. pag. 77.
Das schlank thurmförmige Gehäuse besteht aus 10—11 schwach gewölbten, und sehr fein spiral
gestreiften Windungen, welche durch flache Nähte getrennt werden. Die Schlusswindung nimmt ?/ der Ge-
sammthöhe ein. Die schmal ovale Mündung ist vorn gerundet, hinten etwas zugespitzt, die Aussenlippe ist
schwach geschwungen, scharf, die Innenlippe ziemlich dick schwielig.
Von mir bekannten Arten der Kreide ist keine der beschriebenen Aachener Form zu vergleichen,
wogegen eine Reihe von Formen aus dem Jura, wie Ch. procera Desvonsch., Ch. lineata Rom. in Bezug
auf die Form des Gehäuses ähnlich sind: Durch den Bau der Mündung dagegen ist die eocäne Ch. lactea
Lam. verwandt.
Vorkommen. Sehr selten im Grünsand von Vaals, von wo: 2 Stücke vorliegen.
. Original in der Sammlung der technischen Hochschule.
1 Animaux sans vertebres II. Taf. 25 Fie. 1.
Chemnitzia Dewalquei n. sp.
Taf. XIV Fig. 14.
Spirawinkell . . . . Eu RZ ONL
Das Gehäuse besteht aus $ schwach Gevölbten, sehr fein spiral gestreiften Umgängen, welche ein
schlank kegelförmiges Gehäuse bilden. Die Basis ist gewölbt, die Mündung gerundet vierseitig, einfach, die
Innenlippe ist ziemlich dick, schwielig, die Aussenlippe scharf.
Von der vorigen Art, der sie nahe steht, unterscheidet sich diese durch niedrigere Windungen, und
ein mehr kegelförmiges wie thurmförmiges Gehäuse.
Vorkommen. Zwei Exemplare von Vaals in der Sammlung der technischen Hochschule.
?Chemnitzia n. sp.
> Taf. XIV Fig. 17.
Eine kleine thurmförmige Schnecke aus dem Grünsand von Vaals, welche 6 fein spiral und quer
gestreifte, sowie kräftig quer gefaltete Umgänge und eine ovale einfache Mündung besitzt, mag bis zur Auf-
findung besserer Exemplare ihren Platz bei C’hemmnitzia erhalten, obwohl eine Innenlippe kaum wahrnehmbar
ist. Es kann dies indessen seinen Grund darin haben, dass das einzige vorliegende Exemplar nicht ausge-
wachsen ist. Daher halte ich dasselbe denn auch zur Begründung einer neuen Art nicht ausreichend, ob-
wohl es einer solchen anzugehören scheint.
Örieinal in Herrn Beısser’s Sammlung.
Genus: Odostomia Frem.
1. Odostomia ceretacea n. sp.
Taf. XIV Fig. 16; Taf. XXI Fig. 14
Die kleine pfriemenförmige Schale besteht aus 7—8 schwach gewölbten, glatten, glänzenden Um-
gängen. Die Mündung ist eiförmig, hinten spitz, vorn gerundet. Die Aussenlippe ist scharf, innen glatt,
die Spindel trägt vorn eine hohe und scharfe, wenig schräge Falte.
Obwohl an sämmtlichen vorliegenden Exemplaren das Embryonalende fehlt, also eins der wichtigsten
Gattungskennzeichen nicht beobachtet werden konnte, so glaube ich doch bei der sonstigen vollständigen
Uebereinstimmung die Zugehörigkeit zu Odostomia annehmen zu dürfen.
Sie gehört indessen nicht zu den ganz typischen, durch mehr kegel- oder kreiselfürmiges Ge-
winde ausgezeichneten Arten, zu denen die einzige bis jetzt bekannte Form der Kreide, Odostomia antiqua
Sror.t, gehört, sondern sie schliesst sich einer kleinen Gruppe von tertiären Arten an, die durch
ihr schlankes Gehäuse ausgezeichnet sind, und dadurch gewissermassen einen Uebergang zu Tiurbonilla
bilden. Am nächsten steht sie der eocänen Odostomia turbonilloides DesH.?, von der sie sich nur durch
i Cret. Gast. Taf. 21 Fig. 6.
? Anim. sans vert. II. Taf. 19 Fig. 12, 13.
etwas höhere Mündung und weniger abgeflachte Basis unterscheidet, und der oligocänen Odostomia fra-
ternum SEMP.
Vorkommen. Ziemlich selten im Grünsand von Vaals, von wo 5 Exemplare vorliegen.
Original in der Sammlung der technischen Hochschule.
2. Odostomia Lundgreni n. sp.
Taf. XXI Fig. 14.
Gehäuse pfriemenförmig, lang gestreckt, aus 7—9 schwach gewölbten, langsam anwachsenden Um-
gängen bestehend. Die Mündung ist oval, die Spindel trägt 2 scharfe, gleich hohe Falten.
O. Lundgreni gehört in den gleichen Formenkreis, wie die vorhergehende Art, von der sie sich
durch ihre mehr verlängerte Gestalt und ihre zwei Spindelfalten leicht unterscheiden lässt, Wegen dieser
Aehnlichkeit mit Od. eretacea habe ich die vorliegende Art auch zu Odostomia gestellt, obschon einige be-
merkenswerthe Abweichungen von den Typen dieser Gattung vorhanden sind, zu denen vor allem die Aus-
bildung von zwei Spindelfalten zu rechnen ist, welche sonst bei keiner Odostomia vorzukommen scheint.
Vielleicht fände die vorliegende Art besser ihre Stellung bei Pyramidella, wohin dann auch die vorige Art
gebracht werden müsste, trotz ihrer Aehnlichkeit mit gewissen echten tertiären Odostomien.
Vorkommen. Selten im Grünsand von Vaals. Untersucht wurden S Exemplare.
Original in der Sammlung der technischen Hochschule.
Genus: Eulima Rısso.
Eulima aquensis n. sp.
Taf. XIV Fig. 15; Taf. XXI Fig. 12.
Das kleine, schlank thurmförmige Gehäuse besteht aus 10 vollkommen glatten, fast flachen Um-
gängen, welche mit einer glänzenden Schmelzlage bedeckt sind, die auch bei den verkieselten Exemplaren
deutlich wahrnehmbar ist. Die Nähte sind sehr flach, kaum bemerkbar. Die Mündung ist schlank eiförmig,
hinten spitz, vorn gerundet, die Aussenlippe ist scharf.
Sehr ähnlich ist die neocome End. albensis D’Ore.t, die indessen bei gleicher Grösse weniger Um-
gänge hat, und eine noch schlankere Gestalt besitzt.
Die vorstehend beschriebene Art ist die einzige echte Zulima der Aachener Kreide, die Formen,
die Mürzer als solche beschrieb, gehören anderen Gattungen und Familien an. Zul. lagenalis Mürr. ist
eine Auricula?, Eul. acuminata eine Rissoina.
Vorkommen. Ziemlich selten im Grünsand von Vaals, meist schlecht erhalten. Zur Untersuchung
kamen 10 Exemplare.
Original in der Sammlung der technischen Hochschule.
i Pal. franc. II. Taf. 155 Fig. 14.
9
? cf. Auricula lagenalis, pag. 72.
° cf. Rissoina acuminata, pag. 138.
— 1806 —
Genus: Turbonilla.
1. Turbonilla Debeyi n. sp.
Taf. XIV Fig. 18.
Das kleine, thurmförmige Gehäuse besitzt 6 flache, durch flache Nähte getrennte Umgänge, welche niedrige,
aber ziemlich breite, dichtstehende Querrippen tragen, welche auf den auf einander folgenden Umgängen schräge
über einander stehen. Zwischen denselben bemerkt man undeutliche Spirallinien. Die Mündung ist weit, gerundet
vierseitig, vorn deutlich gerundet, die Aussenlippe scharf, der Spindelrand gerade, die Basis schwach gewölbt.
Obwohl die Spitze nicht bekannt ist, und daher ein links gedrehtes Embryonalende nicht beobachtet
werden konnte, so stimmt die Art in der Skulptur, Gestalt der Schale und der Mündung doch so gut mit
den tertiären und recenten, quer gerippten Turbonilla-Arten überein, dass ich kein Bedenken trage, dieselbe
hierher zu stellen, ein sicheres Urtheil wird sich indessen erst auf das Embryonalende begründen lassen.
Vorkommen. Sehr selten im Grünsand von Vaals, von wo 2 Stücke vorliegen.
Original in der Sammlung der technischen Hochschule.
2. Turbonilla aquensis n. sp.
Taf. XXI Fig. 15.
Gehäuse klein, thurmförmig, aus 8, durch ziemlich tiefe Nähte getrennten Umgängen gebildet, welche
dicht hinter der vorderen Naht gekantet sind, und von dieser Kante steil zur Naht abfallen, während der
hinter derselben liegende Theil der Windung flach dachförmig ist‘. Auf diesem befinden sich 4 anscheinend
glatte Spirallinien. Das Embryonalende besteht aus 11/. anscheinend glatten Windungen, die deutlich links.
gedreht sind, und mützenförmig auf der Spitze der Spira sitzen. Die Basis ist gewölbt, ungenabelt, die
Mündung gerundet vierseitig, die Innenlippe glatt, ohne Falte.
Durch die Gestalt der Umgänge und die Skulptur weicht die vorliegende Art beträchtlich von den
echten Turbonilla-Arten ab. Indessen kommen spirale Streifen bei echten Turbonillen, wenn auch selten,
vor, und da ein zweifellos links gewundenes Embryonalende vorhanden ist, so trage ich kein Bedenken, die
Art zu Turbonilla zu stellen.
Vorkommen. Sehr selten im Grünsand von Vaals, von wo sich zwei ziemlich roh verkieselte
Stücke in der Sammlung der technischen Hochschule befinden.
Familie: Rissoidae Gray.
Genus: Keilostoma Desn.
Keilostoma Winkleri Mvrr. sp.
Taf. XIV Fig. 9.
1851. Rissoa Winkleri Mürr., Mon. I, pag. 8. Taf. 5 Fig. 6.
Spirawinkele u er Re ee 0!
! Die Figur ist hinsichtlich dieser Form der Windungen falsch.
Die 9—10 flach gewölbten Windungen werden durch flache Nähte getrennt, sie sind glatt, nur mit
Anwachsstreifen versehen. Die Mündung ist weit eiförmig, die Innenlippe mit einer ungemein dicken und
breiten Schwiele belegt, welche in der Mitte etwas ausgebuchtet ist. Die wulstige Verdickung der Aussen-
lippe ist sehr breit.
StoriczkA ! vermuthet eine Identität der Aachener Form mit Keil. tabulatum Zexent?. Diese
scheint indessen gut unterschieden zu sein, durch ihre weitere Mündung, dünnere Innenlippe und breiteren
Wulst auf der Aussenlippe, sowie durch eine etwas mehr spindelförmige Gestalt. In allen diesen Stücken
steht die indische Keil. substriata Ston.? näher, ich würde dieselbe mit Keil. Winkleri vereinigen, wenn
sie nicht 5 feine Spivallinien besässe, die der Aachener Form fehlen.
Vorkommen. Sehr selten im Grünsand. Bis jetzt nur in zwei Exemplaren, davon eines ohne
Mündung, in losen Grünsandblöcken bei Ronheide auf secundärer Lagerstätte.
Original in der Sammlung der technischen Hochschule.
Genus: Rissoina D’ORB.
Rissoina acuminata Mürr. sp.
Taf. XIV Fie. 10.
1851. Eulima acuminata MürrL., Mon. II, pag. 9. Taf. 3 Fie. S.
id. Bosgtver.
Dpinalwänke Ip Wer Don.
Das kleine, pfriemenförmige Gehäuse besteht aus 6—7 flach gewölbten, glatten und glänzenden
Umgängen, von denen der letzte etwa 1/3 der Gesammthöhe einnimmt. Die Mündung ist weit eiförmig,
vorn etwas erweitert, hinten spitz, die Innenlippe ist ziemlich dick, die Aussenlippe verdickt und Sförmig
geschwungen.
MÜLvEr stellt diese Art wegen ihrer glänzenden Schale zu Zulima, und bemerkt dazu, die Schale
sei durchscheinend; diese Transparenz rührt indessen davon her, dass hier, wie bei vielen kleinen Schalen
von Vaals, der innere Hohlraum mit Feuersteinmasse ausgefüllt ist.
STOLICGZKA Stellte die Art zuerst wegen der charakteristischen Gestaltung der Aussenlippe zu
Rissoina, und vereinigte mit ihr eine indische Kreideart, welche ich indessen nach der von SroLıczka ge-
gebenen Abbildung für verschieden halte, da dieselbe eine stumpf thurmförmige Gestalt, und eine gerundete
Kante auf dem letzten Umgang besitzt.
Wenig verschieden von der vorliegenden Form scheint die von L. Tauscn* als Hydrobia mana be-
schriebene Art aus den nicht marinen Ablagerungen der oberen Kreide des Bakony-Waldes zu sein. Be-
züglich der generischen Bestimmung gebe ich wegen der Gestalt der Aussenlippe, welche in der Form
bei Hydrobia nicht vorkommt, der Ansicht Srouıczra’s den Vorzug.
I Gosau-Gast. Taf. 3 Fie. 7—9.
? Revision, pag. 23. Cret. Gast., pag. 280.
> Cret. Gast., pag. 280. Taf. 25 Fig. 1.
* Abhandl. d. k. k. Geol. Reichsanst. Bd. XII. Taf. 1 Fie. 44.
Palaeontographica. Bd. XXXIV 1
[0,)
_
[3%]
[0 2)
Vorkommen. Ziemlich selten bei Vaals.
Untersucht wurden 14 Exemplare.
Original in der Sammlung der technischen Hochschule.
Familie: Naticidae Fore.
Die scharfe Trennung der zahlreichen Gattungen, in welche die Conchyologen das Laumarr’sche
Genus Natica zerspalten haben, stösst, wie v. Zırreu* hervorhebt, auf unüberwindliche Schwierigkeiten,
wenn mian die fossilen Formen berücksichtigt, da diese die mannigfachsten Uebergänge zwischen denselben
aufweisen. Dies darf jedoch nicht hindern, diese Abtheilungen, soweit sie in ihren typischen Formen ge-
nügende Charaktere zeigen, welche eine generische Trennung rechtfertigen können, als Gattungen anzu-
nehmen. Nach der Descendenztheorie müssen sich bei vollkommener Kenntniss aller fossilen Formen eben
alle Uebergänge zwischen den Gattungen sowohl, wie zwischen den Arten finden, und müssten dann, wenu
man Gattungen wie Limatia, Amauropsis, Gyrodes etc. verwirft, auch alle Gattungsbenennungen überhaupt
wegfallen. Die Gattung ist ebensowenig wie die Species etwas von der Natur unmittelbar gegebenes, son-
dern eine künstliche Gruppirung verwandter Formen.
Bei der Bestimmung der Arten tritt der Uebelstand hervor, dass die weitaus meisten Kreide-
Naticiden einen solchen Erhaltungszustand aufweisen, dass es unmöglich ist, die Arten genügend zu definiren.
Wenn es schon Schwierigkeiten verursacht und manchmal recht misslich ist, Arten aus anderen Familien
und Gattungen bei mangelhafter Erhaltung mit einiger Wahrscheinlichkeit zu bestimmen, so wird es geradezu
unmöglich, bei einer Natica, von der Mündung, Innenlippe und Nabel nicht bekannt sind; solche Formen
sollten am besten unbenannt bleiben.
Ich halte es für ganz unzulässig, alle Formen der Kreide von Gault bis Senon, welche vor der
Naht eine flache Rinne haben, unter einem Namen zu vereinigen, wie dies z. B. Gemırz? thut; eine so
zusammengezogene Art kann weder eine geologische noch palaeontologische noch überhaupt eine wissen-
schaftliche Bedeutung haben. Ich bin daher der Ansicht, dass Namen, wie Natica vulgaris Reuss, Natica
lamellosa Rorm. vorläufig keine Anwendung finden dürfen, denn ich habe nicht die Ueberzeugung gewinnen
können, dass die im unteren Pläner von Plauen vorkommende, gut charakterisirte Lunatia, welche GEmITZ
als ident mit Natica vulgaris Reuss und Natica lamellosa Rom. ansieht, dies auch wirklich ist.
Es ist wohl in keiner Familie der Mollusken die Verwirrung der Synonymik eine so allgemeine,
wie bei den Naticiden, weil in der Gestalt des Gehäuses ähnliche Formen so oft als idente Arten angesehen
worden sind. So sind die beiden Natica-Arten, welche GorLpruss aus dem Aachener Senon beschrieb und
ungenügend darstellte, meist mit anderen Arten, die ebenso unvollkommen bekannt waren, zusammengeworfen
worden. Ob diese Identität wirklich vorhanden ist, vermag ich nicht zu sagen, jedenfalls aber liegen
die Aachener Arten jetzt in so gut erhaltenen Exemplaren vor, dass eine Charakterisirung derselben
möglich ist.
1 Handbuch I, pag. 222.
? Als Natica Gentii Sow., Elbthalgeb. I, pag. 224.
Genus: Amauropsis MÖrcH.
Amauropsis exaltata GLDr. sp.
Taf. XIV Fie. 22, 25.
1544. Natica exaltata Guor., Petr. Germ. III, pag. 111. Taf. 199 Fig. 13.
1351. A n und Geinitziüi Mürr., Mon. II, pag. 15. Taf. 3 Fig. 19.
1851. Littorina rotundata Mür., ibid. pag. 16.
1868. Natica exaltata und Geinitzii Bosqurr bei Drew.
Die schlank eiförmige Schale besteht aus 7—S flach gewölbten Umgängen, welche in der Jugend
schneller wie im Alter anwachsen, so dass junge Exemplare eine verhältnissmässig grössere Breite besitzen,
als erwachsene. Vor der Naht befindet sich eine ungewöhnlich tiefe Rinne, so dass die Windungen, wie
MÜLLER zutrefiend bemerkt, lose in einander geschoben erscheinen. Die Oberfläche ist fein quer gestreift,
bei besonders gut erhaltenen Stücken ist auch eine feine Spiralstreifung bemerkbar. Die Mündung ist spitz
eiförmig, die Innenlippe ist dick schwielig, und verdeckt den Nabel so weit, dass nur ein kleiner Spalt be-
merkbar bleibt. Die Spindel ist vorn schwielig umgeschlagen, geht aber nicht direct in die Innenlippe
über, sondern neben dem Nabel befindet sich eine Einbiegung.
Die Art dürfte am besten zu Amauropsis gestellt werden, obschon eine schwache Nabelritze vor-
handen ist, welche den typischen recenten Formen fehlt, und durch welche ein Uebergang zu Lunatia ange-
deutet wird.
MÜLLER führt unsere Art unter drei verschiedenen Namen auf, die Steinkerne bestimmt er
richtig als Natica exaltata, beschalte ausgewachsene Stücke als Natica Geinitzüi, und Jugendformen als
Littorina rotundata.
Die Gonpruss’sche Art ist in der Literatur häufig citirt, aber stets falsch aufgefasst worden. An
anderer Stelle? habe ich die Beziehungen derselben zu Natica lamellosa Roru.? und vulgaris Reuss? aus-
einander gesesetzt. Es geht aus diesen Erörterungen hervor, dass Am. exaltata« mit Sicherheit nur von
Aachen bekannt ist, wofern nicht die Natica lamellosa Rorm., bislang noch eine recht zweifelhafte Form
von Kieslingswalde, ident ist, was mir freilich wahrscheinlich ist, worüber indessen nur die Mündung
zeigende Kieslingswalder Exemplare Aufschluss geben können, die mir nicht zur Verfügung stehen. In
(diesem Falle würde dann auch der ältere Römer’sche Namen anzuwenden sein, und die Identificirungen
desselben mit Natica vulgaris Reuss wäre ebenso irrthümlich, wie die der Aachener Art mit der böh-
mischen Form.
Vorkommen. Selten im Grünsand von Vaals, von wo 8 Exemplare vorliegen. Ebenfalls selten
in den mergeligen Grünsanden des Gymnicher Loches, sowie in den festen Grünsandbänken am Lusberg
und Königsthor.
t Zeitschr. d. D. Geol. Ges. 1885. pag. 474 ft.
? Kreide, pag. 83. Taf. 12 Fig. 13.
3 Kreide I, pag. 112.
— 140 —
Genus: Lunatia GraY.
1. Lunatia Klipsteini Mürr. sp.
Taf. XIV Fig. 24.
1851. Natica Klipsteini Mürr., Mon. II, pag. 14. Taf. 5 Fig. 1.
1887. n > Freen, Z. d. D. Geol. Ges., pag. 186. Taf. 15 Fig. 3.
Das bauchige, dickschalige Gehäuse besitzt nur 4 stark und fast gleichmässig gewölbte Windungen,
von denen die letzte 2/3 der Gesammthöhe einnimmt. Vor der Naht sind dieselben schwach niedergedrückt.
Die Oberfläche zeigt nur ziemlich kräftige Anwachsstreifen, welche schräge nach rückwärts verlaufen. Die
Fläche der Mundränder ist stark gegen die Längsachse des Gehäuses geneigt, die Mündung ist halbkreis-
förmig, die Innenlippe stark schwielig, und verdeckt nur einen geringen Theil des weiten und tiefen Nabels.
Lunatia Klipsteini hat viel Aehnlichkeit mit den Formen, welche Gemızz ' als niedrige Varietäten (?)
der Natica lamellosa Rosm. abbildet, sie ist indessen von denselben durch die geringere Anzahl der Um-
gänge bei gleichen Dimensionen, sowie durch die sehr schräge Stellung der Mündung zu unterscheiden.
Vorkommen. Selten im Grünsand von Vaals und Aachen, von welchen Orten 8 Exemplare vor-
liegen. Die Steinkerne aus den Sandsteinbänken vom Lusberg etc. sind, wenn nicht ganz vollständig, nicht
von denen der Natica cretacean GLDF. zu unterscheiden.
Original in der Sammlung der technischen Hochschule.
2. Lunatia Stoliezkai n. sp
Taf. XIV Fig. 25.
Das stark bauchige, diekschalige Gehäuse besteht aus 4 vor der Naht stark niedergedrückten Win-
dungen, von denen die letzte über ?/; der Gesammthöhe einnimmt. Die Nähte sind sehr tief, die Ober-
fläche ist glatt, nur mit undeutlichen Anwachsstreifen versehen. Die Fläche der Mundränder ist gegen die
Längsachse des Gehäuses ziemlich stark geneigt. Die Mündung ist halbkreisförmig, die Innenlippe mit
dicker Schwiele, welche den weiten und tiefen Nabel nahe zur Hälfte verdeckt.
Von L. Klipsteini unterscheidet sich diese Art leicht durch geringere Grösse bei gleicher Anzahl
von Windungen, durch niedrigeres Gewinde und die vor der Naht stark niedergedrückten Umgänge.
Mürver’s Natica unicarinata” ist ein Steinkern dieser oder vielleicht auch der vorigen Art, bei
welchem ein Theil der Innenlippe erhalten ist, wodurch auf der halben Höhe der vorletzten Windung eine
Kante entsteht, und ich glaube auch, dass die von Römer und Geinırz als Natica unicarinata resp. cari-
nata beschriebenen Stücke in ähnlicher Weise durch die Frhaltungsweise gebildete Zufälligkeiten darstellen
und keinen Anspruch auf Selbständigkeit haben. Ein derartiger Kiel auf der Schalenoberfläche dürfte wohl
bei keiner Natica-Art vorkommen.
1 Elbthalgeb. I, Taf. 54 Fig. 17. Die Identificirung der cenomanen Lunalia-Arten mit der senonen Natica lamellosa
ist mindestens zweifelhaft. Natica lamellosa Rorn. ist ein Steinkern, der seinem ganzen Habitus nach viel eher zu Amauropsis
gehört wie zu Lunalia, und welcher wie oben bemerkt wahrscheinlich zu Amauropsis exaltata GLor. gehört.
2 Mon. II, pag. 13.
—, All
Vorkommen. Selten im Grünsand zu Vaals. Steinkerne dürften nur schwierig von denen der
vorigen Art zu unterscheiden sein, daher das Vorkommen in den Sandsteinbänken bei Aachen nicht mit
Sicherheit zu constatiren ist.
Zur Untersuchung liegen 4 Exemplare vor.
Original in der Sammlung der technischen Hochschule.
3. Lunatia Geinitzii nD’Ore. sp.
Taf. XIV Fie. 26.
1843. Natica canaliculata Gein., Char., pag. 47. Taf. 15 Fig. 25, 26.
1843. » s Gein., Kiesl., pag. 10. Taf. 1 Fig. 20.
1347. Natica Geinitzü v’Ors., Prodr. II, pag. 150.
1852. „ eanaliculata Mürr., Mon. II, pag. 13. (non MAnTELL).
1375 » Gentü Gem., Elbthalgeb. II, pag. 162. Taf. 29 Fig. 12—14. (non I. Taf. 54 Fig. 6!).
Das ansehnliche Gehäuse besitzt 4 schnell anwachsende, stark gewölbte Windungen, welche vor der
Naht niedergedrückt sind, und hier eine flache gerundete Rinne haben. Die Oberfläche trägt kräftige An-
wachsstreifen. Die Mündung ist weit, eiförmig, die Innenlippe dünn schwielig, der Nabel ist weit, nicht
kantig begrenzt.
GEISITZ vereinigte eine Anzahl Formen aus der gesammten Kreide mit Helix Gentii Sow.t, welche
darnach vom Gault bis m das Senon reichen würde. Aber schon die Abbildungen, welche Gemırz von
den sächsischen Vorkommnissen giebt, zeigen die Unhaltbarkeit dieser Vereinigung. Während die Abbildung
der Stücke aus dem unteren, cenomanen Pläner von Plauen? welche noch nicht einen Centimeter hoch
sind und bereits 4 Umgänge haben, nur eine schwache Nabelritze zeigt, besitzen die Stücke von Strehlen
bei einer Höhe von über 4 cm ebenfalls nur 4 Umgänge und einen weiten offenen Nabel. Beide Vorkomm-
nisse stimmen nur darin überein, dass sie vor der Naht eine flache Rinne haben, und darauf kann man die
Identität von sonst so verschiedenen Formen kaum begründen.
Aus dem Aachener Grünsand liegen einige Stücke vor, welche sich recht gut auf die grossen Exem-
plare von Strehlen, die freilich stets mehr oder minder verdrückt sind, beziehen lassen, und die ich für
der gleichen Art angehörig ansehe. Obwohl diese Art mit Natica Gentü Sow. (= Natica canaliculata
Manr.? |non Lam.] = Natica gaultina D’Ore.*) manche Aehnlichkeit hat, so sind doch auch so grosse Unter-
schiede vorhanden, dass eine Vereinigung nicht zulässig ist. Diese Unterschiede bestehen in der viel
dünneren Innenlippe und der abweichenden Gestalt der senonen und turonen Form. Bei Natica Gentüi
liegt die grösste Breite in der Mitte der Schlusswindung, während sich Natica Geinitzii von der Mitte aus
nach vorn noch verbreitert, so dass die grösste Breite weiter vorn liegt, etwa wie bei Natica excavata Mrcr.°
Dementsprechend ist auch die Gestalt der Mündung eine andere. Diese Verschiedenheit tritt bereits bei
1 Min. Conch. I. Taf. 145.
? Elbthalgeb. I, pag. 244. Taf. 54 Fig. 16.
3 Sussex, pag. S7. Taf. 19 Fig. 13.
2 Pal. franc. I, pag. 156. Taf. 175 Fig
g. 3, 4.
5n:Orz., Pal. france. II, Taf. 173 Fie. 1, 2
dem Vergleich mit den Abbildungen der Natica Gentiüi hervor, noch deutlicher zeigt sich dieselbe beim
Vergleich mit Stücken von Ste. Croix, Folkestone und Novion. Leider konnte ich keine Exemplare von
Blackdown, von wo das Original von Helix Gentii Sow. stammt, vergleichen. Gemıtz hält auch die Natica
semiglobosa ZER.t für ident mit der Art von Strehlen, obwohl dieselbe nur einen ganz engen Nabel besitzt.
Sicher verschieden ist die Art von Bracquegnies, welche Brıarr und Corner? mit der Form von Strehlen
und Kieslingswalde identificiren, da dieselbe gar keinen Nabel besitzt.
Gzinirz stellt die Art zu Gyrodes, was entschieden unrichtig ist, da die Hauptcharaktere dieser
Gattung, der kantig begrenzte Nabel und die spirale stumpfe Kante in dem Nabel, sowohl der Nutica
Gentii (= gaultina) als auch der Natica Geinitzüi fehlen. Am besten passt sie zu Zunatia, wenn auch
die Schwiele der Innenlippe relativ dünn ist.
Vorkommen. Sehr selten in den Grünsandbänken am Königsthor, von wo 2 Stücke vorliegen.
Ein Exemplar aus losen Grünsandblöcken auf secundärer Lagerstätte bei Ronheide. Ausserdem im ober-
turonen Plänerkalk von Strehlen, im unteren Senon von Quedlinburg und Kieslingswalde.
Genus: Gyrodes CoxR.
Die von Coxran’ für seine Natica crenata aufgestellte Untergattung Gyrodes zeigt so eigenthüm-
liche Charaktere, dass ihr ohne Zweifel die Stellung einer selbständigen Gattung zukommt. Das Gewinde
ist sehr niedrig, dünnschalig, die Mündung halbmondförmig bis herzförmig, vorn spitz, hinten gerundet, der
Nabel sehr weit, durch einen scharfen oder schwach gerundeten Kiel begrenzt, innen mit einer spiral ver-
laufenden Kante am vorderen Theil der Windungen, hinter welchem die Schale besonders dünn ist. Die-
Innenlippe ist dünn. 2
Die Gattung ist mit Sicherheit nur aus der Kreide bekannt, und reicht vom Neocom resp. Gault
bis in das Senon. Eine Anzahl von Arten, die Sewöhnlich hierher gerechnet werden, unterscheiden sich
nicht unwesentlich durch den Mangel der spiralen Kante in dem Nabel, wie Natica excavata Mıcr.* aus
dem Gault, so dass es zweifelhaft erscheint, ob sie zu @yrodes gehören, da auch die Gestalt der Mün-
dung abweicht.
Zu typischen Gyrodes-Arten gehört die in der norddeutschen oberen Kreide verbreitete
Gyrodes acutimargo Rorm. sp.
Taf. XIV Fig. 27.
1541. Natica acutimargo Rorn., Kreide, pag. 83. Taf. 12 Fig. 14.
id. D’ÖRBIGNy, MÜLLER, BrAuns.
Das dünnschalige Gehäuse besteht aus 6—7, durch tiefe Nähte getrennten Umgängen, welche fast
in einer Ebene liegen. Die Schlusswindung ist sehr gross, nur schwach bauchig. Die Oberfläche ist mit
! Gosau-Gast. Taf. 8 Fig. 6.
? Meule de Bracquegnis, pag. 26. Taf. 3 Fig. 5, 6.
3 Journ. Acad. nat. sc. Phil., Il. ser., vol. 4, pag. 289.
2 n’Ors., Pal. frane. II. Taf. 173 Fig. 1, 2.
schrägen Anwachsstreifen bedeckt. Die Mündung ist schmal herzförmig, vorn spitz, hinten gerundet, die
Innenlippe dünn. Der Nabel ist sehr weit und tief, so dass man in demselben die sämmtlichen Windungen
sehen kann, und grenzt mit einem ziemlich scharfen, beiderseits von einer flachen Rinne begrenzten Kiel
an die Seitenfläche der Windung. In dem Nabel befindet sich vorn eine stumpfwinklige spirale Kante, hinter
welcher die Schale papierdünn ist.
Diese Art schliesst sich nahe an @. Conradi MEeX ! (Natica crenata Coxr.) an, und stimmt mit
derselben namentlich in der Form der Mündung und des Nabels sehr nahe überein. @. Conradi hat in-
dessen ein höheres Gewinde, während das von @. acutimargo fast in einer Ebene liest.
Reuss? und GemıTZ’ vereinigen Natica acutimargo Rom. mit der gaultinen Natica Gentüi Sow.t,
GEINITz unter der Annahme, die Figur bei Römer stelle ein verdrücktes Exemplar dar; doch ist an der-
selben das in einer Ebene liegende Gewinde zu erkennen, und ist daher die angegebene Identificirung nicht
statthaft, zumal Natica Gentü Sow. — Nutica gaultina »’Ore.’ gar nicht zu Gyrodes gehört. Brauns ®
zieht umgekehrt Natica canaliculata bei GEInıTz und Reuss als Synonyme zu Natica acutimargo RoEM.,
was jedenfalls nicht richtig ist, da die von GEınıtz’ abgebildete Form ein erhöhtes Gewinde hat. Es ist
daraus wohl zu entnehmen, dass die von Brauns als Natica aeutimargo bestimmte Form von der gleich-
namigen Art bei RÖMER verschieden ist.
Vorkommen. Sehr selten in dem Grünsand von Vaals, von wo 3 etwas defecte Stücke vorliegen.
Ebenfalls sehr selten in den Sandsteinbänken bei Aachen als Steinkern erhalten. Häufiger in den mergeligen
Grünsanden der Schafskul am Preussberg, von wo 8 meist verdrückte Exemplare vorliegen. Nach BosauEr
in Mastrichter Schichten. Ein Stück, welches sich auf diese Art beziehen lässt, fand ich m den unteren
Mucronatenmergeln bei Melaten. Nach Römer in der Quadratenkreide von Quedlinburg und Dülmen.
Genus: Natica Lam. (Apans).
Natica ceretacea GLDF.
Taf. XIV Fig. 19—21.
1844. Natica cretacea Gupr., Petr. Germ. III, pag. 119. Taf. 199 Fig. 12.
1851. » vulgaris Mürr., Mon. II, pag. 14.
1885. „ eretacea HoızarreL, Zeitschr. d. D. Geol. Ges., pag. 474. Taf. S Fig. 3—5.
1885. Lumatia cretacea J. Böns, Grünsand von Aachen, pag. 46.
Die Gestalt des bauchigen Gehäuses ist je nach dem Alter des Individuums eine verschiedene. Die
ersten 5 Umgänge nehmen verhältnissmässig langsam an Breite zu, während der 5. Umgang sich plötzlich
t Invertebr. Pal. 1576. pas. 510.
? Kreide, pag. 49.
3 Elbthalgebirge I, pag. 244.
* Min. Conch. Taf. 145.
5 Pal. franc. II, pag. 156. Taf. 173 Fig. 3, 4.
6 Salzbergmersel, pag. 349.
” Elbthalgebirge II, pag. 162. Taf. 29 Fig. 12—14.
— 144 —
stark verbreitert, stark gewölbt und vor der Naht niedergedrückt ist, so dass bei vollständigen Exemplaren,
die aus 6 Windungen bestehen, auf einer fast kugeligen Basis, welche durch die beiden letzten Windungen
gebildet wird, sich die Spira als scharf abgesetzte Pyramide erhebt. Fast stets sind indessen die 2 oder
3 Anfangswindungen abgebrochen, wodurch das Gehäuse viel niedriger erscheint. Die Mündung ist eiförmig,
hinten spitz, vorn etwas verbreitert. Die Innenlippe zeigt eine dünne Schwiele, der Spindelrand ist vorn
etwas nach aussen umgeschlagen. Der Nabel ist eng, offen, und zeigt eine scharfe Spiralschwiele, welche
vorn in die Lippenschwiele verläuft.
Namentlich durch diese Spiralschwiele ist die Art charakterisirt, und entfernt sich dadurch von den
meisten Naticiden der Kreide. Wenn dieselbe auch bei weitem nicht die Ausbildung erlangt, durch welche
die tertiären und recenten Formen ausgezeichnet sind, welche zur Gattung Natica Anams gehören, so dürfte
die Art doch wohl am besten zu dieser gerechnet werden, keinenfalls zu Lunatia, wohin sie von J. Bömu
gestellt wird.
GoLpruss gab. die Zeichnung eines Steinkernes dieser Art, die indessen nicht mit der Beschreibung
übereinstimmt, welche eine halbkreisförmige Mündung angiebt, während die Abbildung eine solche von breit
ovaler Form zeigt. Dieser Fehler in der Zeichnung ist vielleicht auch der Grund, weshalb die N. cretacea
so oft falsch eitirt worden ist, so von Reusst, Mürser? Brauns?, welche sie zu N. vulgaris Reuss*
stellen. Diese N. vulgaris ist eine der am häufigsten eitirten Kreide-Naticiden, indessen ist es eine der oben
erwähnten Arten, von der weder Mündung noch Nabel bekannt ist. Die Zeichnung bei Reuss ist ganz un-
brauchbar, und auch die neuere Darstellung, welche A. Frrrsch?’ von der böhmischen Art giebt, ist für
eine Charakterisirung unzureichend. Freilich bildet Grisırz® eine gut charakterisirte Zunatia von Plauen
ab, welche er für die N. vulgaris resp. lamellosa Rorm. hält, doch ist diese Identifieirung mindestens zweifel-
haft, da die Plauener Art ein niedrigeres Gewinde und eine mehr kugelige Gestalt hat. Dass die Aachener
senone Art nicht mit der sächsischen cenomanen übereinstimmen kann, geht aus der Beschaffenheit der
Mündung hervor, erstere ist eine Natica s. str., letztere eine typische Zomatia.
Srorıczka” zieht die von MüLLer als N vulgaris bestimmte Form zu N. Mariae Fore. Nach
der Zeichnung dieser Art kann ich mich trotz der Versicherung Srtorıczra’s, dass er Mürver’s Original-
stücke geprüft habe, nicht für diese Identificirung entscheiden, da die Aachener Art ein höheres Gewinde
hat, wie die indische, und namentlich durch die Spiralschwiele im Nabel ausgezeichnet ist, von der die
Zeichnungen bei Storıczka keine Spur zeigen.
Vorkommen. Sehr häufig im Grünsand von Vaals, von wo etwa 100 Exemplare vorliegen. Noch
häufiger in den Sandsteinbänken bei Aachen, indessen als Steinkern kaum von Limatia ‚Klipsteim zu
unterscheiden. |
Originale von Vaals in der Sammlung .der technischen Hochschule.
! Böhmische Kreide, pag. 113.
? Mon. II, pag. 14.
Salzbergmergel, pag. 384.
Böhmische Kreide I, pag. 50. Taf. 10 Fig. 22.
5 Weissenburger und Mallnitzer Schichten, pag. 105, Fig. 43
Elbthalgeb. I, pag. 245. Taf. 54 Fig. 17.
?” Cret. Gast., pag. 304. Taf. 22 Fig. 6—8.
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N>
—)
Familie: Melaniadae Grav.
Genus: Pyrgulifera MEEx.
Für eine höchst interessante Schnecke aus den Laramie-Schichten Nordamerikas, die Melania
humerosa MEEx !, schuf Merx später? die Gattung Pyrgulifera, zu der dann, durch Wnıre® und Tausch*
namentlich, eine ganze Reihe von Gasteropoden-Arten der oberen Kreide gezogen wurden, welche ursprüng-
lich als Turbo oder Tanalia etc. beschrieben, dann aber von F. SanpBErGEer? in das auf Ceylon noch
lebende Genus Paludomus eingereiht waren, welche letztere Bestimmung ziemlich allgemein acceptirt worden
war. Solche in eretacischen Süsswasserablagerungen vorkommenden Arten sind namentlich P. Pichleri Hörxzs®,
P. acinosa Zex.", P. lyra Marr.® etc. Ein ganz besonderes Interesse erhielten diese Formen, nachdem
White auf die grosse Uebereinstimmung aufmerksam gemacht hatte, welche zwischen P. humerosa MEEX
und einigen lebenden Formen des Tanganjika-Sees bestehen, für welche E. Smir#® die Untergattung Para-
melania aufgestellt hatte. Diese Uebereinstimmung schien ihm so gross zu sein, dass er die Gattung oder
Untergattung Paramelania SmiTH einzog, und die Melania nassa Woopw., Melania Damoni SmitH und die
Melania cerassigranulata Sm. zur Gattung Pyrgulifera zog. Dieser Ansicht schloss sich später TauscH (l. c.)
vollständig an, gestützt auf ein reiches und prachtvolles Material aus der oberen Kreide des Bakony-
Waldes, welches neben der amerikanischen P. humerosa Mezrx noch eine ganze Anzahl Arten enthält.
Sure 10 bekämpfte indessen diese Ansicht, und ihm schliesst sich PELsenger t! mit aller Entschiedenheit
an, indem er besonders betont, dass weder Tausch noch WHırte die lebenden afrikanischen Formen aus
eigener Anschauung kännten. PELSENEER meint, die Kreideformen möchten wohl am ersten zu Tanalia GRAY
gehören, wohin ja auch eine Anzahl von ihnen bereits von StouıczkA gestellt worden war.
Es handelt sich hier um 2 verschiedene Fragen, nämlich ob die Kreide-Pyrguliferen, wie SanD-
BERGER will, zu Paludomus zu stellen sind, oder ob Pyrgulifera als selbständige Gattung betrachtet werden
muss, und zweitens ob die Gattungen Pyrgulifera und Paramelania ident sind.
Die Mündung von P. humerosa, acinosa, Pichleri etc. unterscheidet sich gut von der von Paludomus
stephanus, und zwar wesentlich durch die namentlich vorn dicke Innenlippe und den Ausguss, der zwar oft
recht seicht, indessen immer bemerkbar ist, und lässt sich auf diese Merkmale hin sehr wohl eine generische
Trennung begründen. TauscH giebt nun an, dass die afrikanischen Paramelanien eine mit Pyrgulifera voll-
! Proceed. Acad. nat. sc. XII, pag. 313.
2 An. rep. U. S. Geol. Surv. 1872. pag. 294.
3 Proceed. of the U. S. Mus. 1882. Tome V, pag. 98.
* Sitzungsber. d. k. k. Acad. Wien, Bd. 90 I, pag. 56 ff.
5 Land- und Süsswasser Conchilien, pag. 76. Taf. 3 Fig. 7, 8.
6 Sitzungsber. d. k. k. Acad. Wien, Bd. 58. Taf. 1 Fig. 7, 8.
7 Gosau-Gast., pag. 52. Taf. 9 Fig. 7—10.
® Catalogue methodique, pag. 221. Taf. 37 Fig. S—-10.
9 Proceed. zool. soc. London. 1881. pag. 559.
10 Nature 1882. pag. 212.
tt Bullet. du Mus. d’hist. nat. de Belg. IV, pag. 108.
Palacontographica. Bd. XXXIV. 19
— u —
ständig übereinstimmende Mündung besässen und kopirt zum Beweise zwei der von SurrH veröffentlichten
Figuren. PELSENGER dagegen: bestreitet auf das Bestimmteste das Vorhandensein einer „protuberance
saillante“ an dem vorderen Theile der Innenlippe bei Paramelania. Auf meine Bitte hatte Herr Director
Duvpoxt in Brüssel die grosse Güte, mir die betreffenden afrikanischen Formen zur Untersuchung zuzu-
senden, wofür ich ihm zu grossem Dank verpflichtet bin. Ebenfalls übersandte mir Herr TavscH auf meine
Bitte hin zum Vergleich seine Originalstücke der Ajkaer Pyrguliferen, und Herrn Dr. Frec# in Berlin ver-
danke ich eine Reihe trefflich erhaltener Formen aus den obercretacischen Thonen von Quedlinburg. Ferner
liegen eine Reihe von Formen aus der @osau und von Aachen vor, so dass mir ein Material zur Verfügung
ist, welches wohl ausreicht, die zweite der oben aufgeworfenen Fragen zu beantworten.
Was zunächst die lebenden Arten anlangt, so hebt SurrH die grosse Veränderlichkeit der Para-
melania nassa Woopw. hervor und bildet drei Varietäten ab, die PELsENEER unter den Brüsseler Stücken
wiedererkannte. Später lässt Smer# (]. ec. pag. 559) indessen die Möglichkeit zu, dass die 3 resp. 4 Varie-
täten selbständige Arten seien. Nach Untersuchung der Brüsseler Exemplare kann ich diese Auffassung nur
bestätigen. Wenn man überhaupt nach der Gestalt des Gehäuses und der Mündung, nach der Skulptur und
nach der Färbung Species unterscheiden darf, so umfasst die von Smiru und PELSENBER als Paramelania
nassa bestimmte Form drei trefflich charakterisirte Arten, die wenigstens in dem Brüsseler Material ohne
Uebergänge sind. Da die Abbildungen bei Smrr# nicht sehr gut sind, und zum Vergleiche mit unseren
Aachener Stücken habe ich diese 3 Species abbilden lassen. Taf. XXI Fig. 2 ist P. grandis Suite‘, Fig. 1
P. nassa Woopw. und Fig. 4 P. crassigranulata (l. ce. im Text Fig. 2). Diese letztere ist wohl ident mit
var. paueicostata SmirH (l. c. Taf. 34 Fig. 26b), welche nur ein jugendliches Exemplar darstellt. Die Ver-
schiedenheiten der Form und der Skulptur gehen deutlich aus den Abbildungen hervor; bezüglich der
Färbung sei erwähnt, dass bei P. nassa die Spiralstreifen braungelb, bei P. grandis kastanienbraun sind,
während bei erassigranulata die Felder zwischen den Querrippen chocoladenfarbig sind. Beträchtlich ist der
Unterschied zwischen jungen und ausgewachsenen Stücken. Bei ersteren ist die Aussenlippe dünn, schnei-
dend, die Innenlippe ebenfalls dünn, nur vorn schwach verdickt, und der Ausguss ist eng und lang, fast
kanalartig. P. paueicostata Sm. ist eine solche Jugendform von P. erassigranulata Sm., wie solches die Brüsseler
Exemplare deutlich zeigen.
Eine besonders interessante Form ist P. Damoni Sum. (l. ec. pag. 559, Fig. 1) von der mir 3 Exem-
plare vorliegen, nach denen die Art sehr variabel ist. Eines der Exemplare stimmt ganz genau mit der
Zeichnung bei Surrm überein. Ein zweites, etwas kleineres Stück zeigt auf dem letzten Theil der Schluss-
windung undeutliche Querrippen, die oben in einen spitzen Knoten auslaufen, über welchen sich eine ohr-
förmige Schuppe erhebt, die indessen meist abgerieben ist. Das dritte, noch kleinere Exemplar dagegen hat
nur auf den früheren Umgängen deutliche Querrippen, die ohrförmigen Schuppen sind in Stacheln verlängert,
da das Stück überhaupt tadellos erhalten ist (Fig. 3). Die beiden letztgenannten Stücke, als die jüngeren,
haben eine dünne Aussenlippe, eine dünne Innenlippe und einen engen und langen, fast kanalartigen Aus-
guss, wie P. paucicostata Sm. Das erste Exemplar dagegen hat, gerade wie das Original von SuıtH, dicke,
zusammenhängende Mundränder, und einen breiten und ganz flachen Ausguss. Man sieht indessen bei dem-
selben ebenso wie bei der Zeichnung von SmıtH, dass die Verdickung der Mundränder ein späterer Vorgang
1 P. nassa var. grandis Smum, l. c. pag. 559. Taf. 34 Fig. 26a.
ge
ist, bei welchem der ursprünglich enge Ausguss zum Theil verdeckt wird; vorm bemerkt man deutlich den
Rand des ehemaligen engen Ausgusses. Solche Jugendformen stimmen in der Skulptur, namentlich in der
Gestalt der Stacheln und in der Form der Mundöffnung überein mit der 7iphobia Horei Suite (l. c. 1880.
Taf. 31 Fie. 6). Die Gattung Tiphobia wurde von SMITH für diese Form aufgestellt, nach dem oben Ge-
sagten fällt sie aber zusammen mit Paramelania, und stellt nur die noch nicht vollständig entwickelten
Formen dar. Diese Identificirung gewinnt beträchtlich an Stütze durch die Uebereinstimmune in dem Bau
des Deckels, welche Smirm erwähnt.
Was nun die generische Uebereinstimmung von Paramelania und Pyrgulifera betrifft, so schliesse
ich mich nach Untersuchung des oben erwähnten reichen Materiales der Ansicht von Tausch resp. WHıTE
vollständig an. Die Entschiedenheit, mit welcher PELSENEER diese Ansicht zurückweist, beruht wohl z. Th.
auf einem Missverständniss, das in einem vielleicht nicht ganz präeisen Ausdruck in der Gattungsdiagnose
bei Warte und Tausch begründet ist. Auf pag. 58 hebt Tauscr als hervorragendstes Merkmal der Gat-
tung Pyrgulifera hervor, dass der vordere Theil der Innenlippe „als dick kallöse, am Rande umge-
schlagene Platte erscheint, welche mit einem seichten Ausguss versehen ist“. Diese dick
kallöse Platte ist indessen keineswegs, wie es PELSENEER aufzufassen scheint, eine „protuberance saillante“.
Eine solche ist scheinbar nur bei denjenigen Formen vorhanden, bei denen der Ausguss relativ eng und tief in
die schwielige Platte eingesenkt ist, wie solches am deutlichsten bei P. humerosa MEEx zu bemerken ist, von
welcher Herr Tausca mir ein typisches, und durch Herın Wurre selbst für ident mit der amerikanischen
Form erklärtes Stück von Ajka einsandte, Pyrgulifera Pichleri Horrxes und P. acinosa Zux. zeigen diesen
Vorsprung bereits schwächer, und P. /yra MatHher, P. spinigera Sroz. haben höchstens eine Andeutung
desselben, da bei diesen der Ausguss viel breiter und seichter, weniger tief in die schwielige Platte einge-
schnitten erscheint. Bei allen den oben erwähnten lebenden Formen aus Central-Afrika ist die Innenlippe
vorn wesentlich dicker wie hinten, und bildet auch bei ihnen eine „dick kallöse Platte“. Einen relativ
engen und tiefen Ausguss hat P. grandis Smimm, und bei dieser ist daher auch sehr deutlich ein Vorsprung
der Innenlippe bemerkbar, wie solchen auch bereits die Zeichnung von Smit# erkennen lässt. P. nassa und
P. crassigranulata haben einen breiten und seichten Ausguss, daher auch natürlich keinen Vorsprung der
Innenlippe. Am deutlichsten ist indessen dieser Vorsprung bei den jüngeren Exemplaren, namentlich bei
P. Damoni Sm. (cf. Fig. 3). Vielleicht hat auch der Ausdruck TauscnH’s auf Seite 60 „an der Basis eine
wulstige Falte“ PELsEnzER zu der Ansicht von der „protuberance saillante“ verleitet, diese Falte befindet
sich indessen nicht in der Mündung, sondern auf der Oberfläche der Schale, und tritt auch namentlich bei
P. grandis Sm. sehr deutlich hervor. Nach allem diesem vermag ich der Ansicht PELSENEER’s und
Surre's nicht beizustimmen, sondern halte Paramelania, sowie nach dem oben über P. Damoni gesagten
auch Tiphobia für ident mit Paramelania, um so mehr, als auch die Aachener und die Harzer
Exemplare dem nicht widersprechen, sondern im Gegentheil diese Ansicht bekräftisen, da sie z. Th.
den lebenden Formen näher stehen, als die von Tausc# beschriebenen Arten des Bakony und wie P. hu-
merosa MEEK.
PELSENEER spricht ferner die Ansicht aus, dass Paramelania nassa Woopw. und Paramelania
Damoni SmirH nicht zu der gleichen Gattung gehörten, dass letztere zu Tiaropsis Brot, einer Unter-
gattung von Melania zu rechnen sei. Es ist freilich auf den ersten Blick klar, dass besonders die Tiphobia-
Form von Melania Damoni, in geringerem Maasse aber auch noch die ausgebildete Form einen anderen
195
— 51487
Habitus besitzt als P. nassa etc. Allein ein genauerer Vergleich lässt keine generischen Unterschiede
erkennen, wenn man anders nicht die Gattungen überhaupt sehr eng fasst, wie es ja vielfach geschieht.
Die ganze hier betrachtete Gruppe von Formen bietet so viel Uebereinstimmendes, dass eine Tren-
nung nicht rathsam erscheint, besonders wenn man die fossilen Formen mit berücksichtigt.
1. Pyrgulifera Neumayri n. sp.
Taf. XV Fig. 3,4; Taf. XXI Fig. 6.
Das dickschalige Gehäuse besitzt 5 Windungen, flache Nähte und eine aus kräftigen Querrippen und
feinen Spiralstreifen bestehende Skulptur. Die Mündung ist oval, hinten schwach winkelig. Die Mund-
ränder hängen zusammen, die Innenlippe ist verdickt, ein seichter Ausguss ist vorhanden, ebenso eine
schwache Nabelritze.
Obwohl die Art nicht selten ist, und 15 Exemplare untersucht werden konnten, so ist doch bis
jetzt noch kein vollständiges Exemplar gefunden worden, namentlich fehlt allen Stücken die Aussenlippe, so
dass die Form der Mündung an einem einzelnen Exemplar nicht in ihrer wahren Form hervortritt. Auch
in den gegebenen Abbildungen tritt diese Form der Mündung, welche fast genau übereinstimmt mit der
der lebenden P. nassa Woopw. (cf. Taf. XXI Fig. 1), nicht genügend hervor, besonders deshalb nicht, weil
der Zeichner nicht in der Lage war, eine sinngemässe Ergänzung vorzunehmen. Auch sonst lässt die Er-
haltung der roh verkieselten Stücke viel zu wünschen übrig, viele Exemplare sind verdrückt, und die Spiral-
skulptur ist nur bei wenigen Exemplaren deutlich. Immerhin zeigte aber das gesammte Material deutlich
die Zugehörigkeit zu Pyrgulifera. '
Vorkommen. Häufig in dem Aachener Sand am Salvatorberg mit Volvulina laevis und Cardium
‚pectiniforme MüLL.
Untersucht wurden 15 Exemplare.
Originale in der Sammlung der technischen Hochschule.
2. Pyrgulifera Decheni n. sp.
Taf. XV Fig. 2.
Gehäuse kräftig, diekschalig, aus 6 gewölbten, durch tiefe Nähte getrennten Umgängen. bestehend.
Dieselben tragen zahlreiche gerundete, schräge zur Naht verlaufende Querrippen, die von dicht stehenden
kräftigen Spiralstreifen geschnitten werden. Im Alter verschwinden Querrippen und Spiralstreifen, so dass
auf der Schlusswindung ausgewachsener Stücke nur kräftige Anwachsstreifen vorhanden sind. Die Mündung
ist eiförmig, hinten winklig, vorn gerundet, mit breitem seichtem Ausguss. Die Mundränder hängen zu-
sammen, die Innenlippe ist schwielig verdickt, besonders vorn. Die Basis ist steil, mit schwacher Nabel-
ritze. Die Aussenlippe ist an dem einzigen beschalten Stücke abgebrochen, daher nicht beobachtet werden
konnte, ob dieselbe innerlich glatt oder gekerbt ist.
Die Gestalt der Mündung und der ganze Habitus des Gehäuses lassen kaum einen Zweifel darüber,
dass diese Art zur Gattung Pyrgulifera gehört, und zwar zu den Formen, deren nächste lebende Verwandte
P. grandis Smiru und P. nassa Woopw. darstellen. Am nächsten steht die oben beschriebene P. Neu-
— 149 —
mayrt, unterscheidet sich indessen durch kleineren Gewindewinkel, durch weniger zahlreiche, aber kräftigere
Querrippen und undeutlichere Spiralskulptur.
Vorkommen. Ein beschaltes Exemplar aus dem Grünsand von Vaals im städtischen Museum,
zwei Exemplare als Steinkern und Abdruck vom Königsthor.
Die Zeichnung ist nach einem Kautschukausguss gefertigt; leider ist die Form der Mündung dem
Zeichner insofern misslungen, als die Innenlippe vorn wesentlich stärker verdickt ist, als die Zeichnung an-
giebt, und der Ausguss wenn auch flach so doch wahrnehmbar ist.
3. Pyrgulifera sp.
Taf. XXI Fig. 5.
Es liest ein Bruchstück eines Gasteropoden vor, welches nur aus einer Schlusswindung mit er-
haltener Mundöffnung besteht. Die Schalenoberfläche ist glatt, oder nur mit kräftigen Anwachsstreifen ver-
sehen. Es scheint sich diese Art an einzelne der von Tausc# aus Ajka beschriebenen Arten enger anzu-
schliessen, namentlich an P. glabr«. Doch lässt sich, da nur die Schlusswindung vorliegt, über die Gestalt
des Gehäuses nichts sagen, und erst vollständigeres Material kann über eine Bestimmung entscheiden.
Das betreffende Stück fand ich in den Concretionen des Aachener Sandes am Salvatorberge, das-
selbe befindet sich in meiner Sammlung.
Familie: Trichotropidae An.
Genus: Trichotropis BrRoD.
1. Triehotropis Koninckii MüLr. sp.
Taf. XV Fis. 6—9.
1851. Trochus Koninckiw MürrL., Mon. I, pag. 44. Taf. 5 Fig. S.
1851. Pleurotoma Heisiana MürL., ibid. pag. 46. Taf. 5 Fig. 12.
1851. Turbo laevis Mürr., ibid. pag. 45.
1868. Trichotropis Konincküi Bosaurr bei Drew.
1585. 5 o5 J. Böun, Aach. Grüns., pag. 42.
1337. 5 > Frecu, Z. d. D. Geol. Ges., pag. 185. Taf. 15 Fig. 4.
Das kreiselföürmige Gehäuse besteht aus 6 schnell breiter werdenden, scharf gekanteten Umgängen,
von denen der letzte die Hälfte der Gesammthöhe einnimmt. Auf demselben tritt vor dem hohen, lamellen-
artig vortretenden Kiel noch ein zweiter schwächerer auf. Von der Naht bis zum hinteren Kiel ist die
Schale dachförmig abfallend, nicht gewölbt, wie J. Börm angiebt; vor dem vorderen schwach gewölbt. Die
Skulptur besteht aus unregelmässigen Spirallinien, die manchmal undeutlich werden, und kräftigen, ebenfalls
unregelmässigen Querrippen. Diese laufen von der Naht schräge nach rückwärts, und sind auf der dach-
förmigen Fläche bis zu dem hinteren Kiel meist wenig deutlich. An dem Kiel biegen sie sich bogenförmig
stärker nach rückwärts, und theilen denselben in dachziegelartig übereinander liegende Schuppen. Zwischen
den beiden Kielen sind sie sehr kräftig, über den vorderen Kiel setzen sie als stumpfe, knotige Spitzen
— 0) —
hinweg, und verlaufen von hier aus schräge nach dem Nabel. Dieser ist weit, von einer scharfen, unregel-
mässige, blättrige Spitzen tragenden Kante begrenzt, und im Innern durch die Fortsetzung der Querrippen
rauh. Die Mündung ist weit, eiförmig, die Ebene der zusammenhängenden Mundränder ist gegen die
Längsachse des Gehäuses geneigt. Die Aussenlippe ist scharf, weit vorgezogen, der Spindelrand ist abge-
plattet und umgeschlagen, vorn etwas verdickt. Ein deutlicher enger Ausguss ist vorhanden.
MürLter hatte die Art als Turbo beschrieben, StouıczkA stellt sie zu Trichotropis, worin BOSQUET,
J. Bönm und Freca folgten. Bei aller sonstiger Uebereinstimmung in der Form des Gehäuses und dem
Bau der Mündung mit einzelnen lebenden Arten, z. B. der 7. bicarinata Sow. oder T. umicarinata, besteht
ein bemerkenswerther Unterschied darin, dass die lebenden Arten sämmtlich ein zartes, dünnschaliges Ge-
häuse besitzen, während unsere Form recht kräftig und dickschalig ist.
Mürter beschrieb die Art unter drei verschiedenen Namen, seine Pleurotoma Heisiana ist auf
Jugendexemplare resp. Spitzen, sein Zrochus laevis auf Steinkerne gegründet.
J. Börnum giebt nur 4 Umgänge an, gleich Mürver, dessen Originalexemplar allerdings auch nur so
viel zeigt. Allein demselben fehlt die Spitze, und andere Exemplare zeigen bereits bei 10 mm Gesammthöhe
4 Windungen, so dass ausgewachsene Stücke deren wahrscheinlich 6 gehabt haben.
StoLiczka vereinigt mit der Aachener Form eine solche aus der oberen Kreide Indiens. Diese
zeigt indessen einige bemerkenswerthe Abweichungen. Zunächst verlaufen die Querrippen von der Naht
fast senkrecht zu dem hinteren Kiel, die Basis ist steiler und dadurch die allgemeine Gestalt schlanker.
Ferner trifft der äussere scharfe Rand des Nabels die Innenlippe in ihrer vorderen Hälfte, bei der Aachener
Form dagegen in dem hinteren Viertel. Soweit das immerhin spärliche Material zu erkennen gestattet, halte
ich daher die indische Form für verschieden. !
Vorkommen. Ziemlich selten im Grünsand von Vaals, von wo 10 meist unausgewachsene Stücke
vorliegen. Ebenfalls selten in den Sandsteinbänken des Grünsandes bei Aachen.
Originale in der Sammlung der technischen Hochschule.
2. ?Trichotropis cf. nodulosa Srtor.
Taf. XV Fig. 5.
Es liegt ein defectes Stück eines Gasteropoden vor, welches drei Umgänge zeigt, die ein kegel-
förmiges Gewinde bilden, dessen Spitze abgebrochen ist. Die Schlusswindung ist gross, stumpf gekantet,
die Basis steil. Die Skulptur besteht aus stumpfen Knoten auf der gerundeten Kante der Umgänge und
kräftigen Spirallinien. Die Mündung ist entsprechend dem Querschnitt der Windungen gerundet dreiseitig.
Dieselbe ist indessen so ungünstig erhalten, dass über die Beschaffenheit der Mundränder nichts sicheres zu
beobachten ist, doch scheint dieselbe vorn einen Ausguss zu haben. Eine deutliche Nabelritze ist vorhanden.
Die Art hat viel Aehnlichkeit mit einer indischen Form, die Stouıczka als 7. nodulosa”? beschreibt.
Indessen kannte Stouıczka von dieser ebenfalls nur ein einzelnes defectes Exemplar, welches die Mündung
nicht vollständig erkennen liess, so dass die Bestimmung als Trichotropis zweifelhaft ist.
t Cret. Gast., pag. 159. Taf. 13 Fig. 7—9.
? ibid., pag. 159. Taf. 13 Fig. 10.
—' 1öl —
Nach dem vorliegenden mangelhaften Material könnte unsere Art ebenso gut in die Familie der
Trochidae gehören, aus der namentlich die Gattung Tureic« im Habitus manche Uebereinstimmung zeigt.
Erst bessere, die Mündung vollständig zeigende Stücke können über die generische Zugehörigkeit Auf-
schluss geben.
Vorkommen. Das einzige Stück stammt aus den mergeligen Grünsanden des Gymnicher Loches,
und befindet sich in Herın Beıssen’s Sammlung.
Ramılnes Carowuiele,a Ca
Genus: Capulus Montr.
1. Capulus verus J. Börm.
Alenn, 20% male, alla Sle),
1855. Capulus verus J. Böhm, Grünsand, pag. 42. Taf. 1 Fig. 6.
Die Schale ist mützenförmig, der weit nach hinten gerückte Wirbel bildet eine kleine, aus 2 Um-
gängen bestehende, rechts gedrehte Spirale. Unter dem Wirbel ist die Schale schwach concav. Die Mün-
dung ist gerundet, hinten etwas abgeflacht. Die Oberfläche zeigt ziemlich kräftige Anwachsstreifen. Der
Muskeleindruck ist hufeisenförmig, tief, hinten schmal, nach beiden Seiten sich langsam verbreiternd. Der-
selbe konnte nur auf einem Steinkern beobachtet werden. Die Schale ist dünn.
Vorkommen. Selten mit verkieselter Schale im Grünsand von Vaals, von wo 4 Exemplare vor-
liegen. Ebenfalls selten in den Muschelbänken am Köniesthor.
Originale im städtischen Museum.
2. ?Capulus earinifer Mürr.
Taf. XV Fie. 10.
1851. Capulus carinifer Müur., Mon. II, pag. 50. Taf. 6 Fig. 10.
Es liest nur ein einziges, bereits von Müruer abgebildetes Exemplar vor, welches noch dazu als
Steinkern erhalten ist, ohne dass der zugehörige Abdruck vorhanden wäre. Es ist ein hochgewölbtes Stück,
welches von vorn nach hinten zusammengedrückt ist, so dass an beiden Seiten stumpfe Kiele verlaufen.
Hinten ist die Schale concav, vorn steil gewölbt. Die Spitze ist abgebrochen, Muskeleindruck nicht zu
beobachten.
Capulus carinifer ist bis jetzt eine ganz zweifelhafte Art, und hier nur der Vollständiekeit halber
aufgeführt. Es scheint indessen als ob der erwähnte Steinkern in der That einem Capuliden angehöre.
Vorkommen. Das betreffende Stück stammt aus den Muschelbänken am Königsthor und befindet
sich in der Sammlung der technischen Hochschule.
Familie: Xenophoridae DesH.
Genus: Xenophora Fisch.
Xenophora onusta Nırss. Sp.
Taf. XIV Fig. 28.
1827. Trochus onustus Nıuss., Petr. suec., pag. 12. Tat. 3 Fig. 4.
1869. Phorus onustus Favre, Lemberg, pag. 68. Taf. 9 Fig. 14. (cum Syn.)
m
. Das Gehäuse ist ziemlich hoch kegelförmig, aus 6—7
durch flache Nähte getrennt sind. Die Schlusswindung ist scharf gekantet. Die Basis ist flach concav,
die Mündung gerundet vierseitig, der Nabel eng, aber tief. Die 2—3 ersten Umgänge sind glatt, fast
planorbisartig in einer Ebene aufgerollt. Auf den späteren Windungen ist von einer Skulptur ‚nichts zu
bemerken, da sie vollständig mit agelutinirten Gegenständen bedeckt sind, oder die Eindrücke von
solchen zeigen.
Diesselben bestehen vorwiegend aus Bruchstücken von Molluskenschalen, zuweilen von bedeutender
Grösse. So zeigt das Fig. 28 abgebildete Stück auf der letzten Windung den Eindruck von 2 Windungen
von Aporrhais granulosa Mürn., welche 10 mm breit und 12 mm lang sind.
Mit der Zeichnung, welche Nıvsson giebt, stimmen die Aachener Stücke gut überein, und ist die
Art durch ihre verhältnissmässig hoch kegelförmige Gestalt ausgezeichnet. Die Abbildung des Lemberger
Stückes bei Favre unterscheidet sich, abgesehen von den bedeutenderen Dimensionen, wesentlich durch die
spärlichen angehefteten fremden Gegenstände, dieselbe könnte daher wohl einer anderen Art angehören.
Sehr ähnlich, wenn nicht ident, ist Phorus plicatus Zer.‘ Leider konnte ich keine Gosau-Exemplare
vergleichen, daher ich kein bestimmtes Urtheil abgeben will.
Vorkommen. Ziemlich häufig in den Muschelbänken bei Aachen als Steinkern, seltener und meist
schlecht erhalten im Grünsand von Vaals mit verkieselter Schale. Meist finden sich nur kleine Stücke von
6—10 mm Breite, nur das eine abgebildete Stück vom Königsthor hat 20 mm Breite.
Zur Untersuchung liegen 13 Exemplare vor.
Original in der Sammlung der technischen Hochschule.
fast flachen Umgängen bestehend, welche
Familie: Vermetidae An.
Genus: Laxispira GAB.
Die Gattung Zaxispira wurde von GABB? für nicht angewachsene, regelmässig rechts gewundene
Vermetiden aufgestellt, welche eine kreisförmige Mündung haben. An L. lumbricalis GABB Schliessen sich
zwei im Aachener Grünsand nicht gerade seltene Arten an.
1 Gosau-Gasteropoden, pag. 62. Taf. 11 Fig. 5.
2 Proceed. Acad. nat. sc. Philad. 1876. page. 301.
1. Laxispira cochleiformis Mvrr. sp.
Taf. XV Fig. 20, 21.
1. Vermetus cochleiformis Mürr., Mon. II, pag. 6. Taf. 3 Fie. 3.
1868. Strephopoma cochleiformis Sror., Cret. Gast., page. 239.
5. Lawispira cochleiformis J. Bönn, Grünsand, pag. 41.
Die Schale bildet eine aus —5 sich nicht berührenden Umgängen bestehende Spirale, welche
schwach unregelmässig ist. Die Skulptur besteht aus scharfen Spirallinien, welche parallel zu der Spirale
verlaufen. Der Querschnitt der Windungen ist kreisförmig, ebenso die Mündung, welche scharfe Ränder besitzt.
MÜrLLER stellt die Art zu Vermetus, StoLiczkA vermuthet die Zugehörigkeit zu Strephopoma, doch
können diese beiden Gattungen nicht in Betracht kommen, da die Schale vollständig frei ist. Auch Ver-
miculus MörcH, wohin v. Zırren* die Aachener Art bringt, hat eine festgewachsene Schale. Am besten
passt die Gattung Laxispira, obwohl die Spirale nicht immer ganz regelmässig ist, da alle übrigen Charak-
tere übereinstimmen.
Von L. lumbricalis GABB ist L. cochleiformis durch die weniger steile Spirale und den geradlinigen
Verlauf der Spirallinien unterschieden, welche bei der amerikanischen Art wellenförmig sind.
Die Bemerkung von J. Bönu, dass die Windungen seitlich zusammengedrückt seien, ist wohl durch
Verdrückung des Bonner Exemplares veranlasst worden. Durch diese Verdrückung erklärt sich auch wohl
der von Bönm angegebene, schräg zur Spirale gerichtete Verlauf der Spirallinien.
Vorkommen. Ziemlich selten im Grünsand von Vaals, von wo ein Dutzend Exemplare vorliegen.
Ebenfalls selten in den Muschelbänken am Lusberg, Königsthor und im Aachener Wald.
Örigmale (Fig. 20 Mürver’s Original) in der Sammlung der technischen Hochschule.
2. Laxispira pinguis n. sp.
Taf. XV Fig. 19.
Diese Art unterscheidet sich von L. cochleiformis Mürn. sp. durch ein schnelleres Wachsthum der
Röhre, daher bei gleicher Anzahl der Umgänge dieselben viel diehter an einander liegen, und die Spirale
dadurch weniger steil erscheint. Die Mündung ist weit, kreisförmig, mit scharfen Rändern, die Spiral-
streifung fein, regelmässig und parallel der Spirale.
Vorkommen. Selten im Grünsand von Vaals, von wo 4 Exemplare in Herrn Beısser’s Sammlung liegen.
Familie: Turritellidae Gray.
Genus: Turritella Lam.
Vertreter der Gattung Turritella gehören zu den häufigsten Versteinerungen der Aachen-Limburger
Quadratenkreide, und sind es vorzugsweise Formen, welche sich durch grosse Variabilität auszeichnen, so
t Handbuch II, pag. 213.
Palaeontographica. Bd. XXXIV. 20
— (lad —
dass eme Abgrenzung von Arten auf erhebliche Schwierigkeiten stösst. Müruer legte ein besonderes Ge-
wicht auf die Details der Skulptur, und gruppirte die vorkommenden Formen in 24 Arten. unter denen 16
neue waren. Ein sehr reiches Material an Turritellen liess indessen bald erkennen, dass wesentlich andere
Gesichtspunkte bei der Abgrenzung von Arten massgebend sein mussten, als wie die Frage, ob der eine oder
andere Spiralstreifen gekörnt sei oder nicht, ob 4 oder 5 Streifen vorhanden seien etc., wenn man nicht
die Zahl der Arten noch erheblich vermehren wollte. Dazu kommt, dass MÜLLER die namentlich bei Vaals
häufig vorkommenden Spitzen, die sich ganz allgemein durch eine ausserordentlich grosse Zahl der Umgänge
auszeichnen, als selbständige Arten betrachtet. Es gelang indessen meist, auch diese Spitzen auf die grossen
Individuen zurückzuführen, wenn auch zuweilen nur mit Hilfe eines einzigen Exemplares. Diese Spitzen
unterscheiden sich nämlich in jeder Beziehung von den ausgewachsenen Exemplaren. Die Skulptur ist bei
allen Arten in der Jugend nahezu die gleiche, sie besteht aus 3 scharfen Spiralkielen, und geht bei einzelnen
Arten erst nach der 20. Windung in die normale Skulptur über.
Eine besondere Eigenthümlichkeit ist dann das ungemein langsame Breitenwachsthum der Jugend-
formen. Stücke von 1cm Länge, welche aus zwanzig und mehr Windungen bestehen, haben fast eine cylin-
drische Gestalt. Dann kommt ein Uebergangsstadium, in welchem die Windungen schnell in die Breite
wachsen, indessen nicht gleichmässig, sondern dieses Breitenwachsthum steigert sich bei jeder neuen Win-
dung, so dass in diesem Alter der Spirawinkel nach aussen concave Schenkel hat. Später tritt erst das
normale gleichmässige Breitenwachsthum ein. Bemerkt zu werden verdient noch, dass eine wirkliche Spitze,
das obere geschlossene Ende der Röhre, nicht beobachtet werden konnte. Stücke, die nadelscharf erschienen,
zeigten bei Betrachtung mit der Lupe noch immer ein offenes Ende oder eine Endfläche, so dass man
annehmen muss, dass noch einzelne Windungen fehlten. Auch zeigten zut erhaltene Stücke auf ihren
obersten Windungen stets noch eine deutliche Spiralskulptur, und nur weniger gut erhaltene erschienen
glatt, was indessen nur durch den Erhaltungszustand bedingt ist. Es ist deshalb auch nicht anzugeben,
wie weit die Embryonalwindungen gehen; wahrscheinlich waren dieselben bereits bei Lebzeiten des Thieres
abgeworfen, wie das bei vielen Gasteropoden der Fall ist. In der mir zugänglichen Literatur vermochte
ich nichts darüber aufzufinden, wie sich in dieser Beziehung die recenten Arten verhalten, doch finden sich
z.B. in „Caenus, Manuel de Conchiologie* u. a. Werken Turritellen mit wirklichen Spitzen gezeichnet, wie
T. terebra, T. leucostoma u. a. Durch diese Verschiedenheit in der Gestalt der jugendlichen und der er-
wachsenen Formen unterscheiden sich unsere Turritellen in bemerkenswerther Weise von den recenten und
tertiären, welche, soweit mir die Literatur zugänglich ist, durchweg mit regelmässigem Spirawinkel gezeichnet
werden. Naturgemäss müssen solche feinen cylindrischen Spitzen sehr leicht abgestossen werden, und ge-
schieht dies wahrscheinlich bereits bei Lebzeiten des Thieres. Hieraus erhellt die Schwierigkeit, solche
abgeworfenen Spitzen auf die anders gestalteten erwachsenen Formen zurückzuführen.
Bei der Abgrenzung von Arten kommen wesentlich erwachsene Exemplare in Betracht, und giebt
der Spirawinkel in Verbindung mit dem mehr allgemeinen Charakter der Skulptur, bei der grossen
Variabilität dieser letzteren, das einzige Mittel an die Hand, die vorkommenden Formen in den Rahmen
von Species einzufügen. Nur von diesem Gesichtspunkte aus, und nicht indem mit minutiöser Genauigkeit
jedem einzelnen Spiralstreifen nachgespürt wurde, war es zu ermöglichen, die 24 Mürver’schen Arten ohne
tl. e. pag. 317. Fig. 2363 und 2270.
Zwang auf eine verhältnissmässig geringe Anzahl zurückführen zu können, welche zumeist bereits von
Gonpruss und RÖMER beschrieben worden waren.
T. mieroscopica Müvrv. ist ein ganz unbestimmbarer Kieselsteinkern irgend einer Turritellenspitze.
T. eingulato-Lneata Mürr. ist bereits oben als Mesostoma beschrieben und 7. Buchiana gehört zu Glaukonia.
1. Turritella nodosa Rön.
Taf. XV Fie. 17, 18; Taf. XVI Fie. 11, 13—19, 21, 22.
1841. Turritella nodosa Rön., Kreide, pag. SO. Taf. 11 Fig. 20.
1844. n Nöggerathiana Guor., Petr. Germ. III, pag. 100. Taf. 147 Fig. 1.
1551. en Nöggerathiana, modosa, Althausi, Carnalliana, Humboldtii und acutissima Mürr., Mon., pag. 31 und 32
Taf, 4 Fig. 14, 16, 17, 18, 19.
1567. 5 nodosa SroL., Cret. Gast., pag. 222. Taf. 19 Fig. 20—22.
1537. a »„ Frecs, Z. d. D. Geol. Ges., pag. 176. Taf. 16 Fig. 20.
Spiraywınlkelege en
T. nodosa ist eine höchst veränderliche Form, sie besteht aus sehr vielen, flach gewölbten, und
durch flache Nähte getrennten Umgängen. Die Spitzen sind ungemein schlank, fast eylindrisch, ein Stück
von 10 mm Länge, aus 18 Windungen bestehend, zeigt am oberen Ende t,, am unteren 1!’ mm Breite.
Die Skulptur dieser Spitzen besteht aus drei gleich starken Spiralkielen (7. acutissima Mürr.). Ausge-
wachsene Exemplare haben 4, nur ausnahmsweise 5 Spiralstreifen. Dieselben sind niemals scharf, meist
breit und wulstig, selten kantig leistenförmig. Sie sind in der Regel mehr oder weniger geknotet, die
Knoten sind indessen nicht scharf, sondern sie entstehen durch Häufung der Anwachsstreifen auf den Spiral-
kielen, und sind daher breit, meist etwas unregelmässig wulstig. Zuweilen ist auch einer der Spiralreife
glatt. Sie sind nie von gleicher Stärke und nie gleich weit von einander entfernt.
Das Hauptkennzeichen von 7. nodos« liegt also in der schlanken Gestalt, und in dem Vorhanden-
sein von 4 ungleich starken und ungleich weit von einander entfernten Spiralleisten.
Im Allgemeinen liest der oberste Reif dicht vor der Naht, ist breit, aber niedrig. Vor demselben
ist die Windung etwas verenet, sie verbreitert sich dann ziemlich stark, so dass der zweite Reif, welcher
höher aber schmäler ist wie der erste, etwas erhöht liegt. Der dritte Reif ist der schwächere, zuweilen ist
er undeutlich, manchmal verschwindet er auch ganz. Der vierte Kiel, welcher im Allgemeinen die gleiche
Höhe wie der zweite hat, ist ziemlich weit von der vorderen Naht entfernt, und liegt meist weiter vom
dritten wie dieser von dem zweiten entfernt. Selten schiebt sich vor dem vierten noch ein fünfter Reif
ein, Andeutungen eines solchen sind häufiger. Die Knoten der Reife sind im Einzelnen sehr verschieden.
Da die Anwachsstreifen im weiten Bogen verlaufen, so haben die Knoten auf den oberen Reifen im Allge-
meinen die Richtung nach unten rückwärts, auf den vorderen nach unten vorwärts. Bei guter Erhaltung
bemerkt man ausser den kräftigen Reifen noch zahlreiche feine Spirallinien. Die Mündung ist gerundet
vierseitig, die Basis flach, kantig begrenzt.
Diese ungemein veränderliche Form wurde von A. Römer 1841 von Aachen beschrieben und
immerhin erkennbar abgebildet. Gonpruss bildete dann 1844 eine ziemlich häufige Varietät, welche durch
einen sehr niedrigen, aber breiten ersten Spiralreifen ausgezeichnet ist, als 7. Nöggerathiana ab (s. Fig. 15).
Beide Formen sind indessen durch alle Uebergänge verbunden. Mürter machte dann 6 Arten aus der
20*
einen. Wollte man indessen jede Abänderung mit besonderem Namen belegen, so könnte man unschwer
auf die doppelte und dreifache Anzahl kommen. So finden sich Exemplare, bei denen der dritte Reif sehr
schwach ist und solche, bei denen er ganz verschwindet; bei einigen Stücken ist er glatt, bei anderen ge-
körnt. Der vierte Reif, welcher bei normalen Stücken so stark ist, wie der zweite, ist zuweilen viel
schwächer entwickelt, oft nicht viel stärker als der dritte. Der erste Reif ist manchmal viel schmäler als
bei der Normalform, und dann meistens höher. Immer aber ist der oben angegebene allgemeine Charakter
der Skulptur gewahrt.
J. Bönm? beschreibt 7. Humboldti Mürr. -als gesonderte Art. Ihm lagen nur 2 Exemplare von
Vaals vor. Diese Stücke von Vaals sind im Allgemeinen schlecht erhalten, und die Form und Körnelung
der Streifen ist nur selten so gut zu beobachten, wie an den beschalten Stücken vom Lusberg oder den
verkieselten vom Königsthor. Aber auch schon an den beiden Exemplaren beobachtete J. Bömu eine Ver-
schiedenheit in der Ausbildung der Spiralreifen.
Goupruss beschreibt als 7. quingueeineta eine bei Aachen und Haldem vorkommende Art, welche
vier nur wenig ungleiche, aber verschieden weit von einander liegende kräftige Spiralreife hat, welche
gerade wie bei 7. nodosa durch die Häufung der Anwachsstreifen unregelmässig geknotet erscheinen. Genau
mit der Figur bei GoLpruss. übereinstimmende Stücke kenne ich von Aachen nicht, doch scheint mir die
Ansicht Storıczra’s?, welcher 7. gwinguecincta zu nodosa ziehen möchte, richtiger wie die von GOLDFUSS,
welcher sie als eine „Spielart“ von 7. quadricineta betrachtet.
Vorkommen. Häufig im Grünsand vom Lusberg und Königsthor, etwas seltener bei Vaals, wo
indessen häufig Spitzen dieser Art gefunden werden.
Zur Untersuchung liegen etwa 50 Exemplare vor.
Originale in der Sammlung der technischen Hochschule.
2. Turritella acanthophora MüLr.
Tat oRsyDRie. 9210012:
1851. Turritella acanthophora Mürr., Mon. II, pag. 32. Taf. + Fig. 5.
5 5 Free, Z. d. D. Geol. Ges., pag. 178. Taf. 16 Fig. 1—7.
Das mässig schlank thurmförmige Gehäuse besteht aus zahlreichen, flach gewölbten, dachförmigen
Umgängen, welche durch flache Nähte getrennt sind. Die Skulptur besteht aus 4 gleich starken und gleich
weit von einander entfernten hohen, gleichmässig gekörnten Spiralgürteln, von denen der hintere unmittelbar
vor der Naht liegt, während der vordere etwas weiter von der vorderen Naht entfernt bleibt. Auf den
Jugendwindungen sind nur drei Gürtel vorhanden, der hintere, vierte schiebt sich erst später als schmaler
Streif ein, und entwickelt sich erst allmählich zu der Stärke der übrigen drei. Auf der Schlusswindung ist
noch ein fünfter vorderer Randgürtel vorhanden, welcher. manchmal auch auf der vorletzten Windung unbe-
deckt bleibt. Zwischen den Gürteln liegen zahlreiche, feine, oft schwach wellenförmig gebogene Spiral-
streifen. Die Anwachsstreifen machen einen weiten und tiefen Bogen, und bei gut erhaltenen Stücken be-
merkt man eine durch sie bewirkte feine Körnelung der feinen Spirallinien.
1 Grünsand von Aachen, pag. 40.
? Cret. Gast., pag. 222.
Von ZT. nodosa Röm. unterscheidet sich die vorliegende Art durch die gleichmässige Ausbildung
und die gleiche Entfernung der Spiralgürtel, sowie die abweichende Gestalt der Knoten, welche gerundet
sind, und nicht durch eine Häufung der Anwachsstreifen entstehen, wie bei nodosa. Hierdurch unterscheidet
sich 7. acanthophora auch wesentlich von der sonst ähnlichen 7. quingueeincta GULDF., welche zu 7. nodosa
gehören dürfte.
Für die Trennung von 7. nodosa spricht auch das geologische Vorkommen, da Z. nodosa in den
tiefen Schichten des Aachener Sandes nicht vorkommt, sondern nur 7. acanthophora. Eine Untersuchung
besseren Materials vom Salvatorberg hat mich zu der Ueberzeugung gebracht, dass die von mir früher
als 7. nodosa aufgeführte Art des Aachener Sandes die 7. acanthophora GuoF. ist. Uebereinstimmend mit
diesem Vorkommen tritt die Art auch in den dem Harzer Oberquader eingelagerten Thonen bei Quedlinburg
auf, welche dem Aachener Sand gleichaltrig sind.
Vorkommen. Selten im Aachener Sand. Zwei Steinkerne aus Sandsteinknollen der Sandgrube
bei Altenberg, 4 Exemplare mit verkieselter Schale vom Salvatorberg. Ebenfalls selten im Grünsand von
Vaals (8 Exemplare) und am Königsthor, von wo MÜLLER’s Original stammt. Ausserdem in untersenonen
Thonen von Suderode.
Originale in der Sammlung der technischen Hochschule.
3. Turritella quadrieineta GLor.
Taf. XV Fig. 16.
1844. Turritella quadriceineta GLor., Petr. Germ. III, pag. 100. Taf. 146 Fig. 16 und 17c.
1551. n multistriata Mürr., Mon. II, pag. 27.
Spirawinkel 32—24°. Derselbe ist in der Figur etwas zu klein, nur 15° angegeben.
Die thurmförmige Schale besitzt zahlreiche, stark gewölbte Windungen, tiefe Nähte, und eine
aus 4, selten 5 glatten, regelmässigen, leistenförmigen Spiralgürteln bestehende Skulptur; zwischen den
Gürteln bemerkt man zahlreiche feine Spirallmien. Die Basis ist gewölbt, glatt, durch eine stumpfe
Kante begrenzt.
Von T. sexlineata Röm., die nahe steht, ist quadricineta durch die gewölbten Windungen und die
gewölbte glatte Basis gut zu unterscheiden, auch ist der Gewindewinkel etwas grösser.
Gorpruss beschrieb die Art von Aachen und Haldem. Die Aachener vorliegenden Stücke stimmen
mit der Fig. 16 bei Gorpruss bis auf den etwas kleineren Spirawinkel genau überein. Die Ansicht von
GoLpFuss und MÜLLER, dass T. gquinguecincta GLDF. nur eine Variation von guadrieincta sei, ist aus bereits
angegebenen Gründen eine irrige, die genannte Art ist vielmehr zu 7. nodosa Röm. zu stellen.
In der Literatur über Kreidefossilien findet man nur wenige Listen, welche die 7. guadrzieineta GLDF.
nicht enthalten. Indessen ist die Synonymik derselben eine höchst verwirrte. Fast alle, häufig sehr mangel-
haft erhaltene Turritellen mit spiraler Streifung haben das Schicksal als 7. guadricineta oder T. multi-
striata Reuss bestimmt zu werden, welche beiden Arten nach dem Vorgange von Reuss gemeiniglich als
ident angesehen werden. Es ist indessen unmöglich, sich aus den vorhandenen Abbildungen ein genügend
! Zeitschr. d. D. Geol. Ges. 1585. pag. 597.
— log. —
begründetes Urtheil über diese Identität zu bilden, und auch das meiste Vergleichsmaterial ist so unzu-
reichend, dass auch ein direeter Vergleich kaum zu einem Resultate führt.
Die böhmische T. multistriata ist durch Reuss und A. Frırsc# abgebildet worden. Ersterer zeichnet
auf Taf. 10 Fig. 16 ein Stück, welches oben einen Spirawinkel von 24, unten einen solchen von 18°, dabei
flach gewölbte Umeänge, tiefe Nähte, und eine undeutliche Skulptur besitzt. Fig. 16. Taf. 11 hat einen
Spirawinkel von 24°. Beide Abbildungen zeigen eine flache, spiral gestreifte Basis. FrrrscH zeichnet in
seinen Studien über die böhmische Kreide, Weissenberger Schichten pag. 103, ein Stück, dessen Spirawinkel
18° beträgt, welches gewölbte Windungen mit je 4 Spiralstreifen besitzt. In den Iser-Schichten dagegen
bildet derselbe Autor als gleiche Art einen Steinkern mit einem Spirawinkel von 23° ab, der für eine Be-
stimmung unzureichend ist. Die sämmtlichen erwähnten Zeichnungen der böhmischen Form sind nach
meinem Dafürhalten nicht ausreichend, eine Identität der 7. quadrieincta mit der multistriata Rzuss, welche
vor der Hand zu den sehr zweifelhaften Arten zu rechnen ist, festzustellen, und wie schon erwähnt, erhellt
diese Identität auch nicht aus böhmischem Vergleichsmaterial, zumal trotz der Unzulänglichkeit desselben
sich als Unterschied von guadrieineta die flache spiral gestreifte Basis der böhmischen Form bemerkbar
macht. Sollte indessen dennoch nach besserem Material die Identität erwiesen werden, so müsste die Art
doch den von GoLpruss gegebenen Namen tragen, wie dies E. Favre zutreffend hervorhebt. Derselbe
stammt aus demselben Jahr wie der von Reuss gegebene, wurde indessen durch treffliche Abbildungen er-
läutert, während Reuss erst 2 Jahre später (1845) eine Zeichnung seiner 7. multistriata veröffentlichte.
Abbildungen von Formen, welche mit 7. guadrieineta Guor. ident sein sollen, haben GemıTz,
FAvRE und Srtouıczka gegeben. Gemırz bildet in der „Charakteristik“ eine Reihe von Exemplaren ab,
die Spirawinkel haben, die zwischen 15 (Fig, 7) und 33° (Fig. 12) schwanken, die ganz flache (Fig. 8) bis
gewölbte (Fig. 13) Windungen haben, die glatte oder grob gekörnte (Fig. 8) Spiralstreifen tragen. In den
Versteinerungen von Kieslingswaldet wird ein Stück abgebildet von 23° Spirawinkel, mit stark gewölbten.
Windungen, tiefen Nähten und unerkennbarer Skulptur.
E. Favre? bildet in der Arbeit über die Lemberger Kreide zwei Stücke ab, die gut zu den Ab-
bildungen von GoLpruss passen, dieselben haben 22 resp. 25° Spirawinkel (im Text werden 26° angegeben),
stark gewölbte Windungen und 4 kräftige glatte Spiralstreifen.
Srorıczka3 giebt in den Cretaceous Gasteropoda ebenfalls eine Reihe von Zeichnungen, die 15—20°
Spirawinkel besitzen, welche Zahlen auch im Text angegeben werden. Die indischen Stücke haben indessen
nur flach gewölbte Windungen, eine fast flache (Fig. 11) oder gewölbte (Fig. 9) Basis und 3 oder 4 hohe
glatte Spiralstreifen. .
Im „Elbthalgebirge“ zeichnet H. B. Gemrrz mehrere Strehlener Exemplare, die 27 und 28° (Taf. 29
Fig. 1, 2) und 21° (Taf. 30 Fig. 18) Spirawinkel, flach gewölbte Umgänge und z. Th. (Taf. 30) gekörnte
Spirallinien haben.
STOLICZRA (l. c. pag. 49), FAvVRE (l. c. pag. 224) und Gemirz* führen noch 7. Hagenowiana GLDF.>
1 Kieslinsswalde. Taf. 1 Fig. 18.
?2 Lemberg. Taf. 8 Fig. 4, 5.
® Cret. Gast. Taf. 17 Fig. S—14, 16.
* Elbthalgeb. II, pag. 161. Taf. 29 Fig. 1, 2; Taf. 50 Fig. 18.
5 Petr. Germ. III. Taf. 197 Fig. 5.
— Id —
und diffieilis Zexenr‘ (non D’Ore.) unter den Synonymen auf. Erstere dürfte wohl zu den nicht sicher
bestimmbaren Formen gehören; letztere hat einen etwas kleineren Gewindewinkel (16°), besitzt aber recht
viel Aehnlichkeit und könnte thatsächlich mit guadızeinceta ident sein.
Es geht hieraus hervor, dass sich nach der vorhandenen Literatur nicht entscheiden lässt, welche
Vorkommen zu 7. quadrieincta zu ziehen sind. Von den oben aufgeführten schemt nur die Lemberger
Form gut mit der Aachener übereinzustimmen. Ich habe aus diesen Gründen auch darauf verzichtet, solche
Citate in die Synonymik aufzunehmen, und erst recht solche ausgeschlossen, die nicht durch Abbildungen
erläutert sind.
Vorkommen. Im Grünsand am Lusberg, Königsthor, Preussberg und bei Vaals, allenthalben selten.
Es liegen im Ganzen 10 Exemplare vor.
Original vom Lusberg in der Sammlung der technischen Hochschule.
4. Turritella multilineata Mürr.
Taf. XV, Eie. 15); Taf. XVII Fig. 23.
?1S43. Turritella Hagenowiana Guor., Petr. Germ. Taf. 147 Fig. 5.
1851. ” multilineata Mürr., Mon. II, pag. 29. Taf. 5 Fig. 4 u. 6.
Spivawinkele.. er ee:
Die Schale ist thurmförmig, hat stark gewölbte Windungen, tiefe Nähte und eine aus zahlreichen
Spiralgürteln und feineren Zwischenkielen bestehende Skulptur. Die Basis ist flach, kantig begrenzt und
kräftig spiral gestreift.
Mit T. quadsieincta hat diese Form die Gestalt und Zunahme der Windungen gemeinsam, der
Unterschied besteht in der Anzahl der Spiralrippen, und in der flachen, spiral gestreiften Basis. Ob diese
Unterschiede zu einer Trennung hinreichen, kann zweifelhaft erscheinen. Indessen liegen mir von den
beiden genannten Formen bisher keine Uebergänge vor, was in der Seltenheit derselben begründet sein
mag. Ich führe daher die multilineata vorläufig als selbständige Art auf. In der Synonymik habe ich als
fraglich die 7. Hagenowiana Gupr. aufgeführt. Die citirte Abbildung der Petrefacta Germania stellt ein
Exemplar dar, welches offenbar verdrückt ist, da die Zunahme der Windungen unregelmässig ist. Wenn
dasselbe in der Ausbildung der Skulptur auch viel Uebereinstimmung mit 7. multilineata Mürr. zeigt, SO
lässt dasselbe aus dem angegebenen Grunde kein sicheres Urtheil über Gestalt und Grössenzunahme der
Windungen zu, ich kann daher die Haldemer Art nur fraglich als ident aufführen, und habe aus diesem
Grunde auch den Mürver’schen Namen wählen müssen.
Ob T. Hagenowiana bei MÜLLER die vorliegende oder eine andere Art ist, vermag ich nicht zu
sagen, da ich kein von MÜLLER etiquettirtes Stück sah, doch möchte ich wegen der Uebereinstimmung in
der Skulptur mit der 7. Hagenowiana Guor. glauben, dass MüLLer mit diesem Namen die vorliegende
Art meinte. \
Vorkommen. Selten im Grünsand von Vaals und am Lusberg. Es liegen 6 Exemplare vor.
Original von Vaals in der Sammlung der technischen Hochschule.
! Gosau-Gast. Taf. 1 Fig. 3.
16
d. Turritella sexlineata Rönm.
Taf. XVI Fig. 20 (?), 24—26.
1841. Turritella sexlineata Röm., Kreide, pag. 50. Taf. 11 Fig. 22.
1843. H sexcineta Guor., Petr. Germ. III, pag. 101. Taf. 197 Fig. 2.
1851. 5 sexcincta, quinquelineata, Reussiana, tenuilineata, gothica Mürr., Monogr. II, pag. 27 fi. Taf. 4 Fig. 2, 3,5, 5;
Taf. 6 Fig. 21.
1852. EN quwinqueeincta BiNKHORST, Gasterop. etc., pag. 29. Taf. 1 Fie. 2.
1837. 5 sexcineta FrecH, Z. d. D. Geol. Ges., pag. 184. Taf. 16 Fig. 14, 15.
Gewindewinkelens Seele 15
Gehäuse schlank thurmförmig, aus sehr vielen gleichmässig und sehr flach gewölbten Windungen
bestehend, die durch flache Nähte getrennt sind. Der Spirawinkel ist in der Jugend sehr klein, so dass die
Spitzen fast eylindrisch erscheinen. Dann nimmt der Winkel progressiv zu und erst spät ist derselbe con-
stant. Bei welcher Windung: dies eintritt, lässt sich nicht. sicher sagen, da kein Stück vorliegt, an welchem
die Spitze selbst vorhanden wäre. Jeder Umgang trägt in der Jugend drei gleich starke Spiralgürtel, im
Alter sind deren 6 vorhanden, welche mitunter durch die Anwachsstreifen, besonders bei ganz grossen
Stücken, gerauht, indessen nie gekörnt oder geknotet erscheinen (T. Reussiana Mürr.). Zwischen den
Hauptgürteln treten feine Spiralstreifen auf, und zwar in verschiedener Anzahl. Auf der Endwindung ist
noch ein weiterer kräftiger Randgürtel vorhanden. Die Basis ist flach, die Mundöffnung gerundet vierseitig,
die ziemlich dicke Innenlippe weit vorgezogen, die Aussenlippe tief ausgerandet, dementsprechend die An-
wachsstreifen bogenförmig verlaufen.
Es liest ein Bruchstück dieser Art vor, in dem sich in der Röhre in der vorletzten Windung ein
spirales horniges Operkel befindet, welches augenscheinlich dieser Art angehört (Fig. 24), da sich dasselbe
in normaler Stellung, die Röhre abschliessend, befindet. :
Das Hauptkennzeichen dieser Art ist der geringe Spirawinkel, die dadurch bedingte schlanke Gestalt
und die wenig gewölbten Windungen, durch welche sie sich im Wesentlichen von typischen Exemplaren der
T. quadrieineta unterscheidet. Von manchen Abänderungen der 7. nodosa unterscheidet sich 7. sexlineata
durch die gleichmässige Stärke und im Allgemeinen gleichmässige Vertheilung der Spiralgürtel, welche nur
geringen Schwankungen unterworfen sind.
Die Abbildung der 7. sexlineata bei RÖMER ist offenbar verzeichnet, indem die oberen Windungen
eine langsamere Breitenzunahme zeigen als die unteren, welche letzteren richtig gezeichnet sind. Die Ge-
stalt des Römer’schen Bruchstückes ist daher schlanker als die der vorliegenden Stücke, welche indessen
schlanker sind wie die Abbildung bei Gounpruss, welche einen Gewindewinkel von 22° aufweist. Trotzdem
sind wohl die 7. sexlineata Röm. und die T. sexeineta Guor. ident, wie dies MÜLLER und Brauns ! annehmen.
Die zahlreichen Mürver’schen Arten, welche oben in der Synonymik aufgeführt sind, unterscheiden
sich lediglich durch die Ausbildung der Spiralgürtel und der feinen Zwischenstreifen. Es sind das indessen
Charaktere, die eine specifische Trennung ausschliessen. 7. Reussiana sind die grössten Stücke mit kräftigen
Anwachsstreifen, durch welche die Spiralgürtel schwach und unregelmässig gerauht erscheinen. SrtorıczkA ?
! Salzbergmergel, pag. 352.
? Revision, pag. 8.
— Ol —
möchte dieselbe zu T. rigida Sow. ziehen, was indessen in Anbetracht der gleichmässigen Aussbildung der
Gürtel und des Fehlens eigentlicher Knoten nicht angeht. 7. qwinquelineata sind mittelgrosse Stücke, bei
denen der sechste Gürtel noch nicht entwickelt ist. 7. gothica sind Spitzen, bei denen der Uebergang der
fast eylindrischen Jugendform in die thurmförmige des alten Individuums zu sehen ist. Bereits Srovıczka !
vermuthet in derselben Jugendformen von 7. quwinquelineata Mvrı. (= sexlineata Rön.).
Stouıczka hält 7. diffieilis D’Ore.? für ident mit sexlineata. Beim Mangel an Vergleichsmaterial
und der Schwierigkeit, nach den offenbar verschönerten Abbildungen p’Orzıcsy’s ein Urtheil zu fällen, habe
ich diese Art nicht in die Synonymik aufgenommen, obwohl die Skulptur der p’Örgıeny’schen Figur,
sowie der 18° betragende Gewindewinkel gut passt. 7. diffieilis Zexzrı wird dagegen von STOLICZKA zU
T. multistriata Reuss gestellt, nachdem er sie früher zu 7. Hagenoviana, einer Haldemer Art, gebracht
hatte. Ueber diese Arten sind oben bei Besprechung der 7. gquadricineta GLDF. bereits Bemerkungen ge-
macht worden.
BinkHorst's T. quinguecineta schliesst sich am engsten an die grossen Exemplare der 7. sexlineata
an, die Münver als T. Reussiana beschrieb, besitzt indessen nur 5 Gürtel.
Vorkommen. ZT. sexlineata ist sehr häufig als Steinkern und Abdruck in einzelnen Parthien der
Grünsandstembänke am Lusberg, in denen namentlich grosse Exemplare vorkommen. Seltener an derselben
Fundstelle mit gut erhaltener Schale. Bei Vaals und am Königsthor ist die Art viel seltener.
Zur Untersuchung liegen an 50 Exemplare vor.
Originale in der Sammlung der technischen Hochschule.
Das Exemplar mit Operkel stammt vom Lusberg. Ob Fig. 20 auf Taf. XVI zu sexlineata gehört, ist
unsicher, da das Stück keinen progressiv steigenden Spirawinkel zeigt, wie das sonst die Jugendexemplare
und Spitzen der sexlineata thun. Vielleicht liest eine Spitze der maultilineata Mürr. vor, obschon die Um-
gänge nur sehr schwach gewölbt sind.
6. Turritella alternans Rorm.
Taf. XVI Fig. 1—8.
1541. Turritella alternans Rorn., Kreide, pag. 80. Taf. 11 Fig. 23.
1544. R Eichwaldiana Gupr., Petr. Germ. III, pag. 198. Taf. 197 Fig. 3.
1851. Mn Eichwaldiana, affinis und Omaliusi Mürr., Mon. II, pag. 20 und 21. Taf. 4 Fig. 10, 11, 12.
1853. ” Eichwaldiana ZEkELI, Gosau-Gast., pag. 23. Taf. 1 Fig. 2.
1861. n Omaliusi et ?nitudula Bısku., Gast., pag. 31 und 32. Taf. 1 Fig. 6, Taf. 5a Fig. 12.
1565. F Eichwaldiana StoL., Revis., pag. 9.
1867. > affinis StoL., Cret. Gast., pag. 219. Taf. 17 Fig. 17, 18.
Spirawin ke ee 323160
Diese ziemlich stark abändernde Art hat ein mässig schlankes, aus zahlreichen, schwach gewölbten
Umgängen bestehendes Gehäuse. Die Nähte sind flach. Die Skulptur varürt in den Einzelheiten beträchtlich,
hat aber immer den gleichen Gesammtcharakter. Als Normalform kann man diejenige betrachten, welche
1 Cret. Gast. pag. 224.
2 Pal. franc. II. Taf. 151 Fig. 19, 20.
Palaeontographica. Bd. XXXIV. 21
— . 12 —
Mürver als T. Omaliusi beschreibt. Jeder Umgang trägt zwei hohe und breite Spiralkiele, von denen die
Windung dachförmig zu den Nähten abfällt, und zwar zu der vorderen steiler als zur rückwärtigen. Zwischen
beiden liegt ein schwächerer, leistenförmiger Spiralreif. Namentlich mittelgrosse Stücke zeigen diese Normal-
skulptur am besten, welche auch in der Römer’schen Zeichnung unschwer zu erkennen ist. Häufig ist nun
der obere Kiel nicht scharf, sondern wulstig gerundet, und dann gewöhnlich breit, und mit zahlreichen
kräftigen Spirallinien bedeckt. Der mittlere Streifen ist dann oft zwischen die beiden Hauptkiele so einge-
zwänet, dass er beide berührt. Zuweilen ist derselbe zu einer kräftigen Linie redueirt, und manchmal
treten an Stelle des Reifes 2 oder 3 Spirallinien zwischen den Hauptkielen auf. Im Alter schiebt sich wohl
vor der vorderen Naht noch ein weiterer vierter, meist leistenförmiger Gürtel ein, es ist dies der vordere
Randkiel. der Windung, welcher oft von der folgenden Windung nicht bedeckt wird. Die Spitzen tragen
nur drei fast gleich starke Spiralstreifen, wie bei den übrigen Aachener Kreideturritellen, sie sind indessen
leicht an dem verhältnissmässig grossen Gewindewinkel zu erkennen. Die Anwachsstreifen machen einen
weiten und tiefen Bogen, sie sind flach und meist undeutlich, und nie erscheinen die Spiralstreifen durch
dieselben deutlich geknotet oder gekörnt. Die Basis ist flach, glatt, die Mündung gerundet vierseitig.
Es unterliegt keinem Zweifel, dass die drei von Mürter beschriebenen Arten ident sind, wie dies
bereits Srorıczka t vermuthete. Die Untersuchung zahlreicher Stücke ergab alle Uebergänge zwischen den
betreffenden Formen, und die Unmöglichkeit, dieselben in mehrere Arten zu trennen, es ist nur eine
Species, der der Römer’sche Namen 7. alternans zukommt. Sonderbarer Weise erkannte MÜLLER die Art
nicht, obwohl die Zeichnung bei Römer ganz charakteristisch ist.
Ob die von Zereuı als T. Eichwaldiana aufgeführte Form hierher gehört, ist nicht sicher, ich
habe keine Gosau-Exemplare vergleichen können, und die oben citirte Abbildung weicht durch die neben
dem Mittelreife liegenden scharf gekörnten Spirallinien, die an keinem der Aachener Stücke vorkommen,
beträchtlich ab. 7. Omaliusi Bınkm. stimmt gut mit den Aachener Stücken überein, dagegen zeigt
T. nitidula eine Abweichung in der Lage des Mittelreifes, doch dürfte auch diese Form zu alternans zu
rechnen sein.
Ich vermuthe, dass auch T. scalaris Mvın. zu alternans zu ziehen ist. Das Original MÜLLER’s
ist nicht mehr vorhanden, und mit seiner Zeichnung ganz übereinstimmende Stücke kenne ich nicht. Da-
gegen fand ich in den mergelig-thonigen Grünsanden des Gymnicher Loches und der Schafskul Skulpturen-
Steinkerne von Turritellen, welche mit 7. scalaris einige Aehnlichkeit haben, sich indessen ohne Zwang auf
T. alternans zurückführen lassen. |
Vorkommen. Nicht selten im Grünsand von Vaals, häufig in den Sandsteinbänken am Lusberg.
Seltener am Königsthor und im Aachener Wald.
Zur Untersuchung liegen an 50 Exemplare vor.
Originale in der Sammlung der technischen Hochschule.
! Cret. Gast., pag. 219.
? Monogr., pag. 30. Taf. 4 Fig. 13.
‘. Turritella Stoliezkai n. sp.
Taf. XV Fig. 22.
Spirawinkeler ee):
Das thurmförmige Gehäuse besitzt vollständig flache, dachförmige, durch kaum vertiefte Nähte ge-
trennte Umgänge, welche mehrere Spiralstreifen tragen, von denen 4 besonders hervortreten. Der hinterste,
unmittelbar vor der Naht gelegene ist gekörnt, ebenso die 2 mittleren, welche etwas hinter der Mitte der
Windung liegen und schwächer sind, wie die beiden anderen. Der vordere ist am höchsten, scharf und
glatt. Zwischen diesen 3 Reifen befinden sich noch mehrere feine Spirallinien.
Diese seltene Form kann mit keiner anderen der Aachener Turritellen in Verbindung gebracht
werden, da die Skulptur einen ganz abweichenden Charakter besitzt. Sie ähnelt am meisten der von
Srouiczrat als T. nerinea Röm. beschriebenen Form aus Südindien, namentlich dem auf Taf. XVI Fig. 15
abgebildeten Stücke. Die indische Art scheint indessen von der Kieslingswalder nerinea verschieden zu
sein, wenigstens nach den Abbildungen, welche Geixırz? und Römer® von derselben geben. Diese zeigen
vor der rückwärtigen Naht einen breiten gekörnten Spiralkiel, und vor demselben eine Anzahl feiner Linien,
von denen keine besonders hervortritt. Ob indess die Aachener Form mit der indischen übereinstimmt, er-
scheint auch zweifelhaft, da bei dieser sämmtliche kräftig hervortretenden Reife gekörnt sind.
Vorkommen. Sehr selten, bis jetzt nur in losen Grünsandblöcken im Aachener Wald bei Ron-
heide, von wo 2 Exemplare vorliegen.
Original in der Sammlung der technischen Hochschule.
%. Turritella excavata Mvr:.-
1859. Nerinea excavata Mürr., Suppl., pag. 24. Taf. 8 Fig. 8.
Mütter beschrieb als Nerinea excavata ein verdrücktes, aus 4 halben Umgängen bestehendes,
höchst mangelhaft als Skulpturen-Steinkern erhaltenes Bruchstück eines schlank thurmförmigen, turritellen-
artigen Gasteropoden, welches folgende Merkmale erkennen lässt. Die Gestalt ist sehr schlank, die Skulptur
der fast flachen Windungen besteht aus feinen und dichten Spirallinien, und zwei hinter der Mitte gelegenen
Kielen, von denen der rückwärtige der Naht unmittelbar anliegt. Auf der einen Windung sind daneben
feine Querrippchen bemerkbar.
Weshalb MüLLer diese Form zu Nerinea stellte, ist unverständlich, von einem Gattungsmerkmal
ist an dem einzig vorliegenden Müruter’schen Originalstück überhaupt nichts zu bemerken, und liegt
keinerlei Grund vor, dasselbe nicht zu Turritella zu stellen. Es hat manche Aehnlichkeit mit 7. nerinea Röm.,
welche indessen vor der Naht nur einen breiten, knotigen, leistenförmigen Kiel hat.
Vorkommen. Das einzige vorliegende Stück stammt aus den unteren Mucronaten-Schichten des
Schneeberges bei Vaals, (Backofensteine) und befindet sich in der Sammlung der technischen Hochschule.
Nach MÜLLER auch in gleichaltrigen Schichten bei Gülpen.
1 Cret. Gast., pag. 222. Taf. 16 Fig. 15; Taf. 19 Fig. 18, 19.
Kieslingswalde. Taf. 1 Fig. 16, 17.
3 Kreide. Taf. 11 Fig. 21.
o
21*
— la ZZ
8. ?!Turritella socialis Mvrr.
Taf. XV Fig. 14.
1851. Turritella socialis Müur., Monogr. II, pag. 30. Taf. 3 Fig. 9.
id. BosQuET, STOLIczKA etc.
Gehäuse klein, thurmförmig, aus 8—10 glatten, wenig bauchigen Umgängen zusammengesetzt.
Mündung gerundet vierseitig, einfach.
Diese von Münuer als T. socialis bezeichnete Art zeichnet sich eigentlich nur durch negative
Merkmale aus, sie besitzt überhaupt kein charakteristisches Kennzeichen. Ob dieselbe zu Turritella zu
stellen ist, kann zweifelhaft erscheinen, besonders wegen der ganz glatten Schalenoberfläche. Indess zeigt
sie ebensowenig Merkmale, welche auf eine andere Gattung hindeuteten.
Vorkommen. In einer Sandsteinschicht am Lusberg ungemein häufig, fast gesteinbildend, indessen
nur als Steinkern oder mit ganz zersetzter Schale. Nicht ganz selten mit verkieselter Schale im Grünsand
von Vaals, von wo 28 Exemplare untersucht wurden.
9. Turritella aquensis n. Sp.
Taf. XV Fig. 23.
Spiravwinkel no):
Gehäuse klein, niedrig thurmförmig, Umgänge flach, durch tiefe Nähte von einander getrennt, mit
mehreren, sehr kräftigen, nicht ganz gleichen, glatten Spiralrippen versehen. Die Basis ist flach, von einer
gerundeten Kante begrenzt, glatt, die Mündung gerundet vierseitig. Die Spitze ist nicht bekannt.
Diese kleine zierliche Art hat den Habitus derjenigen Formen, die SroLıczka in das Genus Arcotia
vereinigte. Es fehlt indessen der für diese Gattung charakteristische Nabel. Durch die fast kegelförmige
Gestalt, die sehr geringe Grösse und die ungewöhnlich kräftige Skulptur ist 7. aquensis leicht zu erkennen
und von allen anderen Arten leicht zu unterscheiden.
Vorkommen. Sehr selten im Grünsand von Vaals, von wo 2 Exemplare untersucht wurden.
Original in der Sammlung der technischen Hochschule.
Genus: Glauconia GIER.
Glauconia cf. Kefersteini Mxst. sp.
Taf. XV Fig. 12.
1544. Oeritnum Kefersteini Guor., Petr. Germ. III. Taf. 174 Fig. 11.
1551. Turritella Buchiana Mürt., Mon. I, pag. 33.
1865. Omphalia Kefersteini SroL., Revision, pag. 16.
Das Gehäuse ist thurmförmig, die Windungen sind schwach gewölbt, und tragen vor der Naht
einen breiten gerundeten Spiralwulst. Vor demselben ist die Windung breit eingeschnürt, und auf dem
vorderen Theile derselben befinden sich noch drei leistenförmige kräftige Spiralkiele, welche nahezu gleich
— 165 —
weit von einander entfernt sind. Die Anwachsstreifen machen einen doppelten Bogen. Mündung und Basis
sind nicht zu beobachten.
Es liegen nur zwei mangelhaft erhaltene Exemplare, sowie ein kleines Bruchstück vor. Das eine
der ersteren, in Brauneisenstein umgewandelt, bestimmte Müuver als Twrritella Buchiana GLpr., eine Form
aus cenomanen Schichten von Rüthen, die indess sicher specifisch verschieden ist, kaum eine Aehnlichkeit
besitzt. Weit mehr Aehnlichkeit hat die Form mit @Il. suffareinata bei GoLpruss. Nach StoLiczra ist
diese ident mit @l. Kefersteini und einigen anderen Gosau-Arten, für welche der Namen @I. Kefersteini
angewandt wird. Es ist dies nach Srouıczka eine überaus variable Art, nicht nur in der Anordnung der
Spiralkiele, sondern auch in der Gestalt des Gehäuses. Die vorliegenden Aachener Stücke scheinen eben-
falls in den Rahmen dieser Species zu gehören, wenigstens wenn man denselben so weit nimmt, wie dies
Srorıczka thut. Besseres Material kann indess erst Sicherheit verschaften.
Vorkommen. Zwei Stücke auf secundärer Lagerstätte im Aachener Wald, wahrscheinlich aus
Aachener Sand stammend. Das Bruchstück aus losen Grünsandblöcken bei Ronheide.
Original in der Sammlung der technischen Hochschule.
Familie: Scalariidae Chent.
Genus: Scalaria L.
In der Aachener Kreide kommen eine Reihe Gasteropoden vor, die auf den ersten Blick zu Scalaria
zu gehören scheinen. Nach einer genauen Untersuchung der Mündung sind indessen eine Reihe derselben
ausgeschieden, und oben als Mesostoma beschrieben worden. Zwei andere Arten, die Müruer ebenfalls als
Scalarien beschrieb, Se. macrostoma und Se. Philippii vechne ich zu Liotia. Dagegen liegt noch eine sehr
grosse Art vor, welche leider die Mündung nicht zeigt, so dass vorläufig nicht entschieden werden kann, ob
dieselbe wirklich eine echte Scalaria ist. Nach der ganzen Tracht der Schale ist es eine echte Scalaria,
aus der Gruppe der Se. decorata Röm. und der Sc. Dupiniana p’Ore., die in der Kreide sehr verbreitet ist.
1. Scalaria cf. decorata A. Rorm. sp.
Taf. XIX Fie. 1.
cf. 1841. Melania decorata Rön., Kreide, pag. 83. Taf. 12 Fig. 11. s
Spirawinkeler a en DAT
Das ansehnliche, thurmförmige Gehäuse besteht aus zahlreichen, convexen Windungen, von denen
jede 16—18 hohe gerundete Querrippen trägt, welche von kräftigen Spirallinien, und zwar 6—8 auf jedem
Umgang, geschnitten werden. Zwischen diesen befinden sich je 7—8 sehr feine Zwischenlinien. Die Basis
ist flach, mit kräftigem Randkiel und feinen wellenförmigen Spirallinien. Die Mündung ist anscheinend
kreisrund, indessen an keinem der vorliegenden Stücke vollständig erhalten.
Se. decorata Röm. wird von einer Anzahl von Localitäten beschrieben und abgebildet, indessen
weisen die betreffenden Zeichnungen und Beschreibungen bemerkenswerthe Unterschiede von einander auf,
—. 160
so dass mir die Bestimmung der betreffenden Fossilien unsicher zu sein scheint. Die Unterschiede liegen
wesentlich in der Grösse des Spirawinkels und in der Anordnung der Spiralskulptur.
Römer t selbst giebt die Quadratenschichten von Osterfeld und den Pläner von Strehlen als Fundort
an, seine Zeichnung stimmt indessen nicht genau mit seiner Beschreibung überein. Erstere giebt zahlreiche
gleich starke Spirallinien an, die Beschreibung sagt: „auf jedem Umgang zählt man ungefähr 40 ungleiche
Querlinien, von denen 10 viel dicker sind wie die übrigen.“ Gemırz? giebt dann später eine bessere Ab-
bildung der Strehlener Form, dieselbe hat einen Spirawinkel von 32°, was mit der Zeichnung bei RÖMER
übereinstimmt, die Spirallinien sind in der Regel alternirend, stärker und schwächer. Aus der Zeichnung
von Turrilites undulatus Reuss°, welche nach GEmımz und FrrrscHh* zu Sc. decorata gehört, ist nichts zu
machen. Die Zeichnung, welche Frırsch giebt, zeigt einen Spirawinkel von 28°, und zwischen 2 stärkeren
je 4—5 feinere Zwischenlinien. In der Abbildung bei E. Favar’, welche einen Spirawinkel von 31° an-
giebt, sind die Spirallinien undeutlich, die Beschreibung sagt: dass von denselben „de distance a distance“
eine schärfer hervortrete. Favre zieht zu dieser Art auch den Fusus costato-striatus Gupr.® von Haldem,
und zwar auf Grund eines Vergleiches von Haldemer Stücken. Gonpruss sagt nur, seine Art sei „fein und
unregelmässig quer gestreift“.
Die Aachener Form unterscheidet sich von allen den aufgeführten Vorkommnissen am auffälligsten
durch den kleineren Spirawinkel von 24° Bezüglich der Skulptur kommt sie der von Frırsch und
A. Römer beschriebenen Form am nächsten. Leider stand mir ein ausreichendes Vergleichsmaterial von
den verschiedenen Fundpunkten nicht zu Gebote, so dass ich nicht in der Lage bin, eine Identität unserer
Form mit den übrigen aufgeführten Vorkommen, sowie eine solche dieser unter einander festzustellen.
Die Beziehungen der Aachener senonen Form zu der gaultinen Se. Dupiniana v’Orz. sind sehr
nahe. Diese hat einen Spirawinkel von 23—25° und alternirende Spirallinien. E. Favre (l. c.) vergleicht
beide Formen eingehender. Es muss indessen bemerkt werden, dass die verschiedenen Vorkommnisse,
die als Se. decorata Röm. aufgeführt werden, entschieden mehr Unterschiede von einander zeigen, als die
von FavrE hervorgehobenen, zwischen Se. dupiniana D’OrRB. und Sc. decorata GLpr. bestehenden, und weisen
auch die Abbildungen, welche J. S. GArDNER® von der gaultinen Form giebt, viele Uebereinstimmung mit
der Aachener Form auf. Jedenfalls bestehen sehr nahe Beziehungen zwischen den beiden Formen, die
indessen erst durch einen Vergleich von Originalstücken der verschiedenen Vorkommnisse klar gestellt
werden können.
Vorkommen. Sehr selten in den Grünsandbänken am Lusberg, von wo sich 2 Exemplare in der
Sammlung des städtischen Museums befinden. Von den sonstigen Fundorten ist mir diese Aı$ nicht be-
kannt geworden.
1 Kreide, pag. 82. Taf. 12 Fig. 11.
? Elbthalgeb. II, pag. 162. Taf. 29 Fig. 4.
3 Kreide I, pag. 24. Taf. 7 Fig. 8, 9.
* Iserschichten, pag. 105. Fig. 41.
5 Lemberg, pag. 45. Taf. 8 Fig. 8, 9.
$ Petr. Germ. III. Taf. 171 Fig. 18.
7 Pal. france. II. Taf. 154 Fig. 10.
® Geol. Magaz. 1876. Taf. 4 Fig. 5.
2. Scalaria Brancoi n. sp.
Taf. XIX Fig. 3.
Das einzige vorliegende Exemplar zeigt 6 gewölbte Windungen, wobei die Spitze fehlt. Die Basis
ist schwach gewölbt, die Mündung: kreisförmig, mit zusammenhängenden einfachen Rändern. Die Skulptur
besteht aus S—10 breiten, gerundeten, aber niedrigen Querrippen, und einigen wenigen alternirenden
Spirallinien.
Die Art ist eine echte Scalaria, wie der Bau der Mündung zeigt, sie zeigt indess zu keiner anderen
Art der Kreide nähere Beziehungen. Auffällige Aehnlichkeit dagegen besitzt die eocäne Sc. crassa Desn.1,
welche abgesehen von ihrer beträchtlicheren Grösse kaum zu unterscheiden ist, nur eine etwas schlankere
Form und eine mehr ovale, d. h. höhere Mundöffnung zeigt.
Familie: Solariidae Chext.
Genus: Discchelix Dun.
Discohelix simplex n. sp.
Taf. XIX Fig. 2.
Das ziemlich solide, glatte Gehäuse besteht aus 6 Umgängen, die fast in einer Ebene liegen, und
nur ein ganz schwach erhöhtes Gewinde bilden. Die Endwindung hat zwei scharfe Kiele, zwischen denen
die Schale concav ist. Der Nabel ist sehr weit, und entsprechend der tellerförmigen Gestalt des Gehäuses
wenig vertieft, sein Rand ist glatt. Die Mündung ist vierseitig, die Aussenlippe scharf.
Von den meisten Discohelix-Arten unterscheidet sich D. simplex durch eine etwas grössere Ver-
schiedenheit der Ober- und Unterseite, und nähert sich dadurch der Gattung Solarium. Das sehr niedrige
Gewinde, sowie der ungekerbte Nabelrand lassen es indessen zweckmässiger erscheinen, die Art zu Dis-
cohelix zu stellen.
Familie: Neritidae Grar.
Genus: Nerita Liv.
Nerita pygmaea n. sp.
Taf. XVII Fig. 10.
Das kleine zierliche Gehäuse besteht aus 3 Umgängen, die ein sehr wenig erhabenes Gewinde
bilden, welches seitwärts gerückt ist. Die Nähte sind ziemlich tief. Die Skulptur besteht aus kräftigen
Querrippen, welche sich etwas vor der Naht an einer stumpfen Kante gabelig verästeln. Vor dieser Kante
befinden sich Spiralstreifen, welche nahezu dieselbe Stärke haben wie die Querrippen, und mit diesen eine
zierliche Knotenskulptur bilden. Solcher Spirallinien sind S—10 vorhanden. Die Mündung ist halbkreis-
! Animaux sans vertebres II. Taf. 12 Fig. 13.
— 108 —
förmig, die Aussenlippe dünn, einfach, die Innenlippe springt ziemlich weit vor, ist schwach verdickt, und
grob gezähnt.
Am nächsten verwandt mit dieser Art ist N. parvula BıskH.?, bei der indessen die Querrippen
auf dem oberen Theile der Windung viel weniger deutlich sind, die Kante, an der sich die Rippen theilen,
ist schärfer und liegt weiter vorn, und endlich beginnt bei der Mastrichter Form die Spiralstreifung näher
an der Naht. Aehnlich ist auch N. rugosa Hönmer.?® Ein Vergleich mit dieser Art ist indessen erschwert
durch die bedeutenden Grössenunterschiede. Ein Jugendexemplar von N. rugosa ist mir nicht bekannt und
auch Abbildungen von solchen kenne ich nicht. Ausgewachsene Stücke zeigen nur eine undeutliche Spiral-
streifung und nicht so regelmässig dichotomirende Querrippen.
Vorkommen. Sehr selten im Grünsand von Vaals, von wo nur ein Exemplar vorliegt, welches
sich in der Sammlung der technischen Hochschule befindet. Zwei Exemplare mit zerstörter Innenschicht
aus den losen Grünsanden an der Lütticher Landstrasse in der Sammlung des Herrn J. Beisser.
Genus: Damesia nov. gen.
Mürver beschrieb als Orepidula cretacea* ein eigenthümliches Fossil, und begründete diese Gat-
tungsbestimmung durch das Vorhandensein einer vom Vorderrand der Schale in die Mündung vorspringenden
Platte. Bereits Pıcrer? macht auf die Unwahrscheinlichkeit dieser Bestimmung aufmerksam, ihm erscheint
nach der Zeichnung bei Mütter das fragliche Fossil älles andere eher zu sein, als eine Orepidula, vielleicht
eine Chama oder Neritopsis. Auch Stonıczra® erklärt Müruer’s Orepidula für ein Problematikum, welches mög-
licherweise zu Chama oder Gryphaea, wegen der concaven Innenlippe dagegen nicht zu Neritopsis gehören könne.
Die Untersuchung von 10 wohl erhaltenen Stücken zeigte, dass allerdings von einer Zugehörigkeit
zu Orepidula keine Rede sein kann, dass das Fossil vielmehr wahrscheinlich in die Familie der Neritidae
gehört. In der Form des Gewindes schliesst es sich eng an Platyceras an, dagegen ist die Mündung ganz
abweichend gestaltet, indem die Innenlippe nach aussen umgeschlagen und verdickt ist, so dass sie wenig-
stens im Alter den Nabel bis auf eine schmale Ritze verdeckt. Eine derartig gestaltete Mündung kommt
indessen bei keinem Capuliden vor, passt dagegen in die Familie der Neritidae, wo ähnliche Formen,
namentlich unter den Süsswasserbewohnern sich finden, wie bei Neritella HumpHr. und namentlich Dostia
Gray, während die Form und Skulptur der Schale besser zu den marinen Nerita-Arten passt. -Es ist daher
eine neue Gattung vorgeschlagen, Damesia, deren Diagnose sein würde:
Gewinde kurz, wenig vorragend, stark seitwärts gerückt, Oberfläche grob spiral gestreift, Mündung
gerundet, Aussenlippe scharf, glatt, Innenlippe mehr oder weniger breit umgeschlagen, den anfangs
weiten Nabel im Alter verdeckend.
Ueber ein anderweitiges Vorkommen der Gattung ist mir nichts bekannt.
t Die Abbildung ist ganz ungenau, es wird später eine richtige Zeichnung folgen.
? Gasterop. etc. Taf. 4 Fig. 1.
3 ibid. Taf. 3 Fig. 15.
* Mon. II, pag. 51.
5 Ste. Croix III, pag. 641.
6 Cret. Gast., pag. 317.
1. Damesia ceretacea Mürr. sp.
Taf. XVIIL Fig. 1.
1851. Orepidula eretacea Mürr., Mon. II, pag. 51. Taf. 6 Fig. 12.
1551. Capulus Troscheli Mürr., ibid., pag. 50. Taf. 6 Fig. 11.
Gehäuse bauchig, dünnschalig, mit kleinem, stark seitwärts gerücktem, fast in einer Ebene liegen-
dem Gewinde. Schlusswindung sehr gross, gleichmässig gewölbt. Oberfläche mit breiten niedrigen, nicht
scharf begrenzten Spiralstreifen, welche nach der Mündung zu manchmal undeutlich werden. Anwachs-
streifen im Allgemeinen kräftig. Mündung fast kreisförmig, Aussenlippe dünn. Innenlippe breit umge-
schlagen, und den Nabel bis auf eine schmale Ritze verengend.
Capulus Troscheliı Mvur. ist ein ausgewachsenes Exemplar, dem das Gewinde fehlt, und welches
theilweise als Steinkern erhalten ist. Der breite Rand oben an der Basis ist der Abdruck der concaven
Innenlippe.
Vorkommen. Selten im Grünsand von Vaals und am Königsthor. Es liegen 10 Exemplare vor.
Originale von Vaals im städtischen Museum.
2. Damesia Decheni n. sp.
Taf. XVII Fig. 2; Taf. XXI Fig. 11.
1851. ? Capulus militaris Mürr., Mon. II, pag. 50. Taf. 6 Fig. 9.
Gehäuse ziemlich dickschalig, mit stark seitwärts liegendem Gewinde, welches etwas grösser ist,
wie das der vorigen Art, mit der diese bezüglich ihrer Skulptur ganz übereinstimmt. Die Mündung ist
halbkreisförmig, die Aussenlippe scharf, die Innenlippe geradlinig. Im ausgewachsenen Zustande legt sich
von oben beginnend eine breite Schwiele auf die Innenlippe, und verdeckt zuletzt den anfangs sehr weiten,
rauhen, kantig begrenzten Nabel (Taf. XVII Fig. 2c) vollständig (Taf. XXI Fig. 11).
Vielleicht ist Capulus militaris Mürz. der Steinkern dieser Art. Demselben fehlt das Gewinde, auch
liegt der Abdruck des einzigen mir bekannten Exemplars nicht vor, so dass vorläufig hierüber nichts zu sagen ist.
Die Unterschiede gegen die vorige Art ergeben sich unmittelbar aus dem Vergleich der Abbildungen.
Vorkommen. Sehr selten im Grünsand von Vaals, von wo drei Exemplare untersucht wurden,
davon eines in der Sammlung der technischen Hochschule (Taf. XXI Fig. 11), die beiden anderen in
Herrn Beısser’s Sammlung.
Familie: Trochidae DÖRR.
Genus: Turbo Lin.
Turbo retifer J. Börn.
Taf. XVIL Fig. 1-4.
1851. Turbo paludiniformis Mürr., Mon. II, pag. 44. Taf. 5 Fie. 10.
1885. „ retifer J. Böun, Grünsand, pag. 36.
Palaeontographica. Bd. XXXIV. 22
—., 110,
Das in der Jugend kreiselförmige, später etwas mehr kegelförmige Gehäuse besteht aus 7 Um-
gängen, die ziemlich gewölbt, und dufch tiefe Nähte getrennt sind. Die Skulptur besteht aus zahlreichen
kräftigen und dicht stehenden Spirallinien, die von schräg nach rückwärts laufenden Querleisten geschnitten
werden, wodurch eine zierliche Gitterskulptur entsteht. Die Basis ist mässig gewölbt, ungenabelt, die
Mündung weit, ihre Ränder nicht zusammenhängend. Die Innenlippe ist vorn ein wenig umgeschlagen.
MÜLLER identifieirte diese zierliche Art mit 7. paludiniformis w’ArcH. aus der Tourtia!, was
J. Bömm mit Recht zurückweist, da diese Art eine ganz abweichend gestaltete Mündung besitzt, und auch
in ihrer Skulptur verschieden ist.
J. BınkHorst bildet eine ganze Reihe von Turbo-Arten (die Gattung im weiteren Sinne genommen)
ab, welche manche Uebereinstimmung mit unserer Grünsandform zeigen, von denen indessen keine genau
stimmt. Es ist dabei indessen zu bemerken, dass von einer Reihe der Mastrichter Formen nur ein einziger
Steinkern und Abdruck vorlag, nach welchem die prächtigen Zeichnungen mit vollständiger Mündung und
Nabel angefertigt wurden, so dass olme Kenntniss des Öriginalstückes nicht zu sagen ist, wie viel von der
Zeichnung ergänzt ist. Der Skulptur nach stimmt am besten 7. granulato-clathratus B., indessen scheint
diese Art genabelt zu sein. Die übrigen Arten bei BınkHorsr werden meist mit zusammenhängenden
Mundrändern gezeichnet, sind daher, wenn die Zeichnungen richtig sind, verschieden.
Die Aachener Form variirt in Bezug auf die Details der Skulptur, namentlich sind in der Jugend
die Rippen relativ kräftiger, wie im Alter, wie dies aus einem Vergleich der Fig. 1c, welche ein altes und
Fig. 4c, welche ein junges Individuum darstellt, zu ersehen ist. Aber auch sonst sind noch Unterschiede
in der Stärke der Querleisten vielfach vorhanden, welche indessen bei der sonstigen Uebereinstimmung keine
Trennung in verschiedene Species veranlassen können.
Vorkommen. Allenthalben im Grünsand häufig.
Untersucht wurden über 50 Exemplare.
Originale in der Sammlung der technischen Hochschule.
Genus: Liotia Gray.
Liotia macrostoma Mvrr. sp.
Taf. XVII Fig. 3—7.
1551. Scalaria macrostoma Müur., Mon. II, pag. S. Taf. 3 Fig. 7.
1851. Philippi Mörr., ibid. II, pag. S. (non Reuss!)
1385. Liotia macrostoma J. Böhm, Grünsand, pag. 57.
Gehäuse klein, kegelförmig, aus 6—7 Umgängen bestehend, die stark gewölbt, im Querschnitt kreis-
förmig sind, und durch sehr tiefe Nähte von einander getrennt werden. Jeder derselben trägt 10—16
schmale aber hohe Querrippen und 4—6 hohe und scharfe Spiralleisten; auf den Durchschnittspunkten
stehen gerundete Knoten. Die Basis ist gewölbt, auf derselben setzen die Querrippen, schmäler werdend,
bis an den Rand des engen aber tiefen Nabels fort; 3—5 Spiralleistchen sind ebenfalls auf der Basis vor-
1 Mem. Soc. geol. Fr. 1847. pag. 340. Taf. 23 Fig. 10.
— lm —
handen. Die Mündung ist kreisrund, mit zusammenhängenden Rändern. Im Alter ist ein breiter, glatter,
die Mündung rings umgebender Wulst vorhanden, in dessen Ausbildung aber mannigfache Verschiedenheiten
zu beobachten sind. Es finden sich nämlich grosse Exemplare (Fig. 5) ohne Wulst, neben kleineren mit
einem solchen, obwohl in der Regel die grösseren Individuen auch den kräftigeren Wulst haben. Auch
in der Berippung, besonders der Basis sind Unterschiede geringer Art zu bemerken. Alles dies konnte in-
dessen zu einer Trennung keine Veranlassung sein, ebenso wenig wie kleine Differenzen in der Grössen-
zunahme der Umgänge, da vollständig in allen Stücken übereinstimmende Exemplare nur höchst selten vor-
kommen. Es ist daher auch Scalaria macrostoma Mörr. und Scalaria Philippi Mvrr. vereinigt worden.
Fig. 6 und 7 stellen die von Mürner unter dem letzteren Namen verstandene Form dar, welche von der
böhmischen Scalaria Philippii Reuss ! verschieden scheint, welche ungenabelt ist, eine viel weitere Mündung,
eine sehr steile Basis und feine Spirallinien hat.
Dr Ryexnuornt? erwähnt Scalaria Philippii aus angeblich senonen Thonen von Vise. Da eine Ab-
bildung dieser Art nicht vorliegt, so habe ich kein Urtheil über dieselbe. Ueber das angegebene Alter
derselben sind indessen Zweifel erlaubt, da wahrscheinlich die Thone tertiären Alters sind (cf. pag. 38).
MÜLLER beschrieb diese zierliche Art als Scalaria, während Bosaurr und J. BöHm dieselbe zu
Liotia stellen, letzterer wegen des kräftig entwickelten Mundsaumes und des Nabels. Da beide Eigen-
schaften bei typischen Scalarien gar nicht selten sind, wie bei den recenten Scalaria communis und Scalarıu
pretiosa, und andrerseits auch der Erhaltungsweise wegen nicht festgestellt werden kann, ob eine innere
Perlmutterschicht vorhanden war oder nicht, so kann man zweifelhaft sein, zu welcher Gattung man die
Form bringen soll. Die eocänen L. fimbriata Desu. und L. Grevillei Dese. haben in der Gestalt mit
unserer Art manche Aehnlichkeit, und namentlich der Umstand, dass manchmal, namentlich bei jungen
Exemplaren, die Innenlippe hinten umgeschlagen ist, und den Nabel theilweise bedeckt, bestimmte mich,
die Art als Ziotia aufzuführen.
Vorkommen. Nicht selten im Grünsand von Vaals, von wo 35 Exemplare untersucht wurden.
Originale in der Sammlung der technischen Hochschule.
Genus: Margarita Leacn.
Margarita radiatula Fore. sp.
Taf. XVII Fig. 79.
1846. Trochus radiatulus Fore., Geo]. soc. trans. VII, pag. 120. Taf. 13 Fig. 11.
1851. Turbo glaber Mütr., Mon. II, pag. 43. Tat. 5 Fig. 6.
1851. ,„ _ cyelostomoides Mütr., ibid., pag. 43.
1867. Sollariella radiatula SroL., Cret. Gast., pag. 375. Taf. 26 Fig. 17—19; Taf. 28 Fig. 8, 9.
1885. 5 glabra Mürr., J. Böum, Grünsand, pag. 58.
Gehäuse kreiselförmig, aus 5—6 stark gewölbten, vor der Naht ein wenig niedergedrückten Um-
gängen bestehend, welche eine sehr feine, meist undeutliche Spiralstreifung zeigen. Die Basis ist gewölbt,
1 Kreide II, pag. 114. Taf. 44 Fig. 14.
? Melanges paleontologiques II, pag. 187.
der Nabel ziemlich weit, mit kantigem, gekerbtem Rand. Die Mündung ist oval, mit zusammenhängenden
Rändern, die Innenlippe ist vorn etwas verdickt und umgeschlagen, an dem Nabelrand schwach winklig
ausgebuchtet.
Bezüglich der Höhe des Gewindes sind- einige Verschiedenheiten bemerkbar, doch sind die Schwan-
kungen nicht so gross, wie sie STOLICZKA von dem indischen Vorkommen angibt. Nur selten finden sich bei
Aachen Stücke, deren Gewindewinkel 82° beträgt, es sind dies Formen, die MÜLLER als Turbo eyelostomoides
bestimmte. Wenn auch durch diese geringere Veränderlichkeit ein kleiner Unterschied gegen die indische
Form vorhanden ist, so bin ich doch, im Gegensatz zu J. Bönm, mit Storıczka einverstanden, der beide
Vorkommnisse zu derselben Species rechnet, zumal die Form der Mündung beider übereinstimmt, da dieselbe
auch bei der Aachener Form neben dem Nabel ausgebuchtet ist, nicht einfach rund, wie J. BöHu angiebt.
Vorkommen. Ziemlich häufig im Grünsand an allen Fundorten, nur in den mergeligen Grün-
sanden des Preussberges selten.
Zur Untersuchung liegen etwa 50 Exemplare vor.
Originale von Vaals in der Sammlung der technischen Hochschule
Genus: Eutrochus An».
1. Eutrochus quadricinetus Mvrr. sp.
Taf. XIX ‚Fig. 4—7.
1851. Turbo quwadrieinetus Mürr., Mon. II, pag. 43. Taf. 5- Fig. 8.
1551. »„ Walfredini Mürr., ibid. pag. 43. (non D’Arcnıac!)
1551. » quwinquecinetus Mürr., ibid. pag. 43. Taf. 5 Fig. 8.
18551. ,„ coneinnus Mürr., ibid. pag. 43. (non Rön.!)
Das kegelförmige, mehr oder weniger schlanke Gehäuse besteht aus 6—7 dachförmig flachen Um-
gängen, die durch breite und tiefe Nähte getrennt sind. Die Skulptur besteht aus 4 oder 5 kräftigen und
hohen Spiralleisten, zwischen denen sich feine Zwischenlinien befinden, von denen ab und zu die eine kräf-
tiger werden kann. Sowohl die Hauptkiele als die Zwischenlinien erscheinen durch kräftige, etwas schräg nach
rückwärts verlaufende Querlinien scharf und deutlich gekörnt. Die Basis ist flach gewölbt, von 1 oder 2
gekörnten Spirallinien begrenzt, und mit zahlreichen feinen körnigen Spirallinien verziert. Die Mündung
ist gerundet vierseitig, die Aussenlippe scharf, die Innenlippe gerade, ihrer ganzen Länge nach umgeschlagen.
Diese Art ändert in Bezug auf die Gestalt und Skulptur beträchtlich ab. Es finden sich Stücke
mit einem Gewindewinkel von 38° neben solchen von 55°, zwischen diesen Extremen sind indessen die
mannigfachsten Uebergänge vorhanden, ebenso wie zwischen den Extremen in der Ausbildung der Skulptur,
bei der sich die Veränderlichkeit besonders in der Stärke und Dichte der Querstreifung äussert. Alle diese
Unterschiede konnten indessen eine Trennung in mehrere Arten nicht veranlassen, zumal nur selten zwei
vollständig übereinstimmende Exemplare gefunden werden. Es mussten daher Zurbo quadricinetus Mürr.
und Turbo quinguecinctus Mürr. vereinigt werden, von denen die erstere Form die niedrigen Exemplare mit
4 Spiralkielen auf den früheren Umgängen, die letztere die schlanken mit 5 Kielen begreift. Es kommen
indessen auch niedrige Formen mit 5, und schlanke mit 4 Kielen vor. Die drei abgebildeten Exemplare
erläutern diese Veränderlichkeit bereits genügend.
Die Steinkerne bestimmte Müsser als Turbo Walfredini v’Arcn. und Turbo concinnus Rom.
Erstere Art aus der Tourtia von Tournay hat eine ganz andere Mündung, namentlich bezüglich der Innen-
lippe, und Turbo coneinnus von Strehlen hat mit der Art von Aachen kaum mehr gemein, als etwa eine
ähnliche Zunahme der Windungen. MüLtLEer führt ferner Tr. Basteroti Guor. von Aachen an. Ich bin
nicht klar darüber, welche Form er hiemit meint, möchte indessen glauben, dass er mit diesem Namen die
relativ grossen Exemplare der vorliegenden Art gemeint hat, welche in den mergeligen Grünsanden des
Preussberges häufig vorkommen.
Vorkommen. Ziemlich selten im Grünsand von Vaals mit verkieselter Schale, von wo 25 Exem-
plare untersucht wurden. Nicht selten in den Sandsteinen des Grünsandes bei Aachen, namentlich am Lus-
berg und Königsthor, vielfach nur als Steinkern und Abdruck erhalten. Häufig als Skulpturensteinkern
in grossen Exemplaren im Gymnicher Loch und der Schafskul am Preussberg.
Originale von Vaals und Lusberg in der Sammlung der technischen Hochschule.
2. Eutrochus sealatus n. sp.
Taf. XVII Fie. 6.
Das kleine, thurmförmige Gehäuse besteht aus 7—8 dachförmigen Umgängen, welche durch tiefe
Nähte getrennt sind; in ihrem vorderen Viertel tragen sie einen hohen Kiel, so dass das Gewinde treppen-
artig abgestuft erscheint. Hinter diesem Kiel trägt die Oberfläche 5 schwach gekörnte Spiralstreifen von
ziemlicher Stärke. Die Basis ist flach gewölbt, deutlich genabelt, die Mündung gerundet vierseitig. Die
Innenlippe etwas umgeschlagen. |
Vorkommen. Sehr selten im Grünsand von Vaals, von wo 2 Exemplare sich in der Sammlung
der technischen Hochschule befinden.
Genus: Teinostoma AD.
Teinostoma sp.
Es liegt mir ein defectes, daher nicht vollständig definivbares Exemplar einer Teinostoma-Art aus
dem Vaalser Grünsand vor, welches ein gleichmässig und flach convexes Gewinde, und eine flach concave
Basis zeigt, auf welcher sich in der Nabelgegend eine dünne Schwiele ausbreitet. Ein grosser Theil der
letzten Windung ist weggebrochen, so dass ich über die Form der Mündung keine Angaben machen kann.
Das betreffende Stück befindet sich in der Sammlung der technischen Hochschule.
Genus: Trochus L.
Während die im Vorhergehenden besprochenen Formen aus der Familie der Trochidae eine genauere
generische Bestimmung zuliessen, bin ich bei den folgenden drei Arten zweifelhaft, zu welcher Gattung die-
selben zu stellen sind. Da sie zu keiner genau passen, führe ich sie unter der allgemeinen Gattungs-
bezeichnung Trochus Lısx& auf.
A —
1. Trochus Ryckholti Mvrr. sp.
Taf. XIX Fig. 7, ©.
1851. Cerithium Ryckholti Mürr., Mon. II, pag. 49. Taf. 5 Fig. 9. 5
Gehäuse kegelförmig, aus 6—7 dachförmigen, in der Mitte etwas concaven Windungen bestehend,
mit flachen Nähten. Oberfläche spiral gestreift. Auf der vorderen Hälfte der Umeänge stehen kräftige
gerundete Querwülste, über welche die Spiralstreifen hinweggehen, und welche an der vorderen Naht am
häufigsten sind. Die Basis ist nahezu flach, spiral gestreift, ungenabelt. Die Mundöffnung ist trapezförmig,
die Aussenlippe scharf, die Imnenlippe gerade, vorn nicht abgestutzt, sondern im Gegentheil etwas verlängert,
so dass eine Art von Ausguss vorhanden ist.
Diese eigenthümliche Art wurde von Mütter als Cerithium beschrieben, indessen ist ein Kanal
nicht vorhanden, und auch die sonstigen Merkmale sind so wenig Cerithium-artig, dass, wie ich glaube, diese
Gattung nicht in Betracht kommen kann. Die Gestalt des Gehäuses ist Trochus-artig, und erinnert an
Tureica- Arten, namentlich ‘die cenomanen Tureica tritorguata DE RyckH. Indessen ist die Mündung ab-
weichend gebildet, und namentlich die Innenlippe viel länger und ohne Falten oder Zähne. Aus diesen
Gründen habe ich die Art unter der ziemlich vagen Bezeichnung Trochus aufgeführt. Vielleicht empfiehlt
es sich für dieselbe ein selbständiges Genus aufzustellen.
Vorkommen. Nicht selten in den Sandsteinen des Grünsandes am Lusberg und Königsthor, meist
als Steinkern erhalten, und oft von ansehnlicher Grösse. Selten bei Vaals, wo meistens kleine Stücke vor-
kamen, die wenigen grossen Exemplare von dort, sind meist mit Bryozoen und Serpulen bewachsen.
Zur Untersuchung liegen ein Dutzend Exemplare vor.
Originale von Vaals und vom Königsthor in der Sammlung der technischen Hochschule.
2. Trochus Mülleri n. sp.
Taf. XIX Fig. 9.
Das ziemlich dickschalige, Margarita-artige, glatte Gehäuse besteht aus 4 stark gewölbten Um-
gängen, welche durch tiefe Nähte getrennt sind. Die Basis ist gewölbt, ungenabelt, die Mündung rundlich,
mit zusammenhängenden Rändern. Die Innenlippe ist gerade, etwas verdickt, mit 5 kräftigen Zähnen. Die
Aussenlippe ist abgebrochen, so dass über deren Beschaffenheit nichts angegeben werden kann.
Vielleicht gehört diese Art zu Thalotia Gray, worauf namentlich die gezähnte Innenlippe deutet.
Indess ist das Material zu unvollkommen, um eine sichere generische Bestimmung zuzulassen.
Vorkommen. Ein einzelnes verkieseltes Exemplar aus den Knollenlagen des Aachener Sandes
am Salvatorberg, im städtischen Museum.
3. Trochus gemmeus Mvrr. sp.
Taf. XVII Fig. 5.
1851. Turbo gemmeus Mütr., Suppl., pag. 27. Taf. 5 Fig. 12.
id. Bosquer etc.
In den oberen geschichteten Parthien der Mucronatenmergel ohne Feuerstein findet sich nicht selten
ein kleiner, Trochus-artiger Gasteropode, den MÜLLER als Turbo gemmeus bestimmte und beschrieb, der in-
dessen stets als Skulpturensteinkern erhalten und stets verdrückt ist. Ein verhältnissmässig wenig ver-
drücktes Stück ist Taf. NVII Fig. 5 abgebildet, welches erkennen lässt, dass die Gestalt des Gehäuses mehr
kegel- wie kreiselförmig ist. Die Basis ist flach, genabelt, die Oberfläche mit fein gekörnten Spiralstreifen
verziert. Die Mündung konnte des Erhaltungszustandes wegen nicht beobachtet werden.
Origimal in Herrn Beissen’s Sammlung.
Familie: Pleurotomariidae.
Genus: Pleurotomaria D’ORE.
Die Pleurotomarien der oberen Kreide gehören zu den Fossilien, deren Bestimmung sehr schwierig
ist, da der Erhaltungszustand an den weitaus meisten Fundorten recht viel zu wünschen übrig lässt, und
ausserdem die Arten sehr veränderlich zu sein scheinen. Es ist aus diesen Gründen auch die Verwirrung
in der Literatur keine geringe. Ich bin leider nicht in der Lage, etwas zur Hebung dieser Verwirrung bei-
tragen zu können, da bei Aachen die Pleurotomarien zu den seltenen Fossilien gehören, und bezüglich ihres
Erhaltungszustandes nichts vor anderen Fundorten voraus haben. Bei Vaals und in den Sandsteinbänken
des Grünsandes haben sich Arten dieser Gattung bisher nicht gefunden, sondern nur in den Kreidemergeln
und den thonigen Grünsanden des Preussberges. Die nur in geringer Anzahl vorliegenden Exemplare sind
ausnahmslos als mehr oder weniger verdrückte Skulpturensteinkerne erhalten, und daher in einem für die
Bestimmung ungünstigen Zustande. Bei der grossen Unsicherheit in der Begrenzung der Arten verzichte
ich daher auf eine kritische Erörterung derselben und beschränke mich darauf, die vorkommenden Formen
mit den Abbildungen bei GorLpruss und ROEMER zu vergleichen.
1. Pleurotomaria subgigantea n’Orr.
Aus den unteren Mucronatenmergeln des Schneeberges liegen 3 Formen vor, von denen die eine
mit der Pl. gigantea bei GLor.t übereinstimmt. Diese Art von GouLpruss soll nach D’OrBIGNY ?, Pıcrer?®
und anderen von der Pl. gigantea Sow.* aus dem Lower Greensand verschieden sein, und muss daher den
ihr von D’ÖRBIGNY gegebenen Namen tragen, falls sie nicht mit der von A. RoEmER? als Trochus regalis
beschriebenen Form ident ist. Ein mit dieser, durch Rosmzr von Lemförde und Ilsenburg aufgeführten
Form, übereinstimmendes Exemplar liegt in Herrn Beıssern’s Sammlung, ebenfalls aus den Vaalser Mucronaten-
mergeln stammend. Goupruss beschrieb seine Pl. gigantea von Aachen, indessen ist nicht ersichtlich aus
welchen Schichten, wahrscheinlich stammt das Original aus den Mucronatenmergeln. i
! Petrefacta Germaniae III. Taf. 157 Fis. 6.
? Prodrome II, pag. 236.
3 Ste. Croix III, page. 433 ft.
* Bei Fırrox, pag. 131.
5 Kreide. Taf. 12 Fig. 6.
— 116 —
2. Pleurotomaria plana GLopr.
Taf. XX Fig. 5.
Gorprvuss, Petrefacta Germaniae, pag. 72. Taf. 187 Fig. 4. -
Gorpruss beschrieb aus den oberen Mucronatenschichten von Haldem und Lemförde eine ganze
Anzahl von Pleurotomaria-Arten, die mancherlei Aehnlichkeit mit einander zeigen, und deren Identität
Pıcrsr vermuthet. Es sind dies Pl. distincta, velata, granulifera, plana und disticha.
Es liegt ein Exemplar einer Pleurotomaria aus Vaalser Mucronatenschichten in der Sammlung der
technischen Hochschule, welches mit der von GoLpruss gegebenen Zeichnung von Pl. plana vollständig
stimmt. Ich belege dasselbe daher mit diesem Namen, ohne über die Berechtigung der Art ein Urtheil
fällen zu wollen, ebenso wenig wie über die Beziehungen zu anderen Vorkommnissen, von denen einige
grosse Aehnlichkeit zeigen, so die von Geinırz als Pl. linearis abgebildete Art von Strehlen ‘.
3. Pleurotomaria cf. distineta GLor. (non DUJARDIN).
Taf. XX Fig. 6.
Gorpruss, Petrefacta Germaniae III, pag. 71. Taf. 187 Fig. L
Einige Exemplare einer Pleurotomaria aus den thonigen Grünsanden des Preussberges scheinen am
meisten übereinzustimmen mit der von Goupruss als Pl. distincta beschriebenen Art, welche er mit Cörrus
perspeetivus Mant. und Trochus linearis Mar. vereinigt, und von Haldem, Koesfeld, Lemförde und Strehlen
anführt. Die Zeichnung bei GoLpruss ist indessen nach Prerer? nicht die Pl. distineta Dvs., und GEmITZ?
hält dafür, dass der Strehlener Form der Name Pl. linearis Maxt. zukomme, und dass sie ident sei mit
Pl. distincta, velata und granulifera Gupr. von Haldem. Auch über diese Frage habe ich kein sicheres
Urtheil mangels ausreichenden Vergleichsmaterials, und beschränke ich mich auf den Vergleich mit der
distincta GLDF.
Das Original ist in Herrn Beısser’s Sammlung.
Genus: Emarginula Lam.
Emarginula sp.
Taf. XVII Fig. 11.
Schale hoch, mützenförmig, Wirbel anscheinend aufgebläht, nicht sehr weit nach hinten liegend.
Oberfläche fein radial gestreift. Schlitz sehr weit.
Es liegt nur ein recht mässig als Skulpturensteinkern erhaltenes Exemplar aus den unteren Mucro-
natenschichten von Vaals vor, welches keine genügende Charakterisirung der Art gestattet, besonders da
die Begrenzung des Spaltes nicht genau zu sehen ist. Dasselbe befindet sich in Herrn Beısser’s Sammlung.
1 Elbthalgeb. II. Taf. 29 Fig. 10.
? Ste. Croix, pag. 456.
® Elbthalgeb. I, pag. 165.
B. Scaphopoda. x
Genus: Entalis Gray.
1. Entalis Geinitzii J. BöHn.
Taf. XX Eis, 11.
1851. Dentalium glabrum Mürr., Monoesraphie II, pag. 5.
1885. Fustiaria Geinitzü J. Böus, Grünsand, pag. 34. Taf. 1 Fig. 7.
Die schwach gebogene, etwas spindelförmige Schale hat einen kreisrunden Querschnitt und eine vollständig
glatte Oberfläche. Auf der convexen Seite befindet sich ein kurzer, 2—3 mm langer, ziemlich breiter Schlitz.
Mürter vereinigte die Art mit Dentalium glabrum Geın., welches dieser Autor von verschiedenen
Fundorten und aus verschiedenen Schichten vom Cenoman! bis zum Senon? anführt. Auch nach DrESCHER
kommt Dentalium glabrum? in cenomanen und senonen Schichten vor. Es scheint als ob überhaupt jede
nicht skulpturirte Dentalide einfach als Dentalium glabrum bestimmt würde, zumal die bildlichen Dar-
stellungen bei GEıisırz erheblich von einander differiren, wie dies J. Börm zutreffend hervorhebt. Ein der-
artiger Name wie Dentalium glabrum hat weder eine palaeontologische noch eine geologische Bedeutung,
wenn er auf alle glatten Kreide-Dentaliden angewandt wird. Ich stimme daher mit BöHm überein, dass die
gut definirbare Aachener Art von dem vorläufig undefinirbaren Dentalium glabrum zu trennen ist, von dem
noch nicht einmal die generische Stellung feststeht.
J. Bömu stellte die Art zu Fustiaria Stor.*, welche Gattung für solche Formen aufgestellt wurde,
welche einen langen und sehr schmalen Schlitz haben. Abgesehen davon, dass die Länge des Schlitzes
meiner Ansicht nach ein besonderes Genus nicht genügend charakterisirt, und daher die Gattung Fustiaria
kaum Anspruch auf Selbständigkeit hat, so dass sie sogar von MEER zurückgewiesen wird’, besitzt auch
die vorliegende Form dieses Merkmal nicht, sondern sie hat nur einen kurzen, 2—5 mm langen, dabei
ziemlich weiten Schlitz, und muss daher zu Entalis gestellt werden, wie dies auch S. GARDNER® für nahe
verwandte Formen thut.
Die Beziehung unserer Art zu den übrigen aus der Kreide beschriebenen sicheren Entalis-Arten,
die allein einen Vergleich erlauben, erkannte J. Börm vollständig richtig. E. parvula Stor.” hat den
Schlitz auf der linken Seite der Schale, und E. Meyeri GArDNeEr hat einen ovalen oder elliptischen Quer-
schnitt und einen längeren Spalt.
Vorkommen. Nicht ganz selten im Grünsand, sowohl bei Vaals, als an den verschiedenen Fund-
punkten bei Aachen, selten indessen mit erhaltener Spitze. Es liegen einige 20 Exemplare vor.
Original von Vaals in der Sammlung der technischen Hochschule.
! Charakteristik, pag. 74. Taf. 15 Fig. 28. Von Tyssa.
? Kieslingswalde. Taf. 1 Fig. 27.
° Zeitschr. d. D. Geol. Ges. 1363. pag. 340.
% Cret. Gast., pag. 459.
5 Ann. Rep. U. S. geol. Surv. 1876. pag. 268.
6 Quat. Journ. 1878. pag. 62. Taf. 5
? Cret. Gast., pag. 445. Taf. 27 Fie. 22.
Palaeontographica. Bd. XXXIV.
w
>
2. Entalis Gardneri n. sp.
Taf. XX Fig. 10.
Das ziemlich flach gebogene, etwas spindelförmige Gehäuse hat einen kreisförmigen Querschnitt, und
eine vollkommen elatte Oberfläche. Der Schlitz auf der convexen Seite ist sehr schmal mund sehr lang,
1, —!/; der Gesammtlänge einnehmend.
Von E. Geinitzii unterscheidet sich diese Art am auffälligsten durch den sehr langen und engen
Spalt, dann aber auch noch durch etwas stärkere Krümmung und stärkere Verjüngung nach der Spitze hin,
so dass auch Stücke, die den Schlitz nicht zeigen, unterscheidbar sind. Durch die Ausbildung des Spaltes
unterscheidet sich E. Gardneri auch von den anderen, bei der vorigen Art erwähnten sicheren Entalis-
Arten der Kreide.
Vorkommen. Ziemlich selten im Grünsand. von Vaals, von wo etwa ein Dutzend Stücke unter-
sucht wurden.
Original in der Sammlung der technischen Hochschule.
Genus: Dentalium Liv.
Zu dieser Gattung stelle ich vorläufig eine Dentalide, die mir nur in defeeten Exemplaren
vorliegt, welche die Spitze nicht zeigen, so dass nicht entschieden werden kann, ob ein Spalt vor-
handen ist oder nicht. Es ist dies
Dentalium alternans Mir:.
Taf. XX Fie. 7, 8.
1851. Dentalium alterınans Mürr., Monographie II, page. 5.
1552. Y > pE RrcknoL1, Mel. pal. I, pag. 71. Taf. 2 Fig. 45, 46.
Das Gehäuse ist diekschalig, schwach gebogen, mit kräftigen scharfen Längsrippen verziert, zwischen
denen im Alter sich feinere Zwischenrippen einschieben, so dass in der Regel zwischen je zwei hohen eine
schwächere Rippe liegt. Doch kommen auch Abweichungen vor, indem namentlich bei grossen Exemplaren
stärkere und feinere Rippen mit einander in unregelmässiger Weise wechseln. Wenigstens betrachte ich
das Fig. 9 abgebildete Bruchstück als das eines solchen grösseren Exemplares von D. alternans, obwohl
nicht ausgeschlossen erscheint, dass dasselbe einer selbständigen Art angehört, worüber indessen erst
besseres Material Aufschluss geben kann.
Wahrscheinlich ist die Art, welche px Ryck#our unter dem gleichen Namen beschreibt, ident mit
der von MÜLLtER aufgestellten. DE RyckH#our wahrt in einer Notiz seine Priorität als Autor des Namens
D. alternans, den er bereits 1847 gegeben habe. Da der betreffende Theil der „Melanges paleontolo-
giques“ indess erst 1852 veröffentlicht wurde, MÜLLER aber seine Art bereits 1851 publicirte, so ist diese
Wahrung hinfällig. und muss die Art D. alternans Münr. heissen.
—. re —
Vorkommen. Selten im Grünsand von Vaals und Aachen, sowie in losen Grünsandblöcken des
Aachener Waldes.
Zur Untersuchung liegen 8 defecte Stücke vor.
Originale von Vaals und Ronheide in der Sammlung der technischen Hochschule.
Genus: Gadila Gray.
Gadila aquensis n. sp.
Taf. XX Fig. 8.
Das kleine, ziemlich schwach gebogene Gehäuse ist deutlich spindelförmig, die grösste Breite liegt
etwas hinter der Mündung. Der Querschnitt ist kreisförmig, die Oberfläche glatt. Die Ränder der hinteren
sehr feinen Oeffnung sind ganz.
Der ganze Habitus dieser kleinen Form erinnert sehr an den gekrümmter Lageniden, namentlich
an Dentalina, es ist indessen keinerlei Kammerung vorhanden. Durch ihre Gestalt weicht sie von den
echten Dentalium- oder Entalis-Arten ab, und schliesst sich den recenten und jungtertiären Gadila-Arten
an, zu welcher Gattung ich dieselbe daher auch stelle.
Vorkommen. Selten im Grünsand von Vaals, von wo 6 Exemplare vorliegen, die indessen ziem-
lich roh verkieselt sind.
Orieinale in der Sammlung der technischen Hochschule.
Mürver beschrieb noch aus der Aachener Kreide D. cidanis, D. elliptieum und D. rugosum. Diese
letztere Art ist indessen sicher kein Dentalium, sondern die Röhre einer Gastrochaena (?), von der freilich
die Schalen noch nie beobachtet wurden, obschon das Fossil sehr häufig ist. Was Münver unter D. ellöptieum
verstand, vermag ich nicht anzugeben, ebensowenig welche Art er mit D. cidaris bezeichnet. In der
Mürver’schen Sammlung lag unter der Etiquette Dentalium eidaris Geis. ein Stück Hornstein aus den
oberen Mucronatenschichten, welche den Abdruck des vorderen Endes eines Cidaris-Stachels enthielt.
Genus: Pyrgopolon Moxtr.
Beim Ausschlämmen der unteren Mucronatenmergel vom Friedrichsberg fand ich eine Anzahl kleiner
Röhren, die zu Pyrgopolon gehören, ob indessen zu P. Mosae wage ich vorläufig nicht zu entscheiden. Die
Gattung Pyrgopolon hat eine unsichere systematische Stellung, v. Zırren reiht sie fraglich den Dentaliden
an, und lässt der Möglichkeit Raum, dass dieselbe zu den Serpuliden gehöre. Ich glaube, dass dieses
letztere der Fall ist, vornehmlich des Erhaltungszustandes wegen, in der sich die betreffenden Röhren finden.
Sie sind nämlich sowohl bei Mastricht als auch in den Mucronatenschichten von Aachen stets mit Schale
erhalten, und stimmen dadurch mit den übrigen Serpulen überein, wogegen in den gleichen Schichten die
Mollusken mit Arragonitschale, also auch die echten Dentalien stets als Steinkern und Abdruck erhalten
Handbuch II, pag. 172.
— 180° —
sind. Nur die kalkspathschaligen Monomyarier zeigen noch ihre ursprüngliche Schale. Es geht daraus
hervor, dass die Schale von ‚Pyrgopolon ursprünglich substantiel von der der übrigen Gasterpoden, und also
auch der Dentalien verschieden war, und daher auch einer andern Gruppe angehört. Dasselbe ist der
Fall mit spiralen Röhren, die in der Form genau übereinstimmen mit der Gattung Zubulostium SToL.
Auch diese finden sich nicht selten in den Mergeln des Friedrichsberges, und zwar stets mit erhaltener
Schale; dieselben gehören daher wohl auch eher zu den Serpuliden als zu den Gasteropoden.
(Schluss folgt.)
Beiträge zur Kenntniss der fossilen Radiolarien
aus Gesteinen der Kreide
von
Dr. Rüst m Hannover.
Mit Tafel NXII—XXIX.
Wenn ich in meiner Arbeit über die fossilen Radiolarien aus Gesteinen des Jura (Palaeontographica
Bd. XXXI) auf die Armuth der Kreide an Radiolarien aufmerksam machen zu müssen glaubte, so beruhte
diese Ansicht auf einem Irrthum, welcher durch ungenügende Kenntniss der Gesteine der unteren Kreide-
schichten verursacht war. Die Herstellung und Untersuchung von ein paar tausend Präparaten aus Kreide-
gesteinen hat nun die Thatsache ergeben, dass sich in der Kreide ebenfalls eine grosse Anzahl fossiler
Radiolarien finden lässt, dass jedoch die Vertheilung derselben eine wesentlich andere ist in den beiden
Schichten. Während im Jura die ältesten und jüngsten Etagen im Vergleich mit den mittleren ungleich
reicher an Radiolarien sind, erscheinen in der Kreide die ältesten Etagen als die reichsten, und es nimmt
das Vorkommen derselben von unten nach oben rasch ab. Sehr reich sind eigentlich nur Neocom und
Gault. Ausser den von v. Zıtten im Kreidemergel von Haldem bei Osnabrück und Vordorf bei Braunschweig
aufgefundenen 6 Arten wurden im Cenoman nur noch wenige Arten und in wenigen Exemplaren beobachtet,
während in den Feuersteinen des Senon und Turon sich ausser Bruchstücken nur zwei Arten nach-
weisen liessen.
Als das an Radiolarien reichste Gestein erwies sich ein rother Hornsteinkalk aus dem Neocom,
oder der Aptychus-Schicht, vom Katzenberg im Trauchgebirge, welcher so mit Radiolarien angefüllt ist, dass
er ähnlich wie manche Jaspisse aus dem Tithon einen wahren verkieselten Radiolarien-Schlamm_ darstellt.
Ob dieses Gestein zur untersten Kreide oder zur obersten Etage des Weissen Jura zu stellen sein wird,
ist zur Zeit noch nicht entschieden.
Nicht ganz so reich erschien ein hellgrauer, sehr dichter, kieseliger Kalk des Neocom von Garde-
nazza, über der St. Cassian-Bildung gelagert, mit vielen grossen, noch unbestimmten Ammoniten. Das
Gestein enthält sehr viele und zum Theil gut erhaltene Radiolarien, deren Schalen leider nur in wenigen
Fällen schwarz gefärbt und dann sehr kenntlich sind. Es ist, wie auch die Ausfüllungsmasse der Am-
moniten, zumeist gleichmässig hellgrau und hin und wieder von feinen dunklen Adern und Schmitzen durch-
zogen. Während nun in den helleren Parthien die Radiolarien mehr einzeln liegen, bestehen die dunkleren
ganz aus eng aneinander gelagerten Radiolarien-Schalen.
Palaeontographica, Bd. NXXIV.
[80]
so
x
— . 182 —
Aus dem Gault wurde die grösste und vorzüglichste Ausbeute an Radiolarien gewonnen, und zwar
aus Koprolithen des Gault von Zilli bei Wasserleben in der Provinz Sachsen, von Oker und Goslar in der
Provinz Hannover, von Braussroute in den Basses Alpes und von Escragnolles. Sodann wurden Radiolarien
nachgewiesen in der Ausfüllungsmasse der Wohnkammer und der grösseren Umgänge einiger Ammoniten
des Gault, und zwar bei:
Ammonites latidorsatus Micha. von Zilli und Escragnolles.
5 inflatus Mıc#. von Zilli.
nn Beudanti Brocn. von Zilli und Oker.
n Milletianus D’Orp. von Braussroute.
N regularis Brug. von Braussroute.
Es stimmte diese Ausfüllungsmasse sowohl chemisch wie mikroskopisch mit der Masse der Kopro-
lithen derselben Fundorte überein. Ganz abweichend 'hievon verhielt sich das Nebengestein und die Aus-
füllungsmasse eines Orioceras Diwali Liv. aus den Alpen, von welchem leider eine genauere Angabe des
Fundortes nicht zu erlangen war, und der wahrscheinlich dem oberen Neocom entstammt. Dasselbe, ein
klastisches Gestein, besteht aus kleinen, meist eckigen Körnern verschiedener Mineralien, Quarz, Feldspath,
Kalkspath, Glimmer, Glaukonit und anderen unbestimmten Mineralien, zwischen denen Spongien, Foramini-
feren, Crinoiden und Radiolarien liegen. Es war dieses Vorkommen um so auffallender, als es der einzige
Fall war, in welchem Radiolarien in der Art gemischter Gesellschaft angetroffen wurden.
Da im Obigen wieder, wie auch in der Arbeit über die Jura-Radiolarien, für die meist Phosphoriten
genannten Vorkommnisse der Ausdruck Koprolithen gewählt wurde, erscheint es nothwendig, den Beweis
für die excrementelle Natur dieser Bildungen anzutreten, zumal da diese Bezeichnung scheinbar im Wider-
spruche mit der Ansicht einiger Autoritäten steht. So erklärt H. B. Gemrrz in seiner Arbeit über die
sogenannten Koprolithenlager von Helmstedt, Büddenstedt und Schleweke bei Harzburg (in den Abhandlungen
der naturwissenschaftlichen Gesellschaft Isis in Dresden 1883), dass ihm unter allen untersuchten Phosphat-
knollen kein einziger wirklicher Koprolith vorgekommen sei, dass es sich bei diesen Phosphoriten nur um
Concretionen handle. GEinırz hat hierin meiner Meinung nach vollkommen recht. Er giebt bei allen von
ihm untersuchten Phosphoriten das Vorhandensein von Sand an, oder bezeichnet dieselben als mehr oder
weniger feinkörnigen eisenschüssigen Sandstein, welcher durch leberbraunes Kalkeisenphosphat verkittet sei.
Dieses Verhalten zeigen nun sowohl die von mir untersuchten Phosphoriten von Adenstedt bei Ilsede, von
Bülten, Vechelde und Büddenstedt, sämmtlich aus dem Jura stammend, als auch die aus der Kreide stam-
menden Phosphoriten von Zilli bei Wasserleben und Oker bei Goslar in der grösseren Anzahl aller Stücke.
Dazwischen finden sich jedoch in nahezu ebenso grosser Menge, und besonders häufig bei Adenstedt und
bei Zilli, meist rundliche oder längliche, mehr oder weniger abgeschliffene, auf der Oberfläche glatte, oft
dunkle bis schwarze Phosphorite, welche keine Spur von Sand enthalten. Dieselben sind ziemlich fest und
zähe, lassen sich mit der Diamantsäge in feine Platten zerschneiden, und werden im Dünnschliffe gut
durchsichtig. Da die chemische Analyse derselben mit der in den Jura-Radiolarien aufgeführten Analyse
der Koprolithen von Ilsede oder Adenstedt fast vollständig übereinstimmt, setze ich dieselbe nicht wieder
her. In Betreff ihrer chemischen Zusammensetzung unterscheiden sich diese Körper, welche ich für Ex-
cremente halte, von den sandhaltigen Coneretionen wesentlich durch den viel geringeren Gehalt an in Salz-
säure unlöslichen Bestandteilen, hauptsächlich an Kieselsäure. Während bei den Concretionen dieser Gehalt
zwischen 34 bis 42 Procent schwankt, war bei den Koprolithen ein Gehalt von 6 Procent Kieselsäure das
Höchste, was beobachtet wurde. Durch die mikroskopische Untersuchung fand dieses Verhalten seine Er-
klärung. In der meist hellbraunen Kalkphosphatmasse liegen zwischen zahllosen Spongien-Nadeln und
Skelet-Elementen in grosser Anzahl Radiolarien-Schalen und deren Bruchstücke eingebettet, sodann weniger
häufig Kieselschalen von Infusorien, der Dietyocysta angehörig, Tintinnoiden, einzelne Diatomeen, Pflanzen-
theilchen und viele grössere und kleinere Pflanzensporen. Da die Letzteren nicht verkieselt sind, so dürfte
auf ihre Rechnung ein erheblicher Theil des Glühverlustes in der Analyse zu setzen sein. Die Menge
dieser organischen Bestandtheile wechselt sehr. Nur in wenigen Präparaten fehlen die Radiolarien ganz.
Die Spongienreste fehlen jedoch nie. Die mikroskopische Untersuchung von Schliffen der sandhaltigen,
schon oben als Concretionen bezeichneten, Phosphoriten zeigte zwischen Quarz- und Glaukonit-Körnchen
dieselbe braune Kalkphosphatmasse und in derselben den Detritus der Spongienreste, hin und wieder auch
noch wohlerhaltene Spongien-Nadeln und Skelet-Elemente, jedoch nie ein erhaltenes Radiolar, dagegen
nicht selten Foramimiferen und Pflanzensporen. Die Vergleichung dieser mikroskopischen Befunde, ohne
welche eine Unterscheidung der Koprolithen von den Concretionen nur schwer möglich sein wird, erweckt
den Anschein, als müssten die Concretionen aus der zertrümmerten Koprolithenmasse unter Zumischung von
Sand und Glaukonit nachträglich wieder zusammengebacken sein. Die Entstehung derselben kann recht
wohl auf diese Weise vor sich gegangen sein; für einen Theil der Concretionen erscheint es mir aber wahr-
scheinlicher, dass der Vorgang ein anderer gewesen ist. Bei der Tiefsee-Erforschung durch den Challenger
sind in Menge rundliche und länglich-ceylindrische, mehr oder minder feste Kalkphosphatknollen vom Grunde
des Meeres heraufbefördert, welche, wie mir einer der Leiter der Challenger-Expedition, Herr Dr. Joun Murray,
versicherte, die grösste Aehnlichkeit mit den ihm vorgelegten Phosphoriten des Jura sowohl, wie mit denen
der Kreide hätten. Murray glaubt nun, dass diese Phosphoriten aus den Excrementen der Seethiere, ver-
mischt mit Schlamm und Meeresabsatz durch gelegentliche Rollung auf dem Grunde entstanden seien.
Diese Ansicht wird durch eine Beobachtung bestätigt, welche man an flachen sandigen Küsten oft zu
machen Gelegenheit findet. Betrachtet man die vom Meere ausgeworfenen nicht organischen Körper, so
fällt auf, dass die meisten rundlich, cylindrisch oder rundlich-scheibenförmig sind. Unter den weicheren
Körpern dieser Art findet man besonders Braunkohle, Seetorf, Mergel und graublaue bis schwarze Thone.
Diese letzteren, welche zerbrochen ausserordentlich übelriechend sind, halte ich für ein Analogon der von
Murray beobachteten Kalkphosphatknollen, jedoch in verhältnissmässig frischem Zustande. Vergegenwärtigt
man sich nun eine andere Beobachtung, welche man in emem gut mit Wasserpflanzen versehenen und mit
Limnaeus und Planorbis besetzten Süsswasser-Aquarium machen kann, nämlich die, dass auf dem ruhigen
Grunde die langeylindrischen Excremente der Schnecken oft mehrere Monate ihre Form behalten, und so in
die sich absetzende Sedimentschicht eingebettet werden, so kann man sich unschwer ein Bild von der
Bildungsweise der Koprolithen auf dem Meeresgrunde machen, wo einerseits in grösseren Tiefen die er-
forderliche Ruhe war, andererseits die Menge des Absatzes eine sehr grosse sein musste. Nach dieser An-
nahme ist auch die ausserordentliche Menge der Koprolithen und ihre Anhäufung an einzelnen Orten zu
erklären, wenn man das massenhafte Auftreten von Sauriern und Fischen an manchen Punkten erwägt.
Zugleich fällt Licht auf die auffallende Thatsache des häufigen Vorkommens von Ammoniten in und zwischen
den Koprolithen, und des Ausgefülltseins dieser Ammoniten mit Koprolithenmasse. Gezısırz führt in seiner
— re
oben eitirten Arbeit über die aus dem Lias und Braunen Jura stammenden Phosphoriten acht Ammoniten-
Species auf, von welchen vier dem Lias und vier dem Braunen Jura angehören. Aus den Koprolithen des
Gault habe ich oben fünf Ammoniten des Gault angegeben.
Nimmt man an, was wohl kaum noch zweifelhaft sein kann, dass der grössere Theil der Radiolarien,
wie auch der Ammoniten Tiefseebewohner waren, so ist das Hineingerathen der Ammoniten-Schalen in die
auf dem Meeresgrunde angesammelte Koprolithen-Masse leicht zu erklären, ohne dass man für alle Fälle
ein Gefressensein der Ammoniten mit Radiolarien in ihren Därmen durch grössere Thiere zu supponiren
nöthig hätte. Schwieriger zu deuten bleibt aber das ausserordentlich massenhafte Auftreten von Spongien-
Nadeln der verschiedensten Formen in den Koprolithen, welches in dieser Weise auch in den an Spongien-
resten reichsten Gesteinen nie beobachtet wurde, und das darauf hinzudeuten scheint, dass die Erzeuger
der Koprolithen vorzugsweise von Spongien gelebt hätten,
Wenn nun die sandfreien Phosphoriten hier als wahre Koprolithen, oder genauer ausgedrückt, als
Excremente, welche noch in ihrer ursprünglichen Zusammensetzung geblieben sind, betrachtet werden, so
findet diese Auffassung durch ein sehr häufiges Vorkommniss in den Koprolithen-Schliffen eine weitere Be-
stätigung. In einer grossen Anzahl dieser Schliffe sieht man regelmässig ovale Körper, von der Form der
Mäuse-Excremente, welche, wenn der Schnitt die längere Achse senkrecht traf, kreisrund, bei schräg ver-
laufender Schnittfläche in den dazwischen liegenden Formen erscheinen, in die Grundmasse eingebettet.
Dieselben haben nie eine eigentliche Hülle, sind nie doppelt contourirt, heben sich aber durch eine deut-
liche Grenze von der umgebenden Masse ab. Bald ist die Letztere dunkler gefärbt, und sie erscheinen als
hellere Ovale, bald liegen sie selbst dunkler gefärbt in hellerer Umgebung. In manchen Schliffen liegen
sie haufenweise zusammen, und mitunter besteht fast das ganze Präparat mit sehr geringer Zwischenmasse
nur aus diesen Körpern, in anderen sind sie einzeln oder zu einigen wenigen vertheilt. Die Substanz der-
selben ist ganz die gleiche, wie diejenige der Koprolithen, und ist nur dadurch unterschieden, dass in ihr
Radiolarien-Schalen, Spongien-Nadeln und fast alle übrigen organischen Reste der Koprolithen in mehr oder
weniger feiner Zertrümmerung angesammelt sind. Sie bilden oft ein dichtes Haufwerk, welches durch eine
schmale lichtere Grenzzone von der Umgebung getrennt wird. Die Grösse dieser Körper beträgt: Länge
0,446 bis 0,56, Breite 0,256 bis 0,53 mm, und ist geringen Schwankungen unterworfen, jedoch nur in der
Weise, dass die in einem Präparate haufenweise zusammenliegenden Körper von gleicher Erhaltung stets
von der gleichen Grösse sind. Obwohl nun diese Körper mitunter auch in einem Zustande beginnender
Verflüssigung vorkommen, dann mehr oder minder verdrückt erscheinen, und sogar in einander verflossen
sind, lassen sie sich doch leicht von den meist viel grösseren geodenartigen Zusammenballungen unter-
scheiden. Schon ihre constante Grösse würde dieselben von den Geoden und oolithischen Bildungen, welche
nie eine derartige Uebereinstimmung in Form und Grösse zeigen, vollständig unterscheiden. Ausserdem
fehlen aber auch jegliche Spuren einer concentrisch-schaligen Bildung, welche beim Oolith und Pisolith
stets vorhanden sind.
Dass diese Körper schon ein festeres Gefüge, gewissermassen eine grössere Concentration be-
sassen, als sie in die flüssigere Zwischenmasse gelangten, geht daraus hervor, dass in einigen dieser Prä-
parate in den Zwischenräumen eine stattgehabte Bewegung der Masse sichtbar ist. Die Masse zeigt hin
und wieder etwas, wie eine Art Fluidalstruktur, dergestalt, dass die länglichen Partikelchen, besonders die
Spongien-Nadeln und abgebrochenen Radiolarien-Stacheln, orientirt, d. h. mit ihren Längsachsen in derselben
Richtung gelagert erscheinen. Sie scheinen aber den durchtretenden ovalen Körpern ausgewichen zu sein,
und haben sich um dieselben gelagert.
Die Deutung dieser Körper, deren organischer Ursprung nach allem Obigen unzweifelhaft ist, kann
nun eine doppelte sein. Zunächst könnte man sie als Koprolithen in den Koprolithen betrachten, welche noch
inner-, oder schon ausserhalb der Eingeweide ihrer Erzeuger, als ausgebildete Excremente, in die Därme
der grösseren Thiere gerathen seien. Da es jedoch sehr auffallend erscheint, dass die Nahrung dieser
grösseren Thiere völlig mit derjenigen der sehr kleinen Erzeuger der ovalen Körperchen übereingestimmt
habe, so dürfte eine andere Annahme, nach welcher es sich um Ausgüsse oder Abdrücke von Darmfollikeln
der grösseren Thiere, Saurier oder Fische, handle, wohl mehr Wahrscheinlichkeit haben. Die Körperchen
machen den Eindruck, als beständen sie aus verdichtetem grossentheils verdauetem Speisebrei, welchem in
den Follikeln durch Auslaugung und nachherige Compression die Nährstoffe entzogen sind, und der dann
nach Annahme der Form der Follikel ausgestossen, und wieder in den Darm gelangt sei.
Auf Taf. XXIX ist das Bild einer Gruppe dieser Körper aus einem Koprolithen des Gault von
Zilli bei Wasserleben wiedergegeben.
Es sei hier noch bemerkt, dass diese Körper in gleicher Häufigkeit und Beschaffenheit sowohl in
den Koprolithen aus dem Jura, als in denen aus der Kreide beobachtet wurden. Im Uebrigen sind zwischen
Kreide- und Jura-Koprolithen im mikroskopischen Verhalten so erhebliche Unterschiede vorhanden, dass
ihre Unterscheidung fast stets keine Schwierigkeiten bietet. Zunächst treten in den Koprolithen der Kreide
eine Reihe neuer in den Koprolithen und Gesteinen des Jura nie beobachteter Radiolarien-Formen auf.
Sodann ist es besonders das Erscheinen des Glaukonits, welches eine Unterscheidung ermöglicht. Während
in den in Kreideschichten abgelagerten, aber aus dem Jura stammenden Koprolithen nur hin und wieder
einmal auf Kluftflächen etwas Glaukonit auftritt, findet sich derselbe im Innern der Kreide-Koprolithen sehr
häufig, und zwar so, dass nicht nur sämmtliche Spongien-Nadeln und Skelet-Elemente, sondern auch die
Schalen der Radiolarien in Glaukonit umgewandelt sind. Dieselben erscheinen dann schön grün, eine
Färbung, welche in Jura-Koprolithen nie beobachtet wurde. Sodann kommen in den Koprolithen der Kreide
ziemlich häufig Foraminiferen vor, vorzugsweise viele Globigerinen, Nodosarien und Rotalien, von denen die
beiden Ersteren in Jura-Koprolithen nie gefunden wurden.
Um nun die Ergebnisse dieser Untersuchungen kurz zusammenzufassen, so glaube ich, dass man
alle diejenigen sandfreien Kalkphosphatknollen, welche die in der oben beschriebenen Weise eingelagerten
organischen Reste, zumal die als Abdrücke von Darmfollikeln gedeuteten ovalen Körper in grösserer oder
geringerer Menge enthalten, ohne Rücksicht auf ihre jetzige Form als fossile Excremente, vulgo Koprolithen
bezeichnen kann.
Weit ärmer an Radiolarien als Neocom und Gault erwies sich bislang die obere Kreide. Ausser
den von v. Zitten im unteren Kreidemergel von Haldem in Westfalen (nördlich von Osnabrück und Vordorf
bei Braunschweie) aufgefundenen und beschriebenen 6 Arten (Zeitschr. d. D. Geol. Gesellsch., Bd. XXVII,
Taf. 2, 1876), von welchen eine Art im Neocom und zwei im Gault angetroffen wurden, gelang es nur in
der Ausfüllungsmasse eines Ammonites Rhotomagensis Lam. von Rouen einige jedoch zur Bestimmung zu
wenig erhaltene Radiolarien-Reste aufzufinden. Aus den Feuersteinen des Senon und Turon von England
und Rügen wurde ausser unbestimmbaren Schalenfragmenten nur eine Dictyospyris und eine Dietyomitra
aufgefunden.
Palaeontographica. Bd. XXXIV.
24
— 156 —
Diese Armuth der oberen Kreide an Radiolarien dürfte darauf hindeuten, dass dieselben in den
Meeren, welche diese Schichten absetzten, überhaupt selten waren. Da hier ebenfalls die Ammoniten fast
vollständig fehlen, liegt die Annahme nahe, dass die oberen Kreideschichten aus verhältnissmässig seichten
Meeren abgesetzt sind.
Im Ganzen wurden in der Kreide 165 Arten von Radiolarien in 74 Gattungen aufgefunden, von
welchen 49 Arten in 24 Gattungen auch im Jura vorkommen. Als neu für die Kreide, also im Jura nicht
beobachtet, sind 44 Arten in 31 Gattungen. Als neu kommen die Familien der Druppulida und Cyphinida
aus der Subordo der Prunoidea und die Familien der Stephanida, Semantida und Tympanida aus der
Subordo der Plectellaria hinzu.
Im Allgemeinen betrachtet ist die Beschaffenheit der Radiolarien-Schalen in den Gesteinen der
Kreide von denen der Gesteine des Jura wenig verschieden, und es bleibt auch hier noch die Verschieden-
heit derselben von den Formen des Tertiär und der. Jetztzeit bestehen. In geringem Maasse hat in der
Kreide wohl die Bestachelung und das Vorkommen von complieirteren Formen, besonders der Polysphaeriden
zugenommen. Abgenommen hat dagegen das im Jura häufige Vorkommen der Cyrtiden mit sehr vielen
Gliedern, und derjenigen Formen mit langer gegitterter Mundöffnung, wie T’heosyringium.
Bemerkenswerth ist der Nachweis der vielen für den Jura und die Kreide gemeinsamen Formen im
Neocom und den Aptychus-Schichten, so dass diese Gesteine auch in Betreff der Radiolarien eine Ueber-
gangsschicht zwischen beiden Formationen darstellen.
Schon die oberflächliche Betrachtung der Abbildungen ergiebt, dass in der vorliegenden Arbeit die
Aufnahme der Arten nur auf diejenigen mit wesentlichen Unterschieden beschränkt wurde. Die Zahl der
Arten hätte sich sehr vermehren lassen, wenn auf geringere Artunterschiede Rücksicht genommen wäre.
Die Abbildungen sind, mit Ausnahme weniger von mir gezeichneter, von meiner Tochter, Fräulein ErısaBETH
Röst, nach Bedarf der Deutlichkeit unter verschiedenen Vergrösserungen gezeichnet worden. Die Maasse
sind in Millimetern angegeben.
In der folgenden systematischen Uebersicht sind die schon früher in Gesteinen des Jura aufge-
fundenen Radiolarien mit den neuen in der Kreide entdeckten zusammen eingereiht, und zugleich ihre Ver-
theilung auf den Jura und die Kreide, sowie deren Etagen angegeben. Abweichend von der in der Arbeit
über die Jura-Radiolarien gegebenen Uebersicht, welche nach Haezcrer'’s „Prodromus systematis Radiolarium ®
von 1881 zusammengestellt war, ist die vorliegende der neuen Eintheilung angepasst worden, welche HAEckEL,
der Altmeister der Radiolarien-Forschung, in seinem neuesten Riesenwerke, der Beschreibung der durch die
Challenger-Expedition gesammelten Radiolarien, zu Grunde gelegt hat. Die Kenntniss der Radiolarien, oder
wie HAECKEL EHRENBERG zu Ehren jetzt sagt, Polycystinen, ist durch dieses die Beschreibung von gegen
4300 meist neuer Arten enthaltende Meisterwerk in ganz ausserordentlicher Weise gefördert worden. Erst
nach der systematischen Erkenntniss dieses riesigen Materiales war es möglich, der Entscheidung der wich-
tigen phylogenetischen Fragen näher zu treten. Die neue hierauf gegründete Eintheilung ist eine wesentlich
einfachere geworden.
An diesem Orte möchte ich nun Herın Professor HAEcrEL für sein lebhaftes Interesse und seine
in liebenswürdigster Weise gewährte Hilfe, durch welche die Vollendung der vorliegenden Arbeit wesentlich
erleichtert wurde, meinen herzlichsten Dank sagen.
|
E’ S Zahl der Arten = Zahl der Arten in
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Ord me 3 S im Jura -® der Kreide
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Familien. | „| Gattungen. |— os |
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A © Sl | SO laT A | s
| |
Spumel- | Collodaria | Sphaerozoida Sphaerozoum 1 IS 2 2 1 I ve 1
laria | |
Sphaeroidea | Liosphaerida 15 | Cenosphaera 7 1 ) 11 i 6 I 1 7
19 | Carposphaera 5 2 7 3 3 1 | 4
21 | Thecosphaera 1 Da 8 | 3
24 | Caryosphaera . IE 1 1
27 | Spongoplegma 1 al 2 2 2
28 | Spongodietyum | 1 1
| |
Stylosphaerida 45 | Xiphosphaera 1 I Al 2 1 N, | 1
46 | Xiphostylus | | 2 | 1 gr: A
48 | Stylosphaera Aa a T | 1
49 | Sphaerostylus 1 Mn I) ‘
51 | Amphisphaera | ; 1 | 1
Staurosphaeridal 60 | Staurosphaera 2 3 |, ® 2 2 | 2
65 [Staurolonchidium) 1 4 4 1 1 2
68 | Staurocromyum . . 1
71 | Staurodoras 2 | 2 |
| |
Cubosphaerida | 72 | Hexastylus 1 1 1 |
Astrosphaerida | 94 | Haliomma 0 . 1 1
104 | Cromyomma 1 1
120 | Spongosphaera | 1
|
Prunoidea Ellipsida 122 | Oenellipsis 1 10 10 3 3 1 4
I
Druppulida 1351 | Druppula 1 1
135 | Druppatractus 2 2
139 | Stylatractus 3 3
Spongurida 145 | Spongurus 1 1 1 1 1 1 1 1
Cyphinida 155 | Oyphanta | I al 1
156 | Oyphonium | 2 2
159 | Oyphinus 2 2
Discoidea Cenodiscida 180 | Trochodiseus | 1 1
Phacodiscida | 157 | Triactis 1 ® 2 3 2 1 1 2
193 | Heliodiscus 1 1
Coccodiscida 196 | Lithocyclia 1 1 2 1 1
200 | Trigonocyclia b 1 1
204 | Diplactura 1 1
206 | Trigonactura b 1 1 . .
= Ei | Zahl der Arten = Zahl der Arten in
28 =
a5 im Jura -o der Kreide
Ord- Unter- EN Sal, 5 == Br
Familien. | „5 | Gattungen. [7 7 ao In = m
nung. | Ordnung. u “ F Ze. Eu | $ aıoe| 5
38 i zueigen ar een je:
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| | |
|
Spumel- | Discoidea | Porodiscida | 214 | Porodiscus 6 6 4 8 4 = | ge 7
laria 218 | Xiphodietya A - 4 : 2: We ro Aa -
220 | Staurodietya TE 1 5 5 Eu Ze) 3
221 | Stylodietya Sun ur: . 3 . 6 a, 3
223 | Amphirahim| ı . 2.3 3 DE E2 e 4
337 | Dietyastrum ee 9 NO 2 7 1 f 8
2238 | Rhopalastrum 0. 0 4 4 © re : 1
& 229 | Hymeniastrum | -. EN ee Me : - 1 002% 1
2334 | Hagiastrum ; e Ds E5 2 | RR [v5 2
| | |
Spongodiscida| 253 | Spongodiscus Akne el 1 er Ball. ae ee 1
255 | Spongolonche RN SEN BER ; et 1
256 | Spongotripus AS CE a > 0 : Zu 2
257 | Spongostaurus NEN ne © . | 1
258 | Stylotrochus Bl 1 1 | 3
259 | Spongotrochus r Be E : : : ;
260 | Spongolena : 6 RR 6 . 2 0 2
261 | Spongobrachium| . 6 THUN 00: 5 ® 2 ee: 2
262 | Rhopalodietyum| . - 2 2 0 6 s (a
263 | Dietyocoryne ö ö 1 1 ö E a e
264 | Spongasteriscus ; ö 1 1 . 0
265 | Spongaster : 6 - © 6 . 1 1
Pleetel- Stephoidea | Stephanida 401 | Archieircus : : : : 1 1
laria 402 | Lithocircus 2 © . h 2 2
Semantida | 407 | Semantis 1 : : 1 1 1
Tympanida | 431 | Tympanidium : ; 2 2 2 2
436 | Prismatium 2 : ; : 2 2
438 | Lithocubus 1 : ; 1 2 2
|
SET. Spyroidea | Zygospyrida | 468 j Dietyospyris ler: I: 3 2 3
aria .
Botryoidea | Cannobotrida | 487 | Cannobotrys 1 . 1 2 1 1
Cyrtoidea | Tripocalpida | 501 ! Tröpilidium 2 & 3 5 1 1 1
502 | Tripodisceium 1 6 1 2
Phaenocalpida| 519 | Halicalyptra 1 ® 1 2 -
528 | Archicorys . E . ; 1 1
Cyrtocalpida | 529 | Cyrtocalpis 3 5 5 8 1 1 1 2
530 | Mitrocalpis 0 H . 5 1 1
I 2
Ord-
nung.
Cyrtel-
laria
Phaeo-
daria
|
Unter-
Ordnung.
Cyrtoidea
Dieyrtida
Trieyrtida
Phaeocystia
Familien.
Cyrtocalpida
Tripocyrtida
Anthocyrtida
Sethocyrlida
Podocyrtida
Theocyrtida
Lithocampida
Phaeodinida
|
Stichoeyr | Phormocampida
e Ei Zahl der Arten = Zahl der Arten in
58 Ss
S5 im Jura zu der Kreide
& 5 1, ar
„5 | Gattungen. = = © ER Tre
< 2 S ame a Eee
u = an = 258 S 3 88 | 25
EB = Su SENSE FE 5 5 |8353|S58
A 5 2 A = B
|
552 | Halicapsa 1 1 . | -
533 | Archicapsa 3 3 2 2 | 2
Podocapsa | 3 3 1 1 | 1
548 | Lychnocanium c 1 | 1
552 | Micromelissa | : 4 1
555 | Tetrahedrina ! ch, 1
566 | Anthoeyrtas | | © 2 | 2
7 |
576 | Sethocorys al 1 a 1
578 | Dietyocephalus | 2 2 : eo 2
579 | Sethocapsa 6 6 1 est 9
580 | Dieolocapsa 1 1 20 3
581 | Oryptocapsa 1 1 | :
Salpingocapsa ar 1 | ® A
| | |
537 | Theopodium 1 el 1 1 | 1
595 | Lithornithium N I al 1 i
600 | Lithochytris 1 1
616 | Theosyringium Io 6 2 3 a 5
615 |.Trieolocampe | 3 | 8 . »
619 | T’heocorys 5 1 1 2 9
621 | Lophocorys 2 0 2 5 ö ö r
623 | Theocapsa 3 4 7 1 1 1 D)
636 | Stichophormis 4 4 1 1 1 1
643 | Dietyomitra 4 1 21 23 S U 11 2 7
644 | Stichocorys 1 2 3 .
647 | Pucyrtidium 3 32 14 i c
649 | Siphocampe R 3 3 1 1
650 | LZithocampe 9) 3.8 6 .
655 | Oyrtocapsa | 1 1 : 3 1 1
654 | Stichocapsa 3 23 25 6 6 3 S
|
657 | Dietyocha 1 a 1 . 1 1 2
| Eee
74 6 178 | 234 49 59 109 6 165
|
|
In der folgenden Beschreibung der einzelnen Arten sind die Diagnosen der Ordnungen, Unter-
ordnungen, Familien und Gattungen weggelassen. Die Nummern der Gattungen sind diejenigen der HAEckEn'-
schen Gattungen in seinem grossen Werke über die Radiolarien der Challenger-Expedition. Bei den dem
Jura und der Kreide gemeinsamen Arten sind die in meiner Arbeit über die Radiolarien aus Gesteinen des
Jura angegebenen Fundorte im Jura nicht wieder aufgeführt, dagegen ist die laufende Nummer der Art,
sowie die Tafel und Nummer der Abbildung beigefügt.
J. R. bezeichnet Jura-Radiolarien in Palaeontographica, Bd. XXXI.
Ordnung IL: Spumellaria.
Unterordnung: III: Collodaria.
Familie: Sphaerozoida.
13. Gattung: Sphaerozoum.
1. Sphaerozoum sp. J. R. 2. Taf. 26 Fig. 2a—i. Ganz die gleichen kleinen Kieselgebilde, wie
dieselben am bezeichneten Orte beschrieben wurden, finden sich in Menge in den kieseligen Kalken des
Neocom von Gardenazza. In den Koprolithen von Zilli wurden nur einige wenige Exemplare derselben
beobachtet.
Ordnung II: Sphaerellaria.
Unterordnung: Sphaeroidea.
Familie: Liosphaerida.
15. Gattung: Cenosphaera.
2. Cenosphaera minuta Pantankuuı. Taf. XXI Fig. 1. Diese kleine, von PANTANELLI im rothen
Jaspis der Kreide von Garfagnana (Castiglione) aufgefundene Art (beschrieben in „I diaspri della Toscana
e i loro fossili“, als Zihmosphaera minuta |Nr. 1, Fig. 1 und 2]) zeigt auf der Oberfläche gegen 40 grosse
Oeffinungen zu 7 in der Reihe. Die Zwischenbalken sind nur schmal. Durchmesser der Kugel 0,09 mm.
Durchmesser der Löcher 0,005 mm.
Vorkommen: Im Neocom von Gardenazza. Nicht selten.
3. Cenosphaera stellata Rüst. J. R. 7. Taf. 26 Fig. 7. Vorkommen: Im Neocom von Garde-
nazza. Nicht selten.
4. Cenosphaera gregaria Rüst. J. R. 10. Taf. 26 Fig. 10. Diese im Jura sehr häufige und
verbreitete Art ist im Neocom von Gardenazza und im den Koprolithen von Zilli ebenfalls häufig.
5. Cenosphaera disseminata Rüst. J. R. 13. Taf. 27 Fig. 4. Vorkommen: Im Neocom von
Gardenazza. Häufig.
6. Cenosphaera pachyderma Rüöst. J. R. 12. Taf. 27 Fig. 2 und 3. Vorkommen: Im Neocom
von Gardenazza. Nicht häufig.
7. Cenosphaera radiata Zimmer. Diese von v. ZırTeL in der oberen Kreide aufgefundene und in
der Zeitschrift der Deutschen Geologischen Gesellschaft, Bd. 28, beschriebene und Taf. 2 Fig. 7 und S da-
selbst abgebildete Art wurde in einigen Exemplaren im Neocom von Gardenazza beobachtet.
8. Cenosphaera eristatam. Taf. XXI Fig. 2. Grosse glatte Kugelschale mit schwach ausgezackter
äquatorialer Saumkante und 14—16 Reihen mittelgrosser runder Löcher, zu 14—16 in der Reihe. Durch-
messer der Kugel 0,408, Durchmesser der Löcher 0,015, Breite des Randsaumes 0,019 mm.
Vorkommen: Im Neocom von Gardenazza. Nicht häufig.
19. Gattung: Carposphaera.
9. Carposphaera distincta Rüst. J. R. 35. Taf. 28 Fig. 5. Vorkommen: Im Neocom von
Gardenazza. Selten.
10. Carposphaera distinguenda Rüst. J. R. 36. Taf. 28 Fig. 9. Vorkommen: In den Ko-
prolithen von Zilli. Häufig.
11. Carposphaera affinis Rüst. J. R. 40. Taf. 28 Fig. 13. Vorkommen: In den Koprolithen
von Zilli. Nicht selten.
12. Carposphaera indicans m. Taf. XXI Fig. 4. Runde glatte Gitterschale mit nur 20 grossen
runden Löchern auf der Oberfläche und sehr schmalen Zwischenbalken. Die innere mit zahlreichen Radial-
stäben befestigte Schale mit 20 kleinen Löchern. Diese Art dürfte sich durch ihre leichte Kenntlichkeit
und ihr ungemein häufiges Vorkommen in den Koprolithen des Gault zum Leitfossil für diese Schicht eignen.
Durchmesser der äusseren Kugel 0,099, der inneren 0,025 mm. Durchmesser der Löcher der Ersteren 0,013 mm.
Vorkommen: Nur im Gault von Zilli. Sehr häufig.
21. Gattung: Thecosphaera.
13. Thecosphaera septemradiata m. Taf. XXIII Fig. 4. Runde auf der Oberfläche etwas rauhe
Gitterschale mit zwei Innenkugeln, deren jede im äquatorialen Durchschnitte mit 7 Radialstäben an die
äussere befestigt ist. Durchmesser der äusseren Kugel 0,105, Durchmesser der dan 0,049, Durch-
messer der inneren Kugel 0,021 mm.
Vorkommen: In den Koprolithen von Zilli, in einem Ammonites inflatus ebendaher. Nicht selten.
— 192 —
14. Thecosphaera decemradiata m. Taf. XXIII Fig. 5. Runde, auf der Oberfläche etwas rauhe
Gitterschale mit zwei Innenkugeln, deren jede im äquatorialen Durchschnitte mit je 10 Radialstäben an
die nächst äussere befestigt ist. Durchmesser der äusseren Kugel 0,104, Durchmesser der mittleren 0,052,
Durchmesser der inneren Kugel 0,023 mm.
Vorkommen: In den Koprolithen von Zilli. Nicht häufig.
15. Thecosphaera Zinckenii m. Taf. XXIII Fig. 2 u. 3. Runde, durch sehr kurze Dornen rauhe
äussere Gitterschale mit sehr dicht stehenden unregelmässigen Löchern, welche zwei durch zahlreiche Radial-
stäbe befestigte innere Gitterkugeln enthält. Fig. 2 stellt die Oberfläche, Fig. 3 einen Durchschnitt durch
die Mitte der drei Kugeln dar. Durchmesser der äusseren Schale 0,095, Durchmesser der mittleren 0,048,
Durchmesser der inneren Kugel 0,024 mm.
Vorkommen: In den Koprolithen von Zilli. Nicht selten,
24. Gattung: Caryosphaera.
16. Caryosphaera bella m. Taf. XXIH Fig. 10. Runde, auf der Oberfläche schwach bedornte
Gitterschale mit 4 eingeschachtelten, durch zahlreiche Radialstäbe gestützten Innenschalen. Durchmesser
der äusseren Schale 0,088 mm.
Vorkommen: In den Koprolithen von Zilli. Nicht häufig.
27. Gattung: Spongoplegma.
17. Spongoplegma Urschlauense Rüst. J. R. 50. Taf. 29 Fig. 9. Vorkommen: Im Neocom
von Gardenazza, häufig und in den Koprolithen von Zilli, nicht häufig.
18. Spongoplegma integrum Röst. J. R. 51. Taf. 29 Fig. 10. Früher Dictyoplegma integrum ın.
Vorkommen: In den Koprolithen von Zilli. Nicht selten.
28. Gattung: Spongodietyum,
19. Spongodietyum involutum m. Taf. XXIH Fig. 11. Runde, dick mit spongiöser Kieselmasse,
welche an einer Stelle etwas ausgezogen erscheint, umhüllte Gitterschale mit einer inneren grosslöcherigen,
durch starke Radialstäbe befestigten Innenkugel. Ganzer Durchmesser 0,12, Durchmesser. der äusseren
Kieselschale 0,095, Durchmesser der inneren Kugel 0,051, Durchmesser der Löcher 0,008 mm.
Vorkommen: In den Koprolithen von Zilli. Sehr selten.
Familie: Stylosphaerida.
45. Gattung: Xiphosphaera.
20. Xiphosphaera tredecimporata Rüst. J. R. 24. Taf. 27 Fig. 15. Vorkommen: Im Neocom
von Arvaväratja in Ungarn und von Gardenazza. Nicht selten.
— 103 —
48. Gattung: Stylosphaera.
21. Stylosphaera macrostyla m. Taf. XXI Fig. 12. Kleine runde Gitterschale mit regelmässigen
runden Löchern. Von den entgegengesetzten Polen der eine kleine innere Schale einschliessenden Kugel
gehen zwei sehr lange kräftige, gegen den Grund hin schwach verjüngte Stacheln aus. Durchmesser der
äusseren Kugel 0,12, Durchmesser der inneren 0,035, Länge der Stacheln 0,225 mm.
Vorkommen: In den Koprolithen von Zilli. Nicht häufie.
51. Gattung: Amphisphaera.
22. Amphisphaera armata m. Taf. XXIII Fig. 7. Runde, etwas rauhe äussere Gitterschale mit
zwei entgegenstehenden starken geraden Stacheln bewaffnet, welche zwei innere durch Radialstäbe befestigte
Gitterkugem enthält. Durchmesser der äusseren Kugel 0,117, Durchmesser der mittleren Kugel 0,071,
Durchmesser der inneren Schale 0,024, Länge der Stacheln 0,175 mm.
Vorkommen: In den Koprolithen von Zilli. Nicht häufig.
Familie: Staurosphaerida.
60. Gattung: Staurosphaera.
23. Staurosphaera sedecimporata Rüst. J. R. 25. Taf. 28 Fig. 1. Vorkommen: Im Neocom
von Podbiel in Ungarn und Gardenazza. Nicht selten.
24. Staurosphaera antiqua Rust. J. R. 29. Taf. 28 Fig. 2. Vorkommen: Im Neocom von
Gardenazza. Häufig.
65. Gattung: Staurolonchidium.
25. Staurolonchidium robustum Rüst. J. R. 44. Taf. 29 Fig. 2. Früher Staurolonche rvo-
busta m. Vorkommen: Im Neocom von Arvavaratja in Ungarn und Gardenazza. Nicht häufig.
26. Staurolonchidium elegans m. Taf. XXII Fig. 13. Runde Gitterkugel mit 2 langen und 2
kurzen Stacheln. Die innere durch zahlreiche Radialstäbe befestigte Gitterschale mit kleinen nicht eng
stehenden Löchern. Durchmesser der äusseren Kugel 0,087, Durchmesser der imneren Kugel 0,056, Länge
der grösseren Stacheln 0,075, Länge der kleineren Stacheln 0,038 mm.
Vorkommen: In den Koprolithen von Zilli. Nicht häufig.
68. Gattung: Stanrocromyum.
27. Staurocromyum Mülleri m. Taf. XXIII Fig. S. Runde, etwas rauhe äussere Gitterschale
mit 4 in Form eines Kreuzes gestellten Stacheln und 3 durch zahlreiche kräftige Radialstäbe befestigten
inneren Gitterkugeln. Durchmesser der äusseren Kugel 0,117, Länge der Stacheln 0,095 mm.
Vorkommen: In den Koprolithen von Zilli.. Nicht häufig.
Palaeontographica. Bd. XNXIV.
ID
ou
— ul
Familie: Astrosphaerida.
94. Gattung: Haliomma.
38. Haliomma asperum m. Taf. XXIII Fig. 1. Runde, mit vielen kleinen Stacheln besetzte Gitter-
kugel, deren etwas unregelmässige Löcher dicht stehen und deren innere Schale mit wenigen Radialstäben
befestigt ist. Durchmesser der äusseren Kugel 0,067, Durchmesser der inneren Kugel 0,024 mm.
Vorkommen: In den Koprolithen von Zilli. Nicht häufie.
104. Gattung: Cromyomma.
29. Oromyomma perplexum STOEHR. Taf. XXIII Fig. 9. Diese Art stimmt vollständig mit der
von STOEHR aus dem tertiären Tripel von Grotte beschriebenen Art überein (SrorHr, E., Die Radiolarienfauna
der Tripoli von Grotte, Prov. Girgenti in Sicilien. Palaeontographica, Bd. XXVI, 1880). Durchmesser der
Kugel 0,147 mm.
Vorkommen: In einem Ammonites inflatus von Zilli, Selten.
120. Gattung: Spongosphaera.
30. Spongosphaera exigua m. Taf. XXII Fig. 13. Grossmaschige mit lockerer spongiöser Masse
eingehüllte äussere Gitterkugel, welche eine kleine innere Kugel enthält, von welcher die nach aussen sich
verbreiternden Stacheln ausgehen. Durchmesser der äusseren Schale 0,058, Länge eines Stachels 0,052 mm.
Vorkommen: In den Koprolithen von Zilli. Selten.
Unterordn.: Prunoidea.
Familie: Ellipsida.
122. Gattung: Cenellipsis.
31. Cenellipsis jaspidea Rüst. J. R. 14. Taf. 27 Fig. 5. Vorkommen: Im Neocom von
Gardenazza und in einem COrioceras Diwali aus dem Neocom der Alpen. Nicht selten.
32. Oenellipsis typica Rüst. J. R. 17. Taf. 27 Fig. 8. Vorkommen: Im Neocom von Gar-
denazza. Nicht selten.
33. Oenellipsis monoceros Rüst. J. R. 21. Taf. 27 Fig. 12. Vorkommen: In den Kopro-
jithen von Zilli. Nicht häufig.
34. Cenellipsis gigante« m. Taf. XXII Fig. 3. Diese grösste der bislang beobachteten fossilen
Cenellipsis-Arten zeigt eine glatte ovale Gitterschale mit kleinen in Reihen stehenden Löchern, von denen
in den Längsreihen 13—20, in den Querreihen 13—15 stehen. Länge der Längsachse 0,55, Länge der
Querachse 0,204, Durchmesser der Löcher 0,017 mm.
Vorkommen: Im Neocom von Gardenazza. Selten.
Familie: Druppulida.
131. Gattung: Druppula.
35. Druppula Murrayi m. Taf. NXII Fig. 5. Grosse glatte länglich-ovale Gitterschale mit sehr
dicht stehenden Löchern in Schrägreihen, deren längere 18—20, die kürzeren 13—15 Löcher enthalten,
mit kleiner ovaler, durch starke Radialstäbe befestigter innerer Gitterschale. Langer Durchmesser der
äusseren Schale 0,133, kurzer Durchmesser derselben 0,095, langer Durchmesser der inneren Schale 0,043,
kurzer Durchmesser derselben 0,027, Durchmesser der Löcher 0,005 mm.
Vorkommen: In den Koprolithen von Zilli. Selten.
138. Gattung: Druppatraetus.
36. Druppatractus prunum m. Taf. XXII Fig. 10. Kurz-ovale glatte Gitterschale mit ovaler
innerer durch zahlreiche Radialbalken befestigter Schale. Langer Durchmesser der äusseren Schale 0,147,
kurzer Durchmesser derselben 0,088, langer Durchmesser der inneren Schale 0,115, kurzer Durchmesser der-
selben 0,058 mm.
Vorkommen: In den Koprolithen von Zilli. Nicht häufig.
37. Druppatractus caudatus m. Taf. XXI Fig. 11. Kurz-ovale mit kurzen Dornen besetzte
äussere Gitterschale mit grosser innerer, durch zahlreiche Radialstäbe befestigter Innenschale, deren Oberseite
ziemlich weitläufig gestellte Löcher zeigt, und von deren einem Pole ein sehr langer kräftiger Stachel ausgeht.
Langer Durchmesser der äusseren Schale 0,095, kurzer Durchmesser derselben 0,079, langer Durchmesser
der inneren Schale 0,068, kurzer Durchmesser derselben 0,043, Länge des Stachels 0,147 mm.
Vorkommen: In den Koprolithen von Zilli. Nicht häufig.
139. Gattung: Stylatraetus.
33. Stylatractus Rothii m. Taf. NXII Fig. 6 u. 7. Länglich-ovale äussere Gitterschale mit dicht
stehenden unregelmässigen Löchern. Die inneren grosszelligen Gitterschalen erscheinen in der Mehrzahl der
Exemplare wie spiralig. Fig. 6 zeigt die Oberfläche der äusseren Schale, Fig. 7 einen Längsdurchschnitt
durch die Mitte. Langer Durchmesser 0,158, kurzer Durchmesser 0,104 mm.
Vorkommen: In einem Ammonites inflatus aus den Koprolithen von Zilli. Nicht häufig.
39. Stylatractus spinosus m. Taf. XXI Fig. 8. Länglich-ovale Gitterschale mit dicht stehenden
Löchern, an den Polen mit kurzen kräftigen Stacheln besetzt. Die drei inneren Schalen mit grossen Zellen,
Langer Durchmesser 0,12, kurzer Durchmesser 0,08, Länge der Stacheln 0,013 mm.
Vorkommen: In den Koprolithen von Zilli. Nicht häufig.
40. Stylatractus pellucidus m. Taf. XXI Fig. 9. Länglich-ovale Gitterschale mit 5—6 inneren
Gitterschalen, welche concentrisch angeordnet, durch sehr zarte Radialstäbe befestist sind. Die Oberfläche
war bei keinem Exemplare erkennbar. Langer Durchmesser 0,147, kurzer Durchmesser 0,058 mm.
Vorkommen: In den Koprolithen von Zilli. Nicht häufig.
D
[271
— 196 —
Familie: Spongurida.
145. Gattung: Spongurus.
41. Spongurus persistens Rüst. J. R. 99. Taf. 34 Fig. 7. Vorkommen: Dieselbe Form, jedoch
stark variirend in Betreff des Fehlens oder Vorhandenseins einer mittleren Einschnürung, findet sich im
Neocom von Gardenazza und den Koprolithen von Zilli. Häufig.
Familie: Cyphinida.
155. Gattung: Cyphanta.
42. Cyphanta aperta m. Taf. XXIV Fig. 3. Länglich-ovale äussere Gitterschale mit breiter,
nicht vollständig. ausgefüllter mittlerer Einschnürung und runder innerer Gitterkugel. Die Oberflächen
beider Schalen mit grossen runden Löchern besetzt. Langer Durchmesser 0,093, kurzer Durchmesser der
breitesten Stelle 0,067, Durchmesser der inneren Kugel 0,053 mm.
Vorkommen: In den Koprolithen von Zilli. Sehr selten.
156. Gattung: Cyphonium.
43. Oyphonium laeve m. Taf. XXIV Fig. 1. Länglich-ovale, glatte, in der Mitte quer einge-
schnürte Gitterschale mit grossen dicht stehenden unregelmässigen Löchern. Langer Durchmesser 0,2,
kurzer Durchmesser an der breitesten Stelle 0,093, an der Einschnürung 0,08 mm.
Vorkommen: In den Koprolithen von Zili. Nicht häufie.
44. Uyphonium perspieuum m. Taf. XXIV Fig. 2. Länglich-ovale glatte Gitterschale, in der
Mitte scharf eingeschnürt, mit kleinen, sehr dicht stehenden Löchern und innerer ovaler, durch starke
Radialstäbe befestigter Gitterschale, in welcher eine zweite, sehr kleine Kugel sich befindet. Langer Durch-
messer 0,16, grösste Breite 0,104, Länge der inneren Schale 0,057, Breite derselben 0,043, Durchmesser
der kleinen innersten Kugel 0,012 mm.
Vorkommen: In den Koprolithen von Zilli. Nicht häufie.
159. Gattung: Cyphinus.
45. Oyphinus probus m. Taf. XXIV Fig. 4. Länglich-ovale, stark quer eingeschnürte Gitter-
schale mit unregelmässigen dicht stehenden Löchern, zwei starken, von den Polen ausgehenden Stacheln und
kleiner ovaler centraler Gitterschale. Länge der äusseren Gitterschale 0,15, Breite derselben 0,088, Länge
der Stacheln 0,147, Länge der inneren Gitterschale 0,05, Breite derselben 0,024 mm.
Vorkommen: In den Koprolithen von Zilli. Nicht häufie.
46. Oyphinus largus m. Taf. XXIV Fig. 5. Sehr lang-ovale und sehr breit einge-
schnürte Gitterschale mit unregelmässigen dicht stehenden Löchern und zärten, stets abgebrochenen
— 1917 —
Stachem. Ganze Länge der Gitterschale 0,19, grösste Breite derselben 0,093, Breite in der Mitte
0,046 mm.
Vorkommen: In den Koprolithen von Zilli. Selten.
Unterordnung: Discoidea.
Familie: Cenodiscida.
150. Gattung: Trochodiseus.
47. Trochodiscus spinosus m. Taf. XXIII Fig. 6. Runde linsenförmige Gitterschale mit langen
ziemlich zarten, vom Rande ausgehenden Stacheln. Die Oberfläche mit etwas ungleichen, mässig grossen
Löchern, welche zu S—9 in der Reihe stehen. Durchmesser der Schale 0,067, Länge der Stacheln 0,065 mm.
Vorkommen: In den Koprolithen von Zilli. Sehr selten.
Familie: Phacodiscida.
‚187. Gattung: Triaetis.
48. Triactis tithoniana Rüst. J. R. 32. Taf. 25 Fig. 5. Früher Triactoma tithoniamım m.
Vorkommen: Im Neocom von Gardenazza. Nicht selten.
49. Triactis Ilsedensis Rüst. J. R. 34. Taf. 28 Fig. 7. Früher Trraetoma Ilsedense m. Vor-
kommen: In den Koprolithen von Zilli. Selten.
Familie: Coccodiscida.
196. Gattung: Lithoeyclia.
50. Lithocyelia justa m. Taf. NXIV Fig. 6. Grosse, flach Iinsenförmige Gitterscheibe mit 6
concentrischen Ringen von Zellen, welche eine mit unregelmässigen dicht stehenden Löchern besetzte
Centralkugel einschliessen. Die Art ist iu der Grösse sehr wechselnd. Durchmesser der Scheibe 0,175,
Durchmesser der Centralkugel 0,046 mm.
Vorkommen: In den Koprolithen von Zilli. Häufig.
Familie: Porodiscida.
214. Gattung: Porodiseus.
51. Porodiscus simplex Rüst. J. R. 60. Taf. 30 Fig. 6. Vorkommen: In den Koprolithen
von Zilli. Nicht selten.
— 198 —
52. Porodiscus communis Rüst. J. R. 61. Taf. 30 Fig. 7 und 8. Vorkommen: In den Ko-
prolithen von Cilli. Nicht selten.
53. Porodiscus laxus m. Taf. XXIV Fig. 7, Linsenförmige Gitterscheibe mit vier concentri-
schen Ringen, grossen, durch kräftige Zwischenbalken getrennten Zellen und kleiner Mittelzelle. Durch-
messer der Scheibe 0,16 mm.
Vorkommen: In den Koprolithen von Zilli. Selten.
54. Porodiscus perspicuns Rüst. J. R. 64. Taf. 31 Fig. 2 und 3. Früher Discospira per-
spieua m, Vorkommen: In den Koprolithen von Zilli. Nicht häufig.
55. Porodiscus vetustus Rüst. J. R. 65. Taf. 31 Fig. 4. Früher Discospira vetusta m.
Vorkommen: In den Koprolithen von Zilli. Häufig.
56. Porodiscus eretaceus m. Taf. XXIV Fig. Ss. Linsenförmige Gitterscheibe mit vier spiraligen
Umgängen, und sehr_kleiner centraler Kugel. Durchmesser der Scheibe 0,117 mm.
Vorkommen: In den Koprolithen von Zilli, Nicht selten.
57. Porodiscus tener m. Taf. XXIV Fig. 9. Ziemlich dicke Gitterscheibe, deren zartes Maschen-
gewebe ziemlich regellos angeordnet ist. Die Abbildung giebt eine Seitenansicht. £ Durchmesser der Scheibe
0,16, Dicke derselben 0,065 mm.
Vorkommen: In den Koprolithen. von Zilli. Nicht häufig.
220. Gattung: Staurodietya.
58. Staurodietya nitida m. Taf. XXIV Fig. 10. Rundlich-linsenförmige Gitterscheibe mit 5
concentrischen Ringen von Zellen, sehr kleiner Centralkugel und 4 starken, in Form eines Kreuzes gestellten
Stacheln. Durchmesser der Scheibe 0,12, Länge der Stacheln 0,106 mm.
Vorkommen: In den Koprolithen von Zilli. Nicht selten.
59. Staurodictya Fischeri m. Taf. XXIV Fig. 11. Fast quadratische Gitterscheibe mit
5—6 undeutlichen Ringen und 4 in Form eines Kreuzes gestellten feinen Stacheln. Durchmesser der
Scheibe 0,059, Länge der Stacheln 0,025 mm.
Vorkommen: In den Koprolithen von Zilli,. Nicht häufig.
60. Staurodietya rhomboides m. Taf. XXIV Fig. 12. Die Gitterscheibe hat die Form eines
etwas verschobenen Oblongums, zeigt 3 etwas undeutliche concentrische Ringe. Die 4 nicht regelmässig
einander gegenüberstehenden Stacheln sind von ungleicher Länge. Länge der Scheibe 0,174, Breite der-
selben 0,117 mm.
Vorkommen: In den Koprolithen von Zilli. Selten und nie mit erhaltenen Stacheln.
221. Gattung: Stylodietya.
61. Stylodictya Haeckelii ZırreL. Jahrb. der D. Geol. Ges., Bd. 28. Taf. 2 Fig. 9. Vor-
kommen: In der oberen Kreide von Vordorf und Haldem, sowie von Misburg.
— 199 —
62. Stylodictya spiralis m. Taf. XXV Fig. 1. Flach-linsenförmige Gitterscheibe mit fünf
spiraligen Umgängen, sehr kleiner centraler Zelle und zahlreichen langen schlanken, vom Rande der Scheibe
ausgehenden Stacheln. Durchmesser der Scheibe 0,093, Länge der Stacheln 0,075 mm.
Vorkommen: In den Koprolithen von Zilli. Nicht häufig.
63. Stylodietya lata m. Taf. XXV Fig. 2. Oblonge Gitterscheibe mit schwach verbreiterten
Enden, 4—5 ovalen concentrischen Ringen kleiner Zellen und zahlreichen feinen Stacheln, welche nur vom
Rande der Schmalseiten ausgehen. Länge der Scheibe 0,204, Breite derselben 0,117 mm.
Vorkommen: In den Koprolithen von Zilli. Nicht selten.
923. Gattung: Amphibrachium.
64. Amphibrachium Zilliense m. Taf. XXV Fig. 3. Lange schmale Gitterscheibe mit geringen
Anschwellungen in der Mitte und an den Enden, und unregelmässig angeordneten Löcherreihen. Länge
0,254, Breite 0,063 mm.
Vorkommen: In den Koprolithen von Zilli. Häufig, aber meist nur in Bruchstücken.
65. Amphibrachium grande m. Taf. XXV Fig. 4. Lange Gitterscheibe ohne Endanschwellungen
mit grösster Breite in der Mitte und 5 Reihen grosser Löcher. Länge 0,214, Breite in der Mitte 0,075 mm.
Vorkommen: In den Koprolithen von Zilli. Nicht selten.
66. Amphibrachium abbreviatum m. Taf. NXV Fig. 5. Längliche Gitterscheibe ohne Mittel-
anschwellung mit stärkeren Endanschwellungen und 6 Längsreihen kleiner Löcher, Länge 0,296, Breite
0,093 mm.
Vorkommen: Im Neocom von Gardenazza. Nicht selten.
67. Amphibrachium clavatum m. Taf. XNXV Fig. 6. Längliche Gitterscheibe mit starker Ver-
schmälerung gegen die Mitte, keulenförmigen Endanschwellungen und 3 Reihen kleiner Löcher im schmalen
Theile. Die Scheibe stets etwas gebogen. Länge 0,554, Breite der Keulen 0,095, Breite der Mitte 0,043 mm.
Vorkommen: Im Neocom von Gardenazza. Selten.
227. Gattung: Dietyastrum.
68. Dietyastrum nudum Rüst. J. R. 80. Taf. 32 Fig. 8. Früher Rhopalastrum nudum m.
Vorkommen: Im Neocom von Gardenazza. Häufig.
69. Dietyastrum processum Rüst. J. R. 81. Taf. 32 Fig. 9. Früher Rhopalastrum proces-
sum m. Vorkommen: Im Neocom von Gardenazza. Häufig.
70. Dictyastrum proavitum Rüst. J. R. 83. Taf. 32 Fig. 11. Früher Rhopalastrum proa-
vitum m. Vorkommen: In den Koprolithen von Zilli. Nicht häufig.
71. Dictyastrum tenue m. Taf. XXV Fig. 8. Dreiarmige Gitterscheibe mit drei gleichen
Armen, starken Endanschwellungen, schmalen Armansätzen und zwei Löcherreihen auf den Armen. Länge
der Arme 0,23, Breite der Anschwellungen 0,075, Breite der Anfänge 0,029 mm.
Vorkommen: Im Neocom von Gardenazza. Nicht selten.
— 72007 —
72. Dietyastrum Neocomiense m. Taf. XXV Fig. 9. Dreiarmige Gitterscheibe mit drei gleichen
Armen, Mittel- und Endanschwellungen und vier Längsreihen von Löchern auf den Armen. Länge der
Arme 0,446, Breite derselben 0,058, Breite der Endanschwellungen 0,147 mm.
Vorkommen: Im Neocom von Gardenazza. Häufig.
73. Dietyastrum integrum m. Taf. XXV Fig. 10. Dreiarmige Gitterscheibe mit drei gleichen
Armen ohne Endanschwellungen. Die Arme schwach keulenförmig mit drei etwas gebogenen Löcherreihen.
Länge der Arme 0,174, grösste Breite derselben 0,058, geringste Breite derselben 0,04 mm.
Vorkommen: Im Neocom von Gardenazza. Nicht selten.
74. Dictyastrum desecatum m. Taf. XXV Fig. 11. J. R. 55. Taf. 33 Fig. 2. Rhopalastrum
elathratum Pantaseuuı. Dreiarmige Gitterscheibe mit drei gleichen Armen, welche je zwei Löcherreihen
tragen und gegen das Ende verbreitert und geradlinig abgeschnitten sind. Ohne Mittelanschwellung.
Die Art ist in den Jura-Radiolarien fälschlich mit der von Pantanestı als Kuchitonia clathrata (PAXT.
Fig. 22) angegebenen identifieirt worden, von der sie sich durch das stete Fehlen der Mittelanschwellung
wesentlich unterscheidet. Länge der Arme 0,147, grösste Breite 0,058, geringste Breite derselben 0,029 mm.
Vorkommen: Im Neocom von Gardenazza. Nicht selten.
75. Dietyastrum ovale m. Taf. XXV Fig. 12. Dreiarmige Gitterscheibe mit drei gleichen
breiten Armen, unregelmässigen Löcherreihen und grosser ovaler Mittelanschwellung. Länge der Arme 0,085,
Breite derselben 0,08, langer Durchmesser der Mittelanschwellung 0,106, kurzer Durchmesser derselben 0,08,
grösste Breite des Ganzen 0,214 mm.
Vorkommen: In den Koprolithen von Zilli. Selten.
298. Gattung: Rhopalastrum.
[o)
76. Rhopalastrum retusum m. Taf. XXV Fig. 7. Dreiarmige Gitterscheibe mit zwei kurzen
und einem langen Arme, welche unter ungleichen Winkeln ohne Mittelanschwellung zusammentreten und
3—4 Reihen ovaler Löcher tragen. Von der ähnlichen Art aus dem Jura Rrhopalastrum terebra Rüst ist
diese Art unterschieden durch die Grösse, die andere Anordnung der Löcher und den Umstand, dass der
dort spitze längere Arm hier stets abgestumpft erscheint. Länge des grossen Armes 0,326, Länge der
kurzen Arme 0,147, Breite des grossen Armes 0,06 mm.
Vorkommen: Im Neocom von Gardenazza. Selten.
229. Gattung: Hymeniastrum.
77. Hymeniastrum rotundum m. Taf. XXVI Fig. 1. Dreiarmige Gitterscheibe mit drei gleichen
gegen das Ende etwas verbreiterten Armen und grosser Mittelscheibe. Die zahlreichen Löcher unregel-
mässig. Die Arme durch lockeres spongiöses Gewebe wie mit einer Schwimmhaut verbunden. Länge der
Arme 0,12, Durchmesser der Mittelscheibe 0,05 mm.
Vorkommen: In den Koprolithen von Zilli. Selten.
— 201 —
234. Gattung: Hagiastrum.
U
[00]
. Hagiastrum subacutum Rüst. J. R. 94. Taf. 34 Fig. 1. Vorkommen: Im Neocom von
Gardenazza. Nicht häufig.
79. Hagiastrum egregium Rüst. J. R. 97. Taf. 34 Fig. 5. Vorkommen: Im Neocom von
Gardenazza. Nicht selten, jedoch nur in Bruchstücken.
Familie: Spongodiscida.
253. Gattung: Spongodiseus,
80. Spongodiscus angusticameratus Rüst. J. R. 68. Taf. 531 Fig. 10. Früher Perispongidium
angusticameratum m. Vorkommen: In den Koprolithen von Zilli. Nicht selten.
255. Gattung: Spongolonche.
81. Spongolonche sagittaefera m. Taf. XXIII Fig. 12. Länglich-ovale mit spongiöser Masse
umgebene Gitterscheibe, von deren Polen zwei lange mit Widerhaken, wie Pfeilspitzen, versehene Stacheln
ausgehen. Langer Durchmesser der Kieselscheibe 0,147, kurzer Durchmesser derselben 0,058, Länge der
Stacheln 0,296 mm. i
Vorkommen: In den Koprolithen von Zilli. Selten.
356. Gattung: Spongotripus.
82. Spongotripus impletus m. Taf. XXVI Fig. 2. Fast dreieckige Gitterscheibe mit 6 dichteren
Zellenanhäufungen im Innern und von den Spitzen des Dreiecks ausgehenden kleinen Stacheln. Höhe 0,26,
Breite 0,55 mm.
Vorkommen: In den Koprolithen von Zilli. Nicht häufig.
83. Spongotripus pauper m. Taf. XXVI Fig. 3. Dreieckige Gitterscheibe mit einer grösseren
Zellenanhäufung im Innern und drei von den Spitzen ausgehenden Stacheln. Breite einer Seite mit den
Stacheln 0,2 mm.
Vorkommen; In den Koprolithen von Zilli. Nicht selten.
257. Gattung: Spongostaurus.
84. Spongostaurus magnificus m. Taf. XXVI Fig. 4. Grosse runde Schwammscheibe mit
nach der Mitte dichteren Zellen und vier in Form eines Kreuzes gestellten langen kräftigen Stacheln.
Durchmesser der Scheibe 0,24, Länge der Stacheln 0,104 mm.
Vorkommen: In den Koprolithen von Zilli. Nicht selten.
Palaeontographica. Bd. XXXIV. 26
— 202 —
258. Gattung: Stylotrochus.
S5. Stylotrochus solitus m. Taf. XXVI Fig. 5. Lockere rundlich-ovale Schwammscheibe mit
langen, vom Rande ausgehenden und wie gegliedert erscheinenden Stacheln. Länge der Scheibe 0,133,
Breite derselben 0,106, Länge des grösseren Stachels 0,067 mm.
Vorkommen: In den Koprolithen von Zilli. Nicht selten.
86. Stylotrochus formosus m. Taf. XXVI Fig. 6. Runde lockere Schwammscheibe mit langen,
wie gegliedert erscheinenden, vom Rande ausgehenden schlanken Stacheln. Durchmesser der Scheibe 0,133,
Länge der Stacheln 0,021 bis 0,04 mm.
Vorkommen: In den Koprolithen von Zilli. Seltener.
87. Stylotrochus hamatus m. Taf. XXVI Fig. 7. Grosse länglich-ovale, etwas unregelmässige
Gitterscheibe mit einem hakenförmig umgebogenen Fortsatze und einigen kräftigen, vom Rande ausgehenden
Stacheln. Länge der Scheibe 0,476, Breite derselben 0,408 mm.
Vorkommen: Im Neocom von Gardenazza, sowie auch im Aptychus-Schiefer von Urschlau und im
Tithonischen Jaspis der Westschweiz. Ueberall ziemlich selten.
260. Gattung: Spongolena.
Ss. Spongolena elongata m Taf. XXVI Fig. Ss. Lange, gegen die Mitte stark verschmälerte
Schwammscheibe aus lockerem Maschengewebe mit Andeutungen von Höhlungen in den Enden. Länge 0,35,
grösste Breite 0,08, geringste Breite 0,037 mm.
Vorkommen: In den Koprolithen von Zilli. Nicht selten.
89. Spongolena oblonga m. Taf. XXVI Fig. 9. Länglich-viereckige Schwammscheibe mit einer
ovalen Zellenanhäufung in der Mitte und kleinen Stacheln an den Ecken. Länge 0,26, Breite 0,058 mm.
Vorkommen: In den Koprolithen von Zilli. Nicht selten.
261. Gattung: Spongobrachium.
90. Spongobrachium divergens m. Taf. XXVI Fig. 1. Lange schmale, in der Mitte etwas
verschmälerte Gitterscheibe aus lockerem Maschengewebe mit einer mittleren Zellenanhäufung, von welcher
je zwei divergirende schlanke Stacheln ausgehen. Länge 0,265, Breite 0,088 mm.
Vorkommen: In den Koprolithen von Zilli. Nicht häufig.
91. Spongobrachium boehmii m. Taf. XXVII Fig. 2. Länglich-viereckige, in der Mitte stark
verschmälerte Schwammscheibe aus dichterem Maschengewebe mit von der Mitte der schmalen Seiten aus-
gehenden Fortsätzen lockeren Maschengewebes. Ganze Länge 0,35, grösste Breite 0,093, geringste Breite
0,075 mm.
Vorkommen: In den Koprolithen von Zilli. Nicht häufig.
— 203 —
265. Gattung: Spongaster.
92. Spongaster vietus m. Taf. XXVII Fig. 3. Ungleich vierseitige Schwammscheibe mit
vier Einziehungen, so dass vier stumpfe Sternstrahlen erscheinen, aus lockerem Schwammgewebe mit
runder centraler Zellenanhäufung. Länge 0,12, Breite 0,08, Durchmesser der runden Anhäufung
0,065 mm.
Vorkommen: In den Koprolithen von Zilli. Selten.
Ordnmer Plecetellarıa.
Unterordnung: Stephoidea.
Familie: Stephanida.
401. Gattung: Archieircus.
95. Archieircus anmulus m. Taf. XXVI Fig. 12. Glatter, schwach ovaler Kieselring mit
zwei einander gegenüber liegenden geringen Verdickungen. Durchmesser des Ringes 0,053, Dicke des-
selben 0,01 mm.
Vorkommen: In den Koprolithen von Zilli. Selten.
402. Gattung: Lithoeireus.
94. Lithoceircus spiniger m. Taf. XXVI Fig. 9. Einfacher, mit 5 bis 7 geraden Stacheln be-
setzter Kieselring. Durchmesser des Ringes 0,045 mm.
Vorkommen: In den Koprolithen von Zilli. Nicht selten.
95. Lithocircus cormutus m. Taf. XXVII Fig. 10. Einfacher Kieselring mit 4 bis 5 stumpfen,
etwas gebogenen Dornen. Durchmesser des Ringes 0,025 mm.
Vorkommen: In den Koprolithen von Zilli. Nicht häufig.
Familie: Semantida.
407. Gattung: Semantis.
uncinata m. Taf. XXVII Fig. 4. Einfacher glatter horizontaler Kieselring mit
96. Semantis
Beide mit zwei kleinen gekrümmten Häkchen. Höhe 0,016, Breite
aufgesetztem verticalen Bogen.
0,022 mm.
Vorkommen: In den Koprolithen von Zilli. Selten.
[&
&
+
— AU —
Familie: Tympanida.
431. Gattung: Tympanidium,
97. Tympanidium annulare m. Taf. XXVI Fig. 10. Kräftiger bandförmiger, von Löchern ver-
schiedener Grösse durchbrochener und mit kurzen Dornen besetzter Kieselring. Höhe 0,04, Breite 0,12 mm.
Vorkommen: In den Koprolithen von Zilli. Nicht häufig.
98. Tympanidium minus m. Taf. XXVI Fig. 11. Kleiner bandförmiger, von wenigen grösseren
Löchern durchbrochener, mit kurzen Dornen besetzter Kieselring. Höhe 0,021, Breite 0,067 mm.
Vorkommen: In den Koprolithen von Zilli. Selten.
436. Gattung: Prismatium.
99. Prismatium insigne m. Taf. XXVII Fig. 5. Die beiden kräftigen horizontalen Ringe durch
drei gerade senkrechte Stäbe verbunden. Von jeder Verbindungsstelle geht ein kurzer Dorn aus. Höhe
0,039, Breite 0,036, Dicke der Stäbe 0,0025 mm.
Vorkommen: In den Koprolithen von Zilli. Nicht häufig.
100. Prismatium spinosum m. Taf. XXVII Fig. 6. Die beiden: horizontalen Ringe von sehr
ungleicher Grösse. Die drei Verbindungsstäbe stark nach aussen gebogen. Die Ringe mit einzelnen langen,
an der Spitze dreigetheilten Dornen besetzt. Durchmesser des grossen Ringes 0,122, Durchmesser des
kleinen Ringes 0,045, Dicke der Stacheln 0,006 mm.
Vorkommen: In den Koprolithen von Zilli. Nicht häufig.
438. Gattung: Lithocubus.
101. Lithocubus rotundus m. Taf. XXVII Fig. 7. Die kleinen horizontalen Ringe durch vier
starke, nach aussen gebogene Stäbe verbunden. Durchmesser 0,019, Dicke der Stäbe 0,0025 mm.
Vorkommen: In den Koprolithen von Zilli. Sehr vereinzelt.
102. Lithocubus tenuis m. Taf. XXVII Fig. 8. Die beiden horizontalen Ringe durch vier zarte
gerade kurze Stäbchen verbunden. Durchmesser der Ringe 0,027, Länge der Stäbchen 0,0024 mm.
Vorkommen: In den Koprolithen von Zilli. Nicht häufig.
Ordnung: C yrte llaria.
Unterordnung: Spyroidea.
Familie: Zygospyrida.
486. Gattung: Dietyospyris.
103. Dietyospyris chlamydea Rüst. J. R. 321. Taf. 44 Fig. 22. Ovale, durch grosse poly-
gonale Maschenräume gebildete Gitterschale, deren Stäbe sehr zart sind, mit langen, von den Vereinigungs-
— Ma —
punkten ausgehenden dünnen Stacheln. Die ganze Schale mit den Stacheln erscheint in eine feine Kiesel-
hülle eingeschlossen. Ganze Länge 0,065, Breite 0,053, Länge der Schale 0,045 mm.
Vorkommen: In den Feuersteinen der oberen Kreide von England. Selten.
104. Dietyospyris horrida m. Taf. XXVII Fig. 11. Ovale, durch grosse polygonale Maschen-
räume gebildete Gitterschale, deren Stäbe kräftig sind. Die Vereinigungspunkte derselben mit starken
Stacheln besetzt. Länge 0,053, Breite 0,04 mm.
Vorkommen: In den Koprolithen von Zilli. Nicht häufig.
105. Dietyospyris globosa m. Taf. XXVII Fig. 12. Fast kugelrunde, durch grosse polygonale
Maschenräume gebildete Gitterschale, deren Stäbe kräftig sind. Die Vereinigungspunkte derselben mit
kurzen Stacheln besetzt. Durchmesser der Kugel 0,067 mm.
Vorkommen: In den Koprolithen von Zilli. Selten.
Unterordnung: Botryoidea.
Familie: Cannobotrida.
487. Gattung: Cannobotrys.
106. Cannobotrys globata m. Taf. XXVII Fig. 15. Kugelförmige Gitterschale, an welche
einander nicht gerade gegenüberstehend zwei ungleich grosse halbkugelförmige Gitterschalen angesetzt er-
scheinen. Ganze Länge 0,174, Breite 0,111 mm.
Vorkommen: In den Koprolithen von Zilli. Selten.
Unterordnung: Cyrtoidea, Monocyrtida.
Familie: Tripocalpida.
501. Gattung: Tripilidium.
107. Tripilidium debile Röst. J. R. 121. Taf. 35 Fig. 18. Vorkommen: Im Neocom
von Gardenazza. Selten.
Familie: Phaenocalpida.
528. Gattung: Archicorys.
108. Archicorys acuta m. Taf. XXVII Fig. 15. Kleine glockenförmige, nach oben in eine
lange gerade Spitze ausgezogene Kieselschale mit weiter, mit kurzen Dornen besetzter Oeffnung. Die
Löcher der Vorderhälfte in 13 bis 15 geraden Längsreihen. Höhe 0,112, Breite 0,078 mm.
Vorkommen: In den Koprolithen von Zilli. Nicht häufig.
—. 0 —
Familie: Cyrtocalpida.
529. Gattung: Cyrtocalpis.
109. Oyrtocalpis eurystoma Rüst. J. R. 107. Taf. 35 Fig. 4. Vorkommen: Im Neocom von
Gardenazza. Nicht selten.
110. Cyrtocalpis sphaerula m. Taf. XXVI Fig. 14. Runde, auf der Oberfläche mit kleinen
Dornen besetzte Gitterschale mit unregelmässig vertheilten Löchern und sehr kleiner ovaler Oeffnung.
Durchmesser der Schale 0,106, Durchmesser der Oeffnung 0,024 mm.
“Vorkommen: In den Koprolithen von Zilli. Nicht häufig.
530. Gattung: Mitrocalpis.
111. Mitrocalpis depressa m. Taf. XXVU Fig. 15. Stark niedergedrückte runde, mit sehr
kleinen Dornen besetzte Gitterschale mit eingezogener Oeffnung. Die dicht stehenden Löcher in 6 bis
7 Querreihen. Höhe 0,088, Breite 0,142 mm.
Vorkommen: In den Koprolithen von Zilli. Nicht häufig.
533. Gattung: Archicapsa.
112. Archicapsa rotundata Rüst. J. R. 124. Taf. 36 Fig. 2. Vorkommen: Im Neocom von
Gardenazza. Häufig.
113. Archicapsa Wiedersheimii Rüst. J. R. 125. Taf. 36 Fig. 3. Vorkommen: Im Neocom
von Gardenazza. Häufig.
Gattung: Podocapsa Rösr.
114, Podocapsa Hantkenii Rüst. J. R. 129. Taf. 36 Fig. 8. Vorkommen: Im Neocom
von Gardenazza. Nicht häufig.
Unterordnung: Diceyrtida.
Familie: Tripocyrtida.
548. Gattung: Lychnocanium.
115. Lychnocanium armatum m. Taf. XXVII Fig. 22. Das zweite Glied rundlich mit 7 Quer-
reihen dicht stehender Löcher, das Köpfchen halbkugelförmig mit 6 Querreihen. Die Oefinung mit drei
grossen Zähnen bewaffnet und am unteren Rande des ersten Gliedes schräg nach aufwärts gerichtete Zähne.
Höhe 0,055, Breite 0,045 mm.
Vorkommen: In den Koprolithen von Zilli. Selten.
552. Gattung: Micromelissa.
116. Micromelissa coarctata m. Taf. NXVII Fig. 28. Die beiden rundlichen Glieder sind
durch eine lange Einschnürung verbunden. Auf dem ersten Gliede und der Einschnürung 10 paarig gestellte
grosse Löcher, ähnlich wie bei Lithornithium. Die übrigen Löcher kleiner und unregelmässie. Das erste
Glied mit starkem Apicalstachel, das zweite mit zwei abstehenden Seitenstacheln. Ganze Länge 0,117,
grösste Breite 0,088, Breite in der Einschnürung 0,045, Breite des ersten Glieds 0,052, Länge der
Stacheln 0,025 mm.
Vorkommen: In den Koprolithen von Zilli. Selten.
555. Gattung: Tetrahedrina.
117. Tetrahedrina megapora m. Taf. XXVII Fig. 1. Beide rundlichen Glieder sind mit
grossen, etwas ungleichen Löchern besetzt, welche besonders am Köpfchen ungewöhnlich gross sind. Das
zweite Glied mit drei starken Stachen. Höhe 0,053, Breite 0,043, Länge der Stacheln 0,036 mm.
Vorkommen: In den Koprolithen von Zilli. Selten.
Familie: Anthocyrtida.
566. Gattung: Anthocyrtis.
118. Anthocyrtis hemisphaerica m. Taf. XXVIL Fig. 20. Das zweite Glied von der Form
einer Halbkugel mit drei Querreihen grosser dicht stehender Löcher und weiter, mit kleinen Zähnchen be-
setzter Oefinung. Das Köpfchen durch drei Kieselbögen gebildet, auf deren Vereinigung ein kleiner spitzer
Stachel steht. Höhe 0,053, Breite 0,04 mm.
Vorkommen: In den Koprolithen von Zilli. Nicht häufig.
119. Anthocyrtis Elisabethae m. Taf. NXVU Fig. 21. Das zweite Glied glockenförmig mit
7 Querreihen nicht dicht stehender Löcher. Das Köpfchen durch zwei Kieselbögen gebildet, auf deren
Vereinigung ein gerader Stachel steht. Die Oeffnung weit und am Rande mit Zähnchen besetzt. Höhe
0,053, Breite 0,045, Länge des Stachels 0,01 mm.
Vorkommen: In den Koprolithen von Zilli. Nicht selten.
Familie: Sethocyrtida.
576. Gattung: Sethocorys.
120. Sethocorys cepa m. Taf. XXVII Fig. 19. Zwiebelförmige Gitterschale mit kleinem, eben-
falls zwiebelförmigen Köpfchen. Die Löcher in 15 Querreihen. Die Oefinung nach starker Einschnürung
erweitert. Höhe 0,13, Breite 0,085 mm.
Vorkommen: In den Koprolithen von Zilli. Nicht häufig.
—. 208 —
576. Gattung: Dietyocephalus.
121. Dictyocephalus globulus m. Taf. XXVII Fig. 16. Fast kugelrunde Gitterschale mit
kleinem rundlichen Köpfchen, 16 bis 17 Längsreihen kleiner dicht stehender Löcher auf der Vorderseite
und einer durch ein horizontales Diaphragma verengerten Oeffnung, deren Aussenrand sehr kurze Dornen
trägt. Höhe 0,093, Breite 0,075, Durchmesser der Oeffinung 0,027 mm.
Vorkommen: In den Koprolithen von Zilli. Nicht selten.
122. Dietyocephalus melocactus m. Taf. XXVII Fig. 17. Rundliche, schwach bedornte Gitter-
schale mit grossem, halbkugelförmigen Köpfchen, welches 6 bis 7 Längsreihen von Löchern trägt. Auf
dem zweiten Gliede die grösseren Löcher in 5 Querreihen. Die Oefinung durch ein horizontales Diaphragma
verengert. Höhe 0,12, Breite 0,0785 mm.
Vorkommen: In den Koprolithen von Zilli. Nicht selten.
579. Gattung: Sethocapsa.
123. Sethocapsa cometa PAnTaneLtı J. R. 136. Taf. 36 Fig. 15. Vorkommen: Im Neocom
von Gardenazza. Häufig.
124. Sethocapsa pila m. Taf. XXVII Fig. 23. Fast kugelrunde Gitterschale mit dicht stehen-
‚ den, etwas unregelmässigen Löchern. Das Köpfchen durch drei im oberen Drittheil etwas verdickte Kiesel-
bögen gebildet, auf deren Vereinigungspunkte ein kleiner krummer Stachel steht. Höhe 0,081, Breite 0,051 mm.
Vorkommen: In den Koprolithen von Zilli. Selten.
580. Gattung: Dicolocapsa.
125. Dicolocapsa macrocephala m. Taf. XXVII Fig. 24. Das kugelrunde zweite Glied ist
mit dem grossen runden Köpfchen durch eine schwache Einschnürung verbunden. Die grossen, ziemlich
dicht stehenden Löcher in Schrägreihen. Länge 0,267, Breite 0,204 mm.
Vorkommen: Im Neocom von Gardenazza. Nicht selten.
126. Dieolocapsa macropora m. Taf. XXVII Fig. 25. Auf das kugelrunde zweite Glied ist
das fast halbkugelförmige erste aufgesetzt. Die sehr grossen Löcher des zweiten Gliedes in 5 Querreihen.
Länge 0,23, Breite 0,174, Durchmesser der Löcher 0,05 mm. |
Vorkommen: Im Neocom von Gardenazza. Häufige.
127. Dicolocapsa Gaultiana m. Taf. XXVII Fig. 26 und 27. Diese Art hat viele Aehnlich-
keit mit einer Eichel. Die beiden Glieder stellen ungleiche Abschnitte von Ovalen dar, welche mit einer
kleinen Einschnürung zusammengesetzt sind. Die dicht stehenden Löcher dieser stark variirenden Art sind
bisweilen auf beiden Gliedern von gleicher Grösse (Fig. 26). Bei den meisten Exemplaren jedoch auf dem
ersten Gliede grösser, als auf dem zweiten. Länge der ganzen Schale 0,147, Breite 0,072 bis 0,076, Länge
des ersten Gliedes 0,058, Länge des zweiten Gliedes 0,085 mm.
Vorkommen: In den Koprolithen von Zilli und Oker, und in einem Ammonites latidorsatus des
Gault von Zilli. Sehr häufig. Dürfte gut als Leitfossil zu verwerthen sein.
Unterordnung: Trieyrtida.
Familie: Podocyrtida.
587. Gattung: Theopodium.
128. Theopodium micropus Rüst. J. R. 155. Taf. 37 Fig. 15. Vorkommen: Im Neocom
von Teisendorf im Achthal und in einem Ammonites inflatus des Gault von Zilli. Nicht häufig.
Familie: Theocyrtida.
616. Gattung: Theosyringium,
129. Theosyringium tripartitum Röst. J. R. 151. Taf. 37 Fig. 11. Vorkommen: Im Neocom
von Gardenazza und vom Katzenberg im Trauchgebirge. Selten.
130. Theosyringium Amaliae PAnTAneLuı. J. R. 153. Taf. 37 Fig. 13. Vorkommen: Im
Neocom von Gardenazza. Nicht selten.
131. Theosyringium capitatum m. Taf. XXVIH Fig. 4. Auf das grosse kugelförmige zweite
Glied ist das kleine eiförmige erste Glied mit einem langen schlanken Halse aufgesetzt. Ihm gegenüber
bildet das dritte Glied eine kurze Röhre. Die ziemlich kleinen Löcher in 14 bis 15 gebogenen Längs-
reihen. Ganze, Länge 0,35, grösste Breite 0,204, Länge des ersten Gliedes mit dem Halse 0,075, Länge
des dritten Gliedes 0,035 mm.
Vorkommen: Im Neocom von Gardenazza. Nicht häufig.
619. Gattung: Theocorys.
Ä 132. Theocorys coronata m. Taf. XXVIII Fig. 2. Das erste Glied wird durch 5 nach Art
einer Krone zusammenlaufende Bögen gebildet, und trägt einen kleinen Apicalstachel, das zweite Glied
rundlich, das dritte halbkugelförmig mit weiter Oefinung. Beide mit ziemlich grossen dicht stehenden
Löchern. Höhe 0,055, Breite 0,036 mm. :
Vorkommen: In den Koprolithen von Zilli. Nicht häufig.
133. Theocorys pumila m. Taf. XXVIII Fig. 3. Die ganze Schale von der Form eines unten
abgeschnittenen Ovals. Das erste Glied, mit kleinem Apicalstachel, zeigt drei, das zweite vier und das
dritte zwei Querreihen dicht stehender Löcher. Die Oefinung schwach verengert. Höhe 0,063, Breite 0,04 mm.
Vorkommen: In den Koprolithen von Zili. Häufig.
623. Gattung: Theocapsa.
134. Theocapsa obesa Rüöst. J. R. 157. Taf. 37 Fig. 17. Vorkommen: Im Neocom von
Gardenazza. Nicht selten.
9
Palaeontographica. Bd. XXXIV. 27
— 20 .—
135. Theocapsa salva m. Taf. XXVII Fig. 5. Das erste Glied klein und stumpf-kegelförmig,
das zweite und dritte wie die aneinander gesetzten Hälften eines Ovals. Die Art unterscheidet sich von
der ähnlichen Theocapsa Emiliae m. aus dem Jura durch die Grösse, die glatte Oberfläche und die dichter
stehenden zahlreicheren Löcher. Höhe 0,147, Breite 0,058 mm.
Vorkommen: In den Koprolithen von Zilli. Häufig.
Unterordnung: Stichocyrtida.
Familie: Phormocampida.
636. Gattung: Stichophormis.
136. Stichophormis multicostata Zırmen. J. R. 211. Taf. 41 Fig. 1 und 2. In den Jura-
Radiolarien wurde diese Art irrthümlich als Stichophormis radiata GUEMBEL aufgeführt. Vorkommen: Im
Neocom von Gardenazza. Häufig. — In den Koprolithen von Oker am Harz. Selten.
Familie: Lithocampida.
643. Gattung: Dietyomitra.
137. Dietyomitra stabilis Rüst. J. R. 165. Taf. 38 Fig. 6. Früher Lithocampium stabile m.
Vorkommen: Im Neocom von Gardenazza. Nicht selten. ;
138. Dietyomitra rectilinea Rüst. J. R. 167. Taf. 38 Fig. 8 und 9. Früher Lithocampium
rectilineum m. Vorkommen: In den Koprolithen von Zilli. Nicht selten.
139. Dietyomitra aperta m. Taf. XXVII Fig. 6. Viergliedrige Cyrtide mit sehr weit offenem
letzten Gliede. Die beiden ersten Glieder mit je drei, das dritte und vierte Glied mit vier Querreihen
dicht stehender Löcher. Höhe 0,12, Breite 0,072 mm.
Vorkommen: In den Koprolithen von Zilli. Häufig.
140. Dicetyomitra lanterna m. Taf. XXVII Fig. 8. Fünfgliedrige Cyrtide, deren zweites Glied
durch zahlreiche Bögen gebildet wird, welche lang-ovale Löcher zwischen sich lassen. Das dritte Glied ist
das grösste und das vierte sehr schmal. Das erste und dritte Glied mit sechs, das vierte mit drei und
das fünfte mit nur einer Querreihe von Löchern. Die Oeffnung mit sehr kleinen Zähnchen besetzt. Höhe 0,2,
Breite 0,106 mm.
Vorkommen: In den Koprolithen von Zilli. Selten.
141. Dietyomitra ventricosa m. Taf. XXVUI Fig. 7. Vielgliedrige, etwas bauchige Cyrtide
mit grösstem vierten Gliede.. Das fünfte stark eingezogen mit kurzen Seitendornen und kleinen Zähnchen
um die Oeffnung. Das letzte Glied mit drei, die drei vorletzten mit je vier Querreihen dicht stehender
Löcher. Höhe 0,174, Breite 0,099 mm.
Vorkommen: In den Koprolithen von Zilli. Nicht häufie.
— a
142. Dietyomitra lata m. Taf. XXVII Fig. 9. Viergliedrige Cyrtide mit sehr grossem zweiten
und dritten Gliede. Die Löcher der ersten beiden Glieder unregelmässig, auf dem dritten Gliede in sechs
und auf dem mit weiter Oeffnung versehenen vierten in drei Querreihen. "Höhe 0,295, Breite 0,117 mm.
Vorkommen: In den Koprolithen von Zilli. Häufig.
143. Dietyomitra cretacea Rüst. J. R. 184. Taf. 39 Fig. 3. Früher Lithocampe ceretacea m.
Vorkommen: Im Flysch von Teisendorf, im Neocom von Gardenazza und in einem ÖOrioceras Diwali aus
dem Neocom der Schweiz. Ueberall häufig.
144. Dietyomitra pervulgata Rüst. J. R. 187. Taf. 39 Fig. 6. Früher Lithocampe pervul-
gata m. Vorkommen: Im Neocom von Gardenazza, von Podbiel und Arvaväratja in Ungarn. Häufig.
145. Dietyomitra cerassitestata Rüst. J. R, 191. Taf. 39 Fig. 10. Früher Lithocampe erassi-
testata m. Vorkommen: Im Neocom von Gardenazza. Selten.
146. Dictyomitra ananassa Rüst. J.R. 199. Taf. 40 Fig. 3. Früher Lithocampe ananassa m.
Vorkommen: Im Neocom von Gardenazza. Nicht häufie.
147. Dietyomitra polypora Zırren. In der Zeitschrift der deutschen geologischen Gesellschaft,
Band 28, pag. 75 bis 96, Taf. 2 Fig. 1, beschrieben und abgebildet. Vorkommen: Im Neocom von Gar-
denazza und in den Koprolithen von Zilli. Nicht selten.
148. Dietyomitra Geresii m. Taf. XXVIII Fig. 10. Vielgliedrige, gleichmässig zunehmende
Cyrtide, deren drei erste Glieder kleine unregelmässige Löcher tragen. Das vierte, fünfte und sechste
Glied mit je drei Querreihen grösserer Löcher. Das letzte schmale Glied mit nur einer Reihe und weiter
Oeffnung. Höhe 0,147, Breite 0,058 mm.
Vorkommen: In den Koprolithen von Zilli. Nicht selten.
149. Dictyomitra parva m. Taf. XXVIIL Fig. 14. Kleine viergliedrige Cyrtide, deren erstes
Glied durch einen kurz bedornten Bogen gebildet wird. Auf den übrigen Gliedern die Löcher in ziemlich
regelmässigen Längsreihen angeordnet. Höhe 0,067, Breite 0,039 mm.
Vorkommen: In den Koprolithen von Zilli. Nicht häufig.
150. Dietyomitra excisa m. Taf. XXVIII Fig. 15. Fünfgliedrige conische Cyrtide mit weit
ausgeschnittener Mundöffnung. Die vier ersten Glieder mit je drei, das letzte mit zwei Querreihen von
Löchern. Höhe 0,175, Breite 0,106 mm.
Vorkommen: In den Koprolithen von Zilli. Nicht häufig.
151. Dictyomitra Anglica m. Taf. XXVII Fig. 16. Fünfgliedrige kegelförmige Cyrtide mit
eingeschnürten Gliedern und wenigen grossen Löchern. Höhe 0,25, Breite 0,093, Durchmesser der Löcher
0,035 mm.
Vorkommen: Im Feuerstein der oberen Kreide von England. Sehr selten.
152. Dietyomitra varians m. Taf. XXVII Fig. 12 und 13. Vielgliedrige, spitz-kegelförmige
Cyrtide mit 10 bis 12: Gliedern, welche je drei Querreihen etwas unregelmässiger Löcher tragen. Die Art
varürt stark in der Breite. Höhe 0,326, Breite 0,043 bis 0,58 mm.
Vorkommen: In den Koprolithen von Zilli und im Neocom von Gardenazza. Häufig.
153. Dictyomitra perfecta m. Taf. XXVIII Fig. 11. Neun- bis zehngliedrige Cyrtide. Auf
dem siebenten und achten Gliede mit vier, auf den Uebrigen mit drei Querreihen von Löchern. Das letzte
Glied eingeschnürt und die mit kleinen Zähnchen besetzte Oeffnung etwas erweitert. Höhe 0,35, Breite
0,117 mm.
Vorkommen: In den Koprolithen von Zilli. Nicht selten.
649. Gattung: Siphocampe.
154. Siphocampe accrescens Rüst. J. R. 169. Taf. 38 Fig. 11. Früher Siphocampium aceres-
cens m. Vorkommen: In den Koprolithen von Zilli. Nicht selten.
653. Gattung: Cyrtocapsa.
155. Oyrtocapsa inclinata m. Taf. XXVII Fig. 19 und 20. Geschlossene, vier- bis fünf-
gliedrige Cyrtide mit schrägem Apicalstachel. Die rundlichen Glieder, welche stets etwas schief aneinander
gereiht sind, mit nach unten grösser werdenden Löchern. Das letzte Glied klein und halbkugelförmig.
Fig. 20 stellt eine Jugendform dieser Art dar. Höhe 0,147, Breite 0,065 mm.
Vorkommen: In den Koprolithen von Zilli, Nicht selten.
654. Gattung: Stichocapsa.
156. Stichocapsa jucunda Rüst. J. R. 179. Taf. 35 Fig. 21. Früher Tetracapsa jucunda m.
Vorkommen: Im Neocom von Gardenazza. Nicht selten.
157. Stichocapsa Zinckenii Rüst. J. R. 178. Taf. 38 Fig. 20. Früher Tetracapsa Zinckenii m.
Vorkommen: Im Neocom von Gardenazza und Arvaväratja. Nicht selten.
158. Stichocapsa devorata Rüst. J. R. 216. Taf. 41 Fig. 7 und 8. Vorkommen: Im Neocom
von Gardenazza. Nicht selten.
159. Stichocapsa decora Rüst. J. R. 225. Taf. 42 Fig. 3. . Vorkommen: Im Neocom von
Gardenazza und in einem Ammonites inflatus von Zilli. Selten.
160. Stichocapsa imminuta Rüst. J. R. 226. Taf. 42 Fig. 4 Vorkommen: Im Neocom von
Gardenazza. Nicht häufig.
161. Stichocapsa rostrata Rüst. J. R. 231. Taf. 42 Fig. 9. Vorkommen: Im Flysch von
Teisendorf. Selten.
162. Stichocapsa venusta m. Taf. XXVUI Fig. 17. Geschlossene, vier- bis fünfgliedrige Cyr-
tide mit grossem kugligen letzten Gliede und dicht stehenden, etwas unregelmässigen Löchern. Die Glieder
sind fast ohne Einschnürungen aneinander gefügt. Höhe 0,147, Breite 0,099 mm.
Vorkommen: In den Koprolithen von Zilli. Selten.
rag
163. Stichocapsa Trautscholdii m. -Taf. XXVIIL Fig. 18. Vier- bis fünfgliedrige Cyrtide
mit sehr kleinem ersten und zweiten, kugligem vierten und halbkugelförmigem dritten und fünften Gliede.
Die dicht stehenden Löcher nicht regelmässig gestellt. - Höhe 0,128, Breite 0,067 mm.
Vorkommen: In den Koprolithen von Zilli. Nicht selten.
Ordnung: Phaeodaria.
Unterordnung: Phaeocystia.
Familie: Phaeodinida.
Gattung: Phaeodina.
164. Dietyocha trigona Zırrer. loc. cit. Taf. 2 Fig. 6 und 6a. Dieser von v. ZiTTEL im Kreide-
mergel von Coesfeld aufgefundenen Dietyocha ganz ähnliche Formen wurden in den Koprolithen von Zilli,
jedoch nur wenige, beobachtet.
165. Dictyocha speculum ?Erre. Taf. XXVII Fig. 21. Ob die abgebildete Form, deren Höhe
0,045 und Breite 0,07 mm beträgt, nicht eher der Harcken’schen 439. Gattung Circotympanum angehört,
wage ich nicht zu entscheiden, da in den Koprolithen von Zilli nur sehr wenige und mangelhafte Exem-
- plare gefunden wurden.
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Die Inseetenwelt des lithographischen
1839.
1840.
1862.
1864.
1866.
1869.
1873.
1874.
1874.
1877.
1880. »
1885.
1885.
1885.
1885.
1386.
Schiefers in Bayern
von
Paul Oppenheim.
Mit Tafel XXX, XXXI.
Literatur.
Germar: Die versteinerten Insecten Solnhofens. (Nov. Act. Ac. Leop. Carol. Bd. XIX. S. 189—222.)
Germar: Beschreibung einiger neuer fossiler Insecten. (Münster’s Beiträge zur Petrefaktenkunde. Heft 5.
S. 79—89.)
Hagen: Die Neuropteren aus dem lithographischen Schiefer in Bayern. (Palaeontographica. Bd. X. S. 96—145.)
Heer, O.: Ueber die fossilen Kakerlaken. (Vierteljahrsschr. der naturf. Ges. Zürich. 9. Jahrg.)
Hagen: Die Neuroptera des lithographischen Schiefers in Bayern. (Palaeontographica. Bd. XV. S. 57—96.)
Weyenbergh, H.: Sur les insectes fossiles du calcaire lithographique de la Baviere qui se trouvent au musde
Teyler. (Arch. Mus. Teyler. T. I. p. 247—294.)
Weyenbergh, H.: Notes sur quelques insectes du calcaire jurassique de la Baviere. (Arch. Mus. Teyler.
T. III. p. 234—240.)
Weyenbergh, H.: Varia zoologica et palaeontologica. (Periödico zoolögico. Buenos-Aires. T.I. pag. 77—86.)
Weyenbergh, H.: Enumeration systematique des especes qui forment la faune entomologique de la periode
mesozoique de la Baviere. (Periödico zoologico. T. I. pag. 87—106.)
Assmann, A.: Ueber die von Germar beschriebenen und im palaeontologischen Museum zu München befind-
lichen Insecten aus dem lithographischen Schiefer in Bayern. (Amtl. Ber. der 50. Versamml. deutscher Naturf.
und Aerzte. München. S. 191—192.
Scudder, S.: The devonian inseets of New Brunswick. (Mem. Boston Soc. nat. hist. 1880. p. 41.)
Seudder, S.: Notes on mesozoic cockroaches. (Proceed. Ac. nat. sciences Philadelphia. 1885. P. II.)
Brauer, F.: Systematisch-zoologische Studien. (Sitzungsber. der mathem.-naturw. Klasse der k. k. Academie
der Wissenschaften. Wien 1885.)
Oppenheim, P.: Die Ahnen unserer Schmetterlinge in der Secundär- und Tertiärperiode. (Berl. entomolog.
Zeitschrift. Bd. XXIX. S. 331—349.)
Seudder, 8.: Beitrag zu Zittel’s Handbuch der Palaeontologie. S. 747—831.
Deichmüller, J. V.: Die Insecten aus dem lithographischen Schiefer im Dresdener Museum. (Mittheilungen
aus dem k. geol.-mineral. und praehistorischen Museum in Dresden. VII. Heft 1886.)
—. 219 —
1886. Brauer, F.: Ansichten über die palaeozoischen Insecten und deren Deutung. (Ann. des k. k. naturhistor.
Hofmuseums. ‘Wien 1886.)
1886. Redtenbacher, J.: Vergl. Studien über das Flügelgeäder der Insecten. (Ann. des k. k. naturhistorischen
Hofmuseums. Wien 1886.)
Die Beschäftigung mit der Insectenwelt des lithographischen Schiefers in Bayern reicht zurück bis
in die ersten Jahrzehnte unseres Jahrhunderts. Die erste grundlegende Arbeit datirt aus dem Jahre 1839.
In diesem und dem folgenden Jahre veröffentlichten Graf Müxster und der Hallenser Professor GERMAR
mehrere Aufsätze über diese interessanten Fossilien und stellten eine Anzahl von Gattungen und Arten
aus ihnen zusammen. Wenn man bedenkt, wie lückenhaft und beschränkt die damalige Kenntniss der
recenten Formen, wie unklar und unzulänglich die damaligen noch stark unter dem Einflusse der Cuvier’-
schen Katastrophenlehre und des Dogmas von der Unveränderlichkeit der Arten stehenden Theorien über
den Zusammenhang fossiler und recenter Formen überhaupt waren, so wird man dem Werke GErMAr’s die
aufrichtigste Anerkennung nicht versagen können. Trotz seiner schlecht erhaltenen, in den meisten Fällen
nur undeutliche Umrisse gebenden Exemplare, trotz der die feinere Beobachtung so unendlich störenden
Bemalung, mit welcher Graf Münster nach damaliger Sitte seine Fossilien zu verdeutlichen bestrebt war,
hat er es mit seltenem Scharfblick verstanden, in vielen Fällen durchaus zutreffende Beschreibungen und
Bestimmungen zu geben.
Diese gingen dann in die verschiedenen Handbücher der Petrefaktenkunde über, und bei dem
geringen Interesse, welches von Seiten der damaligen Geologie allem, was sich nicht durch gigantische
Grösse, abenteuerliche Form oder praktischen Nutzen als Leitfossil empfahl, entgegengebracht wurde, war
es nicht wunderbar, dass die sich allmählig in immer grösserer Menge und herrlicher Erhaltung anhäufenden
Insectenreste keine neue Bearbeitung erfuhren, sondern Jahrzehnte lang unter den auf durchaus unge-
nügende Originale begründeten Germar’schen Bezeichnungen in den Museen etiquettirt, aufbewahrt und
vergessen wurden.
Haczn’s Verdienst ist es, die allgemeine Aufmerksamkeit wieder auf unsere jurassische Insecten-
welt hingelenkt und in einer auf seltene Sachkenntnis und eingehende Beobachtung gestützten Arbeit wenig-
stens die Neuropteren und unter ihnen besonders die Odonaten klar und präzis beschrieben zu haben, die
Hagzn’schen Aufsätze, welche 1861 in den „Palaeontographica“ erschienen, geben ausser einer sorgfältigen»
Darstellung der Pseudoneuropterenreste des Göttinger und Münchener Museums auch einen ausführlichen
Catalog der anderen Ordnungen zuzuzählenden Formen, verbunden mit einer an der Hand der Originale,
welche er in München zu studiren Gelegenheit hatte, geführten Kritik der Germar’schen Bestimmungen.
Beschrieben hat Hasen ausser den Pseudoneuropteren leider nichts; selbst die Reste der eigentlichen
Neuropteren unserer Formation sind von ihm nur kurz erwähnt und mit Namen versehen, aber weder ge-
schildert noch abgebildet worden.
Nach den präcisen und sorgfältigen Untersuchungen Hagrn’s hätte man bei der grossen Verbreitung
und Erweiterung, welche die entomologischen Studien in den letzten Jahrzehnten erfahren haben, auch bald
einen weiteren Fortschritt in der Kenntniss der von Hagen nicht bearbeiteten Formen erwarten sollen;
sonderbarer Weise trat das Gegenteil ein, es vollzog sich ein entschiedener Rückschritt durch eine 8 Jahre
später 1869 in dem Archiv du Musce Teyler zu Harlem veröffentlichte und später durch verschiedene
kleinere Aufsätze vervollständigte Arbeit des nierderländischen, später in Cordoba (Argentinien) wirkenden
Professors H. WEYENBERGH. Es ist ohne Autopsie der im Harlemer Museum liegenden Originalstücke
schwer festzustellen, ob die dortigen, anscheinend in grosser Zahl vertretenen Insectenreste wirklich so un-
deutlich und schlecht erhalten sind, als man es nach WEYEnBERGH’s Tafeln und Text anzunehmen berech-
tigt wäre. Es sind unter den 56 Abbildungen, welche er auf 4 grossen Tafeln aufführt, vielleicht 3 oder 4,
bei welchen man überhaupt ein bestimmtes Bild empfängt; dies ist um so bedauerlicher, als sich Weyex-
BERGH in seinem Texte ausdrücklich auf seine Figuren beruft, die dann aushelfen sollen, wenn seine Beschrei-
bungen dem Leser etwa nicht genügende Klarheit gewährten! Seine Namen und Species, die er in erdrückender
Zahl aufführt, jeden noch so undeutlichen Rest zur neuen Species stempelnd, haben sich als erschwerender
Ballast auf unserem Gebiete erwiesen und bei dem in der Wissenschaft nun einmal so streng waltenden
Prioritätsprinzip ist es nicht Wunder zu nehmen, dass auch sie, obgleich innerlich haltlos und unbe-
gründet, in allen späteren Aufsätzen Eingang gefunden haben, dass selbst Scupper in seinem sorgfältigen
Beitrag zu Zırrer’s Handbuch dieselben, allerdings häufig mit ausgesprochenen Zweifel an ihre Gültigkeit,
aufzuführen für nöthig befunden hat.
1577 erschien dann im "amtlichen Bericht der 50. Versammlung deutscher Naturforscher und
Aerzte ein Vortrag von Assmann über „die von GERMAR beschriebenen und im palaeontologischen Museum
zu München befindlichen Insecten aus dem lithographischen Schiefer in Bayern“. Der Verfasser verbreitet
sich darin über die Undeutlichkeit der betreffenden Objecte, bedauert die falschen Bestimmungen GERMAR’S
und WEYENBERGH's, dessen Fossilien „man selbst unter Zuhilfenahme der Abbildungen gar nicht zu deuten
im Stande wäre“ und fügt dann einen von ihm selbst verfassten Catalog über die Münchener Stücke hinzu,
der, wie bei der genauen Kenntniss der recenten Formen, welche der Verfasser besitzt, nicht anders zu er-
warten, sehr viel Richtiges und Brauchbares enthält. Auf Assmann’s Klagen in Betreff der Undeutlichkeit
unserer Objecte, die ihn selbst allerdings an der richtigen Erkenntniss nicht gehindert zu haben scheint,
kommen wir später ausführlicher zurück.
1885 endlich habe ich selbst einen kleineren Beitrag in der Berliner entomologischen Zeit-
schrift zu liefern Gelegenheit gehabt, der indess in seinen Schlussfolgerungen durch die neuesten Unter-
suchungen J. V. DEICHMÜLLER’S, wie ich im Specielleren ausführen werde, stark modificirt wird. Diese
letztere Publikation, welche sich durch die exacte und skrupulöse, von genauer Kenntniss der recenten
Formen unterstützte Untersuchung der fossilen Typen auszeichnet, lässt aufrichtig bedauern, dass der Ver-
fasser sich ausschliesslich auf die Beschreibung des Dresdener, nicht in allen Ordnungen gleichmässig glän-
zend vertretenen Materials beschränkt hat. Ich habe sie diesem Aufsatz zu Grunde gelegt und mich bei
der Beschreibung der von DEıcHwmÜLtEer besonders eingehend behandelten Orthopteren im Wesentlichen auf
Constatirung der etwaigen Unterschiede in der Auffassung beschränkt, wie ich auch die von HAGEN so ein-
gehend behandelten Odonaten nicht weiter berücksichtigt habe. Ausserdem habe ich mich in der Be-
sprechung eng an die vortrefflichen Untersuchungen von Fr. Brauer und J. REDTENBACHER angelehnt,
welche letzteren es dem Palaeontologen zum ersten Male ermöglichen, vergleichend anatomische und phylog-
netische Betrachtungen über den Insectenflügel und seine Nervatur anzustellen und sich in dem wirren
Palaeontographica. Bd. XXXIV. 25
Chaos der verschiedenen Nomenclaturen leicht und sicher zurecht zu finden. Wenn wir BRAUER’s Syste-
matik nicht unbedingt gefolgt sind, so geschah dies nur aus Zweckmässigkeitsrücksichten, da die künstlichen
Collectivbegriffe, welche die Darstellung so erleichtern, seiner natürlichen Systematik mehr oder weniger
fehlen, dieselben für eine generelle Betrachtung aber schwer zu entbehren sein dürften. So ist z. B. die
Pıckarn-Scupper’sche Zweitheilung der Classe der Insecten in heterometabole und metabole, so falsch und
unnatürlich sie zweifellos ist, doch für eine allgemeine Besprechung zu bequem, als dass sie ohne Ersatz
verworfen werden könnte.
Was nun den Erhaltungszustand der Insecten des lithographischen Schiefers anlangt, so vermögen
wir in die darüber so oft geführten, insbesondere auch öffentlich durch Assmann vertretenen Klagen nicht
einzustimmen. Allerdings darf man keine Tertiär-Insecten erwarten und nicht den Anspruch erheben, bis
in die Art hinein genaue Identificirung mit den recenten Formen durchführen zu wollen. Auch erkennt
man auf den ersten Blick häufig nur undeutliche Umrisse, wo bei längerem Studium die Proportionen
allmählig ganz plastisch hervortreten. Dass keine Art von Präparation hilft, haben sämtliche Autoren über-
einstimmend versichert und vermögen auch wir dies aus eigener Erfahrung zu bestätigen; ein vorsichtiges
Beizen mit Salzsäure scheint bei den noch oberflächlich mit Kalk bedeckten Stücken noch am meisten Aus-
sicht auf Erfolg zu haben, hilft indess auch nicht viel. Am besten erhalten sind die Kelheimer Objecte,
wo einerseits der blendend weisse Stein die Orientirung ungemein erleichtert, andererseits die Fossilien ent-
weder noch die Chitinstruktur erkennen lassen oder durch zierliche Dendritenbildung sich plastisch auf der
weissen Fläche abheben; leider ist der Betrieb jetzt in Kelheim so eingeschränkt, dass bei dem ohnehin
vie] selteneren Vorkommen fossiler Insecten in den dortigen Schichten für die Zukunft von dort nicht viel
zu erwarten scheint. Besonders viel undeutliche Reste enthält Eichstädt, wo die Insecten dafür aber in so
grosser Menge gefunden werden, dass man sicher sein kann, bei jedem Besuche in den Steinbrüchen ein
oder das andere Exemplar zum Kaufe angeboten zu erhalten. Indessen finden sich auch hier herrliche
Stücke und wenn man die auf Taf. XXX dargestellten Ephemeriden und Blattiden betrachtet oder das
grosse auf Taf. XXXI Fig. 15 abgebildete, bisher als Pygolampis gigantea GERMAR bekannte Fossil ansieht,
so wird man sicherlich in die Klagen über die Undeutlichkeit unserer Insectenreste nicht mit einstim-
men können.
Was nun die Art und Weise anlangt, wie die Thiere in die Gesteinsmasse selbst geriethen und
conservirt wurden, so scheint uns zweifellos, dass sie nicht lange im Wasser herumgetrieben sein können.
Meist sind die Thiere ganz und vollständig erhalten, Spuren längerer gewaltthätiser Einwirkungen von
aussen sind nicht nachzuweisen, einzelne Beine und Flügel gehören zu den Seltenheiten. Jä es haften sogar
die bei den recenten Insecten so leicht abbrechenden Abdominalanhänge noch in den meisten Fällen fast
unversehrt am Leibe des Fossils. Die Ephemeriden tragen ihre langen Schwanzfäden, die Blattiden die
kurzen Anhänge des Hinterleibs; die Pygolampis GERMAR besitzt in sämtlichen hier und in Augsburg vor-
handenen Exemplaren noch ihre 3 haardünnen, zerbrechlichen Beinpaare. Die Ansicht Hagen’s, die Thiere
seien durch Stürme in das offene Meer hinausgetrieben und von den Wellen wieder an den Strand ge-
worfen worden, scheint uns daher wenig Wahrscheinlichkeit zu besitzen; lang von den Fluthen herumge-
triebene Insectenkörper werden in ihre einzelnen Theile zerlegt und dürften wohl in den meisten Fällen
nur in Flügeln oder einzelnen Gliedmassen erhalten bleiben; Bruchstücke gehören aber gerade bei den
Stücken unserer Formation zu den fast verschwindenden Ausnahmen. Wir vermuthen daher, dass, wie
— 219
einerseits die Landinsecten unmittelbar nach ihrem Verenden in der Nähe des Riffufers, welches ihnen ihr
Dasein gab, begraben wurden, so auch die jetzt das Süsswasser bewohnenden Formen damals im Brack-
wasser, wenn nicht im Meere selbst lebten, da uns ein längerer Wassertransport aus den vorher ange-
führten Gründen ausgeschlossen erscheint. Dass auch heute noch Inseeten das Meer bewohnen, beweist die
kleine Gattung Halobates EscHHouLrz und die Thatsache, dass auch Belostomen ‘oft genug an der Küste
Amerikas in der Nähe der grossen Ströme gefangen worden sind.
Um endlich in einem allgemeinen Ueberblicke die faunistischen Resultate der bisherigen wie unserer
Untersuchungen zusammenzufassen, so erscheinen im lithographischen Schiefer sämtliche Ordnungen der
Heterometabola reich vertreten. Den grössten Procentsatz stellen Orthopteren, Odonaten und Coleopteren,
die metamorphen Neuropteren dagegen treten stark zurück. Die Orthopteren sind besonders durch eine in
unglaublicher Individuenzahl erscheinende Blattide, die Mesoblattina lithophila GERM. em. DEICHMÜLLER
vertreten; zwei andere mesozoische Schaben, Pterinoblattina hospes GERM. und gigas WEYENBRRGH Sind nur
in je einem Flügelreste bekannt; nicht ganz so zahlreich an Individuen, aber an Gattungen sehr mannig-
faltig sind die Locustiden, die zum Theil gigantische Proportionen erreichen (Pycenophlebia speeiosa Münsr.),
aber auch kleine, sehr zierliche Formen (Eliana amanda Hac.) aufweisen. Die den Acridiern von DEıcH-
MÜLLER zugesprochenen Formen (Chresmoda obscura GERM.) sind stark controvers, Mantiden und Phasmiden
sind bis jetzt gar nicht vertreten, ebenso fehlen die Harmopteren. Unter den Odonaten sind sämtliche
Gruppen, zum Theil in riesenhaften Gestalten vertreten, Calopteryginen und Gomphinen treten stark hervor,
Agrioninen und Libelluliden dagegen zurück. Die Ephemeriden sind durch eine Reihe sehr individuen-
reicher Arten repräsentirt, welche sich alle von den recenten Formen durch die auffallend grossen Unter-
flügel und anscheinend geringere Queraderung so wesentlich unterscheiden, dass sie eine ganz besondere,
scharf charakterisirte, wahrscheinlich ganz ausgestorbene Abtheilung dieser Ordnung bilden dürften. Sehr
reich und mannigfaltig ist die Ordnung der Coleopteren vertreten, unter welchen Carabiden, Hydrocantha-
riden und Sternoxier vorwiegen, Hydrophiliden (?), Lamellicornier, Clavicornier, Curculioniden, Longicornier,
Chrysomeliden und Heteromeren seltener beobachtet werden. Von echten Neuropteren sind nur die Gat-
tungen Apochrysa, Chrysopa und Nynphes unter den Hemerobiden, Corydalis unter den Scaliden, bis jetzt mit
Sicherheit nachgewiesen. Von Hemipteren sind sowohl Homoptera als Heteroptera bekannt; erstere weisen
je eine zu den Cicadinen (Zocicada suprajurensis n. sp.) und zu den Fulgorinen (Prolystra lithographica
n. Sp.) gehörige Gattung auf. Unter den eigentlichen Wanzen ist bis jetzt nur eine Geocoride (Ischyopteron
suprajurense n. sp.) aufgefunden; die Hydrocoriden sind durch grosse Belostomen, Nepiden, Sphaerodemen,
Naucoriden und Natonectiden charakterisirt, die Hydrometriden durch eigenthümliche Riesenformen (Halo-
metra n. 8.).
So dicht und weit verästelt, nach allen Richtungen hin seine Zweige versendend sich nun auch der
Stamm der Heterometabola darstellt, so dürftig und spärlich sind die Spuren metaboler Insecten im litho-
graphischen Schiefer. Obgleich Dipteren schon vom Lias an bekannt sind (Macropeza sp. GEIITz aus dem
Lias von Dobbertin), so sind bis jetzt sichere und unzweifelhafte Reste in unserer Formation nicht nach-
gewiesen worden; WAS GERMAR und WEYENBERGH als Dipteren beschreiben (Musca kthophila GErMm., Bombus
conservatus WEYENB. etc.) ist alles unzweifelhaft Blattide oder Coleopteron. Echte Lepidopteren sind aus
dem Dogger Englands und Sibiriens von BUTLER und mir beschrieben (Palaeontina oolitica BUTLER, Palaeo-
cossus jurassicus und Phragmatoeeites Damesi mihi); trotz der günstigen Erhaltungsbedingungen, welche
ag
— 220. —
gerade der lithographische Schiefer zu bieten scheint, fehlt in ihm bis jetzt jede Spur von dem Vorhanden-
sein typischer Schmetterlinge. Die Rhipidorhabden (Pseudosirex Derchm.) scheinen die niedersten und bis
jetzt alleinigen Vertreter der Hymenopteren zu repräsentiren; sie haben sich indessen besonders in ihrer
Flügelnervatur, wie wir im Specielleren nachzuweisen versuchen werden, noch eine Anzahl von ursprüng-
lichen, an den Neuropthopterenflügel erinnernden Charakteren bewahrt.
Was endlich die Unterschiede anlangt, welche die jurassischen Formen von den recenten trennen,
so erscheint uns zweiffellos, dass dieselben, wie dies schon Hasen bemerkt, zum mindesten generischer
Natur sind, wahrscheinlich sogar in einzelnen Ordnungen die Aufstellung neuer Familien rechtfertigen
würden (so unter den Ephemeriden sämmtliche unserer Formation angehörigen Formen, unter den Hemip-
teren die Gattung Halometra mihi, unter den Hymnopteren Rhipidorhabdus m.). Generische Unterschiede
sind bei vielen Formen mit günstiger Erhaltung direct festzustellen, bei anderen schlechter conservirten
Typen, wie z. B. den Coleopteren, dürften sie wohl aus Analogie angenommen werden müssen. In der so
conservativen, anscheinend vom Silur an typisch entwickelten Ordnung der Blattinen repräsentiren die beiden
im lithögraphischen Schiefer auftretenden Typen, wie mit Sicherheit festzustellen, zweifellos ausgestorbene
Gattungen (Mesoblattina und Pterinoblattina ScuDDer); für mehrere Locustiden hat DEICHMÜLLER dies über-
zeugend dargethan. Die Eocicada mierocephala ist wegen ihres kleinen Kopfes, der bei keiner recenten
Gattung unter den Cicaden ähnliche Form- und Grössenverhältnisse aufweist und eher an die Fulgorinen
erinnert, während die Flügelnervatur die für die Cicadinen typischen Verhältnisse aufweist, als selbständige
Gattung charakterisirt. Wie leicht sich diese generischen Unterschiede der Beobachtung entziehen können,
das beweist die Belostoma deperditum GERMAR. Dieselbe besitzt durchaus den für die Belostomen so
typischen Habitus und scheint auch im Speeielleren keine Unterschiede darzubieten, ein aussergewöhnlich
gut erhaltenes Object lässt uns aber deutlich erkennen, dass die Nervatur der Flügeldecken eine von den
recenten Formen durchaus verschiedene ist. Aehnliche Erfahrungen dürfte man wahrscheinlich auch bei den
geologisch jüngeren Ordnungen der Coleopteren und echten Neuropteren (bei den Odonaten hat es HaGEn
schon nachgewiesen), wenn deutlicher erhaltene Formen aufgefunden werden sollten, zu machen Gelegen-
heit haben.
Zum Schlusse ist es mir eine angenehme Pflicht, denjenigen Herren, welche mich bei dieser Arbeit
durch gütige Ueberlassung des Materials und Nachweis von Literatur unterstützt und gefördert haben, ins-
besondere Herrn Professor Dr. K. v. Zırrer, der mir in liebenswürdigstem Entgegenkommen die ganze
reiche Sammlung des Münchener Museums zur Verfügung stellte, und dem: Directorium des Maximilianeums
zu Augsburg, besonders Herrn Medieinalrath Dr. O0. Roger, welcher mir eine Reihe von guten Stücken zur
Bearbeitung überliess, meinen verbindlichsten Dank hierdurch auszusprechen. Gleichen Dank schulde ich
dem Director des Münchener zoologischen Museums, Herrn Professor Dr. R. Hrrrwıc, und dem Custos der
entomologischen Sammlung, Herrn Dr. KRIECHBAUMER, für die im ausgedehnten Maasse gestattete Benützung
des recenten Vergleichmaterials.
Billatwerea:
Mesoblattina lithophila Germar em. DEICHm.
Taf. XXX Fie. 6, 8.
Musca lithophila Germar. Blabera avita HEyDEn.
Der sorgfältigen Beschreibung, welche diese Type durch DEıcHMmÜLLeEr erfahren hat, dürften nur
wenige Einzelheiten hinzuzufügen sein. Der Halsschild ist, wie die vortrefflich erhaltenen Exemplare deut-
lich erkennen lassen, stets etwas gebuckelt; ‚der Thorax stark gekielt, das letzte und vorletzte Segment
des Abdomens mit je 2 kurzen pfriemenförmigen Anhängen versehen deren äussere wie bei Periplaneta
die inneren an Grösse und Stärke übertreffen. An den Beinen sind die Schienen mit starken, widerhaken-
ähnlichen Dornen versehenen, wie dies an mehreren Exemplaren mit wünschenswerther Deutlichkeit zu er-
kennen ist.
Was die systematische Stellung des Thieres anlangt, so scheint seine 'Angliederung an die meso-
zoische Gattung Mesoblattina eine durchaus zweckmässige und nothwendige. Von recenten Schaben dürfte
gs die meiste Aehnlichkeit mit Periplaneta haben, der es sich durch die Zahl und Form der Appendices
des Hinterleibs, die stark bedornten Schienen und die Flügelnervatur ziemlich eng anschliesst; an Dlabera
zu denken, verbietet schon die Form der Hinterleibsanhänge, deren innere dort blattförmig verbreitert er-
scheinen. HEYDEN ist zu dieser Bestimmung auch wohl nur durch sein unbrauchbares Original, welches
zur Noth den allgemeinen Blattidenhabitus, aber auch nicht mehr, erkennen lässt, verführt worden.
Das Fossil ist in einer grossen Anzahl meist glänzend erhaltener Exemplare in der Münchener
Sammlung vertreten, die beiden besten Stücke gelangen auf Taf. XXX Fig. 6 und S zur Abbildung.
Pterinoblattina hospes GERM. em. SCUDDER.
Taf. XXXI Fie. 9.
Ricania hospes GERMAR.
Trotzdem durch Braver’s schneidige Kritik (Ann. des k. k. naturhistorischen Hofmuseums, S. 115
und 116) wohl die Ordnung‘ der Palaeoblattarien im Sinne Scupper’s für immer beseitigt sein dürfte, werden
SCUDDER’s Gattungs- und Speciesbestimmungen auf dem Gebiete der fossilen Blattiden auch jetzt noch in
erster Linie Autorität und Geltung beanspruchen dürfen. So kann man ScuppEr auch nur beipflichten,
wenn er (Mem. of the Boston Society of natural history, S. 472) die Ricania hospes GERMAR’S zu seiner
Gattung Pterinoblattina stellt, also als eine echte Blattide mit typischen Genus-Charakteren auffasst. Da
der fragliche Flügel seit Germar’s Abhandlung nicht mehr abgebildet wurde, so ist er auf Taf. XXXI
Fig. 29 hier reprodueirt und sein Venenverlauf möglichst genau skizzirt worden.
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[S)
[So]
[6]
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Wir sehen hier längs des Aussenrandes 2 parallele Adern verlaufen, die wieder nach Aussen- und
Vorderrand einer grösseren Anzahl dicht gedrängter, sich gablig verzweigender Längsäste den Ursprung
geben. Von diesen beiden grossen Parallelstämmen scheint der eine, die Subcosta convex, der zweite, der
Radius concav zu sein, doch ist dies auch wohl nur scheinbar; in Wirklichkeit hat wohl der Radius die
Subcosta ebenso heraufgedrückt, wie dies in analoger Weise bei Neuropteren (Hemerobiden, Myrmecoleo)
und Lepidopteren zu beobachten ist, oder wir haben statt des Flügels selbst nur seinen Abdruck vor uns.
In der Marginalarea verlaufen von der Subcosta eine grössere Anzahl von Parallelzweigen zum Aussenrand,
diese selbst löst sich noch vor der Flügelspitze in kleine Aeste auf. Der Radius scheint im Verein mit der
V. Ader fast das ganze Flügelfeld durch ihre zahlreichen Zweige auszufüllen, während die VII. Ader, an-
scheinend wieder in mehrere feine Venen gespalten, kurz vor der Analarea aus der Flügelwurzel selbständig
entspringen durfte. Die Analarea ist durch eine den Flügelrand nicht erreichende Analader abgeschnitten
und enthält ihrerseits wieder eine Reihe von selbständigen Parallelvenen.
Wir sehen, ®s sind dies Verhältnisse, die sich leicht dem Schema des Blattidenflügels, wie es
REDTENBACHER auf Taf. 10 Fig. 14 seiner Studien giebt, einfügen lassen: Die concave Subcosta, der Radius
mit seinen zahlreichen Sectoren verwachsen mit der V. Ader, die VII. selbständig, das Analfeld mit zahl-
reichen Venen erfüllt, alles sind hier wie dort wiederkehrende Verhältnisse; dazu fehlt hier wie dort, bei
Periplaneta wie bei Pterinobtattina jede Spur von Queradern. Wir brauchen uns den auffallenden Venen-
reichthum des fossilen Flügels nur durch Vermehrung der Sectoren des Radius und der V. Ader herbei-
geführt zu denken — wofür Analogien genug vorliegen — so können wir mit Leichtigkeit aus dem Flügel-
schema der recenten Form das der fossilen entwickeln.
Die Unterschiede, welche den Pterinoblattina-Flügel von dem äusserlich recht ähnlichen, der von
GErMAR als Vergleichstype herbeigezogenen Fulgorinengattung Ricania trennen, sind folgende: Erstens be-
sitzt diese keine Spur der concaven Subcosta, welche nicht einmal mehr als Falte vorhanden ist; dann ist
die stark verdickte Analarea höchstens durch zwei Längsadern durchzogen; längs des Vorderrandes zieht
sich parallel zu diesem eine Rand- oder Contourader entlang, von welcher bei der fossilen Form jede Spur
fehlt; endlich haben Poecilopter« und Flata immer, Ricania in fast all’ ihren Arten ein stark entwickeltes
Zwischengeäder.
Unter den von Scupper abgebildeten Arten der Gattung Pterinoblattina scheint die Form des
Weissen Jura der P. intermixta des unteren Lias am nächsten zu stehen.
Pterinoblattina gigas WEYENB.
scheint nach des Letzteren Abbildung zu urtheilen, wie Scupper bemerkt, ebenfalls in diese Gruppe zu
gehören.
Locustidae.
Cyrtophyllites n. g.
Kopf mit borstenförmigen Fühlern von Körperlänge und auffallend stark entwickelten Maxillar-
tastern. Flügeldecken mit reichlicher Queraderung, anscheinend länger als das Abdomen, über dasselbe
— 223 —
dachförmig zusammengeschlagen. An den Vorderbeinen nur die Schiene, an Mittel- und Hinterbeinen
Schiene und Tarsus stark bedornt, letzterer mit zwei starken Klauen versehen. An den Hinterbeinen Femur
und Tibia ziemlich kurz, Tarsus stärker ausgebildet.
Cyrtophyllites Rogeri n. sp.
Taf. XXX Fig. 5.
Das prachtvoll erhaltene, in Druck und Gegendruck vorhandene Original stammt aus dem Augs-
burger Maximilianeum. Das Thier liegt auf der Seite, sein Kopf ist mittelgross, mit mächtigen Locustiden-
fühlern von Körperlänge bewaffnet, nach vorn die langen Maxillartaster erkennen lassend; auch die starke
Oberlippe und die Mandibeln scheinen in den Umrissen angedeutet. Auf den Kopf folgt ein schmaler Pro-
und Mesothorax, beide deutlich von einander geschieden, jeder ein Bein in situ zeigend. Dieses lenkt mit
massigem Trochanter ein, hat ein kurzes, plumpes Femur, stark bedornte Tibia und sehr lange Tarsen; am
zweiten Beine scheint Trochanter und ein Theil des Femur noch unter dem Thorax verborgen zu sein.
Metathorax und Abdomen liegen unter den grossen, dachartig nach hinten zusammen geschlagenen Flügel-
decken versteckt und sind in ihren Einzelheiten nicht zu studiren; ob Abdominalanhänge vorhanden
waren, ist nicht zu entscheiden. Das Hinterbein lässt starken, unter den Flügeldecken durchschimmernden
Sprungschenkel, mittellange bedornte Tibia und ziemlich ausgedehnte viergliedrige, mit starken Klauen ver-
sehene Tarsen erkennen. Die Oberflügel scheinen stark chitinisirt und zu Decken umgewandelt zu sein;
ihr Radius ist stark entwickelt und sendet einen breiten, sich anscheinend wieder verzweigenden Sector zum
Vorderrande; das von Radius und Costa begrenzte Marginalfeld ist ziemlich breit und von einer grossen
Anzahl (gegen 20) von parallelen, zum Aussenrande verlaufenden Adern durchzogen; an dem Reste des
Flügels lässt sich nur das charakteristische Netzgeäder erkennen.
Was nun den Zusammenhang mit recenten Formen anlangt, so scheint die Zugehörigkeit zu den
Locustiden keinem Zweifel unterworfen und wird durch die langen, borstenförmigen Fühler und die typische
Gestalt von Extremitäten und Kauwerkzeugen fast zur Evidenz erhoben. Schwieriger stellt sich allerdings
die Frage, wenn wir die fossilen mit den recenten Gattungen zu vergleichen versuchen. Ganz ähnliche
Gestalten unter den Laubheuschrecken sind mir nicht bekannt. Im Habitus bietet die südeuropäische Gat-
tung Callöimenes gewisse Vergleichspunkte, noch ähnlicher ist Phylloptera und vor allem die nordamerika-
nische Form Cyrthophyllus Burm, die sehr analoge Verhältnisse erkennen lässt; nur erreichen hier Fühler
und Taster nie die beträchtliche Länge, welche die fossile Gattung aufweist.
Das ganze Thier ist 68mm lang, seine grösste Breite beträgt 22mm; die Antennen sind 65, die
Taster 12, die Vorderbeine 20, die Hinterbeine 40 mm lang.
Die Art ist Herrn Medicinalrath Dr. Roger, durch dessen liebenswürdiges Entgegenkommen mir die
Stücke des Maximilianeums zugänglich wurden, gewidmet.
Pyenophlebia (Locusta) speciosa GEerM. em. DeıcHn.
Taf. XXX Fig. 4.
Von dieser grössten und gemeinsten Locustidenart des lithographischen Schiefers sind auf Taf. AXX
Fig. 4 die Flügel abgebildet, welche ein ziemlich genaues Bild der für die Gattung so typischen Nervatur
geben. Sämmtliche 4 Flügel sind erhalten, über einander geschlagen und zusammengepresst. Die Unter-
flügel lassen natürlich ausser dem an einzelnen Stellen stark hervortretenden Netzwerk nicht viel erkennen,
dagegen gelingt es mit einiger Mühe, die Adern beider Oberflügel von einander zu trennen. Längs des
Aussenrandes verläuft im schwachen Bogen bis zur Mitte die Costa, welche anscheinend einige Aeste in
das Praecostalfeld sendet. Dann folet der Radius, welcher auf !/s seiner Länge, von der Flügelwurzel ab-
gerechnet, seinen Sector sendet; dieser giebt 12 Zweige zum Vorderrande ab, welche letzteren also unserer
Ansicht nach sämmtlich aus der Externomedia und nicht, wie DEICHMÜLLER schreibt und zeichnet, theils
aus dieser, theils aus der Internomedia stammen. Von Analadern lässt auch unser Exemplar nichts er-
kennen. Höchst merkwürdig sind die eigenthümlichen Faltenbildungen der Membran, welche regelmässig
zwischen je 2 Sektionen des Radius auftreten.
Länge des Flügels 110 mm.
Elcana (Locusta) amanda Hac. em. DeıcHn.
Taf. XXX Fig. 17.
Diese Art, welche alle die von DEICHMÜLLER in seiner genauen Beschreibung gemachten Beob-
achtungen bestätigt, ist in 4 Exemplaren in der Münchener Sammlung vertreten.
Ephemeridae.
Die Classe der Ephemeriden ist im lithographischen Schiefer sehr zahlreich sowohl an Individuen
als auch ganz besonders an Arten vertreten. Die jurassischen Eintagsfliegen unterscheiden sich aber in so
wichtigen Charakteren von den recenten, dass sie unbedingt eine besondere, scharf charakterisirte Ab-
theilung unter diesen bilden. Das Hauptmoment ist wohl in der auffallenden Grösse der Unterflügel zu
suchen, welche den Oberflügeln fast gleich werden und stark an die Odonaten erinnern. Mir ist keine
recente Gattung bekannt, bei der auch nur annähernd gleiche Verhältnisse erreicht werden. Es scheint
anzunehmen, dass seit der Juraperiode in dieser Abtheilung eine gewisse Tendenz zur Verkümmerung der
Unterflügel vorwaltet, wozu dann auch der eigenthümliche Mangel dieser Organe bei der Gattung Caenis
Srpe. recht im Einklange stände. Ferner besitzen alle jurassischen Ephemeriden, soweit bekannt, nur
2 Schwanzfäden und scheinen sich hierdurch mehr an die recenten Gattungen Baetis, Palingenia und Hepta-
genia anzuschliessen, als gerade an Ephemera, der HAGEn sie zugewiesen hat. Auch das System der Quer-
adern scheint lange nicht so entwickelt, wie bei den recenten Formen; wenigstens sind diese, wenn über-
haupt sichtbar, in viel geringerer Anzahl zu beobachten.
Hagen beschreibt nach Grösse und Gestalt der Thiere 4 Arten, welchen noch 2 weitere, sich
durch die Grössenverhältnisse wesentlich unterscheidende hinzuzufügen sind; zwei der Hasen’schen Arten
gelangen in besseren Exemplaren nochmals zur Abbildung.
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1D
or
Ephemera procera Hac.
Taf. XXX Fig. 12.
Ist die grösste, ohne Schwanzfäden 40 mm erreichende Form unter den Ephemeriden unserer For-
mation. Kopf, Thorax und Beine sind meist gut erhalten, bieten indessen wenig Bemerkenswerthes dar.
Das Abdomen ist auffallend plump und dick, und endigt in 2, anscheinend gegen 30 mm lange Schwanz-
fäden. Leider ist bei keinem der vielen Exemplare, in welchen diese Art im Münchener Museum vertreten
ist, die Nervatur der Flügel bis in die Einzelheiten zu verfolgen. Der Erhaltungszustand, der bei allen
Exemplaren der gleiche ist, macht ein eingehenderes Studium des Geäders zur Unmöglichkeit. Das Thier
liegt nämlich immer auf der Seite, die 4 Flügel über einander geschlagen; Ober- und Unterflügel sind mit
einiger Mühe deutlich von einander zu trennen, ihre, verschiedenen Adern verschwinden indessen völlig
in einander.
Die Oberflügel erreichen bei der Species eine Länge von 33, die Unterflügel 23 mm; die grösste
Breite der lezteren beträgt 26 mm.
Ephemera speciosa n. Sp.
Taf. XXX Fig. 1°.
Ein selten gut erhaltenes Exemplar mit typischen Ephemeridencharakteren. Sämmtliche Beinpaare
conservirt, die Segmentation des Abdomen gut zu verfolgen; Schwanzfäden 2. Länge ohne setae 33, letz-
tere 15—20, Oberflügel 22, Unterflügel 20 mm.
Aus den Dimensionen und Körperproportionen geht zur Evidenz die Selbständigkeit dieser Art hervor.
Ephemera? multinervosa n. sp.
\
Ich bin nicht ganz’ sicher, ob diese Art, an welcher die Schwanzfäden fehlen, nach Gestalt und
Segmentation des Hinterleibs nicht eher zu den Odonaten gehört, doch scheint die Gestalt der Flügel und
der Erhaltungszustand für eine Ephemeride zu sprechen. Der Hinterleib ist in seiner Mitte beträchtlich
verbreitert, Segment 5 und 6 bei weitem die längsten. Das Geäder lässt, soweit erkennbar, eine grosse
Anzahl sich theilweise gabelnder Längsadern und verhältnissmässig wenig Queradern erkennen.
Länge des Körpers 22, der Flügel etwa 20, des Abdomens 15, grösste Breite des letzteren 3—4 mm.
Ephemera mortua Hac.
Taf. XXX Fig. 18.
Bei dem hier dargestellten, von Hacex durch den auf der Rückseite der Platte angebrachten Ver-
merk als identisch mit seiner Type bezeichneten Exemplar fehlen die dort vorhandenen Schwanzfäden. Der
Leib des Thieres scheint nach beiden Seiten hin durch den Druck auf die Ebene des Steines ausgebreitet,
so dass der in der Mitte verlaufende Streifen die Seitenlinie des Thieres darstellen würde.
Länge des Thieres 18, die der Flügel 16 mm.
Palaeontographica. Bd. XXXIV. 29
Corrodentia.
Termitina.
Das Original zu Hacen’s Termes heros war im Münchener Museum nicht aufzufinden; eine andere
von ihm selbst dieser Species zugeteilte Type ist, wie das bei Termiten nie vorkommende Quergeäder be-
weist, kein Termes, sondern ein Neuropteron: Termes (Tineites) lithophilus Münster ist so stark bemalt,
dass es keine sichere Bestimmung mehr zuzulassen scheint.
Die Termitenreste aus dem lithographischen Schiefer sind daher, zumal auch DEICHMÜLLER nur
von undeutlichen Resten spricht, bis jetzt sehr fragwürdiger Natur.
Neuroptera.
Die echten, einer Verwandlung unterworfenen Netzflügler spielen im lithographischen Schiefer, so-
wohl was die Zahl der Gattungen als die Menge der in diesen vertretenen Individuen anlangt, eine recht
klägliche Rolle. In seinem ersten Aufsatze macht. Hasen im Cataloge Mittheilung von je einer Chrysopa-,
Apochrysa-, Nymphes- und Corydalis-Art, deren demnächstige Beschreibung er ankündigt, während er vor-
läufig nur die von ihm auf den Stücken selbst vermerkten Namen mittheilt. Da nun aber in den letzten
25 Jahren keine Verwirklichung des Haczn’schen Vorsatzes erfolgt ist, so glaube ich auch in seinem Sinne
zu handeln, wenn ich die betreffenden Objecte unter den von ihm gewählten Bezeichnungen weiteren Kreisen
zugänglich mache. Es ist dies leider nur bei drei Species möglich; die vierte, die interessante Nymphes-
Art, befand sich, wie HaGEn angiebt, damals in der Sammlung des Dr. Krantz in Bonn und war ihr Ver-
bleib nicht zu ermitteln. Auch WEYENBERGH hat einige Neuropterenspecies zu schaffen versucht, indem er
die Namen: „Ohrysopa solenhofensis, Hemerobius priscus, Hemerobius fossilis und Myrmeleon extinctus“ in
die Literatur einführte. Hemerobius priscus ist nach der Abbildung zu urtheilen identisch mit der HAGEx’-
schen Chrysopa, die beiden anderen Hemerobiden s. str. sind weder nach Abbildung noch Text näher zu
identifieiren; Myrmeleon extinetus könnte ein Termes sein, ist vielleicht auch identisch mit der von DEıcH-
MÜLLER erwähnten Art. Dieser letztere spricht in seiner Publikation von 2 sich wahrscheinlich an Hemero-
bius priscus anschliessenden schlecht erhaltenen Hemerobidenresten und einer jede nähere Bestimmung und
Beschreibung unmöglich machenden Myrmeleon-Art.
Aus der Dürftigkeit des von diesen drei Gelehrten, die doch Gelegenheit hatten, aus drei grossen,
ohne besondere Auswahl zusammengebrachten Sammlungen zu schöpfen, erwähnten Materials dürfte wohl
der Schluss nicht allzu gewagt erscheinen, dass die Neuropteren, die ihren ersten schüchteren Versuch in
der Trias machen (Chauliodites) und auch im Lias selten sind, sich auch im Weissen Jura noch in den An-
fängen ihrer Entwicklung befinden und hinter der Fülle von Odonaten und Ephemeriden ganz ver-
schwinden.
19
—1
Hemerobinae.
Apochrysa excelsa Hagen.
Taf. XXX Fig. 1.
Eine verhältnissmässig schlecht erhaltene, in drei Exemplaren im Münchener Museum vertretene
Species. Ich muss mich bei der Bestimmung ganz hinter HAsEnx’s Autorität zurückziehen, da mir die er-
kennbaren Verhältnisse für die generische Bestimmung nicht genügend zu sein scheinen. Leider fehlt mir
das recente Material, um den von HagEx gewählten Vergleich mit der neuholländischen Gattung Apochrysa
näher durchzuführen; ich muss mich daher auf einen blossen Hinweis auf die Hemerobidencharaktere be-
schränken. An dem vorliegenden Exemplar erkennt man einen kleinen, mit seitlichen Facetten besetzten Kopf,
einen recht kurzen rhombischen Prothorax, undeutlich von einander zu trennenden Meso- und Metathorax
und ein ziemlich langes, rundliches Abdomen mit einzelnen deutlicheren Segmenten. Der rechte Vorder-
tlügel ist theilweise, der linke ganz über den Hinterflügel geschlagen, beide scheinen nach dem Erhaltungs-
zustande zu urtheilen, sehr zart und hinfällig gewesen zu sein. Die undeutliche Nervatur der Oberflügel
scheint kein typisches Bild zu geben; als charakteristisch für einen Hemerobiden möchten dagegen die am
ganzen Vorder- und Innenrande des Unterflügels gleichmässig verlaufenden parallelen Adern mit gabliger
Verzweigung sich ansehen lassen (Sectoren des Radius?). Von Antennen und Beinen ist nichts erhalten.
Länge des Thieres vom Kopf bis Abdominalspitze 70, Spannweite der Flügel 95, Länge des Ober-
tlügels 50 mm.
Chrysopa excelsa Hacen.
Taf. XXX Fig. 2.
Hemerobius priscus WEYENB.
Das Thier selbst nur ganz undeutlich in Umrissen erhalten; die Flügel sind über das Abdomen
zusammengeschlagen, ihre allgemeine Form und Haltung entspricht der Gattung Chrysopa. Der Costalraum
des Oberflügels ist deutlich erkennbar; er wird von zarten, einfachen Queradern (etwa 20) durchsetzt. In
der Mitte ist die Nervatur von Ober- und Unterflügel nicht zu trennen, während mehr gegen den Innen-
rand zu der Unterflügel deutlich hervortritt und hier die zierliche, für die Hemerobiden so charakteristische
Gablung der feinen Venenäste (Sectoren des Radius und der V. Ader) längs des Innenrandes wahr-
nehmen lässt.
Eine systematische Annäherung an recente Formen scheint mir bei der Undeutlichkeit der erhaltenen
Reste schwer durchführbar.
Sialidae.
Corydalis vetusta Hac.
Taf. XXX Fie. 3; Taf. XXXI Fig. 31.
So unsicher uns auch die generische Bestimmung der Apochrysa excelsa erscheinen . mag, so
zweifellos hat HaGen bei der Bestimmung der vorliegenden Gattung das Richtige getroffen. Die in drei
29*
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prachtvoll erhaltenen Exemplaren in der Münchener Sammlung vertretene Neuropterenform schliesst sich
auf das Innigste an die heut in Amerika zahlreich vertretene Gattung Corydalis an.
Das auf Taf. XXX Fig. 3 abgebildete Exemplar liegt auf dem Rücken und deckt so zum Theil die
dachförmig über das Abdomen geschlagenen, die Körperlänge anscheinend bei weitem übertreffenden Flügel.
Der kräftig entwickelte Kopf, der deutliche Facetten zeigt, trägt nach vorn die einander genäherten, starken
Mandibeln, zwischen welchen sich die andern Kauwerkzeuge allerdings roh, aber deutlich abheben. Der
lange Prothorax lässt wie bei der recenten Gattung einen schmalen, abgeschnürten Halstheil deutlich unter-
scheiden und trägt weiter hinten das erste Beinpaar. Meso- und Metathorax, die anscheinend von gleicher
Grösse, bieten nichts besonderes dar. Das Abdomen ist kurz und plump, von Segmentation ist nichts zu
unterscheiden. Die Beinpaare, von denen nur das rechte Hinterbein ganz erhalten zu sein scheint, setzen
mit massigem, rundlichen Trochanter ein. Das Femur ist kurz und plump, die Tibia länger und schmäler,
der Tarsus 4- oder 5gliedrig (?), mit zwei starken Klauen bewaffnet.
Die langen Flügel, die sich noch über die vorliegende Platte hinaus ausgedehnt haben müssen,
lassen in ihrem Geäder ausser einigen Queradern nichts Typisches erkennen.
Ein zweites Exemplar, welches auf Taf. XXXI Fig. 31 dargestellt ist, war flügellos und dürfte dem
Larvenstadium der Corydalis entsprechen. Mit dieser Annahme würden auch die schwächlicheren Beinpaare
im Einklange stehen. .
Länge des Thieres 55, der Larve 50, grösste Breite des Kopfes 9, Länge des erhaltenen Hinter-
beins 25 mm.
Hemiptera.
Homoptera.
Prolystra lthographica n. sp.
Taf. XXXI Fig. 1.
Diese Art, welche in je einem in Druck und Gegendruck erhaltenen Exemplare im Münchener
Museum und in der Augsburger Sammlung vertreten ist, lässt von Einzelnheiten ihres Baus eigentlich wenig
erkennen, dagegen giebt sie ein befriedigendes Bild ihres allgemeinen Habitus.
Bei dem Münchener Exemplare, welches auf Taf. XXXI Fig. 1 abgebildet. ist, sind die Flügel über
den Leib geschlagen und stossen in scharfer Kante auf einander; die Unterflügel treten unter den an-
scheinend kürzeren Decken noch etwas hervor. Letztere zeigen an ihrem Grunde eine starke, dreieckige
Verdickung, die für die Fulgoriden typisch zu sein scheint, da sie Lystra, Centrotus, Ricania, Poeciloptera
und Issus gleichmässig erkennen lassen. Der Kopf ist kurz und klein, er scheint in einen starken Saug-
bohrer zu endigen, doch könnte die für ihn anzusprechende Erhabenheit des Gesteins je nach der für das
Thier anzunehmenden Lage auch auf eine leistenförmige Erhöhung des Prothorax gedeutet werden. Der
Thorax, dessen einzelne Stücke nicht von einander zu trennen, ist massig, in seinen Umrissen fast vier-
kantig umschrieben, von Fühlern und Beinpaaren ist leider nichts erhalten. An dem Augsburger Stücke ist
das Abdomen sichtbar, dieses ist lang und gestreckt und erinnert in seiner ganzen Gestalt an die recente
Gattung Lystra. Vom Flügelgeäder ist an beiden Exemplaren nichts Sicheres festzustellen.
Hoffentlich machen weitere Funde die Einzelheiten im Bau dieses interessanten Objectes, wie z. B.
die Verhältnisse des Flügelgeäders, die Thoracalgliedmassen und Mundtheile deutlicher und ermöglichen so
eine schärfere systematische Fixirung.
Länge des Thieres vom Kopf bis zur Abdominalspitze 37, grösste Thoracalbreite 20, Länge
der Flügel 30—35, Breite des Abdomen 7 mm.
Cicadina.
Eocicada mierocephala n. sp.
Taf. XXXI Fig. 30.
Cicada gigantea WEYENB. (?)
Das aussergewöhnlich grosse Thier liegt auf dem Bauche; es ist in Druck und Gegendruck in der
Münchener Sammlung vorhanden. Der Kopf ist auffallend klein, dreieckig mit seitlichen Facetten; der
Thorax vierkantig, sein Aussenrand dreieckig geschweift; in seiner Mitte trägt er zwei symmetrische Er-
habenheiten, die vielleicht buckligen Erhöhungen entsprechen dürften. Das Abdomen ist stark verkürzt und
endigt in scharfer Spitze; die genauere Untersuchung lässt an ihm annähernd gleiche, sich nach hinten
stark verschmälernde Segmente erkennen. Von Extremitäten ist nur das plumpe Femur des einen Vorder-
beines erhalten. Die Nervatur des rechten, ganz conservirten Flügels zeigt eine längs des Aussen-
randes parallel mit diesem verlaufende Subcosta und einen gleichfalls parallelen Radius, der bald
hinter seinem Ursprunge einen dreizinkigen Sector zum Vorderrande sendet; Analadern scheinen 2 vor-
handen zu sein.
Sind so die Verhältnisse der Nervatur durchaus denen der recenten Cicaden ähnlich, so unter-
scheidet sich die jurassische Form wesentlich von allen jetzigen Gattungen durch den kleinen, vom Prothorax
scharf abgesetzten Kopf, durch welchen sie eher zu den Fulgorinen und Cercopiden Beziehungen bietet.
Die gigantischen Proportionen des Thieres sind folgende: Länge des erhaltenen rechten Vorder-
flügels 74, grösste Breite 20, Gesammtlänge des Körpers 39, wovon auf das Abdomen 18, den Thorax 14
und den Kopf 7 mm kommen; grösste Breite des Thorax 21 mm.
Welches die Beziehungen der WEYENBERGH’schen Cicada gigantea und Proserpina zu den oben ge-
schilderten Homopteren sind, vermag ich, da mir seine letzten in den Periödico Zoolögico veröffentlichten
Arbeiten nicht zugänglich waren, nicht zu entscheiden.
Sleter®p\L@iee:
Geocoridae.
Ischyopteron n. g.
Kopf mittelgross, Mundtheile nicht erhalten; Fühler lang, borstenförmig; Thoracalabschnitte gekielt,
Abdomen glatt, oval gerundet; sowohl Ober- als Unterflügel an der Basis stark gefestigt und chitinisirt.
[2
Ischyopteron suprajurense n. sp.
Taf. XXX Fig. 7.
Ist die einzige, bis jetzt aus dem lithographischen Schiefer bekannt gewordene Landwanze, die sich
von allen mir bekannten recenten Gattungen sofort dadurch unterscheidet, dass auch die Unterflügel eine
stärkere Chitinisirung am Grunde, also eine Art corium erkennen lassen; auf diese merkwürdige Eigen-
thümlichkeit soll der gewählte Gattungsname hinweisen.
Das in Druck und Gegendruck gut erhaltene Object liegt auf dem Rücken. Der schmale, längliche
Kopf trägt lange, borstenförmige Fühler. Die Thoracalabschnitte sind stark gekielt, das Abdomen ist breit
abgeplattet, oval gerundet,. die Beine lang und dünn, ihre einzelnen Bestandtheile nicht von einander zu
trennen. Die Flügel sind flach zu beiden Seiten des Körpers auf der Platte ausgebreitet; die Decken lassen
ein kleines corium und grössere Membran, die Unterflügel eine dem corium vielleicht analoge Festigung
erkennen; von Nervatur. ist nichts Sicheres festzustellen.
Ihrem Habitus nach schliesst sich die Gattung an die Lygaeiden an, die auffallend starke Chitini-
sirung der Unterflügel erinnert an die mexicanische Gattung Pachylis.
Hydrometridae.
Halometra n. g.
Kopf kurz, meist schlecht erhalten ; Fühler 10 mm lang, anscheinend aus vielen, perlschnurartig an
einander gereihten Gliedern bestehend, an der Spitze zur Seite gebogen. Meso- und Metathorax etwa dop-
pelt so lang als Prothorax, Mesothorax anscheinend der grösste. Beine auffallend lang und dünn, sämmt-
liche Beinpaare ziemlich von gleicher Grösse; Femur, Tibia und Tarsus ungefähr gleich stark, Hinterschenkel
nicht verdickt. Abdomen gekielt, aus 9 Segmenten zusammengesetzt, S und 9 verschmälert, 8 mit zwei
ungegliederten, pfriemenförmigen Stacheln versehen. Flügel bedeutend länger als das Abdomen.
Halometra gigantea GER“.
Taf. XXXI Fig. 18.
Pygolampis gigantea Germ., Ohresmoda obscura Gern. u. Deıcnm., Propygolampis Bronni WEYENB.
Diese Art ist eines der häufigsten Fossilien des lithographischen Schiefers und in der Münchener
Sammlung in gegen 20 Exemplaren vertreten; ein vorzüglich erhaltenes Stück gelangt hier auf Taf. XXXI
Fig. 18 zur Abbildung.
Das Thier liegt auf dem Rücken, sein Kopf lässt von typischen Verhältnissen nichts erkennen, da
seine Umrisse meist verwischt und mit Kalkspathkrystallen ausgefüllt sind. Seitlich stehen die beiden
Facettenaugen, an der Spitze trägt er 10 mm lange Fühler, deren Spitze nach der Seite gebogen ist. Diese
sind durch eine grosse Anzahl von Kerben in perlschnurartige Abschnitte getheilt, welche wohl einer Glie-
derung entsprechen dürften. Der Prothorax ist klein, der Mesothorax etwas grösser als der Metathorax,
An sämmtlichen Thoracalabschnitten sind gewöhnlich die auffallend langen, fadendünnen Beinpaare erhalten
— 3 —
(Länge S0—90 mm). Diese scheinen functionell durchaus gleichwerthig; alle sind sie haarfein endigende
Schreitbeine, wie sie etwa die Phalangiden unter den Spinnen oder die Hydrometriden unter den Insecten
besitzen. An allen ist das Femur, am länglichen Trochanter einsetzend, deutlich von Tibia und Tarsus ge-
schieden, diese letzteren dagegen scheinen eng verschmolzen und sind von einander schwer zu trennen.
Der Tarsus endigt in haarfeine Spitzen, an denen Klauen nicht zu beobachten sind. Das gewölbte, auf
dem abgebildeten Exemplare platt gedrückte Abdomen ist in der Mitte gekielt, von seinen 9 Segmenten
sind die 7 ersten gleich, 8 und 9 am schwächsten entwickelt; S trägt zwei 5 mm lange, ungetheilte,
pfriemenförmige Anhänge. Die 35 mm langen Flügeldecken, die das nur 20 mm lange Abdomen weit über-
ragen, scheinen in ihren Endigungen über einander geschlagen; von Nervatur vermag ich wenig Sicheres an
ihnen festzustellen.
Ueber die systematische Stellung dieses interessanten Objects sind die Ansichten der Autoren von
jeher aus einander gegangen. GERMAR, der das Thier zuerst beschreibt, hält es für eine Pygolampis, also
eine Geocoride; seine Type ist indessen als bemalter Artefect völlig unbrauchbar und seinen Angaben daher
um so weniger Werth beizulegen, als er selbst die völlige Differenz in den Antennen zugiebt; WEYENBERGH
beschreibt das Thier noch einmal als Propygolampis, mit 40 mm langen Fühlern, die nach der Abbildung
zu urtheilen, einfach die vorderen Beinpaare darstellen. Assmann vereinigt die Pygolampis giganten GERMAR’S
mit der Chresmoda obscura, einer gleichfalls auf ein bemaltes Original begründeten unbrauchbaren Type
desselben Autors, und stellt sie zu den Orthopteren. Ihm schliesst sich DEICHMÜLLER an, der die Form
nach der Grösse und Gestalt der Fühler, des Vorderrückens, der Beine und des Flügelgeäders den Acri-
diden zuweist und sie in die Verwandtschaft der Truxaliden stellt.
Wir können ihm in dieser seiner Ansicht nicht folgen. Wenn man auch zugeben muss, dass die
Antennen stark an die für diese Orthopterengruppe typischen Verhältnisse erinnern, so ist dies auch alles,
was zu Gunsten seiner Auffassung zu sprechen scheint. Dem Flügelgeäder nach, wie DEICHMÜLLER es
sehen will, könnte die Form in fast sämmtliche Gruppen des Insectenstammes eingereiht werden: einige
verworrene, undeutlich ausgebildete Längsadern allein vermögen der Nervatur noch keinen bestimmten
Charakter aufzudrücken. Gegen die Zugehörigkeit zu den Acrididen spricht zudem, wie DEICHMÜLLER
selbst zugesteht, die Länge und Gestalt der Beinpaare, die alle Schreitfüsse darstellen und von der für die
Gruppe der Heuschrecken so charakteristischen Umbildung der hinteren Extremitäten in Sprungapparate
nichts erkennen lassen. Kämen Orthopteren überhaupt in Betracht, so wäre es nur die Gruppe der Phas-
miden, welche ausschliesslich Schreitbeine besitzen. Aber auch diese, wie z. B. die Gattung Bacillus, welche
noch die meiste Aehnlichkeit darbieten dürfte, weichen durch den Mangel der Flügel, die Länge des Ab-
domens, besonders aber wieder durch eben diese Beine, welche bei ihnen viel massiger entwickelt sind und
eine deutlichere Trennung ihrer einzelnen Bestandtheile, besonders zwischen Tibia und Tarsus, ermöglichen,
so ab, dass auch sie keinen sicheren Anknüpfungspunkt zu bieten scheinen.
Wenn wir hier die räthselhafte Form zu den Hydrometriden zu stellen versuchen, so bestimmt
uns hierbei neben der Aehnlichkeit im ganzen Habitus des Thieres vor allem die Gestalt der Beinpaare,
die ausschliesslich dem Wasserleben angepasst zu sein scheinen, für ein Landthier mit ihren haarfein
endigenden Klauen eher ein Hinderniss der Fortbewegung gewesen wären; in der That finden wir unter
den recenten Insecten — denn die Phalangiden sind schon wegen der Zahl der Beinpaare, die bei den
fossilen Typen stets 3 beträgt, gänzlich ausgeschlossen — nur die Gattung Ranatra Fagr. und die Familie
der Hydrometriden, welche analoge Verhältnisse bieten, also beides Rhynchoten, die sich völlig dem Wasser-
leben angepasst haben. Leider müssen wir zugeben, dass wie so häufig die für die Zugehörigkeit zu den
grösseren Abtheilungen des Insectenstammes massgebenden Verhältnisse trotz der im übrigen so günstigen
Erhaltung der Objecte nicht conservirt wurden; Kopf und Mundtheile verweigern jeden Aufschluss und
auch die Flügel lassen in Form und Nervatur nichts Typisches erkennen. Wenn auch nicht zu läugnen ist,
dass die Fühler durchaus den Orthopterencharakter repräsentieren, so scheint dies auch das Einzige, was
für die Angliederung an diese grosse Abtheilung sprechen dürfte; denn die pfriemenförmige Anhänge am
8. Segmente finden sich in ähnlicher Weise wie bei den Orthopteren auch bei den Hydrometriden (Hydro-
metra, Velia). In die Nähe dieser Formen scheint also, wenn ein Wasserinsect überhaupt in Betracht
konmt, unsere Type zu gehören; denn gegen Runatra spricht die totale Differenz der Fühler und die bei
der fossilen Form nicht vorhandene Umbildung der vorderen Gliedmassen in Raubbeine, ebenso wie der
Mangel der langen Athemröhren. Unter den Hydrometriden dagegen würde die Gattung Limnobates durch
die völlige functionelle Gleichwerthigkeit ihrer Gliedmassen, wie dies auch schon GermarR angiebt, am
nächsten zu stellen sein.
Dass aber überhaupt Wasserinsecten und wahrscheinlich sogar Meeresinsecten in Frage kommen,
dafür scheint ausser dem eigenthümlichen Charakter der Extremitäten auch schon ihre glänzende Erhaltung
zu sprechen. Wir können uns nicht vorstellen, dass sämmtliche Gliedmassenpaare mit ihren haarfeinen
Endigungen stets in dieser vorzüglichen Weise conservirt sein sollten, wenn sie als Landinsecten allen Zu-
fälliskeiten eines Wassertransportes, man mag demselben nun eine längere oder kürzere Zeitdauer zumessen,
nach ihrem Verenden überlassen gewesen wären. Sie müssen unseres Erachtens nach unmittelbar nach dem
Tode in die weiche Kalkmasse gerathen und dort eingebettet worden sein, um so vollendete Spuren ihrer
einstigen Existenz der Nachwelt zu hinterlassen. Da nun die Plattenkalke aber durch ihre Fauna als marine
Absätze charakterisirt sind, so möchte man auf eine marine oder wenigstens brakische Lebensweise der
Halometra schliessen und darauf soll der Name des Genus, das, wohin man es auch im System stellen
mag, unter den bis jetzt bekannten lebenden Formen nichts generisch Gleiches hat, hinweisen.
Nun findet sich sonderbarer Weise unter der überhaupt anscheinend stark zusammengeschmolzenen
und in ihrem Bestande reducirten Abtheilung der Hydrometriden das einzige Insect, welches noch jetzt das
offene Meer beherbergt; es ist dies die Gattung Halobates Eschuourz, welche in circa 10 Arten auf dem
Ocean auf der Oberfläche des Wassers gesellig in meilenweiter Entfernung vom Lande ilir Leben führt.
G. v. FRAUENFELD fing sie, wie er selbst in den „Verh. d. k. k. zoolog.-botänischen Gesellschaft, Wien 1869 *
berichtet, vom Fenster seiner Cabine aus auf der Fahrt von Manila nach Honekong mitten im chinesischen
Meer. Diese durchaus vereinzelt dastehende Erscheinung, ein echtes Insect sein ganzes Leben vom Ei bis
zur Imago auf dem Meere zubringen zu finden, scheint in Uebereinstimmung mit den Thatsachen zu stehen,
welche die palaeontologischen Funde der Halometra uns lehren und dürfte folgenden Schluss ziemlich wahr-
scheinlich und innerlich berechtigt machen.
Es scheint, als ob diese Halobates-Arten die letzten verkümmerten Ueberreste — ihre Arten sind
alle nur wenige Millimeter lang — einer ehemals formenreicheren Gruppe darstellen, deren riesige Typen
auf den weiten Buchten des Jurameeres dasselbe Spiel trieben, welches die kleinen Aydrometra- und Lim-
nobates-Arten unserer Heimath alljährlich wiederholen, wenn sie gleitenden Schrittes auf dem glatten
Wasserspiegel dahineilen, um bei drohender Gefahr ebenso schnell wieder im Röhricht zu verschwinden.
Typisch für die jurassische Form wären dann die kurzen, vielgliedrigen Fühler, die den Hinterleib weit
überragenden Flügel und die erst eingeleitete Reduction der beiden letzten Abdominalsesmente.
Die Länge des Thieres ist 50, die des Abdomens 20, der Flügeldecken 35, der Beine S0—90 mm.
Halometra? minor n. sp.
Taf. XXNI Fig. 4.
Wir würden dieses undeutliche Object nicht einer specifischen Besprechung unterziehen, wenn es
nicht in 3 typisch gleich erhaltenen Exemplaren in der Münchener Sammlung vertreten wäre, welche alle,
so wenig sie auch an Einzelheiten ihres Bau’s erkennen lassen, dasselbe typische Habitusbild gewähren. An
der Insectennatur des Fossils ist nicht zu zweifeln, Form und Zahl der Beinpaare verbieten, es als eine
Crustaceenlarve oder Arachnoidee zu betrachten. Diese sind es auch, welche mich veranlassen, das Fossil
in die Nachbarschaft der vorigen Form zu stellen, indem ich gerne zugebe, dass bei der Undeutlichkeit der
betreffenden Reste diese Bestimmung nur eine provisorische und unsichere sein kann.
Länge des Thieres 15, der Extremitäten 35 mm.
Hydrocorida.
Belostoma deperditum GERMAR.
Taf. XXXI Fig. 3.
Scarabaeides deperditus GERN.
Das Münchener Museum besitzt von diesem so überaus häufigen Fossil eine Reihe von treftlich er-
haltenen Formen, welche alle den so charakteristischen Belostomentypus zeigen. Meist liegen sie auf dem
Rücken und bieten dem Beobachter den kleinen, mit grossen Facetten versehenen Kopf, die starken Raub-
beine, die hinteren Schwimmfüsse, das grosse, quer gekielte Abdomen mit seinen breiten, bandförmigen
Segmenten und auch häufig noch die beiden zarten, zum Athmen dienenden Analfäden. Wir können uns
daher nach genauer Durchmusterung der Objecte der Scupper’schen Ansicht nicht anschliessen, als sei der
Scarabaeides deperditus GERM. ein in seinen Umrissen nur undeutlich umschriebenes Fossil. Im Gegentheil
scheint mir die Aehnlichkeit mit den heutigen Belostomen eine so auffallende, in die Augen springende zu
sein, dass man versucht sein könnte, für, diesen Typus überhaupt keine wesentlichen Veränderungen seit
der Juraperiode anzunehmen, wenn uns nicht ein mit seinen Flügeln prächtig erhaltenes Exemplar, welches
Taf. XXXI Fig. 3 zur Abbildung gelangt, eines Besseren belehrte.
An diesem, bis in die Einzelheiten im Druck und Gegendruck treftlich conservirtem Stücke, an
welchem wir unter anderem auch den 6 mm langen Schnabel, die starken Schenkel der Raubbeine, Form
und Grösse der Schwimmfüsse bis auf die Tarsen und die Segmentation des stark gekielten Hinterleibes
wahrnehmen können, scheint besonders die Flügelnervatur bemerkenswerth. An den Decken können wir
deutlich Clavus vom Corium trennen, dagegen ist die Membrana nicht zu unterscheiden, scheint auch nicht
erhalten, was mit der grossen Kürze der Decken im Einklange wäre. Während nun die Verhältnisse der
ersten und zweiten Convexader durchaus die für die recenten Belostamiden typischen sind, verläuft in der
9
Palaeontographica, Bd. XXXIV. 30
— 234 —
von der dritten und vierten. Convexader gebildeten Schulterzelle ein System von wenigstens 6 deutlich er-
haltenen Parallelnerven, für welche die heutigen Formen als Analogon nur einige verworrene Runzeln und
Falten erkennen lassen. Ob diese stärkere Aderung der Decken vielleicht mit einer schwächeren Chitini-
sirung derselben zusammenhängt, lassen wir hier unentschieden, jedenfalls dürfte der bedeutende Unter-
schied in der Nervatur zwischen recenter und jurassischer Form eine generische Abtrennung der letzteren
rechtfertigen, wofür auch die von Deıcnmürter beobachtete starke Behaarung der ganzen Oberfläche der
Elytra wohl sprechen dürfte.
An dem linken Flügel des auf Taf. XXXI Fig. 3 abgebildeten Exemplars scheint die Schulterzelle
mit ihren Parallelvenen marginal zu sein, was natürlich durch den Verlust des Aussenrandes zu er-
klären ist.
Länge des Thieres 50, grösste Breite 20 mm.
Belostoma. Hartingi WEXYENB. ist, wie DEICHMÜLLER nachweist, identisch mit deperditum GERrM.;
Belostoma elongatum GERM. dagegen, wie wir an anderer Stelle zu zeigen versucht, ein Rhipidorhabdus.
Nepa primordialis Gern.
Taf. XXXI Fig. 11.
Diese im lithographischen Schiefer reich vertretene Wasserwanze ist in vielen gut erhaltenen Exem-
plaren im Münchener Museum vertreten; eines der besten Stücke zeigt Taf. XXXI Fig. 11. Das Thier
liest auf dem Bauche, die Flügeldecken über einander geschlagen. Der kleine Kopf lässt nach vorn die
dreieckige Ansatzstelle des Schnabels erkennen. Der Prothorax ist verhältnissmässig kurz, das Schildchen
dagegen stark entwickelt (10 mm lang); beide sind in der Mitte mit starkem Kiel versehen, das Halsschild
ausserdem anscheinend mit Buckeln und Höckern besetzt. Dicht am Kopf sitzen die starken Raubbeine;
sie setzen mit eirunden Trochanteren ein, zeigen dann den 12 mm langen und 4mm breiten Oberschenkel
und endigen in die gegen letzteren eingeschlagene, vom Tarsus nicht zu trennende S mm lange Tibia. Zu
beiden Seiten des Leibes sitzen die Schwimmfüsse, welche nichts Typisches darbieten. An der Ner-
vatur der Elytra ist nichts Sicheres festzustellen; eben so wenig sind die langen Athemröhren am Ab-
domen erhalten.
Länge des Thieres 28, grösste Breite 12 mm.
Naucoris lapidarius WEyYENB.
Taf. XXX Fig. 16.
Diese Art ist in der Münchener Sammlung nur in wenigen, ziemlich undeutlichen Exemplaren ver-
treten; was sie erkennen lassen, stimmt durchaus mit der von DEICHMÜLLER gegebenen genaueren Be-
schreibung überein.
Länge 11—14 mm.
Eine beinahe doppelt so grosse, meist bedeutend besser erhaltene Form ist dagegen in mehreren
Exemplaren vertreten.
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©
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|
Naucoris earinata n. Sp.
Taf. XXX Fig. 14.
Der Thorax ist stark gekielt, während am Abdomen die Mitte der Segmente sich dachförmig er-
hebt. Ueber die Einzelheiten der vorderen Gliedmassen ist nichts Sicheres festzustellen, dagegen sind die
hinteren Schwimmfüsse überall gut erhalten. Die Länge des breiten Femur beträgt 7, die von Tibia und
Tarsus 9 mm.
Länge 22—24, grösste Breite 10 mm.
Corixa?
Taf. XXX Fig. 15.
Ein einziges, schlecht erhaltenes, sehr kleines Exemplar in der Münchener Sammlung, welches im
Habitus an die recente Gattung Coriza erinnert. Das Thier liegt vollkommen platt gedrückt, mit an-
scheinend noch erhaltener Chitinsubstanz auf dem Steine 9 mm lang, 4 mm breit.
Sphaerodema jurassieum n. Sp.
Taf. XXXI Fig. 10.
Das Thier liegt auf dem Bauche, die Rückenseite dem Beschauer zugewendet. Kopf klein, zwei
Kalkspathkörner scheinen die Augen anzudeuten; der Prothorax 3 mm lang, rhombisch, gewölbt, vom Meso-
thorax durch kreisförmige Nath geschieden; letzterer von gleicher Breite und Form, aber etwas kürzer,
setzt sich unmittelbar in das dreieckige 5 mm lange Schildchen fort. Dieses lässt oben eine deutlich abge-
schnürte quadratische Parthie erkennen. Metathorax und die ersten Abdominalsegmente sind nicht scharf
zu trennen. Auf letzteren befinden sich zwei breite, wulstige Eindrücke, deren functionelle Bedeutung ich
nicht zu enträthseln im Stande bin. Die weiteren Abschnitte des Hinterleibs dagegen sind stark ver-
schmälert, durch in der Mittellinie dachförmig zusammenstossende convexe Bogen begrenzt. Die Form des
Abdomens ist eiförmig gerundet, plump, an den Seiten anscheinend flossenartig verbreitert. Die Flügeldecken
sind für eine Hydrocoride sehr stark chitinisirt, ihre Oberfläche rauh, der Clavus durch einen kreisförmigen
Einschnitt vom corium getrennt, die Membrana wahrscheinlich zerstört. Von Extremitäten ist nichts erhalten.
Wenn auch der erste Anblick dieses ziemlich seltsam gestalteten Insects auf ein Coleopteron
schliessen lässt, so zeigt uns die eigenthümliche Gestalt der Abdominalsegmente indessen, dass wir eine
Hydrocoride vor uns haben. Diese ist nämlich für die Wasserwanze durchaus typisch, sämmtliche Gruppen
Belostomiden, Nepiden, Naucoriden, Notonectiden und Sphaerodemen lassen sie erkennen, während die
äusserlich so ähnlichen, gleichen Existenzbedingungen angepassten Wasserkäfer eine völlig verschiedene
Segmentation zeigen. Unter den lebenden, mir zu Gebote stehenden Formen scheint die ostindische Gat-
tung Sphaerodema in ihrer Gestalt die meiste Aehnlichkeit mit der jurassischen Form zu besitzen.
Länge des Thieres 28, des Abdomens 15, grösste Breite desselben 13, Länge der Flügel, soweit
erhalten 12 mm.
Nur in einem Exemplare in der Münchener Sammlung vertreten.
30 *
Coleoptera.
Die Coleopteren bilden das schwierigste Capitel in der Geschichte der Insecten. des lithographischen
Schiefers; so zahlreich und mannigfaltig ihre Reste auch in ihm vertreten sind, so undeutlich sind sie. Es
lässt sich schwer ein stichhaltiger Grund für die auffallende Erscheinung angeben, dass die schweren,
massigen, mit Chitin so überaus stark bewehrten Körper der Käfer im Allgemeinen so viel schlechter er-
halten blieben, als die so viel hinfälligeren Gebilde der Schaben oder gar der Ephemeren. Es erfordert
sogar schon einige Uebung. und genaueres Studium, die Coleopterenreste sofort als solche zu bestimmen
und von den gleich grossen Hydrocoriden und Blattiden zu unterscheiden. Speciell in der auffallenden
Aehnlichkeit der Körperform, welche zwischen den auf das Wasser angewiesenen, verwandtschaftlich
so weit von einander getrennten Käfern und Wanzen besteht, lässt sich wieder einmal beobachten, einen
wie ähnlichen Habitus gleiche Existenzbedingungen an total verschiedenenen Organismen hervorzurufen im
Stande sind! — Charakteristisch für die Käfer ist nun vor allem die in Folge ihrer stärkeren Chitinisirung
hervorgerufene Wölbung ihrer Elytra; von den Hydrocoriden unterscheidet sie überdies ausser den fast nie
zu beobachtenden Mundtheilen, der Mangel der starken Raubbeine, welche sämmtlichen Wasserwanzen eigen-
thümlich, und die ganz verschiedene Segmentation des Abdomens; bei den Blattiden ist meist, wenn die
Neryatur auch sonst verwischt, die Analarea noch deutlich festzustellen.
Wenn nun aber auch die Coleopterennatur der Reste nach kürzerem oder längerem Studium deut-
lich und zweifellos wird, so sind für eine Einreihung in die einzelnen Familien der Ordnung oder gar für
eine generische Bestimmung in den seltensten Fällen Anhaltspunkte gegeben. Ein genaues Bild der Tarsen
ist fast nie, die Skulptur der Flügeldecken nur in den seltensten Fällen erhalten; auch die Fühler ver-
weigern meist jede Auskunft. So vorsichtig ich daher auch bei dieser Beschreibung verfahren zu sein
glaube, indem ich aus-der grossen Fülle des mir zu Gebote stehenden Materials nur einige wenige Typen
ausgewählt habe, so gebe ich gern zu, dass ein Theil meiner Bestimmungen in dieser Abtheilung etwas
unsicher ist und durch bessere Funde hoffentlich rectificirt werden wird. Dass diese zu erwarten, beweisen
einzelne, wirklich glänzend erhaltene Formen, welche allerdings in wunderbarem Gegensatz stehen zu allem,
was die andern Objecte dieser Ordnung erkennen lassen.
WEYENBERGH’s Arten mit den meinigen zu identificiren, war mir, da seine Abbildungen meist nicht
zu deuten, nur in einigen Fällen möglich.
Carabidae.
Procarabus Zitteli n. sp.
Taf. XXXI Fig. 14.
Kopf dreieckig, mit vorspringenden Kiefern; Halsschild 5 mm lang, 6 mm breit, rundlich, nach
hinten zu kaum verbreitert, am Rande stark aufgetrieben; Abdomen von den 15 mm langen Elytra bedeckt,
von Beinen nur Rudimente unter dem Abdomen hervorschimmernd, Elytra gegen die Hinterleibsspitze etwas
auseinanderweichend, mit der für die Gattung Carabus so charakteristischen Ornamentik bedeckt. Sechs
Streifen wechseln mit ebensoviel Punktreihen ab.
Länge 23, grösste Breite 10 mm.
In Druck und Gegendruck im Münchener Museum.
Procarabus retieulatus n. sp.
Taf. XXXI Fig. 28.
Von gleichem Habitus und annähernd gleichen Körperdimensionen; Flügeldecken anscheinend
kürzer als das Abdomen, durch Quer- und Längsstreifen in eine grosse Anzahl von Feldern geteilt; die
Längsstreifen sind ihrerseits wieder abwechselnd verdickt und verschmälert, so dass die Skulptur der Elytra
eine zierliche Mosaik bildet.
Länge 21, grösste Breite des Abdomens 7 mm.
In Druck und Gegendruck im Münchener Museum.
Procarabus tripartitus n. Sp.
Taf. XXXI Fig. 12.
Von annähernd gleicher Grösse und Form wie die beiden vorhergehenden Arten unterscheidet auch
diese Species sich leicht und sicher durch die abweichende Ornamentik der Decken, welche nur je 3 ein-
fache, durchlaufende Längsstreifen aufweisen.
Länge 23, grösste Breite des Abdomens 10 mm.
In Druck und Gegendruck im Münchener Museum.
Carabus Winkleri WEYENB., eine der wenigen deutlich abgebildeten Formen, welche grosse Aehn-
lichkeit mit den drei vorhergehenden Arten besitzt, ist durch seine bedeutende Grösse (37 mm) mit Sicher-
heit specifisch von diesen zu trennen. Ebenso scheint die C'hlaenius solitarius DEICHMÜLLER'S durch ihre
Form (Gestalt des Prothorax) und durch die allerdings nur unbedeutend divergirenden Maasse specifisch
selbständig.
Hydrocantharidae.
Prodytiseus longispinosus DEICHM.
Taf. XXXI Fig. 15.
Pseudohydrophilus longispinosus Deıcun.
Körper plump, eirund, Kopf kurz, in den Prothorax zurückgezogen. Metathorax sehr lang, wie
‚der Mesothorax stark gekielt; Abdominalsegmente an einander gerückt, schmal, von den langen hinteren
Schwimmfüssen zum Theil bedeckt. Vorderbeine kurz, der linke an der Tibia mit scheibenförmigem Haft-
‚apparat versehen.
Die Type ist, nach der Abbildung und den angegebenen Dimensionen zu urtheilen, zweifellos
Adentisch mit der DEICHMÜLLER'schen Art. Indessen scheint uns gerade die von DEICHMÜLLER beobachtete
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(3%)
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und von ihm als wichtiger Gattungscharakter angesprochene auffallende Grösse des ersten Tarsalgliedes der
Schwimmfüsse das Thier von den Hydrophiliden zu entfernen und den Dytisciden mit Nothwendigkeit zuzu-
sprechen. Zu dieser Annahme stimmt auch die auf Drıcnmürrer’s Abbildung (Taf. 5 Fig. 10) am linken
Vorderfusse zu beobachtende kreisförmige Verbreiterung, in welcher wir den für die Männchen so charak-
teristischen Haftapparat zu erkennen glauben und die starke Umbiegung der Flügeldecken an beiden Seiten
des Thieres. Leider ist an beiden Typen von den für die Entscheidung der Frage so wichtigen Antennen
nichts wahrzunehmen.
Länge 35, grösste Breite 17 mm.
In zwei in Druck und Gegendruck erhaltenen Exemplaren im Münchener Museum.
Prodytiseus Eichstaettensis n. sp.
= Taf. XXXI Fig. 19, 20.
Eine bedeutend kleinere, in zahlreichen, nicht gerade glänzend erhaltenen Exemplaren vertretene
Dytiseide, welche im Habitus eine gewisse Aehnlichkeit mit der recenten Gattung Corymbetes besitzt.
Das Fig. 19 dargestellte Exemplar ist von oben, vom Rücken aus sichtbar, Fig. 20 lässt die Bauch-
seite und die Beine erkennen. Der Körper ist lang eiförmig, der Prothorax sehr schmal und kurz, nicht
viel breiter als der Kopf; die Flügeldecken sind fest an einander gepresst und stossen in scharfer Nath auf
einander; der Metathorax scheint auch hier auffallend lang zu sein, die Beine sind Schwimmfüsse.
Länge 15, grösste Breite 6 mm.
Ich bin geneigt, die auf Taf. 5 Fig. 15 und 16 der Drıcnwörter’schen Arbeit abgebildete Sphenop-
tera Sphin« mit der vorhergehenden Art zu identificiren und für eine Dytiscide anzusprechen. Damit
stimmen gerade die von DeichwÜüLter als nicht ganz zu seiner Deutung passend erwähnten Merkmale
überein, der kurze Prothorax, die stark gekielte Vorderbrust, die grosse Entferung beider Augen, die Breite
der Flügeldecken an der Basis und die Form ihres nach unten umgeschlagenen Theils. Mir scheint indessen,
als ob DrıchmüLter zwei verschiedene, gleich grosse Formen im Sinne gehabt hat, von denen leider nur
die eine, die Dytiscide zur Abbildung gelangte. Unter den Münchener Käfern wenigstens spielt eine leider
immer undeutliche kleine Buprestide eine grosse Rolle. Dieselbe hat gekörnte Flügeldecken und eine Länge
von 15—18 mm, also gerade die Dimensionen der Dytiscide. Genauere Trennungscharaktere‘ anzugeben ge-
stattet mir die Unvollkommenheit des von mir als zur Sphenoptera zugehörig betrachteten Materials leider nicht.
Lamellicornia.
Oryetites fossilis n. sp.
Taf. XXXI Fig. 2.
Ein mittelgrosser Käfer mit plumpen, mit Dornen und Kanten stark bewehrten Beinen. Seine Ge-
stalt, die Form des Prothorax, der scharf aneinander geschlossenen, den Hinterleib fast vollkommen decken-
den Elytra und der Extremitäten erinnern an die recente Gattung Oryctes, scheinen jedenfalls aber für die
Lamellicornier typisch zu sein. Für Oryctes spricht noch der Umstand, dass der Prothorax gerade auf
seiner Mitte zwei hervorspringende Zapfen trägt, welche entweder als Ansatzstellen für Cuticularbildungen
dienten oder diese selbst darstellen (Zapfenbildung bei Oryetes nasicornis).
Der Käfer, welcher 20 mm lang und 10 mm breit ist, wird im Münchener Museum nur durch ein
Exemplar vertreten.
Progeotrupes jurassieus n. Sp.
Taf. XXXI Fig. 17.
Körper kurz, stumpf eiförmig. Prothorax halbkreisförmig. Decken anscheinend die Hinterleibs-
spitze frei lassend. Fühler, Schildehen und Beine undeutlich.
Länge 17, grösste Breite des Prothorax 7, des Abdomens 9 mm.
Das leider nur schlecht erhaltene Object erinnert in seinem Habitus an die Gattung Geotrupes, von
der auch DEıcHmüLLEer einen Repräsentanten, Geotrupes lithographicus DEıcam., aus unserer Formation
aufführt; beide Arten unterscheiden sich schon durch ihre abweichenden Dimensionen, lithographieus ist
35 mm lang, also beinahe doppelt so gross als junasszeus.
Clavicornia.
Silphites cetoniformis n. sp.
Taf. XXXI Fig. 16.
Kopf klein, in den Prothorax zurückgezogen. Fühler Smm lang, schnurförmig, an der Spitze leicht
verdickt. Prothorax an den Seiten gerundet, nach unten verbreitert; Schildchen klein, dreieckig, Elytra
schmal, einander in der Mittellinie nicht berührend, das Abdomen vollständig bedeckend; Beine schlank,
doch schlecht erhalten.
Länge 14, grösste Breite des Prothorax S, des Abdomens 8, der Flügeldecken 3 mm.
In seinem Habitus, der Form des Prothorax und der sich in der Mittellinie nicht berührenden
Elytra erinnert der Käfer stark an die Cetonien, die Fühler scheinen uns dagegen mehr für eine Silphide
zu sprechen.
Silphites angusticollis n. sp.
Taf. XXXT Fig. 6.
Die Type ist anscheinend auf eine in seinen Umrissen nur undeutlich erhaltene carabidenähnliche
Form gepresst, wodurch die Beobachtung ziemlich erschwert ist. Die Verhältnisse sind im Allgemeinen
die gleichen, wie bei der vorhergehenden Form, doch unterscheidet sich angusticollis durch den auffallend
kurzen Prothorax und die kleineren, aus vielen Segmenten zusammengesetzten Antennen.
Länge des ganzen Thieres 17, des Prothorax allem nur 4, grösste Breite des Prothorax 9, des
Abdomens 10 mm.
In Druck und Gegendruck im Münchener Museum.
Sternoxia.
Eurythyrea grandis Deıchm.
re OS ©
Das herrlich erhaltene Thier liegt auf dem Rücken. Der Kopf ist kurz und breit, stark in den Pro-
thorax zurückgezogen. Dieser ist annähernd quadratisch, in der Mitte stark gekielt, seine Oberfläche punktirt.
Das Abdomen ist gerundet und endigt in eine feine Spitze. Die etwas zur Seite geschlagenen Elytra, welche
den Hinterleib in normaler Lage ganz bedecken würden, sind mit Punktstreifen reich verziert; ich zähle
deren sechs auf jeder Decke. Von Fühlern ist der linke erhalten, der aus kurzen schnurförmigen Gliedern
besteht und von zarter Consistenz gewesen sein muss. (Auf der Abbildung ist es leider weggelassen worden).
Die Hinterbeine sind unter den Extremitäten die einzigen vollständigen; ihr Femur- ist kurz und plump, die
Tibia mittellang, deutlich vom Tarsus, dessen Gliederung leider auch hier nicht erhalten, abgesetzt.
Länge des Körpers 35, des Kopfes 2, des Prothorax 6, grösste Breite 10, Länge des Fühlers 5,
des Hinterfusses 14 mn.
Die Type stimmt in ihren Körperdimensionen, der Form von Kopf und Halsschild und der Skulptur
der Decken so unbedingt mit der von Deıchmürver beschriebenen, weniger gut erhaltenen Form überein,
dass ich kein Bedenken trage, sie mit derselben zu identificiren. Interessant ist ihr Erhaltungszustand;
während die meisten übrigen Insecten reliefartig aus dem Gestein hervortreten, zeigt die vorliegende Form
nur ein aber um so deutlicheres Flächenbild und macht im ersten Augenblicke ganz den Eindruck einer
künstlich auf dem weissen Steine entworfenen Zeichnung, ein Effect, der noch dadurch verstärkt wird, dass
die Chitinsubstanz anscheinend noch erhalten ist.
Buprestites suprajurensis n. sp.
Taf. XXXI Fig. 21.
Die in Druck und Gegendruck erhaltene Type liegt auf dem Rücken. Kopf klein, in den Prothorax
zurückgezogen, letzterer kurz, quadratisch, an den Seiten sanft gerundet, gegen den Metathorax in schmaler,
scharfer Kante endigend. Die Decken sind breiter als das Abdomen, aber auch kürzer als dasselbe; ihre
Spitzen sind schräg abgeschnitten. Die Beine sind kurz und plump, besonders die Oberschenkel stark
entwickelt. Das Abdomen endigt in eine schmale, von der Elytra nicht mehr bedeckte Spitze.
Gesammtlänge 32, Länge des Kopfes 2, des Prothorax 6, der Decken 17, der Beine circa 12, Breite
des Prothorax 6, der Decken 6, des Abdomens 10 mm.
Nach der Form des Kopfes, des quadratischen Prothorax, der Decken und Extremitäten eine Buprestide.
Ditemoptera dubia GERMAR.
Taf. XXXI Fig. 8.
Öerambycites dubius DEICHN.
Aus den an der vorhergehenden Form aufgeführten Gründen glaube ich auch diese Type, im
welcher DEICHMÜLLER eine Cerambyeide hält, zu den Buprestiden rechnen zu müssen; übrigens ist die Type
nach Entfernung der Bemalung sehr undeutlich.
on
Elaterites priseus n. sp.
Taf. XXXI Fie. 5.
Kopf verhältnissmässig gross, lang gestreckt; Fühler, von denen der rechte erhalten, borstenförmig,
mittellang. Prothorax rhombisch; Abdomen lang, zugespitzt. Elytra schmal, annähernd hinterleibslang, in
scharfe Spitze auslaufend, von Skulptur ist an ihnen nichts wahrzunehmen. Beine undeutlich.
Gesammtlänge 20, Breite des Prothorax 5, des Abdomens 8, der Decken 4 mm.
Die Verhältnisse und Dimensionen der Type weisen auf einen Elateriden hin.
Elaterites robustus n. sp.
Taf. XXXI Fig. 22.
Kopf länglich; Prothorax oval, auffallend kräftig, aufgetrieben, anscheinend mit dem Mesothorax
durch einen starken Dorn (Sprunggelenk der Elateriden?) in Verbindung stehend; auch die Hinterecken
scheinen dornartig hervorzuspringen. Die langen, skulpturlosen, nach hinten stark verschmälerten, derb
chitinisirten Elytren bedecken das ovale Abdomen.
Rhynchophora.
‚ureulionites striata n. sp.
Taf. XXXI Fig. 27.
Ein vortrefflich erhaltenes Exemplar, welches aus der LEUCHTENBERG'schen Sammlung stammt.
Der kurze Kopf trägt nach vorn den stumpfen, kolbig verdickten Rüssel; die Augen stehen zu beiden
Seiten des Grundes. Der Prothorax ist kuglig, das Schildchen sehr klein; das Abdomen breit,
plump, eiförmig. Die Elytra sind anscheinend breiter als der Hinterleib und überragen denselben auf
beiden Seiten; sie sind mit zierlichen, durchlaufenden Streifen versehen (8 bis 10 auf jeder Decke).
Die Extremitäten scheinen kurz und plump, ihre einzelnen Bestandtheile sind in Folge der Dendriten-
bildung nicht von einander zu trennen. Die Chitinsubstanz scheint an einzelnen Punkten des Körpers
noch erhalten.
Die Type verräth im Habitus eine gewisse Aehnlichkeit mit den recenten Gattungen Cleonus
und Hylobius.
Länge 20, grösste Breite 7, Länge des Rüssels 21/, mm.
In einem Exemplare in Druck und Gegendruck im Münchener Museum.
Anisorhynehus lapideus WEYENE.
Taf. XXXI Fig. 7.
Ich stimme mit WEYENBERGH überein, dass die schwer zu definirenden massigen, länglich ovalen
Kalkgebilde, wie sie unsere Figur wiedergiebt, das stark chitinisirte Deckenpaar eines grossen Curculioniden
Palaeontographica. Bd. XXXIV, 31
oa
darstellen. Im Abdrucke lässt sich deutlich die mediane Verwachsungslinie der beiden Elytra, sowie eine
starke Streifung an beiden Seiten verfolgen, während der convexe Druck selbst mit regelmässigen Erhaben-
heiten und Knoten besetzt erscheint.
Chrysomelidae.
Galerueites carinata n. sp.
Taf. XXXI Fig. 26.
Eine aus Kelheim stammende, in anologer Weise wie Eurythyrea grandis erhaltene Type.
Kopf klein, mit langen, schnurförmiger, neben den Augen einsetzenden Fühlern. Prothorax kurz,
nach hinten verbreitert. Meso- und Metathorax stark gekielt und dieser Kiel anscheinend über das Ab-
domen bis ziemlich zur Spitze verlängert. Decken. breit, skulpturlos. An sämmtlichen Extremitäten, be-
sonders aber an den Hinterfüssen des Femur stark verdickt, an letzterer auch die Tibia von bedeutender Länge.
Gesammtlänge 10, Länge der Hinterschenkel 4, der Tibia 4, des Kiels 5, grösste Abdominalbreite 51/ mm.
Die Type ähnelt im Habitus der recenten Gattung Galeruca, doch dürften Kiel und Hinterschenkel
vielleicht für eine Annäherung an Haltica sprechen.
Chrysomelites jurassieus n. sp.
Taf. XXXI Fig. 25.
Kopf klein, trägt die vor den Augen eingelenkten Fühler. Prothorax breit aber kurz; die Flügel-
decken überragen das eiförmige Abdomen; sie sind mit starker Streifenskulptur versehen.
Der kleine Kopf, der kurze Prothorax und die Form der über Hinterleibslänge erreichenden Elytra
machen die Zugehörigkeit zu den Chrysomeliden sehr wahrscheinlich. Die Skulptur der Decken hat eine
gewisse Aehnlichkeit mit den erzglänzenden Chrysomela-Arten (Ohrysomela fastuosa, graminis ete.).
Gesammtlänge 7, der Decken 6, des Prothorax 3, Breite desselben 51/ mm.
Chrysomelites minima n. sp.
Taf. XXXI Fig. 23.
Kopf noch kürzer als bei der vorhergehenden Form, fast ganz in den Prothorax zurückgezogen \
letzterer breiter als lang; Abdomen und Decken ungefähr von gleicher Länge; letztere fein gestreift und
gekörnt punktirt.
Länge 6, die des Abdomens und der Elytra circa 4 mm.
Cryptocephalus? mesozoicus WEYENB.
Taf. XXXI Fig. 24.
Kopf anscheinend ganz in den Prothorax zurückgezogen, letzterer wie die Decken sehr stark chitini-
sirt; Abdomen anscheinend nicht erhalten.
— 2143 —
Die Type scheint mit der WEYEnBErGH’s identisch zu sein, ist aber leider ebenso schlecht er-
halten wie diese.
Länge 4! mm.
Hymenoptera.
Rhipidorhabdi.
Pseudosirex DEIcHM.
Wenn wir von den von WEYENBERGH aufgestellten Formen absehen, die entweder so schlecht er-
halten, resp. abgebildet, dass sie gänzlich unbestimmbar (Bombus? conservatus WEYENB.), oder mit ziemlicher
Sicherheit als Käfer betrachtet werden können (Apiaria Tapidea und veterana WEXYENE.), So gehören die
einzigen, jetzt mit Sicherheit als solche erkannte Hymenopteren unserer Formation einer Gruppe an, welche
ich im Jahrgange 1885 der Berl. ent. Zeitschrift unter dem Namen Rhipidorhabdi auf Stücke des Berliner
und Münchener Museums hin beschrieben habe. Ich war allerdings damals über die systematische Stellung
dieser wunderlichen Formen, welche früher unter den mannigfachsten Bezeichnungen als Sphinx Schroeteri
Schrorn., Belostoma elongatum Germar, Sphinx Snelleni WEYENB., endlich Hagenia WEvEnB. theils zu den
Lepidopteren, theils zu den Hemipteren, theils endlich zu den Hymenopteren gezählt wurden, noch nicht
ganz im Klaren und die wunderliche Verbindung eines Hymenopterenflügels mit Neuropterencharakteren und
eines Lepidopterenhabitus veranlasst mich, in ihnen Vertreter ausgestorbener Formen zu erblicken, welche
zu keiner der heutigen Ordnungen direct in Beziehung zu bringen wären. Seither hat nun DEICHMÜLLER an
der Hand seiner Exemplare überzeugend nachgewiesen, dass die von mir als ein in das Innere des Körpers
zurückziehbarer Legeapparat gedeuteten scheinbar letzten Segmente des Abdomens einem Appendix ange-
hören, welcher dem eigenthümlichen Apparate der Sirieiden in seiner Form und Zusammensetzung völlig
gleicht und dass nur durch Druck die scheinbare Continuität des Abdomens hervorgerufen wird. Damit
waren natürlich die Beziehungen der Rhipidorhabden zu den niedersten, von jeher im Hinblick auf ihre
Mundtheile, den stark an Orthopterencharaktere erinnernden Legestachel und die Nervatur ihrer Flügel für
die ältesten unter den Hymenopteren gehaltenen Terebrantier mit Sicherheit festgestellt; trotz alledem
schienen mir die Verhältnisse des Geäders nicht so klar zu liegen, als DEICHMÜLLER annimmt, und an der
Hand des herrlich erhaltenen, bis in das kleinste Detail seiner Nervatur zu verfolgenden Flügels, welchen
das Münchener Museum besitzt, und der auf Taf. XXX Fig. 10 zur Abbildung gelangt, und des recenten
Vergleichsmaterials glaube ich zu Resultaten gekommen zu sein, die im Hinblick auf die lebenden Formen
nicht ganz ohne Interesse sein dürften.
In dem Flügel verläuft längs des Aussenrandes eine stark gewölbte Ader, welche etwa ?/3 der
Fläche durchmisst, um dann im Flügelrande zu endigen; ich betrachte dieselbe als die Costa I; sie ist ein-
fach und postmarginal; von einer Randcosta, wie sie DEICHMÜLLER sieht, vermag ich bei gewissenhafter
Prüfung auf den mir bekannten Exemplaren nichts zu entdecken. Diese Costa ist also identisch mit DEıcH-
wmürver’s Scapularis, während seine Marginalis mir nicht vorhanden zu sein scheint. Auf sie folgt ihr
parallel zum Innenrande verlaufend eine die Flügelwurzel nicht mehr erreichende concave Ader, welche 12
sich theilweise gablig verästelnde Zweige zum Aussenrande versendet; ich betrachte sie als die nach
31*
— 24 —
REDTENBACHER bei der Mehrzahl der Hymenopteren unterdrückte, nur bei Zydia und einigen verwandten
Teuthrediniden noch erhaltene Subcosta II. Sie wird in analoger Weise wie bei den echten Neuropteren
(Myrmecoleo, Hemerobius u. a.) durch die III. convexe Vene des Flügels, den Radius, gestützt und gleich-
zeitig gehoben (Radialis Deicnmvrver’s). Dieser löst sich kurz vor dem Vorderrande in 2 zarte Aeste auf
und giebt gleichzeitig noch 5 zum Vorderrande verlaufenden seitlichen Zweigen den Ursprung, während die
übrigen Paralleladern oder Rudimente derselben — auf diese Frage kommen wir später zurück — anschei-
nend aus 2’in das Innere des Flügels hinein sich erstreckenden, aber nicht mit Sicherheit zu verfolgenden,
wahrscheinlich concaven Stämmen ihren Ursprung nehmen. Ob dieselben den REDTENBACHER’schen Concav-
adern IV und VI entsprechen, lassen wir dahingestellt, in jedem Falle aber haben wir in der nun folgenden
starken Convexader, wie auch DEICHMÜLLER annimmt, den sich gleichfalls kurz vor dem Rande in kleinere
Zweige auflösenden Cubitus (VII. Repr.) zu erkennen. Nun folgt wieder eine Anzahl in ihrem Ursprunge
sich in das Gebiet der Discoidalzelle hinein erstreckenden Paralleladern, von welchen die eine von DEicH-
mürver fälschlich als die bis zum Vorderrande vorlaufende Endigung der Discoidalader aufgefasst wird,
während diese (IX. Repr.) in Wirklichkeit sich zum Innenrande abbricht, um hier eine von DEICHMÜLLER
gleichfalls nicht aufgeführte Innenwandszelle zu bilden; die Analarea des Flügels ist leider nicht deut-
lich erhalten. Im Zellgebiete unterscheiden wir daher 1 Cubital = 1 Discoidal, 1 Innenrands- und
2 Schulterzellen.
Wenn ich nun auf den Unterschied in der Drıchmünver’schen Auffassung und der meinigen des
Näheren eingehe, so erscheint derselbe sich ausser einigen nebensächlichen Differenzen bezüglich des Zell-
gebiets hauptsächlich in der Anschauung zu concentriren und zu accentuiren, welche sich jeder von der
Natur jener feinen, den Vorder- und Aussenrand fächerförmig umgebenden Erhabenheiten gebildet hat.
DEICHMÖLLER spricht mehrfach von der „gefalteten Flügelmembran“, diese ist nach ihm in der Äusseren
Flügelhälfte zwischen den Längsadern mit feineren, z. Th. von den Hauptvenen fächerförmig
ausgehenden Längsrunzeln oder Falten bedeckt, während meiner Ansicht nach diese „Falten“ z. Th.
noch wirklich funktionirende Adern, wie die Subcosta und ihre Aeste und die Verzweigungen von Radius
und Cubitus, z. Th. Ueberreste von früheren Adersystemen, wie z. B. die sich zwischen Radius und
Cubitus einschiebenden Aeste darstellen. Diese Anschauung stützt sich hauptsächlich auf ihre innige Ver-
bindung mit den grossen Venen des Flügels, welche sich fast sämmtlich gegen den Rand hin in sie auf-
lösen und so die Unterscheidung zwischen „Adern“ und „Falten“ zu einer recht heiklen machen. Hat
doch selbst DEICHMÜLLER eine dieser „Falten“ als einen Theil seiner Discoidalis aufgefasst und
gezeichnet. Es scheint auch ziemlich unwahrscheinlich anzunehmen, dass Blutflüssigkeit und Tracheen,
welche die grossen Stämme des Radius und Cubitus erfüllten, sich nicht in die kleineren, sich unmittelbar
an sie schliessenden Aeste fortgesetzt haben sollten. Auch wird jedem unbefangenen Beobachter sofort die.
Aehnlichkeit auffallen, welche diese Falten mit den zahlreichen und dicht verzweigten Gebilden besitzen,
welche den Pterinoblattina-Flügel (Taf. XXXI Fig. 29) durchziehen und deren Venennatur doch über jeden
Zweifel erhaben ist. Aber selbst wenn wir mit DEıchmüLter in diesen Streifungen der Flügelmembran nur
Falten und keine wirklich noch funktionirenden Adersysteme erblickten, so dürften dieselben nach der
AporpH’schen Theorie wohl sicher als die Rudimente von solchen aufzufassen sein, zumal da wohl ziemlich
sicher erwiesen ist, dass sowohl Concav- als Convexadern in letzter Linie auf Faltungen der Flügelanlage
in der Scheide zurückzuführen sein werden (siehe darüber REDTENBACHER, $. 156).
Vergleichen wir, um zu einem Verständniss dieser eigenthümlichen Bildungen zu gelangen, die
Folge der drei auf Taf. XXX Fig. 9, 10 und 11 dargestellten Flügel eines Myrmecoleo, Rhipidorhabdus und
recenten Sirex. Mir scheint, um die Resultate vorauszunehmen, als ob dieselben eine continuirliche Ent-
wicklung darstellen, welche bestrebt ist, aus dem reich verzweigten und verästelten Adernetz des Urflügels
die typisch einfache Form und das charakteristische Zellgebiet des Hymenopterenflügels herauszubilden.
Der Flügel von Myrmecoleo (Fig. 9) enthält eine convex-marginale Costa, eine concave Subcosta, welche
zum ganzen Aussenrande kleine, sich z. Th. gablig verzweigende Aeste versendet. Sie selbst wird von dem
convexen Radius in der für die Neuropteren typischen Weise überdacht, welcher seinerseits wieder zusammen
mit seinen Sectoren und der nach REDTENBACHER mit diesen vereinigten V. Ader eine Fülle von sich wieder
gablig verteilenden Aesten zum Vorderrande sendet. Diese entsprechen in ihrer ganzen Anlage und Ver-
theilung ebenso wie die Zweige der Subcosta auffallend den bei Rhipidorhabdus geschilderten „Falten“.
Dann folgen die wieder weit verzweigten Adern VI und VII, VI concav, VII (Cubitus) convex und die beiden
convexen Adern IX und XI. Die Fülle von Queradern, welche der Flügel besitzt und welche wohl hier wie
überhaupt als metamorphosirte Längsadern aufzufassen sein werden, bezeugt übrigens, dass der Flügel im
Verhältniss zum Primordialflügel schon eine reiche Entwicklung hinter sich hat.
Bei Sirex dagegen finden wir eine submarginale Costa, welche sich mit dem ihr anfänglich parallel
laufenden Radius etwa ein 1/; vom Vorderrand entfernt zu einem leichten Pterostigma vereinigt. Die Sub-
costa zwischen ihnen fehlt; wohl aber bemerken wir an der Flügelspitze eine sich reich verzweigende
Convexfalte; sie betrachte ich als Rudiment der durch die allmähliche Annäherung zwischen Costa und
Radius ganz „ausgelöschten“ Subcosta und die bei Rhipidorhabdus vorhandenen Verhältnisse, unter welchen
die Subcosta Flügelspitze noch zu funktionieren scheint, als ein Zwischenstadium in dieser Entwick-
lung. Ebenso erreicht bei Sörex der Radius nicht mehr den Vorderrand, wohl aber die von ihm aus-
gehenden Falten, von denen auch die IV und VI entsprechenden am Rande noch deutlich zu verfolgen
sind, während sie im Zellgebiet verschwinden und durch verworrene concave Furchen angedeutet zu sein
scheinen. Dagegen sendet Cubitus und Discoidalis mehrere, schwach chitinisirte Aeste an den Vorderrand
heran und diese entsprechen nach Lage und Form genau den ihnen parallel laufenden „Faltenbildungen *
der Membran.
Fassen wir die durch die Vergleichung gewonnenen Resultate, für welche die drei Figuren fast
mehr sprechen werden, als jede noch so ausführliche und eingehende Argumentation, kurz zusammen, so
gelangen wir zu folgenden Annahmen:
I. Die Rhipidorhabden des lithographischen Schiefers repräsentiren in ihrem Flügelgeäder einen
älteren Zustand des Hymenopterenflügels und Verhältnisse, durch welche derselbe von seiner vieladrigen
Anlage hindurch zu wandern hatte, um die jetzigen, von den übrigen Inseetenordnungen so ganz abweichen-
den Verhältnisse seiner Nervatur mit ihrer eigenthümlichen Zellbildung zu gewinnen. Bemerkenswerth ist
dabei, dass der Flügel von Khipidorhabdus anscheinend keine wahren Queradern besitzt, dass die das noch
sehr kleine Zellgebiet begrenzenden Adern zweifellos durch Auslöschen insbesondere der Concavsysteme ent-
standen zu sein scheinen und dass daher der Hymenopterenflügel auf einen Urflügel ohne Queradern zurück-
zuführen scheint (Blattiden-ähnliche Formen).
II. Ebenso repräsentiren die Siriciden der Jetztzeit eine Sippe von alten Formen, in welchen die
ursprünglichen Verhältnisse der Nervatur noch nicht ganz verwischt zu sein scheinen. Die Fortentwicklung
— 246 —
des Siricidenflügels in dem angedeuteten Sinne (Zellenbildung bis zum Flügelrande und Absorption der letzten
Rudimente der primären Nervatur) scheint noch nicht abgeschlossen.
II. Von den Terebrantiern zeigt ein Theil der phytophagen Blattwespen (Nematus, Oimbex) noch
analoge Verhältnisse, die übrigen, sowie Ichneumoniden, Braconiden, Cynipiden scheinen über dieses Stadium
bereits hinaus zu sein.
IV. Unter den Aculeaten lassen nur die Scoliaden und Sphegiden noch analoge, den Rhipidorhabden
fast äbnlichere Verhältnisse als die Sirieiden erkenner; sie scheinen also die Gruppe zu bilden, mit welcher
der Aculeatenstamın einst seinen Ursprung aus dem der Terebrantier genommen hat.
V. Vorausgesetzt, dass der eine, von HrEr in seiner „Urwelt der Schweiz“ als Palaeomyrmex pro-
dromus, also als der einer Ameise beschriebene Flügel aus dem -Lias der Schambelen wirklich einem
Hymenopteron zugesprochen werden muss, was Heer, wie ich glaube mit Recht, selbst als noch fraglich
hinstellt, so muss diese Entwicklung bis weit in die Trias zurückzuverlegen sein.
VI. Die Rhipidorhabden sind in Berücksichtigung ihres Geäders bei aller sonstigen Verwandtschaft
nicht ohne Weiteres in die heutige Gruppe der Siviciden einzuverleiben. Sie bilden vielmehr im System
eine gleichwerthige Abtheilung des Terebrantierstammes. Der Name „Rhipidorhabdi“ scheint mir daher
auch, als das Wesentlichste ihrer Natur klar ausdrückend, dem indifferenten und unklaren Pseudosirex
vorzuziehen.
Wenn wir bei der Vergleichung des jurassischen und recenten Hymenopterenflügels und bei dem
Versuch einer Ableitung desselben aus einer vieladrigen Anlage gerade den Neuropterenflügel herbeigezogen
haben, so haben wir damit nicht eine nähere Verwandtschaft dieser beiden Ordnungen behaupten wollen.
Im Gegentheil sprechen viele Einzelheiten des anatomischen Baus, wie u. A. auch die von Dewırz über-
zeugend nachgewiesene Homologie des Bienenstachels und Legeapparats der Terebrantier mit den Genital-
apparaten der Orthopteren für eine Ableitung des Hymenopterenstammes aus orthopteroiden Vorfahren.
Wenn hier der Neuropterenflügel gewählt wurde, so geschah dies lediglich, weil derselbe anscheinend, wie
ja auch REDTENBACHER meint, noch die meisten Züge aus der monophyletischen Uranlage des Insecten-
flügels bewahrt hat. Die heutigen Blattiden, die ja sonst im Uebrigen so uralte Typen repräsentiren,
scheinen gerade in ihrem Geäder bei der stärkeren Chitinisirung der Oberflügel und der Umwandlung der-
selben in schützende Decken schon recht bedeutende Einbusse und Veränderung erlitten zu haben. Da-
gegen lässt die Nervatur einiger mesozoischer Blattiden, wie z. B. der Gattungen Rithma und Pterinoblattina
ganz erhebliche Analogien erkennen.
Es scheint überhaupt, als ob der vieladrige Flügel für sämmtliche Insectenordnungen als die pri-
märe Uranlage angenommen werden muss. Der Flügelkeim aller Insecten zeigt eine Unzahl lebhaft sich
verästelnder Tracheen, es scheint also nach dem biogenetischen Grundgesetz hier unzweifelhaft eine Re-
capitulation der phyllogenetischen Entwicklung vorzuliegen. Selbst die fächerförmige Grundanlage des
Insectenflügels, von welcher aus mit der Umbildung des mechanischen Fallschirmes in einen aktiven Be-
wegungsapparat, wie -REDTENBACHER überzeugend nachweist, nothwendig eine Verminderung der Venen
und eine Vereinigung derselben zu Systemen erfolgen musste, scheint schon etwas Secundäres, erst allmäh-
lich Erworbenes zu sein. Für diese Reduktion des Flügelgeäders spräche dann auch der grosse Reichthum
an selbständigen Adern, welches der anscheinend am wenigsten umgebildete Theil des Blattidenflügels, die
Analarea besitzt, recht deutlich.
Ich glaube daher auch, dass die Scupper’sche Ansicht, der seiner Palaeodietyoptera auf S. 825
des Zırrer’schen Handbuchs eine ziemlich einfache Nervatur zuschreibt, entschieden a priori und an der
Hand der Thatsachen zu verwerfen ist. A priori, indem das Einfache in der Organisation gleichwerthiger
Theile nie und nirgends das Ursprüngliche ist, indem fast überall die Entwicklung bestrebt ist, aus dem
Chaos complicirter Verhältnisse das Einfache und Bestimmte plastisch herauszubilden. An der Hand der
Thatsachen, indem unter den recenten Insectenordnungen gerade die höchst organisirten das einfachste
Geäder besitzen (Hymenoptera, Diptera, Lepidoptera), die am niedrigsten stehenden (Orthoptera und Pseudo-
neuroptera) die complieirtesten Verhältnisse in ihrer Nervatur darbieten; indem andererseits unter seinen
Palaeodietyopteren selbst die reichadrigen Palaeoblattarien bedeutend überwiegen, während unter den übrigen
Formen die einen ebenso complieirt enervirt sind, während die anderen in allen ihren Verhältnissen deut-
lich bekunden, dass sie sich nicht mehr auf der niedersten Stufe ihrer Organisation befinden.
Actaeon Montr. 83.
„ acutissimus.Mürr. 78.
„ affınis MürL. 83.
„ affinis Sow. 84.
„ bulliformis Mürr. 79.
„ eoniformis Mürr. 79.
„ eylindraceus Mürr. 77.
„ doliolum Mürr. 77.
„ elongatus Sow. 84.
giganteus Sow. 82.
„ granulato-lineatus BınkH.
„ leautensis Pıcr. 80.
„ Mülleri Bosqv. 83.
Actaeonella p’ORrE. 82.
„ Beyrichi Drescn. 33.
„ eretacea Mürr. sp. 82.
„ gigantea Sow. sp. 82.
„ laevis Sow. sp. 83.
Actaeonina D’ORB. 77.
„ acutissima Mürr. sp. 78.
„ Binkhorsti Hzı. 77, 78.
„ coniformis Mürr, sp. 79.
„ eylindracea p’ORre. 77.
„ doliolum Mürt. sp. 77.
„ lineolata Reuss sp. 78.
„ nana Mürr. sp. 79.
Actinocamax Braınv. 59.
„ quadratus Br. 59, 60.
Alaria eingulata Pıcr. u. Roux 122.
„ granulata Stor. 117.
Amauropsis Morrcn. 139.
„ exaltata Guor. sp. 139.
Ammonites Beudanti Brosn. 182.
„ eolligatus Bınku. 61.
„ inflatus Miıcn. 182.
„ latidorsatus Mıcn. 182.
„ Milletianus p’Ors. 132.
» Neptuni Gem. 61.
79, 81.
Nee
(Die beschriebenen Arten sind gesperrt gedruckt.)
| Ammonites regularis Brus. 182.
| „ Rhotomagensis Law. 185.
Amphibrachium abbreviatum Rüst
| 199.
„ elavatum R. 19.
| „ grande R. 199.
„ Zilliense R. 199.
Amphisphaera armata Rüsr 193.
Ancillaria eretacea Mürr. 94.
| Anisorhynchus lapideus Wry. 241.
Apiaria lapidea Wey. 243.
„ veterana W. 243.
| Aplustrum Scaum. 80.
„ aplustre L. 80.
Apochrysa 226.
„ excelsa Hac. 227.
ı Aporrhaidae Pnır. 114.
Aporrhais pa Costa 114.
„ anserina Rornm. 114.
„ Beisseli Hzı. 114.
„ calcarata Sow. 115.
„ emarginulata Favre 118.
„ granulata FrecH (Sow.) 117.
„ granulosa Mürr. 114.
„ Nagorzanyensis FAvrE 122, 123.
„ papilionata v. Schr. sp. 59.
„ Schlotheimi Roru. sp. 59.
„ stenoptera FAvRE (GLor.) 116.
Asteracanthus 27.
Astrosphaerida 194.
| Auricula Lau. 72.
„ Firmmi L. 73.
„ lagenalis Mürr. sp. 82.
„ pisolina Desn. 73.
Avellana Archiaciana Mürr. D’Ore. 84.
„ Archiaciana NoErL. 85.
„ Hagenowi Mürr. 86.
„ Humboldtii Mürrt. 84.
Avellana incrassata Kxer 81.
„ paradoxa Mürr. 84.
Bacillus 231.
Baculites Lan. 64.
„ anceps Lau. 64.
„ eompressus Mürr. 64.
„ incurvatus Du». 64.
„ Knorri Mürr. 64.
„ nodosus Mürr. 64.
„ vertebralis Lam. 65.
Baetis 224,
Belemnitella 60.
„ mucronata v. Schr. 60.
Belemnitidae 60.
Belostoma deperditum Ger. 220,
233.
„ elongatum Gern. 234, 243.
„ Hartingi Wer. 254.
Blabera 221.
Blattida 221.
Bombus conservatus Wey. 219, 243.
, Buceinum Steiningeri Mürr. 112.
Bulla Archiaci Bosqu. 75.
„ eretacea Mürr. 75.
„ Mülleri Bosqv. 75.
„. ornata GuEr. 80.
„ ovoides p’Arcn. 75.
„ Pallassaui Mütr. 75.
„ Pallassaui p’Arcu. (Bosquer) 76.
Bullinula Beck 80.
»„ Frechi Hzı. 93.
„ obtusiuscula SrorL. 80.
„ Strombecki Mitt. 81.
Buprestites suprajurensisOrrn.240.
Caenis Sen. 224.
Callimenes 223.
Callorhynchus 2, 3, 4, 10.
„ Hectori New. 3.
Cancellaria An. 92.
„ Dunkeri Hzı. 9.
„ globulosa Hzı. 93.
„ nitidula Mitr. sp. 92.
„ obtusa Bınkn. 94.
Staringi Bosqu. 92.
m ib EEE
Capulidae Cuv. 151.
Capulus Moxtr. 151.
carinifer Mürr. 151.
militaris Mürt. 169.
„ Troscheli Mürr. 31, 169.
„ verus Bönm 151.
Carabidae 236.
Carabus Winkleri Wey. 237.
Carposphaera affinis Rüsrt 191.
distineta R. 191.
„ distinguenda R. 191.
„ indicans R. 191.
Caryosphaera bella Rüsr
Cassidaria eretacea Mürr. 82.
Cenellipsis gigantea Rüsr 194.
„ Jjaspidea R. 194.
„ _monoceros R. 194.
„ typica R. 194.
Cenodiseida 197.
”
”
”
Cenosphaera cristata Rüsr 191.
„ disseminata R. 191.
„ gregaria R. 191.
„ minuta Pant. 190.
„ pachyderma R. 191.
„ radiata Zırtet 191.
„ stellata R. 191.
Centrotus 228.
Cerambycites dubius Drıcum. 240.
Ceratodus 5.
Cerithina Hzı. 128.
„ granulata Hzı. 128.
„ Vaalsiensis Hzı. 128.
Cerithium 124.
„ arcotense Pıcr. und Rovx 129.
„ arcotense StoL. 127.
binodosum Rorm. 124.
„ eribriforme Ze. 126.
„ Decheni Guor. 126.
„ faseiatum Rruss 124.
foveolatum Mürr. 126.
Geinitzii Mürr. 31, 117.
Kefersteini GLor. 164.
„ Koeneni Har. 127.
Münsteri Kerst. 127.
„ neocomiense D’ORB. 122.
Palaeontographica. Bd. XXXIV,
on
Cerithium reticosum Sow. 126.
„ reticulatum Reuss 126.
„ Ryekholti Mütr. 174.
„ Sartorii Mürr. 124.
„ sociale Zek. 127.
„ sSubfasciatum n’Ors. 124.
„ tectum p’OrB. 122.
„ trimonile Rruss 126.
PERSpE 1277.
Chauliodites 226.
Chemnitzia v’Ors. 133.
„ Dewalquei Hzı. 134.
„ Kochi Mürr. 133.
„ Jlactea Dam. 133.
„ lineata Roru. 133.
„ Procera Desr. 133.
„ turritelliformis Mürr. 153.
a Bi rk
Chenopus arachnoides Bosqu. 122.
„ furca Bosqv. 122.
„ gibbosus Bosquv. ler
„ Nilssoni Bosqv. 123.
„ striatus Bosqu. 117.
„ westfalicus Bosqu. 117.
Chimaera Aalensis Qrv. 2, 16, 18.
„ Agassizii Buck. 1, 2, 18, 20.
„ (Ganodus) avita v. Mer. 2, 16, 19.
„ bifureati Kn. 19.
„ deleta Prost 3.
Esertonii Buer. 1.
„ Mantellii Buck. 1, 5, 18.
„ monstrosa Ros. 4, 12, 17.
„ personati Qu. 12.
„ (Ischyodon) Quenstedti Was. 2, 5.
„ Schübleri 2.
„ Townsendii Buck. 1.
Chimaeracanthus Aalensis Qu. 2.
Chimaeropsis paradoxa Zırr. 21.
Chlaenius solitarius Drıcum. 237.
Chresmoda obscura Ger“. 219, 230.
Chrysodomus SwaAıns. 102.
„ Buchi Mürr. 102.
Chrysomela fastuosa 242,
„ graminis 242.
Chrysomelidae 242.
Chrysomelites jur assicus Oprn. 242.
„ minima OPrpexn. 242.
Chrysopa 226.
excelsa Has. 227.
„ Solenhofensis Wey. 226.
Cicada gigantea Wey. 229.
Proserpina Wer. 229.
”
b>]
Cicadina 229.
Cimbex 246.
Cinula Gray 84.
„ aquensis Hzr. 855.
„ Humboldtii Mürr. sp. 84.
„.Sp1286.
Cirrus perspectivus Mant. 176.
Clavicornia 239.
Cleonus 241.
Coceodiscida 197.
Cochliodus 25.
Coleoptera 236.
Collodaria 190.
Conus cylindraceus Mir. (GEımn.) 76.
Corixa 255.
Corrodentia 226.
Corydalis 226.
„ vetusta Hac. 227.
Corymbetes 238.
Crepidula cretacea Mürr. 31, 168, 169.
Crioceras 66.
„ Duvali L£v. 182.
Cromiomma perplexum Sr. 194.
Cryptocephalus? mesozoicus Wer.
242.
Cultrigera Bönm 111.
„ acuta Hzr. 124.
„ arachnoides Mürr. 121, 122.
„ Nilssoni Mürr. 123.
Curculionites striata Orrexn. 241.
| Cylichna Lovin 75.
„ Bosqueti Hzı. 75.
„ gradata Hazı. 76.
„ Mülleri Bosgv. 75.
Cyphanta aperta Rüsr 196.
Cyphinida 196.
Cyphinus largus Rüsr 196.
„ probus R. 196.
Cyphonium laeve Rüsr 196.
»„ perspicuum R. 196.
Cyrtophyllites Orrenu. 222.
„ Rogeri Oppenn. 223.
Cyrtophyllus Burn. 223.
Damesia Hzr. 168.
„ eretacea Mürr. sp. 169.
» Decheni Hzr. 169.
| Dentalium L. 178.
alternans Mürr. 178.
„ eidaris M. (Geın.) 179.
„ ellipticum M. 179.
„ glabrum Gen. (M.) 177.
„ Tugosum M. 178.
32
Dictyastrum desecatum Rüst 200.
„ integrum R. 200.
„ Neocomiense R. 200.
„ audum R. 199.
„ ovale R. 200.
„ proavitum R. 199.
„ Pprocessum R. 199.
tenuerR..199,
Dietyocysta 183.
Dictyomitra 185.
Dietyospyra 185.
Dimorphosoma stenoptera GLDF. sp. 116. |
Discohelix Dun. 167.
„ simplex Hzr. 167.
Discoidea 197.
Ditomoptera dubia Gern. 240.
Druppatractus caudatus Rüsr 195.
„. prunum R. 19.
Druppula Murrayi Rüsr 195.
Druppulida 195.
Edaphodon Bvex. 1, 3.
„ erassus 18.
„ Kelheimensis Rırss 20.
„ mirificus Leipy 4.
„ Sedgwickii Ac. 3, 20.
Elasmodus 1, 3.
Elasmognathus 3.
». Willettii New. 3.
Elaterites priscus Orrrxn. 240.
„ robustus OPpPrexn. 240.
Elcana amanda Hac. 219, 224.
Ellipsida 194.
Emarginula Lau. 176.
sp. lo.
Entalis Gray 177.
„ Gardneri Har. 178.
„ Geinitzii Böum 177.
„ Meyeri Garpn. 177.
„ parvula Sıor. 177.
Eocicada microcephala Orrenn. 220,
229.
„ Suprajurensis Orrexn. 219.
Ephemera 224.
„ mortua Hae. 225.
„ ? multinervosa Orrenn. 225.
„ Pprocera Hac. 225.
„ sSpeciosa OPPEnH. 225.
Ephemeridae 224.
Eulima Rısso 155.
„ acuminata Mürr. 135, 157.
„ albensis p’OrsB. 135.
„ &aquensis Hzı. 155.
Eulima lagenalis Mürı. 72, 135.
Eurythyrea grandis Deıcanm. 240.
Eutrochus An. 172.
„ quadricinetus Mürt. 172.
„ sScalatus Hzr. 173.
Fasciolaria Benedeni Srtor. 110.
„ elongata Sow. 90.
„ gracilis ZER. 96.
„ nitidula ZeX. 90.
„ rigida Bayuı 37.
Ficulomorpha Hazr. 101.
„ Piruliformis Mürr. sp. 101.
Ficulopsis Sror. 101.
Flata 222.
Fulguraria elongata Stor. 89, 90.
„ Murschisoni Bosqv. 89.
Fusidae Tryox 102.
Fustiaria Geinitzii Böun 177.
Fusus Lam. 103.
„ Buchi Mürr. 102.
„ Budgei M. 111, 116.
„ Burkhardi M. 105.
„ Clementinus p’Orr. (M.) 105.
„ ecostato-striatus GLpr. 166.
„ coronatus M. 105.
„ Decheni M. 111.
„ Dunkeri M. 111, 116.
„ Dupinianus ZEck. 9%.
„ glaberrimus M. 111, 118.
„ Goepperti M. 102.
„ gracilis Bönm 104.
„ Hüpschianus M. 95, 111.
„ Humberti p’Arca. 100.
„ Leymerii p’Arcn. 99.
„ muriciformis M. 105.
„ nanus M. 111.
„ Nöggerathi M. 98, 111.
„ Nysti M. 111, 118.
„ Renauxianus M. (p’Ore.) 104.
„ Requienianus v’Ore. 103, 110.
„ Salm Dickianus M. 106.
„ scala 103.
„ Schöni M. 31, 109.
„ subcarinatus Lau. 106.
„ subsemiplicatus D’Ors. 95.
„ tenerrimus M. 104.
„ tesselatus Zer. 90.
Gadila Gray 179.
„ aquensis Hz. 177.
Galeruca 242,
Galerucites carinata Orrexn. 242.
Ganodus 1, 5.
Ganodus Colei Ac. 19.
Geocoridae 229.
Geotrupes lithographicus Drıcum. 239.
Glaukonia GiEB. 164.
„ Kefersteini Mnst. 164.
Globiconcha maxima Mürr. 82.
„ nana M. 79.
Gyrodes Conxr. 142,
„ acutimargo Rorx. sp. 142.
„ Conradi Merk 143.
Hagenia Wer. 233.
Haliomma asperum Röst 194.
Halobates Escn. 219, 232.
Halometra Orrenu. 219, 230.
„ gigantea Gern. 230.
» ?* minor Oppenxn. 233.
Haltica 242.
Hamites 66.
„ aquisgranensis SchLür. 66.
„ intermedius Rorn. 67.
„ Roemeri Gen. 67.
„ Vaalsiensis Hzr. 66.
Heleion giganteus Scumip 74.
Helicaulax Gasg 115.
„ granulata Sow. 117.
„ Stenoptera GLor. 116
Helix Gentii Sow. 141.
Hemerobinae 227.
Hemerobius 244.
„ fossilis Wer. 226.
„ Priscus Wer. 226, 227.
Hemifusus Swaıns 105.
„ coronatus Rorn. sp. 105.
„ Monheimi Sror. 106.
Hemiptera 228.
leptagenia 224.
Heteroptera 229.
Homoptera 228.
‚Hydatina SO.
Hydrobia nana Tavsch 137.
Hydrocantharidae 237.
Hydrocorida 233.
Hydrometra 232.
Hydrometridae 230.
Hylobius 241.
Hymeniastrum rotundum Rüösr 200.
Hymenoptera 245.
Ischyodon 1.
„ Egertoni Bver. 10.
„ Townsendii 6, 10.
Ischyodus 3.
„ Beaumontii Sauy. 14.
Ischyodus brevirostris AG. 3, 8, 18.
„ eocenus Cork 3.
„ ferrugineus Rızss 20.
„ Johnsonii Es. 25.
„ orthorinus Es. 2, 16.
„ Quenstedti Wer. 6.
» Rigauxi Sauv. 4.
„ rostratus v. Mer.
„ Sauvagei Haur 2.
suprajurensis Sauv. 4, 14.
oneeron Oprenn. 229.
„ suprajurense ÖOPPrennH. 219,
Issus 228.
Keilostoma Desn. 156.
„ substriata Stor. 137.
„ tabulatum Ze. 137.
» Winkleri Mürr. sp. 136.
Koenenia Hzı. 91.
„ speciosa Hzı. 92.
Lamellicornia 238.
Latirus Moxtr. 110.
»„ Benedeni Mürr. sp. 110.
„ Dewalquei Hzı. 111.
„ Reussianus Sror. 111.
Laxispira Gases 152.
„ eochleiformis Miur. sp. 153.
» Jlumbricalis GAzs 152.
„ pinguis Hzı. 153.
Limnobates 232,
Liosphaerida 190.
Liotia Gray 170.
„ fimbriata Desn. F71.
„ Grevillei Desn. 171.
„ imacrostoma Mürr. sp. 170.
Lispodesthes White 118.
„ minuta Mürr. sp. 120.
„» Parkinsoni Manr. 119.
„ Schlotheimi Rorn. 118.
Lithocyetia justa Rüst 197.
Littorina rotundata Rorn. 139.
Locustidae 222.
Lunatia Gray 140.
„ eretacea Böun 143. |
„ Geinitzii D’Ore. sp. 141.
„ Klipsteini Mürr. 140.
„ Stoliezkai Hzr. 140.
Lydia 241.
|
DT
230.
Lystra 228.
Macropeza sp. GE. 219
Margarita Leac# 171.
„ radiatula Fors. 171.
Melania crassigranulata Smıru 145. |
Melania Damoni Suıru 145.
decorata Rorm. 165.
humerosa MrEr 145.
„ nassa Woopw. 145.
Melaniadae Gray 145.
Melongena fenestrata Mürr. 89.
„ rieida Mürr. 31, 109.
Mesoblattina lithophila Gerx.
221.
”
”
219,
Mesostoma Desw. 129.
Beisseli Hzr. 132.
Beyrichi Hzr. 150.
Bosqueti Müur. sp. 129, 153.
„ cancellarioides Des. 129, 133.
eingulato-lineata M. sp. 131.
grata Desh. 139.
„ Koeneni Hzr. 152.
„ Mülleri Hzr. 131.
„ striato-costata Mürr. sp. 150.
Mitra elongata Lan. 71.
» Murchisoni Mürr. 31, 88, 89.
nana M. 100.
piruliformis M. 101.
„ Zekelii Pıcr. 96.
Murex pleurotomoides M. 112.
Musca lithophila Gern. 219, 221.
Mylognathus priscus Leipy 4.
”
”
| Myriacanthus 27.
Myrmecoles 244.
Myrmeleon extinctus 226.
Natica An. 145.
acutimargo Rorn. 142, 145.
canaliculata Gein. 141.
„ ecarinata Gein. 140.
crenata Coxr. 142.
cretacea Guor. 143.
„ exaltata GLor. 139.
excavata Mıcu. 141.
gaultina D’Ore. 141, 143.
Geinitzi Mürr. 139.
Geinitzi »’Ors. 141.
Gentii Gem. (Sow.) 141, 143.
Klipsteini Mürr. 140.
„ lamellosa Rorm. 139.
Mariae Sror. 144.
unicarinata Rön. 143.
vulgaris Mürr. 143.
vulgaris Reuss 159, 144.
Naticella Strombecki Mürr. S1.
”
, Naticidae An. 138.
Naucoris carinata OrrexH. 235.
„ lapidarius Wey. 234.
Nautilus 67
aquisgranensis Hzr. 67.
„ depressus Bıxkn. 68.
m Bin Geh
„ Vaalsiensis Bınkn. 68.
Nematus 246.
Nepa primordialis Gern. 234.
Nerinea excavata M. 163.
”
| Nerita Lin. 167.
parvula Bınku. 167.
pygmaea Hzı. 167.
2)
”
| Nerita rug: sa Hönınen. 168.
, Neritidae Gray 167.
' Neuroptera 226.
Nymphes 226.
Obelisceus lagenalis Bönn 71.
Odostomia Freu. 154.
antiqua Srtor. 134.
cretacea Hzr. 134.
fraternum Sen. 135.
Lundgreni Hzr. 133.
turbonilloides Desn. 134.
Olividae p’Orz. 94.
Omphalia Kefersteini Sror. 164.
Oryctes nasicornis 239.
Oryetites fossilis OPprexn, 238.
Pachydiscus colligatus Binkn. 61.
„ Dolbergensis Scutür. 60.
„ in: ON.
, Pachylis 230.
Palaeatractus Gags 108.
minimus HönınsH. 108.
„ Roemeri Hzr. 109.
Palaeocossus jurassicus OPPEnH. 219.
Palaeomyrmex prodromus 246.
Palaeontina oolitica Butter 219.
Palingenia 224.
Paludomus Pichleri Horrx. 145.
Paramelania Smıru 145.
Passalodon Beer. 1.
Periplaneta 221.
Phacodiscida 197.
Phasianella lineolata Reuss 78.
Phorus onustus FAvrRE 152.
„ plicatus Zee. 152.
Phragmocoelites Damesi Orrexm. 219.
Phylloptera 222.
Picnophlebia speciosa Münsr. 219.
”
Pirula Binkhorsti Mürr. 101.
„ fenestrata M. 31.
Pleurotoma Heisiana M. 87,
induta GLor. 87.
149.
”
Pleurotoma remote-lineata Gen. 90.
„ semiplicata GLpr. 95.
„ spinosa Sow. 87.
Pleurotomaria D’Ore. 175.
„ .disticha Guor. 176.
„ distineta Gwor. 176.
„ gigantea Gror. (Sow.) 175.
„ granulifera GLor. 95.
„ linearis Gein. (Manr.) 176.
„ plana Gror. 176.
„ subgigantea n’Ors. 175.
„ velata Guor. 176.
Pleurotomariidae 175.
Pleurotomidae Sror. 87.
Poeciloptera 222, 228.
Pollia Gray 109. i
„ fenestrata M. sp. 109.
„ granulata Stor. 110.
Porodiscida 197.
Porodiscus communis Rüsr 198.
„ eretaceus R. 198.
„ laxus R. 198.
„ perspieuus R. 198.
„ simplex R. 197.
„ tener R. 198.
„ vetustus R. 198.
Procarabus reticulatus Oppezxn. 237. |
„ tripartitus 0. 337.
„ Zitteli O. 236.
Prodytiscus Eichstaettensis 0. 238.
„ longispinosus Drıcnnm. 237.
Progeotrupes jurassicus Oren. 239.
Prognathodus Güntheri 26.
„ Johnsonii 26.
Prolystralithographica ©. 219, 228.
Propygolampis Bronni Wey. 230.
Prunoidea 194.
Psaliodus 1, 3.
Pseudobuccinum Nebrascense M. und ;
Hay». 80.
Pseudohydrophilus loneispinosus Deıcnn.
237.
Pseudorapa Hzr. 111.
»„ Ppleurotomoides M. sp. 111, 112.
Pseudosirex Deıcau. 220.
Psittacodon Ac. 1.
Pteroblattina 246.
„ gigas Wer. 219, 222.
„» hospes Gern. 219, 221.
„ Intermixta Scunn. 222.
Pyenophlebia (Locusta) speciosa G.
223.
Pygolampis gigantea Gera. 218, 230.
Pyramidella involuta M. 72.
„ limnaeiformis Böun 72.
Pyramidellidae Gray 133.
Pyrella Beuthiana M. 106.
„ Beuthiana Brauns 109.
„ planulata M. 107.
„ quadricarinata M. 108.
Pyrenella granulosa Bönu 124.
„ Münsteri Kerst. 127.
Pyrgiscus Woodwardi GArpn. 148.
Pyrgopolon Mose 179.
Pyrgulifera Merk 145.
„ acinosa Zer. sp. 145.
»„ Decheni Hzı. 148.
„ glabra Tausch 149.
„ grandis Smıru 146.
„ lyra Mare. 145.
„ nassa Woopw. 148.
„ Neumayri Hzı. 148.
„ paucicostata Sam. 146.
„ Spinigera Stor. 147,
Pyropsis Bairdii Merk 107.
„ Beuthiana Böru 105, 106.
Pyrula clathrata Sow. 107.
„ coronata Rorm. 105.
„ fenestrata Roru. 89.
„ fenestrata Gem. 90.
„ minima Gror. 108.
„ planissima Bınkn. 107.
„ planulata Nırss. (Rorm.) 107.
„ rigida Bosqu. 109.
„ Schöni Bosqgv. 109.
Ranatra 232.
Rapa coronata Mürr. 105, 106.
„ Burkhardi M. 106.
„ Monheimi M. 106.
Raphitoma gracilis Bönn 87, 104.
Rhipidorhabdi 243.
Rhipidorhabdus 245.
Rhopalastrum retusum Rüsr 200.
Rhynchodes 3.
Rhyncholithes aquisgranensis M.
69.
„ Buchi 70.
„ Debeyi M. 69.
„ hirundo 69.
„ Vaalsiensis Hzr. 69.
Rıhynchophora 241.
Ricania 228.
„ hospes Gern. 221.
Ringieula Desn. 86.
Ringi
”
n
”
Risso
”
”
”
”
”»
cula Archiaciana Gin. 35.
Hagenowi M. sp. 86.
pinguis M. 86.
Verneuili p’Arcn. 86.
a costata M. 113.
inerassata M. 113.
Oldhamiana Sror. 129.
Reussi Geis. 129.
Sandbergeri M. 92.
Winkleri M. 136.
Rithma 246.
Rissoidae Gray 136.
Risso
”
ina D’Ore. 137.
acuminata M. sp. 137.
Rostellaria arachnoides M. 121, 122.
Scala
Burmeisteri Gen. 117.
calcarata M. (Sow.) 116.
costata Sow. 115.
elongata M. 96.
elongata Rön. 101.
emarginulata Gen. 113.
furca M. 122.
gibbosa Zer. 117.
granulata Sow. 117.
granulata M. 114.
inornata M. 118.
inornata D’Ore. 119.
macroptera Sow. 121.
minuta M. 120.
Nilssoni M. 123.
papilionacea Grpr. 59, 118.
Parkinsoni Mant. 31.
Parkinsoni Mürr. (Gem.) 117.
pauperata p’Orz. 120.
pyramidalis p’Orz. 122,
pyrenaica v’Arcn. 117.
pyriformis Kxer 114.
Roemeri Mürr: 118.
Schlotheimi Roru. 118.
stenoptera Guor. 116.
striata GLor. 31, 117.
vespertilio Mürr. 115.
ria L. 165.
Brancoi Hzı. 167.
crassa Desn. 167.
decorata Rorm. 165.
cf. decorata Rön. 165.
Dupiniana p’Ore. 166.
macrostoma M. 170.
Philippi M. (Reuss) 170, 171.
pulchra Sow. (M.) 131. r
striato-costata M. (Sror.) 130.
Scalariidae Cnenu 165.
Scaphites Park. 61.
aquisgranensis 6l.
binodosus Bosgqv. 63.
„ compressus Bosgt. 61.
„ constrietus Bosqv. 62.
Cuvieri Morr. 62.
hippocrepis Derar 62.
pulcherrimus Bosqv. 62.
„ pygmaeus Hzr. 63.
tridens Kner 63.
„ trinodosus Kxer 64.
Scarabaeides deperditus 233.
Schloenbachia sp. 61.
Sialidae 227.
Silphites angusticollis Orrenn. 239.
„ eretoniformis O0. 239.
Siphonaria An». 74.
„ variabilis Hzr. 74.
Sirex 245.
Solariella glabra Bönm 171.
„ radiatula Sror. 171.
Solariidae Cuexu 166.
Solidula Mülleri Böun 83
Sphaerellaria 190.
Sphaerodema jurassicum ÜPPpenm.
235.
Sphaeroidea 190.
Sphaerozoida 190.
Sphaerozoum sp. 190.
Sphinx Schroeteri 243.
„ Snelleni 243.
Spongodietyum involutum Rösr 192.
Spongoplesma intesrum Rüsr 192.
„ ÜUrschlauense R. 192.
Spongosphaera exigua R. 19.
Spongurida 196.
Spongurus persistens R. 196.
Spumellaria 190.
Staurocromyum Mülleri Rüsr 193.
Staurodictya Fischeri Rüsr 198.
nitida R. 198.
rhomboides R. 198.
BD)
n
Staurolonchidum elegans Rüsr 19.
„ robustum R. 193.
Staurosphaera antiqua Rüsrt 193.
„ sedecimporata R. 19.
Stilodietya Haeckelii Rüsr 198.
BlatanR29199:
„ spiralis 19.
Sternoxia 240.
Strephophoma cochleiformis Stor. 153.
Strombus arachnoides Grin. 122.
„ fenestratus M. 31, 109,
„ Inermis M. 109.
Stylatractus pellucidus Rüst 195.
» RothiiR. 195.
„ spinosus R. 195.
Stylosphaera macrostyla Rüsr 193.
Stylosphaerida 192.
Teinostoma An. 175.
Termes heros Has. 226.
„ lithophilus Münsr. 226.
Termitina 226.
Theosphaera decemradiata Rüst
192.
„ septemradiata R. 191.
„ Zinckenii R. 192.
Theosyringium 186.
Tiphobia Smırm 147.
„ Horei Su. 147.
Tornatella gigantea Sow. 82.
Toxoceras aquisgranensis ScHL. 66.
Triactis Ilsedensis Rüsr 197.
„ tithoniana R. 197.
Trichotropidae Av. 146.
Trichotropis Bror 149.
„ bicarinata Sow. 150.
„ carinata Sow. 150.
„ Koninckii M. 37, 149.
„ nodulosa Sror. 150.
Triptycha lymnaeiformis M. 72.
Tritonidea Buchi Brauns (M.) 102.
Burkhardi Brauss (M.) 105.
Goepperti Bosqv. (M.) 102.
„ Requieniana SroL. (p’Orz.) 102.
Tritonium Lisk 113.
„ eretaceum M. 112.
Trochidae p’Orz. 169.
Trochodiscus spinosus Rüst 197.
Trochus L. 173.
Basteroti GLor. 173.
gemmeus M. 174.
Koninckii M. 149.
linearis Mar. 176.
Mülleri Hzr. 174.
onustus Nırss. 152.
radiatulus Fors. 171.
regalis Rön. 175.
Ryckholti M. sp. 174.
”
”
”
Trophon pleurotomoides Bömt (M.) 112. |
Tubulostium Srtor. 150.
Tudicla Bor. 106.
Monheimi M. sp. 106.
”
| Tudiecla Monheimi Frech 105.
»„ planissima Bıykm. sp. 107.
„ quadricarinata M. sp. 108.
| Turbo Li. 169,
It coneinnus M. (Rön.) 172, 173.
„. eyelostomoides M. 171.
„ gemmeus M. 174.
„. slaber M. 171.
„ granulato-clathratus Bınkn. 170.
| laevis M. 149,
„ Paludiniformis M. 169.
„ quadrieincetus M. 172.
„ quinquecinctus M. 172.
„ retifer Bönn 169.
» Walfredini M. (v’Arcn.) 172, 173.
Turbonilla 136.
„ aquensis Hzr. 136.
„ Debeyi Hzı. 136.
„ Striato-costata J. Bömt 130.
Tureica tritorquata Rvckn. 174.
Turrilites undulatus Reuss 166.
Turritella Lau. 153.
„ acanthophora M. 156.
„ acutissima M. 155.
„ affınis M. 161.
„ alternans Rorm. 161.
„ Althausi M. 155.
aquensis Hzr. 164.
„ Buchiana M. (Gror.) 155, 164.
|» Carnalliana M. 155.
eingulato-lineata M. 131, 155.
diffieilis Zex. 159.
diffieilis D’Ore. 161.
Eichwaldiana Gror. 161.
excavata M. 163.
gothica M. 160.
Hagenowi GLpr. 158, 159.
Humboldti M. 155.
„ microscopica M. 155.
„ multilineata M. 159.
„ multistriata M. (Reuss) 157, 158.
nerinea Röu. 163.
nitidula BınkH. 161.
nodosa Rön. 155.
Nögsgerathiana GLoF. 155.
„ Omaliusi M. 161.
„ quadricincta GLpF. 157.
„ quinqueeineta GLor. 156.
„ quinqueeineta BınkH. 160.
„ quinquelineata M. 160.
„ Reussiana M. 160.
„ tigida Sow. 161.
Turitella scalaris M. 162.
2
5)
”
“
sexceincta GLor. 160.
sexlineata Rön. 160.
socialis M. 164.
Stoliezkai Hzr. 163.
tenuilineata M. 150.
Turritellidae Gray 1592.
Vanikoro Strombecki Sror. (M.) 81.
Velia 232.
Vermetidae An. 152.
Vermetus cochleiformis M. 159.
Voluta accumulata Sror. 97.
”
hcuta Sow. 71, 96.
angusta Desn. 71, 95.
aquisgranensis Bönu 101, 102.
Benedeni M. 110.
carinata Zex. 90.
eincta M. 95.
eingulata M. 95.
elongata D’Ors. 87, 88, 90.
fenestrata ZEr. 90.
Gasparini pD’Ore. 71, 95, 97, 98.
laticostata M. 95.
Voluta latiseptata Stor. 95, 96.
nitidula M. 92.
Orbignyana M. 97.
perlonga Zex. 90.
radula Sow. 93, 94.
Renauxiana p’ORB. 6.
Roemeri Gen. 100, 106.
semiplicata Nyst 95.
spinosa Lau. 71, 95.
subacuta p’Ore. 98.
subsemiplicata p’Ors. 100, 101.
suta GLDF. 96.
ones Sn Gb,
”
abyssicola Swaıns 95.
Benedeni Bosgv. (M.) 110.
Damesi Hzr. 99.
Decheni M. sp. 99.
elongata StoL. (D’ORE.) 89.
Gosseleti Hzr. 98, 101.
laticostata Besquv. (M.) 95.
Mülleri Bosqv. 95.
nana M. 100.
Nöggerathi M. 98.
Volutilithes Orbignyana M. 97, 101.
”
”
rigida Bosqu. 109.
Roemeri Gem. 100.
Schöni Bosqv. (M.) 109.
subsemiplicata v’Ore. sp. 95.
sp. 101..
volutoderma Gase 87.
”
»
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„
fenestrata Rorn. sp. 89.
Gosseleti Hzr. 91.
laticostata Bönn (M.) 95.
Zitteliana Hzr. 90.
Volutomitra 101.
”
”
canaliculata Sror. 102.
piruliformis Sror. (M.) 101.
Volvaria laevis Sow. 83.
”
tenuis M. (Reuss) 76, 77.
Volvulina laevis Sow. 148.
Xenophora Fıscn. 152.
”
onusta Nırss. 152,
Xenophoridae Desn. 152.
Xiphosphaera tredecimporata Rüsrt 192.
Zygaena 25.
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Fig.
10.
11.
Tafel-Erklärunse.
Tafel 1.
Ischyodus Quenstedti Wexr. Vollst. Skelet. *s natürl. Gr.
Rechter Unterkieferzahn. Aus den vorhandenen
Resten combinirtes Bild. Schnabel restaurirt.
Natürl. Gr. (Für die Buchstaben vgl. Text).
Rechter hinterer Gaumenzahn. lIsolirt gefunden.
Natürl. Gr.
Vorderer oberer Zahn des Skelets. Natürl. Gr.
4 * 5 Rückenflossenstachel. Isolirt gef. 2 natürl. Gr.
Ischyodus avita Myr. Gebiss eines vollst. Skelets aus dem lithogr. Schiefer
Natürl. Gr.
5 es 5 Männlicher Stirnstachel. Natürl. Gr.
Ischyodus Schuebleri. Linker Unterkieferzahn. Vgl. Text! Natürl. Gr.
Ischyodus Aalensis Quesst. Linker Unterkieferzahn. Natürl. Gr.
Ischyodus ferrugineus nov. sp. Linker Unterkieferzahn. Natürl. Gr.
Edaphodon Kelheimensis nov. sp. Linker Unterkieferzahn. Natürl. Gr.
Palaeontographica. Bd. XXXIV.
Palaeontographica Bd. XXX. Taf. 1.
Fig.5 B.
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Fig.3
Fig 10.A Fig 10.B
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Tafel-Erkläruns.
Tafel II.
Ischyodus. Quenstedti Wene. Schliff aus dem hintern Gaumenzahn.
" ” = Verticalschliff durch die Aussenfläche des hintern Gaumenzahns.
5 3 n Verticalschliff durch den obern Theil der Aussenfläche des Unter-
kieferzahns.
Stark vergrösserter Verticalschliff durch die Oberflächenschicht auf
der Aussenfläche des hintern Gaumenzahns.
Hinterer Gaumenzahn. Querschliff am Grunde eines Reibhügels.
E x % Rückenflossenstachel. Theil eines Querschliffes.
Querschnitt des Flossenstachels in natürl. Gr.
3 n e Chagrin, Horizontalschliff.
Ischyodus avita Myr. Wirbelringe, Querschlift.
Chimaeropsis paradoxa Zırr. Unterkieferzahn. Verticalschliff der Aussenfläche.
Hautplatte. Verticalschliff an der Stelle eines Dornes.
Rn = ” Chagrin der Haut, vergrössert.
Chimaera monstrosa. Genitalstachel, Knochenhülle. Querschliff.
Verticalschliff durch die Aussenfläche des hinteren Gaumenzahns.
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Palaeontographica. Bd. XXXIV.
Palaeontographiea Bd.XXXNV.
G. Keller, gez. u.lith. Br. Keller, gedr.
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Fig. 1... Chimaeropsis paradoxa Zimt.
Tafel-Erklärung.
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”
Tafel III.
Linker Unterkieferzahn des Skeletes. Natürl. Gr.
Hinterer oberer Zahn von unten. Theilweise re-
staurirt. Natürl. Gr.
Hinterer oberer Zahn des Skelets von aussen.
Die beiden obern Zähne der linken Seite in ihrer
gegenseitigen Stellung. Natürl. Gr.
Der stachelförmige Zahn. Natürl. Gr.
Abdruck einer Hautplatte; rechts unten Reste dieser
selbst bemerkbar. Nach oben hin Chagrin.
Natürl. Gr.
Hautplatte. Horizontalschliff.
Schliff aus dem Innern des stachelförmigen Zahns.
Verticalschliff des am Kopfe befindlichen Chagrins.
Rückenflossenstachel. Natürl. Gr.
„ 10. Das isolirt gefundene Gebiss von Ohimaeropsis paradoxa mit Ausnahme des einen
der vordern obern Zähne dargestellt.
„ 11. Ischyodus ferrugineus nov. sp. Verticalschliff eines Reibhügels.
Palaeontographica. Bd. XXXIV.
Palaeontographica Bd. XXX.
6. Keller, gez.u. lith. i Br.Keller, gedr.
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Tafel-Erklärunge.
- Tafel IV.
Fig. 1. Nautilus aqwisgranensis n. sp. Steinkern aus dem Grünsand am Königsthor.
ED! E a n Beschaltes Exemplar von Vaals.
3. Nautilus sp. Umausgewachsenes beschaltes Stück von Vaals.
„ 4. Nautilus Vaalsiensis Bısk#. Skulpturen Steinkern aus den Mucronaten-Mergeln
des Schneeberges.
5a—d. Baculites incurvatus Dvs. Zusammengesetzte Stücke vom Lusberg, mit Loben.
6. a H „ Beschaltes Stück vom Lusberg.
„ 7. Rhyncholites Vaalsiensis Hzu. Kreidemergel des Schneeberges.
8. Rhyncholites Debeyi Mürz. Thonige Grünsande des Preussberges.
9. Rhyncholites aqwisgranensis Mürn. Mucronaten-Mergel des Schneeberges.
Sämmtliche Originale befinden sich in der Sammlung der technischen Hochschule.
Palaeontographica. Bd. XXXIV.
Palaeontographica Ba.XRXlV.
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Henry.Bonn.
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Fig. 1. Scaphites tridens Kyer Steinkern aus den Mucronaten-Mergeln des Schneeberges.
2a. Scaphites aquisgranensis Scuvür. DBeschaltes Exemplar aus dem Grünsand von
”»
Tafel-Erkläruns.
Tafel V.
Vaals.
2b. s r “ Lobenlinie eines Exemplares vom Lusberg.
3a. Scaphites hippocrepis Dekay Steinkern aus dem Grünsand des Lusberges.
3h. 5 # S Lobenlinie desselben Exemplares.
4a—d. Hamites Roemeri Gen. Steinkern mit Lobenlinie vom Lusberg. (Die Loben-
linie steht irrthümlich auf dem Kopf).
5a—b. R % „ Zusammengesetzte Bruchstücke von Vaals.
6a—c. Hamites Vaalsiensis n. sp. Steinkern mit Lobenlinie vom Königsthor.
Us 5 5 e Beschaltes Exemplar mit Mündung von Vaals.
8a—d. Hamites aquisgranensis Schuür. Steinkern vom Lusberg.
9a—b. Ammonites (2) (Schloenbachia) sp. Defecter Steinkern aus dem Grünsand von
Vaals.
10a—d. Baculites (?) incurvatus Dus. Steinkern mit Loben aus dem Grünsand des
Lusberges.
Die Originale zu Fig. 2a und 5 in Herm J. Bzısser,s Sammlung, zu den übrigen
in der Sammlung der technischen Hochschule.
Palaeontographica. Bd. XXXIV.
Palaeontographica BA.XNAV.
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Tafel-Erklärung.
Tafel VI.
1. Auricula lagenalis Müur. sp. pag. 72. Grünsand von Vaals.
2. Desgl. Ebendaher. Originalstück MüLLer’s von Triptycha Iymnaeiformis.
3, 4. Desgl. Ebendaher.
5. Desgl. Ebendaher. Original von Bulima lagenalis Mürr.
6. Oylichna gradata n. sp. pag. 76. Vaals.
U, &% an Dosqueti nov. nom. ypag. 75. Vaals.
OS Mülleri Bosqu. sp. pag. 75 Vaals.
11, 12. Actaeon Mülleri Bosquv. pag. S3. Vaals.
13. Actaeonina acutissima Mürv. sp. pag. 78. Ebendaher.
u ® 58 nana Müvrn. sp. pag. 79. Skulpturensteinkern aus dem Grünsand vom Königsthor,
Mürter’s Originalstück.
15. n doliolum Mürr. sp. pag. 77. Vaals.
16. Desgl. Grünsand am Königsthor. Steinkern mit Schalenresten. Originalstück Müuver’s.
17. Aetaeonina lineolata Rzuss sp. pag. 78. Vaals.
18. > Binkhorsti nov. nom. pag. 77. Steinkern aus dem Grünsand am Königsthor. Original-
stück MürLer’s von Actaeon cylindraceus.
19. Cinulia Humboldtii Münn. sp. pag. S4. Grünsand von Vaals.
20. Desgl. Ebendaher. Originalstück MüLter’s.
21. Desgl. Grünsand am Lusberg. Ü
2. Desgl. Grünsand am Königsthor. Original von A. paradoxa Müur.
23. Actaeonina coniformis Müur. sp. pag. 79. Vaals.
Die Originale zu Fig. 1, 3 und 4 in Herrn Bezıssen’s Sammlung, zu den übrigen in der
Sammlung der technischen Hochschule.
Palaeontographica. Bd. XXXIV,
Palaeontographica Bd .XXXIV.
Univ. Lith.v.A.Henry in Bonn.
Di
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1
2
4.
5.
6,
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18),
Tafel-Erklärung.
Tafel VII.
Ringieula Hagenowi Mürz. pag. 86. Exemplar mit Kalkschale aus dem Grünsand des Lusberges.
3. Desgl. Verkieseltes Exemplar aus dem Grünsand von Vaals.
Desgl. Grünsand vom Lusberg. Original zu Avellana Hagenowi Müur.
Desgl. Vaals. Original zu Ringicula pinguwis Müur.
7. Desgl. Grünsand von Vaals.
Bullinula Frechi n. sp. pag. 81. Grünsand von Vaals.
h Strombecki Mürr. sp. pag. Sl. Ebendaher.
Actaeonella laevis Sow. pag. 83. Verkieseltes Exemplar aus dem Aachener Sand des Salvatorberges.
5 cretacea Münn. sp. pag. 82. Steinkern aus Aachener Sand beim Zollhause bei Altenberg.
13 5 gigantea Sow. pag. 82. Verkieselte Exemplare aus dem Aachener Sand des Stadtwaldes.
n cretacea Mürn. pag. 82. Steinkern aus dem Quarzit des Ronheider Tunnels. Original
von Cassidaria cretacew Mürr.
Desgl. Steinkern von Treut bei Laurensberg.
Desgl. Von Altenberg.
Cinulia aquensis n. sp. pag. 85. Vaals.
?Cinulia sp. pag. 86. Vaals.
Scaphites pygmaeus n. sp. pag. 63. Grünsand am Königsthor.
Die Originale zu Fie. 11 und 16 in Herrn Beıssen’s Sammlung.
Oo oO
Sammlung der technischen Hochschule.
Palaeontographica. Bd, XXXIV.
Alle übrigen in der
Palaeontographica Bd XAXIV.
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MiiKıyig "5
Tafel-Erklärune.
Tafel VIII.
Fig. 1. Koenenia speeiosa n. gen. n. sp. pag. 92. Grünsand von Vaals. Original in
Herrn Beısser's Sammlung.
2. Volutoderma fenestrata A. Rom. pag. 89. Ebendaher. Sammlung der tech-
nischen Hochschule.
3 a Gosseleti n. sp. pag.91. Ebendaher. Original im städtischen Museum.
nA & Zitteliana n. sp. pag. 90. Ebendaher. Original im städtischen Museum.
B% n fenestrata Rorm. pag. 89. Ebendaher. Sammlung der technischen
Hochschule.
6. Desgl. Ebendaher. Sammlung des Herın BEısser.
„ 7-9. Pseudorapa pleurotomoides Münn. sp. pag. 112. Ebendaher. Sammlung des
Herrn Beısser.
Palaeontographica. Bd. XXXIV.
Palaeontographica Bd.XXXIV. Taf.Vl.
Univ.Lithx.A.Henry,Bonn.
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Fig.
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1.
9.
4,5,
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14.
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Tafel-Erkläruns.
Tafel IX.
Cancellaria globulosa n. sp. ypag. 93. Grünsand von Vaals. Sammlung des Herrn Brısser.
». Dunkeri.n. sp. pag. 93. Ebendaher. Städtisches Museum.
Mr sp. pag. 94. Ebendaher. Sammlung der technischen Hochschule.
a nitidula Mürz. sp. pag. 92. Ebendaher. Sammlung der technischen Hochschule.
(Vergl. Taf. XXI Fig. 9, 10).
Volutilithes Nöggerathi Murx. sp. pag. 89. Ebendaher. Original zu Fusus Nöggerathi Mürr.
Sammlung der technischen Hochschule.
ss Orbignyana Müvrı. pag. 97. Ebendaher. Sammlung der technischen Hochschule.
Il, 5 Briarti n. sp. pag. 98. Ebendaher. Sammlung der technischen Hochschule.
r nana Mürs. sp. pag. 100. Ebendaher. Sammlung der technischen Hochschule.
en Roemeri Gsin. sp. pag. 100. Grünsand des Preussberges. Sammlung der tech-
nischen Hochschule.
Decheni Mürr. sp. pag. 99. Vaals. Sammlung der technischen Hochschule.
Damesi n. sp. pag. 99. Ebendaher. Sammlung des Herrn Besser.
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6.
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17, 18. Ficulomorpha piruliformis Münn. sp. pag. 101. Ebendaher. Sammlung der techn. Hochschule.
19.
21.
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Latirus Dewalguei n. sp. pag. 111. Ebendaher. Sammlung der technischen Hochschule.
„ Benedeni Mvrx. sp. pag. 110. Ebendaher. Sammlung der technischen Hochschule.
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Palaeontographica Bd XAXIV.
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1.
8.
Tafel-Erklärune.
Tafel X.
Volutilithes subsemiplicata v’Ors. sp. pag. 95. Grünsand von Vaals. Sammlung der tech-
nischen Hochschule.
Desel. Ebendaher. Städtisches Museum.
Desgel. Ebendaher. Original von Voluta cingulata Mürz. Sammlung der techn. Hochschule.
Volutilithes Damesi n. sp. ypag. 99. Thonige Grünsande des Preussberges.. Sammlung der
technischen Hochschule.
6. Tritonium eretaceum Mürv. pag. 113. Vaals. Sammlung der technischen Hochschule.
Desgl. Fbendaher. Sammlung des Herrn Beısskr.
Volutilithes sp. pag. 101. Ebendaher. Sammlung der technischen Hochschule.
9—12. Ahrysodomns Buchi Mvrxn. sp. pag. 102. Ebendaher. Fig. 10 Original von Fusus Buchi Mvır.
Sammlung der technischen Hochschule.
Pollia fenestrata Mürnn. sp. pag. 109. Ebendaher. Städtisches Museum.
Desgl. Ebendaher. Original von Strombus fenestratus Mürz. Sammlung der techn. Hochschule.
Palaeatractus minimus HönıngH. sp. pag. 108. Grünsand vom Lusberg. Sammlung der tech-
nischen Hochschule.
‚Roemeri n. sp. pag. 109. Vaals. Städtisches Museum.
Palaeontographica. Bd. XXXIV.
al
Pala eontographica Bd.xXımW.
Univ.Lith.v.A.Hen y,Bonn..
Tafel-Erklärune.
Tafel XI.
1, 2. Fusus gracilis J. Böum sp. pag. 104. Grünsand von Vaals. Sammlung der techn. Hochschule.
3. Fusus scala n. sp. pag. 103. Ebendaher. Städtisches Museum.
4. Tudiela
Monheimi Mürr. sp. ypag. 106. Ebendaher. Original zu Fusus Monheimi Mürn.
Sammlung der technischen Hochschule.
5, 6. Desgl. Ebendaher. Sammlung der technischen Hochschule.
De Desgl. Steinkern vom Lusberg. Original zu Pyrella Beuthiana Mürr. Sammlung der tech-
nischen Hochschule.
S. Hemifusus coronatus RoEMm. sp. pag. 105. Vaals. Originalexemplar von Frusus maiciformis MvLr.
9, Desgl.
Städtisches Museum.
Skulpturensteinkern mit Schalenresten vom Lusberg. Sammlung der techn. Hochschule.
10, 11. Desgl. Vaals. Sammlung der technischen Hochschule.
1
1
Desgl.
Desel.
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14. Tudiela
5
15. .s
Palaeontographica.
Ebendaher. Original von Frusus Durkhardi Mürv. Samml. der technischen Hochschule.
Steinkern vom Lusberg. Original von Fusus Olementinus Mürz. Sammlung der tech-
nischen Hochschule.
quadricarinata Müvrn. sp. pag. 108, Untere Mucronatenschichten des Schneeberges.
Sammlung des Herrn BEısseEL.
cf. planissima Bin&H. sp. pag. 107. Steinkern vom Königsthor. Sammlung der tech-
nischen Hochschule.
Bd, XXXIV.
Tara
Bd.XNÄV.
Palaeonto giap hica
h.x.t, Henry. Bonn
4
Univ.Lit
Tafel-Erkläruns.
Tafel XII.
Helicaulax stenoptera GoLDr. sp. pag. 116. Grünsand von Vaals. Originale in Herrn
Beisser’s Sammlung.
Aporrhais Deissei n. sp. pag. 115. Ebendaher. Sammlung des Herrn Beiısser.
Desgl. Ebendaher. Sammlung der technischen Hochschule.
Helicaulax granulata Sow. sp. pag. 117. Grünsand vom Lusberg. Originalstück von (eri-
thium Geinitzüü Münr.
Desgl. Grünsand von Vaals.. Sammlung der technischen Hochschule.
Desgl. Grünsand vom Closhag bei Terstraeten. Sammlung des Herrn BeısseEn.
Desgl. Spitze aus dem Grünsand vom Lusberg. Sammlung der technischen Hochschule.
Aporrhais granulata Mürv. sp. pag. 114. Grünsand von Vaals. Samml. der techn. Hochschule.
Lispodesthes Schlotheimi Rom. sp. pag. 119. Grünsand von Vaals. Samml. des Herrn Beısser.
Lispodesthes sp. pag. 120. Grünsand von Vaals. Sammlung der technischen Hocbschule.
mimuta Mürr. sp. pag. 120. Grünsand am Königsthor. Steimkern. Original-
eh}
stück MÜLLERS.
Palaeontographieca. Bd. XXXIV.
Palaeontographiea Bd.XNAIN. Mau DL,
Univ Lith v * Henry, Bonn.
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Tafel-Erklärung.
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1. Oultrigera Nilsson‘ Müur. sp. pag. 125. Vaals. Sammlung des. Herrn Beısskr.
9. Desel. Ebendaher. Original von Rostellaria Nilsson! Mürv. Sammlung der techn. Hochschule.
3—6. Chultrigera arachnoides Müun. sp. pag. 122. Ebendaher. Sammlung des Herrn Beısser.
1% Desel. Ebendaher. Sammlung der technischen Hochschule.
S. Desgl. Wachsausguss eines Abdruckes im Grünsand am Königsthor. Sammlung der tech-
nischen Hochschule.
9. ?Chultrigera acuta n. sp. pag. 124. Vaals. Sammlung des Herrn Bkısseu
10—14. (Cerithium binodosum Rorm. ypag. 125. Ebendaher. Sammlung der technischen Hochschule.
15. Cerithium Decheni Gupr. pag. 126. Ebendaher. Original von Cer. foveolatum Müur. Sammlung
der technischen Hochschule.
16. en Minsteri Kersr. pag. 127. Quarzit des Ronheider Tunnels. Ausguss eines Abdruckes.
Sammlung der technischen Hochschule.
l7, en Koeneni n. sp. pag. 127. Vaals. Städtisches Museum.
18, 19. Cerithina Vaalsiensis n. gen. n. sp. pag. 128. Ebendaher. Sammlung der techn. Hochschule.
20. (erithium sp. pag. 127. Ebendaher. Sammlung der technischen Hochschule.
21. Cerithina granulata n. gen. n. sp. pag. 125. Ebendaher. Sammlung der technischen Hochschule.
Palaeontographica. Bd. XXXIV,
Taf. I.
Palaeontographica Bd DIEUIN.
Univ.Lith v.A.denıy Sonn.
5
n 1 fR
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Tafel-Erklärune:,
Tafel XIV.
1. Mesostoma eingulato-lineata Müur. sp. pag. 131. Vaals.
2: 2 Koeneni n. sp. pag. 132. Ebendaher.
3. re beisseli n. sp. pag. 132. Ebendaher.
4—6. ,„ striato-costata Mürr. sp. pag. 130. Ebendaher.
1: ss Mülleri nov. nom. pag. 131. Ebendaher.
S. nn Beyrichi n. sp. pag. 130. Ebendaher.
9. Keilostoma Winkleri Müwv. sp. pag. 136. Verkieseltes Exemplar aus losen Grünsandblöcken von
Ronheide. Original von Rissoa Winkleri Mörr.
10. Rüssoina acuminata Mürr. sp. pag. 137. Vaals.
11, 12. _Mesostoma Bosqueti MüLr. sp. pag. 131. Ebendaher.
13. Chemnitzia turritelliformis Mvwı. sp. pag. 133. Ebendaher. Original MüLLer’s.
14. en Dewalgquei n. sp. page. 134. Ebendaher.
15. Eulima aquensis n. sp. pag. 135. Ebendaher. (Vergl. Taf. XXI Fig. 12).
16. Odostomia eretacea n. sp. pag. 134. Ebendaher. (Vergl. Taf. XXI Fig. 13).
17. ?Chemnitzia sp. pag. 134. Ebendaher.
18. Turbonilla Debeyi n. sp. pag. 136. Ebendaher.
19—21. Natica cretacea Gupr. ypag. 143. Fbendaher.
22. Amauropsis exaltata Guor. sp. pag. 139. Ebendaher. Junges Exemplar.
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23. Lunatia Stoliczkai n. sp. pag. 140. Fbendaher.
24. „ Klipsteini Mvrr. sp. pag. 140. FEbendaher. Original von Natica Klipsteini Mvrr.
25. Amauropsis exaltata Guor. sp. pag. 139. Ebendaher. Original von Natica Geinitzü Mvrr.
26. Lumatia Geimitzii v’Orz. sp. pag. 141. Theilweise als Steinkern erhaltenes Exemplar aus dem
Grünsand am Königsthor.
27. Gyrodes acutimargo Rorm. sp. pag. 143. Vaals.
28. Xenophora onusta Nıuss. Sp. pag. 152. Grünsand am Königsthor.
Das Original zu Fig. 27 befindet sich in Herrn Beıssev’s Sammlung, zu den übrigen Figuren
in der Sammlung der technischen Hochschule.
Palaeontographica. Bd. XXXIV.
Palaeonlographica Bd .XARN.
Univ.Lithv.A.HenryBonn
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Tafel-Erklärune,
Tafel XV.
1. Mesostoma Müller‘ nov. nom. pag. 131. Vaals.
2. Pyrgulifera Decheni n. sp. ypag. 148. Ausguss eines Abdruckes im Grünsand am Königsthor.
Br, As n, Neumayri n. sp. pag. 148. Verkieselte Exemplare aus Aachener Sand am Salvatorberg.
5. 2 Triehotropis aff. nodulosa Stor. pag. 150. Skulpturensteinkern aus thonigen Grünsanden des
Preussberges.
6. Trichotropis Koninckii Mürr. sp. pag. 149. Junges Exemplar (Pleurotoma Heisiana Müur.)
von Vaals.
7. Desgel. Ebendaher.
S. Desgl. Steinkern vom Königsthor. (Turbo laevis Mur.)
9. Desgl. Ausgewachsenes Exemplar von Vaals. Original von Trochus Konincki Min.
10. ? Capulus carinifer Mürz. pag. 151. Steinkern vom Königsthor. Original MüLter’s.
1l. Capulus verus J. Bönm. pag. 151. Vaals.
12. Glaukonia Kefersteini Msst. sp. pag. 164. In Brauneisenstein umgewandeltes Exemplar aus
Aachener Sand des Stadtwaldes. ’
13.. Capulus verus J. Böum. pag. 151. Vaals.
14. Turritella sociahis Mint. pag. 164. Ebendaher.
ls? Br multilineata Mürz. pag. 159. Ebendaher.
16. re quadrieineta GLDF. pag. 157. Grünsand vom Lusberg.
Se nodosa Rorm. pag. 155. Spitzen von Vaals. (7. acutissima Mvrr.)
19. Laxispira pinguis n. sp. pag. 153. Vaals.
20mBOH Er, cochleiformis Münr. sp. pag. 153. Ebendaher.
22. Turritella Stoliezka n. sp. pag. 163. Aus losen Grünsandblöcken von Ronheide.
Dh > aquensis n. sp. Vaals.
Die Originale von Fig. 5, 11, 13 m Herrn Beıssen’s Sammlung, die anderen in der
Sammlung der technischen Hochschule.
Palaeontographica. Bd. XXXIV.
Palaeontographica Bd .ARXIV.
Univ. Lith.v A:Henry, Bonn
Tafel-Erklärune.
Tafel XVI.
1. Turritella alternans Roem. pag. 161. Junges Exemplar aus dem Grünsand von Vaals.
2—7.. Desgl. Aus dem Grünsand am Lusberg.
8. Desgl. Von Vaals.
9. Turritella acanthophora Mürz. pag. 156. Grünsand vom Königsthor. Originalstück MÜLLEr’s.
10. Desgl. Vaals. Das Exemplar ist unten verdrückt, daher die grosse Breite.
11. Turritella nodosa Rosm. pag. 155. Ebendaher. Scheint einen Uebergang zu 7. acanthophora
zu bilden.
119% acanthophora Mürz. pag: 156. Junges Exemplar von Vaals.
13. 5 nodosa Rorm. pag. 155. Ebendaher.
14. Desel. Grünsand des Aachener Waldes.
15: Desgl.- Grünsand vom Königsthor.
16—18. Desgl. Grünsand vom Lusberg.
19). Desgl. Spitze von Vaals.
20. Turritella ?sexlineata Rozm. pag. 160. Junges Stück von Vaals.
al nodosa Rorm. pag. 155. Grünsand am Lusberg.
23. re multilineata Mürv. pag. 159. Vaals.
24. ” sexlineata RoEm. pag. 160. Bruchstück mit Operkel vom Lusberg.
25. Desgl. Spitze von Vaals (Turr. gothica Mürn.)
26. Desgl. Vom Lusberg. Original von Zurr. Reussiana Mürr.
Sämmtliche Originale befinden sich in der Sammlung der technischen Hochschule.
Palaeontographica. Bd. XXXIV.
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TaeiVl.
Palaeontographica Bd .XAKV.
Univ.Lith v.A Henry.Bonn
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Ill
Tafel-Erklärunse.
Tafel XVII.
Turbo retifer J. Börm. ypag. 169. Von Vaals. Fig. 2 von Ronheide.
Trochus gemmeus Müvrr. sp. pag. 174. Untere Mucronatenmergel des Schnee-
berges bei Vaals.
Eutrochus scalatus n. sp. page. 173. Grünsand von Vaals.
Margarita radiatula For. pag. 171. Ebendaher.
Nerita pygmaea n. sp. pag. 167. Ebendaher. (Die Figur ist vollständig
verzeichnet).
Emarginula sp. pag. 176. Untere Mucronatenschichten des Schneeberges
bei Vaals.
Die Originale zu Fig. 5 und 11 befinden sich in Herrn Beısser’s Sammlung, die übrigen
Palaeontographica.
in der Sammlung der technischen Hochschule.
Bd. XXXIV.
Palaeontographica Bd.AXXW.
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Tafel-Erklärune.
Tafel XVII.
Fig. 1, Damesia cretacea Mürr. sp. pag. 169. Von Vaals.
u 55 Decheni n. sp. page. 169. Ebendaher.
„ 3—7. Liotia macrostoma Mürr. sp. pag. 170. Ebendaher.
Das Original von Fig. 2 befindet sich in Herın Beısser’s Sammlung, die übrigen
in der Sammlung der technischen Hochschule.
Palaeontographica. Bd. XXXIV.
T.XVM.
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Palaeonton
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Tafel-Erklärune.
Tafel XIX.
Scalaria ef. decorata A. Rom. pag. 165. Grünsand am Lusberg.
Discohelix simplex n. sp. pag. 167. Grünsand von Vaals.
Scalaria Drancoi n. sp. pag. 166. Ebendaher.
. Eutrochus quadricinetus Mürn. pag. 172. FEbendaher.
Trochus Ryckholti Müiıı. sp. pag. 174. Grünsand vom Königsthor.
Desgl. Von Vaals. $
Trochus Miilleri n. sp. pag. 174. Aachener Sand des Salvatorberges.
Die Originale zu Fig. 1, 2 und 9 befinden sich im städtischen Museum,
die zu den übrigen in der Sammlung der technischen Hochschule.
Palaeontographica.
Bd, XXXIV.
[2
Palacontographiea Bd.XAATY. Taf.
Univ. Lith.v A.Henry. in Bonn.
"
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{
Fig.
Tafel-Erklärune.
Tafel XX.
1—4. Siphonaria variabilis n. sp. pag. 74. Ausgüsse von Abdrücken im Quarzit des Ronheider Tunnels.
5.
6.
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‘
8.
%
10.
1U1le
Pleurotomaria plana GwLoF. pag. 176. Mucronatenschichten des Schneeberges.
„ distincta Gupr. pag. 176. Thonige Grünsande des Preussberges.
Dentalium alternans Mürr. pag: 178. Grünsand von Vaals.
Gadila aquensis n. sp. pag. 179. Grünsand von Vaals. Das Original ist beträchtlich stärker
spindelförmig als die Zeichnung, und verengt sich nach oben wieder.
Dentalium alternans Mürwn. pag. 178. Lose Grünsandblöcke bei Ronheide.
Entalis Gardneri n. sp. pag. 178. Grünsand von Vaals.
Geinitzüi J. Bönm sp. pag. 177. Ebendaher.
”
Die Originale von Fig. 1, 2, 3, 4, 6 befinden sich in Herrn BeısseL’s Sammlung, die übrigen
in der Sammlung der technischen Hochschule.
Palaeontographica. Bd. XXXIV.
Tale
ıca.Bd.AXXIV.
Falaeontographi
Univ. Lith.v.A Henry in Bonn.
ve
Fig.
[eo]
Tafel-Erklärune,
Tafel XXI.
Pyrgulifera nassa Woopw. ypag. 146. Lebend aus dem Tanganjika-See.
grandis SmiTH. pag. 146. Ebendaher.
Damoni SmitH. pag. 146. Typhobia-Stadium. Ebendaher.
crassigranulata SmitH. Ebendaher.
s sp. pag. 149. Aachener Sand des Salvatorberges.
Neumayri n. sp. pag. 148. Ebendaher.
Latirus Dewalguei n. sp. pag. 111. Grünsand von Vaals. (Vergl. Taf. IX Fig. 18).
‚9. Cancellaria nitidula Mir. sp. pag. 92. Ebendaher. (Vergl. Taf. IX Fig. 4—7).
Cerithium binodosum Roem. pag. 124. Ebendaher. Original von Cer. Sartorü Mürr.
Damesia Decheni n. sp. pag. 169. Ebendaher. Ausgewachsenes Exemplar. (Vgl. Taf. XVII Fig. 2).
Eulima aquensis n. sp. pag. 135. Ebendaher. (Vergl. Taf. XVII Fig. 15).
Odostomia Lundgreni n. sp. pag. 135. Ebendaher.
= cretacea n. sp. pag. 134. Ebendaher.
Turbonilla aquensis n. sp. pag. 156. Ebendaher.
79
Die Originale von Fig. 1—4 befinden sich im Musee royale d’histoire naturelle in Brüssel,
die übrigen in der Sammlung der technischen Hochschule.
Palaeontographica. Bd. XXXIV.
EN DOUE
Falaeontographica Bd.XXKXIV.
10
11
12
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Univ. LithyvAHenry Bong.
i
Tafel-Erklärung.
Tafel XXII.
Fig. 1. Cenosphaera mimuta Pastaxeruı. Koprolithen von Zilli.
a: r eristata Rüst. Neocom von Gardenazza.
„3. Cenellipsis giganteu Rüst. m en “
„4 Oarposphaera indicans Rüst. Koprolithen von Zilli.
„5. Druppula Muwrrayi Röst. s- DEI
„6.7. Stylatractus Rothii Rüst. 35 Me
“ 8: n spinosus Rüst. 5 NEN
a): za pellueidus Rüst. in a
„ 10. Druppatractus prumum Rüst. en ” cr
era le en caudatus Rüst. ” SE
„12. Stylosphaera macrostyla Rüst. 3 en
„ 13. Staurolonchidium elegans Rüst. Re BE RE
Palaeontographica. Bd. XXXIV.
Palaeontographiea Da.XXXIV.
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6. Keller, lith. Br. Keller, gedr.
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Tafel-Erkläruns.
= Tafel XXIII.
Fig. 1. Haliomma asperum Rüst. Koprolithen von Zilli.
» 2. Thecosphaera Zinckenii Rüst. Ebendaher. Oberseite.
LDr 7 , “ en Durchschnitt.
siert: = septemradiata Rüst. Koprolithen von Zilli.
Tears): ” decemradiata Rüst. 2, En
“ 6. Trochodiscus spinosus Rüst. n a
» 7. Amphisphaera armata Rüst. sn en
H; 3. Staurocromyum Mwuelleri Rüst. er ET,
„9. Cromyomma perplexum STOEHR. ” |
„ 10. Caryosphaera bella Rüst. » Bon
„ 11. Spongodictyum involutum Rüst. R ee
„12. Spongolonche sagittaefera Rüst. ; En:
„ 13. Spongosphaera exiguu Rüst. a EN
Palaeontographica. Bd. XXXIV.
Taf. XXM.
XIV.
jraphica Bd.
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Palaeon
Br. Keller, gedr.
5. Keller, lith.
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Tafel-Erklärune.
Tafel XXIV.
Fis. 1. Cyphonium laeve Rüsn. Koprolithen von Zill.
{o)
aD: bs perspiceuum Rüsı. * REN
„3. Ovyphanta aperta Rüst. 3 el,
„4. Oyphinus probus Rüst. na N:
de 35 largus Rüst. In ee
„6. Lithocychia justa Rüst. „ ae
„71. Porodiscus laxus Rüst. = en
3: 55 cretaceus RÜST. Be Ben
LO): hi tener Rüst. a5 KAHN,
10. Staurodietya nitida Rüst. =
7 J ER} zh}
alle es Fischeri Rüst. 7 Er
al. 35 rhomboides Rüst. ,, een
Palaeontographica. Bd. XXXIV.
Palaeontographica Bd.XRXIV.
6.Keller, Iith. Br. Keller, gedr.
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Tafel-Erklärune.
Tafel XXV.
Fig. 1. Stylodictya spiralis Rüst. Koprolithen von Zilli.
Palaeontographica.
EN 3% lata Ruüst. s: ne
„3. Amphibrachium Zilliense Rüst. 55 ® er
n $ PR grande Rüst. s a,
3. 2 abbreviatum Rost. Neocom von Gardenazza.
NEO. 5 clavatum Rüst. ” se &
„7. Rhopalastrum retusum Rüst. er N 55
» 8. Dictyastrum temue Rüst. re e 55
age a Neocomiense Rüst. n nn is
LO! BR integrum Röst. ” 55 5
ul lE N desecatum Rüst. 5;
in 10 jr ovale Rust. Koprolithen von Zilli.
Bd. XXXIV,
a ba.xXXXV.
Palaeontographie
Br. Keller, gedr.
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Bd. XXXIV.
Tafel-Erklärunse.
Tafel XXVI.
Hymeniastrum rotundum Büst.
Spongotripus impletus Rust. -
“ pauper Rüst.
Spongostaurus magnificus RüsT.
Stylotrochus solitus Rüst.
formosus Rüsrt.
N hamatus Rüst.
Spongolena elongata Rüst.
Br oblonga Rüst.
Tympanidium anmulare Rüst.
55 minus Rüsrt.
Archicireus annulus Rüst.
Koprolithen von
ER}
NEED.
Palaeontographica Bd.XNXXIV.
Br.Keller, gedr.
6.Keller, ith.
Tafel-Erklärung.
Tafel XXVII.
Fig. 1. Spongobrachium divergens Rüst. Koprolithen von Zilli.
EN 2. 5 Boehmei Rüst. .n
„93. Spongaster vietus Rust. ; , ”
4. Semantis uncinata Rüst. : Hr
e 5. Prismatium insigne Rüst. 5 e Rn
2 OR A spinosum Rüst. nn en
AN 7. Lithocubus rotundus Rüst. ns vr m
8. N tenuis Rüst. i \ re
: 9. Lithocireus spiniger Rüst. . Ei
0, s cornutus Rüst. 5
„ 11. Dietyospyris horrida Rüst. en ;
l2; > globosa hüsrt. : %
„ 13. Cannobotrys globata Rüst. ; " ;
„14 Oyrtocalpis sphaerula Rüst. : a en
„ 15. Mitrocalpis depressa Rüst. i Br nr
„ 16. Dicetyocephalus globulus Rüst. 5 nn
lie a melocactus Rüst. 2 Pe
„ 18. Acrocalpis acuta Rüst. X N
„19. Sethocorys cepa Rüst.
„20. Anthocyrtis hemisphaerica Rüst. : ;
Read" in EFlisabethae Rüst. ax
„22. Lvchnocanium armatum Rüsr. r Er x
„23. Sethocapsa pila Rüst. " er 3
„ 24. Dicolocapsa macrocephala Rüst. Neocom von Gardenazza.
. Di zn macropora Rüst. a = S
N A Ganltiana Rüst. Koprolithen von Zilli.
„28. Micromelissa coarctata Rüst.
br Er .
Palaeontographica. Bd. XXXIV
Palaeontographiea Ba.XXXIV.
Br. Keller, gear.
G. Keller, lith.
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en
Tafel-Erkläruns.
Tafel XXVII.
Fig. 1. Tetraedrina megapora Rvst. Koprolithen von Zilli.
» 2. Theocorys coronata Rüst. r r 5
ee: & pumila Rüst. = Eee
„4. Theosyringium capitatum Rüst. Neocom von Gardenazza.
„5. Theocapsa salva Rüst. Koprolithen von Zilli.
„6. Dictyomitra aperta Rüst. 5 " x
RE = ventricosa Rüst. = ae
ER 8. lanterna Rüsrt. = = =
3 9, lat« Rüst. & ss nn
nl: on Geresü Rüst. an ir Sn
hl = perfecta Rüst. „ en on
1 ER varıans Rüst. 5 " nn
14. n parva Rüsrt. n a en
li. = excisa Rüst. : 5 5
lo: u Anglica Rüst. “ EN “
„ 17. Stichocapsa venusta Rüst. > r 1
llö® er Trautscholdii Rüst. * in N
„19. Oyrtocapsa inclinata Rüst. ae er Re
„20, 5 5 Jugendform. ,, Bu Per
„ 21. Dietyocha speculum ? EHRE. In re 2
Palaeontographica. Bd. XXXIV.
Palaeontographica ba.XXXN.
, Back.
Br. Keller
G. Keller, lith.
Fn
Tafel-Erkläruns.
Tafel XXIX.
Theil eines Schliffes vom Koprolithen von Zilli mit ovalen Körpern.
Palaeontographica. Bd. XXXIV,
Palaeontographica Ba.XXXW.
Br.Keller, gedr.
6. Keller, lith.
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R > y Ze
Tafel-Erklärune.
Tafel XXX.
Apochrysa excelsa Hac.
Chrysopa excelsa Hac.
Corydalis vetusta Hac.
Pycnophlebia speciosa Münst. em. DEıcHM.
Cyrtophyllites Rogeri n. Sp.
Mesoblattina lithophila GeRrM. em. DEICHM.
Ischyopteron suprajurense n. SP.
Mesoblattina lithophila GERM. em. DEICHM.
eonapnepwn
Öberflügel von Myrmecoleo, 3fach vergrössert.
110, n „ Rhipidorhabdus, doppelt vergrössert.
Ele e „ Direx, 4fach vergrössert.
„ 12. Ephemera procera Hac.
ler n speciosa n. SP.
„ 14. Nuaucoris carinata n. SP.
„15. Conco®
„ 16. Naucoris lapidarius WEYENB.
„ 17. Elcana amanda Hac. em. Deıcan.
„ 18. Ephemera mortua Hac.
ad! \ multinervosa n. SP.
Sämmtliche Typen, mit Ausnahme des Fig. 5 abgebildeten Cyrtophyllites Rogeri, welcher im
Maximilianeum zu Augsburg aufbewahrt wird, befinden sich im palaeontologischen Museum des
bayer. Staates zu München; sie sind, sofern keine andere Angabe beigefügt ist, in natürlicher
Grösse gezeichnet und stammen aus den schieferigen Kalkplatten der Umgebung von Eichstädt.
Palaeontographica. Bd. XXXIV.
Palaeontographica
G.Keller, gez.u.lith. .. Br.Keller, gedr.
BET
Tafel-Erklärung.
Tafel XXX1.
1. Prolystra lithographica n. Sp.
„2. ÖOryctites fossilis n. Sp.
3. Belostoma deperditum GERM. em. DEICH"M.
4. Halometra minor n. Sp.
5. Elaterites priscus n. Sp.
„6. Silphites angusticollis n. Sp.
7. Anisorhynchus lapideus WEYENB.
8. Ditomoptera dubia GERM.
9. Eurythyrea grandis DEICHM.
„. 10. Sphaerodema jurassicum n. SP.
„ 11. Nepa primordialis GERM.
„ 12. Procarabus tripartitus n. SP.
„ 13. Hydrometra paludum, recent.
„ 14. Procarabus‘ Zitteli n. Sp.
„ 15. Prodytiscus longispinosus DEICHM.
„ 16. Silphites cetoniformis n. SP.
„17. Progeotrupes jurassicus N. SP.
„ 18. Halometra gigantea GERM.
„19, 20. Prodytiseus Eichstaettensis n. Sp.
91. Buprestites suprajurensis n. SP.
32. Elaterites robustus n. SP.
„23. Ohrysomelites jurassicus n. SP.
„ 24. Oryptocephalus mesozoicus WEYENB.
„25. Chrysomelites minimus n. Sp.
„ 26. Galerucites carinatus n. SP.
2 Cureulionites striatus n. SP.
98. Procarabus reticulatus n. SP.
„29. Pterinoblattina hospes GERM.
„ 30. Eocicada microcephala n. Sp.
„ 31. Corydalıs vetusta Hac.
Sämmtliche Typen sind in natürlicher Grösse gezeichnet und befinden sich im palaeontologischen
Museum des bayer. Staates in München. Die Originale zu Fig. 9 und 26 stammen aus dem
Schiefer von Kelheim, alle übrigen aus der Umgegend von Eichstädt.
Palaeontographica. Bd. XXXIV.
Palaeontographiea BA.XXXIV.
©. Keller, gez.u.lith.
Br. Keller, £ edr.
ES
N Ren
or Me
2 9
& RER
KRKINEET
PALABONTOGRAPHICA.
BEITRAEGE
_ NATURGESCHICHTE DER VORZEIT.
Herausgegeben
von
KARL A. v. ZITTEL,
Professär in München.
Unter Mitwirkung von
E. Beyrich, Freih. von Fritsch, M. Neumayr, Ferd. Römer und W. Waagen
als. Vertretern der Deutschen Geologjschen ‚Gesellschaft,
Vierunddreissigster Band,
Erste Lieferung,
Inhalt:
N »
Riess, Joh., Ueber einiee fossile Chimaeriden-Reste im: Münchener palaeontologischen Museum; .(S..1—28. "Taf. I—IM).
Holzapfel, E., Die Mollusken der Aachener Kreide. (S. 29—72 Taf: IV—V). ' Fortsetzeng folst.
Stuttgart.
E. Schweizerbart’sche Verlagshandlung (E. Koch).
1887.
Ausgegeben im Juli 1887.
\achener Kreide. (S.
‚1088.
Ausgegeben im März 1888,
‚73—180. Taf. VI-XXT). Schluss folgt,
7 PALARONTOGRAPHICA.
BEITRAEGE
N ZUR
-NATURGESCHICHTE DER VORZEIT.
Herausgegeben
von
. KARL A. v. ZITTEL,
Professor. in München.
a Unter Mitwirkung von
2 "a E. Beyrich, Freih. von Fritsch, M. Neumayr, F'erd. Römer und W, Waagen
als Vertretern der Deutschen Geologischen Gesellschaft,
- Vierunddreissigster Band.
Fünfte und Sechste Lieferung.
DR vi Inhalt:
Rust, Dr., Beiträge zur Kenntniss der fossilen Radiolarien aus Gesteinen der Kreide. (S. 181-214. Taf. XXIL-XXIX,)
Oppenheim, Paul, Die Insecienwelt des lithographischen Schiefers in Bayern. (S. 215—247, Taf. XXX, XXXJ)
ae ee
Stuttgart.
E. Schweizerbart’sche Verlagshandlung (E. Koch).
1888.
Ausgegeben im Mai 1888.
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